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Die Erziehungsmethode Maria Montessoris im Hinblick auf Autorität

Analyse unter Berücksichtigung der modernen Definition nach Erich Weber und ihre aktuelle Geltung

Hausarbeit 2019 19 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff der Erziehung nach Klaus Prange

3. Die Erziehungsmethode Maria Montessoris
3.1. Maria Montessoris Menschenbild
3.2. Wichtige Bestandteile der Montessori-Erziehungsmethode
3.2.1. Die Umgebung
3.2.2. Das Material
3.2.3. Die Konzentration
3.3. Zusammenfassung

4. Betrachtung des Autoritätsaspekts
4.1. Maria Montessori über Autorität
4.2. Definition von Autorität nach Erich Weber
4.3. Autorität nach Erich Weber in Maria Montessoris Texten

5. Aktualität des Montessori-Konzepts am Beispiel der Seniorenarbeit

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Montessori-Pädagogik klingt ein bisschen so, als hätten die Schüler sich das selbst aus- gedacht: kein Leistungsdruck, keine Zensuren, keine Schulstunden im 45-Minuten-Takt“ (Esser 2012, S. 1). Dies ist der einleitende Satz eines Artikels des Focus Online. Auch ich selbst hatte bis vor wenigen Wochen eine ähnliche Vorstellung von dem Konzept Maria Montessoris. Auch viele andere denken, wenn sie Montessori hören, an ungeord- nete Klassenzimmer, Kinder ,die tun, was sie wollen und finden diese Vorgehensweise im Vergleich zu öffentlichen Schulen im dreigliedrigen Schulsystem eher lächerlich. Zum Großteil liegt das wahrscheinlich daran, dass man sich nicht vorstellen kann, man hätte mit geringerem Druck genauso viel gelernt. Am meisten interessiert mich persönlich in diesem Bezug, wie freie Bewegung im Raum und zielgerichtetes Lernen gleichzeitig möglich sind. Auch, dass diese Methode mittlerweile schon seit über 100 Jahren exis- tiert, hat mich dann dazu gebracht, mich genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bereits im weiteren Text des Onlineartikels wurden einige Aspekte angesprochen, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Da es in dieser Methode augenscheinlich viele Freiräume gibt, hat sich mir folgende Frage gestellt: Ist Autorität in der immer noch ak- tuellen Erziehungsmethode nach Maria Montessori verzichtbar?

Zu Beginn dieser Arbeit wird der Begriff der Erziehung nach Klaus Prange erörtert. Diese Definition gilt als Grundlage für die anschließende Auseinandersetzung mit der Erzie- hungsmethode Maria Montessoris. Zu ihrer Erziehungsmethode wird zuerst ihr Men- schenbild eingeführt. Dieses ist nötig, um ihre Einstellung dem Menschen und insbeson- dere dem Kind und dessen Entwicklung gegenüber, nachvollziehen zu können. Mit ihrer anthropologischen Sichtweise als Ausgangspunkt wird dann die Erziehungsmethode nach Maria Montessori durch drei wichtige Bestandteile erklärt. Als besonders wichtige Aspekte ihrer Methodik erschienen mir die angepasste Umgebung, das ausgewählte Material und der besondere Moment der Konzentration. Durch diese drei Bestandteile sollte der Grundgedanke Maria Montessoris verständlich erscheinen. Anschließend wer- den die drei Punkte zusammengeführt, um deren Bezüge aufeinander, sowie ihre Funk- tionen zu verdeutlichen. Im darauffolgenden Kapitel werden dann einige Beispiele ange- führt, bei denen Maria Montessori Autorität erwähnt. Außerdem wird auch ihre Sicht- weise auf die damalig gängige Erziehung mit Strafen deutlich. Dass Autorität aber nicht gleich Züchtigung bedeutet, erwähnte bereits Maria Montessori in ihren Texten. Als De- finition für den Autoritätsbegriff wird anschließend Erich Weber paraphrasiert. Mit seinen Anschichten als Basis werden dann erneut die Schriften und Aussagen Maria Montes- soris untersucht, wobei der Fokus darauf liegt, ob in ihrer eigenen Methode der Erzieher als Autoritätsperson angesehen wird oder ob ihre Erziehung sich von Autoritäten voll- kommen distanziert. In einem weiteren Kapitel wird dann die Aktualität von Maria Mont- essoris Gedanken untersucht. Besonders interessant ist bei diesem Aspekt der Versuch, die Methode auch auf das lebenslange Lernen im hohen Alter anzuwenden. Denn dieser Bereich ist ein relativ moderner in der Forschung, wodurch das Konzept Maria Montes- soris eine neue Bedeutung erhalten könnte.

2. Der Begriff der Erziehung nach Klaus Prange

Der Erziehungswissenschaftler Klaus Prange hat sich intensiv mit dem Begriff der Erzie- hung auseinandergesetzt. Um die Erziehungsmethode Maria Montessoris analysieren zu können, ist es wichtig, zuerst den Begriff Erziehung zu definieren. Dadurch kann im weiteren Verlauf der Arbeit unmissverständlich mit diesem Begriff gearbeitet werden. Ich habe mich an dieser Stelle bewusst für die Erziehung nach Klaus Prange entschieden, da er seine Schriften im selben Jahrhundert verfasste, in dem auch Maria Montessori ihre Texte schrieb. Diese Definition darf aber deswegen keinesfalls als veraltet angese- hen werden, da sie auch heute noch als aktuell gilt und immer noch häufig gelehrt wird.

Zur Klärung des Erziehungsbegriffs greift Klaus Prange zuerst auf das didaktische Drei- eck zurück. Für eine pädagogische Situation sind dessen Bestandteile grundlegend. Es beginnt mit dem Erzieher als Bezugsperson. Im Dreieck wird eine weitere Person dar- gestellt. Diese ist die lernende Person, also das Kind. Es ist der Grundstein für eine Erziehung. Denn es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch von Geburt an lernfä- hig ist. Diese Fähigkeit ist die Voraussetzung, welche Erziehung erst ermöglicht. Klaus Prange führt hier auch den Aspekt an, dass das Lernen eine lebenslange Tätigkeit ist, die der Mensch in jeder neuen Situation erfährt. Das Kind muss jedoch erst Dinge erler- nen, die dem Erwachsenen selbstverständlich erscheinen. Durch diesen Aspekt ist Er- ziehung vor allem beim Kind zentral. Nach den beiden Komponenten Kind und Erzieher, fehlt nun noch das Thema, beziehungsweise der Inhalt der Situation. Bis zu diesem Punkt ist das didaktische Dreieck nur eine Lernsituation. Doch um die Erziehung zu be- schreiben, fehlt noch ein Element, welches erst in der Praxis sichtbar wird. Es handelt sich hier um den Bezug der einzelnen Komponenten zueinander. Klaus Prange selbst beschreibt es auch als die Form. Denn hier ist die Eigenschaft des Erziehers gemeint, die ihn erst zu diesem macht. Es ist seine Aufgabe die passenden Lerninhalte für das Kind auszusuchen. Er muss dem Kind in seiner Entwicklung weiterhelfen, indem er er- kennt, welche neue Fähigkeit das Kind im Moment erlernen möchte. Er soll es dabei anregen sich weiterhin zu bemühen, aber auch aufpassen, dass es nicht überfordert wird, indem er ihm Grenzen setzt. Bildlich gesprochen steht die Form im didaktischen Dreieck zwischen den äußeren Komponenten des Kindes, Erziehers und Inhalts. Der Erzieher kennzeichnet durch sein Verhalten gegenüber dem Kind die Art der Erziehung (vgl. Prange 2012, S. 31-55).

Der Begriff Erziehung kennzeichnet also eine Weiterführung des Sachverhalts des Ler- nens, welcher durch den Erzieher beeinflusst und gesteuert wird. Der Erzieher kann ein Elternteil, Lehrer oder auch eine andere Person sein, die in diesem Kontext mit dem Kind agiert. Er wählt den Inhalt für das Kind aus und unterstützt das Kind durch bestimmte Verhaltensweisen in seinem Versuch, sich mit diesem Inhalt auseinanderzusetzen. Die- ses Verhalten des Erziehenden ist der zentrale Punkt, der Erziehung ausmacht.

3. Die Erziehungsmethode Maria Montessoris

Maria Montessori wurde 1870 in Italien geboren. Ihr Besuch einer naturwissenschaftlich- technischen Schule, sowie ihre anschließende Promotion zur Doktorin der Humanmedi- zin und ihre intensive Auseinandersetzung mit der Anthropologie, bilden die Basis für ihre Forschungen und Werke (vgl. Ludwig 2017, S. 331-333). Um ihre Gedanken nach- vollziehen zu können, folgt nun ein Einblick in das ihr zugrunde liegende Menschenbild.

3.1. Maria Montessoris Menschenbild

Das Kind steht bei Maria Montessoris Forschungen im Mittelpunkt. Der Erwachsene hat eine andere Perspektive auf sein Leben als das Kind, da er an einem anderen Punkt der Entwicklung steht. Von seiner Geburt an bis zum Erreichen des Erwachsenenstatus ent- wickelt das Kind individuell seinen Geist (vgl. Montessori 1973, S. 15).

In jedem Kind selbst ist eine Kraft enthalten, welche es zu seiner in sich angelegten Entwicklung führt. Auf diese Kraft soll vertraut werden, denn sie leitet jeden Einzelnen zu einer normalen Entwicklung. Auch diejenigen, die bereits einen falschen Weg in ihrer Entwicklung eingeschlagen haben, werden von dieser Kraft wieder auf den normalen Weg ihrer Entwicklung zurückgeführt. Das Kind benötigt lediglich Unterstützung, die es ihm ermöglicht sich selbst zu entfalten. Es wird von einem Menschen ausgegangen, der alle Eigenschaften und auch den Antrieb zur Entwicklung in sich trägt und eine Unter- stützung nur insofern braucht, um die Umwelt so anzupassen, dass sie einen Weg für diese Entwicklung ebnet (vgl. Montessori 1979, S. 20-25).

Des Weiteren war Maria Montessori selbst gläubig. Dieser Glaube gab ihr ein Bild von einem schöpferischen Gott. Sie glaubt daran, dass in abweichenden und ungewissen Entwicklungssituationen die Unterstützung Gottes erbeten werden kann, der durch seine Gnade dem Kind helfen wird (vgl. Montessori 1979, S. 100).

Maria Montessori geht also von einem Kind aus, dass von Gott gegeben eine natürliche Entwicklungsgabe besitzt, die es ihm ermöglicht alle Fähigkeiten, die bereits in ihm an- gelegt sind auszubilden. Das Kind ist daher, wie auch bei Klaus Prange bereits erwähnt wurde, von Geburt an lernfähig. Maria Montessori geht aber noch einen Schritt weiter, indem sie die Motivation und den Wunsch zu lernen, ebenfalls in den kindlichen Körper einschreibt.

3.2. Wichtige Bestandteile der Montessori-Erziehungsmethode

Um die Erziehung nach Maria Montessori zu erläutern, werden nun drei wichtige Be- standteile ihrer Methode vorgestellt. In ihren Texten werden noch weitere Aspekte er- wähnt, welche aber eine zu umfassende Erläuterung benötigen würden. Um aber eine Grundlage für die Erziehungsmethode nach Maria Montessori zu schaffen, werden diese drei Punkte für ein tieferes Verständnis genauer erklärt und im Anschluss zu einem all- gemeinen Definitionsversuch der Montessori-Erziehung zusammengeführt.

3.2.1. Die Umgebung

Ein wichtiger Bestandteil ihrer Theorie ist die Umgebung. Sie gilt als ein zentraler Punkt, weil sie es dem Kind ermöglicht, sich frei zu entfalten. Es liegt am Erzieher, diese Ler- numgebung so anzupassen, dass die Entwicklung ohne Hindernisse aus dem Kind her- aus geschehen kann (vgl. Montessori 1991, S. 115-117). Auch die Persönlichkeit des Einzelnen und die Eigenschaften, welche jedes Kind erst individuell und einzigartig ma- chen, können sich nur in einer dafür geeigneten Umgebung ausbilden (Ebd. S. 209f.).

Auch für Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten liegt die Lösung darin, die Umgebung für eine freie Entwicklung anzupassen. Diese Auffälligkeiten in ihren Verhaltensweisen sind ein Anzeichen für eine Einschränkung des Kindes in seiner Umgebung. Wird also eine freiere Umgebung für das Kind geschaffen, so werden sich auch diese Abweichungen im Verhalten von selbst wieder in Richtung der Norm anpassen. Bei diesem Aspekt ist es auch wichtig klarzustellen, dass die Umgebung an die Bedürfnisse des jeweiligen Kindes angepasst wird. Die Umgebung wird also als Eigentum des Kindes angesehen und darf nicht fälschlicherweise dem Erziehenden unterliegen (vgl. Montessori 1979,S. 20-24).

In ihrem Buch „Frieden und Erziehung“, welches Maria Montessori kurze Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlichte, geht es darum, wie die Erziehung den Frieden in der Welt wiederherstellen kann. Die Umgebung wird hier als eine, zu dieser Zeit entfremdete, beschrieben. Sie ist weit von der entfernt, die eine ideale Entwicklung des Kindes er- möglichen könnte. Eine solche Umgebung führt damit auch zu einer fehlerhaften Ent- wicklung, welche einen feindlich gesinnten Erwachsenen zur Folge haben kann. Einen Erwachsenen, der das Kind beeinflussen möchte, indem er seine Überlegenheit aus- drückt. Mit diesem Verhalten wiederum unterdrückt der Erwachsene die natürliche Ent- wicklung des Kindes (vgl. Montessori 1973, S. 13-15).

Die Aufgabe des Erziehers liegt bezüglich der Umgebung darin, diese möglichst frei zu gestalten. Dem Kind müssen Freiräume zur eigenen Entfaltung seines Wesens geschaf- fen werden, wodurch es sich dann ohne Störungen eigenständig entwickeln kann.

Diese Freiheit darf aber nicht grenzenlos sein. Der Erzieher muss erkennen, wenn Kin- der in ein Verhalten verfallen, welches für ihre Entwicklung nicht förderlich, sondern eher hinderlich ist. An dieser Stelle ist es seine Aufgabe einzugreifen und das Kind zum Ler- nen anzuregen (vgl. Montessori 1979, S.24-26).

3.2.2. Das Material

Unter Material sind alle Gegenstände zu verstehen, die sich in der vorbereiteten Umge- bung befinden. Diese Materialien sind es, mit denen sich das Kind beschäftigt. Durch die Auseinandersetzung mit den Materialien lernt es. Dadurch liegt es am Erziehenden die Materialien so vorzubereiten, dass sie dem Kind interessant erscheinen. Durch die Be- schäftigung mit den Materialien lernt das Kind den Umgang mit ihnen und kann immer weiter daran üben. Diese Wirkung kommt dem Material aber nur zu, wenn es vom Kind selbst ausgewählt wird. Es muss sich selbst dazu entschließen sich mit dem jeweiligen Gegenstand auseinanderzusetzen und darf nicht vom Erzieher dazu gezwungen werden (vgl. Montessori 1973, S. 90-92).

Der Erzieher in Einrichtungen sollte selbst gute Kenntnis über das Material und dessen Verwendung haben. Seine Aufgabe ist es, den Kindern seine Kenntnisse über die Ge- genstände beizubringen, sodass sie in der Lage sind, diese freiwillig auszuwählen und zu verwenden. Wenn der Erzieher bemerkt, dass ein Kind einen bestimmten Gegen- stand ablehnt, soll er ihm diesen erneut erklären und vorführen. Somit kann er zuvor entstandene Missverständnisse aufklären (vgl. Montessori 1979, S. 28f.).

Ein weiterer wichtiger Aspekt, der im Zusammenhang mit dem Material zu nennen ist, ist die Ordnung. Dadurch, dass die Kinder ihre Materialien selbst auswählen, holen sie diese auch selbstständig an ihren Arbeitsplatz und räumen diese nach ihrer Beschäfti- gung wieder auf. Sie erlernen eigenständig Ordnung zu halten, sogar dann, wenn ein weiteres Kind den Gegenstand, welcher neben dem eigenen stand, entwendet hat, wis- sen sie noch, wo dieser einzuordnen ist (vgl. Montessori 1991, S. 125-127.).

Außerdem können Kinder durch angepasstes Material Farben, Formen und viele andere äußere Eigenschaften lernen. Das geschieht mithilfe der Fähigkeit zur Unterscheidung.

„Es müssen Gegenstände vorbereitet werden, die untereinander vollkommen gleich sind, mit Ausnahme der sich ändernden Eigenschaft“ (Montessori 2010, S.123). Das Kind wird dann den Fokus seiner Aufmerksamkeit auf genau diese Eigenschaft richten und diese so erlernen (vgl. Montessori 2010, S.123f.).

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Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346052483
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504496
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,3
Schlagworte
Erziehung Autorität Montessori Weber

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