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Peel I und II. Die Geldpolitik der Bank of England bis 1866

von Diplomkaufmann René Bräunig (Autor) Ihsan Al-Salihi (Autor) Uwe Pinker (Autor) Dirk Wagner (Autor)

Akademische Arbeit 1993 54 Seiten

VWL - Finanzwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abriß der Geschichte der Bank of England

II. Geschichtlicher Hintergrund Teil I

III. Die Currency - Theorie
III. 1. Die Quantitätstheorie als Ausgangspunkt
III. 2. Das rein metallische Geldwesen
III. 3. Der gemischte Zustand des Geldwesens
III. 4. Die Bewegung der Geldmenge in beiden Systemen
III. 5. Das Prinzip des gleichmäßigen Schwankens von Notenzirkulation und Barfonds
III. 6. Spätere Modifizierung der Currency - Theorie

IV. Banking - Theorie
IV. 1. Die Sicherung der Einlösbarkeit der Noten
IV. 2. Fullarton über den Einfluß von Horten auf den Metallwert

V. Geschichtlicher Hintergrund Teil II

VI. Peelscha Bankakte 1844 - 1866
VI. 1. Die Notenabteilung
VI. 2. Die Bankabteilung
VI. 3. Aus einer Rede vom 6. und 20. Mai 1866
VI. 4. Peel ´s Gesetzentwurf
VI. 5. Die Notenausgabe in Schottland und Irland
VI. 6. Schwächen der 2. Peelschen Bankakte
VI. 7. Stellungnahme von Currency - Theoretikern
Vi. 8. Das offene Diskontfenster ( kurzer Ausblick )

VII. Wagner `sche Kritik der Currency - Theorie
VII. 1. Kritik am Begriff des Geldes in der Currency - Theorie
VII. 2. Kritik der Notenmengenregulierung
VII. 3. Tooke`scher Fundamentalsatz ( Umkehrung der Currencytheorie )

VIII. Wagner `sche Kritik der Peel`schen Bankakte von 1844
VIII. 1. Überspekulation und Wirkung der Peel`schen Bankakte von 1844
VIII. 2. Lender of last Ressort
VIII. 3. Strukturbedingte Probleme der Bank of England

IX. Geschichtlicher Hintergrund Teil III

Literatur

I. ABRIß der Geschichte der Bank of England

1694 per Erlaß gegründet, 1,2 Mill. Pfund Sterling Kapital

1773 Stock exchange

1775 Londoner Clearing House gegründet, interbankmäßiger Zahlungsverkehr von Wechseln, Schecks,.Coupons, Bankübertragungsscheinen, Kreditnoten

1797 Kapitalerhöhung um 1 Mill. Pfund Sterling ,Suspension der Barzahlungen, da Barvorrat der Bank of England auf 1 Million Pfund Sterling gesunken war (bei 9,75 Millionen Pfund Notenzirkulation), Verbot weiterer Barzahlungen

1817 Sparkassengesetz , Spargelder mußten in Staatspapieren angelegt werden

1819/21 Wiederherstellung der Einlösepflicht von Banknoten gegen Gold unter Einfluß von Ricardos Schrift " The high price of bullion,.."

1820 20 Bankenzusammenbrüche

1825 700 Bankenzusammenbrüche

1826 Joplindenkschrift erlaubt Bankgründungen als " joint stock bank " mit dem Recht zur Notenausgabe, diese haben Gültigkeit im Umkreis von 65 Meilen um den Bankensitz, jedoch nicht unter 50 Pfund Sterling Nennwert und nur außerhalb Londons

1827 Bankengründungen mit sehr viel Kapital( z.B. Bank of Manchester, County Bank, York City Bank)

1833 Noten der Bank of England werden gesetzliche Zahlungsmittel ( legal tender )

1834 weitere große Banken gegründet (z. B. London and Westminster Bank, London and County Banking Companie, National Provincial Bank of London ), heftig bekämpft von Bank of England und Londoner Banken, erst 1841 werden sie in den Kundenkreis der Bank of England aufgenommen und erst 1854 in das Londoner Clearing House

1836/37 Inflation, da die joint stock banks aus Konkurrenzgründen möglichst viele Noten in Umlauf gebracht hatten , vervielfachter Notenumlauf, Bank of England in Schwierigkeiten

1839 Katastrophe kann nur durch Aufnahme einer Anleihe von 3 Millionen Pfund in Paris und Augsburg abgewendet werden, heftige öffentliche Auseinandersetzungen über die Aufgabe einer Zentralbank, Reorganisation der Bank of England gefordert

1844 Peelsche " Bank act "

1844 in England und Wales existieren 205 Banken und 72 joint stock Banks mit einem Kontingent von 13 801 417 Pfund Sterling

1845 wurde irisches ( Kontingent 3 788 428 Pfund ) und schottisches ( 3 087 209 Pfund Kontingent ) Bankensystem wie englisches organisiert

1847"week of terror", Preissturz , vorübergehend wird Peelsche Bankact außer Kraft gesetzt und der Notenumlauf durch ungedeckte Noten vergrößert( 1857 und 1866 ähnliche Maßnahmen )

1857 jede Gesellschaft mit mehr als 10 Mitgliedern muß als Aktiengesellschaft organisiert sein

1858 Gesetz , nach dem die Banken sich bei Umwandlung zu Gesellschaft mit Haftungsbeschränkung zu halbjährlicher Veröffentlichung der Bilanz verpflichten mußten ( ab

1862 mit maximal 7 Mitgliedern )

1861 Zentralsparkasse in London eröffnet, außerhalb Londons dienen die Poststationen dazu ( 1870 Einlage von 60 Millionen Pfund )

Anfang der 60 er Jahre erste Investmentfonds

1864 Beitritt der Bank of England zum Londoner Clearing House

1865 Gründung der Lloyds Bank Ltd.

II. Geschichtlicher Hintergrund Teil I

Das Jahr 1815. England hatte den Kampf gegen Napoleon mit Gewinnen überstanden. Die Zahlen der industriellen Leistung und Verkehrsdichte pro Kopf übertrafen die aller anderen europäischen Staaten. Die Idee des Freihandels wird ein Teil des englischen Denkens und der englischen Gesellschaft. Seit circa 1780 befindet sich England in der Phase der sogenannten "Industriellen Revolution". In und um Manchester entsteht die Baumwollindustrie als Exportindustrie nach Indien und den Fernen Osten. Innerhalb der Industrie kommt es zur Mechanisierung( Spinnerei bis ca. 1780, Weberei ab Ende Napoleonische Kriege). Die gesamte Kapitalbildung hat sich im frühen 19. Jahrhundert wahrscheinlich auf nicht mehr als 7 % des Volkseinkommen belaufen, ( was unter der 10 %- Rate liegt, die heute von einigen Wissenschaftlern als für die Industrialisierung unabdingbar angesehen wird, und weit unter den Raten von bis zu 30 % ,wie sie bei den Marktwirtschaften in den fortgeschrittenen Ländern anzutreffen sind ). Die Bruttokapitalbildung in Großbritannien überschritt die 10 % - Schwelle erst in den 1830er und 1840er Jahren, als das Zeitalter der billigen, auf Produkten wie Textilien aufgebauten Industrialisierung dem Zeitalter der Eisenbahnen, der Kohle, des Eisens und Stahls Platz machte. Der Übergang zur gesetzlichen Goldwährung wurde 1816 vollendet, Silber diente danach nur noch als Scheidemünze bis zu 40 Schilling. In der Wirtschaftskrise, die auf das Ende der napoleonischen Kriege folgte, gingen 1816/17 fast 90 Notenbanken Bankrott, in der Handelskrise 1825/26 noch mal 70. Die privaten Notenbanken hatten in den letzten beiden Jahren vor dem Ausbruch der Handelskrise ihren Notenumlauf mehr als verdoppelt und waren diesem nun nicht gewachsen. Das Bankpublikum wurde durch die Bank of England beruhigt, die unter Abgabe eigener großer Goldvorräte alle Kreditforderungen bewilligte. Die Krise hatte zwar nicht die Banknote als Umlaufmittel in Mißkredit gebracht, aber das Dilemma offenbart, daß entweder ungenügende Barmittel für Geschäftsbeziehungen bereitstehen oder aber die Fähigkeit zur Barzahlung unmöglich ist. Premierminister Lord Liverpool hielt deshalb die Gründung kapitalstarker Notenbanken für notwendig. 1826 erfolgte die Gründung von weiteren Notenbanken in Wales und England ( außerhalb Londons ), die als Aktiengesellschaften organisiert sind. 1833 wird die Banknote der Bank of England " legal tender ". 1845 erfolgt dieses dann auch in Schottland und Irland. Doch das System funktionierte noch nicht. 1839 kommt es fast zur Katastrophe, die nur durch Kreditaufnahme in Hamburg und Paris abgewendet wird. Mit diesen Geldmitteln kommt die Bank ihren Zahlungsverpflichtungen nach. Die Krise veranlaßte die Regierung bei Verlängerung des Notenprivilegs 1844, die jederzeitige Fähigkeit der Bank of England zur Einlösung der Noten in Gold durch Verhältnisfestsetzung festzulegen. Diese Festsetzung wurde schon lange diskutiert, ursprünglich aus Anlaß der Teuerung während der napoleonischen Kriege. Als 1797 die Einlösepflicht aufgehoben wurde und die Preise stiegen, machte Walter Boyd in " Letter to the Right Honorable William Pitt " ( 1800 ) die Ausgabe von zu vielen Banknoten dafür verantwortlich. Thornton hielt entgegen, daß die Daten, auf denen diese These beruhte, nicht stimmte, daß vielmehr eine Mißernte die britische Handelsbilanz verschlechterte und zu einem Goldwertverlust geführt habe, während hingegen nicht viel mehr Banknoten ausgegeben worden seien als früher. Der Streit von Currency- und Banking - Schule beginnt mit Boyd. In der Öffentlichkeit fand die Currencyschule mehr Anerkennung, deren prominentester Sprecher David Ricardo war. 1809 erschien seine grundlegende Schrift " The high price of bullion, a proof of the Depreciation of bank notes " . In Auseinandersetzung mit Thornton behauptete Ricardo, daß eine passive Handelsbilanz bei einer Metallgeldwährung nicht zu einer Teuerung führe, sondern sogar zu einer Preissenkung, da ja ein Teil der Geldmenge ins Ausland abströme. Diese Wirkung trete nicht ein, wenn man , wie die Bank of England, das abgeströmte Geld durch Banknoten ersetze. Die Vermehrung des Geldumlaufs war für Ricardo Vermehrung der Geldmenge und damit Ursache der Teuerung. Unter Einfluß von Ricardos Schrift kam es zur Wiedereinführung der Einlösepflicht der Bank of England 1819/21. Nach Ende des Krieges waren die kontinentalen Absatzgebiete verloren, trotz Zugewinn von Kolonialgebieten waren ein jäher Preisanstieg die Folge der Notwendigkeit der Einfuhr von Lebensmitteln aus Kontinentaleuropa, der durch die Aufgabe der Goldwährung noch verstärkt worden war. Die Lebenshaltungskosten sanken nach dem Frieden nur kurz, da zum Ausgleich der Zahlungsbilanz Getreidezölle eingeführt wurden. 1817 erfolgte die Aufhebung der Einkommenssteuer, ein Steuergeschenk an die Besitzenden, während die indirekten Steuern, die alle belasteten, erhalten blieben. Die Rückkehr zum Goldstandard erfolgte zu einem höheren Kurs, was einer Wertsteigerung des Papiergeldes entsprach und die Staatsschuld erhöhte, zum Nutzen der Staatsgläubiger und zum Schaden aller Steuerzahler. Das die Currencyschule Banknoten für Geld hielt , wird dadurch verständlich, daß in den Jahren, in denen die Theorie entstand, Banknoten tatsächlich Geldcharakter besaßen.

Im Jahr 1797 beginnt die Vorgeschichte des Streits zwischen den Schulen mit der Einführung der Restriktionspolitik der Bank of England. Banknoten wurden an den Schaltern der Bank of England nicht mehr zu ihrem Nennwert in Gold eingelöst. Schon im August dieses Jahres gab es wieder Goldzuflüsse aus dem Ausland in Höhe von 4 Millionen Pfund. Trotzdem blieb die ursprünglich nur für einige Wochen geplante Restriktion Praxis bis zum Sieg über den Usurpator Napoleon. Dieser Krieg erforderte gewaltige Bargeldzahlungen an das verbündete Ausland in Kontinentaleuropa, das einen Stellvertreterkrieg gegen die französischen Heere führte. Das war der tiefere Grund der Entscheidung des Premiers Pitt, die Konvertibilität der Banknoten sperren zu lassen. Im Prinzip war die Banknote jetzt uneinlösbar in Gold, in praxi unter großen Abschlägen doch. Doch etwas völlig Unerwartetes trat ein, die Banknoten zirkulierten ohne Wertverlust gegenüber Metallgeld bis mindestens 1809/10. Ein Vierteljahrhundert lang ( bis Peel I 1821) lebte England mit dem gleichen Währungssystem wie wir heute. Andere Kriseninstrumente funktionierten nicht so wunschgemäß. So mußte die Bank of England 1799 der Regierung seiner Majestät ein Darlehen gewähren, weil sich die Einnahmen aus der eingeführten Einkommenssteuer nicht wie erwartet entwickelten. Bei dieser Gelegenheit ließ die privat geführte Bank sich ihre alten Privilegien durch die Regierung betätigen. Ein Franzose, der sich während dieser Zeit unfreiwillig, durch die undemokratischen Verhältnisse in seiner Heimat gezwungen, in Großbritannien aufhielt, schrieb, daß er in all den Jahren seines Aufenthalts keinen einzigen Goldguinee zu Gesicht bekommen habe.1 Die englische Regierung erwartete sich von der Einführung der Einlöserestriktion auch eine positive Wirkung auf den Realzins. Im Jahre 1809 erscheint der Bullionreport, der 2 Wege der Ausgabe von Banknoten beschreibt : die Diskontierung von Wechseln der Geschäftswelt oder Vorschüsse an die Regierung. Beobachtbar war das bereits in den Jahren 1802 bis 1809, als im Zusammenhang mit der Erhöhung der Wechselkurse die Staatskredite sanken und die Kredite an die Geschäftswelt anstiegen. Die Notenvorschüsse an die Regierung bilden das große Problem der Restriktionszeit, gefährden sie doch jene phänomenale Geldwertstabilität der Kriegsjahre. Ab 1811 setzt man deshalb die Noten der Bank of England auf Zwangskurs. Zeitgleich werden 6 Millionen Pfund als Schatzkammerscheine für kreditbedürftige Kaufleute bewilligt, von denen nur 1,5 Millionen Pfund beansprucht werden. Der Anstieg der Notenausgabe vollzieht sich auch weiterhin sehr langsam. Insgesamt brachte die Restriktionspolitik keine Nachteile und wurde deshalb bis Kriegsende beibehalten. Der Bullionreport wird im Jahr 1811 verworfen.

Nach dem Sieg über Napoleon fällt der Goldpreis um 20 %, der Außenhandel verfällt durch die Zahlungsunfähigkeit des Kontinents und die Getreidepreise sinken. Viele der jungen Countrybanken gehen bankrott und die Bank of England muß ihre Kreditvergabe erhöhen. Im Jahr 1816 hebt die Regierung die Steuern der Kriegszeit auf und muß als Ausgleich Darlehen aufnehmen. Ein Gesetz bestimmt die Möglichkeit des Tauschs der Noten der Jahre 1816-17 , dies wird kaum genutzt. Trotz der erhöhten Notenausgabe bewegen sich Goldpreis und Wechselkurs 1818 noch im Pari. Im Frühjahr 1819 bilden sich Kommissionen beider Häuser des Parlaments, um die Frage zu diskutieren, ob eine Barzahlungsaufnahme tunlich sei. Das Vereinigte Königreich war nach dem Krieg eine hochverschuldete Nation. Dazu kam, daß die Kriegsanleihen an andere Staaten vor allem in Gold gewährt worden waren. Global gesehen hatte die Restriktionspolitik dem Land geholfen, eine überaus schwierige Phase zu überstehen. Dieser Erfolg beruhte auf der Haltung der englischen Öffentlichkeit, dem Bürgersinn, ihrem Vertrauen zu einem auf Stabilität aufbauendem Währungssystem. Die wahre Sicherheit stellten weder Gold noch Silber, sondern die ungeheure Produktionskapazität der Britischen Inseln dar. Die Restriktionspolitik- auch ein Instrument im Frieden ?

In London gab es 1807 73, 1820 100 Privatbanken. Außerhalb Londons stiegen die Zahlen von 1797 230 über 1800 370 auf 1810 605 Countrybanken an. Nach 1797 verpflichteten sich die Privatbanken zum Tausch eigener Noten in Noten der Bank of England. Durch die Umwandlung der Privatbanken in Depositenbanken steigt deren Kreditvolumen. Durch die Folgen der Veröffentlichung der Joplindenkschrift 1826, der die Organisation der Countrybanken als Aktiengesellschaften erlaubt, wird die gesamte Kreditvergabe stabiler aber nicht vorsichtiger. Unter der Regierung Peel wird als Ergebnis der Parlamentskommissionen ein Vorschlag unterbreitet: die Bank of England muß bei sinkendem Wechselkurs und steigendem Goldpreis den Notenumlauf zusammenziehen, die Wiederaufnahme der Barzahlung soll in 4 - 5 Jahren erfolgen, die Umwechselung der Banknoten soll zunächst in Goldbarren , später in Münzen erfolgen, das Münzausfuhrverbot wird beseitigt und die Regierungsvorschüsse werden auf 10 Millionen Pfund verringert. Darauf erließ die Bank of England ein Memorandum, daß zum Senken des Notenumlaufs auch die Einziehung von Noten der Privatbanken notwendig sei, was zu schweren Störungen des Wirtschaftslebens führen würde. Regierung und Parlament erheben etwas später das Ende der Restriktionsakte zum Gesetz und bestimmt zum Tag der Wiedereinlösung von Banknoten in Münzen den 1. 5. 1823. Vorher schon ist eine Einlösung in Goldbarren möglich, allerdings bei sinkendem Preis. Die Ausgabe von Noten unter 5 Pfund wird verboten. In Umlauf befindliche 5-Pfund - Noten werden eingezogen. Der Handel mit Goldbarren - münzen wird freigegeben. Die Staatsschuld wird auf 10 Millionen Pfund vermindert und eine Kreditaufnahme der Regierung ohne Parlamentsgenehmigung verboten.

III. Die Currency-Theorie

Die starke Krisenanfälligkeit des britischen Finanzsystems entwickelte sich mehr und mehr zu einer Herausforderung der Wirtschaftstheoretiker und Politiker dieser Zeit. Die Diskussion über die dringend anstehende Reform des Bankwesens wurde dabei hauptsächlich zwischen der quantitätstheoretisch orientierten Currency-Schule und der eine bankmäßige Deckung des Notenumlaufs vorziehende Banking-Schule geführt. Beide Theorien führten einen erbitterten Kampf um die Anerkennung der jeweiligen Schule, der mit einem Sieg der Currency-Schule und deren Sanktionierung in der Peel'schen Bankakte von 1844 endete. Entscheidenden Anteil an diesem Erfolg hatte der als Chef eines der ersten Diskonthäuser in London und Manchester bekannte S.J.Loyd, der später als Lord Overstone geadelt wurde.

III. 1. Die Quantitätstheorie als Ausgangspunkt

So, wie sich die Currency-Theorie, mit Lord Overstone an der Spitze,durchgesetzt hat, ist Ricardos Quantitätstheorie als deren Grundlage anzusehen. Bei der Betrachtung der overstone'schen Theorie werden die Parallelen zu Ricardos Sichtweise deutlich sichtbar. "The High Price Of Bullion" ist die erste ausführliche Darlegung der Quantitätstheorie Ricardos, in der er sich auch ausdrücklich auf Ansätze von Adam Smith bezieht. Demzufolge ist die vorhandene Menge an Gold und Silber auf die verschiedenen Länder verteilt und jede Veränderung dieser Menge würde zu einer Veränderung im Verhältnis von Gold- und Warenpreisen führen. Im Falle einer Erhöhung des Goldbestandes in einem Land, z.B. durch die Entdeckung einer Goldmine, müßte es demzufolge zu einem Goldexport kommen, da es jetzt billigstes Exportgut ist, bis die vorherigen Verhältnisse wieder erreicht sind. Ricardo überträgt diese Überlegungen dann auf das Papiergeld und den Fall einer beliebigen Ausdehnung der Notenmenge durch die Zentralbank. "If instead of a mine being discovered in any country, a bank were established, such as the Bank of England, with the power of issuing its notes for a circulating medium; after a large amount had been issued either by the way of loan to merchants, or by advances to government, there by adding considerably to the sum of currency, the same effect would follow as in the case of the mine. The circulating medium would be lowered in value, and goods would experience a proportionate rise."2 Findet die Geldmengenerhöhung nur in einem Land statt, so ist ein fallender Wechselkurs die Folge. Der Anpassungsmechanismus funktioniert auch hier über die Ausfuhr von Edelmetall und läuft solange ab, bis die ursprünglichen Proportionen wiederhergestellt sind. Aus dieser Argumentation resultiert Ricardos Forderung, die Notenmenge in einen direkten Zusammenhang zum Goldbestand zu stellen und damit exogen zu bestimmen. Diese Aufgabe sollte die Zentralbank übernehmen. Die strikte Proportionalität, die er zwischen den inländischen Warenpreisen und dieser Geldmenge sieht, drückt er in der Quantitätsgleichung M*v=P*Y aus. Voraussetzung für die Proportionalität zwischen der Geldmenge und dem Preisniveau ist aber die Betrachtung der Umlaufgeschwindigkeit v und des Volkseinkommens Y als konstante Größen. Aus der Festlegung auf exogen bestimmte, sogenannte "richtige" Mengen, resultiert auch die Bezeichnung Quantitätstheorie. Ricardo sieht also in der Zenralbank die geeignete Institution, die mit einer aktiven Geldmengenregulierung direkten Einfluß auf das Preisniveau nehmen kann. Diese Mengensteuerung als geldpolitische Maßnahme findet sich später auch innerhalb der Currency-Theorie wieder.

III. 2. Das rein metallische Geldwesen

In diesem Zustand des Geldwesens setzt sich die "Zirkulation" eines Landes aus den vorhandenen Gold- und Silberbeständen zusammen. Dieses Metall ist im rein metallischen Geldwesen stets Umlaufmittel oder Geld. Jede Veränderung, das heißt jede Zu- bzw. Abnahme der Edelmetallbestände , wirkt sich direkt auf die "Zirkulation" aus. Im Falle einer Ausfuhr von Edelmetall würde sich die Geldzirkulation sofort und im selben Maße verringern, infolgedessen würde es zu einem Ansteigen des Geldwertes und einem damit verbundenen Sinken der Warenpreise kommen. Die umgekehrte Wirkung wird natürlich bei einer Einfuhr von Gold und Silber erzielt. Wenn es also zu Schwankungen in der Metallgeldzirkulation kommt und somit zu Bewegungen in der Menge des umlaufenden Geldes, so sind diese auf die Ein- und Ausfuhr von Gold und Silber zurückzuführen.

III. 3. Der gemischte Zustand des Geldwesens

In diesem System findet man die bereits bei Ricardo angesprochene Geldmengensteuerung als eine der zentralen Aussagen der Currency-Theorie. Man orientiert sich dabei vollständig am rein metallischen Zustand des Geldwesens, das heißt, jeder Bewegung der Edelmetallbestände muß eine entsprechende Bewegung der Geldmenge folgen. Im Unterschied zum vorangegangenen System besteht Geld hier nicht nur aus Edelmetall, sondern setzt sich aus Edelmetallgeld und Banknoten zusammen. Diese Banknoten ersetzen einen Teil der zirkulierenden Münzen. Sie stellen Zahlungsversprechen dar und sind auf Verlangen der Inhaber gegen Metallgeld einzutauschen. Deshalb soll die Menge der zirkulierenden Münzen und Banknoten genau der Menge des zirkulierenden Metallgeldes im rein metallischen Geldwesen entsprechen. Der Begriff Geld ist in diesem Zusammenhang strikt abgegrenzt. Er ist auf keinen Fall auf die Surrogate der Geldes, wie z.B. Wechsel, Schecks, Anweisungen und Bankdepositenscheine, auszudehnen. Das so definierte Geld ist im gemischten Geldwesen allgemeines Tauschmittel, ist Objekt von Verträgen und bildet das Preismaß aller Güter. Der wirtschaftliche Nutzen der Notenausgabe wird darin gesehen, daß ein Teil des in Metallgeld angelegten Kapitals des Landes wieder verfügbar gemacht wird. "Durch die Banknotenemission und die Einbürgerung dieser Noten im Verkehr wird ein Teil des in den metallenen Zirkulationsmitteln angelegten Kapitals des Landes wieder disponibel für irgend andere volkswirtschaftliche Zwecke, als bloß den, zum Umlaufsmittel zu dienen. Dies ist der wirtschaftliche Nutzen der Notenausgabe, denn die Verfügbarmachung eines der Notenzirkulation gleichen Kapitals bedeutet soviel wie eine neue Ersparung zum nämlichen Betrage."3 Dieser "ersparte" Betrag kann dann z.B. dazu benutzt werden, Güter aus dem Ausland zu importieren. Ein anderer Teil wird dagegen den notenemittierenden Banken als Reserve dienen. Dies ist notwendig, um die oben erwähnte stete Einlösbarkeit der Noten garantieren zu können. Man hat also versucht, die Vorteile, die das gemischte Geldwesen aufgrund der Notenemission mit sich bringt, durch die strenge Anbindung an das Prinzip des rein metallischen Geldwesens, zu sichern. Gemäß dem Grundsatz Noten gegen Gold, zum gültigen Parikurs, wollte man verhindern, daß übermäßig viele Noten gedruckt werden. Man sah darin ein geeignetes Mittel gegen die Inflation und der damit verbundenen Geldentwertung.

III. 4. Die Bewegung der Geldmenge in beiden Systemen

Wie bereits angeführt, muß im gemischten Geldwesen erreicht werden, daß das Geld die gleichen Schwankungen in der Menge erfährt, wie das auch im rein metallischen Zustand erfolgen würde. Man überträgt daher die im metallischen Geldwesen angenommene Abhängigkeit vom Edelmetallex-/-import auf den gemischten Zustand des Geldes, denn nur so kann man die umlaufenden Noten und Münzen hinsichtlich der Menge so bewegen, wie es in einer rein metallischen Zirkulation erfolgt wäre. Daraus entwickelt sich natürlich die Forderung nach Schaffung einer Einrichtung, die die Kontrolle über diese Geldmengenbewegungen übernimmt.

"...es müssen Einrichtungen geschaffen werden, damit unter allen Umständen die Schwankungen im Betrage des Geldes, d.h. mithin des Metallgeldes und der Noten, in Übereinstimmung mit den Schwankungen im Betrage des Geldes (der Zirkulation) im rein metallischen System stattfinden."4 Um diese Übereinstimmung zu erreichen, muß im selben Verhältnis und zeitgleich mit der Abnahme des Barbestandes eine Einziehung der Banknoten, d.h. eine Verringerung der Notenzirkulation nach der Menge der Noten erfolgen.

Overstone dazu: "Bei einem metallischen Umlauf könnte keine Gefahr vollständiger Erschöpfung des Goldes eintreten. Da ein Teil des Metallgeldes ins Ausland ginge und die zurückbleibende Menge quantitativ verringert wäre, müßte sie entsprechend im Werte steigen. Infolgedessen würde eine vom Ausland ausgehende Nachfrage nur einen beschränkten Teil des im Ausland befindlichen Goldes außer Landes ziehen. Die Wirkung ungünstiger Wechselkurse muß bei einem aus Gold und Noten gemischten Umlauf dieselbe sein, vorausgesetzt, daß dieser so geregelt ist, daß ihr Betrag notwendigerweise sich genau so verändert, wie dies bei einem rein metallischen Umlauf der Fall gewesen wäre."5 Wenn es andererseits, bedingt durch günstige Wechselkurse, zu einer Zunahme des Barfonds kommt, so muß es hier zu einer Ausdehnung der Notenzirkulation kommen. Jede Veränderung dieses Prinzips würde eine Abweichung von den Schwankungen des rein metallischen Geldwesens bedeuten. Die Folge davon wäre eine Veränderung des Geldwertes, und genau das versucht man ja zu verhindern.

III. 5. Das Prinzip des gleichmäßigen Schwankens von Notenzirkulation und Barfonds

In den bisherigen Ausführungen wurde deutlich, daß die Currency-Schule die Zu- bzw. Abnahme des Barvorrats als entscheidendes Kriterium für die Mengenbewegungen des rein metallischen Geldwesens betrachtet. Zwischen diesen Bewegungen und demExport/Import von Edelmetall und Münzen erkannte man einen direkten Zusammenhang. Aus dieser Erkenntnis leiteten Peel und Overstone die praktische Folgerung eines gleichmäßigen Schwankens von Notenzirkulation und Barfonds nach Zeit und Betrag für die Banknotenzirkulation ab. Beispielsweise führt der Import von Edelmetall zu einer Erhöhung des Barbestandes und damit auch zu einem Ansteigen der sich in Umlauf befindlichen Notenmenge. Da man im gemischten Geldwesen Noten als das bequemere Umlaufmittel gegenüber Edelmetall betrachtet, wird man das importierte Gold gegen Noten eintauschen, was somit zum Anstieg der Notenmenge führt. Im Falle eines Edelmetallexportes kommt es dann zu einer Verringerung des Barbestandes. Hier ist die gleichzeitige Verringerung der Notenmenge unumgänglich, da es sonst leicht zu einer Gefährdung der Noteneinlösbarkeit kommt. Die Verminderung der Notenzirkulation muß im gleichen Maße erfolgen wie die Verringerung des Barbestandes und die eingezogenen Noten dürfen erst wieder in Umlauf gelangen, wenn das Edelmetall zurückströmt und es damit wieder zu einer Erhöhung des Barfonds kommt. Auf diesem Prinzip basieren Overstones Vorschläge zur Regulierung derNotenmenge, welche dann auch entscheidenden Einfluß auf die Peel' sche Bankakte von 1844 hatten.

[...]


1 Maurice Rubichon " De l´Angleterre" ,1815-19, S. 357 "... seit 1808 sind sämtliche Guineen aus dem Verkehr gezogen"

2 Ricardo " The High Price of Bullion " S. 54

3 Wagner " Die Geld - und Kredittheorie " S. 72

4 Wagner " Die Geld - und Kredittheorie ... " S. 73

5 Loyd in Diehl / Mombert " Vom Geld II " S. 76 / 77

Details

Seiten
54
Jahr
1993
ISBN (eBook)
9783346056290
ISBN (Buch)
9783346056306
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504282
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Wirtschaftswissenschaften
Note
1,8
Schlagworte
Geldpolitik Bank of England Zentralbanktheorie Peel

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Titel: Peel I und II. Die Geldpolitik der Bank of England bis 1866