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Diagnose, Differenzierung und Förderung bei Hochbegabung

Eine Unterrichtsreihe über Differenzierungsmöglichkeiten leistungsstarker Schüler (4. Klasse)

Hausarbeit 2017 28 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffserklarung Hochbegabung
2.1 Definition und Diagnose

3. Unterrichtsreihe; Projektwoche ,England‘
3.1 Mittwoch
3.4 Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

In der Veranstaltung ,Diagnostik und Forderung von Hochbegabung‘ im Modul 4 des Studiengangs Bachelor of Education mit der angestrebten Schulart Grundschule wird sich zunachst mit der Fragestellung nach der Definition, der Diagnose und der Forderung von Hochbegabung auseinandergesetzt. Nachdem die verschiedenen Themenbereiche veranschaulicht und diskutiert werden, wenden die Studenten das Gelernte in einem Entwurf fur eine Unterrichtsreihe an, welche auf die Differenzierung von lernstarkeren Schulern und ihre optimale Forderung ausgelegt ist.

Die folgende Arbeit beschaftigt sich im theoretischen Teil zunachst mit der Definition von Hochbegabung, welche sich als auBerst schwierig darstellt.

Uber die Jahre haben sich viele verschiedene Definitionsvarianten ergeben, von denen man allerdings keine als die ,richtige‘ oder ,allgemein anerkannte‘ auswahlen konnte, denn „ ,Begabung‘ ist alles andere als ein praziser BegrifP (Rost, 1991, S.26) und keine Definition wird von allen Wissenschaftlern gleichermaBen akzeptiert und schlieBt alle Aspekte von Begabung ein. Dennoch wurde immer deutlicher, dass man leistungsstarke Menschen fordern musse. Im 20. Jahrhundert wurden sie dies besonders in der UdSSR, der DDR und den USA nicht nur um ihrer, sondern auch um der Gesellschaft Willen. Sie wurden als Marionetten in den verschiedensten Systemen missbraucht, was sich leider heute nicht unbedingt komplett geandert hat. Trotzdem steht in unserer jetzigen Gesellschaft im Vordergrund, die Neugier und die Wissenslust der Kinder zu stillen, um ihnen Kraft und Selbstvertrauen zu geben.

Hierzu ist aber zunachst eine Diagnose von Hochbegabung erforderlich, die meistens uber Tests des sogenannten IQ-Faktors stattfindet oder uber Beobachtung der schulischen Leistungen. Auch diese Vorgehensweisen sind aber umstritten, da nicht jeder Schuler mit guten Noten zwangslaufig hochbegabt ist und da ein hoher Intelligenzquotient nicht unbedingt mit begabt und leistungsstark in Verbindung gebracht werden kann.

Wird allerdings dennoch eine Hochbegabung festgestellt, beginnt die Schwierigkeit fur die Lehrkraft, differenziert vorzugehen um den leistungsstarken Schuler optimal zu fordern - eine komplizierte und arbeitsaufwendige Aufgabe, da man zum einen den besagten Schuler mit passendem Material ausstatten sollte, ihn zum anderen aber auch nicht von der Klasse abgrenzen darf, sodass er in ein soziales Dilemma gerat in dem er als ,Streber‘ oder ,Nerd‘ bezeichnet wird.

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, da es beim Thema „Hochbegabung“ nicht nur Probleme mit der Definition, sondern auch mit der ,richtigen‘ Diagnose, Differenzierung und Forderung gibt. Obwohl unterschiedlichste Forscher und Wissenschaftler eine Menge an Diagnosemoglichkeiten sowie Forderungsideen mit Hilfe von Spezialschulen, dem Uberspringen von einer oder mehrerer Klasse sowie dem vorzeitigem Besuch von Universitatskursen hervorgebracht haben, muss man doch klarstellen, dass die schulische Betreuung von leistungsstarken Schulern nicht verallgemeinert werden kann und dass es nicht den ,einen richtigen Weg‘ gibt, sondern dass man ein individualisiertes, auf den Schuler angepasstes Vorgehen wahlen sollte. Im Folgenden wird von dem Schuler in der maskulinen Schreibweise berichtet, um den Lesefluss zu vereinfachen. Dennoch sind naturlich Schuler und Schulerinnen in gleichem MaBe gemeint.

Der praktische Teil der Arbeit besteht aus einer Unterrichtsreihe, die auf eine 4. Klasse in der Grundschule ausgelegt ist. In einer dreitagigen fachubergreifenden Projetwoche mit dem Thema ,England‘ werden verschiedenen Differenzierungsmoglichkeiten aufgezeigt, die man in den Unterrichtseinheiten anwenden kann. Die Schuler lernen die Kultur, das Land und die Sprache besser kennen und erarbeiten eine Abschlussprasentation sowie eine Projektmappe um ihr Gelerntes zu verinnerlichen. Dies soll ihnen helfen, einen reibungsloseren Start in die funfte Klasse und somit auch die weiterfuhrende Schule zu gewahren, da dort Englisch als erste Fremdsprache oft sehr uberfordernd auf die Kinder wirkt.

2. Begriffserklarung Hochbegabung

Hochbegabung. Dazu gibt es die verschiedensten Meinungen und doch wissen viele nicht, was unter diesem Begriff genau zu verstehen ist. In der Schule verbindet man dieses Thema mit Schulern, die besonders gute Leistungen erbringen. Sie haben fast immer Antwort auf eine Frage und haben in jeder Arbeit Bestnoten. Das ganze gelingt ihnen meist noch ohne ganz fleiBig viel zu lernen sondern ,fliegt ihnen formlich zu‘. Diese ,Lern-Genies‘ oder ,Uberflieger‘ haben oftmals eifersuchtsbedingt keinen besonders guten Ruf bei ihren Mitschulern, weshalb sie schnell als ,Streber‘, ,KlugscheiBer‘ oder ,Intelligenzbestie‘ abgestempelt werden. Doch sind Schuler mit guten Noten automatisch hochbegabt? Oder sind sie einfach nur ein bisschen schlauer als die restliche Klasse?

Das folgende Kapitel befasst sich zunachst mit verschiedenen bekannten Definitionen sowie Diagnosemoglichkeiten. Im weiteren Verlauf folgen FordermaBnahmen und Differenzierungsansatze, die bei besonders befahigten Schulern auch im Zusammenhang mit der gesamten Klasse angewandt werden konnen.

Dabei ist allerdings vorab schon festzuhalten, dass Hochbegabung ein sehr heikles und breit diskutiertes Thema ist, und dass es keine Musterlosung dafur gibt, wie man mit einem hochleistungsfahigen Kind umgehen sollte.

2.1 Definition und Diagnose

Die Definitionen zum Begriff ,Hochbegabung‘ sind heutzutage auf Grund ihrer hohen Anzahl von uber 100 (Wieczerkowski & Wagner, 1985) unuberschaubar. Dennoch wird versucht, sie in ,Definitionsklassen‘ (Feger 1980) einzuteilen. Oft gehen die Definitionen mit Diagnosemoglichkeiten einher.

Die bekannteste Definition und Diagnose ist die IQ-Definition (Lucito, 1964), die besagt, dass ein Mensch, der einen Intelligenzquotient-Test mit einem IQ-Wert uber 130 oder hoher abschlieBt, hochbegabt ist.

Desweitern kann auch die Ex-post-facto Definition (Lucito, 1964) angewandt werden, welche auf die herausragenden Leistungen eines Menschen zielt. Dies kann allerdings erst im Nachhinein diagnostiziert werden. Bekannte Falle waren hierbei zum Beispiel Nelson Mandela, der politisch und sozial GroBartiges geleistet hat, sowie Einstein auf dem Gebiet der Physik und Mathematik und Mozart im Bereich der Musik.

Weiterhin wird Begabung auch haufig in vier verschiedene Bereiche eingeteilt - die intellektuelle Begabung, die schopferische Begabung, die psychomotorische Begabung und die soziale Begabung. Diese Bereiche mussen allerdings weitlaufig miteinander verknupft sein, um zu herausragenden Leistungen zu erlangen. So muss ein Kunstler auch sehr intelligent und schopferisch gewandet sein, sowie uber gewisse soziale Fahigkeiten verfugen, um als hochbegabt zu gelten. Uber diese verschiedenen Bereiche der Begabung gibt es noch weitere Ansatze, wie die Kreativitats-Definition und die soziale Definition (Lucito, 1964), ebenso wie verschiedene Forschungen von Sidney P. Marland jr. uber Kreativitat und produktives Denken, Fuhrungsfahigkeiten, bildnerische und darstellende Kunste und psychomotorische Fahigkeiten (Marland, 1972).

Fur viele zahlen diese anderen Merkmale, die auch als „extreme Auspragung von Kompetenzen“ (Reichele, 2005, S.60) bezeichnet werden, allerdings nicht unbedingt zu den Kriterien um als hochbegabt zu gelten. Oft wird nur die klassische Intelligenz als Voraussetzung akzeptiert, was verschiedene Definitionen, wie auch die Ex-post-facto Definition, ausschlieBt. Andere wiederum verbinden diese Gebiete, in dem sie hohe Intelligenz als Grundlage fur beispielsweise mechanische, soziale, kunstlerische, technische Fahigkeiten ansehen (DeHaan & Havighurst, 1957).

Uber die Prozentsatz-Definition wird ebenfalls viel diskutiert, da sie die einzige ist, die nach Quantitat statt Qualitat bewertet (Lucito, 1964). Sie besagt, dass ein gewisser Teil der ,besten‘ Schuler einer Jahrgangsstufe als hochbegabt gilt. Wie gut die Schuler im Vergleich mit anderen Schulen oder bundesweit abschneiden, ist dabei nicht von Belang. Es geht lediglich um die Berechnung der Hochbegabten uber den Prozentsatz.

Wie schon bereits erwahnt, ist also festzuhalten, dass „Hochbegabung nicht einheitlich definiert ist“ (Reichele, 2005, S.59). Leistungsstarke Kinder aber konnen sich nicht selbst helfen. Die Hochbegabung muss diagnostiziert werden und entsprechende forderliche MaBnahmen ergriffen werden.

2.2 Differenzierung und Forderung

Bei Kindern mit einer nicht diagnostizierten Hochbegabung konnen unterschiedliche Probleme wie schulische Unterforderung und Perfektionismus auftreten. In diesen Fallen ist die Ursache oft eher klar, als bei jenen die unter Angstlichkeit und Depressionen leiden, Lese-Rechtschreib- Schwierigkeiten haben, sich isolieren oder aggressiv sind oder als sogenannte ,Underachiever‘ gelten, also Minderleistungen erbringen und Leistungsdefizite aufweisen.

Um die Schuler daher vor langanhaltenden Schaden zu bewahren, ist eine genaue Beobachtung und eine fruhzeitige Diagnose essentiell.

Allgemein ist die Differenzierung ein schulorganisatorisches-didaktisches Prinzip, welches auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen, -prozesse und -ergebnisse von Schulern ausgelegt ist, mit dem Ziel, diese individuell zu fordern. Es wird differenziert in Lerntypen, Lernrhythmen und -tempo, Fahigkeiten, Kenntnissen, Bedingungen psychologischer, sozialer und korperlicher Art, Interessen sowie auch der Gesamtpersonlichkeit, beispielsweise dem religiosen und kulturellen Hintergrund. Das deutsche Schulsystem differenziert schon gegebener maBen interschulisch nach Schularten und intraschulisch nach Jahrgangsklassen. In der Oberstufe kommen dann noch deutlichere Differenzierungsvarianten durch die Wahl von Grund- und Leistungskursen hinzu, also die Trennung nach Fachern und Vorlieben.

Innerhalb einer Schulergruppe findet durch differenzierten Unterricht eine Binnendifferenzierung statt, die die Lehrkraft gestaltet (Muller, 2012). Dafur muss der Lehrer wahrnehmen und akzeptieren, dass seine Schuler unterschiedliche Lernvoraussetzungen haben und daher ein Lernen im gleichen Schritt nicht moglich sein kann. Methodenvielfalt sollte geschaffen und das Lernen gelehrt werden. Es kann im Lerninhalt, den Tatigkeiten, den Lernprodukten und -hilfen, den Zielen, der Sozialform, dem Wahlunterricht und den Leistungskontrollen, dem Erziehungsstil und auch innerhalb der Methoden differenziert werden. So wird mehr Freiheit, Spontanitat und Kreativitat fur die Schuler geschaffen und ihre Eigenverantwortung gefordert. Angstfreie Selbstuberprufungsmoglichkeiten werden durch Differenzierung erlangt und eine personliche positive Zuwendung ist gegeben. Allerdings bedeutet differenzierter Unterricht fur die Lehrperson aber auch eine Mehrbelastung und bringt oft Zeitprobleme mit sich. Sie muss eine groBe Auswahl passender Arbeitsmaterialien bereitstellen und den Klassenraum mit seiner GroBe und Aufteilung in den Unterricht geeignet einbeziehen. AuBerdem sollte ein gutes Diagnoseverfahren in Form von genauer Beobachtung der Schuler und passender Trennscharfe durchgefuhrt werden. Des Weiteren mussen die Schuler an angemessene Verhaltensweisen wie die richtige Lautstarke und Gesprachsfuhrung gewohnt sein, damit differenzierter Unterricht durchgefuhrt werden kann (Paradies, Linser, 2010).

Zur Forderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher gibt es eine ganze Menge an Modellen. Die beiden Grundmodelle ,Grouping‘ und ,Enrichment‘ werden im Folgenden kurz aufgegriffen und erlautert.

Beim Grouping wird die Klasse in Klein- oder GroBgruppen je nach Leistungs- oder Interessensdifferenzierung eingeteilt. Das Enrichtment Modell (Renzulli, Reis, Stedtnitz 2001) bezieht sich auf die Bereitstellung verschiedener Lerninhalte, die uber die vorgegebenen Lernziele hinausgehen. Dies wird haufig in Form von Zusatz- oder ,Sternchenaufgaben‘ die in Zusammenhang mit dem Unterrichtsthema stehen praktiziert. Durch Binnendifferenzierung wie Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit wird dieses Modell gestaltet.

Ein weiterer Aspekt der Forderung ist die Zuwendung zum offenen Unterricht. Jener soll Motivation schaffen, aus eigenem Interesse zu lernen und Gelegenheit fur aktives Lernen bieten. Die Schulerinnen und Schuler stehen im Vordergrund und beteiligen sich an der Planung und Gestaltung des Unterrichts. Offener Unterricht kann zum Beispiel in der Wochenplanarbeit, Freie Arbeit oder Projektarbeit realisiert werden (Schulte zu Berge, 2001). Bei der Arbeit mit einem Wochenplan erhalten die Schuler zu Beginn der Woche einen Plan mit verbindlichen Aufgaben die erledigt werden mussen, sowie Extraaufgaben. Dies schafft eine organisatorische Offnung des Schulers und ist eine sehr begabungsfreundliche Methode, denn es ermoglicht vertiefendes Lernen und groBere Flexibilitat im Lerntempo. Die Freie Arbeit wird durch Arbeitsecken im Klassenraum und anregende Materialien verwirklicht. Es geht darum, an selbstgestalteten Aufgaben zu arbeiten, ohne Noten- und Zensurdruck und inhaltliche Beschrankungen. Dies ist eine Herausforderung, die hochbegabte Schuler groBtenteils gerne suchen. Projektarbeit ist oft ganzheitlich und fachubergreifend, was im praktischen Teil dieser Hausarbeit erkennbar ist. Sie ermoglicht uber ein festgelegtes und situationsbezogenes Thema neue Erkenntnisse und Wissenszusammenhange fur die Teilnehmer. Dabei lernen die Schuler aktiv und oftmals selbstorganisiert. Im Normalfall gebrauchen die betreuenden Lehrkrafte eine Vielzahl an Methoden innerhalb derer sie differenzieren konnen (Schulte zu Berge, 2001). Generell werden hochleistungsfahige Schuler auch durch Einrichtungen wie Spezialschulen, die Hochbegabtenforderung betreiben, gefordert. Das BEGYS Modell, welches die Sekundarstufe 1 verkurzt, oder auch bilingualer Sprachunterricht unterstutzen hochbegabte Schuler ebenfalls. Zudem gibt es die bekannten Methoden des Uberspringens einer Klassenstufe oder der Belegung von Zusatzkursen.

3. Unterrichtsreihe; Projektwoche ,England‘

Im folgenden Kapitel wird nun anhand einer Unterrichtsreihe erlautert, wie man differenzierten Unterricht als Lehrkraft gestalten kann. Das Thema ,Welcome to England‘ wird an einer Grundschule in einer 4. Klasse von Mittwoch bis Freitag in jeder Unterrichtseinheit unterschiedlich bearbeitet. Eine Schulwoche, die auf Grund von Feiertagen, wie beispielsweise in der Faschingszeit, sowieso verkurzt ist, bietet sich besonders fur dieses Projekt an.

Die Projektarbeit ist darauf ausgelegt, den Klassenzusammenhalt noch weiter zu starken. Mit der Differenzierung innerhalb der Methoden und auch durch die Anwendung des Enrichment Modells konnen die Schuler ihr Lerntempo selbst regeln und besonders begabte Schuler konnen durch Extraarbeit uber das gesetzte Lernziel heraus arbeiten. AuBerdem bietet das Proj ekt Raum fur Freie Arbeit. Am Ende der Woche halten die Schuler vor Mitschulern, dem Kollegium oder den Eltern eine Prasentation uber die erarbeiteten Inhalte.

Die Klasse soll mit dem Thema England auf die weiterfuhrende Schule vorbereitet werden. Englisch, als erste Fremdsprache, wird in jeden Unterricht mit einbezogen, damit den Schulern der Einstieg in die 5. Klasse leichter fallt. Zudem erfahren sie vorbereitend neue Arbeits- und Lernmethoden.

Die Projektwoche wird im Folgenden nach Wochentagen gegliedert und in einzelne Unterrichtsstunden oder auch Doppelstunden unterteilt. Die Arbeit in den verschiedenen Fachern wird teilweise nur kurz teilweise detaillierter erklart und ein besonderes Merkmal wird auf die jeweilige Differenzierung gelegt. Im Anhang befindet sich ein Wochenplan (siehe Anhang S.14) sowie Plane zu den Stunden (siehe Anhang ab S. 15), in denen die Inhalte nochmal grob geschildert sind und die einen guten Uberblick bieten. Des Weiteren konnen Arbeitsblatter und -materialien die genannt wurden im Anhang gefunden werden.

3.1 Mittwoch

1. Stunde: Erwartungen und Befurchtungen an die Projektwoche, 45 Minuten (siehe Anhang S.15)

Den Einstieg in die Projektwoche macht eine Stunde zu den Erwartungen und Befurchtungen der Schuler an die kommenden drei Tage. Die Klasse sitzt im Stuhlkreis und der Klassenlehrer begruBt sie und fragt anschlieBend nach funf Freiwilligen, die vorbereitete Plakate zu der folgenden Fragstellung vorlesen sollen: ,Welches Wetter wollen wir in den nachsten Tagen haben?‘. Die Plakate sind beschriftet mit den Formulierungen ,Diese Tage werden sonnige Tage, wenn...‘, ,Diese Tage werden bewolkt, wenn...‘, ,Wenn das passiert, donnert und blitzt es...‘, ,Mein Lehrer kann zu einem guten Wetter beitragen, wenn er...‘, ,Ich kann zu einem guten Wetter mitbeitragen, wenn ich...‘. Nach der Einfuhrung bewegen die Schuler sich nun frei im Raum und fullen die Plakate in Einzelarbeit aus. Im Anschluss finden sie sich wieder im Stuhlkreis zusammen, lesen die Plakate laut vor und fassen die wichtigsten Aussagen gemeinsam zusammen.

In dieser ersten Unterrichtsstunde geht es darum, die eigenen Erwartungen an die Projektwoche in Worte zu fassen und gleichzeitig Verantwortung dafur zu tragen, dass die Projetwoche erfolgreich wird. Fortgeschrittene und mutige Schulerinnen und Schuler konnen beim Vorlesen der leeren und Vortragen der ausgefullten Plakate ihr Konnen zeigen.

2. Stunde: Englisch, 45 Minuten (siehe Anhang S.16)

Der Englischunterricht beginnt mit der Erlauterung des Wochenplans. Die Schuler wenden ihre Aufmerksamkeit auf eine Extratafel an der seitlichen Klassenzimmerwand, auf der der Wochenplan von der Lehrkraft bereits auf Englisch aufgezeichnet wurde. Der Verlauf der Projektwoche wird von dem Lehrer nochmals kurz auf Englisch erlautert und im Anschluss daran stellt er der Klasse Verstandnisfragen. Hierbei konnen besonders sprachbegabte Schuler eventuell schon etwas mehr ubersetzen als die restliche Klasse. Nachdem die Lehrkraft genauer auf die verschiedenen ,subjects‘ eingegangen ist, und auch die englischen Begriffe der Unterrichtsfacher, die nicht in der Projektwoche enthalten sind, aufgegriffen und an die Tafel geschrieben wurden, bekommt jeder Schuler eine leere Tabelle (siehe Anhang S.28) ausgeteilt, in den er nun den eigenen Stundenplan in Englisch eintragen soll. Schuler, die diese Aufgabe schon fruhzeitig beenden, konnen mit zu den Facher passenden Bildern ihren Plan verschonern. Um die neu eingefuhrten Begriffe noch weiter zu verinnerlichen, teilen die Schuler sich in der nachsten Arbeitsphase eigenstandig in Zweierteams ein. Sie bekommen einen Zettel mit Bildern und den dazu passenden Namen der Unterrichtsfacher ausgeteilt (siehe Anhang S.28). Der Zettel wird zerschnitten und die Schuler erhalten ein Memory mit dem sie spielen konnen. Spieler, die schnell gewinnen, werden vom Lehrer zu neuen Paaren zusammengestellt und bekommen ein zweites Memory. Dieses verwendet anstelle von Bildern kurze Beschreibungen der Unterrichtsfacher.

In den letzten Minuten bekommen die Schuler eine Mappe ausgeteilt, in der sie die Arbeitsmaterialien der Projektwoche abheften konnen.

Die Differenzierung in dieser Stunde ist auf Schuler und Schulerinnen mit einer Begabung im sprachlichen Bereich ausgelegt. Sie haben die Moglichkeit, die neuen Begriffe umfangreicher zu erlernen als ihre Mitschuler. Dies wird ihnen durch die Bereitstellung der zweiten Memory Version ermoglicht.

3. und 4. Stunde: Deutsch, 85 Minuten (siehe Anhang S.17)

Die Deutschstunden sind in der Projektwoche auf die Vorbereitung und Ausarbeitung der Abschlussprasentation in Form eines Vortrags ausgelegt. In der ersten Doppelstunde zu diesem Thema erarbeiten die Schuler zunachst anhand einer Mindmap an der Tafel, warum es wichtig ist, gute Prasentationen und Referate halten zu konnen. Nach dieser kurzen Einfuhrung wird die Klasse von der Lehrkraft in funf Gruppen mit verschiedenen Leistungsniveaus eingeteilt, in der jeder Schuler eine bestimmte Rolle (Schreiber, Zeitwachter, Materialbeschaffer, Lautstarkewachter) erhalt (siehe Anhang S.29). Im Anschluss erarbeitet die Gruppe gemeinsam ein Arbeitsblatt zu dem Thema ,Referate vorbereiten und halten‘. Die Ergebnisse werden dann im Anschluss vorgestellt und eine Folie mit der Musterlosung aufgelegt (siehe Anhang S.29,30). Nach einer kurzen Reflexion der Stunde bekommen die Schuler die Hausaufgabe passende Bilder fur die Plakate bei der Abschlussprasentation auszudrucken.

Durch die unterschiedlichen Arbeitsgruppen und Rollenverteilungen bekommt jedes Kind die Moglichkeit, nach seinem Konnen zu arbeiten und fuhlt sich in seiner Rolle verantwortlich fur seine Aufgabe. Diese Differenzierung beruht auf dem Grouping Modell.

5. und 6. Stunde: Sachkunde, 85 Minuten (siehe Anhang S.19)

Die erste Halfte dieser Stunde bildet ein Vortrag der Lehrkraft uber die Kultur, die Geschichte, die Politik und die Sehenswurdigkeiten Englands am Beispiel London. Zur unterstutzenden Veranschaulichung und Darstellung wird eine Powerpoint-Prasentation benutzt. Auch in dieser Stunde lasst der Lehrer immer wieder englische Begriffe einflieBen, die die Schuler sich notieren sollen, neben ihren allgemeinen Notizen zum Vortrag, die eine Hilfe fur sie sein werden, um die Arbeitsblatter in der nachsten Unterrichtsstunde zu bearbeiten. Nach einer kurzen Pause begeben sich die Schuler also in Partnerarbeit an das Losen der Arbeitsblatter. Die Lehrkraft geht herum und gibt, wenn notig, Hilfestellungen. Paare, die die Arbeitsblatter schon eher erledigt haben, erhalten weitere Arbeitsblatter mit hoherem Schwierigkeitsgrad.

Diese Stunde dient besonders dem Aufnehmen von wichtigen Informationen uber das Projektthema ,England‘. Sie grenzt sich vom restlichen Unterricht ein wenig ab, da die Klasse nicht so frei und kreativ arbeiten kann wie an den restlichen Tagen. Dennoch wird leistungsstarkeren Schulern durch die Bereitstellung von weiteren Arbeitsmaterialien differenzierter Unterricht geboten. Diese Vorgehensweise lasst sich dem Enrichment Modell zuordnen.

3.2 Donnerstag

1. und 2. Stunde: Darstellendes Spiel, 85Minuten (siehe Anhang S.20)

Die Stunde beginnt mit einem Warm-up Spiel im Stuhlkreis um die Klasse aufzulockern, damit die Hemmungen fur die Darstellendes Spiel Doppelstunde ein wenig sinken. Darauf folgt ein weiteres kurzes Konzentrationsspiel, um klares Sprechen und eindeutige Aussagen zu uben und um wieder etwas Ruhe in die Klasse zu bringen.

SchlieBlich zeigt die Lehrkraft den Schulern das englische Video ,Mr. Be an - Treffen mit der Queen‘. Im Plenum wird das Video kurz besprochen, dann teilt die Klasse sich in Gruppen von jeweils drei oder vier Schulern ein. Der Klassenraum, sowie auch die Flure werden nun genutzt um eine kurze Szene unter dem Motto ,Ihr trefft die Queen‘ vorzubereiten, die zu Ende der Stunde vorgetragen werden konnen.

In den Gruppen konnen die Schuler sehr frei arbeiten und kreativ sein. Schuler, denen dies nicht so leicht fallt, werden allerding von dem Lehrer mit einigen Hilfen und verschiedenen Tipps unterstutzt. Bei den Vorfuhrungen der erarbeiteten Szenen mussen die Kinder respektvoll miteinander umgehen und wissen, wie man angemessenes Feedback gibt.

3. und 4. Stunde: Kunst, 85 Minuten (siehe Anhang S.22)

Der Kunstunterricht beginnt mit einer kurzen Instruktion durch die Lehrkraft. Sie erlautert, dass die folgende Doppelstunde das Ziel hat, gemeinsam eine passende Raumgestaltung fur die Abschlussprasentation vorzubereiten. Die Schuler stehen im hinteren Teil des Kunstraums und vor ihnen befinden sich drei groBe Gruppentische.

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Details

Seiten
28
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346077837
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504116
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Bildungswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
diagnose differenzierung förderung hochbegabung eine unterrichtsreihe differenzierungsmöglichkeiten schüler klasse

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Titel: Diagnose, Differenzierung und Förderung bei Hochbegabung