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Steigerung der Selbstwirksamkeit von Soldaten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung

Bachelorarbeit 2017 84 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung
1.1 Einleitung
1.2 Problem stellung

2 Zielsetzung

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand
3.1 Posttraumatische Belastungsstörung
3.1.1 T raumatadefinition
3.1.2 Symptomatik einer PTB S
3.1.3 Körperliche Aktivität als Behandlungsansatz für PTBS
3.2 Selbstwirksamkeit
3.2.1 Definition
3.2.2 Theorien
3.3 Allgemeines habituelles Wohlbefinden
3.3.1 Definition
3.3.2 Theorien
3.4 Kurze Darstellung der Ausgangslage

4 Methodik
4.1 Studiendesign
4.2 Stichprobe
4.3 Intervention
4.4 Messung der abhängigen Variablen
4.4.1 Selbstwirksamkeitserwartung
4.4.2 Allgemeines habituelles Wohlbefinden
4.5 Datenanalyse/Statistik

5 Ergebnisse
5.1 Allgemeine Daten
5.2 Selbstwirksamkeitserwartung
5.3 Allgemeines habituelles Wohlbefinden

6 Diskussion

7 Zusammenfassung

8 Literaturverzeichnis

9 Abbildungs-, Tabellen-, Abkürzungsverzeichnis
9.1 Abbildungsverzeichnis
9.2 T abellenverzeichnis
9.3 Abkürzungsverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Probandeninformation, Datenschutzerklärung und persönliche Einverständniserklärung
Anhang 2: Fragebogen zur Selbstwirksamkeit und zum allgemeinen habituellen Wohlbefinden
Anhang 3: Retest zur Selbstwirksamkeit und zum allgemeinen habituellen Wohlbefinden
Anhang 4: Gesamtübersicht der Ergebnisse zum FAHW

1 Einleitung und Problemstellung

1.1 Einleitung

Die Selbstwirksamkeit und das allgemeine Wohlbefinden, welches sich in körperliche, psychische und soziale Zufriedenheit kategorisieren lässt, sind feste Größen im Leben. Ein permanent positiv ausgeprägtes allgemeines Wohlbefinden sollte das Ziel jedes Menschen sein (WHO, 2014). Es ist die Basis, um den alltäglichen Herausforderungen im sich aufhaltenden Setting begegnen und gegen diese bestehen zu können. Diese Grundhaltung beeinflusst die eigene Einstellung zu auftretenden Problemen. Je häufiger Probleme oder Herausforderungen eigenständig, durch Beobachtung anderer, durch Mo­tivation von außen oder über die emotionale Ebene bewältigt werden, desto ausgepräg­ter kann die eigene Selbstwirksamkeitserwartung sein und damit die Einschätzung der aktuellen Lebensqualität und des allgemeinen habituellen Wohlbefindens positiver aus­fallen (Schwarzer, 2014). Bestimmte Lebens- und Arbeitsbedingungen können diese Variablen negativ beeinflussen.

Eine Berufsgruppe, die davon besonders betroffen ist, ist die der Soldatinnen und Solda­ten. Im Rahmen von Auslandseinsätzen, den damit verbundenen außergewöhnlichen Lebensumständen (fremdes Land, andere Kultur, andere Religion, veränderte Lebens­umstände, soziale und persönliche Einschränkung durch Abwesenheit von Zuhause und damit von Familie und Freunden), den gesammelten Eindrücken (Eigenbeschuss, Kampfhandlung, Tod und Verwundung) und den gemachten Erfahrungen tendiert dieser Personenkreis durch direkten oder indirekten Einfluss auf das physische, psychische und soziale Befinden vermehrt an traumatischen Störungen zu erkranken, die sich im weiteren Verlauf zu einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entwickeln können (circa 300 je 10000 Soldaten pro Jahr, Wittchen et al. 2012).

Die Zahl der Soldaten, die mit einer psychischen Störung aus den Einsätzen zurück­kommen, nimmt signifikant und exponentiell zu und bedarf einer besonderen Aufmerk­samkeit und Behandlung (Dunkelziffer: 45%, Wittchen et al., 2012). Der Verlauf der Krankheit ist ein schleichender Prozess, wird am Anfang nicht als psychische Verhal­tensänderung wahrgenommen und ist im Gegensatz zu einer körperlichen Verwundung nicht direkt ersichtlich.

Durch die gestiegene Zahl der Auslandseinsätze in den letzten Jahrzenten, waren, wenn man alle Kontingentstärken aufaddiert, mehr als 380.000 Soldatinnen und Soldaten in 40 abgeschlossenen Einsätzen. Es sind aktuell mehr als 3.000 in 14 Einsätzen (Bundes­wehr, 2017), die somit zu diesem gefährdeten Personenkreis gehören.

Nach den Karfreitagsgefechten in Afghanistan am 02. April 2010 wurde im Rahmen ei­nes Pilotprojektes 2011 die Gruppe Sporttherapie nach Einsatzschädigung an der Sport­schule der Bundeswehr (SportSBw) in Warendorf aufgestellt. Zu Beginn lag der Fokus primär auf der Betreuung von körperlich geschädigten Soldaten, die durch die Vermitt­lung eines zielgerichteten, ganzheitlichen, persönlichen Gesundheitskonzeptes ihre ein­geschränkte körperliche Leistungsfähigkeit verbessern sollten.

2014 kam es durch die wie oben erwähnte steigende Zahl an psychisch im Einsatz ver­wundeten oder geschädigten Soldaten und deren Aufnahme in das Programm zu einer Verschiebung des Betreuungsschwerpunktes. Die daraus resultierende erforderliche Überarbeitung des Gesundheitskonzeptes spiegelt sich in einem auf die Betreuungsin­tensität bzw. in einem auf körperliche und/oder seelische Stabilität abgestimmten Lehr­gang wider.

Dieser dient als Werkzeug und soll im Rahmen der vorliegenden Bachelorthesis auf sei­ne Effizienz in Bezug auf die mögliche Steigerung der Selbstwirksamkeit und des all­gemeinen habituellen Wohlbefindens mittels eines Fragebogens im Prä-Postdesign evaluiert werden.

1.2 Problemstellung

Hat der zweiwöchige Lehrgang „spezielle Sporttherapie nach Einsatzschädigung“ mit der Vermittlung eines individuellen Gesundheitskonzeptes einen sowohl kurzfristigen als auch nachhaltigen positiven Effekt auf die Selbstwirksamkeit sowie auf das allge­meine habituelle Wohlbefinden von Soldaten mit einer diagnostizierten, einsatzbeding­ten posttraumatischen Belastungsstörung und damit eine unterstützende Wirkung in der Rehabilitation und in der Sekundärprävention gegenüber einer Kontrollgruppe aus dem gleichen Personenkreis ohne Lehrgangsteilnahme?

2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es mittels einer prospektiven Prä-Post-Befragung bei einer Trai­nings- und einer Kontrollgruppe zu untersuchen, ob der zweiwöchige Lehrgang „spezi­elle Sporttherapie nach Einsatzschädigung“ der Gruppe Sporttherapie an einer Sportschule der Bundeswehr (SportSBw) zu einem nachhaltigen, positiven Effekt auf die Selbstwirksamkeit sowie auf das allgemeine habituelle Wohlbefinden von Sol­daten mit einer diagnostizierten PTBS beiträgt. Dabei wird ein umfassendes individuel­les Gesundheitskonzept vermittelt, welches auf die praktische Durchführung von pro­fessionell angeleitetem Sport (funktionelles Kräftigungstraining mit und ohne Gerät, Ausdauer- und Koordinationstraining) und die Vermittlung von theoretischem Wissen in den Bereichen Gesundheit, Training, Ernährung und Psychoedukation ausgerichtet ist.

Mittels eines reliablen und validen Fragenbogens werden neben allgemeinen Daten (Alter, Geschlecht, Familienstand, Dienstgradgruppe) Daten zur Lebensqualität, zur Selbstwirksamkeit nach Jerusalem und Schwarzer (1999) sowie Fragen zum allgemei­nen habituellen Wohlbefinden nach Wydra (2014) an unterschiedlichen Zeitpunkten im und nach dem Lehrgang (T0-T2) erfasst und ausgewertet, um zu evaluieren, ob durch di­rekte, indirekte und symbolische Erfahrungen (Bandura, 1997) subjektive (signifikante) Veränderungen der körperlichen, psychischen und sozialen Bereiche (Wydra, 2014) stattfinden und somit der Lehrgang eine unterstützende Wirkung in der Rehabilitation sowie in der Sekundärprävention hat.

3 Gegenwärtiger Kenntnisstand

Im Jahr 1979 wurde der erste randomisierte Kontrollversuch, der die Wirkung eines aeroben Laufprogramms auf klinisch diagnostizierte Depression untersuchte (Firth, Cotter, Elliott, French & Yung, 2015) durchgeführt. Dabei wurden zufällig 28 Patienten mit einer diagnostizierten Depression ausgewählt, um entweder an einem aeroben Trai­ningsprogramm, hier in Form einer Laufgruppe, oder einer Psychotherapie teilzuneh­men. Ein Trainer lief in Kleingruppen oder mit einzelnen Patienten drei- bis viermal pro Woche für je eine Stunde. Die Forscher fanden heraus, dass das aerobe Übungspro­gramm in seiner Wirksamkeit eine äquivalente Reduzierung der depressiven Symptome aufwies wie die Psychotherapie.

In der Zwischenzeit wurde eine Reihe von Studien veröffentlicht, die den Zusammen­hang zwischen körperlicher Aktivität und psychischer Gesundheit untersuchte. Der Fo­kus lag auf der Entwicklung von wissenschaftlichen Modellen, mit denen mögliche Me­chanismen für die therapeutische Wirkung von spezifischen körperlichen Aktivitätspro­grammen im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit belegt werden sollten.

So findet man alleine für den Zeitraum zwischen 2011 und 2016 insgesamt 574 Artikel, die bei den Suchbegriffen "körperliche Bewegung" und "psychische Gesundheit" in Form von klinischen Studien, Literaturrecherche und systematischen Reviews bei PubMed angezeigt werden.

In Zusammenhang mit dieser Thesis sind vor allem die Studien relevant, die genetische Erkrankungen ausschließen und nur die klinisch belegte Depression betrachten. Insbe­sondere Portugal et al. (2013) lieferten durch ihre Betrachtungen akuter Trainingsme­chanismen relevante Ergebnisse. Sie fanden heraus, dass die Werte von Serotonin und Betaendorphin bei 18 japanischen Läufern nach einem Marathonrennen signifikant er­höht waren. Auch Opioide und Endocannabinoide wurden bei körperlicher Aktivität vermehrt ausgeschüttet. Dies kann zu Euphorie und anxiolytischen Effekten beitragen und somit erklären, warum körperliche Aktivität positive psychologische Effekte beim Menschen bewirkt. Eine weitere wichtige Verbindung wurde in den neutrophischen Faktoren gefunden (Portugal et al., 2013), da körperliche Aktivitäten ähnlich wie Anti­depressiva die Wachstumsfaktoren im Gehirn erhöhen (Ströhle et al., 2010). Somit kön­nen positive Langzeitwirkungen durch eine Zunahme der neurotrophischen Faktoren wie auch ihre entzündungshemmende Wirkung erklärt werden, die sowohl die Neuro- genese, die Angiogenese als auch die Synaptogenese im Laufe der Zeit verbessern.

Diese Effekte können sowohl therapeutisch als auch präventiv auf psychische Erkran­kungen einwirken.

Ein zweites biologisches Modell, das die therapeutischen Auswirkungen von Trainings­programmen untersuchte und bekannt ist als vorübergehende Hypofrontalitäts-Theorie, wurde im Jahr 2006 von Arne Dietrich entwickelt. Seine Theorie behauptet, dass das Gehirn in einem Übungszustand seine Ressourcen und Energie auf motorische Struktu­ren und weg von anderen Bereichen im Gehirn, vor allem dem präfrontalen Kortex, der nicht direkt an der motorischen Funktion beteiligt ist, umleitet. So kann eine vorüberge­hende Minderung der Aktivitäten im präfrontalen Kortex eine Erklärung für die beobachteten Effekte im Bezug auf die Wahrnehmungs- und Denkprozesse sein.

Der Autor beschreibt, dass diese Annahme das Potential hat die neurologischen Patho­logien, die mit verschiedenen Geisteskrankheiten in Zusammenhang gebracht werden, umzukehren. So zeigen zum Beispiel PTBS, Phobien und andere Angststörungen eine Hyperaktivität in der Amygdala und des präfrontalen Kortex, welcher mit aufmerksa­men und emotionalen Reaktionen in Verbindung gebracht wird. Es wird theorisiert, dass die Hyperaktivität des präfrontalen Kortex zu Hyper-Bewusstsein und Wachsamkeit führt, die zu erhöhter Angst führen können. Somit kann eine Verringerung der Aktivität in der präfrontalen Region als Symptomentlastung dienen, in der mittels körperlicher Übungen das Ungleichgewicht korrigiert und die gesamte präfrontale Kortex-Aktivität verringert wird.

Diese Studien liefern biologische Plausibilität, allerdings ist die Reduzierung der kom­plexen Wechselwirkung der körperlichen Aktivität und des Geistes auf einfache biolo­gische Strukturen kein hinreichendes Erklärungsmodell, um die Frage zu beantworten, ob die Steigerung der Selbstwirksamkeit und des allgemeinen habituellen Wohlbefin­dens bei Soldaten mit einer diagnostizierten PTBS mittels „spezieller Sporttherapie nach Einsatzschädigung“ möglich ist.

Es müssen zusätzlich die psychologischen Wirkungen der Aktivität berücksichtigt werden. Die besondere Situation von PTBS-Patienten und der Effekt von körperlicher Aktivität wurde ebenfalls bisher nur wenig untersucht. Lediglich eine Metaanalyse fand heraus, dass körperliche Aktivität in Form von vier randomisierten, kontrollierten Stu­dien bei Patienten mit PTBS zu einer signifikanten Verbesserung der PTBS und den de­pressiven Symptomen im Vergleich zur Kontrollgruppe führte (Rosenbaum et al., 2015).

Es gibt also eine wachsende Zahl von Beweisen, die den Einsatz von Bewegung und sportlichen Aktivitäten bei der Behandlung von psychischen Erkrankungen unterstützt.

Allerdings ist der Beweis aufgrund der Heterogenität der Intervention und der Patientenfaktoren sowie der schlechten Versuche variabel. Es besteht ein Bedarf an ro­busteren Versuchen und direkten Vergleichen von Übungsparametern, um das optimale Behandlungsprogramm zu bestimmen. An dieser Stelle setzt diese Thesis an, betrachtet die Arbeit der Gruppe Sporttherapie und die Wirkung des zweiwöchigen Programms „spezielle Sporttherapie nach Einsatzschädigung“ auf die Selbstwirksamkeit und des allgemeinen habituellen Wohlbefindens bei Soldaten mit einer diagnostizierten PTBS.

3.1 Posttraumatische Belastungsstörung

Die PTBS in Bezug auf Krieg und Verwundung wurde bereits durch die beiden Welt­kriege mittels einer Reihe von anderen Bezeichnungen für solche Störungen wie Kriegs­oder Gefechtsneurosen, Granatenschock und Kampfesmüdigkeit mit ihrer Symptomatik geprägt. Nach dem zweiten Weltkrieg zeigte sich, dass auch andere traumatische Erleb­nisse ähnliche psychische Störungen verursacht hatten. Unter anderem davon betroffen waren Überlebende des Holocaust oder auch Opfer von sexueller Gewalt. Klinische Beobachtungen kamen zu der Annahme, dass es nach dem Erleben von Extremsituatio­nen ein gemeinsames klinisches Bild von posttraumatischen Belastungsstörungen gibt (Maercker, 2013).

Die posttraumatische Belastungsstörung wird in den international gebräuchlichen Krankheitsklassifikationssystemen (DSM und ICD) geführt. Beim Diagnostischen und Statistischen Manual-5 (DSM-5) (American Psychiatric Association, 2013), das zur Ein­stufung von psychischen Störungen verwendet wird, fällt die PTBS nicht mehr in die Kategorie der Angststörungen, sondern unter die trauma- und stressassoziierten Störun­gen. Die fünf Hauptkriterien, die aus den internationalen Krankheitsklassifikationen hervorgehen, sind weitgehend übereinstimmend definiert (Maercker, 2013, S. 16):

1. Erlebnis eines Traumas
2. Intrusionen (unwillkürliches und belastende Erinnerungen an das Trauma)
3. Vermeidungsverhalten und allgemeiner emotionaler Taubheitszustand
4. Anhaltendes physiologisches Hyperarousal (Übererregung)
5. Die Symptome dauern länger als einen Monat

Darüber hinaus muss pro Hauptkriterium eine gewisse Mindestzahl an Merkmalen erfüllt sein, um eine PTBS diagnostizieren zu können. In Kapitel 3.1.2 (S. 14) werden diese Merkmale ausführlich erläutert. Die Prävalenz der Störung beträgt 8%. Zudem weisen 80% der Patienten mit einer diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstö­rung Begleiterkrankungen wie Abhängigkeitserkrankungen oder Depressionen auf (Flor, 2014).

Gerade „Auslandseinsätze sind mit häufigen traumatisch erlebten Ereignissen und ei­nem 2- bis 4-fach erhöhten PTBS-Risiko verbunden. Nach der Rückkehr vom Einsatz erkranken circa 300 von je 10 000 Soldaten pro Jahr; die kumulierte Gesamtzahl PTBS- Erkrankter seit Beginn der deutschen Auslandseinsätze dürfte somit in die Tausender gehen. Jeder zweite PTBS-Fall bleibt unerkannt und unbehandelt (Dunkelziffer: 45%). Darüber hinaus ist ein mehrfach höheres Risiko für einsatzbedingte andere Formen psychischer Störungen hervorzuheben“ (Wittchen, 2012, S. 559).

3.1.1 Traumatadefinition

Nach den Kriterien des ICD-10 der WHO (1994) definiert sich das Traumata als „kurz­oder langanhaltendes Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß, die nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde“ (S. 124).

Die American Psychiatric Association (2000) definiert nach ihrem DSM-System Traumata als „ein Ereignis oder Ereignisse, die eine Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder Gefahr für eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit beinhalten“ (S. 491).

Des Weiteren wird im Detail unterschieden zwischen

- menschlich verursachtem vs. zufälligem Traumata
- kurz-(Typ-I-) vs. langfristigem (Typ-II-) Traumata
- medizinisch bedingtem Traumata (Erstfassung Maercker 1998).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.2 Symptomatik einer PTBS

Wie bereits im Vorfeld erwähnt (vgl. Kapitel 3.1) gehören Intrusion, Vermei- dung/Numbing und Hyperarousal zu den drei Symptomgruppen einer PTBS und können in ihrer Form durch unterschiedliche Einzelsymptome bzw. -beschwerden auftreten. Nach der Beschreibung der Hauptsymptomgruppen folgt eine tabellarische Übersicht der möglich auftretenden Symptome in ihrer Reihenfolge, wie sie im amerikanischen DSM-System aufgelistet sind. Anschließend werden die Klassifikationssysteme DSM und ICD in ihrer Beschreibung und Definition der zu erfüllenden Merkmale zur Diag­nostik einer PTBS gegenübergestellt dargestellt.

Intrusion/Wiedererleben

Menschen, die ein traumatisches Ereignis erlebten, welches sich in seiner Schwere und Konsequenz als posttraumatische Belastungsstörung kennzeichnet, sind ungewollt an diese Erinnerung, an das Erlebte gebunden. Diese Bindung äußert sich durch Bilder, Geräusche, Gerüche oder andere lebhafte Eindrücke (Trigger), die plötzlich und unbe­wusst in Alltagssituationen oder im Schlaf auftauchen. Dabei kommt es häufig zu einer subjektiven Reizüberflutung. Das daraus entstehende Belastungsgefühl resultiert aus den immer wiederkehrenden Erinnerungen und Bildern. Im Schlaf werden die Erlebnis­se in Träumen unterschiedlichster Form durchlebt. Die Bandbreite reicht dabei von Alb­träumen durch Verzerrung des Erlebten bis hin zu „Flashbacks“, in denen das Ereignis erneut realitätsnah durchlaufen wird (Maercker, 2013, S. 17).

Vermeidung/Numbing

Die Betroffenen versuchen permanent das Geschehene zu verdrängen. Dies ist jedoch oft nicht ganzheitlich möglich und kann bei übertriebenen Bemühungen oder bestimm­ten instinktiven oder unbewussten Einstellungen und Gedankenprozesse das Erlebnis auszublenden, zu Teilamnesien führen. Das bedeutet, dass der Betroffene sich in einer solchen Situation nur noch an Ausschnitte bzw. skizzenhaft an das Erlebte erinnern kann. Im Alltag werden diesbezüglich Vermeidungsstrategien, -verhalten entwickelt. Dies führt dazu, dass bestimmte Aktivitäten bzw. Orte bewusst gemieden werden, um nicht an das Traumata erinnert zu werden (Maercker, 2013, S. 17).

Unter Numbing, im psychologischen Kontext, versteht sich die emotionale Erstarrung. Diese wird „noch“ mit den Vermeidungssymptomen in Verbindung gebracht, bei denen die betroffenen Personen den Verlust oder eine verminderte Wahrnehmung ihrer Gefühlswelt beschreiben. Es fällt ihnen im Verlauf immer schwerer eigene Gefühle, Stimmungen und Emotionen zu beschreiben, auszudrücken oder zuzulassen. So kann Numbing auch als eine emotionale Distanzierung zu anderen Menschen sowie allge­meine soziale Isolation verstanden werden. Aufgrund verschiedener Studienresultate sind sich die Forscher (Foa, Riggs & Gerhuny, 1995; Frewen & Lanius, 2006) jedoch nicht einig, ob Numbing-Symptome eine eigenständige Symptomgruppe bilden, da Vermeidungssymptome eher zwanghafte Ausprägungen haben und Numbing- Symptome verschiedene Merkmale verminderter Gefühlsansprechbarkeit zusammenfas­sen (Maercker, 2013, S. 17).

Hyperarousal

Körper und Geist stehen im direkten Kontext zueinander und auch wenn der Körper durch das Trauma keinen direkten Schaden genommen hat, reagiert er auf die seelische Belastung. Dabei ist den Betroffenen zu Beginn der auftretenden körperlichen Sympto­matik oftmals nicht klar, in welchem Zusammenhang diese Reaktionen stehen. So wirkt sich die innere Anspannung auf das autonome Nervensystem aus und senkt die Erre­gungsschwelle, so dass Belastungen früher und gleichzeitig nachhaltiger wirken. Der Körper befindet sich in ständiger Alarmbereitschaft ("fight or flight"), was zu einer erhöhten Sympathikusaktivität führt und damit negativen Einfluss auf das Schlafverhal­ten in Form von Ein- und Durchschlafschwierigkeiten nimmt. Zudem erhöht sich gleichzeitig die Hypervigilants bzw. die Wachsamkeit gegenüber allen möglichen äuße­ren Einflüssen (z.B. gegenüber Geräuschen, fremden Gesichtern oder Gerüchen).

Die Betroffenen sind sehr schreckhaft, was bei unangekündigten körperlichen Berüh­rungen oder Geräuschen sichtbar wird (Maercker, 2013, S. 17-20).

Tab. 2: Einzelsymptome der PTBS modifiziert nach Maercker (2013, Kapitel 2, S. 18-19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Fortsetzung der Einzelsymptome der PTBS modifiziert nach Maercker (2013, Kapitel 2, S. 18­19)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Damit eine PTBS nach einer der beiden gebräuchlichen Klassifikationssystemen (ICD- 10 und DSM-5) diagnostiziert werden kann, müssen gewisse Merkmale erfüllt sein. Dabei unterscheiden sich die beiden Klassifikationssysteme in ihrer Quantität der erfor­derlichen korrelierenden Einzelsymptome aus den genannten Symptomgruppen. Das amerikanische DSM-System hat eine höhere Güte als das ICD-10 und weist zudem grö­ßere Befundlagen auf. Die folgende Tabelle stellt die beiden Systeme mit ihren jeweili­gen Diagnosedefinitionen im Detail dar.

Tab. 4: Übersicht der jeweiligen Diagnosedefinition im Detail (Maercker, 2013, S. 21-22)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.1.3 Körperliche Aktivität als Behandlungsansatz für PTBS

Ein psychologisches Modell für die therapeutische Wirkung von physischer Betätigung stammt von Csikszentmihalyi (2014), einem positivistischen Psychologen, der die The­orie des „Flow“ entwickelt hat. Der „Flow“ ist durch eine vollständige Absorption und das Engagement mit einer bestimmten Aktivität gekennzeichnet. Die körperliche Übung ist ein potentieller und gemeinsamer Induktor dieses positiven, psychologischen Zu­stands, der weitreichende Auswirkungen auf den Geist hat. Er zeichnet sich durch eine fokussierte Konzentration auf das, was man im gegenwärtigen Moment macht, aus und bedeutet, dass man die Tätigkeit als intrinsisch lohnend erlebt, so dass oft das Endziel nur eine Entschuldigung für den Prozess ist (Csikszentmihalyi, 2014). Diese subjektiven Zustände können sich bei Stimmungsschwankungen schützend und therapeutisch aus­wirken.

Um ein Flow-Erlebnis zu erreichen, muss die Aktivität perfekt auf vorhandene Fähig­keiten abgestimmt (nicht unzureichend oder übertrieben) und anspruchsvoll sein. Etwas, das nicht anspruchsvoll ist, wird als langweilig angesehen und etwas zu anspruchsvolles gilt als angstinduzierend. Es ist möglich, dass die positiven Effekte bei Patienten, die sich mit körperlicher Betätigung beschäftigen, zum Teil auf Flow-Erfahrungen zurück­zuführen sind.

Gerade weil Flow-Erfahrungen nicht auf körperliche Aktivitäten beschränkt sind, bedeutet das, dass körperliche Bewegung nicht mit jeder Aktivität, die den Flow herbei­führen kann, austauschbar ist. Grund ist die Vielzahl an Faktoren, die dafür verantwort­lich ist, dass eine körperliche Aktivität therapeutische Effekte auf die mentale Erkran­kung haben kann. Wie im vorherigen Abschnitt diskutiert, spielen neben dem hier be­schriebenen Flow-Potential auch biologische Effekte eine große Rolle. Andere Aktivitä­ten, wie Kunst oder Spiele, die ebenfalls einen Flow induzieren können, haben nach­weislich nicht die gleichen Auswirkungen auf das Gehirn (Csikszentmihalyi, 2014).

Eine weitere wichtige psychologische Wirkung der körperlichen Aktivität ist die Selbstwirksamkeit. Die körperliche Aktivität und das Gefühl der Erfüllung, dass das Ende einer Trainingseinheit begleitet, können die Selbstwirksamkeit erhöhen (McAuley & Blissmer, 2000). Eine gesteigerte Selbstwirksamkeit wiederum kann die Depression verringern (Schuch et al., 2016). Die Selbstwirksamkeit ist nicht nur eine Folge der kör­perlichen Aktivität, sondern auch ein bestimmender Faktor, um eine sich ständig positiv verstärkende Rückkopplung auszulösen.

Ein weiterer Faktor, der die positiven Effekte der Aktivitäten erklären kann, ist die sozi­ale Interaktion. Eine Studie belegt, dass soziale Interaktion einen wichtigen Baustein in der therapeutischen Wirkung der Aktivitäten zur Steigerung der Stimmung darstellt (Peluso & Guerra de Andrade, 2014).

3.2 Selbstwirksamkeit

3.2.1 Definition

Bei der Selbstwirksamkeit definiert nach Schwarzer und Jerusalem (2002) - sie ist Bestandteil der sozialen Lerntheorie von Bandura (1986, 1992) - geht es um die Fähig­keit, sich seiner eigenen Kompetenzen des Handelns bewusst zu sein. Diese Fähigkeit ist je nach Person unterschiedlich stark oder schwach ausgeprägt und nimmt Einfluss auf die in einer bestimmten Situation zu erbringende eigene Leistungsbeurteilung. Die Bewertung der Aufgabe bzw. der Situation und der damit einhergehenden Kompe­tenzerwartung resultiert auf zuvor gemachten Erfahrungen.

3.2.2 Theorien

Die sozial-kognitive Lerntheorie von Bandura (1977, 1986, 1992, 1997, 2001) basiert auf seiner Definition von Selbstwirksamkeit, dass es nicht um die Fähigkeiten geht, die man besitzt, sondern um die subjektive Beurteilung dieser Fähigkeiten. Bandura unter­scheidet dabei zwei Arten von Erwartungen (Schwarzer, 2004): Die Selbstwirksam­keitserwartung (Kompetenzerwartung) beschreibt die Erwartung, eine Aufgabe oder Situation dank bestimmter Handlungsstrategien mehr oder weniger erfolgreich erfüllen zu können. Die Handlungs-Ergebnis-Erwartung (Konsequenzerwartung) dagegen beschreibt die erwarteten Konsequenzen der ausgeführten Handlung. Nur wenn eine Person eine ausreichend hohe Selbstwirksamkeitserwartung und positive Handlungs­Ergebnis-Erwartung hat, ist sie bereit, eine bestimmte Handlung zu vollziehen.

Die Selbstwirksamkeitserwartung kann durch vier verschiedene Arten von Situationen positiv beeinflusst werden. Bei der direkten Erfahrung, die den stärksten Einfluss nehmen kann, löst die Person selbst erfolgreich eine bestimmte Aufgabe.

Die indirekte Erfahrung entspricht einer Modellerfahrung, indem man eine andere, ähn­liche Person dabei beobachtet, wie sie eine Herausforderung erfolgreich meistert.

Bei der symbolischen Erfahrung wird man durch eine andere Person (z.B. sprachlich) überzeugt, dass man der Herausforderung gewachsen ist. Den geringsten Einfluss auf die Selbstwirksamkeitserwartung hat die Gefühlserregung, die physiologische Effekte auslöst. Einer Situation, in der man Vorfreude spürt, fühlt man sich deutlich besser gewachsen als einer Situation, die ängstliche Erregung auslöst (Bandura, 1997; zitiert nach Schwarzer, 2004, S. 20-21).

Selbstwirksamkeitserwartungen und Handlungs-Ergebnis-Erwartungen können kogniti­ve (z.B. Umbewertung), motivationale (z.B. Hilfe annehmen), emotionale (z.B. positi­ves Denken) und aktionale (z.B. Bewältigung) Prozesse steuern (Schwarzer, 2004). An­dere Personen können durch ihre Meinung die Selbstwirksamkeitserwartung sowohl ne­gativ als auch positiv beeinflussen und im Extremfall eine selbst erfüllende Prophezei­ung bewirken, indem sie jemanden durch ihre Meinung so sehr beeinflussen, dass er selbst daran glaubt, sich dementsprechend verhält und die Vorhersage in Erfüllung geht (Bierhoff, 2006).

Bierhoff (2006) stellte einen Zusammenhang zwischen hohen Selbstwirksamkeitserwar­tungen und Zuversicht und Optimismus fest. Depressive Menschen zeichnen sich häufig durch eine niedrige Selbstwirksamkeitserwartung aus, weil sie sich unfähig fühlen, essentielle Lebensaufgaben zu erfüllen. Dadurch entstehen Angst- und Vermeidungsre­aktionen, die wiederum zu neuen Misserfolgen führen und eine Abwärtsspirale der Selbstwirksamkeitserwartung auslösen (Bannink, 2012). Dies gilt auch für emotionale Störungen, Panikattacken und Phobien, auf die Personen mit hoher Selbstwirksamkeit mit einer deutlich geringeren physiologischen Stressreaktion reagieren als Personen mit geringer Selbstwirksamkeit.

Auch für Schwarzer und Jerusalem (2002) ist das zentrale Element in der Wahrneh­mung von Selbstwirksamkeit die subjektive Einschätzung der persönlichen Handlungs­möglichkeiten. Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeit setzen sich höhere Ziele als Personen mit niedriger Selbstwirksamkeit. Dadurch lassen sich Personen mit einer ho­hen Selbstwirksamkeit bei Misserfolgen weniger entmutigen als Personen mit einer niedrigen Selbstwirksamkeit, was wiederum ihre Erfolgschancen erhöht und ihre Selbstwirksamkeit verbessert.

Bannink (2012) stellt in seiner sozialen Lerntheorie das Zusammenspiel von Person, Verhalten und Umwelt in den Vordergrund. Je nach Situation kann sich das Verhalten einer Person unterscheiden, indem es durch sein Umfeld beeinflusst wird. Aufgrund dessen, dass die Selbstwirksamkeit die positiven Potenziale und Stärken einer Person in den Vordergrund stellt, ist sie Teil der positiven Psychologie, die genau die psychologi­schen Prozesse untersucht, die die Lebensqualität steigern. Statt psychische Krankheiten zu untersuchen, geht es vorrangig um das Stärken der positiven Erfahrungen und das Abmildern der negativen Erfahrungen. Auch Frederickson und Joiner (2002) nehmen in ihrer „Broaden-and-build-Theorie“ an, dass positive Emotionen Kreativität und Innova­tion in Gedanken und Handlungen fördern, die dadurch auch auf zukünftige Handlun­gen transferiert werden können. Es entsteht eine Spirale, die eine Person und damit auch ihre Selbstwirksamkeit langfristig verändern kann.

3.3 Allgemeines habituelles Wohlbefinden

3.3.1 Definition

Die WHO (2014) definiert das Wohlbefinden in seinem Europäischen Gesundheitsbe­richt von 2012 als „Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohl­befindens und nicht nur das Freisein von Krankheit oder Gebrechen“ (S. xi). Dabei müssen sowohl die subjektiven Dimensionen, also die mit den Lebenserfahrungen der Menschen verknüpften, als auch die objektiven, also die auf den Lebensbedingungen basierenden Dimensionen (z.B. Bildung, Umwelt, Sicherheit) des Wohlbefindens be­rücksichtigt werden. Die subjektive Dimension des Wohlbefindens wird mit verwandten Begriffen wie der Lebenszufriedenheit, den Freuden des Alltags und auch der individu­ellen Lebensqualität assoziiert. Diese beeinflussen sich gegenseitig ebenso wie sie in Abhängigkeit mit den Faktoren Glück und psychische Gesundheit stehen. Es handelt sich beim Wohlbefinden also um ein mehrdimensionales Konstrukt, das gleichermaßen von negativen als auch von positiven Aspekten abhängt und sich daher nicht in einer­seits emotionales und andererseits körperliches Wohlbefinden trennen lässt.

Des Weiteren ist zwischen dem aktuellen und dem habituellen Wohlbefinden zu unter­scheiden. Während das aktuelle Wohlbefinden den Momentzustand der Stimmung oder des körperlichen Empfindens zum Ausdruck bringt, beschreibt das habituelle Wohlbe­finden einen stabilen, wenn auch dynamischen Zustand, der vorrangig durch kognitive Prozesse gesteuert wird und eine Summe von emotionalen Erfahrungen berücksichtigt (Wydra, 2014).

3.3.2 Theorien

Costa und McCrae (1980) sahen in unterschiedlich ausgeprägtem Neurotizismus und Extraversion den Grund für positive bzw. negative Gemütszustände und werteten den Einfluss dieser Persönlichkeitsfaktoren stärker als objektive Dimensionen wie Lebens­qualität (Wydra, 2014).

Kammann, Farry und Herbison (1984) entwickelten mithilfe von dreizehn verschiede­nen Wohlbefindensskalen das Konzept „Sense of Well-Being“, das das Wohlbefinden als eindimensionales Konstrukt darstellte. Die dauerhafte Zufriedenheit mit dem Leben als Ganzes und das Überwiegen von positiven und negativen Gefühlen wurden zu einem einzigen allgemeinem Wohlfühlfaktor, dem „Sense of Well-Being“, zusammengefasst, bei dem die persönlichkeitsorientierten Dimensionen abhängiger Variablen die globalen Dimension des Wohlbefindens darstellen.

Kammann et. al (1984) visualisierten ihre Theorie mit einem Dreiebenenmodell, das die verschiedenen Stimmungslagen eines Menschen auf drei Ebenen darstellt und die ein­zelnen Ebenen mit Leitern verbindet. Für die Leitern, die von der mittleren Ebene auf die untere, also die negative Ebene, in Richtung Verzweiflung führen, konnten mehrere psychiatrische Skalen oder Beschwerdelisten als Analysegrundlage dienen. Im Gegen­satz dazu gab es für die Leitern, die von der mittleren Ebene nach oben Richtung Glück­seligkeit, führen, keine Theorien. Die Leiter des „Sense of Well-Being“ führt über alle drei Ebenen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Illustrierung des Standes der Wohlbefindensforschung (modifiziert nach Kammann et al., 1984, S. 112)

Auch Mayring (1991) beschreibt in seinem Vierfaktorenansatz des Wohlbefindens sowohl positive als auch negative Komponenten des subjektiven Wohlbefindens und verknüpft dabei emotionale und kognitive Dimensionen. Laut seiner Theorie hängt das Wohlbefinden von den folgenden vier Faktoren ab: Freuden (situationsspezifischer Aspekt), Belastungsfreiheit (Fehlen von Beschwerden), Zufriedenheit (kognitiver Aspekt) und Glück (emotionaler Aspekt) und deren gegenseitige Abhängigkeit ab.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Frage, ob positive und negative Aspekte des Wohlbefindens unabhängig voneinan­der betrachtet werden können, wurde in den letzten fünfzig Jahren kontrovers diskutiert, weil sich positive und negative Effekte einerseits weitestgehend gegenseitig aufheben, andererseits aber auch positiv miteinander korrelieren können (Wydra, 2014). Ebenso herrschte Uneinigkeit über die Mehrdimensionalität des Wohlbefindens. Als einer der Vorreiter versuchte Breslow (1972) die körperlichen, psychischen und sozialen - aus­schließlich negativen - Aspekte des Wohlbefindens getrennt voneinander zu untersu­chen. Auch Becker (1991) unterscheidet zwischen den psychischen und körperlichen Aspekten des Wohlbefindens. Frank (1991) entwickelte einen Fragebogen, um das phy­sische Wohlbefinden zu erfassen. Einig waren sich aber beide, dass eine klare Abgren­zung von emotionalem zu körperlichem Wohlbefinden weder möglich noch sinnvoll wäre. Infolgedessen und basierend auf der Tatsache, dass es an einem Instrument fehlte, das sowohl positive als auch negative Aspekte des allgemeinen Wohlbefindens unter­suchte, entwickelte Wydra (2003) einen Fragebogen, der beide Dimensionen (positiv und negativ) der drei Bereiche von körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefin­den abbildet.

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Details

Seiten
84
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346041500
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v504065
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
0,5
Schlagworte
PTBS Soldat Depression Sport Invictus Wohlbefinden Selbstwirksamkeit Gesundheitsmanagemenrt

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Titel: Steigerung der Selbstwirksamkeit von Soldaten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung