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Der Begriff der Aura in Walter Benjamins Aufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und die Übertragung des Begriffs auf die ästhetische Medientheorie

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer und theoretischer Kontext des Kunstwerkaufsatzes
2.1 Kurzer Überblick der historischen Entstehungsbedingungen
2.2 Bezug des Aufsatzes zur Kritischen Theorie

3. Der Begriff der Aura
3.1 Der Begriff der Aura im Werk von Walter Benjamin
3.2 Der Begriff der Aura im Aufsatz von Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit

4. Die Übertragung des Begriffs der Aura auf die ästhetische Medientheorie Walter Benjamins
4.1 Die Aura und ihre Wirkung auf die Fotografie und den Film
4.2 Der Verfall der Aura und der Funktionswechsel der Kunst

5. Zusammenfassung / Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Thema dieser Hausarbeit ist der Versuch einer Annäherung an den Begriff der Aura in Walter Benjamins Aufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und seine Übertragung in eine ästhetische Medientheorie. Die Arbeit wird die Frage klären, ob der Begriff der Aura für den, von Benjamin konstatierten und beschriebenen, Funktionswechsel in den Künsten konsequent im Sinne von konstitutiv ist. Für ein Verständnis von Benjamins Kunstwerkaufsatz scheint mir ein kurzer Überblick der historischen Entstehungsbedingungen und eine Erläuterung des Bezugs zur Kritischen Theorie unerlässlich. So wird die Arbeit im zweiten Abschnitt diese Kontexte schildern. Im folgenden werde ich die Entwicklung des Begriffs der Aura im Werk von Walter Benjamin aufzeigen und auf die Verwendung und Definition im Kunstwerkaufsatz eingehen. Im vierten Abschnitt erfolgt eine Übertragung des Begriffs auf die ästhetische Medientheorie anhand der Wirkung auf die Fotografie und den Film. Sowie eine Schilderung des Funktionswechsels der Kunst, die eng mit dem Wechsel der Wahrnehmung verknüpft ist. Die politische Relevanz des Aufsatzes, gerade im Hinblick auf den Faschismus bleibt unberücksichtigt, ebenso die Auseinandersetzung Benjamins mit Horkheimer und Adorno bezüglich des Aufsatzes. Den letzten Abschnitt bildet eine Zusammenfassung mit Schlussfolgerung.

2. Historischer und theoretischer Kontext des Kunstwerkaufsatzes

2.1 Kurzer Überblick der historischen Entstehungsbedingungen

Walter Benjamin ist im März 1933 aus Deutschland emigriert. In einem Briefwechsel mit Gershom Scholem beschreibt er seine Situation wie folgt:

„Einen Begriff von der Lage gibt weniger der individuelle Terror, als die kulturelle Gesamtsituation...Der Terror gegen jede Haltung oder Ausdrucksweise, die sich der offiziellen nicht restlos angleicht, hat ein kaum zu überbietendes Maß angenommen.“[1]

So ging es Benjamin in den folgenden Jahren vor allem darum, nach neuen Verdienstmöglichkeiten zu suchen. Sein Leben im Exil war, durch die sehr eingeschränkten Publikationsmöglichkeiten geprägt von wirtschaftlicher Not. Der Aufsatz Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ist 1936 im Pariser Exil entstanden. Erschienen ist er erstmals in gekürzter Form als französische Übersetzung von Pierre Klossowski 1936 in der Zeitschrift für Sozialforschung. Die deutsche Fassung wurde zu Benjamins Lebzeiten nicht publiziert.

Walter Benjamins Thesen des Kunstwerkaufsatzes drehen sich um das Verhältnis von Kunst und Medien, das sich in den 30er Jahren durch neue Techniken einschneidend verändert hat. Sie behandeln die, durch die technisch reproduzierbaren Medien veränderte Wirkung der Kunst, wie dem Film und der Fotografie und er beschreibt den damit einhergehenden Funktionswechsel der Stellung der Kunst innerhalb der Gesellschaft dieser Zeit.

2.2 Bezug des Kunstwerkaufsatzes zur Kritischen Theorie

Vertreter der Kritischen Theorie sind Autoren der Frankfurter Schule, vor allem Horkheimer, Benjamin und Adorno. Grundlage der Kritischen Theorie sind: Hegels Dialektik, der Historische Materialismus von Marx und die Psychoanalyse von Freud. Hegel ging es darum, die Einigkeit des ganzen Menschen wiederzugewinnen, das Moment indem sich die ganze Wirklichkeit wiederfindet ist die Dialektik. Dialektik ist für Hegel ursprünglich nicht eine Sache der philosophischen Reflexion, sondern das wesentliche Strukturelement der Wirklichkeit. Hegel ist der Auffassung, dass der absolute Geist sein Ziel im vollendeten Bewusstsein erreicht hat, so kann es kein unbegriffenes Wirkliches mehr geben. Vernunft und Wirklichkeit sind endlich zur Übereinstimmung gekommen. Marx hingegen meint, man müsse die Philosophie wieder vom Kopf auf die Füße stellen, die Sicht auf die Wirklichkeit müsse umgekehrt werden. Der Ausgangspunkt allen Denkens muss die konkrete Wirklichkeit sein. Die konkrete Wirklichkeit ist für Marx die Wirklichkeit des Menschen, die er bei Hegel in der Wirklichkeit des bloßen Denkens verhaftet sieht. Diese Wirklichkeit, das Sein, konstituiert sich nach Marx nicht durch das Bewusstsein des Menschen, sondern es ist das gesellschaftliche Sein, dass das Bewusstsein bestimmt[2]. Die Psychoanalyse von Freud begründete völlig neue Einsichten in das Triebleben des Menschen, mit ihm setzte sich der Begriff des Unbewussten in der Psychologie durch. Die Kritische Theorie stellt somit eine Verbindung von Ideen aus der Philosophie und der Psychologie mit denen der empirischen Forschung dar. Die Kritische Theorie erklärt die Lage des Menschen in der Gesellschaft unter den Bedingungen des Kapitalismus und entwickelt daraus eine Kapitalismuskritik, die mit der Situation des Individuums verbunden ist.

In Benjamins Aufsatz: Über einige Motive bei Beaudelaire integriert er den Begriff der Aura in einen kunstphilosophischen Kontext und verbindet ihn explizit mit der Kritischen Theorie, wenn er schreibt:

„Die Erfahrung der Aura beruht also auf der Übertragung einer in der menschlichen Gesellschaft geläufigen Reaktionsform auf das Verhältnis des Unbelebten oder der Natur zum Menschen. Der Angesehene oder angesehen sich Glaubende schlägt den Blick auf. Die Aura einer Erscheinung erfahren heißt, sie mit dem Vermögen zu belehnen, den Blick aufzuschlagen.“[3]

Die Metapher des Augenaufschlags entspricht der Utopie einer Gesellschaft der Kritischen Theorie von einer Gesellschaft, die >die Augen aufschlägt<.[4]

3. Der Begriff der Aura

3.1 Der Begriff der Aura im Werk von Walter Benjamin

Aura ist die Art und Weise ihrer Erfahrung, die Aura „atmen“ bedeutet in der ursprünglichen Bedeutung des griechischen Wortes: >Hauch<, >Luft<. Der Begriff der Aura steht bei Benjamin im Kontext ästhetischer Erwägungen. Er findet sich in vielen Texten, vor allem in: Kleine Geschichte der Fotografie (1931), in: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit (1936) und in: Über einige Motive bei Beaudelair (1939). Benjamin definiert den Begriff der Aura wie folgt:

„Was ist eigentlich Aura? Ein sonderbares Gespinst aus Raum und Zeit: eine einmalige Erscheinung der Ferne, so nah sie sein mag. An einem Sommernachmittag ruhend einen Gebirgszug am Horizont oder einem Zweig folgen, der seinen Schatten auf den Ruhenden wirft - das heißt die Aura dieser Berge, dieses Zweiges atmen.“[5]

[...]


[1] Walter Benjamin – Gershom Scholem: Briefwechsel 1933-1940. Hrsg. von Gershom Scholem. Frankfurt 1980, S. 49 f

[2] Weischedel, W: Die philosophische Hintertreppe. München 1966

[3] Benjamin, W: Gesammelte Schriften. I, 2. Hrsg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt am Main 1991. S. 646 f

[4] Recki, B.: Aura und Autonomie: zur Subjektivität der Kunst bei Walter Benjamin und Theodor W. Adorno. Würzburg 1988

[5] Benjamin, W: Gesammelte Schriften. I, 2. S. 440

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638466080
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50377
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Begriff Aura Walter Benjamins Aufsatz Kunstwerk Zeitalter Reproduzierbarkeit Begriffs Medientheorie Medientheorien

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Titel: Der Begriff der Aura in Walter Benjamins Aufsatz: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit und die Übertragung des Begriffs auf die ästhetische Medientheorie