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Welche Maßnahmen zur Prävention von Störungen im Unterricht gibt es?

Eine bildungswissenschaftliche Erörterung

Hausarbeit 2017 13 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Drei Ebenen der Prävention von Unterrichtsstörungen
a) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Organisationsebene
b) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Beziehungsebene
c) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Unterrichtsebene

2. Jacob Kounin: Vier Dimensionen der Klassenführung als Prävention von Störungen auf der Unterrichtsebene
a) Erste Dimension: Präsenz und Überlappung
b) Zweite Dimension: Reibungslosigkeit und Schwung
c) Dritte Dimension: Steuerung des Gruppenfokus
d) Vierte Dimension: Programmierte Überdrussvermeidung

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Für die Lehrenden sind Störungen im Unterricht ein stetig auftretendes Problem, mit welchem die Lehrkräfte sich im Schulalltag ständig auseinandersetzen müssen. Durch Unterrichtsstörungen in ihren verschiedenen Graden und der Permanenz ihres Auftretens können Unterrichtssituationen entstehen, die für Lehrende und Lernende beidseitig auch nachhaltig negative Folgen haben. Zum einen bezeichnet die steigende Zahl an Burnout leidenden Lehrern, die auch durch von Unterrichtsstörungen bedingten psychischen Drucksituationen verursacht wird, eine konkrete Folge der Lehrbelastung. Zum anderen schaden Unterrichtsstörungen auch den Lernerfolgen der Schüler. Unterrichtsstörungen können zu einer Belastung des Lehrer-, Schülerverhältnisses führen und stellen somit negative Einflussfaktoren dar, denen sowohl auf präventiver als auch auf interventiver Ebene begegnet werden kann. Was in der begrifflichen Verortung von Unterrichtsstörungen phänomenologisch eindeutig erscheint, nämlich Unterrichtsstörungen zunächst vor allem von Schülerseite her als Störverhalten zu begründen, wird auf den zweiten Blick der aktuellen Beschäftigung im bildungswissenschaftlichen Kontext weitaus komplexer und differenzierter behandelt. In der folgenden Auseinandersetzung geht es vor allem darum, den präventiven Umgang mit Unterrichtsstörungen zu bezeichnen, der nach den Forschungsarbeiten Jacob Kounins mit Blick auf die reaktiven Störungsbehandlungen der wichtigere Ansatz ist. Der erste Teil der Beschäftigung orientiert sich an dem Drei-Ebenen-System Lohmanns. Hierzu sollen die drei Präventionsebenen der Organisations-, der Beziehungs-, und der Unterrichtsgestaltung dargelegt werden. Da der Kontext der Unterrichtsgestaltung im didaktischen Sinn die zentrale Aufgabe der Lehrenden charakterisiert, wird in fokussierender Form im zweiten Teil der Abhandlung auf Kounins Entwurf der vierdimensionalen Störungsprävention durch Unterrichtsgestaltung eingegangen, auf welchem die Perspektiven des modernen Diskurses über präventive Maßnahmen beruhen. In einem Fazit sollen abschließend die erlangten Erkenntnisse nochmals resümiert werden.

Eine formelle Anmerkung: Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in folgender Auseinandersetzung die maskuline Form von Lehrer und Schüler verwendet, die femininen Entsprechungen sollen stets mitgedacht werden.

1. Drei Ebenen der Prävention von Unterrichtsstörungen

Im bildungswissenschaftlichen Diskurs über die praktische Handhabung von Störungen im Unterricht wird die generelle Auffassung vertreten, besser einem unerwünschten Zustand vorzubeugen als ihn beheben zu müssen. Dieser aus dem medizinischen Bereich stammende Leitsatz auf das Unterrichtsgeschehen übertragen, beschreibt, dass bereits durch praxis- orientierte Überlegungen und Handlungsansätze im Vorfeld die unerwünschten Zustände von Unterrichtsstörungen, die einem wechselseitigen Lehr- und Lernerfolg im Unterricht entgegenwirken, verhindert werden können. (vgl. Fesler 2014, 22) Im Kontext dieser Überlegungen bezeichnet der Begriff der Klassenführung bzw. des Classroom Managements den Bereich Diskurses, in dem die Analysen von Unterrichtsstörungen und Überlegungen über präventive, proaktive und reaktive Maßnahmen von Unterrichtsstörungen vorgenommen werden. Dieser bildungswissenschaftliche Diskurs im Rahmen des Classroom Managements bzw. der Klassenführung verweist insofern auf den ca. seit Beginn des 20. Jahrhunderts eingeleiteten Paradigmenwechsels der Pädagogik und Didaktik des anglo-amerikanischen Kulturraums, da vorher Unterrichtsstörungen ausschließlich als Defizit der Schülerdisziplin angesehen wurden. Der mit der neuen pädagogischen und didaktischen Perspektive auf Unterrichtsstörungen verbundene Paradigmenwechsel bezeichnet eine vielschichtigere Ursachenanalyse und Maßnahmenformulierung gegenüber Störungen im Unterricht. (vgl., Gonszcz 2014, 23) Die folgende Auseinandersetzung basiert in der analytischen Systematisierung und der damit verbundenen Formulierung von Maßnahmen auf der von Gert Lohmann entworfenen Dreiteilung der präventiven Handlungsebenen, nämlich die a) die Prävention von Unterrichtsstörungen als Disziplinmanagement auf Organisationsebene, b) die Prävention von Unterrichtsstörungen auf Beziehungsebene und c) die Prävention von Unterrichtsstörungen auf Ebene der Unterrichtsgestaltung betreffen.

a) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Organisationsebene

Die Maßnahmen zur Prävention von Unterrichtsstörungen als Disziplinmanagement sowie die Ebene der Unterrichtsorganisation werden im Vergleich zur Unterrichts- und Beziehungsebene, wie sie später noch näher zu erläutern sein werden, in ihrer auf Langfristigkeit angelegten Strukturierung unterschieden. Die Störungsprävention auf Organisationsebene bedarf nämlich auf ihrer institutionellen Wirkungsebene sowohl einer längerfristigen Planung als auch einer Autorisierung durch eine dritte Instanz (Kollegen, Rektor). (vgl., Fesler 2014, S.39) Konkret gesprochen betreffen Maßnahmen der Störungsprävention materielle Strukturen der äußeren Lernumgebung der Schüler, wie z.B. die räumlichen Gegebenheiten der Lehr- und Lernsituation, aber auch dynamische Prozesse der Unterrichtsrahmenbedingungen, wie z.B. die Elternarbeit und die Zusammenarbeit mit Kollegen. Die materiell-räumliche Ebene der Prävention von Unterrichtsstörungen setzt zunächst an der Vermeidung von materiellen und räumlichen Mangelzuständen an. Die Herstellung einer lernfreundlichen Raumatmosphäre, wie z.B. durch angenehm kolorierte Wände, ausreichend Bestuhlung, gute Belüftung, adäquate Pausenhöfe mit Grünflächen, ausreichend Sportgeräten etc. soll extrinsische Störmomente, die durch materiellen Mangel der Ausbildungsstätte bedingt werden, verhindern. Auf Organisationsebene wird zudem durch eine ausgewogene Stundenplangestaltung, durch die Einführung von Ganztagsschulen, durch ein ausreichendes Angebot an Sport-, Theater- und Musik-AGs etc., ein Rahmenprogramm für einen intrinsischen Selbstentfaltungsprozess geschaffen, der ebenso zur Störungsprävention beiträgt. (vgl., Fesler 2014, S.39) Ein weiterer Aspekt der Störungsprävention auf Ebene der Organisation betrifft die Elternarbeit, d.h. den Einbezug der elterlichen Erziehungsfunktion in den Kontext des schulischen Lernens. Hierbei steht der Gedanke die Einflussmöglichkeiten der Eltern auf ihre Kinder im positiven Sinn für das Sozialverhalten und die Lernprozesse der Schüler einzubeziehen, im Mittelpunkt. Auch auf Ebene des Lehrerkollegiums durch eine sogenannte teachers room corporate identity soll darüber hinaus eine möglichst einheitliche Außendarstellung der Lehrerschaft in allen Bereichen der Unterrichtsführung organisiert werden. Indem ein verbindliches und einheitliches Reglement im Umgang mit Unterrichtsstörungen auf Schülerseite etabliert wird, erfolgt zwar auf den ersten Blick eine Beschneidung der Lehrerfreiheit, auf der anderen Seite wird jedoch durch die einheitliche Handhabe der Störungsprävention den Lehrern, die ohne Rückendeckung oftmals unsicher in Hinblick auf Unterrichtsstörungen agieren, im Verbund zusätzliche Sicherheit gewährt. Schulische Beispiele der praktischen Umsetzung einer corporate identity illustrieren, dass die Maßnahmen eines verbindlichen Reglements der Störungsprävention auf der organisatorischen Ebene des Lehrerkollegiums greifen.

b) Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Beziehungsebene

Die Prävention von Unterrichtsstörungen auf der Beziehungsebene bezeichnet diejenigen Maßnahmen, die innerhalb der Schüler-Lehrerbeziehung eine gesunde Balance von Nähe und Distanz herstellen. Im Vergleich zur Unterrichts- und Organisationsebene der Störungsprävention steht die Lehrerpersönlichkeit stärker im Vordergrund, da die professionelle Ebene der Beziehungsgestaltung, die Aspekte wie z.B. gegenseitiger Respekt, menschliche Wärme erfordern. Ein sicheres, selbstbewusstes, freundliches und verbindliches Auftreten der Lehrkraft, das nicht durch Überheblichkeit, Anbiederung oder eine überzogen autoritäre Haltung gekennzeichnet ist, wird als eine allgemein idealtypische Lehreinstellung betrachtet. Auf Ebene der Beziehungsgestaltung bedeuten die emotionale Zuwendung des Lehrers gegenüber den Schülern sowie die gleichzeitig auszuübende Klassenführung einen Balanceakt, den die Lehrkräfte zu vollziehen haben. Dies bedarf einer interaktiven Kommunikation, die nach Watzlawick eine Inhalts- und Beziehungsebene beinhaltet. In dem Verweis auf das Kommunikationsmodell Schulz von Thuns beschreibt Lohmann diesen Zusammenhangal„sprofessionelle KommunikationimKlassenraum“. (vgl., Lohmann 2011, S. 104ff.) Eine wichtige Komponente dessen ist das aktive Zuhören, das durch die Wiedergabe des Gesagten ein Signal an den Sprecher sendet. Dies kann auch durch die Möglichkeiten einer nonverbalen Kommunikation unterstützt werden. Gezielt eingesetzt werden kann das aktive Zuhören auf verbaler und nonverbaler Ebene im Sinne eines Rapports. Auf Ebene der interaktiven Kommunikation geht es also darum, mithilfe der wertschätzenden Kommunikation durch die Verwendung einer respektvollen Sprache nicht in die anklagenden Formen von Du-Botschaften zu geraten, sondern auch durch die Vermittlung von Ich-Botschaften die eigenen Standpunkte und damit die Empfindungen des Lehrers darzulegen. Abzusehen ist somit von pauschalisierenden Bewertungen und Moralpredigten (z.B„.dulügssttändigo“de„rihmr achsttändignuUr nsinn) . Als Instrument der interaktiven Kommunikation kann nach Rüedi Humor eingesetzt werden, um drohende Spannungen zwischen Lehrern und Schülern zu relativieren. Eine humorvolle Kommunikation des Lehrers kann zu einer Auflockerung der Lernsituation führen, in der Spaß am Lernen gefördert und durch Langeweile hervorgebrachte Störmomenten reduziert werden. (vgl., Lohmann 2011, S. 110 f.) Auch durch lobende Unterstützung von konstruktivem Verhalten können Schüler motiviert werden, positive Lernenergien freizusetzen. Wichtig ist es jedoch gemäß Lohmann und Eichhorn Lob nicht inflationär zu verwenden, sondern auf spezifische Leistungen, persönlichen Fortschritt und Anstrengungen des Schülers zu beziehen. Eine weitere Möglichkeit positives Lernverhalten zu fördern, besteht in der Etablierung sogenannter Token-Systeme, innerhalb derer durch Punkte- und Sternchensysteme erwünschtes Verhalten belohnt wird. Für höhere Jahrgangsstufen sind diese sogenannten Token-Systeme als Mittel der positiven Verhaltensverstärkung allerdings ungeeignet. Auf Ebene der Beziehungsgestaltung zwischen Lehrer und Schüler kann zusammengefasst als übergeordnetes Ziel die Herstellung eines positiven Klassenklimas verstanden werden, die durch eine positive Herstellung der dynamischen Beziehungsebenen gekennzeichnet ist. Neben den dargelegten Formen durch die Möglichkeiten einer konstruktiven Kommunikation wird die Generierung einer Klassenidentität als ein Mittel zur positiven Formung der Lehrer- Schülerinteraktionen bezeichnet. In der Herleitung von verschiedenen Kennenlernaktivitäten, der Etablierung wöchentlicher Rituale, der Evaluation des Klassenklimas, der Erstellung eines Klassenkodexes oder durch die Einführung eines Klassenrates verweisen Lohmann und Rudolf auf Maßnahmen, die eine positive Form des Klassenklimas mittels einer bewussten Steuerung der Schüler-Lehrerbeziehung zum Ziel haben. (vgl., Lohmann 2011, S. 118 ff.)

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Details

Seiten
13
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346041326
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503665
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Departement Erziehungs- / und Sozialwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
welche maßnahmen prävention störungen unterricht eine erörterung

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