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Boulevardisierung im Journalismus und Sportjournalismus

Am Beispiel der Bildzeitung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 51 Seiten

Sport - Medien und Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Theorie und Praxis
2.1. Regeln für einen fairen Journalismus

3. Boulevard/Boulevardpresse/Boulevardisierung
3.1. Definition: Boulevard
3.2. Definition: Boulevardpresse
3.3. Was ist Boulevardisierung?

4. Merkmale der Boulevardisierung
4.1. Sprachlich/stilistische Merkmale
4.2. Optische Merkmale
4.3. Inhaltliche Merkmale
4.4. Merkmale der Titelseite und Schlagzeile

5. Die Geschichte der Bild-Zeitung

6. Wie viele Leser hat die Bild?

7. Gründe für den Kauf einer Bild-Zeitung
7.1. Der psychologische Wirkungsgrund von Boulevard

8. Gefahr und Macht der Bild-Zeitung und des Boulevardjournalismus

9. Beispiele falscher Berichterstattung
9.1. Der Fall Maik Hauke
9.2. Der Fall Gudrun Staeb
9.3. Der Fall Ulla Jelpke
9.4. Der Fall Jürgen Trittin
9.4.1. Panne oder Manipulation? Was Bild zum Vorfall meinte

10. Skandalöse Enthüllungen durch Günther Wallraff

11. Die große Bild-Familie

12. Sind wir für Wahrheiten der Bild empfänglich?
12.1. Polarisierung
12.2. „Bild dir deine Meinung!“
12.3. Agenda Setting

13. Positiv bemerkt

14. Zitate zu Bild

15. Zusammenspiel zwischen Prominenten und Boulevardberichter- stattung insbesondere in der Bild
15.1. Symbiose und deren Gefahren, der Star im Boulevard
15.2. Fazit

16. Was tun Sportler für Publicity?
16.1. Beispiel Oliver Kahn

17. Geltungsbedürfnis und Inszenierungszwang?
17.1. Beispiel Francesco Totti
17.2. Aufmerksamkeit um jeden Preis

18. Zunehmende Boulevardisierung Fernsehsportberichterstattung, insbesondere im Profifussball
18.1. Kostenexplosion der TV-Rechte im internationalen Vergleich

19. Boulevardberichterstattung durch die Bild-Zeitung am Beispiel Torwartduells Kahn/Lehmann

20. Persönliche Bemerkungen und Kritik

21. Weblinks

1. Einleitung:

Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen der Boulevardisierung im Journalismus, insbesondere im Sportjournalismus. Den Begriff der Boulevardisierung gibt es noch nicht so lange, er wurde erst in den 80er Jahren als Beschreibung eines Phänomens in der medialen Berichterstattung geprägt.

Wir werden die Merkmale dieses Phänomens in unserer Arbeit beschreiben und versuchen, die Gründe für den Erfolg des Konzepts der Boulevardisierung beim Konsumenten zu finden. Außerdem soll diese Arbeit dazu dienen, dem Medienkonsumenten, dem die Merkmale des populären Journalismus durch Gewöhnung selbstverständlich geworden sind, Mechanismen der populären Medien bewusst zu machen. Dies soll auch zu einer Sensibilisierung für die eventuell bestehenden Gefahren der „Boulevardisierungswelle“ in Presse und Fernsehen führen.

Um dem Phänomen der Boulevardisierung im Sport auf den Grund zu gehen, bedarf es zuerst einer ausführlichen Definition des Begriffs Boulevard.

Die stete Veränderung der Erscheinungsform des Phänomens erschwert allerdings eine eindeutige Definition des Begriffs. Deshalb werden wir versuchen durch das Beschreiben von Merkmalen, wenigstens zu einer Annäherung zu gelangen. Dabei werden wir auch auf die Begriffe Hard News (Politik, Wirtschaft) und Soft News (Sport, Sex, Crime, Horoskop, Lebenshilfe, Unterhaltung) eingehen, die elementare Begrifflichkeiten der Boulevardpresse sind.

Es ist eine hinreichend bekannte Tatsache, dass die Realität der Berichterstattung in der Boulevardpresse oftmals nicht den Anforderungen des deutschen Pressekodex entspricht.

Die von uns angeführten Beispiele stammen mehrheitlich aus dem Bereich der Sportberichterstattung, weil hier geradezu idealtypisch die Phänome der Boulevardisierung erkennbar sind.

Seit der Gründung der Bild-Zeitung ist der Begriff des Boulevardpresse untrennbar mit Axel Springer und seinem Presseimperium verbunden. Viele Merkmale der Boulevardisierung werden deshalb zwangsläufig anhand von Beispielen, die aus der Bild-Zeitung stammen, beschrieben.

2. Theorie und Praxis

Die Realität des Journalismus ist, dass immer mehr Bestandteile des Boulevards unbemerkt in die Berichterstattung des Fernsehens und der Printmedien Einzug halten. Der Rezipient hat sich schon sehr daran gewöhnt, so dass seriöser nur noch schwierig von unseriösem Journalismus unterschieden werden kann. Der Boulevardjournalismus bedient sich teilweise gefährlicher und unlauterer Praktiken. Aus diesem Grund befasst sich der deutsche Presserat mit der Arbeitsweise und den Veröffentlichungen der Medien. Im sogenannten Pressekodex sind die publizistischen Grundsätze des deutschen Presserats aufgelistet.

Darin finden sich Regeln für die tägliche Arbeit der Journalisten, die die Wahrung der journalistischen Berufsethik sicherstellen.

Betrachtet man die Wirklichkeit des Journalismus vor dem Hintergrund des Pressekodex, so lässt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen journalistischer Ethik und journalistischer Realität feststellen.

2.1 Regeln für einen fairen Journalismus

aus dem Pressekodex des deutschen Presserats:

- Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.
- Zur Veröffentlichung bestimmte Nachrichten und Informationen in Wort und Bild sind, mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt, auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Dokumente müssen sinngetreu wiedergegeben werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen.
Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden.
- Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachträglich als falsch erweisen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtig zu stellen.
- Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationen und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden. Die vereinbarte Vertraulichkeit ist grundsätzlich zu wahren.
- Jede in der Presse tätige Person wahrt das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien, sowie das Berufsgeheimnis, macht vom Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch und gibt Informanten, ohne deren ausdrückliche Zustimmung, nicht preis.
- Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert werden. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Persönlichkeitsrechte Unbeteiligter verletzt werden.
- Es widerspricht journalistischem Anstand, unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, insbesondere ehrverletzender Natur, zu veröffentlichen.
- Die Presse verzichtet auf eine unangemessen sensationelle Darstellung von Gewalt und Brutalität. Der Schutz der Jugend ist in der Berichterstattung zu berücksichtigen.
- Die Berichterstattung über Ermittlungsverfahren, Strafverfahren und sonstige förmliche Verfahren muss frei von Vorurteilen erfolgen. Die Presse vermeidet deshalb vor Beginn und während der Dauer eines solchen Verfahrens in Darstellung und Überschrift jede präjudizierende Stellungnahme. Ein Verdächtiger darf vor einem gerichtlichen Urteil nicht als Schuldiger hingestellt werden.
- Es entspricht fairer Berichterstattung, vom Deutschen Presserat öffentlich ausgesprochene Rügen abzudrucken, insbesondere in den betroffenen Publikationsorganen.[1]

Diese vorschnelle Verurteilung von Verdächtigen und die Ausrichtung auf Skandaljournalismus mögen Gründe dafür sein, dass jede vierte Rüge des Deutschen Presserats an die Bild-Zeitung geht. Moniert werden vor allem mangelnde Beachtung der Sorgfaltspflicht und Missachtung von Persönlichkeitsrechten.

3. Boulevard/Boulevardpresse/Boulevardisierung

3.1 Definition Boulevard:

(franz. zu niederdeutschem bolwerk „Bollwerk"), ursprünglich Wall, Bollwerk; dann ein auf dem Wall einer Stadt oder an ihrer Stelle angelegter Spazierweg oder eine Prachtstraße[2]

3.2 Definition Boulevardpresse:

Sensationell aufgemachte, in hohen Auflagen erscheinende und daher billige Zeitungen, die überwiegend im Straßenverkauf abgesetzt werden.[3]

3.3 Was ist Boulevardisierung:

Boulevardisierung beinhaltet die Verwässerung des seriösen Journalismus zu populärem „Infotainment“ (Wortkreation aus Information & Entertainment). Wenn informative Werte unterhaltsam verkauft werden, so hat auch dies schon eine Boulevard-Tendenz. Wenn die geleistete Information jedoch vor der Unterhaltung des Konsumenten in den Hintergrund rückt, so spricht man von Boulevardjournalismus.

Der renommierte Prof. Dr. Dr. h.c. Josef Hackforth brachte Boulevardisierung einmal folgendermaßen auf den Punkt: „Wenn Lolitas Rocklänge interessanter ist als Lothars Tore, dann ist das Boulevardisierung.“

Die genaue Bestimmung des Begriffs Boulevardisierung ist jedoch nicht eindeutig gegeben. Das liegt auch daran, dass dieses Phänomen neu ist und seine Merkmale noch der Veränderung unterworfen sind. Der Begriff Boulevard kommt aus dem Französischen und meint die Prachtstraße einer Stadt. Im journalistischen Sinne ist allerdings die Rede von sensations-heischenden, billigen Zeitungen. Höchstwahrscheinlich wurde bei der Wortschöpfung „Boulevardblatt“ dem Verkaufsort, der Straße( franz.Boulevard) gedacht.

Zeitlich bedingt gab es Boulevardisierung zuerst in den Printmedien, bevor sie sich auf das Fernsehen ausweitete.

Es gibt im Fernsehen Boulevardmagazine, die sich in den Merkmalen der Boulevardbericht-erstattung der gedruckten Presse, z.B. der Bild-Zeitung, annähern, oder mit ihr vergleichbar sind. Jedoch sind die bestimmten Merkmale der Boulevardisierung an die Möglichkeiten des jeweiligen Mediums gebunden und so kommt es, dass sie auf unterschiedliche Weise die darin liegenden Möglichkeiten der boulevardisierten Berichterstattung nutzen.

4. Merkmale der Boulevardisierung (insbesondere der Bild-Zeitung):

Die Boulevardisierung ist inhaltlich, optisch und sprachlich/stilistisch zu erkennen.

4.1 Sprachlich/stilistische Merkmale:

- Verständlichkeit: Sachverhalte werden grammatikalisch und auch inhaltlich verknappt und vereinfacht dargestellt.

Die Boulevardpresse (allen voran die Bild-Zeitung) benutzt einen einfachen, erzählenden Sprachstil, der sich der Umgangssprache nähert. In der gedruckten Presse werden Sätze gekürzt, große Überschriften benutzt und mit emotionalisierenden Ausrufe- oder Fragezeichen versehen. Dem gegenüber liefern Fernsehboulevardsendungen schnell geschnittenen Beiträge, meist mit Musik untermalt, was versucht, den Berichten Emotionen zu verleihen. Hierbei entsteht ein Produkt, das den Rezipienten unterhält, ohne ihn zu überfordern. Ein ganz wesentlicher Punkt ist, dass der Boulevard, in Fernsehen wie in Zeitung, immer mehr daran interessiert ist, seinen Zuschauer bzw. Leser zu unterhalten, als ihn zu informieren. Auch deswegen werden vermeintlich harmlose Meldungen zu Sensationen aufgebauscht und Themen der Human Interests nehmen einen bedeutenden Stellenwert ein.
- Bild benutzt häufig einen Wortschatz der „Brachialgewalt“. Immer wieder werden die Leser durch das gezielte Erzeugen von Grauen, Furcht und Entsetzen bis hin zum Ekel unmittelbar angesprochen. Bekannt sind die Wortschöpfungen der Bild Zeitungen wie „Blitzeis“ oder „Ramba Zamba“. Mittlerweile sind diese Wörter in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen.

4.2 Optische Merkmale:

- Das typische Bild-Layout wird häufig als gepflegtes Chaos bezeichnet. Bestimmt wird es vor allem durch die hart gegeneinander geschnittenen Farben schwarz, weiß und rot, so wird die Bild-typische Polarisierung auch optisch transportiert.
- Erzählen in Bildern und mit Bildern: Das sprachliche Bild ist eines der wichtigsten Stilmittel in der Bild-Zeitung. Häufig kommen diese Bilder und Metaphern beim szenischen Einstieg in eine Geschichte zum Einsatz. Die Boulevardpresse benutzt neben dem Erzählen in Bildern das Bild selbst, um die Aufmerksamkeit des Lesers um den visuellen Wert zu steigern. Die Bilder unterstützen die Verständlichkeit, dienen als Blickfang und sollen außerdem Emotionen bei der Leserschaft wecken, da sie Gefühle unmittelbarer transportieren können als der Text. Sie sind fundamental für den Erfolg der Zeitung.

Das Geschehene wird visualisiert und die bewusste Emotionserregung des Lesers ist ein gewünschter Effekt. (Beispiel: Veröffentlichung der Bilder einer Leiche, oder des Tatwerkzeuges bei einem Mord). Emotionen sind in der Aufmachung der Bildzeitung essentiell. Die Bild-Zeitung führt einen großen Teil ihrer Popularität auf die Verwendung von vielen Bildern in ihre Zeitung zurück.

Damit unterscheidet sie sich auch von den als seriös bezeichneten Zeitungen (Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine), bei denen Bilder nur sporadisch eingesetzt werden, da sie Informationen vorwiegend in Form von Text transportieren.

Der Vorteil von Bildern ist, dass die visuelle Ebene im Gehirn angesprochen wird. Informationen werden schneller verarbeitet und verstanden. Andererseits nutzt ein Bild einem Text, indem es als angenehm und auflockernd empfunden wird.

Nebenbei bemerkt, ermöglicht der Reichtum an Bildern, den Mangel an Text und Inhalt zu verdecken. Zuletzt gilt es zu bemerken, dass das Bild in den Printmedien als einziges den Soft News-Bestandteil Sex bedienen kann.

4.3 Inhaltliche Merkmale:

- Soft News und Hard News: Da schwierige und komplexe Themenfelder wie Politik und Wirtschaft für den Konsumenten schwer überschaubar sind, werden sie von der Boulevardpresse stark verkürzt, oder haben nur einen untergeordneten Stellenwert. Die Folge ist ein Rückgang harter Themen, der sogenannten Hard News, zu Gunsten weicher Themen/Soft News.

- Personifizierung: Ein beliebtes Mittel der Bildzeitung ist es, dem Leser Politik greifbar erscheinen zu lassen, indem es sie personifiziert. Politiker werden in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Lebenswandel durchleuchtet, um als Personen wie du und ich dargestellt zu werden. Ihr Privatleben und ihre Vorlieben kommt größeres Interesse zu, als der Politik, die sie betreiben. Dabei gelingt es Presse wie Fernsehen den Rezipienten glauben zu machen, der jeweiligen Person sehr nahe zu sein. Die Fokussierung auf intime und private Details eines Prominenten nimmt einen sehr großen Bereich der Boulevardisierung ein. Viele Sportler beklagen sich bereits zurecht über eine Berichterstattung, die mehr an privaten Details ihres Lebens, als an ihren sportlichen Leistungen interessiert ist.
- Emotionalisierung: Sowohl mit Inhalten, als auch durch eine ganz spezifische Sprache, versucht „Bild“ bei den Lesern Emotionen zu erzeugen, um sie immer wieder zum Kauf anzuregen. Das geschieht häufig durch eine direkte Ansprache des Lesers(z.B. durch das gemeinschaftsbildende wir), durch makabre Photos, oder sensationelle Schlagzeilen. Die Emotionalisierung des Konsumenten spielt in der boulevardisierten Berichterstattung eine besonders große Rolle.
- Jeden Tag liefert die Bildzeitung eine neue „skandalöse Geschichte“. Wenn nötig wird eine Geschehnis erst weit genug aufgebauscht oder Informationen hinzugedichtet, damit eine Meldung interessant wird.

Bekanntermaßen wird die Bild-Zeitung nur an Kiosken und im Außenhandel verkauft. Folglich muss die erste Seite einen Aufhänger bieten, der die Leute täglich neu zum Kauf animiert. Die Schlagzeile auf der Titelseite entscheidet maßgeblich über den Umsatz. Ihrer Wichtigkeit wegen werden große, reißerische Überschriften eingesetzt und Informationen überspitzt. Versteckte Fragezeichen hinter Überschriften nehmen den unglaublichsten Aussagen (im letzten Moment) ihren Wahrheitsgehalt, was beim oberflächlichen Lesen oft übersehen wird, da Bilder in unmittelbarem Zusammenhang, das Geschriebene zu bestätigen scheinen. Das Interesse an einer im ersten Moment brisant-geglaubten Story ist geweckt. Da sich im Archiv des Axel-Springer-Verlags nicht immer die richtigen, zu einer Schlagzeile passenden Bilder finden, werden vorhandene Photos oft überarbeitet, verändert oder ihrem ursprünglichem Zusammenhang zweckentfremdet, ohne dass dies deklariert wird.

- Boulevard-Berichte verkaufen ihre Inhalte teils auf Kosten des Wahrheitsgehaltes. Ein allgemeiner Verfall der journalistischen Standards (die größtmögliche Objektivität; investigative, gründliche Recherche und die Wahrung gewisser ethischer Grundsätze) ist die Folge.

Boulevardberichte verkaufen Unterhaltung auf Kosten von Information. Denn letzen Endes geht es um Gewinn, der durch Auflagen bzw. Quotensteigerung erzielt werden kann. Interviewpartner und Zeugen werden zum Teil bezahlt und Szenen nachgestellt (,,dramatic re-enactment").

Die Zeitungen bzw. die Rundfunkanstalten sind Unternehmen, welche von Anzeigen, Vertrieb, Gebühren oder im letzen Fall eventuell ganz von Werbegeldern abhängig sind, die quotenabhängig bezahlt werden. So passiert es schnell, dass sich Journalisten für eine reißerische Schlagzeile, oder einen sensationellen Bericht auf fragwürdige Quellen und Gerüchte verlassen. Oftmals stehen die Journalisten dieser Medien unter einem gewaltigen Druck eine sensationelle Geschichte aufzutun und zu liefern, was in letzter Konsequenz zu gewollt mangelhafter Recherche oder falscher Berichterstattung führen kann.

4.4 Merkmale der Titelseite und Schlagzeile:

- Die Schlagzeile der „Bild“ soll jedoch nicht nur das Interesse der Passanten mit Themenbereichen wie Klatsch, Sensationen oder Sport wecken, sie macht auch Politik. Bild ist bestrebt die Stimmungen in Deutschland wiederzugeben und sieht sich selbst als die Stimme des Volkes. Die Zeitung „gibt vor“, „verkündet“, „entlarvt“, „provoziert“, „klagt an“ und polarisiert somit seit jeher. Unvergessen und sehr typisch für Bild sind Schlagzeilen wie:

Maurerstochter auf Monaco-Thron (1956, zur Hochzeit von Grace Kelly), Der Westen tut NICHTS! (1961 zum Mauerbau), Der Mond ist jetzt ein Ami (1969, zur Landung der Amerikaner auf dem Mond), Romys Sohn von Zaun aufgespießt – tot (1981, zum Tod des Sohnes von Romy Schneider), Guten Morgen, Deutschland – Es war ein schönes Wochenende (1989, zur Öffnung der DDR Grenze), Blutiges Drama im Bad - Bohlen fast entmannt (1990, zu Dieter Bohlens Penisfraktur, obwohl er der Bild falsche Angaben gab), War es Samenraub? (2001, zur unehelichen Tochter des Tennisspielers Boris Becker), Rudi, haudi Saudi (2002, Aufforderung an Teamchef Rudi Völler, bei der WM mit der Fußball-Nationalmannschaft Saudi-Arabien zu besiegen).

In den Schlagzeilen wird häufig eine affektive Sprache verwendet. Oft kommen Ausrufe, Fragen, Imperative, Superlative oder Wortschöpfungen zur Anwendung.

- Wird sonst eher auf politische Berichterstattung verzichtet, so nimmt sie auf der Titelseite heutzutage mit 30% der Fläche den meisten Platz ein. 27% der Fläche sind für Berichte über Prominente bestimmt, gefolgt von Sport mit 8% und Unfälle, Gesundheit und Wetter mit 7%.

5. Die Geschichte der -Zeitung

Eine Zeitung, die vornehmlich im Boulevard zu Hause ist (sich mit dem Privatleben der Stars beschäftig und boulevardisierte Berichterstattung liefert), ist die „Bild-Zeitung“.

Am 24. Juni 1952 erschien sie erstmals mit einer Gesamtauflage von 250.000 Exemplaren im Axel Springer Verlag. Die Erstausgabe hatte lediglich vier Seiten und wurde umsonst ausgegeben.

[...]


[1] http://www.presserat.de/pressekodex.html

[2] Meyers Lexikon

[3] Meyers Lexikon

Details

Seiten
51
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638465977
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50363
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,0
Schlagworte
Boulevardisierung Journalismus Sportjournalismus Beispiel Bildzeitung Sport

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