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Disintermediation durch die Blockchain-Technologie in der Touristikbranche. Welche Potenziale der Disintermediation bestehen?

Bachelorarbeit 2018 44 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Bedeutung des Themas
1.2 Gegenstand der Untersuchung
1.3 Ziel und Gang der Untersuchung

2. Disintermediation
2.1 Konzept der Intermediation
2.2 Rollen und Funktionen von Intermediären
2.3 Disintermediation und verwandte Begriffe
2.3.1 Disintermediation
2.3.2 Cybermediation
2.3.3 Reintermediation

3. Blockchain-Technologie
3.1 Public, Private und Consortium Blockchain
3.2 Smart Contract
3.3 Kryptowährung und Krypto Token
3.4 Einfluss auf die Wirtschaft
3.5 Limitationen

4. Akteure in der Touristikbranche
4.1 Intermediäre der Touristik
4.2 Beispiel Blockchain-Technologie Projekt: Winding Tree

5. Potenziale der Disintermediation durch die Blockchain-Technologie
5.1 Prüfung der „Ob-Frage“
5.2 Prüfung der „Wie-Frage“
5.3 Prüfung der „Wer-Frage“

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Vorteilhaftigkeit eines Intermediär / Baligh-Richartz-Effekt

Abbildung 2: Disintermediation in der Wertschöpfungskette

Abbildung 3: Beispiel einer virtuellen Wertkette in der Textilindustrie

Abbildung 4: Strukturunterschied dezentrales und zentrales Netzwerk

Abbildung 5: Zentrales und dezentrales Marktplatzmodell

Abbildung 6: Winding Tree Ökosystem - Aktueller Status

Abbildung 7: Übernahme von Rollen und Funktionen der Intermediäre durch Blockchain-Technologie-Lösungen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Definitionen des Intermediärs aus der Literatur

Tabelle 2: Definitionen der Intermediation aus der Literatur

Tabelle 3: Rollen und Funktionen der Intermediäre aus der E-Commerce-Literatur

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Bedeutung des Themas

Das Konstrukt der Intermediation, die Rolle und Funktion von Intermediären, sowie deren Bedeutung und Nutzung im E-Commerce wurde bereits wissenschaftlich erarbeitet. Sie spaltet die Distributionskette vom Produ-zenten zum Abnehmer. Intermediation bringt einige Vorteile mit sich. Bei-spielsweise werden die Kommunikationswege zwischen Anbieter und Nach-frager reduziert1 und das Vertrauen2 der Nachfrager gestärkt. Intermediäre gab es allerdings schon vor Einführung des Internets, wie zum Beispiel klas-sische Reisebüros. Das Internet hat sie durch komplexere Datenstrukturen weiterentwickelt und revolutioniert. Neue Intermediäre sind in verschiedene Märkte eingetreten, andere sind durch Disintermediation weggefallen. Nun kommt eine neue Technologie, die das Internet revolutionieren soll, die Blockchain-Technologie. Es stellt sich die Frage, ob sich durch die Block-chain-Technologie Potentiale der Disintermediation ergeben.

Die Blockchain-Technologie ist zurzeit in vielen Branchen ein großes Thema. Rund 2,4 Milliarden US-Dollar3 wurden bereits weltweit durch Venture-Capital-Investitionen in die Blockchain-Technologie investiert. Sie wird als disruptive Innovation bezeichnet und soll, wie die Einführung des Internets in den 90er-Jahren, die Welt wesentlich im Thema Geschäftsbeziehungen in vielen Branchen verändern. Darüber hinaus soll sie neue Strukturen im Rahmen der Informationssicherheit und Transaktionsabwicklung für Unter-nehmen und Kunden schaffen. Durch das Versprechen einer direkten, nicht von Einzelfirmen kontrollierten Vermittlung zwischen Anbietern und Nach-fragern zu geringen Transaktionskosten, stellt die Blockchain-Technologie branchenspezifische Geschäftsmodelle der Mittelsmänner beziehungs-weise der sogenannten Intermediäre mit vielen Mitarbeitern in Frage. Wird die Blockchain-Technologie die Rolle und Funktion der derzeitigen Interme-diäre verändern oder ganz übernehmen?

Diese Technologie ist auch in der Touristik ein aktuelles Thema. Durch das Internet hat sich die Branche weiterentwickelt. Eine große Anzahl an Markteilnehmern bzw. Akteuren mit verschiedenen Rollen und Funktionen, sowie komplexen Schnittstellen und unterschiedlicher Systeme kommt zu-sammen. Durch die Komplexität sind Intermediäre, welche als reine Daten-manager agieren, entstanden. Ein paar größere dieser Intermediäre haben sich etabliert, ihren Platz im touristischen Ökosystem gefunden und ein nahezu Oligopol geschaffen. Nun entstehen durch die Entwicklung der Blockchain-Technologie erste unterschiedliche konkrete Projekte mit hohem Investitionsvolumen, welche das touristische Ökosystem disruptiv verändern wollen. Es stellt sich die Frage, in wie weit derzeitige Intermediäre in der Touristik durch die neue Technologie gefährdet sind.

1.2 Gegenstand der Untersuchung

In der vorliegenden Arbeit wird das Konzept der Intermediation mit dem Fokus auf dessen Teilbereich der Disintermediation betrachtet. Hierbei wird besonders auf die Rollen und Funktionen von Intermediären als sog. Mittelsmänner eingegangen. Darüber hinaus wird der Begriff Disinter-mediation und seine verwandten Begriffe erläutert und voneinander abge-grenzt. Die Entwicklung des Konzeptes der Intermediation wird in dieser Arbeit nicht betrachtet, sondern auf bestehende Definitionen aus der Wis-senschaft eingegrenzt. Gründe für die Existenz von Intermediation werden nicht analysiert. Auf die industrieökonomischen Grundlagen zur Theorie der Firma wird verzichtet.

Als weiterer wesentlicher Bestandteil der vorliegenden Arbeit wird die Blockchain-Technologie untersucht. Hierbei wird das Grundkonzept der Technologie erläutert und die wichtigsten Bestandteile erklärt. Der Autor fokussiert seine Arbeit auf die wirtschaftliche Bewertung der sog. „Public Blockchains“ am Beispiel des Geschäftsmodells von elektronischen Markt-plätzen. Andere Arten der Blockchain werden genannt, allerdings nicht in der Bewertung berücksichtigt. Weitere Geschäftsmodelle und Lösungen ba-sierend auf der Blockchain-Technologie wie bspw. „Amadeus Baggage Tra-cking“ (Gepäcknachverfolung) oder „Eterisc“ (Flugausfallversicherung) werden in dieser Arbeit nicht einbezogen. Durch diese Abgrenzung wird das zentrale Versprechen der Technologie ebenfalls auf die Public Blockchain begrenzt. Darüber hinaus unternimmt der Autor keine technische Bewertung, sondern begrenzt seine Untersuchung auf die wirtschaftlichen Auswirkungen und Möglichkeiten der Technologie. Bekannte technische Limitationen werden genannt, ihre Lösbarkeit und deren aktueller Entwicklungsstand al-lerdings nicht bewertet. Eine Bewertung zum Thema Währungsstabilität von Kryptowährungen wird in dieser Arbeit nicht berücksichtigt oder hinterfragt.

Die Potentiale der Disintermediation durch die Blockchain-Technologie werden am Beispiel der Touristikbranche untersucht. Hierfür werden die wichtigsten Akteure der Touristik in das Ökosystem der Touristik eingeordnet und anschließend kurz erläutert. Durch die Eingrenzung von Public Block-chains am Geschäftsmodell der elektronischen Marktplätze wird als Beispiel der Touristik das Unternehmen „Winding Tree“ vorgestellt. Bei der Vor-stellung des Unternehmens werden die zentralen Versprechen des Projekts genannt. Auf eine technische Bewertung der aktuellen Probleme und des aktuellen Entwicklungsstands wird an dieser Stelle ebenfalls verzichtet, da dies den Rahmen der vorliegenden Arbeit überschreiten würde.

1.3 Ziel und Gang der Untersuchung

Ziel der Untersuchung ist es, die Potenziale der Disintermediation durch die Blockchain-Technologie am Beispiel der Touristikbranche zu erklären oder prognostizieren zu können. Um diese Untersuchung vorzunehmen werden drei Zielfragen definiert, die in der vorliegenden Arbeit bearbeitet werden:

- Kann Disintermediation durch Blockchain-Technologie entstehen? („Ob-Frage“)
- Wie liefert die Blockchain-Technologie Potenziale der Disintermediation? („Wie-Frage“)
- In wie weit sind Intermediäre der Touristikbranche durch die Blockchain-Technologie bedroht? („Wer-Frage")

Um die definierten Zielfragen zu beantworten wird zuvor eine theoretische Grundlage geschaffen. In Kapitel 2 wird die wissenschaftliche Theorie des Begriffs Disintermediation untersucht. Hierfür wird zunächst ausführlich in Kapitel 2.1 das Konzept der Intermediation beschrieben. Basierend auf dem Konzept der Intermediation wird in Kapitel 2.1 eine Erläuterung der Rollen und Funktionen von Intermediären basierend auf dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Literatur vorgenommen. Im darauffolgenden Kapitel 2.2 wird der Begriff Disintermediation definiert und von seinen verwandten Begriffen abgegrenzt. Das nächste Kapitel 3 untersucht das Grundkonzept der Blockchain-Technologie. Hier werden die wesentlichen Merkmale der Technologie beschrieben. Unter diesem Kapitel wird auch eine Erläuterung der besonderen Merkmale der Technologie vorgenommen. Verschiedene Zugangsbeschränkungen werden erläutert (Kapitel 3.1). Die Begriffe Smart Contract (Kapitel 3.2), Kryptowährungen und Krypto Token (Kapitel 3.3) werden definiert. Bekannte technische und nicht-technische Limitationen (Kapitel 3.4) der Blockchain-Technologie werden genannt. Das Kapitel 4 be-schäftigt sich mit den Akteuren der Touristikbranche. Die Begriffe Touristik und Touristikbranche werden definiert. Die wesentlichen Akteure der Branche werden aufgezeigt. Im Kapitel 4.1 werden die Rollen und Funktionen der Intermediäre der Touristikbranche beschrieben. Als Zusatz wird in Kapitel 4.2 ein aktuelles Projekt eines dezentralen Marktplatzmodells vorgestellt. Die wichtigsten Versprechen, sowie bekannten Probleme werden genannt. In Kapitel 5 wird die Prüfung der Zielfragen durchgeführt. Zunächst wird das genaue Vorgehen der Prüfung detailliert beschrieben. Mit Prüfung der „Ob-Frage“ (Kapitel 5.1) soll geklärt werden, ob Disintermediation überhaupt durch die Blockchain-Technologie entstehen kann. Durch die Beantwortung der „Wie-Frage“ (Kapitel 5.2) wird geklärt, wie sich Potenziale der Disintermediation durch die Blockchain-Technologie ergeben könnten. Das Ergebnis der „Wer-Frage“ soll am Anwendungsbeispiel der Touristik klären, welche Intermediäre im Falle der Disintermediation durch die Blockchain-Technologie gefährdet sind. Schließlich werden im Fazit (Kapitel 6) Kerngedanken der einzelnen Kapitel der vorliegenden Arbeit zusammengefasst. Neben der Ergebniszusammenfassung wird hier eine Empfehlung an die Touristikbranche, sowie Wissenschaft geäußert.

2. Disintermediation

Durch den Einfluss von E-Commerce4 auf die Intermediation ist unter anderem der Begriff Disintermediation entstanden (vgl. Tietz, D., 2007, S. 60f.).

In diesem Kapitel der Arbeit wird die wissenschaftliche Theorie zu dem Begriff Disintermediation erläutert. Hierfür wird zunächst das Konzept der Intermediation beschrieben. Im nächsten Schritt werden die Rollen und Funktionen von Intermediären erläutert. Nachdem die Grundlagen verstan-den sind, werden der Begriff Disintermediation und seine verwandten Be-griffe definiert.

2.1 Konzept der Intermediation

Als wesentliche Grundlage der vorliegenden Arbeit ist es zunächst not-wendig das Konzept der Intermediation zu erläutern, um den Begriff Dis-intermediation zu verstehen.

Dabei wird in diesem Abschnitt zwischen zwei Sichtweisen unterschieden, der institutionellen Sicht (Was ist ein Intermediär?) und der funktionalen Sicht (Was ist Intermediation?) (vgl. Tietz, D., 2007, S. 29).

In der Etymologie stammt der Begriff der Intermediation aus zwei Silben: „inter-“ (lat.: zwischen-, unter-, zusammen-) und „Mediation“ (lat.: Vermitt-lung) (vgl. Stengel, N., 2014, S. 49). Die Bezeichnung des Intermediärs ist abgeleitet vom lateinischen „intermedius“ und bedeutet der Dazwischen-liegende.

Aus verschiedenen Untersuchungen lassen sich einige Definitionen der Intermediation entnehmen, allerdings sind diese auf bestimmte Branchen, wie bspw. der Marketingforschung, dem Handel oder der Finanzbranche, fokussiert (vgl. Tietz, D., 2007, S.29; Stengl N., 2014, S.49).

Im Konzept der Intermediation werden, wie zuvor erwähnt, zwei Sichtweisen herangezogen. Die institutionelle Sicht, sprich die Erklärung des Begriffs und die funktionale Sicht, d.h. die Aufgaben, Rollen und Funktionen von Interme-diären (vgl. Stengel, N. 2014, S. 49). Als erstes soll die institutionelle Sicht erläutert werden.

Unter einem Intermediär versteht D.F. Spulber einen „economic agent who purchases from suppliers for resale to buyers or who helps buyers and sellers meet and transact“ (1999, S.3). Aus dieser Definition lassen sich zwei Arten von Intermediären ableiten. Intermediäre, welche ein Produkt auf eigenes Risiko einkaufen und weiterverkaufen („Market-Maker“), sowie Intermediäre, die nicht als Market-Maker agieren, sondern eine Transaktion auf eine andere Art und Weise unterstützen („Match-Maker“ oder „Broker“) (vgl. Tietz, D., 2007, S. 29f.). Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass sich bei einem sog. Market-Maker ein Abgrenzungsproblem zum Produzenten ergeben kann, da meist nicht das gleiche Produkt eingekauft und weiterverkauft wird, sondern es auf eine andere Art und Weise modifiziert wird. Eine Änderung wäre bspw. eine Pauschalreise die als Bündelung von Gütern zählt oder eine gravierende Inputtransformation wie die Montage eines Computers aus Einzelkomponenten (vgl. Tietz, D., 2007, S. 30). In der vorliegenden Arbeit zählen Unternehmen auch zu Intermediären, die neben der Hauptfunktion der Intermediation auch Produktionsfunktionen wahrnehmen. Ebenfalls kann sich bei einem Match-Maker ein Abgrenzungs-problem ergeben. Eine Werbeagentur entwickelt beispielsweise für ein Unternehmen die geeignete Werbung, welche die richtige Zielgruppe und somit den richtigen Transaktionspartner anspricht und die Transaktion auf eine Art und Weise unterstützt. Als Abgrenzung wird hierbei die notwendige Beteiligung während der Vereinbarungsphase herangezogen (vgl. Tietz, D., 2007, S. 31).

In der folgenden Tabelle 1 werden verschiedene Definitionen der institutio-nellen Sicht aufgeführt.

[...]


1 Baligh-Richartz-Effekt; erklärt die verringerten Kommunikationswege zwischen Produzenten und Abnehmern. (dieser Effekt wird in Kapitel 2.2 erläutert).

2 Dies wird in Kapitel 2.2 beschrieben.

3 Coin Desk, Stand April 2018, elektronisch veröffentlicht unter: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/654326/umfrage/venture-capital-investitionen-in-blockchain-technologien-weltweit/

4 Unter den Begriff E-Commerce fällt der elektronische Handel und die damit verbundenen Geschäftsaktivitäten (vgl. Stengel, N., 2014, S. 22).

Details

Seiten
44
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346058560
ISBN (Buch)
9783346058577
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503551
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln – Schmalenbach Institut
Note
2,1
Schlagworte
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