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Kenia - Die Ära Kenyatta von Uhuru bis Harambee

Hausarbeit 2005 21 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kenias Geschichte vor der Unabhängigkeit

3. Verfassungsrechtliche Entwicklung nach der Unabhängigkeit

4. Kenia unter Kenyattas Herrschaft
4.1. Biographie von Jomo Kenyatta
4.2. Politisches System und Praxis
4.3. Wirtschaft und Außenpolitik

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Territorium des heutigen Kenia ist ein Produkt der Kolonialzeit und umfasst ein Gebiet welches so groß ist wie Frankreich. In diesem Land leben derzeit zweiundvierzig Völker und Ethnien mit oft sehr heterogenem kulturellen Hintergrund. Dies ist jedoch für ein afrikanisches Land nicht ungewöhnlich und doch liegen hier die Gründe für zahlreiche Konflikte auf dem schwarzen Kontinent.

Kenia konnte seinen nationalen Zusammenhalt nach der Unabhängigkeit von Großbritannien behaupten. Die Völker Kenias übten sich schon verhältnismäßig früh mit ethnischen Allianzen, um der weißen Kolonialverwaltung politisch gewichtiger entgegentreten zu können. Als besonders aktiv gilt das Volk der Kikuyu, welches ein fünftel der Bevölkerung ausmacht und 1919 mit der Gründung der „Kikuyu Association“, die erste afrikanische politische Organisation Kenias stellte.[1] Auch der Mau-Mau Aufstand, der der britischen Administration blutig den Wunsch der Afrikaner nach Selbstbestimmung zeigte, war zumeist von radikalisierten, jungen Kikuyu Rebellen getragen worden.[2] Dem Volk der Kikuyu sollte auch der erste Ministerpräsident und spätere erste Präsident Kenias, Jomo Kenyatta, angehören.[3] Die Karriere Kenyattas ist eng verbunden mit der politischen Entwicklung Kenias. Seine Person galt in den ersten Jahrzehnten des postkolonialen Kenias als Garant für Stabilität und Einigkeit, weswegen das Land in Ostafrika vor allem von den Westmächten als verlässlicher Partner geschätzt wurde. Die Maxime, soviel Demokratie und Liberalität wie möglich und soviel einheitsstiftender Zwang wie nötig, erwies sich als goldener Schnitt. Allerdings fußte die Stabilität des Landes schnell auf einem Patronagesystem an dessen Spitze Kenyatta die Fäden zog.

In dieser Hausarbeit soll das unabhängige Kenia mit der Person Jomo Kenyatta in Verbindung gesetzt werden. Wie legitimierte er seine prägende Herrschaft? Auf welchen Grundlagen sich das politische System gründete, welches ihm so viel Macht zukommen ließ? Wie funktionierte die politische Praxis und welche Ideologie verfolgte das Herrschaftsklientel? Außerdem ist fraglich, welche Position Kenia im globalen Ost-West Konflikt bezog.

Zu beginn wird die Geschichte Kenias vor „Uhuru“ beleuchtet, um Kenia im Gesamtkontext seiner Vergangenheit zu sehen. Wie sah das Gebiet des heutigen Kenias vor der Erschließung durch die Europäer aus? Wodurch wurde die Unabhängigkeit erreicht? Welche Kräfte beteiligten sich an dem Streben nach nationaler Autonomie?

Nachfolgend wird die Entwicklung der kenianischen Verfassung nach „Uhuru“ gezeigt, da selbige unmittelbar mit der herrschenden Elite in Verbindung steht, wobei dies als wichtiges Element zum Verständnis für die Rechtfertigung und Festigung der politischen Systeme die Kenia erlebt hat gesehen wird. Aufgrund dessen bezieht sich der geschichtliche Abriss teilweise auch auf die Zeit nach Kenyatta.

Im dritten Hauptteil wird die Person Jomo Kenyatta biografisch behandelt, da er der Hausarbeit das Thema gegeben hat und seine Persönlichkeit die Politik elementar formte. Ebenfalls wird in dieser Arbeit die politische Praxis untersucht. Wie gestaltete sich die Partizipation der Abgeordneten des Parlaments und wodurch konnte Kenyatta seine Macht behaupten? Was tat er für die Bevölkerung? Welchen wirtschaftlichen Weg wählte er? Wie veränderte sich die kenianische Politik während der Ära Kenyatta?

Angemerkt werden muss noch, dass die Hausarbeit leider nicht alle Ebenen des politischen Gebildes während der Amtszeit Kenyattas abdecken kann, sondern nur einen groben Überblick liefert, da die Thematik hochkomplex ist und den normalen Rahmen einer solchen wissenschaftlichen Arbeit, welche an einen bestimmten Umfang gebunden ist, sprengen würde. Insbesondere werden die wirtschaftlichen Aspekte nur leicht angerissen und die Machtkämpfe zwischen der KANU internen Opposition und Kenyatta finden keine genauere Untersuchung.

Bei der Literaturrecherche ergaben sich eine Vielzahl von Monographien und Sammelbände zu dieser Thematik. Für die Hausarbeit dienten vor allem die Publikationen von Martin Pabst[4], Stefan Mair[5], Keith Kyle[6] sowie Reinhard Würkner[7] und das Werk von Norman Miller in Zusammenarbeit mit Rodger Yeager[8] Verwendung.

Des Weiteren haben diverse andere Bücher und Veröffentlichungen, die hier nicht mehr extra aufgeführt werden sollen, Eingang in diese Arbeit gefunden.

2. Kenias Geschichte vor der Unabhängigkeit

Ostafrika wird als Wiege der Menschheit vermutet.[9] Die vielen prähistorischen Knochenfunde unterstützen diese These und belegen die zwei bis vier Millionen Jahre alte vom Menschen geprägte Geschichte in Kenia.[10]

An den Küstengebieten Ostafrikas gab es bereits zu Beginn der heutigen Zeitrechnung Warenaustausch mit der arabischen Halbinsel und sogar bis nach China. Der Klimax der arabischen beherrschten Küstenkultur war zwischen 1200 und 1500 nach Christi Geburt. Im 19. Jahrhundert drang der Sklavenhandel weit ins Landesinnere vor. Bedingt durch die enormen menschlichen Verluste, die die meisten afrikanischen Völker hatten, setzte eine Stagnation der kulturellen Entwicklung auf dem schwarzen Kontinent ein, die auch Ostafrika tangierte. Die vordringenden europäischen Missionare, Händler und Militärs veränderten die Situation für die afrikanischen Gruppen grundlegend, meist gegen deren Willen. Das massive Auftreten dieser neuen überlegenen Machtfaktoren bewirkte den Niedergang der bestehenden Gesellschaftsstrukturen.

Die koloniale Epoche des heutigen Kenia begann 1895, als das britische Empire weite Teile der Ostgebiete Afrikas im Ostafrika-Protektorat integrierte[11]. Dem Areal Kenias kam jedoch Anfangs wenig Bedeutung zu. Es fungierte vornehmlich als Transitroute zwischen den Häfen an der Küste und den reichen Gebieten Ugandas.[12] Erst 1904 beschloss man in London die fruchtbaren Hochländer von Kenia für weiße Siedler freizugeben, die wirtschaftspolitisch deutlich im Kontrast zur afrikanischen Mehrheit begünstigt wurden.[13] Der Großteil der besten Agrarfläche wurde ausschließlich den Siedlern zur Verfügung gestellt, während die afrikanische Bevölkerung in Reservate umgesiedelt wurde und mit steigendem Landmangel zu kämpfen hatte. Die weißen Siedler machten Kenia zum ökonomischen Zentrum Ostafrikas und eine enge Zusammenarbeit mit den anderen britischen Mandatsgebieten im Osten von Afrika führte zur Gründung der „East African High Commission“, dem Vorläufer der 1967 konstituierten „East African Union“.[14]

Das entstehen afrikanischer Gruppen mit politisch motivierter Zielsetzung begann bereits nach dem ersten Weltkrieg. Die Kikuyu, das von der Landenteignung am meisten betroffene Volk, spielte hierbei eine Vorreiter Rolle und begann, mit der 1919 gebildeten „Kikuyu Association“ sowie der 1924 etablierten „Kikuyu Central Association“ (KCA), den Protest gegen die Kolonialherrschaft zu formieren. In der KCA agierte schon früh der spätere, erste Präsident Kenias Jomo Kenyatta, der als afrikanischer Interessenrepräsentant 1931 bis 1946 nach Großbritannien ging.[15] Doch auch die anderen Völker des zukünftigen Kenias organisierten sich zusehends und begannen erste Allianzen untereinander zu schließen. Diese Pläne wurden jedoch wegen des Verbots aller politischen Organisationen, aus Anlass des zweiten Weltkrieges und Sicherheitsüberlegungen, unterminiert. Die Kolonialbehörden mussten aber schon bald eine Kurskorrektur vornehmen, da sie einsahen, dass sie auf ein gewisses Einvernehmen mit den Afrikanern angewiesen waren.

Das Streben der Kenianer nach Unabhängigkeit wurde von ihnen selbst „Uhuru“ genannt. Dieses Wort, welches Freiheit heißt, stammt aus dem Arabischen, da den meisten afrikanischen Sprachen eine solche Bezeichnung fehlte.

Die Verwaltung erlaubte, das sich 33 verschiede Vertreter afrikanischer Völker in einer Organisation zusammenschlossen, die ab 1946 „Kenya African Union“ (KAU) hieß. Vorsitzender dieser gesamt-kenianischen Partei wurde 1947 Kenyatta.[16] 1951 hatte die KAU schon 150000 Mitglieder obwohl sich der Führungskader vorwiegend aus Kikuyu und Luo zusammensetzte.

Allerdings vermochte die KAU nicht die jungen radikalisierten Kikuyu zu integrieren, die in anbetracht der totalen Unfähigkeit der Kolonialadministration, auf echte umfassende Reformen drängten. Ihren Widerstand drückten sie anfangs mit Geheimbünden und Streiks aus, die brutal durch die Verwaltung niedergehalten wurden. Aus diesem Fundament entwickelte sich die Mau-Mau-Bewegung mit ihrem Terror gegen die weißen Siedler, die Kolonialverwaltung und so genannten afrikanischen Kollaborateuren. 1952 erklärte der britische Gouverneur den Ausnahmezustand und Kenyatta sowie die gesamte KAU Spitze wurde verhaftet, obwohl keine eindeutige Verbindung zwischen der KAU und der Mau-Mau Bewegung nachgewiesen werden konnte.[17] Der afrikanische Untergrundterror und das extrem harte Durchgreifen der Regierung verhärtete die politische Entwicklung in Kenia, besonders im Stammesgebiet der Kikuyu. Sämtliche Organisationen wurden Verboten und die politische Führungsschicht lahm gelegt.[18] Etwa 90000 Afrikaner wurden inhaftiert, 1819 Kikuyu-Loyalisten und 11503 echte oder vermeintlich Aufständische hingerichtet. Die britische Seite hatte im scharfen Gegensatz nur 167 Tote zu beklagen.[19]

[...]


[1] Hofmeier; Schönborn: Politisches Lexikon Afrika. München 1984 S. 138.

[2] Segal, Ronald: Afrikanische Profile. Harmondsworth 1963 S. 91.

[3] Leys, Colin: Underdevelopment in Kenya – The Political Economy of Neo-Colonialism. London 1975 S. 61.

[4] Pabst, Martin: Kenia. München 2001

[5] Mair, Stefan: Kenias Weg in die Mehrparteiendemokratie. Baden-Baden 1994

[6] Kyle, Keith: The Politics of the Independence of Kenya. London 1999

[7] Würkner, Reinhard: Systemstabilisierung durch Afrikanisierung? Freiburg 1982

[8] Miller; Yeager: Kenya – The Quest for Prosperity. Oxford 1994

[9] Böhler, Hoeren (Hrsg.): Afrika – Mythos und Zukunft. Freiburg im Breisgau 2003 S. 49.

[10] Ifaj e.V.(Hrsg): Kenia- ein Land im Umbruch. Frankfurt/M. 2000 S. 49.

[11] Pabst, Martin: Kenia. München 2001 S. 42.

[12] Berg-Schlosser, Dirk: The Tradition and Change in Kenya. Paderborn 1984 S. 23.

[13] Würkner, Reinhard: Systemstabilisierung durch Afrikanisierung? Freiburg 1982, S. 24.

[14] Kyle, Keith: The Politics of the Independence of Kenya. London 1999, S. 165.

[15] Pabst, Martin: Kenia. München 2001 S. 50.

[16] Berg-Schlosser, Dirk: The Tradition and Change in Kenya. Paderborn 1984 S. 33.

[17] Hofmeier; Schönborn: Politisches Lexikon Afrika. München 1984 S. 139.

[18] Kyle, Keith: The Politics of the Independence of Kenya. London 1999 S. 58.

[19] Pabst, Martin: Kenia. München 2001 S. 56.

Details

Seiten
21
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638465915
ISBN (Buch)
9783638751315
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50355
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Politik- und Verwaltungswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Kenia Kenyatta Uhuru Harambee Demokratie Selbstbewusstsein Afrika Politisches System Geschichte

Autor

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