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Der Freiheitsbegriff und seine Bedeutung für Gesellschaft und Software

Akademische Arbeit 2017 12 Seiten

Informatik - Theoretische Informatik

Leseprobe

Abstract

Freiheit ist alles andere als ein trivialer Begriff, der sich leicht erklären lässt. Er umfasst beträchtlich viele Facetten. Diese Arbeit wird sich auf die gesellschaftliche Bedeutung be- schränken und erklären, inwiefern sich Aspekte des Freiheitsbegriffs auf die Freie-Software- Bewegung auswirken.

Zunächst werden zwei konträre politische Ideenlehren auf Basis derer positiven und nega- tiven Freiheiten dargelegt und anschließend werden die politischen Sichtweisen auf Freie Software übertragen. An diesem Punkt wird dem Leser durch das Eintauchen in die Ent- stehung dieser Bewegung ein Fundament vermittelt, um folgend verstehen zu können wie Freie Software die Freiheit verkörpert.

Kapitel 1

Einleitung

Der Begriff Freiheit ist sehr breit gefächert und lässt sich daher auf vielerlei Dinge bezie- hen. Diese Arbeit wird besonders den Freiheitsbegriff im gesellschaftlichen Sinne in den Fokus nehmen und darstellen wie sich dieser Gedanke in der Software-Entwicklung und -Nutzung widerspiegelt.

Wie entstanden die Gedanken und Grundsätze der Freien Software? Gibt es hierbei unter- schiedliche Definitionen? Wo liegen die Grenzen der Freiheit? Kann man Freiheit generell immer als gut bezeichnen?

Durch das Beantworten dieser Fragen wird der Freiheitsbegriff bezüglich den gesellschaft- lichen und softwaretechnischen Aspekten beleuchtet und dem Leser präsentiert. Ziel der Arbeit ist, den Freiheitsbegriff aus verschiedenen Gesichtspunkten zu schildern und schließlich deren Gemeinsamkeiten beziehungsweise Unterschiede darzustellen.

Kapitel 2

Was bedeutet Freiheit für die Gesellschaft?

Betrachtet man den Freiheitsbegriff in seinem Kern stellt er sich als offen heraus. In erster Linie bedeutet „Freiheit“ die Abwesenheit von Hindernissen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man im Freiheitsbegriff konkret etwas Bestimmtes. Dabei ist allerdings zu beachten, dass das Bestimmte von jedem Individuum anders wahrgenommen wird und sich zu jeder Zeit ändern kann.

2.1 Positive und negative Freiheit

In einem Text der Stanford Encyclopedia of Philosophy 1 wird der Freiheitsbegriff in die positive und die negative Freiheit aufgeteilt. Es sei zu unterscheiden, ob man frei von Hürden ist oder ob man die Freiheit der „Kontrolle über sich selbst“ habe. Diese wird nä- her als das Selbstbewusstsein und die Kontrolle über seine eigenen Taten und Interessen geschildert. Das „frei von etwas“ ist hierbei häufig die negative und das „frei etwas zu tun“ die positive Freiheit.

Die negative Natur der Freiheit rührt daher, dass man durch das „frei von etwas“ ande- re Individuen in ihrer individuellen Freiheit einschränkt. Nimmt man zum Beispiel die „Freiheit von Terrorismus“ in einem Staat, scheint das zunächst legitim zu sein. Man möchte den Staat „von Terrorismus be freien“. Was bedeutet das aber für die Individu- en? Nicht selten gehen aus solchen Zielen Maßnahmen, wie beispielsweise Überwachung, striktere Kontrollen und ähnliches hervor, welche Individuen in ihrer individuellen Frei- heit einschränken, da sie unter ständiger Überwachung stehen. Wie Burkhardt Kiegeland in seinem Text 2 passend zusammenfasst, beschreibt die negative Freiheit den Zustand, in dem die Persönlichkeitsentfaltung des Individuums nicht durch andere Menschen, Institu- tionen oder Ideologien und den von ihnen ausgehenden Zwängen begrenzt oder verhindert wird.

Bei der positiven Freiheit hingegen ist man beispielsweise „frei seine Meinung zu äußern“ oder „frei seinen Glauben zu leben“.

Um es ein wenig zu verdeutlichen, kann man sagen, dass die positive Freiheit die (durch die negative Freiheit) gewonnenen Freiräume und Wahlmöglichkeiten zur Gestaltung eines eigenen Lebensentwurfs darstellt.

Es wird deutlich, dass diese „Arten“ der Freiheit in gewisser Weise koexistieren müssen und in einer Balance stehen sollten. Rudolf Virchow bringt es mit dem Satz „Die Freiheit ist nicht die Willkür, beliebig zu handeln, sondern die Fähigkeit, vernünftig zu handeln.“3 ziemlich auf den Punkt.

Aspekte der Freiheit finden sich in einigen politischen Philosophien wieder und werden nun im Bezug auf deren negative und positive Ausprägungen analysiert.

2.1.1 Sozialismus

Wie die Autoren in einem Artikel der Zeitschrift kontrovers 4 verdeutlichen, lässt sich der Sozialismus nicht genau definieren. Die Begrifflichkeiten Freiheit, Gleichheit und So- lidarität tauchen bei Recherchen immer wieder auf und doch ist es schwer alle in einer gemeinsamen Definition zu vereinen.

Gleichheit bedeutet in erster Linie die Gleichberechtigung aller ohne Vorverurteilung bezüglich der Rasse, der Religion, der politischen Meinung, der Sexualität oder anderen Merkmalen.

Solidarität betont gemeinsame Zielsetzungen von Interessensgruppen und deren Aktiv- werden als Kollektiv.

Aspekte der Gleichheit und Solidarität können in beispielhaften Phrasen, wie „frei von Un- gerechtigkeit“ oder „frei von Unterdrückung“ ausgedrückt werden. Das schafft Freiräume, um „frei zu wählen“, „frei seine Meinung zu äußern“ und „frei seinen Glauben zu leben“. Auch hier sieht man, dass durch die negativen Freiheiten die positiven realisiert werden können.

Der Grundlegende Gedanke einer sozialistischen Gesellschaft ist, dass sich jedes Individu- um frei entwickeln kann, gleichzeitig aber durch Bedingungen der Gleichheit und Solida- rität in gewisser Weise eingeschränkt wird. An dieser Stelle unterscheiden sich die vielen Strömungen des Sozialismus in den Fragen, welche äußerst treffend auf Seite 30 der oben genannten Zeitschrift formuliert wurden:

- „Welche Rechte hat der oder die Einzelne gegenüber der Gemeinschaft und der Ge- sellschaft?“
- „Was trägt zur Entwicklung welcher einzelnen Menschen bei und wer bewertet dies?“
- „Wann wird das Bemühen zur Herstellung von Gleichheit zur Unterdrückung?“
- „Wo schlägt das Freiheitsstreben in Ausbeutung anderer um?“
- „An welchem Punkt endet Solidarität und wird zum bloßen Zwang neuer Herr- schaft?“

2.1.2 Kapitalismus

Kapitalismus generell versteht sich als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, welche auf Privateigentum von Produktionsmitteln setzt und sich der Markt nach Angebot und Nach- frage richtet. Entgegen dem Sozialismus jedoch steht hier die persönliche Entfaltung des Individuums im Vordergrund. Man ist „frei Geschäfte zu eröffnen“, „frei sich Güter zu leis- ten“. Karl Marx und Friedrich Engels behaupten in ihrem Manifest der Kommunistischen Partei5, dass ,die freie Entwicklung eines jeden, die Bedingung fur die freie Entwicklung aller" sei. An dieser Stelle wird allerdings der Konfliktcharakter der Freiheit in gewisser Weise verkennt, das es, wie oben beschrieben, nicht einfach ist personliche Freiheit mit gesellschaftlicher in Einklang zu bringen.

[...]


1 vgl. Carter, Positive and Negative Liberty.

2 vgl. Kiegeland, „Freiheit von & Freiheit zu“ .

3 Virchow, „Ueber die mechanische Auffassung des Lebens“ , S. 21f.

4 vgl. Brie und Spehr, „Was ist Sozialismus“ .

5 Marx und Engels, Manife st der Kommunistis chen Partei , S . 16.

Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346040749
ISBN (Buch)
9783346040756
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v502108
Institution / Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,3
Schlagworte
freiheitsbegriff bedeutung gesellschaft software

Autor

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Titel: Der Freiheitsbegriff und seine Bedeutung für Gesellschaft und Software