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Zur Symbolik des Löwen in Hartmanns Iwein

Seminararbeit 2001 18 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hartmanns Artusromane als Modell sozialer Identitätsbildung

3. Zur heilsgeschichtlichen Struktur im Iwein

4. Symbolische Signalisierungen
4.1. Bezüge zur geistlichen Naturdeutung
4.2. Biblische Referenzen

5. Löwe ohne Ende

6. Bibliographie

1. Einleitung

„Die Kunst ist in ihrer Auffassung und Richtung von der Zeit abhängig, in der sie lebt, und die Künstler sind Kreaturen ihrer Epoche. Die höchste Kunst wird diejenige sein, die in ihren Bewußtseinsinhalten die tausendfachen Probleme der Zeit präsentiert (…).“ (Huelsenbeck 1984: 31) Mit diesen Sätzen beginnt ein wichtiges Dokument des 20. Jahrhunderts, das Dadaistische Manifest von 1918. Den Dadaisten ging es darum, mit sämtlichen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gestaltend in das als überkommen und verkommen erlebte Klima während des ersten Weltkrieges und später der Weimarer Republik einzugreifen und die Haltung der Menschen grundlegend zu verändern.[1] Die in Metamorphose begriffene Welt sollte in ihren Augen durch Zersetzung weiter getrieben werden, auf daß nach der Notwendigkeit des Untergangs, nach der Götter- und Götzendämmerung die Kunst gleichsam wie ein Phönix aus der Asche stiege. Dieser Anarchismus oder, um mit Richard Huelsenbeck (1984: 13ff) zu sprechen, dieser „schöpferische Irrationalismus“ diente also nicht so sehr der Legitimation dadaistischer Destruktivität, sondern vielmehr der Begründung avantgardistischer „neuer Kunst“ und der damit verbundenen Utopie eines „neuen Lebens“.[2] Die Dadaisten, die sich als Avantgarde, als Vorhut und Vorkämpfer einer neuen Kunst und eines neuen Lebens verstanden, haben damit in nuce das formuliert, was Hartmann gut 800 Jahre zuvor mit seinen Werken verfolgte: Durch das Zerbrechen oberflächlicher Tugendvorstellungen eine Erweiterung des Daseins herbeizuführen.[3] Freilich, die Situation der sich auf der Flucht oder im Exil befindlichen Dadaisten kann nicht so ohne weiteres mit den lebensweltlichen Situation Hartmanns von Aue verglichen werden; fest steht, daß in beiden Fällen die politischen und soziokulturellen Lebensumstände in der Dichtung ihren Niederschlag gefunden haben. Fest steht aber auch, daß umgekehrt ihre Dichtung utopische und lebenspraktische Modelle liefert zur Veränderung und Umgestaltung des Bestehenden. Dieser dialektische Aspekt ist zu beachten, wenn im folgenden auf die Entstehung des Artusromans und die damit einhergehenden Leitbilder und Kanones eingegangen werden soll.

Weiters ist zu klären, inwiefern in Hartmanns Iwein die mittelalterliche Welt- und Geschichtsauffassung zum Ausdruck kommt. An welchen Wegmarken, an welchen Motiven läßt sich diese erschließen? Wie ist im Lichte dieser Weltsicht und im Kontext des Artusromans die Figur des Löwen zu sehen? Der Löwe mag bei der erstmaligen Lektüre neben all den anderen fabelhaften Figuren (Waldmensch, Drache und Riesen) nicht sonderlich hervorstechen, und doch kommt ihm eine immense Bedeutung zu in Hinblick auf die Selbstwerdung des Titelhelden. Ist er ein „bloß auszeichnendes Attribut, eine Verkörperung von Gerechtigkeit, Treue und Erbarmen oder ein Hinweis auf Christus“ (Wehrli 1984: 22)? Hat der Löwen symbolische Funktion? Wie steht es um die Ein-Deutigkeit dieser Figur? In der vorliegenden Arbeit soll versucht werden, die Sinndimensionen des Löwen für den Protagonisten offenzulegen.

Nicht näher eingehen möchte ich auf motiv- und stoffgeschichtlichen Traditionen, an die das Motiv vom „dankbaren Löwen“ anknüpft. Ein seit der Antike bekanntes Motiv, das sich beispielsweise bei Seneca, Elianus und Aulus Gellius findet; George Bernhard Shaws Märchenspiel Androcles and the lion sowie Jakob Streits Jugendbuch Milon und der Löwe stellen Bearbeitungen dieses Topos´ jüngeren Datums dar. Eine stoffgeschichtliche und komparatistische Analyse scheint mir insofern nicht sinnvoll, als die Details in Motivparallelen kaum Entscheidendes zur Erklärung des Romans beitragen würden. Das literarische Motiv des „dankbaren Löwen“ kann in seinem aktuellen Sinn nur aus der Einfügung in den neuen Zusammenhang – vor allem seiner Funktionalität für den Helden – bestimmt werden; denn die Rückbezüglichkeit der Ereignisse auf den Helden ist geradezu konstitutiv für den höfischen Roman und unterscheidet ihn somit grundsätzlich von Helden- oder Geschichtsdichtung. (vgl. Wehrli 1973: 501)

2. Hartmanns Artusromane als Modell sozialer Identitätsbildung

Man muß sich der Tatsache bewußt sein, daß es keine eigenständige Entwicklung der deutschen Literatur im Mittelalter gibt, sondern daß diese sehr eng mit der französischen Literatur verflochten ist. So sind die chansons de geste, die romans antiques und die romans courtois Vorbilder und Ideenspender für die hochhöfischen deutschen Epen. (cf. Bumke 1997: 120-137) Der deutsche Artusroman ist also nicht aus dem Nichts entstanden, sondern hat seine historischen Vorläufer, die sich jedoch in einem ganz wesentlichen Punkt unterscheiden: Die chronikalische Ausgestaltung der Artussage durch Geoffrey von Monmouth und Wace sowie die Romane Chrétiens erfolgten unter dem Signum des Aufbaus eines historischen Herrschermythos. Sie schließen somit stofflich an ein starkes historisch-ideologisches Interesse an. (cf. Cormeau / Störmer 1993: 218-226) Anderes der deutsche Artusroman: Da kaum Verknüpfungspunkte zum eigenen Geschichtsbild gegeben sind, richtete sich das Interesse vornehmlich auf das hier formulierte adelige Leitbild. Inauguriert durch den dienstman zOuwe[4] ist die Historie um König Artus also für die Romane der Raum, „in einer utopisch-ideal gesehenen Vergangenheit Orientierungsmuster für die Gegenwart des Publikums zu diskutieren“. (220)

Der utopische Charakter des Leitbilds wird an der thematischen Beschränkung deutlich: êre, maze, st æ te, s æ lde, triuwe, güete. Diese Abstrakta finden als zentrale Wert- und Tugendbegriffe in der höfischen Dichtung (und also im Iwein) ihren Niederschlag. Im Iwein -Prolog (Vs. 1-3) und in leicht abgewandelter Form als eine Art Klammer im Epilog (Vs. 8166) ist der „Grundgedanke“ (Cramer 1973: 430) dieses höfischen Romans formuliert, der die zentrale Frage nach usurpiertem und verdientem Ansehen als ethische Substanz enthält:

Swer an rehte güete

Wendet sîn gmeüete,

dem volget sælde und êre. (Vs. 1-3)

Mit rehte[r] güete soll sich der Zustand von s ælde und êre ergeben. Die Übersetzung bereitet Schwierigkeiten, da sich von den Begriffen s ælde und êre (aus heutiger Sicht) keine genaue Definition geben läßt.[5] Wapnewski kommt der eigentlichen Bedeutung, denke ich, relativ nahe, wenn er den Satz wie folgt übersetzt: „Wer mit aller Kraft des Herzens nach dem trachtet, was wahrhaft gut ist, der wird Gnade finden vor Gott und die Liebe der Menschen“. (zit. nach Cramer 1973: 427) In der Indifferenz und Unbestimmtheit der noch jungen Sprache, die mindestens im Abstraktbereich noch kein spezialisiertes Vokabular ausgebildet hat, liegt allerdings eine Chance. So weist Wehrli mit Recht darauf hin, daß „die Not ja auch eine Tugend sein [kann]: wenn es dem Dichter darum geht, ritterliche und geistliche Normen einander anzunähern, die rohe, dualistische Trennung von Weltlich und Geistlich aufzuheben oder doch die Grenzen durchlässig zu machen“.[6]

3. Zur heilsgeschichtlichen Struktur im Iwein

Grundthema des Iwein ist der Weg zu einem integrierten Selbst. Das Leben als ein Weg zu sich selbst ist ein zentrales christliches Thema; man denke nur an die religiösen Selbsterforschungen Augustins im zehnten Buch seiner Confessiones. Innerhalb des geistlichen Wegs der Mystik begibt sich Bernhard von Clairvaux mittels des Begriffs „Besinnung“ (consideratio), der den Weg hin zur „Beschauung“ (contemplatio) bezeichnet, auf die ausdauernde und intensive Suche nach der Wahrheit:

II.5. Et primo quidem ipsam considerationem quid dicam, considera. Non enim id per omnia quod contemplationem intelligi volo, quod haec ad rerum certitudinem, illa ad inquisitionem magis se habeat. Iuxta quem sensum potest contemplatio quidem diffiniri verus certusque intuitus animi de quacumque re, sive apprehensio veri non dubia, consideratio autem intensa ad vestigandum cogitatio, vel intensio animi vestigantis verum. (…)

III.6. Iam quod ad considerationis attinet fructum, quatuor, ut occurrunt, tibi consideranda reor: te, quae sub te, quae circa te, quae supra te sunt. (...) Noveris licet omnia mysteria, noveris lata terrae, alta caeli, profunda maris, si te nescieris, eris similis aedificanti sine fundamento, ruinam, non structuram facies. (…) A te proinde incipiat tua consideratio; non solum autem, et in te finiatur.[7]

Dieses Zitat besticht nicht nur durch die Schönheit der Bilder und die Kraft des poetischen Ausdrucks, sondern formuliert eine Grundkonstante griechisch-abendländischen Denkens: Das alte delphische Gnothi sauton wie auch die Lehren Jesu („Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“) betonen die Wichtigkeit der Introspektion und Selbstanalyse, um zu echter Erkenntnis zu gelangen.

Zurück zu Hartmanns Epos. Im Aufbruch des 12. Jahrhunderts gewinnt das christliche Thema des Lebens als Weg zu sich selbst eine neue Aktualität und Problematik und findet z.B. im Iwein (geschrieben um 1200) seinen literarischen Niederschlag. Iweins Abenteuerweg bildet in manchem den Weg des Menschen zu sich selbst ab; indem jede menschliche Erkenntnis letzten Endes Erkenntnis über und für den Menschen ist, gewinnt die Selbsterkenntnis die Bedeutung eines eigentlichen Heilsweges, eines saelden wec. (vgl. Wehrli 1973: 496-499) Bernhard vermittelt Papst Eugen diesen Umstand mit den Worten: „In acquisitione salutis nemo tibi germanior unico matris tuae.“[8] Die „Fortsetzung des christlichen Heilswegs hinein in das aktuelle gesellschaftliche und persönliche Leben“[9] ist vor dem Hintergrund einer neuen Weltlichkeit zu sehen als immer neu notwendige Erweiterung der christlichen Offenbarung, als eine Einkörperung des christlichen Auftrags in die Welt.

Auf struktureller Ebene unterstützt die Doppelwegstruktur, der „doppelte Cursus“, den Versuch, einen christlichen, aber weltlichen Heilsweg zu zeichnen. Ein erster „Cursus“ zeigt, wie der Held aus der Namenlosigkeit durch ritterliche Taten auf den Gipfel des Ruhmes gelangt und zugleich die Hand einer schönen Dame erwirbt; dann vergeht er sich und gerät in Konflikt mit seiner Umgebung. In einem auf die Krise folgenden zweiten „Cursus“ kann er sich durch zahlreiche erfolgreich bestandene Abenteuer rehabilitieren und zu gesteigertem Ansehen zurückgelangen. (cf. Ruh 1973: 414)

4. Symbolische Signalisierungen

Das Modell des „doppelten Cursus“ sieht vor, daß Iweins rasch und märchenhaft erreichter Glückszustand als Scheinglück entlarvt wird. Er fällt in eine Krise und lebt gleich Nebukadnezar (Dan. 4,22; vgl. auch Ps. 49,13) wie ein Tier im Wald; Wehrli sprich von einem „Descensus als notwendige Phase auf dem Weg zu sich selbst“[10]. Durch ein österlich überformtes Erweckungserlebnis zu neuem Lebensmut und wieder zu Bewußtsein gelangt, begibt sich Iwein auf seine zweite Abenteuerrunde. Auf dieser aventuiren -Fahrt befreit er den Löwen und gewinnt mit ihm einen treuen Freund, der ihm bei seiner Selbstwerdung zur Seite steht. Seine Begleitung gibt Iweins neuer Identität in der höfischen Öffentlichkeit den Namen: rîter der des lewen pflac (Vs. 4741, 4957, 5079), rîter mittem leun (Vs. 5263, 5502, 6109, 6257), rîter mittem lewen (Vs. 5510, 5685, 8015).

Diese symbiotische Gemeinschaft findet ihre bildliche Umsetzung im Freskenzyklus in der Burg Rodenegg bei Brixen; hier führt Iwein den Löwen von Anfang an (!) im Schild.[11] (cf. Cormeau / Störmer 1993: 227-231) Die Kenntnis der Geschichte wird also vorausgesetzt, was auf die Verfügbarkeit des Romans als normatives Bildgut verweist.

Der Löwe steht im mittelalterlichen Denken für ganz bestimmte Werte: für Treue, Gerechtigkeit, beständige Wachsamkeit. (vgl. Forstner 1977: 273-278) Bezüge zu geistlicher Naturdeutung, in der diese Eigenschaften entwickelt sind, liegen auf der Hand und begründen die Konnotationen, die im Iwein bewußt, aber spielerisch eingebracht werden. (s. Kap. 4.1.)

Der Roman ist von einem dichten Anspielungsnetz durchzogen. Christlich-biblische Reminiszenzen, analogische und typologische Zuordnungen finden sich in allen Stationen der Handlung. Mit Hilfe dieser Mittel wird die Bedeutung eines Geschehens, einer Figur oder einer Idee signalisiert. Wehrli spricht von „symbolischen Wegweisern“, die „zum Zweck der diskreten Belehrung“[12] (1973: 503) angebracht seien. Und doch ist es vor allem das spielerische, humoristische und experimentelle Moment, das den Roman in seiner Heterogenität und Widersprüchlichkeit zusammenhält und der matiere san verleiht. So versperrt sich z.B. der versuchte Selbstmord des Löwen einer moralischen Lesart und ist rational nicht aufzuschlüsseln; er dient in seiner Verweiskraft und burlesken Komik primär dem Amüsement des Publikums:

des wart in unmuote

der lewe, wânde er wære tôt,

und was im nâch dem tôde nôt.

er rihte daz swert an einen strûch

und wolt sich stechen durch den bûch,

wan daz im her Îwein

dannoch lebende vor schein.

er rihte sich ûf und saz

unde erwante dem lewen daz

daz er sich niht ze tôde stach. (Vs. 3950-3959)

Das mittelalterliche Publikum mag sich bei dieser Szene an eine Stelle im Erec erinnert gefühlt haben, sicherlich jedoch an Ovids Metamorphosen. Anders als heutzutage war Ovid (wie auch Vergil) im kollektiven Gedächtnis der gebildeten Oberschicht verankert, das Zitat aus Pyramus und Thisbe somit unüberseh- bzw. unüberhörbar. Die paraphrasierte Stelle lautet:

[...]


[1] Dieser radikal politische Impetus gilt besonders für den Berliner Dadaismus, wenngleich sich einzelne Vertreter des dadaistischen Projekts, bspw. Jean Arp, weniger mit der äußeren, sie umgebenden Welt befaßten als mit ihrer inneren, unterbewußten Traumwelt.

[2] Cf . „ Dada und der Sinn im Chaos“. In: Huelsenbeck 1984: 11-27.

[3] „Nicht Idealisierung, sondern Destruktion und tiefer fordernder Neuaufbau der höfischen Wirklichkeit, der ersten weltlichen Ethik für den abendländischen Menschen, macht die Größe der höfischen Dichtung aus. Und Hartmann hat seinen besonderen Teil an ihr.“ (Kuhn 1973: 79)

[4] Hartmann: Der arme Heinrich. Vs. 5.

[5] Eine ausführliche Untersuchung über die Bedeutung von s ælde und êre und ihre Funktion als Grundgedanke der Dichtung findet sich bei Cramer (1973: 426-449). Er analysiert das Verhältnis von „modellhafter Disposition“ (s ælde) und „praktischer Bewährung“ (êre), das auch die Tektonik der aventiuren -Kette bestimmt. (443ff)

[6] Nachwort zum Iwein (Hartmann 1988: 539).

[7] „II.5. Besinne dich zuerst darauf, was ich mit dem Begriff Besinnung meine. Ich möchte nicht, daß er ganz mit Beschauung gleichgesetzt wird, weil sich diese mehr auf sichere Tatbestände, jene aber mehr auf das Suchen bezieht. In diesem Sinne kann die Beschauung als wahrheitsgetreues und sicheres geistiges Schauen eines beliebigen Inhalts oder als Erfassen eines Gegenstandes, an dessen Wahrheit nicht gezweifelt wird, bezeichnet werden. Der Ausdruck Besinnung jedoch bedeutet angespanntes Nachdenken, um die Wahrheit zu erkennen, oder die Anspannung des Geistes bei der Wahrheitserkenntnis. (...)

III.6. Um aber aus der Besinnung Nutzen zu ziehen, rate ich dir vier Themen an, wie sie sich ergeben: dich (selbst), was unter dir, was rund um dich und was über dir ist. (...) Magst du auch alle Geheimnisse kennen, die Breite der Erde, die Höhe des Himmels und die Tiefe des Meeres wissen, wenn du dich selbst nicht kennst, wirst du wie ein Mann sein, der ohne Fundament baut und damit eine Ruine, kein Bauwerk, aufrichtet. (...) Bei dir selbst muß also deine Besinnung beginnen – und nicht nur das, sie muß auch in dir ihren Abschluß finden.“

De consideratione ad Eugenium papam, Liber secundus (Bernhard Claraevallensis 1990: 669)

[8] „Bei der Erlangung des Heils steht dir niemand näher als du, der einzige Sohn deiner Mutter.“ (ebd. 671) In der Fußnote zu diesem Satz vermerkt H. Brem, daß mit dem „einzige[n] Sohn deiner Mutter“ Eugen selbst gemeint sei. „In dieser Formulierung soll vielleicht auch anklingen, daß Bernhard Eugens ´Abt und Mutter´ war und dieser seiner Berufung als Zisterzienser treu bleiben möge. Bernhard will ebenso deutlich machen, daß der Dienst an den anderen einen Menschen nie so weit führen darf, daß ihm sein eigenes Heil gleichgültig wird.“

[9] Wehrli im Nachwort zum Iwein (Hartmann 1988: 528).

[10] Nachwort zum Iwein (Hartmann 1988: 535).

[11] Die Fresken sind reproduziert in: Hartmann 1988: 165. Der Löwe ist in der Heraldik ein überaus häufiges Motiv. Er ist das Wappen vieler adeliger Familien aus den verschiedensten Städten wie Venedig, Viterbo, Salzburg, Hamburg, Bremen, von Regionen wie Bayern, Thüringen, Kärnten oder von Staaten wie Äthiopien, Belgien, Luxemburg und Spanien. Auch in Ländern, in denen er nicht direkt bekannt war, machte man sich also die mit ihm zusammenhängenden Begriffe von Kraft, Erhabenheit und Macht zu eigen. (vgl. Magro / Zugni-Tauro 1992: 14, 98, 107)

[12] Wehrli spricht von Hartmann als einem „Laientheologen“ (1973: 503). Ein ähnliches Selbstverständnis und einen didaktischen Anspruch konstatiert auch Hugo Kuhn, der ihn einen „Ethiker in Versgewand“ (1973: 72) nennt. Dabei geht es Hartmann – ich thematisierte es bereits in der Einleitung – nicht um die Aufrechterhaltung ethischer Tugendvorstellungen und die Untermauerung bestehender Dogmen. Vielmehr soll sich durch das Aufbrechen eben dieser Vorstellungen eine neue, tiefere Haltung des Menschen aufbauen. „Dem Dichter, der sein Métier erfüllt, erwachsen Dogma und Moral – und auch Erlebnis – aus der Destruktion, der Zerstörung des ´Vorhandenen´, als ein Appell zu neuer, wesentlicher Ordnung.“ (Kuhn 1973: 73)

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638464482
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50177
Institution / Hochschule
Universität Salzburg – Germanistik
Note
Sehr gut
Schlagworte
Symbolik Löwen Hartmanns Iwein Artus-Roman

Autor

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Titel: Zur Symbolik des Löwen in Hartmanns Iwein