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Die Identifizierung und Förderung von hochbegabten Kindern. Stellt soziale Benachteiligung eine Hürde dar?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2019 9 Seiten

Pädagogik - Begabtenpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Benachteiligung als Hürde für die Identifizierung und Förderung Hochbegabter

Diskussion

Literaturverzeichnis

Einleitung

Eine genau Definition zu dem Begriff „Hochbegabung“ im Allgemeinen, die alle möglichen Bereiche von Begabung einschließt gibt es so nicht. Nach Lucito gibt es fünf Gruppen von Definitionen: die IQ-Definition, die soziale Definition, die Prozentsatzdefinition, die Kreativität sowie die Ex-post-facto-Definition(en). Am verbreitesten ist die IQ-Definition, nach welcher, der einen IQ von 130 oder mehr vorweist, automatisch hochbegabt ist.1

Lucito definiert den Begriff „Hochbegabung“ als eigene Definition wie folgt:

„Hochbegabte sind jene Schüler, deren potentielle intellektuelle Fähigkeiten sowohl im produktiven als auch im kritisch bewertenden Denken ein derartig hohes Niveau haben, dass begründet zu vermuten ist, dass sie diejenigen sind, die in der Zukunft Probleme lösen, Innovationen einführen und die Kultur kritisch bewerten, wenn sie adäquate Bedingungen der Erziehung erhalten.“2

In der vorliegenden Arbeit wird auf die Benachteiligung als Hürde eingegangen, die im Zusammenhang steht mit der Identifizierung und Förderung von Hochbegabten. Im ersten Teil der Arbeit werden sozial benachteiligte Hochbegabte angesprochen, die Probleme aufgrund ihres sozialen Status haben. Im zweiten Teil wird dann auf die Situation von hochbegabten Kindern mit einem Migrationshintergrund eingegangen und welche Lösungsansätze für die Bewältigung dieser Hürden vorgeschlagen werden.

Die Arbeit basiert vorwiegend auf dem Werk „Grundwissen Hochbegabung in der Schule“ von Birgit Behrensen und Claudia Solzbacher, da es sonst wenig Literatur und wenige Studien über Hochbegabung bei Kindern mit sozialen Benachteiligungen und mit Migrationshintergrund gibt.

Benachteiligung als Hürde für die Identifizierung und Förderung Hochbegabter

a. Soziale benachteiligte Hochbegabte

Anhand der sozialen Benachteiligung kann man Hinweise auf die Produktion und Reproduktion von Bildungsbenachteiligungen feststellen. Soziale Benachteiligung kann oft auch in Verbindung mit relativer Armut definiert werden.

Die Europäische Kommission hat Kriterien für relative Armut festgelegt, die besagen, dass Personen, Familien und Gruppen, deren Ressourcen so begrenzt sind, dass sie von der untersten Grenze des akzeptablen Lebensstandards ausgeschlossen sind3, das heißt unter 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens beziehungsweise nicht mehr als den Sozialhilfesatz zum Leben haben.

Für Kinder ist es aber vor allem wichtig, wie sie den Umgang mit den, vor allem materiellen, Einschränkungen im Alltag erleben. Auch die Familiensituation beeinflusst das Kind, diese kann sich abmildernd oder auch verstärkend auf die Erfahrung mit der relativen Armut auswirken.

i. Ergebnisse einiger Studien

PISA-Studie ergaben, dass auch die elterliche Situation, wie Erwerbslosigkeit oder Bildungsferne, Auswirkungen auf die schulische Benachteiligung von Kindern haben können. So haben 10% aller Kinder in Deutschland ein familiäres Umfeld, in dem kein Elternteil erwerbstätig ist. 12% aller Kinder haben Eltern, die weder einen Schulabschluss noch einen beruflichen Abschluss vorweisen können und somit als bildungsfern gelten. Unterhalb der Armutsgrenze in Deutschland leben circa 18% der Kinder.

Viele Untersuchungen und Studien wiesen darauf hin, dass soziale Benachteiligungen direkte und indirekte Auswirkungen auf die Bildung von Kindern haben können, denn diese Kinder wiederfährt nicht nur Einschränkungen in der materiellen Grundversorgung, sondern auch in Bezug auf altersangemessene Partizipationsmöglichkeiten. Die Kinder erleben Mängel bei ihrer kognitiven Entwicklung in Bezug auf soziale Kontakte als auch beim Ausbau ihrer sprachlichen, kulturellen und sozialen Kompetenzen.

Bereits beim Eintritt in die Grundschule zeigen sich die Folgen sozialer Benachteiligungen, da Kinder, die aus Familien mit höherem Bildungszugang stammen, bereits zu diesem Zeitpunkt statistisch gesehen über mehr Kompetenzen verfügen, die zum Bestehen in diesem Bildungssystem gebraucht werden. Vor diesem Hintergrund solcher Befunde, wird hier von „Underachievment als Ergebnis von Bildungsdiskriminierung“ gesprochen.

Durch eine Studie von Uhlig, Solga und Schupp konnte festgestellt werde, dass Chancenungleichheiten durch eine sozial unterschiedliche Verteilung dieses Underachievementrisikos zustande kommt, da 82% der Kinder mit akademischen Familienhintergrund und nur 44% der Kinder ohne akademischen Familienhintergrund ein Gymnasium besuchen. Durch eine weitere Studie konnte berechnet werde, dass für ein Kind ohne akademisches Elternhaus ein fast viermal höheres Underachievementrisiko besteht. Dadurch wird deutlich, dass ein gewisser Einfluss unterschiedlicher sozialer Herkunft besteht. In vielen Begabtenförderprogrammen sind Kinder unterrepräsentiert, die hinsichtlich ihres familiären Status benachteiligt sind, weil sie in Armut oder in Familien aufwachsen, in denen weniger Bildungserfahrungen vorherrschen.

Begabung wird heute eher als Phänomen angesehen, das bei Kindern aus akademischen Familien eher erwartet wird.

ii. Die Rolle von Lehrkräften

Auch das Lehrerurteil ist oft anfällig dafür, bei fehlender Reflexion der gesellschaftlichen Vorstellungen zu glauben, dass es in sozial benachteiligten Familien nur ganz besondere Ausnahmefälle gebe. Aus diesem Grund werden bevorzugt Kinder aus akademisch gebildeten Familien für entsprechende Angebot vorgeschlagen. Die Lehrkräfte haben eine hohe Verantwortung im Umgang mit hochbegabten, insbesondere aus sozial benachteiligten Familien stammenden, Kinder. Lehrkräfte haben die Verantwortung den Eltern die Funktionsweisen der Bildungssysteme zu erläutern und die Eltern über sich hier bietende Bildungsgelegenheiten zu informieren. Diese reflektierte pädagogische Haltung ist, gerade bei sozial benachteiligten Familien, von zentraler Bedeutung. Die Lehrkräfte sollen unter anderem in der Lage sein zu begreifen, was bei einem Kind die Leistungsmotivation und -bereitschaft blockiert.

Dies kann bei einem Flüchtlingskind die aktuelle Lebenssituation, rassistische Erfahrungen, die prekäre finanzielle Situation, die ungewisse Zukunft oder akute Belastungen wie das Miterleben von Abschiebungen etc. sein.

b. Hochbegabte mit Migrationshintergrund

Menschen mit Migrationshintergrund sind alle nach 1945 Zugewanderten, sowie alle mit zumindest einem nach 1949 zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenem Elternteil. Dadurch weist knapp ein Fünftel der Bevölkerung in Deutschland einen Migrationshintergrund auf. Auch die IGLU-Studie errechnete, dass ein Fünftel der Kinder in der Grundschule einen Migrationshintergrund vorweisen. Darüber hinaus wurde statistisch nachgewiesen, dass ein Viertel der Kinder, deren beide Elternteile im Ausland geboren sind, nur einfachen Texten erkennen und mit diesen arbeiten können.

Die Forschungslage hinsichtlich der Bildungssituation von Kindern mit Migrationshintergrund ist insgesamt uneinheitlich, da innerhalb dieser Gruppe eine große Heterogenität liegt. Die Lebenslage dieser Kinder weicht in Abhängigkeit von sozialen Merkmalen ab, wie zum Beispiel beim Geschlecht, bei der Herkunft, der Religionszugehörigkeit, den Sprachkenntnissen, dem Aufenthaltsstatus sowie dem Bildungsniveau beziehungsweise den Bildungserfahrungen der Eltern. Kinder mit Migrationshintergrund sind in den oberen Bildungsschichten deutlich unterrepräsentiert und in den unteren Schichten deutlich überrepräsentiert, was vor allem an den mangelnden Deutschkenntnissen liegt. Die Jahre vor beziehungsweise in der Grundschule sind vor allem entscheidend für den Erwerb von Sprachkompetenzen.

i. Probleme bei der Identifizierung und Förderung

Ein zentrales Hemmnis bei der Identifizierung besonders begabter Kinder ist das sprachliche Problem, da die fehlenden Kenntnisse der deutschen Sprache als auch das fehlende Sprachverständnis der Muttersprache des Kindes von Seiten der Lehrkraft zu Kommunikationsproblemen führen.

Als Lösungsansatz gibt es für die Förderung von lernschwachen Kindern in städtischen Räumen die Idee, Dolmetscher oder Integrationslotsen einzusetzen, um das angesprochene Kommunikationsproblem zu überwinden.

[...]


1 Pruisken: Interessen und Hobbys hochbegabter Grundschulkinder, S.64.

2 Lack: Aufdecken mathematischer Begabung bei Kindern im 1. Und 2. Schuljahr, S.36.

3 Klocke/Hurrelmann: Kinder und Jugendliche in Armut. S.137.

Details

Seiten
9
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346021946
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v501711
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,7
Schlagworte
identifizierung förderung kindern stellt benachteiligung hürde

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