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Konflikte in der Partnerschaft. Welche Lösungsansätze eröffnet die Systemische Paarberatung?

Hausarbeit 2018 22 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Partnerschaft
2.2 Konflikte
2.3 Systemische Paarberatung

3. Schlussteil

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende schriftliche Arbeit entspricht einer wissenschaftlichen Hausarbeit und setzt sich mit dem Thema Konflikte in der Partnerschaft auseinander. Die daraus resultierende Fragestellung: „Welche Lösungsansätze eröffnet die Systemische Paarberatung?“ wird als Leitfrage dieser schriftlichen Arbeit festgelegt. Diese Frage wird im Verlauf der Hausarbeit, mittels aussagekräftiger Argumente diskutiert und letztendlich beantwortet. Die systemische Beratung als transdisziplinärer und multiprofessioneller Ansatz besitzt einen zentralen Stellenwert in den gegenwärtigen pädagogischen und psychologischen Handlungsfeldern (vgl. Levold/Wirsching 2016: 11). Der richtige Umgang mit Konflikten im Kontext der systemischen Paarberatung ist Bestandteil aktueller Diskussionen und ebenso Gegenstand empirischer Forschung. Des Weiteren fördert die partnerschaftliche Bindung die Sicherheit und sogar das Überleben. Damit die Bindung aufrecht erhalten bleibt, ist es von besonderer Relevanz bestehende Paarkonflikte zu lösen. Ist das Paar allein nicht in der Lage den Konflikt zu bewältigen, bietet die systemische Paarberatung verschiedene Lösungsansätze, die bei einer Konfliktbewältigung förderlich sein können an. Aus diesen Gründen und aus dem Grund, dass mein Interesse in Bezug auf die Lösungsansätze, die die systemische Paarberatung eröffnet geweckt wurde, mache ich dieses Thema zum Gegenstand der schriftlichen Leistung. Meine persönliche Motivation ist es, die Partnerschaft und den Konfliktbegriff in seiner Ganzheit zu erläutern und die Lösungsansätze vor dem Hintergrund der Systemischen Paarberatung zu artikulieren. Um den Verlauf der Argumentation besser folgen zu können wird die Arbeit in drei Abschnitte mit den Überschriften: Einleitung, Hauptteil und Schlussteil gegliedert. Nachdem sich in der Einleitung mit dem Thema und dessen Relevanz auseinandergesetzt wurde, fokussieren sich die Inhalte des Hauptteils auf die Beantwortung der Fragestellung, mittles fachgebundener Literatur. Dabei wird mit dem Thema Partnerschaft begonnen, bei dem es zunächst notwendig ist die Liebe zu definieren, weil sie die Partner verbindet. Darauf folgt dann die Bestimmung des Begriffs Partnerschaft und die Bekanntgabe der Bindungstheoretischen Erkenntnisse. Daran anschließend folgt das Unterkapitel Konflikt, indem die Merkmale und Formen eines Konflikts ausgiebig erläutert werden. Danach wird im Unterkapitel Systemische Paarberatung auf die Wortbedeutung, den Ursprung, die Vorgehensweise und letztendlich auf die Lösungsansätze Bezug genommen. Der Schlussteil beinhaltet schließlich das Zusammenführen der Argumentationslinien und die begründete Antwort auf die Fragestellung, welche sich auf den genannten Thesen und Analysen stützt. Nicht Ziel dieser Arbeit, ist die banale Reproduktion von theoretischen Annahmen, sondern Ziel ist es einen aufschlussreichen Überblick darüber zu geben was Konflikte überhaupt sind und welche Methoden die Systemische Paarberatung anwendet um diese zu lösen.

2. Hauptteil

2.1 Partnerschaft

Um die Leitfrage hinreichend zu beantworten ist es notwendig den Begriff Partnerschaft anfangs zu definieren. In der Regel geht man eine Partnerschaft aus Liebe ein. Aus diesem Grund ist es sinnvoll vorab zu bestimmen was Liebe eigentlich ist (vgl. Schär 2016: 2). Dass es nicht einfach ist die Liebe in all ihren Dimensionen hinreichend zu definieren erkennt man bereits an den vielfältigen bestehenden Definitionen, die über große Interpretationsspielräume verfügen. Des Weiteren ist die Liebe in vielfältigen Erscheinungsformen zu beobachten und sie ist außerdem von kulturellen Einflüssen geprägt, welche ebenfalls die Formulierung einer allgemein gültigen Definition von Liebe erschweren (vgl. Lexikon der Psychologie: Liebe 2000).

Die moderne Liebesforschung befasst sich überwiegend theoretisch, sowie empirisch mit der romantischen oder partnerschaftlichen Liebe. Die Ansätze umfassen Inhalte, die in drei Schwerpunkte klassifiziert werden können, dabei ist zu beachten, dass es sich nur um eine wesentliche Schwerpunktsetzung der Theorien handelt und die Liebe keinesfalls aus einer einzigen Perspektive begriffen werden kann. Der erste Schwerpunkt beschreibt die Liebe als biologisches Geschehen. Der zweite Schwerpunkt beleuchtet die Liebe als Emotion und der letzte Schwerpunkt beinhaltet die Liebe als Kognition. Ersteres lässt sich auf Sigmund Freuds tiefenpsychologischen Ansatz zurückführen, welcher die Liebe als Triebgeschehen begreift. Ein aktuellerer Ansatz, der sich ebenfalls mit der Liebe aus biologischer Sichtweise befasst, führt die Funktion der Liebe auch auf evolutionäre Prozesse zurück, wobei der Zweck der Liebe, der sei den Erfolg der Reproduktion zu erhöhen. Es besteht außerdem ein weiterer Ansatz in der Entwicklungspsychologie, der besagt, dass sich das Bindungsverhalten in einer Partnerschaft auf das kindliche Bindungsverhalten zurückführen lässt, dabei wird die Liebe als eine Verknüpfung von drei biologischen Basisverhaltenssystemen, nämlich Bindung, Fürsorge und Sexualität definiert (ebd.).

Die verbreitete Auffassung vieler Menschen ist, dass Liebe ein Gefühl darstellt oder zumindest mit einem Gefühl in Verbindung steht. Die Psychologie ist nach aktueller Auffassung zu keiner Erkenntnis gekommen und diskutiert den Gegenstand, ob Liebe als eine Basisemotion verstanden werden kann, weiterhin kontrovers. Dennoch wird die Theorie von Liebe als Emotion von einigen Forschern vertreten, die die Liebe als zweistufiges Modell beschreiben und erklären. In diesem Modell kann die Liebe zum einen als starke Gefühlsaufwallung in Erscheinung treten und zum anderen kann die Liebesemotion als beziehungsgebundene Liebe emergieren (ebd.).

Ein Weiterer nennenswerter Ansatz beschränkt sich auf die Physiologie und behauptet, dass sich die Liebe dann entfaltet, wenn bei einem Menschen auf physiologischer Ebene eine Erregung ausgelöst wird, welche dann situativ bemerkt und anschließend als Liebe interpretiert wird (ebd.).

Die Liebesforschung zählt jedoch die meisten Ansätze, die der Kognition über die Liebe vordergründig Beachtung schenken. Als Beispiel an dieser Stelle zu nennen, sind die Einstellungen oder prototypischen Vorstellungen von Liebe. Unter den kognitiven Modellen findet sich auch ein Klassifikationssystem, welches die Liebe in sechs unterschiedliche Liebesstile einteilt: Romantsch, spielerisch, freundschaftlich, pragmatisch, besitzergreifend und altruistisch. Ebenfalls in die Kategorie Kognition einzuordnen, ist die Dreieckstheorie, welche die Liebe als Symbiose aus Leidenschaft, Intimität und Engagement definiert (ebd.).

Neben diesen genannten Theorien gibt es zahlreiche weitere Ansätze, welche die Liebe aus einem spezifischen Blickwinkel einer wissenschaftlichen Disziplin heraus beschreiben, auf die aber im folgenden Verlauf nicht eingegangen wird. Gemeinsam haben diese Theorien, die Erkenntnis, dass die Liebe sich nicht auf eine Dimension reduzieren lässt sondern, viele Faktoren umfasst (vgl. Schär 2016: 2). Es ist demnach notwendig die Theorien der Liebesforschung als ganzheitliches Modell zu betrachten, um die Liebe in ihrer Ganzheit zu definieren.

Folgend lässt sich zusammenfassend sagen, dass die partnerschaftliche Liebe ein Kontinuum zwischenmenschlicher Präferenz darstellt, welches biologische, emotionale und kognitive Dimensionen umfasst (vgl. Lexikon der Psychologie: Liebe 2000).

Nachfolgend wird auf den Begriff Partnerschaft eingegangen, um nachzuvollziehen warum Konflikte in einer dyadischen Beziehung entstehen und wie diese im Rahmen einer systemischen Paarberatung gelöst werden können.

Allgemein versteht man unter einer Partnerschaft eine eheliche oder nicht-eheliche Gemeinschaft, bei dem der emotionale Austausch im Vordergrund steht. Die Liebe fungiert hier als Bindeglied. Für die Erhaltung einer Partnerschaft müssen die sozialen Rollen auf situative und persönliche Bedürfnisse so konzertiert werden, dass sie die eigenen Erwartungen und die des Partners erfüllt werden (vgl. Lexikon der Psychologie: Partnerschaft 2000).

Werden die Rollenerwartungen nicht erfüllt, entstehen Spannungen, welche als Rollenkonflikte bezeichnet werden (vgl. Wolf 2007).

Eine zwischenmenschliche Beziehung, wie in diesem Fall die Partnerschaft, wird als eine dyadische Beziehung definiert, weil sie eine intensive Beziehung zwischen zwei Personen darstellt. Das Fundament solch einer Beziehung, ist der Kontakt bzw. die Kommunikation. Diese Art des Kontaktes kann in seiner Intensität und in seiner Art und Weise variieren. Es kann eine direkte Interaktion zwischen den Partnern stattfinden oder eine indirekte, die die Anwesenheit des Anderen nicht benötigt. Das aneinander denken oder das übereinander Sprechen ist zum Beispiel Inhalt der indirekten Interaktion. Die Beziehung innerhalb einer Partnerschaft umfasst die Gesamtheit aller Interdependenzen des Erlebens und Verhaltens beider Personen. Jede Einzelperson besitzt individuelle Persönlichkeitsmerkmale und Erlebens- und Verhaltenstendenzen, welche für die Beziehung förderlich oder hinderlich sein können. Die Erlebens- und Verhaltenstendenzen lassen sich auf das kindliche Bindungsverhalten zurückführen. Des Weiteren sind zwischenmenschliche Beziehungen immer flexibel und nicht statisch. Außerdem gehen neben funktionalen Prozessen auch immer zeitliche Prozesse einher. Ein weiterer nennenswerter Aspekt ist die Unterscheidung zwischen den Phasen, die in einer Beziehung durchlaufen werden. Die erste Phase umfasst das kennenlernen und den Aufbau, die zweite beinhaltet, die Erhaltung und die Beständigkeit und die letzte Phase beschreibt die Auflösung der Beziehung, sei es durch Trennung oder Tod (vgl. Lexikon der Psychologie: Zwischenmenschliche Beziehungen 2000).

Wie zuvor schon erwähnt spielt das frühere Bindungsverhalten in der Partnerschaft eine relevante Rolle. Aus diesem Grund wird die Bindungstheorie nach Bowlby in seinen Grundzügen vorgestellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragte nach Ende des zweiten Weltkriegs den Psychiater John Bowlby einen Bericht über die Konsequenzen unter denen Kleinkinder leiden, wenn sie von ihren Müttern getrennt werden, zu verfassen. Die Erkenntnisse, die er gewonnen hatte, zeigten die Entwicklung der emotionalen Beziehung zwischen Säuglingen und Kleinkindern und ihren Bezugspersonen. Das emotionale Band bezeichnete Bowlby als Bindung. Obwohl die physischen Bedürfnisse, wie zum Beispiel Hunger, auch von anderen Menschen befriedigt werden können, stellt diese Art des Kümmerns eine Verbindung zwischen Kind und primärer Bezugsperson her, welche für die Entwicklung und das Überleben von Bedeutung ist. Bowlby kam außerdem zu dem Entschluss, dass das Bedürfnis nach der Nähe der Bezugsperson im menschlichen Gehirn fest verankert ist und dazu beiträgt, dass die Überlebenschance sich erhöht. Kommt es zu einer Trennung, dann wird die Bindung zwischen Kleinkind und Bezugsperson zerstört. Infolgedessen reagieren die Kinder mit Protest und Verzweiflung auf die vorherrschende Situation, weil sie in ihrer Existenz bedroht sind, wenn sie keine Zuneigung und Pflege bekommen, die für das Überleben essentiell ist (vgl. Kallos-Lilly, Fritzgerald 2016: 38f.).

Die Autorin Anna Buchheim (2016) setzte sich ebenfalls mit der Bindungstheorie nach Bowlby auseinander und sagt:

„Die Bindungstheorie bietet ein Konzept zur Erklärung der menschlichen Neigung, enge emotionale Beziehungen zu anderen zu entwickeln, und ist zugleich ein Modell der Bedeutung früherer Erfahrungen in den ersten Bindungsbeziehungen für die spätere sozio-emotionale Entwicklung“ (ebd.: 25).

Aus diesem Zitat geht hervor, dass das frühe Bindungsverhalten sich auf die Qualität späterer Bindungsverhältnisse auswirkt. Die frühkindliche Bezogenheit ist nach Bowlby ein primäres eigenständiges Entwicklungsziel, welches phylogenetisch festgelegt ist. Dabei stellt die Bindungsperson den sicheren emotionalen Hafen für den Säugling dar. Von ihm aus kann das Kind dann explorieren. Dabei stehen sich Bindungsverhalten und Explorationsverhalten antagonistisch gegenüber. Das Kind erkundet die Umgebung und erwirbt so soziale, kognitive und emotionale Kompetenzen. Die Exploration findet aber nur dann statt, wenn das Kind sich sicher sein kann, dass es in einer Gefahrensituation zu seiner Bezugsperson zurückkehren kann, die dann in der Lage ist Schutz und Trost zu spenden. Es schließt also mit ein, dass die Bezugsperson verfügbar und reaktionsbereit ist. Es lässt sich festhalten, dass Bindungsverhalten und Explorationsverhalten in einer Wechselwirkung zueinanderstehen (ebd.: 54f).

Da der Bindungstyp einen starken Einfluss auf die Bindungsqualität im Erwachsenenalter hat und somit auch in der Paarberatung berücksichtigt werden sollte, ist es an dieser Stelle wichtig die verschiedenen Bindungstypen zu nennen (vgl. Gerrig 2015: 400). Bowlby überprüfte den prägenden Einfluss der früheren Bindung zwischen Kind und primärer Bezugsperson auf die spätere Persönlichkeit. Allgemeiner überprüfte er empirisch traditionelle psychoanalytische Hypothesen. Seine Theorie wurde in den 1960er Jahren von Mary Ainsworth aufgegriffen und methodisch realisiert. Ainsworth und ihre Mitarbeiter evaluierten die Fremde Situation. Es handelt sich hierbei um eine Laborsituation, die aus acht Episoden `a drei Minuten besteht. Vordergründig ist, die zweimalige Trennung und Wiedervereinigung zwischen Bezugsperson und Kind. In diesem Experiment wurde das Bindungsverhalten und das Explorationsverhalten untersucht, wobei das Ziel der Auswertung, die Beobachtung der unterschiedlichen Reaktionen der Kinder bei der Wiedervereinigung darstellte. Es wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit angenommen, dass eine dreiminütige Trennung bei einem einjährigen Kind Stress auslöst (vgl. Buchheim 2016: 80f.) Die Befunde unterscheiden vier Bindungsmuster, welche interkulturell verstanden werden können. Das erste Bindungsmuster stellt die sichere Bindungsqualität dar. Auf der Basis von Vertrauen, können sicher gebundene Kinder ihre positiven und negativen Emotionen offen zeigen. Die Trennung löst bei ihnen tatsächlich Stress aus, welchen sie durch weinen offenlegen. Die Wiedervereinigung zeigt hingegen, dass sie aktiv auf die Bezugsperson zugehen und sie begrüßen. Des Weiteren lassen sie sich beruhigen und geben sich dann wieder dem Spielen hin. Es lässt sich eine ausgewogene Balance zwischen Explorations- und Bindungsverhalten nachweisen. Das Unsicher- vermeidende Bindungsmuster beinhaltet, dass die Kinder bereits zurückgewiesen worden, wenn sie die Bezugsperson brauchen oder wenn sie negative Gefühle empfinden. Die schmerzvolle Zurückweisung wird dann durch vermeidende Verhaltensmuster umgangen. Es liegen wenig bis gar keine Stressanzeichen bei der Trennung von der Bindungsperson vor. Bei Wiedervereinigung wird die Bindungsfigur ignoriert. Auf kosten des Bindungsverhalten ist das Explorationsverhalten aktiver. Es liegt also eine Dysbalance vor. Der dritte Bindungstyp stellt die Unsicher- ambivalente Bindungsqualität dar. Die Kinder haben unvorhersehbare Erfahrungen von Zuverlässigkeit gemacht sowie Erfahrungen von Angst, Wut und passiver Verzweiflung. Vor diesem Hintergrund stehen die Kinder, während der Trennung, unter starkem Stress und finden bei der Wiedervereinigung keine Beruhigung. Sie verhalten sich wie der Name des Bindungstyps schon verrät ambivalent gegenüber der Bezugsperson. Bei gleichzeitiger Suche von Kontakt und Nähe wenden sie sich von der Bezugsperson ab (ebd.: 81 ff.) „Sie schwanken zwischen ärgerlichem, verzweifeltem und anklammerndem Verhalten“ (ebd.: 84 f.). In diesem Fall ist das Bindungsverhalten überaktiviert und das Explorationsverhalten reduziert. Betrachtet man diese drei Bindungsmuster genauer, lässt sich eine organisierte Verhaltensstrategie erkennen. Diese Strategie verläuft im Sinne einer Anpassungsleistung zur Wiederherstellung der Nähe zur Bindungsfigur. Die folgende und letzte Bindungskategorie bricht die organisierte Verhaltensstruktur und stellt keine eigene Bindungsstrategie der Kinder dar. Sie nennt sich die Desorganisierte/ desorientierte Bindungsqualität, welche nicht von Ainsworth, sondern später von Main und Salomon bestimmt wurde. Unvereinbare Verhaltensweisen, wie z.B. Starrheit, stereotype Bewegungen nach dem Aufsuchen von Nähe, oder auch Angst vor der Bezugsperson, sind Formen der Desorganisiertheit bei Kindern. Die Kinder haben keine Bewältigungsstrategie entwickelt und können die Angst oder den Kummer bei Anwesenheit der Bezugsperson nicht bewältigen. Sie befinden sich in einen ausweglosen Konflikt, weil weder Nähe hergestellt werden kann, noch sind sie in der Lage sich abzulenken. Es herrscht ein Mangel an Strategie und Organisation auf Seiten des Kindes. Solche Verhaltensweisen finden sich häufig bei misshandelten, vernachlässigten oder bei Kindern wieder, bei denen die Eltern Trauerprozesse unvollständig verarbeitet haben. Es wird postuliert, dass in den Dyaden, ausgelöst durch das Kind, traumatische Bewusstseinsinhalte auf Seiten der Bezugsperson reaktiviert werden, die eine Bedrohung darstellen, aber im Unbewussten verankert bleiben. Diesen Personen mangelt es in der Interaktion an kohärenter Strategie und sie wirken dadurch beängstigend. Dieser Aspekt wird an diesem Beispiel deutlicher, wenn die Bezugsperson einen ängstlichen Gesichtsausdruck hat, während das Kind bei der Wiedervereinigung auf sie zu geht, erlebt das Kind eine Unterbrechung seiner Bindungsstrategie, weil die Bezugsperson keinen Hafen der Sicherheit verkörpert (ebd.: 85 ff.).

Forscher sind sich einig, dass die Liebe in einer Partnerschaft auch als eine Bindung definiert werden kann.

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Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346038449
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v501683
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,7
Schlagworte
Partnerschaft Konflikte Systemische Beratung Paarberatung Systemtheorie Liebe Gesellschaft Lösungsansätze Lösungsorientierter Ansatz Hilfe zur Selbsthilfe Paarbeziehung Beziehung Therapie Psychologie Pädagogik

Autor

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