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Schwerpunktthema Methoden der Beratung, Gesprächsführung und Intervention

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 60 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Video als Methode
2.1 Voraussetzungen/ Durchführung
2.2 Das technische Setting
2.3 Vor und Nachteile der Videomethode

3. Manualgeleitete Arbeit mit Gruppen
3.1 Charakteristik Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen
3.2 Vorteile einer Selbsthilfegruppe
3.3 Aufbau und Organisation einer Selbsthilfegruppe
3.4 Gruppentraining zum erlernen sozialer Kompetenzen
3.5 Struktur des Gruppentrainings
3.6 Ablauf der Sitzungen
3.7 Probleme des GSK (Gruppentraining sozialer Kompetenzen)

4. Systemisches Handeln
4.1 Die Mailänder Schule
4.2 Die Auftragsklärung
4.3 Techniken im Beratungsprozess
4.4 Das Setting des systemischen Gespräches

5. Methodische Beraterkompetenz ( Die Klientenzentrierte Beratung)
5.1 Grundlagen nach Carl Rogers
5.2 Einfühlendes Verstehen ( Empathie)
5.3 Unbedingte Wertschätzung
5.4 Echtheit (Kongruenz)
5.5 Durchführung und Anwendung der Klientenzentrierten Gesprächsführung
5.5.1 Das Aktive Zuhören
5.5.2 Das Paraphrasieren
5.5.3 Verwendung von Synonymen
5.5.4 Refraiming
5.5.5 Elemente der Beratung
5.5.6 Fragetechniken der Klientenzentrierten Gesprächsführung
5.5.7 Anwendungen der Techniken in einem Gespräch

6. Abschlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Darstellung einer räumlichen Aufteilung der Kameratechnik

Abbildung 2: Darstellung einer Sitzaufteilung Berater-Klient

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich, ausgehend von den vier thematisch ineinander greifenden Rubriken, Video als Methode, Systemisches Handeln, Manualgeleitete Gruppenarbeit sowie die Klientenzentrierte Gesprächsführung, eine methodische Vorgehensweise eines Sozialpädagogen vorstellen und vertiefen.

Zu Beginn der Vertiefung möchte ich kurz die Methode der Videoaufzeichnung näher beleuchten und Vor -und Nachteile dieser Methode gegenüberstellen. Nach diesem Schritt werde ich versuchen, die oben aufgeführten Methoden fallspezifisch zu verdeutlichen, und den Versuch starten einen umfassenden Überblick über die unterschiedlichsten Handlungswerkzeuge eines Sozialpädagogen heraus zu arbeiten. Inhaltlich soll sich diese Hausarbeit um das Schwerpunktthema Methoden der Beratung, Gesprächsführung und Intervention drehen.

Zu besseren Einstieg in die Vertiefungsgebiete möchte ich die wichtigste Daten und Zusammenhänge, entsprechend der Fallkonstellation, herausarbeiten und zusammenfassen.

Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, darzustellen, mit welchen Handwerkszeugen ein Sozialpädagoge in der Lage ist, in der sozialpädagogischen Beratung zu intervenieren, einem Ratsuchendem zu helfen oder eine Auftrags- und Problemklärung zu bewältigen.

Hintergrund dieser unterschiedlichsten Intervention ist immer die Bearbeitung von sozialen Problemen.

Falldarstellung

Sabine Leutner ist in dem gegebenen Fallkonstrukt die Person deren Problemlagen im Mittelpunkt stehen sollen. Über ihren familiären Hintergrund lässt sich folgendes herausarbeiten: Sabine Leutner wuchs in einem Elternhaus auf das gekennzeichnet war vom Alkoholkonsum der Mutter und Streitigkeiten zwischen der Kindesmutter und dem Kindesvater. Die Krisensituationen spitzen sich zu und führten letztlich zur Trennung der Eltern. Bedeutsam zu erwähnen ist, dass die Mutter sich bereit erklärte eine Alkoholtherapie zu machen. Da Sabine bei ihrer Mutter lebte war das Zusammenleben von finanziellen Engpässen begleitet. Einer ihrer 3 Brüder sitzt in Haft. Frau leutner hat einen 23 Jahre ältern Lebenspartner und macht eine Ausbildung zur Bürokauffrau.

An dieser Stelle sollen nun Gründe erarbeitet werden die Sabine Leutner veranlassten die Familien- und Lebensbratung aufzusuchen. Vordergründig schiebt sich der Gedanke auf, dass Sabine Leutner unter Prüfungsangst leidet. Parallel dazu plagen Sabine Leutner Beziehungsängste. Produziert werden diese Ängste durch den Altersunterschied zwischen ihr und ihrem Lebenspartner. Da diese beiden Problemlagen ineinander greifen sollen diese auch durch den Berater aufgegriffen und behandelt werden. Denn die Problemlagen stehen auch in einer gewissen Abhängigkeit zueinander und erschweren Sabine Leutners Leben.

An dieser Stelle möchte ich einen kurzen Abriss darüber geben wie Prüfungsängste entstehen und zu bewerten sind. An später Stelle möchte ich mit den Mitteln der Klientenzentrierten Gesprächsführung dieses wieder aufgreifen.

Prüfungsangst

Hier stellt sich die Frage wie Ängste entstehen. Ich möchte jedoch nur einen kurzen Einblick in diese Feld gewähren. Das Ergebnis von Prüfungen ist oft entscheidend für den Lebensweg des Betroffenen. Hat man eine Prüfung nicht bestanden so bleiben viele Tore für immer verschlossen, besonders wie in unserem Fall der Berufsausbildung. Sabine Leutners Lebensgeschichte ist mit individuellen Erfahrungen verbunden. Ereignisse, wie eine Prüfung, können plötzlich anders bewertet werden und lösen Angstgedanken aus. Tiefere und irrationale Befürchtungen können ebenfalls wirksam werden so z.B. durch das Versagen in der Prüfung sich der Achtung der Familie zu entziehen. Es liegt hier ein Konflikt vor, es gibt den Wunsch zu bestehen wie auch zu versagen. Je stärker nun beide Bestrebungen werden desto größer die Spannungen, desto größer die Prüfungsangst.

Diese beschriebene Angst kann spannt sich auch zwischen die Beziehung von Sabine Leutner und ihrem Lebenspartner. Schaffe ich das was er geschafft hat? Wird er mich stützen wenn ich versage? All diese Fragen können Sabine Leutner quälen. Sich wählte den Weg sich Hilfe anzunehmen und sucht eine Beratungsstelle auf.

2. Video als Methode

Videoaufzeichnungen des Handelns werden seit bald dreißig Jahren systematisch zur Unterstützung von Lernprozessen eingesetzt. Die Videorückmeldung geschieht oft mit Aufnahmen, die sich auf die Körperform konzentrieren, seltener mit Nahaufnahmen, die nur das emotionale Erleben zum Gegenstand haben. In den meisten Fällen werden Aufnahmen des konkreten Handelns verwendet.

Damit Gespräche zum Untersuchungsgegenstand werden können, empfiehlt es sich oft diese als Aufzeichnung zu „konservieren“. „Gespräche sind- im Gegensatz zu schriftlichen Dokumenten- flüchtige Ereignisse“

(vgl. Gespräche analysieren, 2001,Seite S. 21).

Videoaufnahmen haben den Vorteil, dass sie entscheidende Merkmale von Gesprächsprozessen, die oftmals der Erinnerung entgehen, bewahren.

Zur Diskussion über das Viedofeedback soll vorerst eine Grundlagenbildung über den Einsatz der Videotechnik vorangestellt werden. Unter Berücksichtigung der technischen Geräte (zum Einsatz können analoge wie auch digitale Geräte kommen) soll Wert auf die Einstellungen sowie die Möglichkeiten der Abbildung des menschlichen Verhaltens gelegt werden.

Als technisches Grundausrüstung ist anzusehen:

- eine Kamera mit entsprechendem Aufnahmemedium
- ein positionierbares Mikrofon
- ein Abspielgerät zur Analyse des Videos
- Beachtung der räumlichen Gegebenheiten
- Beachtung der Lichtverhältnisse (Gegenlicht vermeiden)

Eine gute Gesprächsanalyse benötigt Aufnahmen in guter Qualität, insbesondere einer guten Tonspur. Nur so können signifikante verbale Äußerungen als Daten erfasst werden. Im Zusammenspiel von Video und auch Audiotechnik kann hier verbales wie auch nonverbales Verhalten als gegenständliches Verhalten dokumentiert werden.

Neben der technischen Seite soll hier jedoch der Fokus auf die Analyse des Datenmaterials gelegt werden.

„Die Aufbereitung der Daten erfolgt in 4 Schritten:

- Erstellen von Gesprächsinventaren
- Näherbestimmung des Untersuchungsziels und
- Selektion der zu analysierenden Passagen sowie deren Transkription “

(vgl. Gespräche analysieren, 2001, Seite 31)

2.1 Voraussetzungen/ Durchführung

Für eine gute Analyse benötigt man Aufnahmen von guter Qualität. Dies beinhaltet eine gute Tonqualität und auch das Erfassen der visuellen Informationen, „die für das Handeln der Gesprächsteilnehmer ausschlaggebend sind“

(vgl. Gespräche analysieren, 2001, Seite 24).

Sie sind also zum einen wichtig, um Gesagtes zu erfassen, aber auch um wichtiges nonverbales Verhalten festzuhalten. An dieser stelle sollte aber immer darauf geachtet werden, dass Kamera und Mikrofon sich eher unscheinbar im Raum befinden, da dies ein natürliches Verhalten der Beteiligten fördert.

Von großer Wichtigkeit ist es, dass sich die Gesprächsleitenden (Berater) mit der Funktionsweise der technischen Geräte vertraut machen, damit möglich auftretende Störungen sofort entdeckt und behoben werden können

(vgl. Gespräche analysieren, 2001, Seite 26).

Neben der technischen Seite soll hier jedoch der Fokus auf die Analyse des Datenmaterials gelegt werden.

Die Aufbereitung der Daten erfolgt in 4 Schritten:

- Erstellen von Gesprächsinventaren
- Näherbestimmung des Untersuchungsziels und
- Selektion der zu analysierenden Passagen sowie deren Transkription

(vgl. Gespräche analysieren, 2001, Seite 31)

Innerhalb der Datensammlung ist ein wichtiger Aspekt immer zu berücksichtigen, der Datenschutz. „ Sofern nicht Gespräche aus Massenmedien untersucht werden, müssen die Daten anonymisiert werden“

(vgl. Gespräche analysieren, 2001, Seite 31)

2.2 Das technische Setting

Werner Langthaler und Hasko Schneider, stellen in ihrem Buch, „ Video-Rückmeldung und Verhaltenstraining eine mögliche Variante vor wie Gespräche aufgezeichnet werden können. Dabei sprechen Sie von der „ Multi-Kamera-Aufzeichnung“. Um sich von der Nutzbarkeit dieses Modells ein Bild machen zu können scheint es sinnvoll zu sein Gründe gegenüberzustellen, die eine Nutzung dieser Aufzeichnungsart aufzeigen.

Gründe für den Einsatz einer Multi-Kamera Aufzeichnung können sein:

- „zum Zweck technischer Redundanz, also um ganz sicher zu gehen, dass die Aufzeichnung eines überaus wichtigen und unwiederholbaren Ereignisses nicht durch zufällige Defekte an einer Anzeige zunichte wird;
- Um ein und das selbe Ereignis / Objekt gleichzeitig aus mehreren informativen Perspektiven festzuhalten, eine Facettentechnik
- Um ein umfassendes Ereignisfeld- in kleinere Felder unterteilt- detailliert zu dokumentieren, eine Mosaiktechnik,
- ….“

(vgl. Video-Rückmeldung und Verhaltenstraining, 1986, Seite 257)

Der Einsatz dieser Technik beansprucht viel technisches Know-how und bei nicht starrer Installation ein hohes Zeitaufkommen zum Aufbau der Technik. Doch scheint es eine Methode zu sein um das Gesprochene, wie auch nonverbal ausgedrückte festzuhalten und einer konkreten Analyse zu zuführen.

Langthaler und Schneider beschreiben weiter, dass eine Totalausschöpfung des Materials schier ins unmögliche reicht.

„ Aber je umfassender das Bild/Ton-Protokoll, umso mehr Möglichkeiten stehen der Informationsselektion, also der planmäßig beschränkten Auswahl zur Verfügung“

(vgl. Video-Rückmeldung und Verhaltenstraining, 1986, Seite 259)

Neben der Aufnahmetechnik zählen noch andere Faktoren zum technischen Setting. So müssen in der Anwendung die Positionierung der Kamera im Raum, die Positionierung der Gesprächteilnehmer, die Lichtverhältnisse beachtet werden.

Kurz soll an dieser Stelle eine mögliche Aufbauanleitung skizziert werden wie ein Gespräch mit Sabine Leutner aufgenommen werden kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Die oben aufgeführte Skizze stellt eine mögliche räumliche Anordnung der Gesprächspartner sowie der Aufnahmetechnik dar. Hierbei wurde besondere Wert darauf gelegt, dass es zu keiner Gegenlichtaufzeichnung kommt. Neben dem räumlichen Design soll nun die Darstellung der Gesprächspartner betrachtet werden. Hier kann man unterscheiden zwischen den Aufnahmen des ganzen Körpers, also in der Frontalansicht, über die Ansicht des Körpers aus der Seitenperspektive bis hin zur Frontalaufnahme des Kopfes. Entscheidend sind hier wiederum der Gesprächsverlauf, der Wortinnehabende sowie die Wertigkeit des Gesagten.

2.3 Vor und Nachteile der Videomethode

Vorteile können sein:

- Das Gespräch kann mit allen möglichen verbalen und nonverbalen Situationen konserviert werden
- Die Aufzeichnungen dienen später einer genauern Analyse und Auswertung des Gespräches (besonders bei wiederkehrenden Klienten empfehlenswert)
- Sollte es zu kritischen Situationen innerhalb des Gespräches kommen, kann der Berater mit Hilfe eines Teams an einer Problemlösung arbeiten
Nachteile können sein:
- Die Gefahr bei der Aufzeichnungsmethode kann darin bestehen, dass der Klient sich auf das Aufzeichnen des Gespräches einstellt und das Gespräch einen anderen Verlauf annimmt
- Die Nutzung der Technik birgt ein hohes Maß an Technikbewusstsein in sich
- Die Aufnahme können fehlerhaft / oder unbrauchbar sein, somit ist eine Analyse nicht machbar

Unter dem Verständnis, dass die zeitliche Dynamik der Gesprächsverläufe wiedergegeben werden kann, sollte beachtet werden, dass durch den Einsatz von Technik ein nicht allzu geringer Mehraufwand an Arbeit notwenig ist, um die gewonnenen Daten zu analysieren. Da Methoden wie das Gedächtnisprotokoll zu ungenau erscheinen, kann das Videoband wiederholt einer Analyse unterzogen werden. Ich persönlich halte den Einsatz von Videotechnik zur Aufzeichnung und Analysierung von Gesprächen als eine geeignete Methode. Ein entstehender Mehraufwand kann schon dadurch verringert werden, indem man fest installierte Tonräume nutzt um Gespräche aufzuzeichnen. Auch kann das Video vielmehr als Spiegel des eigenen Erlebens für die Klienten dienen. Sie selbst erleben sich in einer anderen Wahrnehmung. Hier kann das Video als Reflektor des Handelns betrachtet werden. Gestützt wird diese These auch durch den Fakt der Archivierbarkeit von bereits aufgezeichneten. Eine Datensammlung kann mehrmals betrachtet werden und bei Bedarf auch bereits vergessene Gesprächsituationen wieder ins Leben zurückholen.

Im Mittelpunkt dieser Gegenüberstellung steht aber immer der Klient, auch an dieser Stelle der technischen Möglichkeiten und der scheinbar große Fundus an sozialpädagogischen Handlungswerkzeugen, sollten immer die Wünsche des Klienten berücksichtigt werden. Denn ist eine Aufzeichnung sowie Auswertung nur mit Einverständnis des Klienten möglich. Hier sollte der Aufzuzeichnende motiviert und in die Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden.

3. Manualgeleitet Arbeit mit Gruppen

Zur Abklärung weiter Schritte sind in der Fallkonstellation Sabine Leutner einige anamnestische Fragen zu beantworten. Zu dem Zeitpunkt als Sabine Leutner die Ehe- Familien- und Lebensberatungsstelle betritt sind einige soziale Problem deutlich erkennbar.

Sabine Leutner ist 22 Jahre alt und absolviert eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Ihre Herkunftsfamilie war geprägt durch ineinander greifende Probleme. Die Mutter entschloss sich vor 3 Jahren zu einer Drogentherapie. Gewalt war in der Herkunftsfamilie ein alltägliches Problem. Sabine hat 3 weiter Geschwister. Ihr selbst fällt es schwer sich anderen Menschen anzuvertrauen, Publikumsverkehr verunsichert sie. Obwohl sie derzeitig in einer Partnerschaft lebt scheint es ebenfalls ein Problem für sie darzustellen.

Da die Mutter von Sabine Leutner ihre Alkoholproblematik aufgegriffen hat, möchte ich in Bezug auf die Gruppenarbeit meinen Focus auf Sabine Leutner legen. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass die Angehörigen, wie z.B. die Mutter nicht außen vorgelassen werden, nein ganz im Gegenteil, denn eine Gruppenarbeit mit Angehörigen hat an dieser Stelle einen ebenso hohen Stellenwert.

Für Sabine Leutner empfiehlt sich, durch oben aufgeführte Indikatoren, ein aufsuchen eines Gruppenangebotes. Denkbar ist hier der Besuch einer Selbsthilfegruppe zum erlernen sozialer Kompetenzen. Ein scheinbar vorrangiges Problem ist ihre Prüfungsangst. Weiterhin ist es in ihrer Wahrnehmung problematisch das der Altersunterschied zu ihrem Lebenspartner zu groß sei. Dem Gegenüber steht ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit. Mit Hilfe eines Gruppenangebotes können hier Begründungzusammenhänge als auch Bedingungsgefüge näher betrachtet werde. Im Folgenden möchte ich nun die Charakteristik der Gruppenangebote vorstellen und näher erläutern.

3.1 Charakteristik Selbsthilfe und Selbsthilfegruppen

Eine Begriffsklärung.

…(a)als individuelle Selbsthilfe handelt es sich um die von einer einzelnen Person zum Zwecke der Bedürfnisbefriedigung und Bedarfsdeckung organisierte Mängelbeseitigung, die unter ausschlie0lichem Rückgriff auf die personelle Ressourcen erfolgt;..“

(vgl. Selbsthilfegruppen und Soziale Arbeit. Eine Einführung, 1995, Seite 26)

Wohlfahrt und Breitkopf führen weiter aus, dass die Selbsthilfe in ihren verschiedensten Erscheinungsformen unabdingbar zur alltäglich stattfindenden Lebensführung dazugehört.

Die Selbsthilfe soll, laut Wohlfahrt und Breitkopf, als eine individuelle Eigenleistung angesehen werden. Der Focus liegt hierbei auf dem Rahmen eines gegenseitigen Hilfesystems zur Bewältigung eventuelle Misslagen und / oder Defizite.

Durch die Bildung von Selbsthilfegruppen, besonders unter Einbeziehung professioneller Berufsgruppen, finden lose Zusammenschlüsse von Menschen eine gemeinsame Basis zur Bewältigung von Krankheiten, psychischen und sozialen Problemen.

(vgl. Selbsthilfegruppen und Soziale Arbeit. Eine Einführung1995, Seite 43)

Laut Wohlfahrt und Breitkopf soll die Gruppe ein Mittel darstellen, die äußere also die gesellschaftliche und soziale sowie die innere also die persönliche Isolation aufzuheben. Sie führen weiter aus, dass die Ziele einer solchen Selbsthilfegruppe sich immer nach den Beteiligten und deren Problemlagen richten. Also keine von außengesteuerte Problemklärung.

Um den Bogen zu unserem Fall zu finden muss an dieser Stelle erwähnt werden in welchen Bereichen eine Selbsthilfe in Form von Gruppen realisierbar ist. Gibt es Beschränkungen?

Vorweg kann gesagt werden nein. Denn eine Einschränkung der sozialen Problemlagen kann an keiner Stelle gemacht werden. Selbsthilfegruppen organisieren sich zu den unterschiedlichsten Problematiken. z.B. bei Suchtproblemen, bei psychischen Erkrankungen, bei Defiziten in sozialen Kompetenzen usw. Dies soll nur ein kleiner Auszug aus der Vielfalt der Gruppenarbeit sein um zu verdeutlichen welche Komplexität dahinter steckt.

Werden Selbsthilfegruppen durch professionelle Berufsgruppen begleitet oder angeleitet, so empfiehlt sich die die Arbeitsweise mit manualgeleiteten Ansätzen.

Betroffene werden nur über einen bestimmten Zeitraum begleitet. Sozialarbeiter haben die Fachlichkeit solche Gruppen zu installieren und anzuleiten. Sozialarbeiter können in diesem Zusammenhang verschiedene Funktionen einnehmen. „Hauptfunktionen“ liegen hierbei jedoch in der Erarbeitung inhaltlicher Fortentwicklungen von Selbsthilfegruppen, Beratung und Begleitung einzelner Selbsthilfegruppen und in der Vernetzung verschiedener Gruppen (vgl. Wohlfahrt/ Breitkopf 1995, S. 122).

3.2 Vorteile einer Selbsthilfegruppe

Als einer der wichtigsten Faktoren zur Bewertung von Selbsthilfegruppen lässt sich sagen, das die Gruppe in ihrem Verständnis der Gruppenarbeit einen Prozess entstehen lassen soll, indem sich die Mitglieder dieser Gruppe selbst helfen. Michael Lukas Moeller spricht in seinen Ausführungen von einem Selbsthilfeprinzip.

Weiter führend benennt Michael Lukas Moeller die drei Ebenen in denen sich die Wichtigkeit der Gruppenarbeit und der Selbsthilfegruppen widerspiegelt.

„ 1. Identitätswerkstatt: die alltägliche Bedeutung
2. Gruppenselbstbehandlung: die therapeutische Behandlung
3. Bürgerinitiative: die politische Bedeutung “

In der Betrachtung der Notwendigkeit des Bestehens von Selbsthilfegruppen, kann man sich neben den oben genannten Bedeutungen, die Form des menschlichen Erkennens verdeutlichen. In der Betrachtung der Arbeits- und Wirkungsweise von Selbsthilfegruppen, die in einer Form der gelebten und reflektierenden Beziehung innerhalb einer überschaubaren Gemeinschaft funktionieren, wird deutlich, dass die Erkenntnisse also über das Herstellen und Mobilisieren von menschlichen Beziehungen projiziert werden.

„Damit kann es Selbsthilfegruppen gelingen, menschliche Identität, Krankheit und Institutionen wieder auf Urelemente zurückzuführen: auf die Beziehung der Menschen untereinander“

(vgl. Michael Lukas Moeller, 1996, S. 352)

Das soll verdeutlichen, dass in einer Selbsthilfegruppe der einzelne mit seinen Problemlagen im Mittelpunkt steht. Es geht hierbei nicht darum sich Ratschläge oder praktische Tipps abzuholen. Denn durch das Zusammenwirken von der persönlichen Schilderung der Problemlage bis hin zum Zuhören der anderen Teilnehmer und / oder professionellen Anleiters, wird eine Art Austausch in Gang gesetzt. Diese Ingangsetzung soll es ermöglichen, dass mögliche Lösungen und Erfahrungen aktiviert werden. Durch diese Form der Kommunikation können im Fortbestehen der Gruppe auch neue Kontakte geknüpft werden. Diese neuen Kontakte ermöglichen dann eine eventuelle Problemlagenerörterung auch außerhalb der Gruppe.

3.3 Aufbau und Organisation einer Selbsthilfegruppe

Bevor ich auf die methodische Arbeit einer möglichen Gruppenarbeit im Fall Sabine Leutner näher eingehe möchte ich nun kurz den Aufbau einer Selbsthilfegruppe skizzieren.

Michael Lukas Moeller beschreibt in seinen Ausführungen zu einer Selbsthilfegruppe den Aufbau als denkbar einfach.

„regelmäßig an einem Abend in der Woche sprechen mindestens sechs Personen ohne Mitwirken eines therapeutischen Experten über ihre persönlichen Probleme. Eine Gruppensitzung dauert etwa 2 Stunden.“

(vgl. Michael Lukas Moeller, 1996, S. 90)

Marianne Schmidt-Grunert beschreibt in ihrem Buch zum Aufbau einer Gruppenarbeit, dass neben den regelmäßigen Treffen, sie spricht dabei von „ Die Gruppenarbeit wird wöchentlich einmal zweistündig stattfinden. As erster Durchgang sind 10 Treffen geplant“

(vgl. Marianne Schmidt-Grunert, 1997, Seite 164)

Sie spricht ebenfalls von der Klärung eines räumlichen Kontextes. Dabei wird beschrieben wie eine mögliche Ausstattung eines Beratungsraumes aussehen kann. Marianne Schmidt-Grunert beschreibt in ihren Ausführungen von dem Vorhandensein eines Beratungsraumes, der mit einem Vorraum als Teeküche ausgestattet ist. Weiter geht sie auf die materielle Ausstattung ein, auf die jetzt hier nicht weiter eingegangen werden soll.

Zur Organisation einer Arbeit mit Gruppen zählen 2 weiter Faktoren. Einmal geht es dabei um die Zieldefinition aus der Sicht des Gruppenleiters sowie um die Formulierung der Gruppenregeln nach der Definition des Gruppenleiters.

Als Einleitung einer jeden Gruppenarbeit ist das Vorgespräch mit jedem einzelnen Gruppenmitglied zu erwähnen. Dabei soll es sich um die aufgeführten Zielformulierungen sowie Gruppenregeln handeln.

(vgl. Marianne Schmidt-Grunert, 1997, Seite 164)

Bemerkenswert ist, dass die Gruppenarbeit unterschiedlichst funktionieren kann. In den Ausführungen lernten wir angeleitete wie auch ungeleitet Gruppenarbeiten kennen.

Einschränkend muss hier jedoch erwähnt werden, dass eine Selbsthilfegruppe ohne Anleitung eines therapeutischen und / oder Sozialpädagogischen Experten, ausgehend von unserer Fallkonstellation, fragwürdig ist. Als Grundmodell kann sicherlich eine Gruppe sich über ihre Probleme austauchen, in der Gewissheit, dass der Erkenntnisprozess nach Absolvierung mehrere Sitzungen stattfindet. Doch Im Fall Sabine Leutner ist zu nennen, dass die oben beschriebene Gruppenstärke empfehlenswert ist, denn eine Gruppe mit zu vielen Teilnehmern erschwert die persönlichen Gespräche. Empfehlenswert ist der Besuch einer Manualgeleiteten Gruppe für Frau Leutner. So soll sie doch aus der Anleitung heraus befähigt werden ihre sozialen Ressourcen zu aktivieren und wieder nutzen zu können. Zu einem späteren Zeitpunkt möchte ich das Modell näher vorstellen. Michael Lukas Moeller beschreibt in seinen Ausführungen das Arbeiten in einer Kleingruppe als einen sozialpsychologischen Vorteil. Das Ziel ist für alle Gruppenteilnehmer klar definiert. In der Gruppenarbeit soll es darum gehen, die die eigene persönlichen Problem und Konflikte wahrzunehmen und die persönlichen Chancen zu Bewältigung besser zu nutzen

Neben den äußeren Rahmen muss an dieser Stelle nun der innere Rahmen einer Selbsthilfegruppe beschrieben werden. Da ich für Sabine Leutner das Modell „Gruppentraining zum erlernen sozialer Kompetenzen“ favorisiere möchte ich eine andere Methode nur kurz umreißen.

Eine mögliche Form mit Gruppen zu arbeiten ist die Themenzentrierte Interaktion (TZI).

„Die Themenzentrierte Interaktion(TZI) von Ruth Cohn gehört zu den Methoden der Humanistischen Psychologie. Die TZI geht aus von den grundsätzlichen Aussagen über den Menschen (einem Menschenbild) und leite davon Prinzipien des Handelns ab.

- Der Name „Themenzentrierte Interaktion“ (TZI) bedeutet:
- mehrere einzelne Menschen
- treffen sich um ein Thema, ein Anliegen (eine Sache) herum (themen-zentriert),
- Und dabei geschieht zwischen ihnen eine Interaktion, d.h., alle erfahren Beziehungen und Austausch untereinander.“

(vgl. Irene Klein, 2002, S. 86-87)

Ziel der Themenzentrierten Interaktion (TZI) soll es sein, anhand des „Lernens am Modell“ den Gruppenmitgliedern zu verdeutlichen, wie Verhalten und Zusammenhänge erklärbar sind. Dadurch soll die Gruppe angeregt werden ähnliche Verhaltensweisen einzustudieren.

Neben den Anforderungen an die Rahmenbedingungen lassen sich auch allgemeine Anforderungen an die Gruppe sowie die Gruppenteilnehmer definieren.

Michael Lukas Moeller versucht in seinen Ausführungen die Fähigkeiten einer Gruppeselbstbehandlung wie folgt zu definieren:

- Die Fähigkeit, eigene Konflikte anzuerkennen;
- Die Fähigkeit zu leiden;
- Die Fähigkeit sich ein Ziel zu setzen und sich daran zu halten;
- Die Fähigkeit , über ein Minimum an Spontaneität zu verfügen, die Fähigkeit und der Wunsch sich selbst zu entdecken und eigen Empfindungen zur Sprache zu bringen;
- Die innere Bereitschaft sich wirklich zu ändern

(vgl. Michael Lukas Moeller, 1996, Seite 162)

Aus den genanten Fähigkeiten lassen sich folgende Anforderungen an Sabine Leutners teilnahem an einer Selbsthilfegruppe ableiten:

- Sabine Leutner muss selbst aktiv werden und
- den Versuch starten sich offen ihrer Problematik zu stellen
- sie sollte sich der Anforderung stellen mit anderen in Beziehung zu treten um
- in der Gruppe al Gemeinschaft mitwirken zu können und das setzt voraus
- das Sabine Leutner regelmäßig und konsequent an der Gruppenarbeit teilnimmt

Als nächsten Schritt möchte ich eine mögliche Vorgehensweise zur Arbeit mit Gruppen näher erläutern. Sie soll verdeutlichen in welcher Arbeitsweise, die Gruppenarbeit, Frau Leutner dabei unterstützen kann ihre Problemlagen zu bewältigen.

3.4 Gruppentraining zum erlernen sozialer Kompetenzen

An dieser Stelle möchte ich kurz und knapp ein Modell vorstellen wie in Frau Leutners Problemlagen interveniert werden kann. Als Ausgang möchte ich versuchen eine mögliche Ursache für ihr sozial inkompetentes Verhalten zu finden.

Unter dem Wort soziale Kompetenzen verstehen wir die Zusammenfassung der psychischen Gesundheit, die Lebensqualität und die Selbstverwirklichung des Menschen. Bewertet wird hier die Fähigkeit mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und entstehende Interaktionen mitzugestalten.

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S.3 ff)

Um die oben aufgeführten Kompetenzen zu fördern oder wieder zu erwecken existieren die verschiedensten Modelle und Ansätze. Ich möchte nun hier, ausgehend von der Fallkonstellation, mich auf das Training für soziale Problemlösungen berufen.

Das Modell der sozialen Problemlösung sieht einen wichtigen Grund für Störungen darin, dass man nicht gelernt hat, mit Konfliktsituationen umzugehen oder Probleme zu lösen. Dieses Modell setzt daran an, ein Trainingsmodell zu schaffen in dessen Verlauf eine Person Strategien erlernt um mit Situationen umgehen zu können.

Hinsch und Pfingsten haben 5 Phasen festgelegt:

1) Problem-Orientierung: Die Teilnehmer sollen erlernen, problematische Situationen zu erkennen. Hier sollen Motivation und Ausdauer gefördert werden
2) Problemdefinition und Problemformulierung: Alle relevanten begriffe um das Problem zu beschreiben sind wichtig
3) Schaffung von Alternativen: Hier ist es das Ziel, möglichst viele Ergebnisse zu schaffen.
4) Entscheidungsfindung: Hierbei geht es um die kurz- und langfristigen Folgen von Verhaltenstrategien. Sie sind abzuschätzen und zur Basis einer Entscheidung zu machen.
5) Verwirklichung und Problemlösung: Die Teilnehmer probieren ihre Lösungen und vergleichen die Ergebnisse mit den Zielen

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S. 70 ff)

Hinsch und Pfingsten verdeutlichen in ihren Ausführungen, dass auch eine sechste Stufe bestehen kann. In dieser Stufe soll es um die Bewertung der Ergebnisse gehen.

Über die Entstehungsfaktoren wie dysfunktionales Verhalten entstehen kann möchte ich nicht weiter eingehen. Meinem Empfinden nach würde dies diese Hausarbeit sprengen.

Vielmehr möchte ich mich nun einem Manual annähern wie eine solche Gruppenarbeit aussehen kann.

3.5 Struktur des Gruppentrainings

In den Ausführungen von Hinsch und Pfingsten lassen sich drei Abschnitte zur Durchführung eines Gruppentrainings benennen.

1. Im ersten Abschnitt wird der Trainingsablauf detailliert beschrieben
2. praktische Hinweise und Trainingsmaterialien
3. Möglichkeiten der Erfolgskontrolle

Ein Standardmanual geht von sieben Sitzungen mit einer jeweiligen Dauer von 150 bis 180 Minuten aus. Die Zeitangaben lassen sich aber nur als Richtwert verstehen und nicht als bindende Norm.

Die Zahl der Sitzungen steht auch in Abhängigkeit mit der Gruppenstärke. Ebenfalls sind organisatorische Rahmenbedingungen zu beachten die oftmals eine zeitliche Struktur vorgeben.

Hier nun ein kurzer Überblick über die Vorraussetzungen zur Durchführung eines GSK.

a) Gruppengröße

In der Darstellung wird von einer Teilnehmerzahl von etwa acht bis zehn Personen ausgegangen. Angeleitet werden sie dabei von 2 Trainern.

b) Materialien

Zur Durchführung der einzelnen Sitzungen sind einzelne Arbeitspapiere empfehlenswert. Beim Rollenspiel mit Videofeedback empfiehlt sich die Installation von 2 Aufnahmegeräten.

c) Räumlichkeiten

Bei der Durchführung mit 2 Trainern werden 2 Räume empfohlen. Es muss ebenfalls genügend Platz vorhanden sein um z.B. Flipcharts oder Videoanlagen aufstellen zu können.

d) Organisatorisches

Die Durchführung von Sitzungen kann in einem einwöchigen oder auch kürzeren Abstand durchgeführt werden. Bei der Planung der Termine sollten keine längeren Pausen eintreten.

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S. 130 ff)

3.6 Ablauf der Sitzungen

An dieser Stelle möchte ich nur einen kleinen Auszug aus einem Ablauf des GSK geben. An dieser Stelle soll auf die Entspannungstechniken sowie den projektiven Videofilm nicht näher eingegangen werden. Sie stellen zwar eine wichtige Komponente dar, doch fehlt mir an dieser Stelle der Raum näher darauf einzugehen.

Hinsch und Pfingsten stellen folgendes Schema dar:

1. Einführungsveranstaltung

- Bei welchen Problemen bietet das GSK eine Hilfe?
- Grundannahmen des GSK ( Soziales Verhalten wird gelernt „Selbstsicherheitspyramide“)
- Inhalte des Trainings (Rollenspiele, Entspannungstraining, etc)
- Wirksamkeit des Trainings
- Organisatorisches ( Entscheidungen für / gegen Teilnahme, Termine, Dauer, etc)
- Durchführung des Vortests

An diese Einführungsveranstaltungen reihen sich dann nahtlos die folgenden Sitzungen an. Inhaltlich variieren natürlich deren Inhalte gegenüber der ersten Sitzung. Die Inhalte können sein: - Entspannungstrainings

- Hausaufgaben (z.B. Entspannungen üben)
- Arbeitspapiere in Kleingruppen besprechen
- Modellrollenspiele (z.B. Kriterien selbstsicheren Verhaltens)
- Rollenspiele mit Videofeedback
- Einführung von Situationstypen

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S. 133 ff)

An dieser Stelle möchte ich kurz an die Situationstypen anknüpfen.

Hinsch und Pfingsten unterscheiden dabei 3 Situationstypen.

1. den Typ R (Recht durchsetzen):

dieser Typ hat Schwierigkeiten Forderungen und Interessen durchzusetzen

2. den Typ S (um Sympathie werben)

dieser Typ hat Schwierigkeiten, die Sympathie anderer Leute zu gewinnen; und

3. den Typ B ( sozial kompetentes Verhalten in Beziehungen)

dieser Typ hat Schwierigkeiten im Umgang mit Partnern, Freunden und Bekannten seine Interessen durchzusetzen

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S. 84 ff)

Da in diesem Manual ein wichtiges Element die Rollenspiele mit Videofeedback sind, werden die zu spielenden Rollen in die oben genannten Kategorien eingeteilt. In unserem Fall ist Frau Leutner dem Typ B zuzuordnen.

3.7 Probleme des GSK

Im Ablauf des Trainings lassen sich einige Probleme feststellen. Zum einem kann es während der Rollenspiele dazu kommen das es keine Freiwilligen gibt. Für den Trainer des GSK kann es zu einer schwierigen Situation kommen, wenn sich die Verhaltensweisen der Teilnehmer verstärken, die aber in keinsterweise mit den Zielvorgaben übereinstimmen. Problematisch stellt sich ebenfalls die Motivation der Teilnehmer während der Rollenspiele dar. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass für jeden Situationstyp die Teilnehmer 2 Situationen durchspielen müssen. Hier kann es zum Abschwächen der Spontaneität kommen.

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S.188 ff)

Charakteristik der Rollenspiele

Wie bereits oben beschrieben werden zu jedem Situationstypen Rollenspiele durchgeführt. Dabei haben die Rollenspiele die Funktion, 1) das Training von Zielverhaltensweisen in der geschützten Umgebung der Gruppe. Und 2) kann durch eine spielerische Form der Klient eine bestimmte Rolle üben.

Charakteristisch für diese Rollenspiele sind:

- alle Rollenspiele werden in kleinen Gruppen durchgespielt
- das Rollenspiel wird aufgezeichnet; ein Videofeedback erfolgt unmittelbar im Anschluss
- bei allen Rollenspielen spielt der Trainer den Gegenpart
- die Trainingsteilnehmer verstärken sich selbst; ein Vorsitz ist zulässig

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S.102 ff)

Vorzüge für Rollenspiele in Kleingruppen:

Hinsch und Pfingsten haben folgende Faktoren zusammengetragen die für eine Arbeit mit Gruppen vorteilhaft sind.

- Teilnehmer erfahren, dass andere Leute ähnliche oder auch die gleichen Probleme haben
- Es werden Situationen durchgespielt, die ein große Spektrum an Lernmöglichkeiten bieten
- Aus der Gruppe kommen oft kreative Vorschläge und Lösungsmöglichkeiten
- Durch die Unterstützung und die Motivation der Gruppe kann der Klient sich an neue Verhaltensweisen heranwagen

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S.102 ff)

Hinsch und Pfingsten berichten in ihren Erfahrungen von der Problematik, dass es zu der Situation kommen kann, dass Teilnehmer sich wünschen auch einmal in die Trainerrolle zu schlüpfen. Einerseits kann es sich als positiver Effekt herausstellen, anderseits birgt es die Gefahr in sich, dass Telnehmer die gespielten Parts sehr überzogen darstellen.

Als technische Vorraussetzungen für die Erstellung eines Videofilms sind folgenden Kriterien zu nennen: - das Vorhandensein einer Camera

- 2 Darsteller und 1 Kameramann
- geeignete Räumlichkeiten

Behandlungsmethoden des GSK

Hinsch und Pfingsten haben in ihren Ausführungen folgende 6 Unterteilungspunkte gefunden. Hier werden die wichtigsten Inhalte des GSK zusammengetragen und definiert. Gleichzeitig dient es als Manual für jeden Sozialarbeiter in der Praxis mit Gruppentrainings.

1. Instruktion und Modellierung: -Informationen über das Zielverhalten
2. Rollenspiel: - als Verhaltensübung und Technik der Reizkonfrontation
3. Rückmeldung und Verstärkung: - zur Motivation und zur Information an das Zielverhalten
4. Transfer- und In-Vivo Techniken: - zur Übertragung der Therapieffekte auf den Alltag der Klienten
5. Entspannungstechniken
6. Techniken der kognitiven Verhaltensmodifikation

(vgl. Hinsch, R. & Pfingsten, 2002, S.96 ff)

4. Systemisches Handeln

Begriffserklärung

In dem nun folgenden Kapitel möchte ich mich auf die Methodik der Systemischen Beratung konzentrieren. Hierbei soll vorerst eine Grundlagenbildung geschaffen sowie wichtige Schritte und Prozesse erklärt werden.

Als erstes möchte ich eine Bestimmung des Begriffes systemische Beratung versuchen.

„Systemische Beratung bzw. Psychotherapie kann in erster Annäherung wie folgt definiert werden: Systemische Beratung bzw. Psychotherapie ist eine Kommunikationsform zwischen zwei oder mehreren Menschen, welche die spezifischen beziehungsgestaltenden Interaktionsprozesse zwischen den Menschen in verschieden Systemen besonders berücksichtigt“

(vgl. Klaus Mücke, 2001, Seite 26)

Klaus Mücke versucht hier in seinen Ausführungen zu verdeutlichen, dass der Mensch als Individuum sich ständig im Wechselspiel zwischen seinem eigenem autonomen System und dem ökologischen System befindet. Hierbei soll es um die Gewährleistung seiner Lebensfähigkeit gehen.

Die Entstehung der systemischen Beratung geht in die 50 Jahre zurück. Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer zeigen in ihren Ausführungen, dass es in diesem Jahrzehnt einige erste Pioniere gab die den Weggang von der Einzel- und Gruppentherapie hin zur Familientherapie wagten.

(vgl. Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer,2003 , Seite 17)

Der Weggang von der Einzel- und Gruppentherapie wird dadurch erklärt, dass die Familie nur eine Form ist in der sich Menschen organisieren. Die daraus resultierenden systemischen Techniken ergeben sich aus der Tatsache wie Menschen in sozialen Systemen ihre Wirklichkeit erzeigen.

(vgl. Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer, 2003, Seite 17)

Schlippe und Schweitzer verdeutlichen in ihren Ausführungen, dass man in dieser Beratungs- und Therapieform keinen wirklichen Begründer fest machen kann. Vielmehr geht die Theoriebildung auf eine ganze Reihe von Persönlichkeiten zurück.

4.1 Die Mailänder Schule

Um jedoch die Theoriegrundlagen etwas näher einzukreisen soll an dieser Stelle die Mailänder Schule näher beleuchtet werden. So lässt sich feststellen, dass die Mailänder Schule einen Großteil an Handlungswerkzeugen für die systemische Beratung und Therapie entstehen ließ.

„Perspektiven wie Zirkularität, Neutralität und Methoden wie das zirkuläre Fragen sind heute aus dem systemischen Werkzeugkasten nicht mehr wegzudenken.“

(vgl. Arist von Schlippe und Jochen Schweitzer, 2003, Seite 26)

Auf die Geschichte der Mailänder Schule soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Aus meiner Sicht scheint es an dieser Stelle wichtiger zu sein. Die wesentlichen Funktionen und Erkenntnisse der Mailänder Schule zu beleuchten sowie den Rückschluss auf den Fall zu finden.

Als wichtige Einflussfaktoren für die Weiterentwicklung der Mailänder Schule sind folgende Begriffe zu nennen; Der Konstruktivismus, Der Narrativismus und der soziale Konstruktivismus.

Im Folgenden möchte ich nun diese Begrifflichkeiten kurz erläutern da sie einen Großteil zum Verständnis der systemischen Arbeit beitragen.

Der Konstruktivismus geht laut Bodo Christian Pisarsky aus der Philosophie, der Quantenphysik und der Neurobiologie hervor. Bodo Christina Pisarsky beschreibt den Inhalt des Konstruktivismus als eine Annahme die aussagt, dass der Mensch nicht in der Lage ist eine von ihm unabhängige Realität zu erfassen.

„Der Mensch ist demnach der Erzeuger seiner eigenen Wirklichkeit. Durch die Sprache ist er in der Lage, mit anderen Menschen eine gemeinsame sprachliche Wirklichkeit zu gestalten“

(vgl. Bodo Christian Pisarsky, 2000, Seite 112)

Bodo Christian Pisarsky führt weiter aus, dass der Mensch als Beobachter in den Mittelpunkt rückt. Eher nebensächlich erscheint dann die Objektwelt. Was soll damit konkret ausgesagt werden?

„ Objektives Wissen ist unmöglich. Das Streben nach der Wahrheit verliert an Bedeutung und wird durch Nützlichkeit und Viabilität ersetzt“

(vgl. Bodo Christian Pisarsky,2000, Seite 112)

Die Bedeutung des Konstruktivismus erschließt sich au der Erklärung eines Beraters. In einem Gespräch wird vorausgesetzt. Das auf ein kommenden Signal auch wieder ein Signal gesandt wird. Erst an dieser Stelle entsteht ein geschlossener Sprachkreis. Pisarsky spricht davon, dass es keine absolute Wahrheit gibt, die einen zwingt, die Dinge so und nicht anders zu sehen, und die Dinge so und nicht anders zu tun.

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Details

Seiten
60
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638462983
ISBN (Buch)
9783656018070
Dateigröße
654 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49975
Institution / Hochschule
Fachhochschule Lausitz
Note
2,0
Schlagworte
Schwerpunktthema Methoden Beratung Gesprächsführung Intervention Klientenzentrierte

Autor

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Titel: Schwerpunktthema Methoden der Beratung, Gesprächsführung und Intervention