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Die Hauptinstruktion für die kaiserlichen Gesandten auf dem westfälischen Friedenskongress für die Verhandlungen mit den Franzosen am 15 Juli 1643 in Münster

von Helena Westendorf (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 20 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung Seite

2. Der Dreißigjährige Krieg Seite

3. Der Westfälische Frieden Seite

4. Die Hauptinstruktionen der kaiserlichen Gesandten Seite
4.1 Acta pacis Westphalicae Seite
4.2 Die kaiserlichen Gesandten Seite
4.3 Zusammenfassung und Inhalt der Hauptinstruktionen Seite

5. Die kaiserlichen Verhandlungsziele Seite

6. Die Ergebnisse der Verhandlungen Seite

7. Fazit Seite

8. Bibliographie Seite

1. Einleitung

Kaum ein historisches Ereignis der frühneuzeitlichen Geschichte ist bis heute so bekannt wie der Dreißigjährige Krieg und der Westfälische Frieden. Dieser Umstand begründet sich zum einen aus der Tatsache der langwierigen, gewalttätigen, politischen, dynastischen, konfessionellen und innenpolitischen Probleme, Kämpfe und Ereignisse zwischen den Großmächten Europas, die 30 Jahre lang kein Ende finden wollten. Zum anderen begründet sich die Präsenz dieser Ereignisse in dem Schaffen eines noch nie dagewesenen Vertragswerks. Die Friedensbeschlüsse von Münster und Osnabrück, die zusammen das Gesamtwerk „Westfälischer Frieden“ bilden und am 24. Oktober 1648 unterzeichnet wurden, konnten für das Heilige Römische Reich als Epochengrenze angesehen werden. Durch diesen Friedenskongress gelang es, einen Großteil der aufgezählten Probleme zu beenden und er stellt somit eine erste, vorbildliche internationale Konfliktbewältigung dar. Doch wie kam es überhaupt zu den Verhandlungen? Was waren die Vorstellungen, Bestrebungen und Handlungsziele der jeweiligen Teilnehmer und was wurde mit ihren Instruktionen bezweckt, außer Frieden zu verhandeln?

In der vorliegenden Arbeit soll es sowohl um die Hauptinstruktionen für die kaiserlichen Gesandten für die Verhandlungen mit den Franzosen am 15 Juli 1643 in Münster, als auch um die kaiserlichen Verhandlungsziele gehen.

Im Folgenden wird einleitend eine kurze Rahmung und Kontextualisierung vorgenommen, um das Verständnis der Quelle zu gewährleisten und einen Überblick bieten zu können. Im Anschluss wird die Quelle inhaltlich zusammengefasst und analysiert, um abschließend die Frage klären zu können, was nun die Verhandlungsziele waren.

Die zu analysierende Quelle ist durch die Acta pacis Westphalicae erhalten geblieben. Durch dieses Werk, eine von Konrad Repgen herausgegebene Edition, die bereits mehrere dutzend Bände umfasst, ist uns heute nahezu der gesamte Wortlaut der Quellen zu den Verhandlungen in Münster und Osnabrück bekannt. Doch es ist nicht nur eine Vielzahl überlieferter Quellen vorhanden. Dieses bedeutende geschichtliche Ereignis wurde aufgrund der deutschen und internationalen Forschung hinreichend thematisiert und untersucht. Somit ist die Forschungslage hierbei eine große Hilfe, da sich Historiker wie Leopold Auer, Karsten Ruppert und Konrad Repgen eingehend mit der kaiserlichen Politik auf dem westfälischen Friedenskongress auseinandersetzen. Ein besonderes Augenmerk legen sie jeweils auf den Verhandlungsverlauf und die Zielsetzung des Kaisers Ferdinand III., so dass ihre Ausführungen besonders nützlich sind, um die erarbeiteten Verhandlungsziele zu erklären und weiter auszuführen.

2. Der Dreißigjährige Krieg

Jegliche Versuche, die Konflikte zwischen Anhängern der Reformation und der katholischen Kirche friedlich beizulegen, erwiesen sich als vergeblich. 1618, circa 100 Jahre nach der Verkündigung von Luthers 95 Thesen, brach ein Krieg aus, der dreißig Jahre lang deutsche Territorien verwüsten sollte. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts standen sich zwei Bündnisse unversöhnlich gegenüber: Die protestantische Union und die katholische „Liga“ mit dem Kaiser an ihrer Spitze. Als der Kaiser das Recht zur freien Religionsausübung in seinem Land wieder zurückzunehmen versuchte, stieß das bei den protestantischen Adeligen auf großen Unwillen und Empörung. So stürmten am 23. Mai 1618 200 Vertreter des böhmischen Adels die Prager Burg, den Sitz des böhmischen Königs und kaiserlichen Statthalters. Nachdem sie ihre Missgunst klar geäußert hatten, warfen sie den Burggrafen und zwei Beamte aus dem Fenster. Dieses Unterfangen ist unter dem Namen „Prager Fenstersturz“ in die Geschichte eingegangen.1 Am nächsten Tag übernahmen die Protestierenden die Regierung und bereiteten sich zugleich auf bewaffnete Kämpfe vor. Gut ein Jahr später wollte der neu gewählte Kaiser die Macht in Böhmen zurückgewinnen und sich für die erlittene Demütigung rächen. Mit Unterstützung anderer Fürsten der katholischen Liga gelang es ihm schnell, den Aufstand des böhmischen Adels niederzuschlagen. Eine größere Zahl der Aufständischen wurde öffentlich hingerichtet und ihre Güter fielen an den Kaiser. Alle anderen mussten sich ihm bedingungslos unterwerfen. Als Ferdinand II. versuchte, seinen Sieg in Böhmen dazu zu nutzen, der Gegenreformation in ganz Deutschland den Weg zu ebnen, wurde aus einem regionalen ein europäischer Konflikt und er kamen neben konfessionellen auch machtpolitische und geostrategische Aspekte mit ins Spiel. Die protestantischen Fürsten und freien Städte im Norden wurden herausgefordert und es eilte ihnen 1625 der dänische König Christian IV. zu Hilfe. England und die Niederlande unterstützten ihre Glaubensgenossen durch Geldzahlungen. Dennoch gelang es dem Kaiser zunächst die protestantischen Fürsten und ihre Armeen zurückzudrängen. Die Sorge, der Kaiser könne doch noch einen vollständigen Sieg davontragen veranlasste, 1630 den schwedischen König Gustav Adolf auf Seiten der Union in den Krieg einzugreifen. Innerhalb kurzer Zeit drängten seine Truppen die kaiserlichen Armeen zurück. Als nach dem Tod Gustav Adolfs 1632 in der Schlacht bei Lützen die schwedische Armeen eine militärische Niederlage erlitten, griff das katholische Frankreich zugunsten der protestantischen Stände in den Krieg ein.2 Wie es zu der paradoxen und eigenartigen Situation kommen konnte, dass Frankreich, eigentlich eine katholische Macht, auf Seiten der Schweden, als Unterstützer der Protestanten, in den Krieg zog, lässt sich wie folgt erklären:

Es herrschte ein über Jahrhunderte andauerndes, kompliziertes Verhältnis zwischen dem Hause Habsburg und dem Königreich Frankreich, welches man als habsburgisch-französischen Gegensatz in der Geschichtswissenschaft bezeichnet. Der Begriff umschreibt einen sowohl verdeckten als auch offenen Konflikt um die Vorherrschaft in Europa, ausgelöst durch die Heirat des Erzherzogs und späteren Kaisers Maximilian von Habsburg mit Maria von Burgund.3 Daraufhin kam es zu Streitigkeiten von Erbansprüchen auf burgundische Ländereien. Durch dieses Ereignis wurde die ganze europäische Bündnis- und Machtpolitik geprägt, welche in verschiedene Kriege ausartete, unter anderem im Dreißigjährigen Krieg.

Frankreichs Ziel war es also die Macht des Kaisers, dessen Familie zugleich in Spanien herrschte, zu brechen. Dies und der Umstand, dass beide Verhandlungspartner keine großen konfessionellen Differenzen bei den Verhandlungen in Münster aufwiesen, sollte bei der Analyse der Quelle berücksichtigt werden.

3. Der Westfälische Frieden

Der Westfälische Frieden von 1648 war ein Meisterwerk der euopäischen Diplomatie. Er beendete den Dreißigjärigen Kireg und stellte die politischen, konfessionelln, rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland und weiteren Teilen Europas auf dauerhaft wirkdende Grundlagen.

Keiner Seite war es gelungen einen entscheidenden Sieg zu erreichen. Furcht, Willkür, Gewalt, Hunger, Not, Elend und Angst wurden immer größer und nahmen kein Ende. Diese Umstände gaben schließlich den Anlass zu einem europäischen Friedenskongress, auf dem sowohl über territoriale, konfessionelle und politische Bestimmungen verhandelt werden sollte. Die Eröffnung und die Dauer der Verhandlungen wurden jedoch durch die verschiedenen politischen Vorstellungen, Propositionen und Instruktionen extrem in die Länge gezogen. Zwischenstaatliche Kontakte und Verhandlungen wurden jedoch nicht erst im Juni 1645, als der Kongress in den Städten Münster und Osnabrück eröffnet wurde, aufgenommen. Erste Verhandlungen und Gespräche wurden schon in vorangegangenen Jahren geführt.

So gilt auch der Prager Frieden vom 30. Mai 1635 als Vorreiter des Westfälischen Friedens, da dieser den Krieg zwischen den Reichsständen und dem Kaiser beendete und viele Bestimmungen des Prager Friedens anschließend übernommen wurden. Ein allgemeiner Frieden in Deutschland konnte aber nicht hergestellt werden, weil Frankreich zum Beispiel Spanien den Krieg erklärte.4

Dennoch gab es weiterhin Friedensbemühungen, wie zum Beispiel 1638 den Kölner Kongress auf Initiative von Papst Urban VIII. Dieser betrachtete es als seine Pflicht als Vermittler für den Frieden zwischen den katholischen Dynastien tätig zu sein. Frankreich wollte jedoch nicht ohne seine Verbündeten auf diesem Kongress erscheinen, diese waren jedoch protestantische Mächte wie z.B. die Niederlande (seit 1624/1635), Schweden (seit 1631), aber auch Hessen-Kassel (seit 1635/36), die alle die Vermittlung des Papstes boykottierten. Gleichermaßen wollte der Papst sich nicht für diese Mächte auf dem Kongress einsetzen. Damit diese dennoch daran beteiligt werden konnten, wurde Venedig als Vermittler zwischen den katholischen und protestantischen Staaten vorgesehen.5 Dennoch wurden der Beginn und die Verhandlungen des Kölner Kongresses durch Passstreitigkeiten stark verzögert und letztlich verhindert.

Eine Klärung der Rahmenbedingungen entstand dann endlich im Dezember 1641 durch den Hamburger Präliminarvertrag. Ein Universalfriedenskongress sollte für alle Mächte Europas und für die Reichsstände, die am Krieg beteiligt waren, an zwei getrennten Orten stattfinden. Münster war für die Verhandlungen zwischen dem Kaiser und Frankreich vorgesehen sowie für die Beilegung des Konfliktes zwischen Spanien und Frankreich, während in Osnabrück die Verhandlungen mit Schweden stattfinden sollten.6 Diese räumliche Trennung des eigentlich als Einheit gedachten Kongresses sollte zunächst die vielfach hinderlichen Rang- und Titelstreitigkeiten vermeiden, die damals zwischen verfeindeten Monarchen üblich waren.7 Münster und Osnabrück entsprachen hierbei den französischen und schwedischen Wünschen, der Kaiser hatte bis zuletzt auf einen an seinen Erbländern näher gelegenen Verhandlungsort gehofft. Auf den Eröffnungstermin des Friedenskongresses, den 25. März 1642, konnte man sich einigen, viele andere Detailfragen allerdings nicht klären, vor allem nicht die Teilhabe der Reichstände.8 Letztendlich waren durch diesen Vertrag alle Voraussetzungen für einen großen Friedenskongress geschaffen. Die Streitigkeiten, die noch den ersten Versuch hatten scheitern lassen, wurden gelöst. Dennoch erlebte Mitteleuropa durch diese langwierigen Verhandlungen fünf weitere verheerende Jahre Krieg, welche die größten Zerstörungen seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges brachten.

4. Die Hauptinstruktionen der kaiserlichen Gesandten

4.1 Acta pacis Westphalicae

Die Hauptinstruktionen für die Verhandlungen mit den Franzosen 1643 lassen sich in der Acta pacis Westphalicae (kurz APW) finden. Herausgeber dieser ersten historisch-kritischen Ausgabe der Akten und Dokumente des Westfälischen Friedens war Prof. Dr. phil. Konrad Repgen, der mittelalterliche und neuere Geschichte in Saarbrücken und Bonn lehrte. Dadurch und durch seine quellennahen Detailforschungen sowie seine Überblicksdarstellungen und biographischen Skizzen ist er ausgewiesener Experte der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges und des Westfälischen Friedens. Durch seine akribischen Bemühungen konnte das Verständnis der Friedensverträge weiter gefördert werden. So zum Beispiel auch die Biographien der Gesandten.

4.2. Die kaiserlichen Gesandten

Der Graf Johann Ludwig von Nassau-Hadamar, geboren 1590 und gestorben 1653, stellte einen gewandten Diplomaten dar. Seit 1619 war sein Land Schauplatz der Konflikte und Gewalttaten des dreißigjährigen Krieges. Dies und der Umstand, dass eine Plünderung der schwedischen Soldaten 1933 fast sein Leben gekostet hatte, machten ihm die Dringlichkeit und Notwendigkeit eines Friedens äußert bewusst. Nur durch diplomatische Verhandlungen, Geldopfer und Fürbitten konnte er diesen teilweise in seinem Land erreichen.1638 ernannte der Kaiser ihn zu seinem Generalbevollmächtigten und zu seinem ersten Minister für anstehende Verhandlungen eines Friedens, welcher den Krieg ausnahmslos beenden sollte. Da sich diese Verhandlungen in die Länge zogen, wurden diese nach Münster und Osnabrück verlegt und so siedelte Johann Ludwig 1643 in gleicher Tätigkeit nach Münster über. Dort wusste er die Verhandlungen mit besonderem Geschick, trotz schwerer Geldopfer, zu leiten und somit ist der Abschluss des westfälischen Friedens auch sein Verdienst. Dieses Können wurde 1647 mit der Verleihung des goldenen Vlieses, 1650 mit der erblichen Fürstenwürde und mit einer Barzahlung von 150,000 Gulden honoriert.9

[...]


1 Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, S. 233 ff.

2 Quellen zur Geschichte des Dreissigjährigen Krieges, S.75ff.

3 Maximilian I. (1459–1519), S. 78 f.

4 Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, S.104.

5 Der Westfälische Frieden. Ereignis, Fest und Erinnerung, S. 11.

6 Der Westfälische Frieden, S. 98 ff.

7 Dreißigjähriger Krieg - Westfälischer Frieden, S. 240.

8 Von der Reformation zum Westfälischen Frieden, S.106.

9 Joachim, Ernst, "Johann Ludwig von Nassau-Hadamar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 14 (1881), S. 258-260 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd102837422.html?anchor=adb

Details

Seiten
20
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346020772
ISBN (Buch)
9783346020789
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v499670
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
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Autor

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    Helena Westendorf (Autor)

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