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Was ist Wissenschaft? Der Versuch einer Definition aus kulturwissenschaftlicher Perspektive

Hausarbeit 2019 14 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

I.Inhaltsverzeichnis

II.Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Was ist Wissenschaft?
2.1. Was ist Wissen?
2.2. Was ist Wissenschaft?

4. Denkschulen der Wissenschaft

5. Literaturverzeichnis

II.Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das Wissenschaftssystem (eigene Darstellung in Anlehnung an BARDMANN, 2014, S. 66)

1. Einleitunq

Mit Leonardo Da Vinci, Isaac Newton oder Johannes Kepler seien nur einige Namen berühmter Persönlichkeiten, die direkt mit dem Begriff Wissenschaft in Verbindung gebracht werden können, genannt. Sie beschäftigten sich mit den unterschiedlichsten Fachrichtungen, wie zum Beispiel Ma­thematik, Physik, Astronomie oder Architektur (vgl. BROCKH (www.brockhaus.de, 2019)AUS, 2019). In diesem Zusammenhang stellt sich jedoch die Frage: Was ist Wissenschaft überhaupt? Zwar hat jeder Mensch eine ungefähre Vorstellung davon, was unter diesem Begriff zu verstehen sei, eine exakte Definition gelingt jedoch den Wenigsten (vgl. DIEDERICHSEN, 1970, S. 1). Haupt­anliegen dieser Ausarbeitung ist es daher, eine Antwort auf die Frage Was ist Wissenschaft? zu geben. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, ist es notwendig, zunächst den Begriff „Wissen“ zu erfassen, denn „wer sich mit Wissenschaft auseinandersetzen will, muss wissen, was unter Wissen zu verstehen ist“ (BARDMANN, 2014, 48). Deshalb beschäftigt sich Kapitel 2.1 zunächst mit dem Wissensbegriff. Darauf aufbauend wird dann in Kapitel 2.2 erläutert, was folglich unter Wissenschaft zu verstehen ist.

Damit der Komplexität des Wissenschaftsbegriffs Rechnung getragen wird, nimmt diese Hausarbeit darüber hinaus zwei weitere Fragestellungen in den Blick. So soll zum einen geklärt werden, ob es die Wissenschaft gibt und welche Systematik sich erkennen lässt (Kapitel 3) und zum anderen dar­gelegt werden, welche wissenschaftliche Denkschulen existieren und worin sich ihre Vertreter wi­dersprechen (Kapitel 4). Die Ausarbeitung schließt mit einem Fazit, welches die wesentlichen Er­gebnisse zusammenfasst.

2. Was ist Wissenschaft?

2.1.Was ist Wissen?

Wie in der Einleitung angekündigt, wird in diesem Kapitel erläutert, was unter dem Begriff Wissen zu verstehen ist. Dabei ist es nützlich zunächst eine Abgrenzung zu anderen Formen der Welter­schließung vornehmen. So unterscheidet sich Wissen deutlich von „vermuten“, „annehmen“, „wün­schen“, „meinen“ oder „hoffen“. Letztere bedürfen, im Gegensatz zu Wissen, nämlich keinerlei Be­gründung. (vgl. BARDMANN, 2014, 48). Damit ist ein erstes Merkmal des Wissensbegriffs heraus­gearbeitet: Die Begründbarkeit. Um festzustellen, was darüber hinaus den Wissensbegriff auszeich­net, sei auf die Definition des Brockhaus verwiesen. Hier heißt es:

Wissen [mittelhochdeutsch wi33en, zu althochdeutsch wi33an, eigentlich »gesehen ha­ben«], Bezeichnung für ein in Individuen, Gruppen und sonstigen Kollektiven vorhande­nes kognitives Schema, das, an der Erfahrung orientiert, die Handhabung von Sachver­halten, Situationen sowie den Bezug zur Umwelt auf eine zumindest angenommene zu­verlässige Basis von Informationen und Regeln gründet, die sich ihrerseits anhand der Kriterien Prüfbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Begründbarkeit bestimmen lassen. Wis­sen ist damit immer an die Geltung von über das Individuum hinausreichenden Wahr­heitsansprüchen gebunden, die selbst auch wieder zur Disposition gestellt werden kön­nen [...]. (BROCKHAUS 2019)

Neben der Begründbarkeit werden hier also zwei weitere Kriterien von Wissen genannt: Prüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit. Demnach handelt es sich nur dann wirklich um Wissen, wenn Erkenntnisse unabhängig von der eigenen, subjektiven Wahrnehmung getroffen werden und damit „über das In­dividuum hinausreichen“ (vgl. ebd.). Außerdem ist nach dieser Definition der Wissensbegriff durch den Bezug zur Umwelt und durch die Orientierung an den Erfahrungen der Menschen gekennzeich­net.

Wenn Wissen also den Kriterien Begründbarkeit, Prüfbarkeit und Nachvollziehbarkeit genügen muss, müssen die Erkenntnisse, die man unter dem Begriff Wissen zusammenfasst, eine bestimmte Qualität aufweisen. Dazu sei an dieser Stelle auf die Arbeit des Professors Helmut Seiffert verwie­sen, der sich ebenfalls der Frage angenommen hat, was unter Wissen zu verstehen ist. Seiner An­sicht nach kann man zwei Arten von Wissen voneinander unterscheiden: „Episteme“ (griechisch für Erkenntnis, Wissen) und „doxa“ (griechisch für Meinung). „Episteme“ ist das wirkliche Wissen, wel­ches man rechtfertigen, begründen und demonstrieren muss (vgl. SEIFFERT & RADNITZKY, 1992, S. 387). Im Gegensatz dazu steht „doxa“: „Dies ist ein eher diffuses, subjektives „Wissen“, ein sich sicher sein, es aber nicht beweisen können, wie beispielsweise Religion oder auch die Unendlichkeit des Weltalls, also Meinung oder bloßer Glaube“ (DETEL, 2007, S. S.48-49).

Man kann also festhalten, dass sich „wahres“ Wissen von „diffusem“ Wissen darin unterscheidet, dass „wahres“ nachvollziehbar, dass „diffuse“ Wissen dagegen eher äquivalent zu „meinen“ bzw. zu einem der zu Beginn dieses Kapitels genannten Weltzugangsarten zu verstehen ist (ebd.). Demnach ist „episteme“ die Art von Wissen, von der wir im Zusammenhang mit Wissenschaft sprechen und die als einzige die Kriterien der Begründbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit erfüllt.

2.2. Was ist Wissenschaft?

Im Laufe der Geschichte wurde in verschiedenen Epochen und von unterschiedlichen Intellektuellen versucht, den Wissenschaftsbegriff zu definieren. In Folge dessen entstand eine Vielzahl unter­schiedlicher Auffassungen, was unter dem Begriff Wissenschaft zu verstehen sei. Dieser Tatsache soll Rechnung getragen werden, weshalb eine Auswahl von verschiedenen Verstehensweisen in diesem Kapitel erläutert wird. Grundsätzlich lässt sich an dieser Stelle aber schon folgendes festhal­ten: Wissenschaft meint zum einen den Prozess, im Rahmen dessen durch Forschung neues Wis­sen generiert und durch die Lehre weitergegeben wird, zum anderen ist Wissenschaft aber auch ein Aussagesystem, bestehend aus den Resultaten wissenschaftlichen Schaffens (vgl. BARDMANN, 2014, S. 48).

Eine weitere allgemeine Aussage über Wissenschaft trifft SEI FFERT: „Wissenschaft ist dort, wo die­jenige, die als Wissenschaftler angesehen werden, nach allgemein als wissenschaftlich anerkannten Kriterien forschend arbeiten“ (SEIFFERT & RADNITZKY, 1992, S. 391). Da hier unausgesprochen bleibt, was unter „wissenschaftlich anerkannten Kriterien“ (ebd.) zu verstehen ist, muss auf Die- derichsen zurückgegriffen werden. Dieser definiert „wissenschaftlich anerkannte Kriterien“ (ebd.) als „geistige Elemente und Verhaltensweisen (...), die allgemein als „wissenschaftlich“ gelten“ (vgl. DIE- DERICHSEN, 1970, S. 1). Aber was gilt allgemein als wissenschaftlich? Nach Bardmann (vgl. BAR- DMANN 2014, 48) müssen wissenschaftliche Aussagen bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählt zunächst einmal, dass die Aussagen verallgemeinert werden können. Ferner sollten sie in­tersubjektiv nachvollziehbar und überprüfbar sein, sowie in ein wissenschaftliches System eingeord­net werden können. Außerdem sollten wissenschaftliche Aussagen durch den Einsatz von wissen­schaftlichen Methoden generiert werden (vgl. ebd.).

Der Begriff der Methode findet sich auch in der Wissenschaftsdefinition von Diederichsen, denn er nähert sich über die zentralen Begriffe System und Methode an den Wissenschaftsbegriff an. Dabei bezieht er sich auf eine gängige Definition des Philosophen Immanuel Kant (1724-1804 zit. n. DIE­DERICHSEN, 1970 S.1):

„Nach ihm ist Wissenschaft kein Aggregat, d.h. eine bloß mehr oder minder zufällige Anhäufung von Denkinhalten, sondern ein System von Erkenntnissen, ein organisches Ganzes, das durch eine Idee zusammengehalten wird und von innen heraus wächst.“

Diederichsen veranschaulicht Immanuel Kants Definition von Wissenschaft folgendermaßen: „Prä­ziser formuliert, ist Wissenschaft für ihn ein System, d.h. ein nach Prinzipien geordnetes Ganzes von Aussagen, dass der Erkenntnis dienen soll. Dieses wissenschaftliche Schema, denn nichts anderes ist ein System (vgl. DUDEN 2019), steht also für einen wissenschaftlichen Ablauf, dessen Ziel es ist, zu Erkenntnissen zu gelangen.

Wie im vorangegangenen Kapitel schon festgestellt wurde, sind Begründbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit grundlegende Kriterien von Wissen und damit auch von Wissenschaft (vgl. BARD­MANN 2014, S. 48; BROCKHAUS 2019). Diederichsen erweitert diese Kriterien um die oben ge­nannte Systematik, sowie um den Begriff der Methode. Unter diesem Begriff versteht er dabei „ein planmäßiges Verfahren zur Erreichung eines bestimmten Erkenntniszieles“ (vgl. DIEDERICHSEN, 1970, S.4). Gleichzeitig gibt Diederichsen damit auch eine Antwort darauf, welches Ziel die Wissen­schaft hat: Mit Methode ein bestimmtes Erkenntnisziel zu erreichen. Zusammenfassend versteht Diederichsen folglich unter dem Begriff Wissenschaft eine systematische Tätigkeit, die mit Methode versucht Erkenntnisse zu erlangen (vgl. ebd.)

Eine andere Auffassung von Wissenschaft wird durch Elisabeth Ströker vertreten. Nach ihr ist Wis­senschaft „ein bestimmtes, für alle Wissenschaftler prinzipiell zustimmungsfähiges Konzept von Ra­tionalität“, das „die Suche nach Wahrheit als grundlegende Bedingung wissenschaftlichen For- schens ist. (Rost, Lern-und Arbeitstechniken für pädagogische Studiengänge, S. 23). Diese Auffas­sung wird von Hans Westmeyer in Frage gestellt. So weist er darauf hin, „daß [sic!] die zentralen Begriffe der Wahrheit, Objektivität, Kohärenz, Konsistenz, kritisch-rationalen Prüfung usw. in unter­schiedlichen wissenschaftstheoretischen Ansätzen unterschiedlich bestimmt werden“ (Rost, Lern- und Arbeitstechniken für das Studium, 2010, S. 26).

[...]

Details

Seiten
14
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346023674
ISBN (Buch)
9783346023681
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v498478
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Schlagworte
Wissenschaft

Autor

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Titel: Was ist Wissenschaft? Der Versuch einer Definition aus kulturwissenschaftlicher Perspektive