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Fiktion und Fiktionalität

Fantastische/Fiktive Elemente in Adolfo Bioy Casares’ Roman "El sueño de los héroes"

Essay 2019 8 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

1 Einleitung

Ein viel diskutiertes Thema ist der Unterschied zwischen Fiktion und Fiktionalität, den ich im Folgenden mit Hilfe zugrunde liegender Definitionen näher erläutern werde. Fiktionalität, nach Kablitz[1], sei eine spezifisch literarische Eigenschaft. Fiktion hingegen sei skalierbar in mehr oder weniger fiktiv, d.h. entweder in einen fantastischen Roman oder einen historischen Roman. Fiktionalität sei gekennzeichnet durch fiktionale Rede, welche der faktualen Rede, gegenüberstünde. Demnach könne man nichts sagen, ohne, dass man zugleich die Existenz von etwas behaupte. Eine weiterverbreitete Ausnahme stellt hierbei die Lüge, diese sei nicht literarisch, aber dennoch fiktiv, insofern sie ohne Täuschungsabsicht geschehe.

Fiktionalität sei laut Kablitz[2] eines der beiden Konstitutionsmerkmale von Literatur; zudem sei sie eine Bedingung für Literatur. Nichtsdestotrotz gebe es Fiktion im Literarischen, so etwa ausgedachte Personen, Figuren, Gegenstände, Sachverhalte oder Dinge. Die Fiktion beziehe sich demnach auf Personen bzw. Gegenstände eines literarischen Textes, die Fiktionalität hingegen nicht.

Kommen wir nun zur Theorie der Fantastik nach Todorov (1972)[3] sowie Vax (1960)[4] und Caillois (1966)[5]. Tzvetan Todorov war Vertreter der minimalistischen Genredefinition: Er beschreibt das Fantastische als Unvereinbarkeit zweier Welten, von denen eine naturgetreuen, die anderen übersinnlichen Charakters sei. Sobald sich der Text für eine Seite entscheide, „[…] verläßt [sic!] […] [dieser] das Fantastische und tritt in ein benachbartes Genre ein […]“[6].

Ausgehend von dieser Definition entwickelt er folgendes Klassifikationssystem[7]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dem gegenüber stehen Louis Vax (1960) und Roger Caillois (1966): Die beiden „werden […] versuchen, das Gebiet des Phantastischen einzugrenzen, indem wir die Beziehungen zu benachbarten Genres aufzeigen, zum Märchenhaften, zum Poetischen […]“[8].

Er nennt „den Einbruch eines übernatürlichen Ereignisses in eine von der Vernunft regierten Welt“[9] als grundlegen Prämisse, damit wir von fantastischer Literatur ausgehen können. Daher: „Riß [sic!]“[10] als maßgebendes Merkmal, um ein Werk als fantastisch zu kennzeichnen, denn „nur aus diesem Riß [sic!] kann das wirklich Phantastische hervorgehen“[11].

2 Die fiktiven und fantastischen Elemente und die Darstellung Buenos Aires‘ im Roman El sueño de los héroes

Im Folgenden werde ich nun explizit auf die fiktiven und fantastischen Elemente im Roman El sueño de los héroes von Adolfo Bioy Casares eingehen, welcher 1954 in erster Auflage erschien[12]. In El sueño de los héroes findet die Handlung in zwei Phasen statt, bzw. in zwei aufeinander folgenden und parallelen Zeiten. Der Roman spielt zwischen 1927 und 1930 in der argentinischen Stadt Buenos Aires, genauer gesagt im Stadtteil Platense.

Der Roman erzählt von den Abenteuern eines jungen Mann, namens Emilio Gauna, der mit den Ansprüchen ein Held zu werden ausgestattet ist. Emilio Gauna ist zu Anfang ein armer Mann, der in einer Autowerkstatt arbeitet und eines Tages unerwartet viel Geld bei einem Pferderennen gewonnen hat, daraufhin beschloss er, das gewonnene Geld für mehrere Partynächte an Karneval mit seinen Freunden auszugeben. Erst drei Tage später wacht Gauna alleine in einer Kabine auf und hat große Wahrnehmungsstörungen und erinnert sich nicht daran, was passiert ist. Einige Jahre später, er ist mittlerweile verheiratet und scheinbar vollkommen glücklich, schlägt das Schicksal vor, jene schicksalshaften Nächte, über die er so viel nachgedacht hat, nachzustellen.

Der Roman gilt sowohl als der erfolgreichste als auch als der beste von Casares und kann der Fantasy-Literatur zugeordnet werden. Das fantastische Element repräsentiert hierbei (fast) die Gesamtheit der Struktur des Romans: Es ist sowohl die Ursache als auch das Ziel bzw. Ende der Erzählung, wodurch das Unnatürliche sich in diesem Roman mit dem Alltag verzweigt. Man kann somit sagen, dass Casares in seinen Arbeiten gewöhnlich das Thema des Todes der Zeit und damit des Bruches der Naturgesetze des Universums behandelt.

[...]


[1] Vgl. Kablitz, Andreas (2013): Kunst des Möglichen. Theorie der Literatur. Freiburg im Breisgau: Rombach, 165 ff.

[2] Vgl. ibid.: 214 ff.)

[3] Todorov, Tzvetan (1972) : Literatur als Kunst. Einführung in die fantastische Literatur. München : Hanser.

[4] Vax, Louis (1960) : Die Phantastik [1. Kapitel seines Buches L’art et la Littérature fantastique]. In : Zondergeld, Rein A. (Hg.) (1974) : Phaïcon. Almanach der phantastischen Literatur, Bd. 1. Frankfurt a. M. : Insel Verlag, 11-43.

[5] Caillois, Roger (1966) : Das Bild des Phantastischen. Vom Märchen bis zur Science Fiction. In : Zondergeld, Rein A. (Hg.) (1974): Phaïcon. Almanach der phantastischen Literatur, Band 1. Frankfurt a. M. : Insel Verlag, 44-83.

[6] Todorov, Tzvetan (1972): 26.

[7] Ibid.: 43.

[8] Vax, Louis (1960): 11.

[9] Ibid.: 17.

[10] Caillois, Roger (1966) : 46.

[11] Ibid.: 71.

[12] Casares, Adolfo Bioy (1954): El sueño de los héroes. Obras completas. In: Martino, Daniel (Hg.) (2012): Obra completa 1940-1958, Bd. 1. Buenos Aires: Emecé. Verfügbar unter: https://charlaenespanol.files.wordpress.com/2013/11/adolfo-bioy-casares-el-sueno-de-los-heroes.pdf.

Details

Seiten
8
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346019790
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497900
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
fiktion fiktionalität fantastische/fiktive elemente adolfo bioy casares’ roman

Autor

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