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Wie gelingt frühkindliche Fremdbetreuung? Zusammenhang zwischen Rahmenbedingungen und Qualität der Kinderbetreuung in institutionellen Einrichtungen

Masterarbeit 2018 93 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

I Theoretischer Teil
1. Politische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte der frühkindlichen
Fremdbetreuung
1.1. Geschichtliche Entwicklung der institutionellen Kleinkindererziehung
1.1.1. Fokus und Entstehung der ersten Kindergärten
1.1.2. Ausbau und Entstehung von Krippen
1.2. Krippen im Fokus und Debatte der Familien- und Bildungspolitik
1.2.1. Sozialisationserfahrungen in frühkindlichen Betreuungseinrichtungen
1.2.2. Vereinbarkeit Familie und Beruf
2. Qualitätskriterien für die institutionelle frühkindliche Fremdbetreuung
2.1. Internationaler Vergleich der Kindertagesbetreuung
2.2. Auffassung Qualitätsbegriff in deutschen Krippen
3. Qualitätsdimensionen der institutionellen Bildung, Betreuung und Erziehung von Kindern in den ersten drei Lebensjahren
3.1. Orientierungsqualität
3.1.1. Professionelles Rollenverständnis und Selbstreflexion
3.1.2. Konzeption der Einrichtung
3.2. Strukturqualität
3.2.1. Ausstattung der Räume
3.2.2. Ausbildung
3.2.3. Personalschlüssel von Erzieher*innen zu betreuenden Kindern
3.3. Prozessqualität
3.3.1. Grundbedürfnisse des Kindes in den ersten drei Lebensjahren
3.3.2. Zusammenarbeit mit der Elternschaft
3.4. Ergebnisqualität in deutschen Krippen

II Empirischer Teil
1. Methodik
1.1. Stichprobe
1.2. Untersuchungsdesign
1.3 Erhebungsinstrumente
1.4 Untersuchungsdurchführung
1.5 Datenauswertung
2. Ergebnisse
2.1 Soziodemografische Daten
2.2 Strukturelle Arbeitsbegebenheiten
2.3 Arbeitszufriedenheit
2.4 Frühkindliche Bildung
2.5 Zusammenhang der Datenergebnisse

III Diskussion und Zusammenführung theoretischer Grundlagen und empirischer Befunde
1. Zusammenführung der theoretischen und empirischen Erkenntnisse
1.1. Einflussfaktoren der Qualität in Krippen
1.2. Auswirkungen der Rahmenbedingungen institutioneller Einrichtungen auf die Qualität frühkindlicher Fremdbetreuung
2. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abstract

Der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahrzehnte hin zum anhaltenden, steigenden Betreuungsbedarf der Familien für ihre Kinder, bedeutet weiterhin eine Investition der Bildungs- und Familienpolitik in den Ausbau von institutionellen frühkindlichen Betreuungseinrichtungen. Auf die Debatten der letzten zehn Jahre, um die gleichzeitige Qualitätssteigerung in Krippen, folgten keine konkreten Handlungspläne. Der aktuell beschlossene Qualitätsausbau in Kindertagesstätten von Bund, Ländern und Kommunen mit den verbundenen finanziellen Ausgaben des Staates nimmt sich die vorliegende Masterarbeit zum Anlass, die Rahmenbedingungen und Auswirkungen von Qualität in Krippen zu untersuchen. Die Motivation dieser Abschlussarbeit war, die geschaffenen Rahmenbedingungen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, die auf die Qualität in frühkindlichen Betreuungseinrichtungen einwirken, herauszuarbeiten und in einen Zusammenhang zu stellen. Mit der Ergänzung der schriftlichen Befragung von pädagogischem Personal in Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren sollten die Forschungsfragen zum Thema der Masterarbeit "Auswirkungen der Rahmenbendingungen institutioneller Einrichtungen auf die Qualitat fruhkindlicher Fremdbetreuung" beantwortet werden. In der anschließenden Vorstellung der Ergebnisse und Diskussion wurde die Komplexität von Qualitätsentwicklungsprozessen sichtbar. Die übergreifenden Instanzen (Politik, Wirtschaft, Gesellschaft) wirken wie die persönlichen Instanzen (Pädagog*innen, Familie) auf die Qualität in Krippen ein. Die vorherrschende Qualität in Krippen lässt sich vordergründig in Abhängigkeit von den Rahmenbedingungen Arbeitsanforderungen der Fachkräfte und politischen Vorstellungen festmachen. Zwar zeigt sich, dass die Qualitätsdimensionen und herausgearbeiteten Rahmenbedingungen ineinander wirken und die Gesamtqualität beeinflussen können, dennoch ist die Gesamtheit die Rahmenbedingungen und Qualität abhängig von der finanziellen Förderung des deutschen Staates. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass zur langfristigen Sicherung und Entwicklung von Qualität in Krippen die Bildungs- und Familienpolitik im stärkeren Austausch mit pädagogischen Fachkräften und Familien zusammenarbeiten muss. Vor allem die Entastung der Pädagog*innen durch die staatlichen Investitionen in Ausbildung und Betreuungsschlüssel sollte geschehen. Auf der Grundlage von theoretischen und empirischen Ergebnissen zeichnet sich die Empfehlung zu einheitlichen bundesweiten frühkindlichen Bildungsplänen, verankert in Konzeptionen der Krippen ab, welche ebenfalls regelmäßig evaluiert werden müssen.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Anzahl und Quote der Kinder in Kindertagesbetreuung 2006²

Abbildung 2: Beitragskosten für institutionelle Kinderbetreuung

Abbildung 3: Vertraglich vereinbarter/ gewünschter Betreuungsumfang

Abbildung 4: Umkodierung der Variablen

Abbildung 5: Häufigkeiten der Altersklassen

Abbildung 6: Häufigkeiten Berufliche Ausbildung

Abbildung 7: Häufigkeiten Krankheitsstand der Mitarbeiter*innen

Abbildung 8: Häufigkeiten Betreuungsanzahl der Kinder

Abbildung 9: Frühkindliche Bildung in den OECD Ländern

Abbildung 10: Häufigkeiten Geschlechterausprägungen

Abbildung 11: Häufigkeiten Berufliche Ausbildung

Abbildung 12: Häufigkeiten Berufliche Ausbildung Kreisdiagramm

Abbildung 13: Häufigkeiten Qualität - Einrichtung

Abbildung 14: Häufigkeiten Qualität - Arbeitszufriedenheit

Abbildung 15: Häufigkeiten Qualität - Frühkindliche Bildung

Abbildung 16: Auszug Tabelle - Korrelation Items

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gliederung der Datenauswertung

Tabelle 2: Neusortierung Berufliche Ausbildung

Einleitung

Der aktuell beschlossene Qualitätsausbau in Kindertagesstätten1 von Bund, Länder und Kommunen beinhaltet die staatliche Zusicherung von höheren finanziellen Ausgaben. In dem festgelegten Koalitionsvertrag von 2018 sollen bis zum Jahr 2021 insgesamt 3,5 Milliarden Euro mehr an Kosten für die Qualität in Betreuungseinrichtungen ausgegeben werden. Die Forderungen nach höheren finanziellen Ausgaben für Qualitätsmaßnahmen entstanden aus den jahrelangen Debatten und Kritiken zur mangelnden Qualität in den Betreuungseinrichtungen für Kinder unter drei Jahren. Zuvor wollte die Politik im Jahre 2008 mit der Vorlage des Kinderförderungsgesetzes vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend für eine höhere Betreuungs- und Bildungsqualität sorgen. Hierzu trat der Rechtsanspruch, verankert in § 24 Abs. 2 SGB VIII, auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung oder Tagespflege für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr im Jahre 2013 in Kraft. Somit stieg der Ausbau von frühkindlichen Betreuungseinrichtungen rasant an. Die Qualitätsentwicklung konnte jedoch mit dem quantitativen Ausbau von Krippen nicht mithalten. Die anschließende Konzentration der Politik Bildungspläne für die Kinderbetreuungseinrichtungen unter drei Jahren zu formulieren, welche bundesweit unterschiedlich ausgelegt werden, führten bislang nicht zur nachweislichen Qualitätssteigerung und Profitierung der Kinder in Krippen. Die erneute, verstärkte Fokussierung der Bundesregierung in die Qualität von Krippen zu investieren, könnte ein Fundament in der Sicherung von Qualität in der frühkindlichen Bildung und Betreuung schaffen.

Problemstellung:

Das Thema Qualität in der frühkindlichen Fremdbetreuung wird kontrovers diskutiert. Zur Erreichung von Qualitätsstandards oder Verbesserung von Qualitätsbereichen existieren verschiedene Standpunkte. Im Endeffekt sind die Intentionen von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft das Wohlergehen von Kindern unter drei Jahren in Krippen sicherzustellen und die Förderung ihrer Bildungs- und Entwicklungsprozesse zu gewährleisten.

Die unterschiedliche Sichtweise der Qualitätserwartungen von Politik und Eltern hin zu erhöhten Anforderungen an das frühpädagogische Fachpersonal verdeutlichen die Spannungsfelder. Die geführten Diskussionen auf politischer und gesellschaftlicher Ebene wirken sich auf die Qualitätsentwicklung in der Praxis von Krippen aus.

Zudem unterscheidet sich die Qualität in Krippen je nach Region im Bundesland Deutschland. In Kritik stehen hierfür die bundesweit unterschiedlich ausgelegten Bildungspläne und zu oberflächlich formulierten Qualitätskriterien im Konzept der Betreuungseinrichtung2.

Stand der Forschung:

Untersuchungen über die Entwicklung von Kindergartenkindern fehlen bislang. Die einzige deutsche Längsschnittstudie, die sich auf 422 Kinder aus 103 Kindergartengruppen in fünf Bundesländern bezog (Tietze, 1998) zeigte erhebliche Defizite in der Qualität von Krippen auf. Zudem ergab die Forschung, dass positive Auswirkungen einer qualitativ guten Fremdbetreuung auf die sprachliche und soziale Entwicklung eines Kindes zu verzeichnen waren und umgekehrt.

Die Bertelmanns Studie (2018) hinterfragt die staatlichen Ausgaben für die institutionelle frühkindliche Fremdbetreuung. Schließlich lautet das Fazit, dass viel höhere finanzielle Mittel aufgewendet werden müssten, um die Qualität in Krippen zu steigern. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf Investitionen der Verbesserung von strukturellen Rahmenbedingungen (Personalschlüssel und Ausbildung von Fachkräften) hin zum Ausbau von weiteren benötigten Krippenplätzen.

Die Formulierung von einzelnen Faktoren und deren Zusammenhänge, die für die Entwicklung von Qualität maßgeblich sind liegen zwar vor, jedoch existiert keine Forschung die Einwirkfaktoren aus Politik und Gesellschaft mit berücksichtigt. Somit fehlt eine umfassende Qualitätsanalyse in Krippen mit der Berücksichtigung von entstehenden Rahmenbedingungen auf unterschiedlichen Ebenen.

Forschungsbestreben:

Die vorliegende Masterarbeit beschäftigt sich mit der Ausarbeitung von Rahmenbedingungen, die sich auf die Qualität in Krippen auswirken können. Die Betrachtung und Beeinflussung von Rahmenbedingungen auf die pädagogische Qualität wird aus verschiedenen Blickwinkeln unter Einbeziehung gegenwärtiger familien- und bildungspolitischen Zielvorgaben, gesellschaftlichen Vorstellungen sowie die Interessen des Kindes explorativ beleuchtet und detailliert mit Hilfe von theoretischen Erkenntnissen beschrieben (Bestandaufnahme). Ergänzend wurde eine schriftliche Befragung durchgeführt, die Einschätzungen der pädagogischen Fachkräfte3 zu Qualitätsmerkmalen ermittelte. Die Evaluierung von sich abzeichnenden unterschiedlich stark bewerteten Faktoren auf die Qualität und gegenseitige Beeinflussung soll mit den erarbeiteten Theorien ergänzt werden. Der Qualitätskriterienkatalog von Tietze und Viernickel (2005) dient hierbei als Forschungsrahmen in dem die forschungsrelevanten Faktoren der eigenen Untersuchung eingeordnet wurden.

Die Analyse erfolgt aus der Bewertung von den in der frühkindlichen Betreuung tätigen Fachkräften. Dadurch soll bewusst das gleichzeitige Anforderungsprofil der Fachkräfte aufgezeigt werden, die maßgeblich für die Umsetzung von Qualitätszielen in der Praxis beteiligt sind.

Mit den Ergebnissen der Masterarbeit soll eine empirische Basis für eine anschließende Diskussion geschaffen werden, in denen es um Diskrepanz zwischen den geforderten Leistungs- und Qualitätsansprüchen verschiedener Erwartungsträger (z.B. Eltern4, Träger,

Politik, Gesellschaft) und den real existierenden ungünstigen Arbeitsbedingungen geht (z.B. Personalmangel, Zeitdruck), die gemeinsam als Rahmenbedingungen den pädagogischen Alltag in der Kita bestimmen.

Die Forschungsansätze richten sich hierbei an folgende formulierte Fragen:

1. ,,Welche vorrangigen Faktoren beeinflussen die Qualitat in Krippen?"
2. ,,Wie wirken sich bestimmte Rahmenbedungugen institutioneller Einrichtungen auf die Qualitat fruhkindlicher Fremdbetreuug naus?"

Die Überzeugungen, dass die Rahmenbedingungen wesentlich für die nachhaltige Umsetzung von Bildungsplänen und qualitativer Steigerung der Qualität in institutionellen frühkindlichen Fremdbetreuungen ist, fließen als Hypothese in die Forschung mit ein.

Aufbau der Arbeit:

Die Masterarbeit gliedert sich in drei Teile: Theorie, Empirie und Gesamtdiskussion. Gegenstand von Teil I ist die theoretische Auseinandersetzung mit politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten der frühkindlichen Fremdbetreuung (Kapitel I_1). Als Grundlage wird die geschichtliche Entstehung von frühkindlichen Fremdbetreuungseinrichtungen erörtert (I_1.1.). Anschließend fokussiert Kapitel I_1.2. die familien- und bildungspolitischen Interessen und Verordnungen von institutionellen Betreuungseinrichtungen. Das zweite Kapitel widmet sich der terminologischen Klärung vom Begriff Qualität. Zunächst erfolgt die internationale Perspektive auf Qualität, wobei sich der Vergleich auf die familien- und bildungspolitischen Faktoren des Landes Schwedens beschränkt (I_2.1.). Im Anschluss wird der Begriff Qualität definiert und im Verhältnis der Bedeutung für deutsche Krippen hin analysiert (I_2.2.). Darauf aufbauend werden im dritten Kapitel die Qualitätsdimensionen dargestellt und inhaltlich mit einwirkenden Faktoren auf die Qualität in Krippen erläutert. Hierfür dient der Qualitätskriterienkatalog von Tietze und Viernickel (2005) als Grundlage der forschungsrelevanten Faktoren. Daran angeknüpft erfolgt Teil II, welcher den empirischen Teil der Masterarbeit beinhaltet. Zunächst wird die Methodik ausfuhrlich beschrieben (Stichprobe, Durchfuhrung, Datenauswertung...) (II_1). Kapitel II_2 efasst sich mit der Ergebnisdarstellung der erhobenen Daten. Dabei orientiert sich die Reihenfolge der Auswertung an der Fragebogenstruktur. Der abschließende Teil III der Masterarbeit führt die Ergebnisse aus Teil I und II in einer Gesamtdiskussion zusammen. Kapitel III_1 dient vorab dem Zweck, die methodischen Stärken und Schwächen der Forschungsarbeit zu reflektieren. Die Orientierung und Zuordnung der aufgelisteten Einzelbefunde erfolgt in den Qualitätsdimensionen von Tietze und Viernickel (2005). Die Strukturierung dient der Beantwortung der Forschungsfragen (III_2). Zum Abschluss wird ein Ausblick gegeben, in dem die zentralen Erkenntnisse aufgegriffen und Handlungsempfehlungen formuliert werden, die unter praktischen und gesellschafspolitischen Gesichtspunkten für die Qualitätsentwicklung in frühpädagogischen Betreuungseinrichtungen bedeutsam sein dürften͘

I Theoretischer Teil

Im Teil I der vorliegenden Masterarbeit werden begriffliche Definitionen, Erläuterungen und Analysen der Qualität im Verhältnis zur institutionellen frühkindlichen Fremdbetreuung thematisiert. Ergänzend erfolgt die Darlegung von politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich übergeordneten Einwirkungsfaktoren auf die Qualität in Krippen. Anschließend werden die Qualitätsdimensionen von Tietze und Viernickel (2005) mit der Herausarbeitung theoretischer Erkenntnisse und Umsetzung auf politischer, gesellschaftlicher und pädagogischer Ebene zur frühkindlichen Fremdbetreuung vorgestellt.

1. Politische, ökonomische und gesellschaftliche Aspekte der frühkindlichen Fremdbetreuung

Im ersten Kapitel erfolgt ein historischer Abriss über die Entstehung und Begründung von Betreuungseinrichtungen für Kinder vor dem Schuleintritt. Zudem die Entwicklungen und Formen der Finanzierung von öffentlicher Kleinkindererziehung. In den Ausführungen fließen sowohl bildungspolitische, als auch gesellschaftliche Diskurse aus der Entstehungszeit von institutionellen Betreuungseinrichtungen für Kinder zwischen null bis sechs Jahren, bis zur heutigen Zeit, ein.

1.1. Geschichtliche Entwicklung der institutionellen Kleinkindererziehung

Zu Beginn wird zum Verständnis von vorhandenen Strukturen in Betreuungseinrichtungen und entstandenen Qualitätskriterien geschichtliche Entwicklungsaspekte der öffentlichen Kleinkindererziehung erörtert. Auf die verschiedenen pädagogischen Entwicklungsformen von Kindergärten wird nicht weiter eingegangen, sondern lediglich auf ihre Entstehungsgründe.5

1.1.1. Fokus und Entstehung der ersten Kindergärten

Die Kindergärten haben die Entwicklung von Krippeneinrichtungen wesentlich beeinflusst, so dass die Entstehungsgeschichte maßgeblich für die Beweggründe und Etablierung von Krippen ist.

Bereits 1825 entstand der erste Kindergarten, welcher damals unter dem vordergründigen

Begriff 1825 entstand der erste Kindergarten" welcher damals unter dem vordergrundigen Begriff ,,Kleinkinderbewahranstalt" bekannt war (Erning et al. 1987a, S. 9).

Erst in den 40er Jahren etablierte sich der Begriff Kindergarten, benannt durch Friedrich Fröbel. Die pädagogischen Leitlinien der Erziehungseinrichtungen nach Fröbel beinhalten einen Garten, woraus die Namensgebung resultierte (Aden-Grossmann 2002, S. 31).

Weitere Begrifflichkeiten wie Kleinkinderschule oder Kleinkinderpflege vor der Etablierung ,,Kindergarten" lassen keine schlussigen nachsollziehbaren Beweise finden, welche Abgrenzungen sie möglicherweise zueinander hatten. Schon damals zeigten sich differenzierte Zielsetzungen, räumliche Bedingungen, Aufnahmealter, Betreuungszeitraum, Betreuungs-/ Bildungsangebote für Kinder und Ausbildungen der zu betreuenden Personen.

Vorwiegend befanden sich die Kindereinrichtungen in städtischen Gebieten (Erning et al., 1987b, S. 18-19).

Im Allgemeinen lassen sich als wesentliche Begründungsgedanken und Ziele von Fremdbetreuungseinrichtungen für Kinder folgende Aspekte nennen: Die wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Änderungsprozesse im 19. Jahrhundert beinhalten die Ausbreitung von Manufakturen, die eine Trennung von Familie und Produktionsstätte bedeutete. Dies hatte zur Folge, dass die damalige erzieherische Funktion, Kinder in die beruflichen Tätigkeiten hereinwachsen zu lassen, wegfiel. Zudem erlangte das Bürgertum in der geistesgeschichtlichen Bewegung der Aufklärung politische Mitbestimmung im Staat (Aden-Grossmann, 2002, S. 20-21).

Kinder aus Unterschichtshaushalten, die sich in prekären Lebenssituationen befanden sollten Zugang zu Bildungs- und Erziehungsangeboten bekommen, während den Frauen eine Erwerbstätigkeit ermöglicht werden sollte. So sollten finanziell prekäre Situationen für Familien verbessert werden und die dem Bürgertum entsprechende einheitliche Bildung und Förderung der Kinder stattfinden (ebd., S. 21; Erning et al., 1987a, S. 15).

Eltern aus anderen sozialen Schichten zeigte die Politik Vorteile der Betreuungseinrichtungen kleiner Kinder als Entlastungsmöglichkeit auf, welches durch die Entstehung von Kleinkinderbewahranstalten möglich wurde (ebd., S. 18).

Im eitraum der Auslagerung von Kleimkindern in ,,Aufbewahrungsinsatoristituten" wurde in der Verordnung festgelegt, dass keine Kinder unter fünf Jahren die Schule besuchen sollten, um sich auf die Unterrichtsaufgaben konzentrieren zu können. Die schulorganisatorische Reform führte zu fokussierten altersspezifischen Aufgaben (ebd., S. 19-21).

Dabei orientierten sich die ,,Aufsichtsschulen" ebenfalls am schulischen Vorbild. Der Gründer von Kleinkinderschulen, Julius Fölsing (1818-1882) unterschied aufgrund der sozialen Begebenheiten der Kinder die Aufgaben und Ziele von Bewahranstalten. Ä'XUFK Kleinkinderschulen können wir nun zwar der Armut, sofern sie in der Überbevölkerung und Arbeitslosigkeit ihren Grund findet, direkt nicht entgegenwirken. Aber der Rohheit, dem Leichtsinn, der Unmenschlichkeit, den Lastern und Verbrechen können wir entgegenwirken - zwar durch ein einziges Mittel: durch eine bessere Erziehung von unten auf" (Flosing [1846]) 1971, S. 150 in Aden-Grossmann, 2002, S. 27).

Die Unterscheidung Fölsings von Familien des Bürgertums und Proletarier6 hatte vordergründig die angenommenen seelisch und körperlich vernachlässigten Proletarierkinder vor der Verwahrlosung zu schützen. In zweiter Instanz ging es um pädagogische Erziehungsformen (ebd., S.27).

Ab 1843 breiteten sich die gegründeten christlich geprägten Kleinkinderschulen von Fölsing aus und dominierten die Angebote für Kleinkinderbewahranstalten (Erning et al., 1987a, S. 34-35).

Die pädagogischen Angebotsformen wurden gleichzeitig durch die Ansichten Friedrich Fröbels (1782-1852) erweitert und neu gestaltet. Er lehnte die Erbsünde ab und ging davon aus, dass jeder Mensch von Geburt an gut sei. Ziel müsse es sein den Kindern zu verhelfen ihr geistiges Potenzial zu entwickeln und eine Beziehung zwischen Individuum, Gott, Natur und Gesellschaft herzustellen. Im Mittelpunkt der Pädagogik Fröbels stand das kindliche Spiel, welches er als unabdingbar für die Entwicklung eines ausgeglichenen und arbeitsfähigen Menschen betrachtete (Aden-Grossmann, 2002, S.31-32).

Fröbel gilt als Vorreiter der heutigen Kindergärten und fand erst nach einer Reihe historischer Ereignisse7 eine größere Beachtung Ende der 60er Jahre. In der Zeit erlangte die institutionelle Einrichtung für Kinder wissenschaftliches und gesellschaftliches Interesse. Die bildungspolitischen Diskussionen führten im Deutschen Bildungsrat (1967-1970) zur Anerkennung von Kindergärten im Elementarbereich als Teil des gesamten Bildungswesens mit eigenständigem Bildungsauftrag. Einer einheitlichen Ausrichtung und einem Pflichtangebot wurde nicht zugestimmt (Erning et al., 1987b, S. 27).

Der quantitative Ausbau von Kindergärten stieg ab den 70er Jahren rasant an, um eine Betreuung von Kindern für alle Eltern zu ermöglichen. Im Jahr 1980 erreichten die von Land und Bund finanziell unterstützten Kindergärten Betreuungsplätze für Kinder zu 78,8 Prozent. Im Jahr 1960 lag die Anzahl lediglich bei 32,8 Prozent (Aden-Grossmann, 2002, S. 180-181). Aktuell liegt die Betreuungsquote bei 3-6 Jährigen im Kindergarten bei 93,6 Prozent. Somit lässt sich der rasante Aufschwung und Etablierung des Kindergartens über die Jahrzehnte verdeutlichen (Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2018, S. 20) .

1.1.2. Ausbau und Entstehung von Krippen

Zunächst zum Begriff ,,Krippe", deren Name ursprunglich als Futtertroge für (Nutz-)Tiere verwendet wurde. In den christlichen Erzählungen wurde damals das Jesuskind nach der Geburt als Notbehelf im Stall in solch eine Krippe gelegt. Die ungemütlichen Krippen mit stechenden Stroh und Ungeziefer gefüllt, deren Enge keine Bewegungen oder Sichtweite eines Kindes ermöglichten und sogar Potenzial zum Herausfallen hatten, etablierte sich als Begriff für die Betreuung von Kleinstkindern (Bodenburg und Kollmann, 2014, S. 33).

Die Etablierung von Krippen erfolte im Zuge von ,,[...] Nothilfe-Einrichtungen für Kinder, deren Mutter sich nicht um sie kumnern konnten" Sie rechtfertigten sich nicht als pädagogische, sondern als sozialhygienische Einrichtung (Reyer, Kleine, 1997 in Fried et al., 2012, S.92). Zwar wurde dem Kindergarten zunächst eine wichtigere Rolle und schnellere Entwicklung zugesprochen (s. Kapitel 1.1.1), dennoch sind die Angaben zur Entwicklung von Betreuungseinrichtungen für unter drei jährige Kinder im gleichen Zeitraum geschehen. Bei der bereits erwähnten Schwierigkeit, die anfänglichen Betreuungsformen aufgrund der unterschiedlichen Namen und Beschaffenheit voneinander zu trennen, kann keine klare politische oder gesellschaftliche Position zur damaligen Nutzung von Krippen oder Kindergärten erfolgen.

Bereits 1849 wurden in Deutschland die ersten Krippen gegründet, um die hohe Sterblichkeitsrate von Pflegekindern zu verringern und eine Betreuungsalternative für erwerbstätige Mütter zu schaffen. Die politischen Ziele sind gleichem Ursprung wie bei den Kindergärten, so vor allem die Verringerung von Armut durch Bildungsangebote. Jedoch sind in dieser Zeit pädagogische Ansätze nicht vorhanden, sondern die pflegerischen und hygienischen Kriterien stehen im Vordergrund. Die Beachtung von Einrichtungen für null bis drei jährige Kinder wurde bis Mitte des 20. Jahrhunderts kaum öffentlich thematisiert (Maywald et al., 2008, S. 24-27).

In der heutigen Zeit führt die Bezeichnung ,,Krippe" zu gemischten Gefuhlen und weiterhin nicht zu positiven Assoziation. Meinungen von damals kursieren in abgewandelter Form, dass Ä$EVFKLHEXQJ GHU .LQGHU³ LQ .ULSSHQ aus einer Notlage heraus erfolgt und umfangreiche Bildung, Betreuung und Erziehung in einer anregenden Atmosphäre Wunschvorstellungen sind (Bodenburg und Kollmann, 2014, S. 33).

Die aktuellen Diskussionen und Meinungen zu Krippenerziehung spiegeln sich in der Vorstellung zum Begriff ,,Krippe" wieder.Der Versuch einen neuen Namen zu etablieren, scheiterte an der klaren Abtrennung von Kindergärten oder Spielgruppen, sowie an der Betreuungsform. Durch die Verbesserungen von Qualität in den Institutionen soll eine bessere Akzeptanz und Zustimmung von Krippen in der Bevölkerung erfolgen (Maywald et al., 2008, S. 20-21).

Zu DDR8 Zeiten fand die Krippenbetreuung in den 50er und 60er Jahren bereits großen Anklang. Zuletzt befanden sich 80 Prozent der zwei bis drei jährigen Kinder, die im Osten lebten, in Krippen. Zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei Prozent in Westdeutschland. Die Etablierung von Krippen in den Großstädten im Osten von Deutschland half den vielen Müttern, die für den Familienunterhalt arbeiten gehen mussten und deren familiäres Netzwerk für eine Betreuung zuhause nicht ausreichend war (van Dieken, 2009, S. 14).

Im Osten folgten die Kindergärten ein einheitliches Bildungssystem, während dessen Krippen bislang aus der geschilderten geschichtlichen Aspekten heraus dem Gesundheitswesen angehörten (Fried et al., 2012, S. 94).

Ab 1970 mit dem allgemeinen Ausbau der Betreuungseinrichtungen und der antiautoritären studentischen Bewegung zur Arbeiterklasse wurde der Bedarf an Krippen deutlicher. Frauen aus dem akademischen Mittelstand forderten Betreuungsmöglichkeiten ihrer Kinder während des Studiums und der Arbeit ein. Hieraus entstanden Kleinkindereinrichtungen, die von Elterninitiativen geleitet wurden (Aden-Grossmann, 2002, S. 132-138).

Die Begründung der Politik, weshalb in Westdeutschland die gewünschte und benötigte Kleinkindbetreuung erst ab den 70er Jahren Aufschwung bekam, waren die bis dahin vorherrschenden Familienideale (Männer arbeiten und Frauen kümmern sich um Kind und Haushalt) und mangelnder Nachfrage an weiblichen Arbeitskräften (Maywald et al., 2008, S. 28).

Nach der Wiedervereinigung von Deutschland im Jahre 1989 ,,entwickelte sich die offentlich finanzierte Tagesbetreuung von Kindern zu einem Dienstleistungsangebot für Familien und .LQGHU³ (Colberg-Schrader in Fried et al., 2012, S. 94).

Die unterschiedlichen Meinungen für und gegen Krippen weichten sich allmählich auf, da die vereinten Bundesländer von ihren gegenseitigen Erfahrungen profitierten (Maywald et al., 2008, S. 28-29).

Die Erkenntnisse und Forschungen aus den Krippenbetreuungen in den 70er Jahren fielen negativ auf, die vor allem mangelnde individuelle Zuwendung, Bindungsangebote, Stress und sprachliche sowie emotionale Förderung für die Kinder aufzeigten. Daraufhin veränderte sich die Krippenpädagogik und die gezielte Hinwendung zu den Kindern unter drei Jahren in Krippen.

In Umfragen und Stimmungsbildern von Frauen aus Deutschland wurde 2007 deutlich, dass die Mehrheit der Mütter sich eine Verbindung von Berufstätigkeit und Kindererziehung vorstellen. Der Ausbau von Krippenplätzen wird größtenteils befürwortet und die Wahlmöglichkeit seine Kinder in die Krippenbetreuung zu geben als wichtig erachtet (Köcher, 2007 in Maywald et al., 2008, S. 34).

Nach dem Rechtsanspruch auf einem Betreuungsplatz für Kinder zwischen drei und sechs Jahren (1996) führte das Kinderförderungsgesetz auch einen Rechtsanspruch für Kinder ab dem ersten Lebensjahr im Jahre 2013 ein. Dieser Rechtsanspruch ist in § 24 Abs. 2 SGB VIII verankert. Bis August 2013 sollten für 35 Prozent aller Kinder, die in diese Altersklasse fallen, Krippenplätze entstehen. Der quantitative Ausbau von Betreuungseinrichtungen und die demnach zwangsläufige finanzielle Unterstützung seitens der Politik hierfür stieg somit rasant in ganz Deutschland (Bodenburg und Kollmann, 2014, S. 21).

Abbildung 1: Anzahl und Quote der Kinder in Kindertagesbetreuung 2006-2017

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.), 2018, S. 4

Die Abbildung 1 präsentiert die aktuell gemessene Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren (s. linke Grafik) und von Kindern von drei bis sechs Jahren (s. rechte Grafik). Der steigende Betreuungsbedarf, führte zur anschließenden Qualitätsoffensive. Pädagog*innen, Wissenschaftler*innen und schließlich Eltern bemängelten die Qualität von Krippen. Die bildungspolitischen Ziele (s. Kapitel 2) lassen sich nur entfalten, wenn die unterstützende und stimulierende Vermittlung aus Umwelt, Erziehung und Tätigkeiten stattfinden kann (Fried et al., 2012, S. 39).

Die vorherrschenden Ziele von einheitlicher Bildung und Teilhabe für alle Kinder aus unterschiedlichen Bildungsschichten und kulturellen Hintergründen muss mit umsetzbaren pädagogischen Konzepten auf Kinder unter drei Jahren zugeschnitten sein (ebd., 43-44). Nach dem quantitativen Ausbau von Krippeneinrichtungen muss sich die Familien- und Bildungspolitik auf gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Drängen hin fokussieren die benannten Bildungsziele in qualitativer Form umzusetzen (s. Kapitel 2).

Der gesellschaftliche Wandel lässt sich schwer darauf zurückzuführen, ob die wirtschaftlichen Veränderungen vordergründig dazu geführt haben, dass Krippenbetreuungen stark zunahmen (s. Kapitel I_1.1) oder die Forderung der Gesellschaft nach Gleichberechtigung/ Gleichstellung von Frauen und Männern einen erheblichen ersten Schritt in dem quantitativen Ausbau von Krippenplätzen schaffte. Die gegenseitige Abdingbarkeit lässt sich nicht ausschließen. Außerdem zeigen die Entwicklungen von Kindergärten und Krippen viele Überschneidungen und gleiche Ursprünge geschichtlicher Ereignisse.

In Hinblick auf die Beantwortung der Forschungsfragen sollen die staatlichen Möglichkeiten und Beeinflussungen auf die Qualität beleuchtet werden. Der Einfluss des Familiensystems in der Krippenbetreuung und der Unterschied zwischen privater und öffentlicher Erziehung wird in der Ausführung von den Qualitätsdimensionen (s. Kapitel 3.3.2. Zusammenarbeit mit der Elternschaft) berücksichtigt.

1.2. Krippen im Fokus und Debatte der Familien- und Bildungspolitik

Die im vorigen Kapitel erörterte geschichtliche Entwicklung von institutionellen Betreuungseinrichtungen für Kinder zeigt die verschiedenen Facetten und Begründungen von der Entstehung der Kleinkinderbetreuungseinrichtungen. In diesem Kapitel sollen die aktuellen familien- und bildungspolitischen Leitlinien, Debatten und einfließenden sozialwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Komponenten von frühkindlicher Fremdbetreuung von Kinder unter drei Jahren beleuchtet werden. Die Ausführung und Berücksichtigung der Debatten auf unterschiedlichen Ebenen ist wichtig für die Fokussierung sowie Entwicklung von Qualitätsmerkmalen in Krippen.

Der Bildungspolitik ist die Orientierung an wissenschaftsbezogenem Lernen im Vorschulbereich, Kinder im fünften und sechsten Lebensjahr, wichtig (Aden-Grossmann, 2002, S. 191-193).

Jedoch zeigen sich die pädagogischen Entwicklungen und somit Festlegungen in den Konzeptionen von frühkindlichen Fremdbetreuungseinrichtungen, dass lernorientierte/ schulische Ansätze vermehrt Anklang finden. Solche pädagogischen Orientierungen fließen ebenfalls in die Qualitätsdebatten ein.

Aus heutiger Sicht sind die sozialpolitischen Ziele von institutioneller Fremdbetreuung für Kinder unter drei Jahren die selbigen wie in der Etablierungszeit9, nur mit Abänderungen und Ergänzungen. So, sagt das Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (2005): ÄEine gute Kinderbetreuungsqualität habe positive Effekte auf die Entwicklung der kindlichen Fähigkeiten. Dies könne dazu führen, dass geringere öffentlich finanzierte Mittel während der Schullaufbahn oder im Jugendhilfebereich notwendig werden. Längerfristig seien höhere Lebenseinkommen, eine geringere Sozialhilfeabhängigkeit oder eine geringere Kriminalitat zu erwarten" (Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2005, S. 15).

Zusätzlich werden die volkswirtschaftlichen Einsparnisse von frühzeitiger Arbeitsaufnahme von Müttern betont. Stadler fasst die drei Hauptaussagen von moderner Familienpolitik folglich kritisch zusammen: Ä"1 .LQGHU EUDXFKHQ %HWUHXXQJ XQG LQGLYLGXHOOH )|UGHUXQJ XP LKU YROOHV Potenzial zu entfalten. 2. Mütter brauchen Betreuung für ihre Kinder, um Familie und Beruf zu vereinbaren. 3. Eine Politik, die Betreuung und individuelle Förderung ermöglicht, ist deshalb Familienfreundlich" (Stadler, 2014, S. 133).

Sogleich bringt der Autor Maywald die resultierenden Begebenheiten von ausbauender Krippenbetreuung auf den Punkt:

,,Kaum ein anderes politisches Thema liegt so sehr an der Schnittstelle zwischen Privatheit und Öffentlichkeit und ist daher so sehr geprägt von den eigenen Erfahrungen bzw. von dem, was dafür gehalten wird, wie eben die Debatte über frühkindliche Betreuung³ (Maywald et al., 2008, S. 11).

Die Streitpunkte und Diskussionsebenen sind vielfältig. Auf der gesellschaftlichen Ebene herrschen starke polarisierenden Meinungen zu Krippenerziehung oder Betreuung in den ersten Lebensjahren zuhause. Hierzu zählen Themen wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und Bindungsverhalten von Kindern (ebd., S.12). Auf der politischen/ ökonomischen Ebene wird über die Qualitätsanforderungen von Krippen und Förderungen von Kleinkindern gesprochen sowie welche Möglichkeiten und Entlastungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geschaffen werden müssten. Außerdem ist die Uberlegung, das sogenannte bestrebte ,,Humankapital" auszubauen. Das heißt, durch die Möglichkeiten von Krippenbetreuung die Beschäftigungsrate von Müttern und Geburtenrate von Kindern zu erhöhen. Das zusätzliche genutzte Potenzial von qualifizierten Frauen und Nachwuchs fördert die deutsche Wirtschaft (ebd., S.18).

Der politische und wirtschaftliche Einfluss auf das Familienleben und die Beachtung kindlicher Bedürfnisse bei der Förderung von Fremdbetreuungseinrichtungen zeigt die emotionalen wechselseitigen Diskussionen aller Beteiligten.

Die Herausforderungen des deutschen Staates sind die arbeitsmarktpolitischen Anforderungen nicht einseitig zu betrachten und zu fordern, sondern eine familienkompatible Arbeitsmarktstruktur zu schaffen. Ziel der Krippen ist es somit, die Erwerbstätigkeit beider Elternteile zu ermöglichen (Maywald et al., 2008, S. 18).

Hierbei ergeben sich Wahlmöglichkeiten der Eltern, ihre Betreuungsformen der Kinder und Arbeitsmodelle zu wählen. Die Vielfalt an solchen Vereinbarkeitsmöglichkeiten zeigt die unterschiedlichen Bedürfnisse der Gesellschaft.

Kritische Stimmen wie Stadler behaupten, dass die Familienpolitik stark für die Krippe als frühförderliche Institution wirbt, da die ökonomischen Vorteile bei dieser Betreuungsform am höchsten liegen. Die Ausgaben des Staates für Ausbildungen von Fachkräften für die Betreuung von Kleinkindern und der Bezahlung von erwerbstätigen Frauen ist geringer als im Gegensatz zu den staatlichen Steuern, die dadurch eingenommen werden. Zudem ist es mittlerweile aus wirtschaftlichen Gründen (steigende Mehrwertsteuer, Kosten für Lebensunterhalt) für viele Familien unabdingbar, dass beide Elternteile arbeiten gehen, um die Familie zu ernähren. Die Wahlfreiheit fällt für viele Familien weg, ob ihr Kind fremd betreut werden sollte. Die Vorteile des Staates sind somit höhere geldliche Einnahmen und die Kontrolle über bildungspolitische Ziele, als wenn das Kind zuhause betreut wird (Stadler, 2014, S. 29-30, 86).

Der im Zuge des gesellschaftlichen Wandels traditioneller Familien- und Lebensformen entstandene Bedarf an Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren forderte stärke finanzielle Unterstützung des deutschen Staates. Die Ausgaben im sozialen Sektor stiegen zwar zwangsläufig mit der Schaffung von Krippenplätzen, dennoch reichen die Ausgaben nicht aus, um die Qualitätsforderungen (s. Kapitel 3) zu entgegnen. In dem beschlossenen Qualitätsausbau von Bund, Länder und Kommunen wurden in einem Koalitionsvertrag finanzielle Ausgaben des Staates für die Steigerung von Qualität zugesichert. Die Steigerung der finanziellen Ausgaben für Kindertagesbetreuungen von insgesamt 3,5 Milliarden Euro bis 2021 reichen nach Umfragen der Bertelsmann-Stiftung weiterhin nicht aus, um Maßnahmen der Qualität in Betreuungseinrichtungen zu steigern (Bertelsmann Stiftung, 2018, S. 11).

1.2.1. Sozialisationserfahrungen in frühkindlichen Betreuungseinrichtungen

Im Anschluss an der Darstellung von bildungs- und familienpolitischen Zielen im Bereich frühkindlicher Fremdbetreuung erfolgt eine Vertiefung der sozialpolitischen Leitgedanken.

Die Autorin Christel van Dieken (2008) hat die positiven Argumente für außerfamiliärer Betreuung von kleinen Kindern zusammenfassend mit den frühen Sozialisationserfahrungen, erweiterte Erfahrungsräume und Entwicklungs-möglichkeiten10 erklärt (van Dieken, 2009, S. 11).

Eingehend auf die Sozialisationserfahrungen der Kinder, welche in der Bildungspolitik mit der Integration von benachteiligten Kindern erweitert wird, erfolgen positive Standpunkte hierzu. Soziale Erfahrungen, die ein kleines Kind in den Betreuungseinrichtungen macht, sind vielfältig, individuell und von einer Reihe von vorhandenen Begebenheiten abhängig (s. Qualitätsdimensionen Kapitel 3). In diesem Abschnitt wird das Augenmerk auf das Konzept der Sozialisation gerichtet. Die Definition von Hurrelmann:

,,Sozialisation bezeichnet [...] den Prozess, in dessen Verlauf sich der mit einer biologischen Ausstattung versehene menschliche Organismus zu einer sozial handlungsfähigen Persönlichkeit bildet, die sich über den Lebenslauf hinweg in Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen weiterentwickelt. Sozialisation ist die lebenslange Aneignung von und Auseinandersetzung mit den natürlichen Anlagen, insbesondere den korperlichen und phychischen Grundlagen, die fur den Menschen die ,,innere" Realitat bilden, und der sozialen und physikalischen Umwelt, die fur den Menschen die ,,auBere" Realitat bilden" (Hurrelmann, 2006, S. 14 in Fried et al., 2012, S. 46)

entspricht der internationalen Ansicht, das heranwachsende Individuum in Beziehung zur Gesellschaft zu setzen, indem der Mensch agieren kann und sich nicht nur als passives Objekt durch die Gemeinschaft entwickelt (Fried et al., 2012, S. 46). Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass bereits Neugeborenen soziales Handlungsvermögen zugesprochen wird, die sie durch Sozialisationserfahrungen weiterentwickeln. Die primären Beziehungen und sozialen Erfahrungen werden der Familie und enge gesellschaftlichen Instanzen zugeschrieben. Sozialisationsprozesse in Kindertagesstätten ist zudem ein wichtiger aktueller Forschungsbestand geworden. Griebel und Niesel (2004) behaupten, dass Ä.Uippenkinder häufig als sozial kompetenter und hilfsbereiter, aber auch als selbstbewusster und durchsetzungsfahiger beschrieben [werden]" (Griebel und Niesel, 2004, S. 65).

Die Erkenntnis vieler Wissenschaftler, dass sich die kindlichen Selbstbildungsprozesse im sozialen Miteinander entfalten lassen durch kreative Tätigkeiten, welche vom Kind selbst initiiert werden (Maywald et al., 2008, S. 126). So können Kinder in Eigeninitiative oder Vorbild der anderen Kinder Konzentration, Körperbeherrschung und feinmotorische Geschicklichkeit erlernen (Maywald et al., 2008, S. 128).

Die Verknupfung von Sozialisation und Erziehung bezeichnet Hurrelmann als ,,organisierte' Sozialisation" , in der es um die bewusste und gezielte Unterstutzung sowie Anregung von Entwicklungs- und Bildungsprozessen geht (Hurrelmann, 2006 in Fried et al., 2012, S. 47).

Die Verknupfung von Kleinkindern kann dazu verhelfen eine ,,organisierte' Sozialisation" zu schaffen. Es sind die gleichen wechselseitigen Wirkungen und positiven Sozialisationserfahrungen von dem Kind als Subjekt in der Gemeinschaft der Betreuungseinrichtung zu agieren und objektiv beeinflusst zu werden, von denen die Familien- und Bildungspolitik ebenfalls spricht. In den Institutionen werden bestimmte Verhaltensweisen und sozialer Umgang erlernt, Aktivitäten, Rituale und Regeln eingeprägt beziehungsweise anerzogen. Soziale Ungleichheiten und kulturelle Differenzen sollen hiermit vermieden werden, da in den Einrichtungen ein jedes Kind in Interaktion mit den Erzieher*innen den Alltag nach bestimmten pädagogischen Konzepten und im sozialen Miteinander erleben, die sie auf allen Ebenen (körperlich, geistig und emotional) prägen (Fried et al., 2012, S. 48-49).

Bereits Ende der 50er Jahre zeigten Ergebnisse aus der Sozialisationsforschung, dass ,,intellektuelle Leistungsfahigkeit eines Menschen nicht allein das Ergebnis ererbter Begabung ist, sondern dass die Höhe der Intelligenz durch Erziehungs- und Bildungsmaßnahmen [in sozialer Interaktion ± Anm. d. Verf.] beeinflussbar ist. Insbesondere solche Maßnahmen, die bereits im frühen Kindesalter einsetzen, seien erfolgsversprechender als eine erst im Schulalter beginnende Forderung"(Aden-Grossmann, 2002, S. 163-164).

Fried (2012) verweist hierbei auf die Wichtigkeit von Qualitätsmerkmalen zur räumlichen Struktur und Reflexionsvermögen der Fachkräfte11, die Diversität von Kindern und ihren Familien im pädagogischen Alltag zu berücksichtigen und gleichsam anzunehmen. Die multikulturellen Beziehungen und Situationen beeinflussen genauso stark den Alltag in Krippen wie umgekehrt beschrieben (Fried et al., 2012, S.49).

Die geförderten und als vorteilhaft deklarierten Sozialisationserfahrungen durch außerfamiliärer Betreuung, die in dieser Form als schwierig umsetzbar für Familien angesehen werden, führen zum weiteren Anstieg von Familien ihre Kinder unter drei Jahren in die Fremdbetreuung zu geben.

1.2.2. Vereinbarkeit Familie und Beruf

Das folgende Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Betreuungskultur und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Bereits aufgezeigt wurden die historischen Eckpunkte zur Entstehung und der Bedarf von Familien, ihre Kinder in die Fremdbetreuung zu geben, ergänzend mit der Ansicht, dass eine außerfamiliäre Betreuung sich positiv auf die ganzheitliche Entwicklung des Kindes auswirken kann.

In den folgenden Abschnitten wird auf die staatliche Förderung von Familien eingegangen, sowie die zusätzliche Schwierigkeit für Familien Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung zu vereinbaren. Hierbei wird die gesellschaftliche Komponente ebenfalls berücksichtigt.

Staatliche Familienleistungen

Die Familienpolitik wendet eine Reihe von finanziellen Mitteln für Familien auf. Zu den staatlichen Familienleistungen12 gehören beispielsweise Kindergeld, Elterngeld, Arbeitslosengeld und Mutterschutz mit anschließender Elternzeit. Der Bundesstaat Deutschland möchte mit diesen Leistungen eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen. Ein Nachteilsausgleich von Familien wird angestrebt, um die Entwicklung und Förderung eines jeden Kindes in der Bundesrepublik Deutschland zu gewähren. Zudem strebt die Familienpolitik durch die bereitgestellte finanzielle Unterstützung für Familien eine Entlastung der finanziellen Sorgen an, um die Entscheidung Kinder zu bekommen zu erleichtern (Bundesministerium für Familie et al., 2012, S. 7).

In Anknüpfung an die Betreuungskultur wird das Elterngeld als mögliche Begründung für berufliche Tätigkeiten beider Elternteile und resultierende Fremdbetreuung der Kinder aufgeführt. Die Rechtshistorikerin Eva Schuhmann kritisiert, dass das Elterngeld keine sozialen Ungleichheiten behebt, sondern Besserverdiener auch mehr vom Geld profitieren, da es auf berufliche Einkünfte bemessen wird. Das Elterngeld trat 2007 anstelle vom Erziehungsgeld ein und statt 300 Euro auf zwei Jahre zu zahlen, wird das Elterngeld auf 67 Prozent der zuletzt erzielten Monatseinkünfte berechnet. Hierbei wird mindestens 300 Euro und höchstens 1800 Euro ausgezahlt, dabei ist die Auszahlung auf 14 Monate begrenzt.

Schuhmann, sowie andere ozialforscher werfen dem staat ,,Akkehr vom aktivierenden Sozialstaat" vor. Dies bedeutet dass der Staat die besser verdienenden Familien belohnt und qualifizierte, gut verdienende Frauen motivieren soll mehr Kinder zu bekommen und baldmöglichst in die Erwerbstätigkeit nach der Geburt eines Kindes zurückzukehren, da die finanziellen Mittel zeitlich stärker begrenzt wurden (Stadler, 2014, S. 26-28).

Dies bedeutet im Umkehrschluss, die Betreuung von den Kindern sicherzustellen, wenn beide Elternteile arbeiten gehen müssen. Deshalb darf die Erwähnung von Spannungsfeldern zwischen Familie, Beruf und institutionelle Fremdbetreuung der Kleinkinder nicht fehlen.

Kostenregelungen von Krippen

Für die Organisation und Führung der institutionellen Kinderbetreuung in Deutschland ist die Kinder- und Jugendhilfe zuständig. Diese ist wiederum in Kreisen, Städten und Gemeinden verankert. Wie in Kapitel I_2.2. Auffassung Qualitätsbegriff in deutschen Krippen noch ausführlicher erwähnt wird, sind die Zielvereinbarungen in der Kinder- und Jugendhilfe auf Landesebene nicht einheitlich geregelt, sondern obliegt dem Sozial- oder Bildungsministerium der Bundesländer. Die Bundesregierung ist verpflichtet sich um die vorhandenen Betreuungseinrichtungen, aufgrund des Rechtsanspruches auf einen Betreuungsplatz für Kinder zwischen einem Jahr bis zum Schuleinritt (§24 SGB VIII), zu kümmern. Als weitere Aufgaben muss die Bundesregierung für den Schutz von Kindern sorgen und Modellprojekte von institutionellen Betreuungseinrichtungen anregen und finanziell unterstützen (Bruun, 2007, S. 12).

Die institutionellen Betreuungsangebote für Kinder werden von nicht staatlichen Organisationen, den sogenannten freien Trägern übernommen. Hierzu zählen auch die kirchlich gestützten Betreuungseinrichtungen und konfessionslosen Träger wie die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) (ebd., S. 12-13).

In Deutschland fallen für die Kindertagesplätze Gebühren an, welcher sich nach dem Einkommen der Eltern richtet. Hierbei werden Geringverdiener*innen und arbeitslose Eltern finanziell vom Staat unterstützt. Zudem bieten größere Unternehmen ihren Angestellten Bezuschussungen für die betriebseigene oder externe Kinderbetreuung an. In Deutschland existiert keine einheitliche Finanzierungsstruktur, somit entscheiden die Kommunen der einzelnen Bundesländer wie hoch der Beitragsanteil der Eltern für die externe Kinderbetreuung ist. Die Elternbeiträge variieren wiederum je nach gewählter Betreuungsform (Tagespflege, Tagesmutter, Kindergarten). In allen Bundesländern werden Krippen und Kindergärten mit öffentlichen Mitteln bezuschusst und sind in der Regel günstiger als andere Betreuungsformen. Die Kinderbetreuungskosten können zum Teil steuerlich abgesetzt werden (Wolf und Grgic, 2009, S. 15-16).

Die Umfrage der Bertelsmann Stiftung zeigt (s. Abbildung 2: Beitragskosten für institutionelle Kinderbetreuung, dass trotz Bezuschussungen des Staates gerade die Geringverdiener*innen hohe Kosten für die Fremdbetreuung ihrer Kinder aufwenden müssen, die durch zusätzlich anfallende Kosten (Mahlzeiten, Ausflüge, Hygieneartikel, Bastelmaterialien) steigen.

Abbildung 2: Beitragskosten für institutionelle Kinderbetreuung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Bertelsmann Stiftung, 2018, S. 9

Die Tendenz, die Kosten für Krippe und Kindergarten abzuschaffen und Familien finanziell zu entlasten, steigt. Einige Bundesländer haben bereits Regelungen getroffen das letzte Jahr der Betreuung vor Schuleintritt gebührenfrei zu machen. Ab August 2018 zahlen Familien in Hessen und Niedersachsen keine Beiträge mehr für den Kindergarten für die drei bis sechs jährigen Kinder (Bertelsmann Stiftung, 2018, S. 3).

Die Daten der ,,Kindertagesbetreuung Kompakt" (2017) Zeigen, dass zum eine Platze und Betreuungszeiten für einige Familien zu wenig sind (bis zu 35 Std.) und zum anderen Familien gerne weniger Betreuungsstunden in Anspruch nehmen würden.

Abbildung 3: Vertraglich vereinbarter/ gewünschter Betreuungsumfang

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrg.), 2018, S. 5

Ab 35 vereinbarte Betreuungsstunden oder mehr bildet sich ein deutliches Bild von Familien ab, die sich viel weniger Betreuungsstunden wünschten.

Aus der groBangeleten Befragung von ,,Kindertagesbetreuung kompakt" (2017) geht hervor,dass 33,1 % der bundesweit befragten Eltern einen Krippenplatz in Anspruch nehmen und der Bedarf wiederum bei 45, 2 % liegt. Die Differenz zeigt, dass der Ausbau der institutionellen Kindertagesbetreuung weiterhin vorangehen muss (Familienministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2018, S. 12).

Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Druck auf Frauen

Der gesellschaftliche Druck liegt in der Entscheidung, das Kind frühzeitig in die Fremdbetreuung zu geben, um finanzielle Einbußen aufzulösen oder den erhofften Beruf (erneut) aufzunehmen (Stadler, 2014, S. 36-37).

Vor allem Frauen werden durch die Debatten Frühförderung und Emanzipation zur Erwerbstätigkeit und Abgabe der Kinder in Krippen gedrängt. Die aktuelle Zahl von erwerbstätigen Müttern in Deutschland liegt bei 73,6 Prozent (Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

Die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen, dass Eltern zwar die wichtigsten Beziehungs- und Erziehungspersonen für ihre Kinder bleiben, aber dennoch die Ergänzungen durch Krippenbetreuungen wahrnehmen sollen, ergeben sich gerade für Frauen verschiedene Problematiken. Hieraus entwickelt sich ein Paradoxon: Auf der einen Seite werden Mütter, die ihre Kinder früh in Krippen geben, als ,,Rabenmutter"13 bezeichnet und auf der anderen Seite gelten Mutter als ,,konventionelle Hausfrauen"14 die ihre Kinder in den ersten Lebensjahren lieber zuhause betreuen wollen und somit die der Gleichberechtigung und feministischen Errungenschaften im Weg stehen.

Oftmals werden die Frauen auch vom Arbeitgeber gedrängt, ihren Arbeitsplatz wieder nach der Geburt zu besetzen. Die Mutterschaft und Entscheidung für die Betreuung von Kindern zuhause als sogenannte ,,Hausfrau" wird damals wie heute weder ausreichend wertgeschätzt, noch finanziell langwierig vom Staat gefördert. Im Gegenteil haben Frauenrechtsbewegungen und feministische Gruppen zu einem verzerrten Bild geführt. In der Gesellschaft ist mit der Emanzipation und Gleichberechtigung der Frau die Wertschätzung von arbeitenden Frauen gestiegen und als Ausdruck von Emanzipierung angesehen. Die Rolle des Mannes, mehr Verantwortung in der Kinderbetreuung zu übernehmen, wird dabei im Zuge der Gleichstellung nicht bedacht. Zumal bis heute das Einkommen der Frau bei gleicher Arbeit und generell im Verhältnis zum Mann geringer ist15 und häufig mit Entscheidungsgründe sind, dass der Mann arbeiten geht (Stadler, 2014, S. 107, 171, 194-195).

Merkle kommt in ihrer Untersuchung von 1994 zum Ergebnis,

,,daB [sic] ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz keinen Beitrag zu einer Verbesserung der simultanen Vereinbarkeit von Beruf und Familie leistet. Nur dann wenn qualitativ hochwertige Kinderbetreuungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, welche ganztägig genutzt werden können und ein hohes Maß an Flexibilität aufweisen, haben Frauen mit Kindern eine wirkliche Wahlmöglichkeit zwischen Berufs- und Familienarbeit" (Merkle, 1994, S. 272).

Der Rechtsanspruch folgte in den darauffolgenden Jahren, aber wie Merkle erwartete, besteht weiterhin das Spannungsfeld von Familien, Beruf und Kinderbetreuung zusammenzubekommen. Flexiblere Öffnungszeiten von Krippen und allgemeine Qualität von Krippen könnten zudem auch auf der emotionalen Ebene die Schuldgefühle und den Zwiespalt von meist Müttern, ihre null bis drei jährigen Kinder in die Ganztagsbetreuung abzugeben, lockern16. Außerdem müsse sich die polarisierende Stigmatisierung von Müttern, die arbeiten gehen und den Müttern, welche zuhause bleiben, lösen.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die aufgeführten geschichtlichen Entwicklungsprozesse der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft weitreichende Bedeutungen für die Herausbildung von Familie und Kinderbetreuung hat. Die heutige Selbstverständlichkeit, Kinder in öffentlichen Institutionen zu geben und sich die Erziehung aufzuteilen, ist ein Prozess der Neuzeit. Die Kernbereiche Sozialisation und Bildung der Kinder durch frühpädagogische Angebote wie der Krippenbetreuung zu ergänzen, ist eine weitere Entwicklung, die sich bereits in der Gesellschaft etabliert hat und diese nicht nur zur Betreuung und Erwerbsmöglichkeit dient.

Die Hinwendung des Sozialstaates, finanzielle Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, erfolgt zudem auf den ,,Mehrwet gesellschaftlicher Funktionen".

'Da ,,Bildung, betreuung und Erziehung in Kindertagegeseinrichtungen Leistungen erbringen, die über Hilfen zu Entwicklung und Aufforderungen zur Bildung von Kindern hinausgehen: Sie tragen zur Gleichstellung von Frauen und Männern bei, sie sind ein Instrument zur Armutsbekämpfung und der sozialen Inklusion, indem sie die Startchancen von Kindern aus unterschiedlichen sozialen und kulturellen Milieus verbessern. Tageseinrichtungen für Kinder ermöglichen Eltern, als Familie zu leben, indem sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen³ (Liedle, 2001 in Fried et al., 2012, S. 91).

2. Qualitätskriterien für die institutionelle frühkindliche Fremdbetreuung

Die angesprochene Aktualität des Ausbaus von Krippen durch das eingeführte Kinderförderungsgesetztes führte zu einer Fokussierung der Schaffung von Betreuungsplätzen. Der quantitative Aspekt rückte qualitative Faktoren in den Hintergrund. Die wenigen empirischen Forschungen NUBBEK-Studie (2012), Bertelsmann-Stiftung (2018) und Tietze (2005) kritisierten deutlich die mangelnde Qualität in frühpädagogischen Einrichtungen. Die Wissenschaftler*innen sind sich einig, dass eine Verknüpfung zwischen Qualität und Profitierung der Kinder in institutionellen Fremdbetreuungseinrichtungen besteht.

Im Jahr 2014 beschloss daraufhin die Bundesfamilienministerin mit den zuständigen Länderminister*innen gemeinsame Qualitätsziele in Kindertagesbetreuungen voranzubringen. Die Orientierung bleibt weiterhin dabei insbesondere bildungsbenachteiligten Kindern frühkindliche Bildung durch pädagogische Fremdbetreuungseinrichtungen zu ermöglichen. In den nachfolgenden Kapiteln soll auf den Begriff und Inhalt von Qualität in Kindertagesstätten eingegangen werden.

2.1. Internationaler Vergleich der Kindertagesbetreuung

Bei der Qualitätsdebatte und einfließenden Diskussionen zur ergänzten Förderlichkeit von Betreuungseinrichtungen für unter drei jährige Kinder lohnt sich der Blick auf die internationale Betreuungskultur und Familienpolitik anderer Länder. Im engeren Sinne wird speziell ein übersichtlicher Vergleich zu Schweden aufgezeigt. Das Land Schweden eignet sich als Vergleichspartner, da Studien wie PISA (2015) und UNICEF (2008) die Qualität frühkindlicher Bildung im Zusammenhang von Vereinbarkeit Familie und Beruf sehr hoch einschätzen. Die Vergleichbarkeit beschränkt sich auf die politischen Regelungen von Kindertagesbetreuungen. Eine Fokussierung auf explizite Umsetzungen von Qualität in schwedischen Kindertagesstätten kann im Rahmen der Masterarbeit nicht erfolgen. In Hinblick auf die Forschungsfragen können die Unterschiede zwischen deutscher und schwedischer Familienpolitik und Betreuungskultur wesentliche Erkenntnisse für die abschließende Diskussion liefern.

Erwähnenswert ist hierbei, dass die skandinavischen Länder die Ersten auf dem Weg von der familiären Betreuung hin zur institutionellen Betreuung waren (Juul, 2012, S. 14).

Die Ergebnisse aus der UNICEF Studie (2008) zur frühkindlichen Bildung in den OECD - Ländern17 lassen einen Vergleich, anhand von zehn Mindeststandards guter Kinderbetreuung, ziehen (s. Abbildung 9: Frühkindliche Bildung in den OECD Ländern. Eine neuere Vergleichsstudie und entsprechende Ergebnisse zur Ausgestaltung der Kinderbetreuung und Familienpolitik zwischen den OECD Ländern existieren nicht. Anzumerken sei, dass sich tendenziell die Werte für Deutschland in den letzten Jahren verbessert haben. Die Tabelle (s. Abbildung 9) zeigt, dass vor allem die skandinavischen Länder bei den untersuchten Indikatoren am Besten im Vergleich zu den anderen 25 Industrieländern18 abschneiden. Deutschland erfüllt in dieser Zeit gerade einmal fünf der zehn geforderten Mindeststandards. Vorallem der Bereich der Kinderbetreuung unter drei Jahren und geldliche Ausgaben sind ausbaufähig. Hinsichtlich der Reformen in Deutschland zur Betreuung von Kindern unter drei Jahren und den steigenden Qualitätsanforderungen haben sich die Kritikpunkte verringert. Mit der Gewährleistung von einem Jahr Elternzeit bei fortlaufendendem, reduziertem Gehalt erfüllt Deutschland als eines der wenigen OECD Länder das vorgegebene Kriterium (s. Abbildung 9: Frühkindliche Bildung in den OECD Ländern.

Finanzierung

In Bezug auf die Kinderbetreuung wird deutlich, dass der Zugang zur frühkindlichen Bildung unter drei Jahren in vielen europäischen Ländern staatlich gefördert und reguliert wird.

Die Betreuungsformen in Schweden sind ähnlich wie in Deutschland geregelt und ebenfalls durch Gemeinden und Kommunen verwaltet, sowie finanziert. Die öffentlichen Betreuungseinrichtungen sind bei einem Betreuungsumfang von drei Stunden am Tag gebührenfrei. Dies ist aufgrund von staatlichen Zuschüssen und Steuereinnahmen der schwedischen Bürger*innen möglich. Die Gemeinden sorgen für ausreichend Betreuungsplätze für Kinder, welche wiederum Elternbeiträge einfordern können. Ein einheitliches Gebührensystem für die Kinderbetreuung existiert in Schweden nicht. In Schweden werden sowohl die privaten, als auch die öffentlichen Träger vom Staat bezuschusst (Schwedisches Institut 2005; Wolf und Grgic, 2009, S. 15-16).

Die Bildungs- und Familienpolitik in Schweden gibt rund 46 Milliarden SEK19, somit fast zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes für den allgemeinen Betreuungs- und Bildungssektor aus (OECD, 2017, S. 90). Für die Kinderbetreuung werden 18.653 Millionen SEK (¼ +2.066 0LR) aufgebracht.

Vereinbarkeit Familie und Beruf

Hervorzuheben ist die Etablierung familienpolitischer Förderungen und Ansichten zur institutionellen frühkindlichen Fremdbetreuung in Schweden.20

Die skandinavischen Länder, insbesondere Schweden, welches als einziges Land in der Studie zur frühkindlichen Bildung (s. Abbildung 9: Frühkindliche Bildung in den OECD Ländern) alle 10 Indikatoren erfüllt, hat sich im Gegenteil zu Deutschland weitaus früher um den quantitativen und qualitativen Ausbau von institutioneller Kinderbetreuung gekümmert. Schweden orientiert sich bis heute an den Theorien von Alva und Gunnar Myrdal. Das schwedische Ehepaar hat in den 30er Jahren die Empfehlung für Kinder in institutionellen Betreuungseinrichtungen ausgesprochen, da Kinder nicht in die Industriewelt der Erwachsenen passen und die Erwerbstätigkeit der Mütter verhindern. Die pädagogische Erziehung, die kleine Kinder von Eltern erhalten, könne durch fundierte erzieherische Methoden bereits im Kleinkindalter ergänzt und die Entwicklung von Kindern optimiert werden, sodass ein ,,physisch gesunderes und starkeres Geschlecht als fruher [heranwachsen kann-And. d. Verf.]"(Myrdall in Stadler, 2014, S.143).

Die Institutionen in Schweden setzen so auf flexible Öffnungszeiten, die an den Bedürfnissen der Eltern angepasst sind, so dass betriebliche Kinderbetreuungen mit Angeboten von Firmen nicht benötigt werden (Veil, 2006, S. 29-30).

Die Erwerbsquote von Frauen und Männern in Schweden ist fast identisch und ändert sich nicht mit der Geburt von Kindern. Gründe hierfür: Die finanziellen familiären Angebote sind ähnlich wie in Deutschland nur mit dem Zusatz, dass die Regelungen und Finanzierungen unabhängig vom Familienstand gelten. Das Land Schweden stellt sicher, dass jedes Kind ein Betreuungsplatz erhält und die Arbeitgeber*innen häufig familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anbieten sowie ein Recht auf den ursprünglichen Arbeitsplatz nach der Elternzeit besteht. Diese Faktoren ermöglichen eine unkomplizierte Wiederaufnahme des Berufes. Zudem sind die gesellschaftlichen Werte und Gedanken zum Familienmodell eine sehr Moderne. In Schweden nehmen Väter genauso selbstverständlich Erziehungsurlaub wie Mütter (Stern, 2007, S.76-78, S. 121).

Für schwedische Familien stellt sich durch die längere Etablierung von Krippen, staatliche Regulierung sowie reibungslose Ausführung von institutioneller Betreuung die Diskussion der heimischen Betreuung von Kindern unter drei Jahren selten beziehungsweise ist kein Bestandteil des öffentlichen Diskurses. Die kritische Meinung von Stadler besteht sowohl in Deutschland als auch in Schweden, dass die hohe Besteuerung der Bürger*innen beide

Elternteile quasi nötigt arbeiten zu gehen, um sich ihr Leben zu finanzieren (Stadler, 2014, S.145).

Dabei ist auffallend, dass obwohl die Erwerbstätigkeit von Frauen in Schweden so hoch ist, sich die Geburtenzahl konstant hält. Die Geburtenrate (1,85 Kinder je Frau) und Erwerbstätigkeit von Frauen (78,3%) in Schweden ist im Vergleich zu Deutschland21 und anderen europäischen Ländern sehr hoch (Statistisches Bundesamt, 2016).

Die Regelungen und Familienfreundlichkeit von Unternehmen erlauben den Eltern bei Krankheit des Kindes ohne finanzielle Einbußen sich bis zu 120 Tage im Jahr von der Arbeit freizustellen. Dies ist durch die Elternversicherung innerhalb der Krankenversicherung von den schwedischen Bürgern geregelt (Stern, 2007, S. 76-78). Hierbei zeigt sich, dass die Familienpolitik in Schweden große finanzielle Ausgaben schafft.

Qualität in schwedischen Daghem22

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiegelt sich in der Qualität von Betreuungseinrichtungen in Schweden wieder. Schweden erhebt jährlich Statistiken zur Strukturqualität in den Kinderbetreuungseinrichtungen, um langfristige Veränderungsprozesse nachzuvollziehen. Ebenso wird die Servicequalität (Eltern als Kund*innen) auf verschiedene Aspekte hin kontrolliert, um den Eltern die Sicherheit und das Vertrauen zu geben, dass ihr Kind nach Qualitätsstandards betreut wird. Einen weiteren Unterschied in der Qualitätssicherung und Vorgehensweise zeigt Schweden in der Zielsetzung der Ergebnisqualität. Schwedische Betreuungseinrichtungen fokussieren sich nicht an den Auswirkungen und der zu erreichenden Bildung und Betreuung zur Förderung der kindlichen Entwicklung. Vielmehr setzen sie den Fokus auf die Prozessqualität und Verbesserungen, die sich auf die Ergebnisqualität auswirken sollen. Die pädagogischen Prozesse werden regelmäßig auf die durchzuführenden Angebote mit Kindern und die Erzieher-Kind-Beziehung evaluiert. Zusammen mit der Elternarbeit werden die Faktoren als maßgeblich für die Qualität in schwedischen Kinderbetreuungen angesehen. Die festgelegten Ziele und Richtlinien zur Prozessqualität erklären Schwedens große Bemühungen, eine hochqualifizierte Ausbildung bei den Fachkräften zu gewährleisten und einen hohen Betreuungsschlüssel zu erreichen. Regelmäßige Fortbildungen des pädagogischen Personals gehören ebenfalls dazu (Gunnarson, 2007, S.1258-1260).

Die finanziellen Ausgaben für Kindertagesstätten in Schweden fließen unter anderem in die Ausbildung und Anzahl von Fachkräften in den Daghem. Der Betreuungsschlüssel in Schweden liegt bei ungefähr 1:5. Das bedeutet, dass auf eine Fachkraft fünf zu betreuende Kinder kommen.

Um in schwedischen frühpädagogischen Einrichtungen zu arbeiten benötigen die Fachkräfte einen qualifizierten Hochschulabschluss. Die Kompetenz dieser schwedischen Mitarbeiter*innen werden als sehr hoch eingeschätzt (Pramling, 1998).

Außerdem sind in Schweden frühzeitig gesetzliche Bestimmungen zu Gesundheits- und Sicherheitsstandards, zur Mindestfläche pro Kind sowie zu den räumlichen Bedingungen und zur Ausstattung festgelegt, wobei diese durch Dezentralisierung und Privatisierung abgeändert werden können, dabei dennoch gute Qualität beweisen (ebd.).

Die familienpolitischen Maßnahmen in Schweden mit der Anpassung der Kindertagesbetreuungen an die familiären Begebenheiten, sowie die Zusammenarbeit der Eltern in den Institutionen, spricht für Schwedens Familienfreundlichkeit.

[...]


1 Die Betreuungseinrichtungen von Kindern von null bis drei Jahre werden synonym mit folgenden Wörtern zusammengefasst: Kindertagesbetreuung/-einrichtung, Krippe, Betreuungseinrichtung Die Bezeichnung Kindergarten meint ausschließlich die Betreuung von Kindern ab dem dritten Lebensjahr bis Eintritt in das Schulalter.

2 Auf die Unterschiede von Bedingungen und Entwicklungen von Qualität in den einzelnen Bundesländern wird nur am Rande eingegangen. Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge beziehen sich auf die Gesamtheit der Qualitätszustände in deutschen Krippen.

3 Unter dem Begriff ,,padagogische Fachkrafte" oder ,,Padagog8*innen" werden Kinderpfleger*innen, Sozialpädagogische Assistent*innen, Erzieher*innen, Kindheitspädagog*innen und weiteres pädagogisches Personal, die in Krippen tätig sind, zusammengefasst.

4 Das Eingehen auf verschiedene Familienmodelle ist im Rahmen der Masterarbeit nicht möglich. Da Eltern in der Betreuung von Kindern die häufigste Form darstellen wird dieser durchgehend für die folgenden Kapitel verwendet.Der Begriff Eltern steht hier stellvertretend für jegliche geschlechtsunabhängigen Erwachsenen, die die Betreuung und Versorgung des Kindes als Hauptbezugsperson im Familiensystem übernehmen.

5 Die pädagogischen Konzepte und Entwicklungsformen sind sehr umfangreich, einige Beispiele wären Montessori Pädagogik, Waldorfpädagogik, Reggio Pädagogik oder der situative Ansatz. Eine Differenzierung der verschiedenen Konzepte auf die Auswirkungen der Qualität in Krippen kann im Rahmen dieser Masterarbeit nicht geleistet werden. Der Fokus wird auf die Etablierung öffentlicher Kindergärten und Krippen gelegt.

6 Karl Marx und Engels (1848) sprachen von einer Klassentheorie, die in Zeiten der Industrialisierung deutlich auf die Ungleichheiten der Bevölkerung aufmerksam machten. Hierbei sind die Klassen Bürgertum (Bourgeoisie) und Proletariat zu nennen. Sie besitzen die Produktionsmittel und häufen Kapital an. Das Proletariat besitzt keine eigenen Produktionsmittel und ist darauf angewiesen sich als Arbeitskraft zu verkaufen. Der soziale und finanzielle Status des Proletariats ist gering (Marx und Engels, 2006).

7 Im Rahmen der Masterarbeit wird auf eine weitere detaillierte Ausführung verzichtet, da die Geschehnisse keine Relevanz für die Forschungsfragen aufweisen. Ausführliche Erläuterungen können bei Aden-Grossmann (2002) oder Erning (1987b) nachgelesen werden.

8 Deutsche Demokratische Republik

9 Im Überblick: Eltern können am Erwerbsleben teilnehmen oder vermeiden, aus der Erwerbstätigkeit auszusteigen; Kindertagesstätten spielen eine wichtige Rolle für die Integration, Sozialisation und Ausbildung von Kindern und beeinflussen damit die Ausprägung von Humankapital; die Lebensqualität der Einwohner und die Standortattraktivität für Unternehmen werden gesteigert (s. Kapitel 1).

10 Auf die Erfahrungsräume von Kindern wird in Kapitel 3.2.1 näher eingegangen. Im Rahmen dieser Masterarbeit wird auf die einzelnen Entwicklungsstufen von Kindern zwischen null bis drei Jahren nicht explizit eingegangen. Im Kapitel Ä3.3.1. Grundbedürfnisse des Kindes in den ersten drei Lebensjahren" werden die Grundbedürfnisse eines Kindes im Zusammenhang der Relevanz von Qualität erläutert.

11 Auf die Qualitätsmerkmale wird in Kapitel 3 eingegangen.

12 Im Rahmen der Masterarbeit wird nicht ausführlicher auf die staatlichen Leistungen für Familien eingegangen, sondern in Bezugnahme auf die Forschungsfragen angerissen (s. Literatur von Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend).

13 Die Bezeichnung ,,Rabenmutter ist negative behaftet und steht symbolisch fur die Mutter welches ihr kind noch ehe es fliegen kann verlässt. Die Begrifflichkeit bezeichnen Frauen, die Mutterschaft und Selbstverwirklichung auf dem Arbeitsmarkt zu kombinieren versuchen. Die Kinder werden meist bereits in frühen Lebensjahren in institutionellen Kindertagesstätten fremd betreut (Berggren und Trägårdh, 2006, S. 295).

14 Der Begriff ,,konventionelle Hausfrau" bezeichnet Frauen und zumiest Mutter, die keine Erwerbstatigkeit nachgehen, sich um den Haushalt und Kinder kümmern, während der Mann arbeiten geht. Ein klassisches Rollenbild aus den 50er Jahren. (Johansson, 2007, S. 146, 164).

15 Im Schnitt verdienen Frauen in Deutschland 22% weniger Geld als Männer (Bundeszentrale für politische Bildung, 2017).

16 Auf die Unsicherheit und Bedenken von Eltern ihre Kinder in die Fremdbetreuung abzugeben und die Auswirkungen auf die Kinder werden in Kapitel Ä3.3.2. Zusammenarbeit mit der Elternschaft³ QlKHU HUOlXWHUW.

17 ÄDas Ziel der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Co- operation and Development, OECD) ist es, eine Politik zu befördern, die das Leben der Menschen weltweit in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht verbessert³ (OECD, 2018) Zu den OECD Ländern zählen aktuell 36 Staaten (ebd.).

18 Industrielander sind die ,,Bezeichnung für Staaten, deren Wirtschaft hauptsächlich durch die Industrie getragen wird. Diese Länder verfügen über ein hohes Pro-Kopf-Einkommen, einen hohen Technologiestandard, kapitalintensive Güterproduktionen, sehr hohe Produktivität, hohes Bildungsniveau, rege außenwirtschaftliche Beziehungen sowie eine konvertible und meistens stabile Wahrung" (Bundeszentrale für politische Bildung, 2016).

19 SEK= Schwedische Kronen; 46 Milliarden SEK= entspricht fast 4,4 Milliarden Euro

20 Im Rahmen der Masterarbeit kann auf die möglichen gesellschaftlichen/ kulturellen Unterschiede und Lebensweisen nicht eingegangen werden. Die Fokussierung liegt auf den politischen Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

21 Die Geburtenrate liegt in Deutschland bei 1,59 Kinder je Frau und steigt damit in den letzten Jahren wieder an. Deutschland liegt damit im europäischen Mittelfeld (Statistisches Bundesamt, 2016)

22 Daghem= schwedisches Wort für Krippen beziehungsweise Betreuung von Kindern unter drei Jahren.

Details

Seiten
93
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346046956
ISBN (Buch)
9783346046963
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497597
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg – Sozial- und Rechtswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Masterarbeit Qualität Sozialpädagogik Krippe Kindertagesstätte Politik Familienpolitik Bildung Personalschlüssel Fachkraft Pädagogik Fremdbetreuung Qualitätsdimensionen quantitativ empirische Forschung Arbeitszufriedenheit Grundbedürfnisse Kinder Ausbildung Konzeption Rollenverständnis Selbstreflexion Qualitätsbegriff Schweden Vergleich Geschichte Institution

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Titel: Wie gelingt frühkindliche Fremdbetreuung? Zusammenhang zwischen Rahmenbedingungen und Qualität der Kinderbetreuung in institutionellen Einrichtungen