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Kaiser Hadrians Konsolidierungspolitik als eine fakultative Entscheidung

Bachelorarbeit 2017 36 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

I. Einführung
1. Historischer Kontext
2. Zur Trajans Expansionspolitik
3. Allgemeines zu Hadrian
3.1. Kinder- und Jugendzeit / Familie
3.2. Senatorische Laufbahn
4. Zur Verwirklichung der Konsolidierungspolitik

II. Hadrians Konsolidierungspolitik - Eine fakultative Entscheidung
1. Hadrians Persönlichkeit und Interessen
2. Hadrians Münzprägungen
3. Komplikationen mit dem Senat
4. Hadrian und das Heer.
5. Hadrian und die Provinzen
6. Augustus als Vorbild?

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Kaiser Hadrians (117-138) Charakter und seine Hinterlassenschaft haben die Menschen über Jahrhunderte fasziniert.1 Er ist aufgrund seiner regen Tätigkeit auf militärischem, juristischem und administrativem Gebiet einer der bedeutendsten Herrscher der Römischen Kaiserzeit. Durch seine intensiven Bemühungen um einen inneren Ausbau der Provinzen hat er die Entwicklung des Reiches sowohl außen- als auch innenpolitisch entscheidend beeinflusst und gilt daher zurecht, wie Kornemann behauptet, als ein „großer Adoptionsherrscher“. Henderson betitelt den Herrscher als „Begründer des Goldenen Zeitalters der Antonine“ und nach Taeger sei er „eine der geistig bedeutendsten Herrschergestalten der Menschheitsgeschichte. Darüber hinaus zählt er, wie in der Forschung und Literatur zahlreich wiederholt wird, zu den „interessantesten Figuren der antiken Welt“.2

Drei Jahrhunderte lang hatte das Römische Reich immer neue Länder in Europa, Nordafrika und dem mittleren Osten erobert. Kaiser Hadrian jedoch schlug einen neuen Kurs ein. Er legte den Fokus auf Konsolidierung, statt sich, als oberstes Ziel römischer Außenpolitik, die Expansion vorzunehmen. Damit kehrte er sich von seinen Vorgängern ab. War dieser neue Kurs Hadrians eine fakultative Entscheidung, die das Imperium und den Lauf der Geschichte verändern sollte oder war dieser neue Kurs durch die zeitgenössische Lage und den Rahmenbedingungen bedingt? Diese Fragen stellt die Untersuchung der vorliegenden Arbeit dar.

Es werden Hinweise zu Beweggründen herausgearbeitet, die für eine fakultative Konsolidierungspolitik Hadrians sprechen. Die Betonung liegt hierbei auf Hinweise. Es sind keine sicheren Argumente, die die Ausgangsfrage zweifelsfrei mit „ja“ beantworten lassen. Aufgrund der „überbordende[n] Phantasie der Autoren, Sorglosigkeit im Umgang mit den Fakten, ausgeprägte[n] Parteilichkeit und mitunter auch einfach Unkenntnis der Sachverhalte“3 in historischen Erzählungen, ist es einem nicht möglich, die Konsolidierungspolitik Hadrians weder als notgedrungene noch als fakultative Entscheidung für einen gesicherten Fakt zu halten.

Um die Argumente jedoch stichhaltiger zu gestalten, wird auf die Frage eingegangen, ob und welche Alternativen Hadrian bei seinen politischen Entscheidungen gehabt hatte. Waren die Grenzen so stark überdehnt, dass eine Sicherung der Grenzen durch die Erbauung von Limes der einzig realisierbare Weg war? Bot sich keine Alternative zum Verzicht von exponierten Provinzen oder zur Beschränkung auf Bestandssicherung? Zudem wird das Heer vorgestellt und untersucht, ob es in der Lage war, Kriege zu führen und andere Länder einzunehmen. Zu guter Letzt soll auf die Frage eingegangen werden, ob Hadrian mögliche Vorbilder hatte, nach denen er seinen Richtungswechsel frei und bewusst gerichtet hat.

Die Motivation zu diesem Thema entsprach aus der Tatsache, dass in der Forschung zwar erwähnt wird, dass Hadrian politisch konsolidiert hat, jedoch nicht beurteilt wird, ob dieser Richtungswechsel von Hadrian fakultativ oder notgedrungen eingeschlagen wurde. So wie beispielsweise Alexander Demandt, der den Kaiser als „friedliebend“4 bezeichnet, diese Eigenschaft aber nicht untermauert.

Oder Karl Christ, der der Auffassung ist, Hadrian habe die tiefe Zäsur ganz bewusst herbeigeführt und „keineswegs nur impulsiv auf das Zusammentreffen nicht kalkulierter Katastrophen“ reagiert, sondern sich „für eine kohärente, neue Politik“5 entschieden, die langfristig angelegt war und tatsächlich die Entwicklungen im Imperium Romanum auf Jahrzehnte festlegen sollte. Zudem tituliert er Hadrian als „unermüdlicher Aktivist des Friedens“6. Mit „Frieden“ ist hierbei wohlmöglich die von Hadrian konsolidierte Politik gemeint. Denn das Verständnis von Frieden in der zeitgenössischen Zeit ist nicht mit dem unserer heutigen Zeit zu vergleichen.7

Zeitgenössische Quellen sind für die Untersuchung des Themas wichtig, da sich aus diesen Hinweise ableiten lassen. Zum einen ist für die Beurteilung die Vita Hadriani aus der Historia Augusta relevant. Sie beschreibt in 27 Kapitel in hauptsächlich chronologischer Weise das Leben des Kaisers Hadrian. Der Verfasser der Historia Augusta ist nicht bekannt. Die moderne Forschung hat dargestellt, dass die sechs genannten Autoren in den insgesamt 30 Viten fiktiv und frei erfunden sind. Die Historia Augusta ist mit Vorsicht zu behandeln, da sie einige nachweislich falsche Angaben enthält und zu Übertreibungen neigt. Trotz alle dem zählt die Vita Hadriani „zu den am wenigsten problematischen Biographien in der Historia Augusta“8. Zum anderen wird die Epitome 69 von Cassius Duo, ein griechischer Geschichtsschreiber und Senator, herangezogen. Leider lassen sich aus den beiden genannten Quellen nur vage Angaben entnehmen, aus denen hervorgeht, inwieweit die Konsolidierungspolitik Hadrians fakultativ getroffen wurde.

Die Autoren begnügen sich damit, wichtige Maßnahmen und Entscheidungen des Kaisers zu nennen, ohne aber Absichten, die hinter der Handlung stehen, zu erläutern. Sowohl die Historia Augusta als auch Cassius Dio begründen nur den anfänglichen Rückzug Hadrians, ohne seine ganze Konsolidierungspolitik zu erörtern. Laut der Historia Augusta sei der Rückzug Hadrians zu Regierungsbeginn auf die zahlreichen Unruhen zurückzuführen.9 Cassius Dio berichtet, dass viele eroberte Gebiete bereits unter Trajan aufgegeben werden mussten, weil sich die dortigen Völker erhoben.10 Neben den schriftlichen Quellen werden auch numismatische Belege herangeführt, um Eindrücke und Absichten Hadrians zu gewinnen.

Die Arbeit ist in zwei Kapiteln aufgeteilt. Um einen Überblick zu bekommen und die Besonderheit der hadrianischen Konsolidierungspolitik zu verstehen, wird im ersten Kapitel in die historische Zeit eingeführt. Dabei wird die Römische Kaiserzeit und Trajan, der Vorgänger Hadrians, in Betracht gezogen. Zudem wird die Person Hadrian vorgestellt, indem chronologisch seine Kinder- und Jugendzeit und Familie, seine senatorische Laufbahn bis zu seiner Machtübernahme vorgestellt wird. Möglicherweise lassen sich Rückschlüsse bei der Untersuchung der Frage auf seine Persönlichkeit ziehen. Außerdem wird allgemein seine Konsolidierungspolitik erläutert und aufgezeigt, inwiefern er sie verwirklichte.

Da dieses Kapitel der Einordnung gilt und in das Thema einführt, werden keine Quellen herangezogen, sondern sich auf die in diesen Punkten einigende Forschung gestützt. Im zweiten Teil wird das Thema untersucht, indem auf die Aspekte eingegangen wird, die für die Beantwortung der Fragen relevant sind. Dabei richtet sich der Fokus zunächst auf Hadrians Außendarstellung, die anhand von zahlreichen Münzen dargestellt wird.

Mit der Konsolidierungspolitik Hadrians ergaben sich Komplikationen mit dem Senat, welcher der Auffassung war, nur ein expandierender Kaiser sei ein „würdiger“ Kaiser.11 Nachdem die Beziehung zum Senat erläutert wird, wird auf das Heer eingegangen und die von Hadrian angestrebte Provinzialisierung vorgestellt. Abschließend wird untersucht, ob Hadrian mögliche Vorbilder hatte, nach denen er seine defensive Politik gerichtet hat, ehe in der Schlussbetrachtung die Hinweise für seine freie Konsolidierungspolitik zusammengefasst und die Ausgangsfrage noch einmal aufgegriffen wird.

Hauptteil I. Einführung

1. Historischer Kontext

Das Prinzipat - auch als Römische Kaiserzeit bezeichnet - bildet einen Epochenabschnitt der klassischen Antike, in dem Hadrian als einer von zahlreichen Kaisern herrschte. Sie wurde 27 v. Chr. gegründet und endete mit dem Regierungsbeginn von Kaiser Diokletian im Jahre 284.

Nach den Erschütterungen der späten Republik war es die Leistung des Reorganisators Augustus, die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturen des Römischen Reiches zu einer neuen Einheit zu verbinden und führte somit einen politischen Systemwechsel von der Republik zur Monarchie herbei.12 Nach der Beseitigung anfänglicher Probleme der neuen Ordnung, der Stärkung der Beziehung zu den Pathern, markierte Augustus für die Öffentlichkeit eine weitgehende Konsolidierung durch Sekularspielen im Jahre 17. „Die innenpolitischen Rahmenbedingungen stimmten, außenpolitisch gab es keine gravierenden Probleme und auch die Nachfolge schien durch die beiden Adoptivsöhne gesichert.“13

Augustus beeinflusste die innere Entwicklung vielfältig und tiefgreifend - sowohl mit innovativen als auch restaurativen Maßnahmen. Innovativ waren die „Verwaltungsmaßnahmen, mit denen er versuchte, die fast unregierbare Stadt Rom in den Griff zu bekommen und die schlimmsten Probleme anzugehen, die man in der Republik zwar erkannt hatte, aber nicht hatte lösen können“.14

Augustus hatte es geschafft, die lange Periode der Bürgerkriege endgültig zu beenden. Mit dem Bau der Monumente Pax Augusta-Altar und dem Forum Augusti mit dem Mars Ultor-Tempel wurde das endgültige Ende der Kriegsperiode dokumentiert. Hiermit wurden der von Augustus garantierte Frieden und die Stabilität wirtschaftlicher und sozialer Verhältnisse eingeleitet.15 Der Kaiser hatte in seiner langen Regierungszeit ein umfassendes Machtsystem entwickelt. „Er konnte zwar juristisch definierte Kompetenzen und sein immenses Vermögen an seine Nachfolger weitergeben, doch den Teil seiner Macht, den er selbst als eine auctoritas 16 umschrieb, war ebenso wie sein politisches Geschick nicht übertragbar.“17 Mit der Anweisung Augustus an seinen Nachfolger Tiberius, die in den letzten Jahren seiner Herrschaft zum Stillstand gekommene Expansionspolitik nicht fortzusetzen18, bekräftigt Augustus seine auf Konsolidierung des Reiches bedachte Ideologie.

Aufgrund eigener Ansprüche und veränderter politischer Situationen konnte Tiberius (14-37) den spätaugusteischen Kurs jedoch nicht fortsetzen. Er setzte die Eroberungskriege auf die Gebiete des rechtsrheinischen Germaniens fort, um die vorher verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Aufgrund der Kritik innerhalb Roms und zahlreichen soldatischen Verlusten zog Tiberius seine Anhänger zurück und beendete den Krieg. „Die Erben des Augustus blieben trotz der zunehmenden Konsolidierung des monarchischen Herrschaftssystems nicht minder der Pflicht unterworfen, ihren persönlichen Machtanspruch durch eine tatkräftige und erfolgreiche Bewährung in Krieg und Eroberung zu unterstreichen.

Blieb ein Kaiser der Beweis, ein großer Kriegsherr zu sein und den historischen Auftrag Roms, das Weltreich gemehrt zu haben, schuldig, drohte er seine Macht zu untergraben und seine aristokratische Ehre aufs Spiel zu setzen. Die Fortsetzung des Krieges und der Expansion war gleichzeitig eine Gelegenheit, um die Legionen zu beschäftigen und die ungebrochene Kriegslust der Senatoren, Ritter und Soldaten, die bestrebt waren, im Glanz ihrer Taten Karriere zu machen, zu stillen.“19 Die auf Tiberius folgenden Kaiser setzen ebenso alles daran, ihre Bereitschaft und ihr Können als Welteroberer und Weltherrscher nachhaltig unter Beweis zu stellen. Zum einen reagierten sie auf gewaltsame Übergriffe der Grenznachbarn, zum anderen suchten sie nach einem Vorwand, ihre militärischen Expansionsabsichten umzusetzen.20 So führte Claudius (41-54) mit der Eroberung der Provinzen Thrakien, Mauretanien, Noricum, Pamphylien und Lykien zu territorialen Erweiterungen des Römischen Reiches herbei. Die bedeutendste Expansion unter ihm war jedoch die Eroberung in Britannien.21 Sein Nachfolger Nero, der von 54 bis 68 regierte, knüpfte an seiner Expansionspolitik an. So wurden unter Nero Armenien eingenommen, Kriege gegen die Briten geführt und der Aufstand in Iudaea niedergeschlagen.22

Unter Vespasian (69-79) wurden die seit 43 allmählichen und ununterbrochenen Kämpfe gegen die Briten vorangetrieben. Außerdem wurden nördliche Gebiete von Wales und große Teile Schottlands erobert. Sein Sohn und Nachfolger Titus (79-81) führte seinen Kurs fort. In Britannien wurde die Offensive weiter geführt, ehe Domitian sie beendete, um die Kräfte gegen die Germanen zu bündeln.23 Domitian galt als ein Tyrann, der wenig Beliebtheit im Reich genoss. Es sei ein langersehnter Wunsch Domitians gewesen, an die Macht zu gelangen und die großen Heeresverbände zu kommandieren.

Mit seiner Machtübernahme konnte er seine aggressive Kriegspolitik einleiten und griff zunächst mit großem Aufwand und partiellem Erfolg die Germanen an. Es folgten Kämpfe gegen die Daker, ehe er einer Verschwörung zum Opfer gefallen war.24 Er setzte bei seinen außenpolitischen Tätigkeiten stets auf offene Gewalt. Seine Ermordung war die Folge einer Periode des Terrors mit Verbannungen, Verurteilungen, Justizmorden, Konfiskationen und Kriegen.25 Nach der nur zweijährigen Kaiserzeit Nervas kam Trajan (98-117) an die Macht. Seine Herrschaft drückt sich in ganz besonderem Maße durch militärische Tätigkeiten und große Eroberungen aus. Er eroberte Dakien und expandierte das Reich im Jahre 106 mit der Integrierung der Provinz Arabia.

Im Jahre 113 zog Trajan in den Partherkrieg. Auch wenn eine dauerhafte Lösung nicht erreicht wurde, so war Trajan der Römer, der den Parthern mit den größten Erfolgen entgegensetzte. Zur weiteren Expansionspolitik Trajans gehören die Eroberungen der Provinzen Armenia und Assyria. Es war nicht abzusehen, inwiefern Trajan das Römische Reich sichern würde und inwieweit er seine Expansion beabsichtigte. Mit seinem Tod im Jahre 117 und der Machtübernahme Hadrians wandelte sich die Außenpolitik des Römischen Reiches26, womit das „Goldene Zeitalter“27 und die „friedlichsten Jahre des Imperiums“28 eingeleitet wurden.

2. Zur Trajans Expansionspolitik

Um zu verdeutlichen, dass Hadrians Entscheidung zur Konsolidierungspolitik eine besondere Abkehr von seinem Vorgänger war, ist es wichtig Trajan und dessen Politik vorzustellen. Auch wenn Hadrian Vieles, vor allem in militärischer Hinsicht, von Trajan lernte, unterscheidet er sich extrem in der Wahl seines außenpolitischen Weges.

Wie bereits im vorherigen Unterkapitel angedeutet, hat noch nie ein Römischer Kaiser außenpolitische und militärische Siege in solcher Vielfältigkeit und Frequenz, aber auch in solcher Differenzierung gefeiert wie unter Trajan.29 Die Nachricht vom Tode Nervas, die ihm zugleich die Alleinherrschaft brachte, hatte Trajan im Jahre 98 in Köln erhalten. Statt zügig nach Rom zurückzukehren, um seine Herrschaft zu feiern, blieb er zur Überraschung seiner Landsleute am Rhein, wo er die Grenze planmäßig stabilisierte und absicherte. Bevor er nach Rom zurückkehrte, sorgte er für die Reorganisation der römischen Grenzverteidigung an der mittleren Donau gegen die Markomannen und andere germanische Stämme.30

Diese beiden geschilderten Maßnahmen scheinen als Vorbereitung für den ersten Dakerkrieg gewesen zu sein. Die Bodenschätze in Dakien und der damit verbundene Reichtum, könnten Hadrian veranlasst haben, gegen die Daker zu kämpfen, um ihr Reich einzunehmen und in das Römische Reich zu integrieren.31 Zudem ist es unumstritten, dass Trajan, der ein ausgezeichneter Feldherr war und starkes militärisches Wissen aufwies, stets einen „inneren Zwang zum aktiven Handeln, zur Profilierung und zum militärischen Erfolg“32 besaß.

Beide Gründe scheinen zwar plausibel gewesen zu sein, aber eine Rechtfertigung zur Vernichtung des Dakerreiches liefern sie nicht. Es war ausschließlich die Überzeugung Trajans, die für die zahlreichen Expansionen während seiner Regierungszeit entscheidend war. Trajan konnte die Daker zwar besiegen, jedoch forderte der Kampf viel Kraft, erschöpfte Verbände und viele Tote seitens der Römer. Zudem kam es paar Jahre später zum zweiten Dakerkrieg, bei dem Trajan die Daker eroberte und deren Reich zwischen Donau und den Karpaten zur römischen Provinz Dacia 33 aufbauen ließ.34 Trajan eroberte im selben Jahr (106) das Königreich der Nabatäer in Jordanien und auf dem Sinai. Das neugewonnene Territorium wandelte er in die Provinz Arabia um.35 „Sein Versuch, den Parthern Mesopotamien und Großarmenien abzunehmen, blieb nur Episode.“36 Zudem expandierte Trajan das Römische Reich, indem er die Provinzen Armenia (114), Assyria und Mesopotamia (115) eroberte und integrierte.37

3. Allgemeines zu Hadrian

3.1. Kinder- und Jugendzeit / Familie

Publius Aelius Hadrianus wurde am 24. Januar 76 n. Chr. in Rom als zweites Kind von Publius Aelius Hadrianus Afer und Domitia Paulina geboren.38 Hadrian hatte eine große Schwester, die nach seiner Mutter benannt war. Seine Vorfahren wanderten schon in republikanischer Zeit aus Mittelitalien nach Spanien aus, wovon einige Angehörige seit Generationen dem Senatorenstand angehörten.

Seine Mutter hingegen „stammte aus Gades, der ältesten Stadt Spaniens, eine phönizische Gründung, die sich nach langer karthagischer Herrschaft während des hannibalischen Krieges mit Rom verbündete.“39

Als Hadrians Vater im Jahre 86 starb, nahmen sich sein Verwandter Trajan (späterer Kaiser) und der Ritter Publius Acilius Attianus die Verantwortung des Jungen an. Sie ermöglichten ihm eine literarische Ausbildung, aus der seine leidenschaftliche Begeisterung für die griechische Kultur hervorgeht, sodass man ihn als Graeculus 40 bezeichnete. Trajan war bereits mit Plotina verheiratet. Sie und Hadrian pflegten später ein sehr herzliches Verhältnis zueinander.

Im Alter von ca. 14 Jahren kehrte der Junge Hadrian im Jahre 90 für einen vorübergehenden Zeitraum in seine Vaterstadt Italica, die der spanischen Provinz Baetica angehörte41, zurück.42 Dort widmete er sich insbesondere seiner Vorliebe, der Jagd. Zudem leistete er dort den Militärdienst ab. Über Hadrians vorherige Zeit sind keine Einzelheiten überliefert. Sein Vater, Afer, war wahrscheinlich unmittelbar nach Hadrians Geburt als Legionslegat, danach vermutlich als Statthalter in einer kaiserlichen Provinz oder als Legat eines Prokonsuls tätig.

Da die Mehrzahl dieser Provinzen im griechischen Osten lagen und senatorische Amtsträger von ihrer Familie begleitet wurden, könnte Hadrian bereits als Kind ein oder zwei Jahre im Osten verbracht und sich erste Eindrücke vom Hellenismus verschafft haben.43 44 Neben seiner literarischen Ausbildung lernte Hadrian bei einem grammaticus44, der ihm Unterricht in Grammatik und Rhetorik gab.

Hadrian beschäftigte sich zudem intensiv mit griechischen Studien. Als weitere Leidenschaft Hadrians gehörten die Architektur und die Musik (Hadrian sang und spielte Cithara45 )46 Zudem schrieb er „Gedichte und bestätigte sich auch als Maler und Bildhauer.“47

3.2. Senatorische Laufbahn

Nachdem Hadrian eine kurze Zeit in seiner Vaterstadt Italica verbracht hatte, begann um das Jahr 94 seine senatorische Laufbahn, für die sein Vormund Trajan den Grundstein legte.

Sie begann mit einem der vorsenatorischen Ämter, nämlich als decemvir stlitibus iudicandis. Hadrian war unter den „zehn Männern“, die einem Praetor untergestellt waren. Sie wurden mit einer Sondervollmacht ausgestattet und waren in einem Schwurgericht tätig, das zivile Angelegenheiten verhandelte. Zudem war Hadrian als Praefectus feriarum Latinarum tätig. Die feriae Latinarum gehörten zu den wichtigsten Feste der Antike und wurden in den albanischen Bergen abgehalten. Da alle Amtsträger zur Teilnahme des Festes verpflichtet waren, benötigten sie einen Stellvertreter, der sie vorübergehend vertritt, während sie auf dem Fest waren.

[...]


1 Vgl. T Opper. Machtmensch. 9.

2 S. Mortensen. Hadrian. 1.

3 A. Eich. Römische Kaiserzeit. 9.

4 A. Demandt. Weltgeschichte. 81.

5 K. Christ. Römische Kaiserzeit. 318.

6 Ebd. 318.

7 Frieden in der Antike = Erlangung von Frieden durch Krieg und Unterwerfung (Auszug aus Aurelius Augustinus, De civitate Dei, 19,12). Frieden heute = Erhalt des Friedens durch Vermeidung von Krieg.

8 G. Kerler. Außenpolitik. 25.

9 Vgl. HA. Hadrianus. 5.2-5.3.

10 Vgl. Cassius Dio. 68.29.1.

11 Vgl. W. Moschek. Römische Limes. 203.

12 Vgl. K. Christ. Römische Geschichte. 144.

13 H.-J. Gehrke/H. Schneider. Geschichte Antike. 358.

14 Ebd. 358.

15 Vgl. Ebd. 360.

16 Römischer Wertebegriff für „Würde“, „Ansehen“, „Einfluss“. Die auctoritas wirkte überall dort als regulierende Entscheidungsgrundlage, wo keine juristischen Vorschriften vorhanden waren.

17 Ebd. 363.

18 Vgl. M. Grant. Geschichte Roms. 223.

19 M. T. Schmitt. Römische Außenpolitik. 18.

20 Vgl. Ebd. 19.

21 Vgl. A. Eich. Römische Kaiserzeit. 90f.

22 Vgl. Ebd. 92ff.

23 Vgl. Ebd. 106ff.

24 Vgl. Ebd. 110.

25 Vgl. A. Heuß. Römische Geschichte. 393.

26 Vgl. W. Schuller. Römische Weltreich. 154f.

27 A. Eich. Römische Kaiserzeit. 126.

28 Ebd. 126.

29 Vgl. K. Christ. Römische Kaiserzeit. 292.

30 Vgl. Ebd. 294.

31 Vgl. Ebd. 295f.

32 Ebd. 296.

33 Ungefähr heutiges Rumänien.

34 Vgl. Ebd. 296ff

35 Vgl. E. Meyer-Zwiffelhoffer. Imperium Romanum. 31.

36 Ebd. 31.

37 Vgl. Ebd. 31.

38 Vgl. W. Eck. DNP. 124.

39 A. Birley. Rastlose Kaiser. 7.

40 Bezeichnung für „kleiner Grieche“ oder „Griechlein“. Seine Vorliebe zu Griechenland zeigte sich sowohl in seinen Handlungen, als auch in seinem äußerlichen Erscheinungsbild.

41 Im heutigen Andalusien (Spanien).

42 Vgl. M. Zahrnt. In: Römischen Kaiser (hg. v. Manfred Clauss u.a.).124.

43 Vgl. A. Birley. Rastlose Kaiser. 8ff.

44 Bezeichnet entweder einen Lehrer, der die fortgeschrittene Phase des Unterrichts leitet oder allgemein einen sprachwissenschaftlichen Gelehrten.

45 Musikinstrument: Saitenspiel.

46 Vgl. Ebd. 9f

47 S. Perowne. Hadrian. 21.

Details

Seiten
36
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346009838
ISBN (Buch)
9783346009845
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497179
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,3
Schlagworte
kaiser hadrians konsolidierungspolitik entscheidung

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Titel: Kaiser Hadrians Konsolidierungspolitik als eine fakultative Entscheidung