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Besonderheiten in den Hexenprozessen der frühen Neuzeit

Hexenprozesse und ihr Zusammenhang mit dem sozialen Status

Hausarbeit 2019 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis;

Einleitung

Ottilia Preußing

Michel Fritz und Ottilia Snonseil

Johannes Junius - Brief an die Tochter

Resümee

Ouellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung;

„Die Geschichte der Hexenverfolgungen gehört ohne Zweifel zu jenen historischen Themen, die große Aufmerksamkeit innerhalb wie außerhalb der [...] Wissenschaften] erfahren.“[1] Dieses Phänomen der frühen Neuzeit fasziniert und erschreckt zugleich. Allerdings wird dieses Interesse, außerhalb der Wissenschaft, häufig mit Verschwörungstheorien, Gerüchten und falschen Aussagen ,gefüttert‘.[2] Die Wahrheit über die Prozesse und Opfer zeigt nichts anderes so erschreckend, wie die Schicksale selbst. Allein im Deutschen Reich forderten die Verfolgungen ungefähr 25.000 Opfer.[3] Jedoch fanden Jagden auf Hexen nicht in allen Regionen in gleichem Maße statt, was die Opferzahlen der unterschiedlichen Regionen belegen.[4] Auch die Vorstellungen, was eine Hexe kennzeichnete, beziehungsweise was als Hexereidelikt verstanden wurde, war von der Region abhängig. Genauso wie die jeweiligen Schuldzuweisungen oder Geständnisse.[5] Dies führte dazu, dass es möglich war, dass man in den unterschiedlichen Regionen einer jeweils „[...] speziellen lokal geprägten Form von Hexerei [,..]“[6] begegnete, die aber dennoch die „[...] vier Hauptbestandteile der Hexenlehre (Teufelspakt, Teufelsbuhlschaft, Hexentanz, Schadenzauber) [,..]“[7] aufweisen. Durch eine hohe Übereinstimmung bestimmter Aspekte spricht man in der Wissenschaft bereits von einer gewissen Einheitlichkeit.[8] Dennoch stellen sich folgende Fragen:

Inwiefern lassen sich bei den ausgewählten Prozessen Besonderheiten nachweisen?

Sind Besonderheiten in Hexenprozessen abhängig von dem sozialen Status?

Verifiziert oder falsifiziert werden soll in dieser Arbeit die folgende These: ,Besonderheiten in den Hexenprozessen lassen sich in jeder betrachteten Region finden und sind vom sozialen Status abhängig. ‘

Das Forschungsinteresse zu diesem Thema begründet sich daraus, dass eines der von mir vorgestellten Opfer der Verfolgungen in Bad-Homburg, Ottilia Preußing, aus meiner Heimatstadt Mörfelden stammt.[9] Auch die Besonderheiten ihres Prozesses und ihrer Denunzierung haben das Interesse an ihr und anderen Einzelopfern geweckt. Eine sehr wichtige Quelle für diese Arbeit ist dementsprechend die Prozessakte zum Falle der Ottilia Preußing, aber auch die Prozessakten der anderen Opfer bilden einen wichtigen Bestandteil der Quellenarbeit.

Die ausgewählten Prozesse werden einzeln, beziehungsweise nach Regionen geordnet, vorgestellt. Gezielt soll hier nach Abweichungen und Besonderheiten im Prozess oder Geständnis gesucht werden. Diese Besonderheiten werden dann durch den Vergleich mit Sekundärliteratur als solche bestätigt oder widerlegt. Als Besonderheit soll hierbei alles gelten, was sich nicht mehrheitlich in anderen Prozessen vorfinden lässt, aber auch was so nicht dem üblichen Geschehen in den Prozessen entspricht. Bei einem abschließenden Resümee soll nochmals zusammenfassend festgestellt werden, ob Besonderheiten vorhanden sind und inwiefern der soziale Status hierbei eine Rolle spielt. Nachfolgend soll mit dem prominentesten Fall in Bad-Homburg[10] begonnen werden.

Ottilia Preußing;

Ottilia Preußing wurde in Mörfelden geboren und war die Witwe des 1645 verstorbenen Pfarrers Lorenz Preußing.[11] Ihre Prozessakte beginnt mit Denunziationen beziehungsweise Bekenntnissen anderer Opfer, die Ottilia beschuldigen bei zauberischen Handlungen, wie dem Schadenszauber,

Teufelstaufen und Hexentänzen anwesend gewesen zu sein.[12] Dies entspricht dem damals üblichen Glaubensbild über die Taten der Beschuldigten.[13] Interessant ist hierbei, dass sechs Personen aussagen, dass sie in einer Kutsche zu den Hexentänzen anreiste[14] und nicht wie im verbreiteten Hexenglauben auf einem Besen oder einem anderen verzauberten Gegenstand.[15] Von zwei Verurteilten wird Ottilia Preußing sogar beschuldigt, die Königin der Hexen zu sein. Die Frage, die sich an dieser Stelle stellt ist, ob diese Denunziationen aufgrund ihres sozialen Standes als Pfarrerswitwe entstanden. Auch wurde sie von einem Kind denunziert.[16] Dass Kinder in Hexenprozesse gerieten oder andere Personen denunzierten, war nicht ungewöhnlich. Geschuldet war dies, unter anderem der Tatsache, dass man glaubte Hexerei sei vererbbar.[17] Anschließend folgen in der Akte Aussagen von drei Gerichtsschöffen über Ottilia Preußings Ruf in der Gesellschaft. Sie sagen aus, dass Ottilia Preußing aufgrund von Zauberei einen schlechten Ruf bekommen habe, dass sie sich in Gesellschaft anderer der Zauberei beschuldigter Personen aufgehalten habe und dass sie sich so verdächtig gemacht habe, dass die Kinder auf der Straße zu ihr hindeuten. Dennoch betonen alle, dass sie sich gottesfürchtig und ehrbar verhalte und häufig die Kirche besuche.[18] Vermutlich wurden die Schöffen befragt, da die Anklage aufgrund von Bezichtigungen durch andere Hexen oder Gerüchten auch damals umstritten war.[19] Letztendlich galten Besagungen nicht als Beweis, sondern als Indiz.[20] Schließlich wird Ottilia Preußing doch vorgeladen und befragt. Der Abstand von der ersten Denunziation 1652 und der Vorladung 1654 könnte durchaus mit ihrem sozialen Status als Pfarrerswitwe Zusammenhängen.[21] Sie streitet die Vorwürfe ab und betont stets, dass ihr mit dieser Befragung und der Beschuldigung unrecht geschehe.[22]

Als sie auch nach nochmaliger gütlicher Aufforderung weiterhin abstreitet eine Hexe zu sein, bringt man sie in den Rathausturm[23], der damals als Gefängnis diente.[24] Am nächsten Tag konfrontierte man sie nun direkt mit den Verurteilten, die sie bezichtigt hatten, woraufhin Ottilia Preußing weiterhin ihre Unschuld beteuert.[25] Daraufhin stellt man ihr den Scharfrichter vor und begann, als sie weiterhin ihre Unschuld beteuerte, sie mit Daumenschrauben zu foltern und als sie darauf mit Hilfeschreien und weiteren Unschuldsbeteuerungen reagiert, legt man ihr zusätzlich Beinschrauben an.[26] Die Folter diente auch in diesem Fall dem Hervorbringen eines Geständnisses, was dringend für die Verurteilung benötigt wurde. Sie wurde damals als Instrument der Wahrheitsfindung angesehen und sollte eine reinigende Wirkung auf die vom Teufel besessene Seele haben. Die Abfolge der Befragung (erst gütlich, dann peinlich, also unter Folter) war zur damaligen Zeit üblich.[27] Schließlich gesteht sie, dass sie in Mörfelden durch den Teufel, der sie in Gestalt des Sohnes des Schultheißes von Langen verführt habe, zur Zauberei gebracht wurde. Sie denunziert einige Personen, vermutlich aus Mörfelden, wobei sie dazu behauptet, dass diese bereits verstorben seien.[28] Da sie angibt, bereits in ihrer Jugend zur Zauberei verführt worden zu sein,[29] kann man davon ausgehen, dass die denunzierten Personen wirklich bereits verstorben waren und es sich hierbei um keine Behauptung zum Schutz dieser Personen handelt. Sie gesteht den Gottesabfall, die Teufelsbuhlschaft, die Teufelstaufe und die Teilnahme an den Hexentänzen.[30] Das Geständnis entspricht der damaligen Vorstellung von Hexen und ihren Handlungen und ist in vielen Prozessen sehr ähnlich.[31] Sie bestätigt außerdem, dass sie die Königin der Hexen sei und mit der schwarzen Kutsche zu den Treffen fahre.

[...]


[1] Voltmer, Rita: Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen - Versuch einer Klärung. 2006, in fowid.de (Hrsg.), URL: https://fowid.de/sites/default/files/download/hexenverfolgungen_rita_voltmer_ta-2006- 12.pdf (14.01.2019). S. 1.

[2] Vgl.: Voltmer: Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen - Versuch einer Klärung. S. 1.

[3] Vgl.: Voltmer: Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen - Versuch einer Klärung. S. 6.

[4] Vgl.: Voltmer: Vom getrübten Blick auf die frühneuzeitlichen Hexenverfolgungen - Versuch einer Klärung. S. 6.

[5] Vgl.: Kemmerich, Hetty: Sagt was ich gestehen soll!. Hexenprozesse, Entstehung, Schicksale, Chronik, Dortmund: 2003. S. 165.

[6] Kemmerich: Sagt was ich gestehen soll!. S. 165.

[7] Macha, Jürgen: Die Standardisierung des Aberwitzigen in Hexenverhörprotokollen (Abstract). 2012, in: @KIH-eSkript. Interdisziplinäre Hexenforschung online 4, 2012, Heft 4, Sp. 5-6, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2y7zm8/ (18.11.2018). S. 1.

[8] Vgl.: Macha: Die Standardisierung des Aberwitzigen in Hexenverhörprotokollen (Abstract).

S. 1.

[9] Vgl.: Schätzler-Weber, Andrea: Evangelische Kirche in Mörfelden. Geschichte der Kirche und der Kirchengemeinde, Mörfelden-Walldorf: 2018, S. 10.

[10] Vgl.: Schätzler-Weber: Evangelische Kirche in Mörfelden. S. 10.

[11] Vgl.: Scherf, Dagmar: Homburger Hexenjagd oder Wann ist morgen?. Fakten und literarische Texte zur „Hexenverfolgung" in einer hessischen Landgrafschaft, 02. Erweiterte Auflage, Bad Homburg: 2012. S. 94.

[12] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 3 r - fol. 4 r.

[13] Vgl.: Merzbacher, Friedrich: Hexen und Zauberei. In: Hinckeldey, Ch. (Hrsg.): Justiz in alter Zeit. Rothenburg ob der Tauber: 2005. S. 262

[14] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 3 r - fol4r.

[15] Vgl.: Merzbacher, Friedrich: Hexen und Zauberei. S. 262.

[16] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 3 v.

[17] Vgl.: Gebhard, Horst: Hexenprozesse im Kurfürstentum Mainz des 17. Jahrhunderts. Aschaffenburg: 1989. S. 243.

[18] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol.4v-fol. 5 r.

[19] Vgl.: Roos, Christian: Hexenverfolgungen und Hexenprozesse im alten Hessen. Hamburg: 2007. S. 222.

[20] Vgl.: Roos: Hexenverfolgungen und Hexenprozesse im alten Hessen. S. 235.

[21] Vgl.: Scherf: Homburger Hexenjagd oder Wann ist morgen?. S. 99.

[22] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 6 r.

[23] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 6 v.

[24] Vgl.: Scherf, Günther: Turm erinnert an Folteropfer. 2015, in: historische-eschborn.de (Hrsg.), URL: http://www.historische- eschborn.de/berichte/HG/Folteropfer_HG/body_folteropfer_hg.html (11.12.2018).

[25] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 7 r.

[26] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 7 r. - fol. 7 v.

[27] Vgl.: Roos: Hexenverfolgungen und Hexenprozesse im alten Hessen. S. 224-235.

[28] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 7 v.

[29] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 8 r.

[30] Vgl.: HHStAW, 369, 480. fol. 8 r.

[31] Vgl.: Scherf: Homburger Hexenjagd oder Wann ist morgen?. S. 104.

Details

Seiten
15
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346011626
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v496026
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Schlagworte
besonderheiten hexenprozessen neuzeit hexenprozesse zusammenhang status

Autor

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