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Reformpädagogik und Kulturkritik

Hausarbeit 2003 13 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einordnung der Reformpädagogik in die Geschichte
2.1 Geschichtlicher Hintergrund
2.2 Der Begriff der Reformpädagogik

3 Kulturkritik

4 Reformpädagogische Bewegung

5 Ertrag der Reformpädagogik

6 Diskussion

7 Schlusswort

8 Literatur

9 Abbildungen

1 Einleitung

Grundlagen und Ansätze unseres heutigen Erziehungs- und Bildungswesens liegen in den Gedanken der ersten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts begründet.

Ziel dieser Hausarbeit ist einen Überblick und einen Einblick in diese ereignisreiche und schöpferische Phase der Reformpädagogik am Ende des 19.- und Beginn des 20. Jahrhunderts zu geben.

Zunächst möchte ich die Reformpädagogik historisch einordnen, indem ein geschichtlicher Hintergrund geboten wird, der m. E. zum Verständnis dieser pädagogischen Bewegung beiträgt.

Im Anschluss folgt eine Darstellung der Kritik, welche die Vertreter dieser Bewegung an den bisherigen Lebens- und Sozialverhältnissen, als auch den Verhältnissen von Kultur und Schule übten.

Danach soll ein Überblick über die Bewegungen der Reformpädagogik und einzelne Vertreter die Konstruktivität dieser Kritik zum Ausdruck bringen. Und in den abschließenden Absätzen möchte ich kurz diskutieren, welche tangiblen Auswirkungen diese Zeit hatte und inwiefern - wenn überhaupt - sie konstruktiv war.

Obgleich es sich bei der Reformbewegung um ein sich gegenseitig beeinflussendes und wachsendes internationales Phänomen handelt, werde ich mich in meinen Ausführungen hauptsächlich auf Deutschland beziehen.

2 Einordnung der Reformpädagogik in die Geschichte

2.1 Geschichtlicher Hintergrund

Es ist die Zeit der wachsenden Industrialisierung, getragen von Wirtschaft und Technik, bürgerlicher Satuiertheit und preußischer Staatsglorifizierung. Die Zeit des Imperialismus, die “Gründerzeit”. Es war eine sehr dynamische Zeit, in der nach und nach alle Lebensbereiche „unter den Primat des unbeschränkten Wachstums gestellt wurden“ (vgl. Oelkers, S. 30). Während in Europa und den USA die Industrialisierung immer weiter voranschreitet, beginnen Teile des Bildungsbürgertums einige Begleiterscheinungen der Moderne, wie z. B. die Wohn- und Sozialverhältnisse der Arbeiter, das hohe Militärbudget und die Entfremdung von der Natur zu kritisieren.

Der Jugendstil entsteht und bezeichnet ein neues Lebensgefühl: Die Menschen wollen zurück zur Natur und ein besseres Zusammenleben in den Städten, es entstehen viele auch heute noch existierende Vereine, wie z. B. die Naturfreunde oder die Wandervögel. Auch die Freikörperkultur stammt aus dieser Zeit.

Im Bereich der Pädagogik wird die nicht kindgerechte Schule kritisiert. Das Schlagwort von der “Pädagogik vom Kinde aus” taucht erstmals auf und wird in den nächsten Jahre in der Literatur thematisiert.

Das 19. Jahrhundert war von Schulreformen gekennzeichnet. In den Jahren 1816 bis 1846 stieg die Schülerzahl um mehr als 100 %, 40 % mehr Lehrer wurden eingestellt und 18 % mehr Schulen entstanden. Bis 1848 gingen 82 % aller Kinder zur Schule, wodurch der Analphabetismus drastisch sank. Die Schüler-Lehrer-Relation war in dieser Zeit bei unzumutbaren 90:1 und in Berlin sogar 180:1.

2.2 Der Begriff der Reformpädagogik

Eine Definition im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Bei der Begrifflichkeit und Einordnung der Reformpädagogik in einen historischen Kontext gehen die Meinungen in der Literatur auseinander. Es ist schwierig mit Reformpädagogik eine Epoche zu bezeichnen, da sie kein feststehendes, abgeschlossenes, an bestimmten Vertretern festzumachendes Objekt ist.

Wie H. Nohl im „Handbuch der Pädagogik“ (1933), so sieht auch W. Flitner die Reformpädagogik als Konsequenz und Ergebnis der Kulturkritik des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Andere datieren den Beginn dieser Bewegung auf das Jahr 1900, dem Erscheinungsdatum von E. Keys Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ oder auf 1901 das Gründungsdatum des „Wandervogel“, um der Jugendbewegung als Ausgangspunkt Gewicht zu verleihen. Ich favorisiere die Interpretation der Reformpädagogik als eine Phase, die durch kritische Auseinandersetzungen mit der kulturellen Lebenssituation während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeleitet wird. (vgl. W. Scheibe)

Somit bezeichnet "Reformpädagogik“ oder „reformpädagogische Bewegung“ die an der bürgerlichen Kulturkritik orientierten pädagogischen Reformversuche gegen Ende des 19. und ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika, in Deutschland in den Jahren etwa von 1895 bis 1933. (vgl. R. Bast) Zwar umfasst die Reformpädagogik in ihrer Ideologie teils sehr unterschiedliche, pädagogische Ideen und Praxisansätze, doch ist sie eine zusammenfassende Bezeichnung für eine spezifische pädagogische, auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Jugend ausgelegte Reform von Erziehung, Unterricht und Erziehungseinrichtungen – eine Pädagogik vom Kinde aus.

So sind Anfänge der „pädagogischen Revolution“ bereits im 18. und 19. Jahrhundert zu finden. Bei Rousseau, Fröbel und Pestalozzi, den Pädagogen, deren Konzeption weniger von Kultur und Gesellschaft ausging.

Die Schwierigkeit einer genauen terminologischen, chronologischen, an einzelnen Vertretern der Zeit festzumachende Eingrenzung des Geschehens löst W. Flitner meiner Meinung nach in seinem Phasenmodell sehr elegant chronologisch, dynamisch und strukturell. Es beschreibt die Bewegung in drei Zeitphasen, in deren Prozess eine Struktur entsteht, in dem die Reformer gelernt haben die Grenzen der eigenen Intention zu beachten (vgl. Oelkers). (Abb. 1)

Einigkeit besteht in der Festlegung des Endes der Reformpädagogik auf das Jahr 1933 mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten, die diese als Ausdruck des liberalen Systems des Weimarer Staates verurteilte.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638459815
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49564
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Erziehungswissenschaften I
Note
1,7
Schlagworte
Reformpädagogik Kulturkritik Schule Reform Aufklärung

Autor

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Titel: Reformpädagogik und Kulturkritik