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Exegese an der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters

Hausarbeit 2018 26 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Synchrone Methoden

2. Kontextabgrenzung

3. Gliederung der Perikope

4. Syntaktische Analyse

5. Semantische Analyse

6. Aktantenanalyse und Analyse nach Harnisch

7. Textpragmatische Analyse

8. Form- und Gattungskritik

Diachrone Methoden

9. Motiv- bzw. Traditionskritik

10. Überlieferungs- und Redaktionskritik

Auslegung

11. Einzelauslegung

12. Theologische Kritik mit persönlichem Fazit

13. Wirkungsgeschichte

Materialblätter

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die nun folgende Ausarbeitung wird die Bibelstelle ,,der barmherzige Samariter‘‘ (vgl. Lk 10,25-37) thematisieren. Alle biblischen Texte, die in dieser Arbeit verwendet werden, sind der Einheitsübersetzung entnommen[1]. Die Wahl des barmherzigen Samariters ist wie folgt begründet: Es ist für mich von Interesse, eine Bibelstelle zu analysieren, die einen gewissen Charakter der Einzigartigkeit hat, also nicht im Johannesevangelium oder in den anderen synoptischen Evangelien zu finden ist. Im Folgenden wird diese Perikope nun exegetisiert. Zuerst mit synchronen Methoden, also mit der Kontextabgrenzung, Gliederung, syntaktischer-, semantischer- und Aktantenanalyse (sowie die Analyse nach Harnisch) und zuletzt mit der Textpragmatik und der Form-/Gattungskritik. Darauffolgend dann mit diachronen Methoden wie der Motiv- und Traditionskritik und der Überlieferungs- und Redaktionskritik. Als letztes folgen Einzelauslegung, ein theologisches Fazit und die Wirkungsgeschichte des barmherzigen Samariters in der Kirche und Gesellschaft.

Synchrone Methoden

2. Kontextabgrenzung

Die Kontextabgrenzung meiner Perikope lässt sich in 2 Teilabgrenzungen aufteilen. Zuerst wird der Makrokontext thematisiert, der hier das Lukasevangelium darstellt, und danach wird der Mikrokontext folgen, der die Abgrenzungen von meiner Perikope zu benachbarten Perikopen thematisiert.[2]

Das Evangelium nach Lukas, welches der Makrokontext meiner Perikope ist, lässt sich in drei Hauptteile aufgliedern: Der erste Hauptteil beginnt nach der ,Einleitung‘ des Evangeliums (vgl. Lk 1,1 - 4,13) und befasst sich mit den Worten und Taten Jesu in Galiläa und Judäa (vgl. Lk 4,14 - 9,50).[3] Den zweiten großen Hauptteil bildet der sogenannte ,Reisebericht‘ (vgl. Lk 9,51 - 19,27), der über Jesus bei dessen Wanderung nach Jerusalem berichtet.[4] Zuletzt befasst sich der dritte Hauptteil (vgl. Lk 19,28 - 24,53) mit Jesu letzten Tagen, die er in Jerusalem verbringt, die z.B. den Einzug in Jerusalem, die Streitgespräche mit den religiösen Führern des Volkes und unter anderem auch die Passion und die Auferstehung schildern.[5]

Betrachtet man nun die von mir gewählte Perikope (vgl. Lk 10,25-37) fällt zuerst auf, dass sich diese im Reisebericht von Lukas verorten lässt. Außerdem ist diese sehr am Anfang des zweiten Hauptteils und fast genau in der Mitte des gesamten Lukasevangeliums zu finden. Aufgrund dieser Tatsachen und auch, weil es für Lukas sehr zentral ist, zur Nächstenliebe aufzurufen[6], lässt sich die Perikope des barmherzigen Samariters als eine wichtige und zentrale Stelle des gesamten Lukasevangeliums sehen, die in besonderer Weise einen Aufruf zur tätigen Nächstenliebe, die für Lukas wichtig ist, vermittelt.

Zunächst ist zum Mikrokontext zu sagen, dass ich nicht allein die Beispielerzählung an sich (vgl. Lk 10,30-35) gewählt habe, sondern auch das vorherige Gespräch Jesu mit dem Gesetzeslehrer (vgl. Lk 10,25-29) und das nachfolgende Gespräch der beiden (vgl. Lk 10,36-37) thematisiere. Dies ist wichtig, um zum einen den Kontext der Beispielerzählung und den Grund ihres Einsatzes verstehen zu können. Aber ein weiterer Grund ist, dass die Beispielerzählung an sich nur eine Erzählung ist und an sich noch keinerlei Wirkung hat bzw. einen Aufruf an den Leser vermittelt. Erst durch das Gespräch Jesu und besonders durch seinen Aufruf: ,, Handle danach und du wirst leben!‘‘ (Lk 10,28) bzw. ,, Dann geh und handle genauso!‘‘ (Lk 10,37) zeigt die Beispielerzählung besonders das Beispiel der tätigen Nächstenliebe, welche vorher allgemein anhand der aus dem AT zitierten Gesetzestexte in der Perikope genannt wurde (vgl. Lk 10,27), und wirkt so unterstützend zu Jesu Handlungsaufruf.

Meine Perikope ist auch von der vorher thematisierten Aussendung der Jünger durch Jesus und deren Rückkehr und ihrer Seligpreisung durch Jesus (vgl. Lk 10,1-24) sowie von Jesu ersten Treffen mit Maria und Marta (vgl. Lk 10,38-42) abzugrenzen. Der Hauptgrund für diese Abgrenzung ist der Wechsel der Aktanten. In den vorherigen Ereignissen spielen werden nur Jesus und die 72 anderen Jünger erwähnt (Vgl. z.B. Lk 10,1 oder Lk 10,17). Bei meiner Perikope fehlen jedoch die 72 Jünger und stattdessen wird ein Gesetzeslehrer ein neuer Aktant (vgl. Lk 10,25). Innerhalb der Beispielerzählung selbst wechseln zwar die Aktanten komplett, aber diese passt wie oben ausgeführt in den Kontext, weshalb sie nicht abzugrenzen ist. Nach meiner Perikope zieht Jesus weiter und trifft auf Maria und Marta, welche zu den neuen Aktanten werden (vgl. LK 10,38-39).

3. Gliederung der Perikope

Da nun meine Perikope von den umstehenden Ereignissen im Evangelium nach Lukas abgrenzt wurde und in den Rahmen des Evangeliums eingebettet wurde, spielt nun die Gliederung eine wichtige Rolle.

Bei dieser Perikope ist es besonders auffällig, dass es in der Perikope zwei Hauptteile gibt, die einen beinahe identischen, parallelen Aufbau haben:

Der erste Hauptteil erstreckt sich von Lk 10,25-28. Er beginnt mit einer Frage des Gesetzeslehrers, auf welche eine Gegenfrage Jesu als Reaktion folgt. Der Gesetzeslehrer beantwortet diese (mit einem Zitat aus dem AT). Auf diese Antwort des Gesetzeslehrers folgt der erste Handlungsaufruf Jesu.[7]

Im zweiten Hauptteil, der sich im Rahmen von Lk 10,29-37 befindet, beginnt der Gesetzeslehrer wiederrum mit einer Frage. Auf diese folgt allerdings nicht sofort die Gegenfrage Jesu, sondern es folgt die Beispielerzählung des barmherzigen Samariters, die die Grundlage für die darauffolgende Gegenfrage Jesu schafft. Nach dieser Gegenfrage folgen wieder die Antwort des Gesetzeslehrers und der Handlungsaufruf Jesu.[8] Dieser Aufbau ist noch einmal auf dem Materialblatt M1 deutlicher und strukturierter zu finden.

Die parallele Gliederung lässt sich für mich wie folgt begründen: Der erste Hauptteil dreht sich zuerst um die allgemeine Frage nach dem richtigen Handeln für das ewige Leben, welche auch nur mit allgemeinen bzw. unkonkreten Zitaten aus dem AT beantwortet wird. Im zweiten Hauptteil stellt der Gesetzeslehrer jedoch eine konkrete Frage zu den abstrakt wirkenden Stellen des AT. Um diese Frage entsprechend konkret mit einer Gegenfrage selbstverständlich beantwortbar zu machen, fügt Jesus die konkrete Erzählung des barmherzigen Samariters an, welche ein konkretes Handeln zeigt. So sagt Jesus bei dem zweiten Aufruf, dass der Gesetzeslehrer genauso handeln soll (konkret!) und nicht mehr nur danach (relativ abstrakt).

4. Syntaktische Analyse

Die syntaktische Analyse beschäftigt sich auf zwei verschiedenen Ebenen mit dem Text: Die grammatikalische Syntaktik sucht nach Anzeichen für Textkohärenz, die stilistische Syntaktik sucht nach rhetorischen- und stilistischen Mitteln und nach Tropen- und Gedankenfiguren.[9]

Ein erstes Zeichen, dass in der grammatikalischen Syntaktik wichtig ist, setzt Lukas durch die häufige Benutzung von anaphorischen Proformen. Sowohl in dem Gespräch Jesu mit dem Gesetzeslehrer sowie in der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters werden immer wieder Proformen angewendet. Bei dem Gespräch ist es allerdings auffällig, dass Jesus nur einmal mit ,,ihn‘‘ (Lk 10,28) pronominalisert wird, wenn der Gesetzeslehrer eine Frage o.ä. an Jesus richtet, während der Gesetzteslehrer, wenn Jesus zu ihm spricht immer pronominalisiert wird (Vgl. u.a. Lk 10,28 oder Lk 10,37). So wird der Gesetzeslehrer fast durchgehend (bis auf Lk 10,29 wegen des Beginns des zweiten Hauptteils) pronominalisiert und Jesus wird nach der ersten Pronominalisierung immer mit Namen genannt, also renominalisiert. Dies spricht dafür, dass Jesus hier der wichtigere Aktant ist, der sich durch die ständige Namensnennung vom Gesetzeslehrer abhebt. In der Beispielerzählung an sich fällt auf, dass jede Person nach dem ersten Auftreten pronominalisert wird und nicht mehr renominalisiert wird. Trotzdem sprechen beide Teile der Perikope für Textkohärenz, da Jesus durch die Renominalisierung als wichtigere Person angezeigt wird, aber sonst fast nur Pronominalisierungen zu erkennen sind und in der Beispielerzählung ausschließlich Pronominalisierungen verwendet werden.

Betrachtet man nun die hier benutzten Konjunktionen, fallen mehrere Dinge auf: Die Konjunktion, die am häufigsten genutzt wird ist ,und‘. Darauf folgt die Konjunktion ,dann/darauf‘. ,Und‘ wird hier in beiden Perikopenteilen verwendet, aber ,dann/darauf‘ wird in der Beispielerzählung gebraucht, um die Taten des barmherzigen Samariters miteinander zu verknüpfen und in dem Gespräch tauchen diese Konjunktionen nur bei Jesus auf (vgl. Lk 10,30/37). Dies zeigt, dass der Text überwiegend aus koordinierenden Konjunktionen besteht, und dass ein der Großteil der Sätze Parataxen sind. Dennoch werden auch an zwei Stellen subordiniere Konjunktionen verwendet: Zum einen ,um‘ (vgl. Lk 10,25) und ,der‘ (relativisch vgl. Lk 10,36-37). Allerdings zeigt sich, dass beide Konjunktionen aus einen besonderen Grund angewandt werden. ,Um‘ wird zum einen am Anfang der Perikope verwendet, um den wahren Grund des Gespräches für den Gesetzeslehrer anzuzeigen nämlich Jesus auf die Probe zu stellen. Kurz darauf wird ,um‘ noch einmal verwendet, aber diesmal, um den Grund des Gespräches für den Gesetzeslehrer anzuzeigen, den er Jesus vormachen möchte, also ihm eine normale Frage zum Gesetz zu stellen, was allerdings paradox und daher auffällig ist, da dieser selbst Gesetzeslehrer ist. ,Der‘ wird in einem parallelen Kontext verwendet. Da Jesus es in seiner Frage nach dem Nächsten verwendet, antwortet der Gesetzeslehrer auch mit dieser relativischen Konjunktion. Dies zeigt, dass der Text keine beabsichtigte Komplexität durch Konjunktionen hat, weil Lukas vermutlich versucht hat dieses relativ abstrakte Gebot der Doppelliebe konkret und verständlich darzustellen, weshalb er einen Text mit einfachen Konjunktionen verwendet hat.

Dies ist auch der Grund dafür, dass es in der stilistischen Syntaktik kaum Stil- bzw. Gedankenfiguren gibt. Dennoch lässt sich als Stilfigur der Parallelismus feststellen, der schon in der Perikopengliederung erwähnt wurde und besonders die beiden Hauptteile betrifft. Wie schon erläutert, zeigt der Parallelismus den Übergang von einer abstrakten Benennung des Doppelgebots der Liebe zu der Anwendung der konkreten und tätigen Nächstenliebe. Als Gedankenfigur lässt sich die Synekdoche ,pars pro toto‘ finden. Diese bezieht sich zum einen auf den Priester und den Leviten und zum anderen auf den Samariter. Die beiden erstgenannten Personen stellen die jüdische Elite bzw. auch die religiöse Führung dar, während der in der jüdischen Tradition ausgestoßener Samariter nicht nur für das samaritanische Volk per se oder eine andere Abspaltung des Judentums steht, sondern generell für Nichtjuden und Andere.[10] Dies zeigt, dass sich die Nächstenliebe nicht nur auf den Nächsten des eigenen Volkes oder auf den Nachbar/Freund/Bekannten bezieht, sondern universell ist, was der barmherzige Samariter in der Beispielerzählung zeigt, da er dem hilft der in Not ist, ohne Beachtung seiner Abstammung und Religion.[11] Es kann aber auch so gesehen werden, dass sie konkrete Eigenschaften verdeutlichen: Priester und Levit würden hier ignorantes und missachtendes Verhalten darstellen und der Samariter aufmerksames und liebendes Verhalten. Beide Varianten sind hier wichtig, damit der Aufruf zur Nächstenliebe deutlicher wird. So zeigt diese Gedankenfigur besonders den Universalitätsanspruch der tätigen Nächstenliebe. So lassen sich sowohl in dieser Perikope Mittel der Textkohärenz finden sowie stilistische Mittel, die die Verbindung der einzelnen Teile zueinander zeigen und auch die Aussage der Perikope unterstreichen.

5. Semantische Analyse

In dieser Arbeit wird die semantische Analyse nur beiläufig thematisiert. Dennoch ist es in dieser Perikope wichtig, dass die Schlüsselwörter konkret benannt werden. Wie schon in den vorherigen Teilen dieser Arbeit herausgearbeitet wurde, ist besonders die Nächstenliebe und auch das Handeln nach dieser wichtig. So sind für diese Perikope das Wortfeld des Handelns und das Wortfeld der (Nächsten-) Liebe von Bedeutung. Wie im Materialblatt M2 dargestellt ist, nutzt Lukas am häufigsten die Wörter ,handeln‘, ,Nächster‘ und ,lieben‘. Dies bestätigt, dass es Lukas vor allem darauf ankommt, dass man die tätige Nächstenliebe verstehen soll und sie auch selbst anwenden soll. Auch die Wörter ,barmherzig‘ und ,Mitleid‘ sind Indikatoren für einen Grund der Nächstenliebe (Mitleid) und eine Eigenschaft des Handelns aus Nächstenliebe (barmherzig). Auch das Wort ,handeln‘, welches wie schon zuvor erläutert parallel bei den beiden Endteilen der beiden Hauptteile angewendet wird, zeigt die Dringlichkeit dieses Handelns und dessen Wichtigkeit. Daher zeigen auch die Schlüsselwörter ein ähnliches Ergebnis wie die vorherigen Analysen. Wie z.B. das pars pro toto drücken sie aus, dass die Nächstenliebe ein Grundbestandteil der Liebe ist und das man dies konkret und ohne Einschränkung oder Bedingung Leben soll.

6. Aktantenanalyse und Analyse nach Harnisch

In der nun folgenden Aktantenanalyse, mit der begonnen wird, geht es um die Interaktion der Aktanten, die sich in den Redeanteilen und in der Gesprächsabfolge erkennen lässt. Harnisch definiert in seiner Analyse die Vernetzung der Aktanten in einem dramatischen Dreieck und auch die Beziehungen zwischen ihnen spielen eine Rolle.[12] Harnischs Analyse ist jedoch nur in der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters anzuwenden, wobei der äußere Rahmen (Gespräch von Jesus und Gesetzeslehrer) außer Acht gelassen wird.

Wie in Materialblatt M3 gekennzeichnet und wie auch bereits in der der Gliederung herausgearbeitet wurde, besteht die Perikope aus zwei Hauptteilen die annähernd parallel aufgebaut sind. Des Weiteren handelt es sich um ein Gespräch eines Fragestellers (Gesetzeslehrer) und eines Lehrenden/Kundigen (Jesus). Betrachtet man die Gesprächsanteile innerhalb der Perikope, ist es auffällig, dass diese annähernd gleich sind. Allerdings sagt Jesus alles in allem durch die Ausführung des barmherzigen Samariters dennoch mehr. Dies passt in die zuvor erwähnte Rolle des Lehrenden/Kundigen. Wie schon in der Gliederung festgestellt wurde, haben beide Hauptteile den gleichen (Ausnahme: Samariter) Ablauf und die gleiche Reihenfolge der Redenden. Jeder Hauptteil beginnt zuvor mit einer Einleitung, die die Umstände des jeweiligen Teiles näher bestimmt. Es folgt dann die Frage des Gesetzeslehrers, die sich -wie schon erarbeitet, zuerst auf die Pflicht bzw. das nötige Tun für das ewige Leben bezieht und danach auf die konkrete und praktische Umsetzung. Jesus antwortet darauf immer mit einer Gegenfrage, welche zum einen den Hinweis auf die richtige Antwort gibt, aber auch die Grundlage und den Bezug für die Antwort des Gesetzeslehrers bildet. Der barmherzige Samariter bietet in dem Fall das konkrete Beispiel für die tätige Nächstenliebe und auch den Kontext für die sich darauf beziehende Gegenfrage Jesu. Es folgen dann die schon durch die Gegenfrage Jesu ersichtlichen Antworten des Gesetzeslehrers, welche durch jeweils einen Aufruf zur praktischen Umsetzung dieser Antwort durch Jesus untermauert werden. So lässt sich allgemein festhalten, dass diese Perikope das Gespräch eines Fragenden und eines Lehrenden/Kundigen ist, in welchem es ein bestimmtes Schema gibt, das beinahe gleich in zwei Hauptteilen umgesetzt wird. In der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters per se gibt es nur eine Stelle der sprachlichen Interaktion nämlich den Auftrag des barmherzigen Samariters für den Wirt bezüglich des halbtoten Mannes. Da dieser Auftrag des Samariters jedoch ,nur‘ eine weitere akkurate Beschreibung seiner Hilfeleistung/Barmherzigkeit gegenüber dem halbtoten Mann ist, wird dieser Auftrag für die Analyse der Gesprächsanteile/-interaktion als gegenstandslos betrachtet und es wird lediglich die Analyse nach Harnisch angewandt.

Betrachtet man die Beispielerzählung vom barmherzigen Samariter nach Harnisch im dramatischen Dreieck, so ist es erkennbar, dass es der von Harnisch genannte Typ I ist, also dass ein Handlungssouverän mit einem antithetischen Zwillingspaar in Interaktion ist, welches sich aus dramatischer Haupt- bzw. dramatischer Nebenfigur zusammensetzt.[13] Bei dem antithetischen Zwillingspaar kommt zumeist keine gemeinsame Interaktion vor, allerdings kann ihr Handeln als gegensätzlich bezeichnet werden. Bei dem Typ I unterscheidet Harnisch noch im Aspekt, ob Handlungssouverän oder antithetisches Zwillingspaar zuerst genannt werden und für meine Perikope lässt sich festhalten, dass zuerst der Handlungssouverän genannt wird.[14] konkret lässt sich der barmherzige Samariter unter jenen Gesichtspunkten wie folgt beschreiben: Zuerst tritt der von Jericho kommende Mann als Handlungssouverän auf. Die Räuber liefern nur die Grundlage für die weitere Handlung und sind deshalb nur als nebensächlich zu bezeichnen. Es folgt dann die Aktion der dramatischen Nebenfigur, die sich hier aus Priester und Levit zusammensetzt, da zum einen ihre Handlung identisch ist und sie zum anderen (wie schon benannt) das Gleiche repräsentieren. Sie üben keine direkte Interaktion mit dem Mann. Danach tritt der barmherzige Samariter als dramatische Hauptfigur auf. Dieser handelt direkt am Handlungssouverän und weitaus länger, als die beiden Vertreter der dramatischen Nebenfigur. Betrachtet man hier das Handeln der dramatischen Zwillinge, lässt sich sagen, dass der Samariter erst nach Priester/Levit auftritt und so keine gemeinsame Handlung erfolgt. Auch ersichtlich ist, dass ihr Handeln gegensätzlich ist: Während Levit und Priester nichts tun und den Mann seinem Schicksal überlassen, hilft ihm der barmherzige Samariter und sorgt sich um ihn.

[...]


[1] Zur Referenz: Katholisches Bibelwerk Stuttgart (Hg.), Die Bibel – Einheitsübersetzung / Hg. i. A. der Bischöfe Deutschlands u. a. Stuttgart, 132012.

[2] Vgl. Tiwald, 2018, 19.

[3] Vgl. Müller, 1984, 12.

[4] Vgl. Müller, 1984, 12.

[5] Vgl. Müller, 1984, 12 - 13.

[6] Vgl. Schneider, 1977, 250.

[7] Vgl. Bovon, 1996, 83.

[8] Vgl. Bovon, 1996, 83.

[9] Vgl. Tiwald, 2018, 22-27.

[10] Vgl. Schneider, 1977, 249.

[11] Vgl. Schneider, 1977, 249.

[12] Vgl. Tiwald, 2018, 30.

[13] Vgl. Tiwald, 2018, 29.

[14] Vgl. Tiwald, 2018, 30.

Details

Seiten
26
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668984660
ISBN (Buch)
9783668984677
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v494464
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Schlagworte
exegese beispielerzählung samariters

Autor

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Titel: Exegese an der Beispielerzählung des barmherzigen Samariters