Lade Inhalt...

Die syrische Gesellschaftsstruktur. Die Möglichkeit eines neuen Gesellschaftsvertrags nach Thomas Hobbes

Forschungsarbeit 2019 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Naher Osten, Vorderer Orient

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Die Struktur der syrischen Gesellschaft

3.Der Weg zum syrischen Aufstand

4.Die regionale Intervention

5.Die russische Intervention

6.Der neue Gesellschaftsvertrag in Syrien

7.Fazit

8. Quelle

1. Einleitung

Mit dem Erfolg der Revolution in Tunesien und Ägypten in den Jahren 2010/11, die das Regime zum Sturz gebracht hat, hatte man nicht damit gerechnet, dass die Lage sich so zuspitzen und es zu einem Bürgerkrieg in Syrien kommen könnte. Der Bürgerkrieg in Syrien und dessen Folge beschäftigen nicht nur die Nachbarländer, sondern die politische Gemeinschaft weltweit. Die Resonanz der weltweiten politischen Gemeinschaft geht auf zwei Gründe zurück. Der erste ist die militärische Intervention Russlands, das eine klare Einstellung zur Hilfe des syrischen Regimes hat. Durch diese Intervention wurde der Frieden in Syrien unmöglich und dies hatte zur Folge, dass sich viele Flüchtlinge auf den Weg nach Europa machten. Dies rückt in den zweiten Grund und zwar die Flüchtlingskrise 2015/16. Zwar suchten viele Syrer Zuflucht entweder in den Nachbarländern oder in Europa, nachdem das syrische Regime gegen das Volk brutal vorging, aber in den Jahren 2015/16 stieg die Flüchtlingszahl an. Dies hatte die Aufmerksamkeit der politischen Gemeinschaft auf die Lage in Syrien zur Folge. Es geht dem Menschen da nicht mehr um die Verwirklichung der revolutionären Forderungen, sondern vielmehr um das Überleben und zukünftigen Perspektiven. Ab diesem Zeitpunkt nahm man die Lage in Syrien ernst und wurde Syrien von der politischen Gemeinschaft Aufmerksamkeit geschenkt. Es wurde zwar Friedensversuche unternommen, die aber gescheitert sind.

Dieser Bericht wird Antworten auf verschiedene Frage geben, unter anderem, warum diese Friedensversuche wegen der strukturellen Gesellschaft gescheitert sind und wie man Frieden in so einem Land wie Syrien schaffen kann, das viele verschiede Konfessionen, Kulturen und Ethnie hat. Vor diesem Hintergrund wird zuerst deutlich gemacht, wie die syrische Gesellschaft nach der Kultur, Ethnie und Religion strukturiert ist. Dabei wird dargestellt, welche Rolle die Religion bei der Verschärfung der Lage in Syrien spielt und wie viele Akutere in den syrischen Bürgerkrieg verwickelt sind. Vor dem Hintergrund, dass der Bürgerkrieg eines Tages ein Ende nimmt und das Regime in Syrien nicht ewig bleibt, wird im letzten Punkt der Fokus darauf gelegt, wie wir uns nachher darauf vorbereiten und wie der Frieden im multireligiösen, kulturellen und ethnischen Syrien anhand des Gesellschaftsvertrags von Thomas Hobbes geschaffen werden kann.

2. Die Struktur der syrischen Gesellschaft

Die Struktur der syrischen Gesellschaft ist ganz anders als die der anderen arabischen Gesellschaften. In Syrien zeichnet sich die Gesellschaft durch eine komplexe kulturelle, ethnische und religiöse Zusammensetzung aus. Diese drei verschiedenen Merkmale (Religion, Ethnie und Kultur) sind für die Herausbildung der syrischen Identität von großer Bedeutung und stellen neben der externen Intervention im syrischen Bürgerkrieg von heute die Hauptursache für den Ausbruch und die Zuspitzung des Bürgerkriegs dar.

Das Syrien von Heute ist seit frühgeschichtlicher Zeit Teil des "syrischen" Kulturraums (Bilad al-Scham) und die Wiege zahlreicher Zivilisationen. Es war nicht nur ein wichtiger Bestandteil der sumerischen, akkadischen, assyrischen und phönizischen Zivilisationen des alten Orients, sondern spielte auch in der hellenistischen und römischen Antike eine beachtliche Rolle. Neben dutzenden versunkenen Städten wie Ebla, Ugarit, Apameia, Palmyra oder Bosra bergen die vier großen Städte im Korridor zwischen Küstengebirge und Steppe, Aleppo, Hama, Homs und Damaskus, beeindruckende Zeugnisse dieser historischen Epochen des Altertum. Im Zuge der arabischen islamischen Eroberungen im 7. Jahrhundert wurde Damaskus zwischen 661 und 750 Hauptstadt der ersten islamischen Dynastie der Ommayyaden und damit Zentrum eines Weltreiches, das von Spanien bis nach Zentralasien reichte. Seit dem ist Syrien arabisiert und islamisch geprägt. Die syrische Gesellschaft setzt sich aus fast 15 religiösen und ethnischen Gruppen zusammen. Neben der arabischen Mehrheit leben Kurden, Armenier, Turkmenen, Tscherkessen, Aramäer und Assyrer in Syrien. Unter den knapp 21 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern bilden die Kurden mit einem Anteil von zehn bis zwölf Prozent die größte ethnische Minderheit. Neben der Ethnie und Kultur spielt die Religion eine essentielle Rolle in der Struktur der syrischen Gesellschaft. Die syrische Bevölkerung unterteilt sich in verschiedene Religionen und Konfessionen. Selbst die muslimische Mehrheit (zwischen 85 und 90 Prozent der Bevölkerung) besteht aus heterogenen religiösen Gruppierungen, darunter Sunniten (rund 73 Prozent der Bevölkerung), Alawiten (10 bis 11 Prozent), Drusen (etwa 3 Prozent), Ismailiten und Schiiten. Syrer christlichen Glaubens werden auf 10 bis 12 Prozent geschätzt. Sie sind ebenfalls stark fragmentiert. Die "christliche Minderheit" setzt sich aus einem knappen Dutzend Konfessionen zusammen: Die griechisch-orthodoxe, die maronitische, die syrisch-orthodoxe und die syrisch-katholische, die chaldäische, die assyrische, die armenisch-katholische und die armenisch-orthodoxe sowie protestantische Kirchen sind staatlich anerkannt. Neben den Muslimen und Christen leben im Nordosten eine kleine Gemeinde von Yeziden und noch etwa Juden in Aleppo und Damaskus.1

Die gesellschaftliche Struktur Syriens zeigt uns, wie schwer es ist, so eine Gesellschaft Jahrzehnt lang ohne Demokratie und Freiheit zu regieren. Für die autoritären Regime ist es aber einfacher. Die Folterung, die Unterdrückung, Willkür und Verhaftung sind die Art und die Weise, wie der Vater von Al-Assad und das heute Regime in Syrien das Land beherrscht. Die erste Dekade des 21. Jahrhunderts, in der sich der Terroranschlag 9/11 und der daraus resultierende Irakkrieg sowie die Revolution des Internets abzeichnete, machte deutlich, dass nicht nur die Nahöstliche Region in absehbarer Zeit vor großen Herausforderungen steht, sondern auch die politische Weltgemeinschaft. Weil es jetzt um eine neue Generation „ sogenannte Internetgeneration“ und auch die weltweite Sicherheit geht. Der Terroranschlag von 9/11 setzte ein Zeichen dafür, dass der Terrorismus den Westen irgendwann einfach erreichen konnte und daraufhin als eine Bedrohung für die Sicherheit der Bevölkerung darstellt. Auf der anderen Seite ging mit dem Aufkommen des Terrorismus eine neue Generation im Nahen Osten einher, die sich Hoffnung auf die westlichen Werte wie z.B. Demokratie, Religionsfreiheit etc. machte. Durch die Globalisierung, Internet und Sozialmedien, ist diese Internetgenration mit den westlichen Werten, die dem Menschen es ermöglichen, in Würde zu leben, in Berührung gekommen. Diese westlichen Werte sind von allen Bevölkerungen, die sich während „ des Arabischen Frühlings“ gegen ihre Regierungen erhoben haben, vertreten und gefordert.

3. Der Weg zum syrischen Aufstand

Der Beginn und die Ursache für den syrischen Aufstand waren ziemlich friedlich im Vergleich zu den Ursachen, die die Aufstände in Ägypten und Tunesien hervorriefen. In Tunesien war der Funke des Aufstandes ein Gemüsehändler, der sich selbst verbrannte. Diese Selbstverbrennung war als Reaktion auf den brutalen Umgang der Polizei im tunesischen Alltag zu betrachten. Um der Unterdrückung und der Willkür der Polizei zu entkommen sah dieser Gemüsehändler die Selbstverbrennung als Lösung für all seine Probleme. Tatsächlich gibt es so viele Jugendlichen wie diesen Gemüsehändler überall in den arabischen Ländern, die keine Hoffnung mehr haben, um ein gutes Leben in ihren eigenen Ländern zu führen. In Ägypten war ebenfalls der Fall, dass ein junger Mann brutal von der Polizei totgeschlagen wurde. Auf die beiden Fälle wurde reagiert, dass die Jugendlichen in den jeweiligen Ländern auf die Straße gingen und die Veränderungen sowohl politisch als auch sozial forderten. Medial wurden diese Aufstände sowohl von Europa als auch von den USA unterstützt. Deshalb unterstützte der Westen die Revolutionen und versucht den demokratischen Wandel in den arabischen Ländern voranzutreiben.2 Es wird auf Libyen verwiesen, dessen Volk sich gegen den lybischen Diktator erhob, um die Demokratie und das Leben in Würde mal zu erleben. Das Regime reagierte darauf mit Gewalt. Von daher an haben sich die Merkmale der friedlichen Revolution, die Tunesien und Ägypten in den Jahren 2010/11 ausmachten, verändert. Mithilfe der NATO wurde das lybische Regime gestürzt und konnte das libysche Volk sich von dem Diktator befreien. Diese Ereignisse nahmen so einen großen Einfluss auf das syrische Volk.3

Hier unterscheidet sich der Aufstand in Syrien von den Aufständen in Tunesien und Ägypten, da in Syrien um Schulkinder ging, die regimekritische Parolen an die Mauern deren Schulen gemalt haben. Sie wurden verhaftet und gefoltert. Die Familien der verhafteten Schulkinder gingen zum Geheimdienstchef und baten um die Freilassung. Der Versuch scheiterte. Der Geheimdienstchef sagte zwei Sätze, die zeigen, wie das Al-Assad Regime brutal gegen diejenigen vorgeht, die den Präsidenten stürzen wollen, auch wenn es um Kinder geht. Er sagte:

„Vergesst diese Kinder, geht nach Hause und macht neue, und wenn ihr Hilfe braucht, schick uns eure Frauen“ .4

Auf diese Worte hin gingen Hunderte Bewohner auf der Straße und seitdem kam Syrien nicht zur Ruhe. Genauso wie in Libyen ging das syrische Regime brutal gegen sein eigenes Volk vor und setzte nicht nur Tränengas ein, sondern auch Chemiewaffen und schwere Munition. Somit nahm die Revolution, die im Land friedlich begonnen hat, einen anderen Trend, der zum Bürgerkrieg führte. Dies führt dazu, dass viele Menschen sich auf den Fluchtweg machten.

Eine der Ursache dafür, dass es zum Bürgerkrieg in Syrien kam, ist das Militär. Das Militär sowohl in Tunesien als auch in Ägypten erklärte ganz am Anfang der Aufstände, den Demonstranten zur Seite zu stehen. Dies machte die Aufstände in Tunesien und Ägypten auch erfolgreich und friedlich. Die syrische politische Kultur ist aber dadurch gekennzeichnet, dass dem Militär eine wichtige Rolle zukommt. Somit nehmen die Anhänger vom Diktator Al-Assad höhere Positionen im syrischen Militär ein, um ein Gleichgewicht zwischen den Sunniten und Schiiten herzustellen. Auf diese Art und Weise, wie Asad seine Macht etablierte, ist das syrische Militär als Garantie vom Al-Assad Regime anzusehen, um an der Macht länger zu bleiben. Mit dem Beginn des Aufstands gegen al-Assad hatte das Militär den Auftrag, gegen die Demonstranten brutal vorzugehen. Ganz am Anfang haben diejenige, die sich gegen das Regime erhoben haben, keine individuellen Forderungen, sondern gemeinsame Forderungen wie die Freiheit und soziale Gerechtigkeit, und die Würde des Menschen, die man als westliche Werte bezeichnen kann. Sobald Asad das Militär die Demonstranten mit allen Mitteln zügeln ließ, hatte die Demonstration einen anderen Trend, der zur Spaltung der Gesellschaft führte.5 Vor dem Hintergrund, dass das anführend vom Schiiten Militär sich dem Regime loyal und gehorsam erklärte, spalteten sich die Demonstranten, die ihre Brüder im Glauben nicht bekämpfen wollten. Parallel dazu gewann der sogenannte islamische Staat (IS) an Einfluss und griff die Menschen an. Für den IS spielt die Religion keine wichtige Rolle. Für den IS spielt Religion keine erhebliche Rolle. Darunter wird verstanden, dass der IS bei den Angriffe keinen Unterschied zwischen Muslime, Christen, oder anderen religiösen Gruppierungen macht. Das Motte vom IS lautet, wer nicht für uns kämpft, denn kämpft gegen uns.6 Neben dem IS macht die Intervention sowohl regional als auch extern die Lage in Syrien mehr komplexer und führte dazu, dass alle Friedensversuche scheiterten.

[...]


1 Vgl. Said, Salam: Gesellschaftliche und sozioökonomische Entwicklung Syriens. Unter: http://www.bpb.de/apuz/155124/gesellschaftliche-und-soziooekonomische-entwicklung-syriens?p=all aufgerufen am 25.04.2019

2 Vgl. El Difraoui, Asiem: Die Rolle der neuen Medien im Arabischen Frühling. http://www.bpb.de/internationales/afrika/arabischer-fruehling/52420/die-rolle-der-neuen-medien?p=all aufgerufen am 25.04.2019.

3 Vgl. Lieser, Jürgen/Dijekzeul, Dennis(Hrsg.): Handbuch. Humanitäre Hilfe. Heidelberg 2013, S. 378.

4 Vgl. Reschke, Anja: und das ist der Anfang. Deutschland und Flüchtlinge. Hamburg 2015, S. 58.

5 Vgl. Marsing, Stephanie: Elitenwandel in Syrien. Wie Bashar al-Assad sein Image als Reformer verspielte. Hamburg 2012, S.37.

6 Vgl. Ibrahim, Raymond: "Aber ISIS tötet mehr Muslime als Nichtmuslime!". Unter: https://haolam.de/artikel/Europa/23684/Aber-ISIS-toetet-mehr-Muslime-als-Nichtmuslime.html aufgerufen am 19.06.19.

Details

Seiten
13
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346000668
ISBN (Buch)
9783346000675
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v494275
Note
1.0
Schlagworte
gesellschaftsstruktur möglichkeit gesellschaftsvertrags thomas hobbes

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die syrische Gesellschaftsstruktur. Die Möglichkeit eines neuen Gesellschaftsvertrags nach Thomas Hobbes