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Der Vergleich zwischen Offshoring und Outsourcing hinsichtlich der Auswirkungen auf die Unternehmenslogistik

Seminararbeit 2006 25 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Heutige Situation

2 Definitionen und Ausprägungsformen von Outsourcing und Offshoring
2.1 Outsourcing
2.2 Offshoring

3 Vergleich von Outsourcing und Offshoring
3.1 Anforderungen an auszulagernde Prozesse
3.2 Motive für Outsourcing und Offshoring
3.3 Risiken
3.4 Indien als wichtigstes IT-Offshore-Land
3.5 Gemeinsamkeiten und Unterschiede

4 Auswirkungen von Outsourcing und Offshoring in Hinblick auf die Unternehmenslogistik
4.1 Beschaffung
4.1.1 Beispiel: Outsourcing bei der Schiesser AG
4.1.1.1 Ausgangssituation
4.1.1.2 Outsourcing der Beschaffung
4.2 Produktion
4.2.1 Beispiel: Offshoring bei der Puma AG
4.2.1.1 Ausgangssituation
4.2.1.2 Offshoring der Produktion
4.3 Distribution
4.3.1 Beispiel: Outsourcing bei der Lindt & Sprüngli Gruppe
4.3.1.1 Ausgangssituation
4.3.1.2 Outsourcing der Distribution

5 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

1 Heutige Situation

Fortschreitende Globalisierung, steigende Wettbewerbsintensität, Sättigung der Märkte, kürzere Produktlebenszyklen, hoher Individualisierungsgrad - all diese Begriffe liest man täglich in den Medien, ohne sich vor Augen zu führen, welche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten die Basis für diese Schlagwörter schuf. Es handelt sich um die Digitalisierung der Informations- und Kommunikationskanäle. Die Möglichkeit Informationen digital zu speichern, zu vervielfältigen und auszutauschen ist die Grundlage für die globale Vernetzung von Märkten und somit auch für eine internationale Zusammenarbeit von Unternehmen. Durch die Globalisierung verschärft sich der Wettbewerb auf den einzelnen Märkten. Unternehmen sehen sich folglich zunehmend mit neuen Aufgabengebieten konfrontiert. Eigene Ressourcen, mit denen bisher die unternehmerischen Ziele erreicht wurden, reichen nicht mehr aus und müssen daher entweder hinzugekauft oder im Rahmen interorganisatorischer Zusammenarbeit gegenseitig angeboten werden. Den hierbei zugrunde liegenden Vorgang der Auslagerung und Übertragung bezeichnet man als Outsourcing („Outside Resource Using“; siehe Abbildung 1) bzw. Offshoring [HEIB98, S. 87; MAYE05, S. 175f.].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Bedeutung des Begriffs Outsourcing [ALLW04]

Unternehmen haben demnach heutzutage die Möglichkeit ihre Wertschöpfung global zu verteilen und vorhandene Standortvorteile, wie z. B. unternehmensfreundlichere Rahmenbedingungen (günstigere Steuer- und Regulierungssysteme), zu nutzen. Doch die Verlagerung in andere Länder ist kein neues Phänomen. Bereits in den 60er und 70er Jahren wurde die Produktion aus dem verarbeitenden Gewerbe ins Ausland (v. a. Japan) verlagert. Heutzutage werden zunehmend auch Dienstleistungen, insbesondere IT-basierte Prozesse, ins Ausland verlegt. Ein weiteres wichtiges Argument für eine Auslagerung von Geschäftsprozessen ist die Tatsache, dass in der heutigen Zeit der persönliche Kontakt zwischen Produzent und Konsument immer weiter abnimmt. Lediglich in speziellen Branchen (z. B. für Luxusartikel) ist der Kontakt weiterhin unumgänglich. Kunden verlangen von Unternehmen dagegen neue, zusätzliche Wege zur Kontaktaufnahme, wie z. B. einen Kundenservice via Telefon, Email oder Internetformularen [SCHA05].

2 Definitionen und Ausprägungsformen von Outsourcing und Offshoring

Es gibt unterschiedliche Arten von Outsourcing und Offshoring, die in der folgenden Tabelle 1 näher erläutert werden. Es wird dabei einerseits zwischen der Eigenherstellung und der Fremdvergabe von Leistungen unterschieden, andererseits zwischen einer Herstellung auf nationaler bzw. auf internationaler Ebene [SCHA04].

Tabelle 1: Outsourcing- und Offshoring-Typen, in Anlehnung an [SCHA04]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die nationale Vergabe von Leistungen an fremde Unternehmen bezeichnet man als Onshore Outsourcing, im folgenden kurz Outsourcing genannt (Tabelle 1). International erbrachte Leistungen können sowohl im eigenen Unternehmen (Captive Offshoring), als auch in einem fremden Unternehmen (Offshore Outsourcing) erbracht werden. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit spiegelt der Begriff Offshoring die Fremdvergabe von Leistungen auf internationaler Ebene (Offshore Outsourcing) wieder [SCHA04].

2.1 Outsourcing

Als Outsourcing bezeichnet man die Auslagerung von Teilen der Geschäftsprozesse an rechtlich selbstständige Einheiten. Ziel dabei ist es, die Leistungen zu geringeren Preisen und in einer höheren Qualität wieder einzukaufen. Zudem versprechen sich Unternehmen von einer Outsourcing-Partnerschaft einen umfassenden Know-how-Austausch, den Zugang zu innovativen Technologien, eine Steigerung von Flexibilität, Leistung und Service, sowie eine Verkürzung der Reaktionszeiten auf Marktveränderungen. Bei dem Aufbau einer Outsourcing-Verbindung muss vertraglich genau festgelegt werden wer was, in welcher Qualität, mit welchem Ziel, in welchem Umfang, zu welchen Kosten und zu welchen Terminen erbringt. Zentrale Meilensteine sind zu definieren, um einen klaren Organisationsrahmen zu bieten. Auf diese Art und Weise lassen sich valide Prozessketten ableiten [DIEM98, S. 72-75].

In der Literatur werden zahlreiche Formen von Outsourcing beschrieben. Im Folgenden werden die drei Hauptarten näher erläutert.

1. Selective Outsourcing
2. Business Application Outsourcing
3. Business Process Outsourcing

Beim Selective Outsourcing werden einzelne Aufgaben oder Teile eines Bereichs ausgelagert. Diese Art von Outsourcing wird oft auch als „Outtasking“ bezeichnet. Die selektive Auslagerung abgegrenzter Aktivitäten zielt vor allem auf eine schnell realisierbare Kostenreduktion ab und ist, im Gegensatz zu den anderen zwei Arten, kurzfristig ausgelegt. Beim Business Application Outsourcing (BAO) sind externe Spezialisten für die gesamte Anwendungsplattform eines Unternehmens inklusive Hardware, Netzwerk, Systembetrieb und Anwendungsbetreuung zuständig. Da hierdurch ein hoher Anfangsaufwand entsteht, ist BAO langfristig ausgelegt, ebenso wie die dritte Outsourcing-Art, das Business Process Outsourcing. Business Process Outsourcing bezeichnet die Auslagerung von gesamten Geschäftsprozessen, wie z. B. das Rechnungswesen, an einen Outsourcing-Anbieter. Diese Prozesse weisen einen hohen Standardisierungsgrad auf und haben demnach für das outsourcende Unternehmen (Outsourcing-Nachfrager) keinerlei strategische Bedeutung [ALLW04; HODE04, S. 28-30].

2.2 Offshoring

Offshoring charakterisiert die Auslagerung von Geschäftsprozessen (v. a. von IT-Diensten) in Übersee-Standorte (oft Billiglohnländer) mit dem Ziel, von einem niedrigen Lohnniveau zu profitieren, sowie auf einen Pool qualifizierter Arbeitskräfte zuzugreifen. Der Begriff Offshoring stammt aus der Finanzökonomie, in der Offshore-Zentren Steueroasen bezeichnen, die mit niedrigen Steuersätzen und striktem Bankgeheimnis ausländische Anleger locken [SCHA04].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Teilbereiche von Offshoring, eigene Darstellung

Abbildung 2 zeigt auf, dass Offshoring in zwei Bereiche unterteilt werden kann: Nearshoring und Farshoring. Nearshoring bedeutet eine Kooperation zwischen Unternehmen auf demselben Kontinent. Neben den deutlichen Einsparungspotentialen, die insbesondere aus Lohndifferenzen und dem hohen Ausbildungsstand der Mitarbeiter entstehen, ist auch die kulturelle Nähe zum Offshoring-Partner ein großer Vorteil. Farshoring hingegen beinhaltet die Vergabe von Leistungen über die Grenzen des Kontinents hinweg, wobei die Einsparungspotentiale aufgrund der größeren Lohndifferenzen deutlich höher anzusetzen sind. Allerdings sind die kulturellen Unterschiede oftmals so groß, dass enorme Anfangsinvestitionen, insbesondere zur Schaffung einer gemeinsamen Kommunikationsgrundlage, notwendig sind. Diese Zusatzkosten werden oft im Vorfeld nicht bedacht und mindern das vermeintlich große Einsparungspotenzial aufgrund niedriger Lohnkosten erheblich. Besonders in den ersten Jahren einer Offshoring-Beziehung fallen die Gewinne für beide Parteien meist geringer aus als erwartet [SCHA04].

3 Vergleich von Outsourcing und Offshoring

Sowohl Outsourcing als auch Offshoring beschreiben die Auslagerung von Geschäfts(teil)prozessen. Im Kern gleichen sich die Anforderungen an die auszulagernden Prozesse, wobei Offshoring z. T. spezifischere Ansprüche stellt als Outsourcing. Weiterhin lässt sich eine unterschiedlich starke Ausprägung der Motive und Schwierigkeiten feststellen, die auf internationaler Ebene sehr viel weit reichender und komplexer sind als auf nationaler Ebene.

3.1 Anforderungen an auszulagernde Prozesse

Grundsätzlich sind alle Prozesse für Outsourcing geeignet, die nicht das Kerngeschäft oder strategisch wichtige Funktionen im Unternehmen betreffen. Die Kernkompetenzen bestimmen die unternehmenseigene Wettbewerbsfähigkeit und -Differenzierung im Markt und sollten somit grundsätzlich in der operativen Kontrolle des Unternehmen bleiben.

Hinsichtlich einer Auslagerung über die Grenzen hinweg, müssen die Prozesse weitere Kriterien erfüllen und insbesondere

- standardisiert,
- modular und
- einfach in der Zusammenarbeit

sein. Eine wichtige Voraussetzung für Offshoring ist die Standardisierbarkeit der Prozesse. Spezifische Prozesse des Kerngeschäfts eignen sich nicht für eine Auslagerung, da regelmäßige Rückfragen und die erforderliche Vertrautheit zwischen den Partnern zu komplexen Schnittstellen führen. Der Aufwand, die daraus resultierenden Unstimmigkeiten zu korrigieren, kann dabei die positiven Aspekte überwiegen und die Zusammenarbeit dadurch scheitern bzw. unwirtschaftlich werden lassen. Weiterhin müssen auszulagernde Prozesse modular sein d. h. sie müssen separat vom Unternehmen Leistungen erbringen, die in unterschiedlicher Tiefe wieder in das Unternehmen eingegliedert werden. Ein ausgelagertes Call-Center, beispielsweise, weist deutlich weniger Schnittstellen auf als die Integration eines Modulzulieferers in die Produktion. Prädestiniert für Offshoring sind so genannte Backoffice-Aufgaben, welche branchenunabhängig und ohne direkten Bezug zum Endkunden sind. In der Regel handelt es sich beim Offshoring um einfache Tätigkeiten wie z. B. Dateneingabe und -Verarbeitung oder Call-Center-Dienstleistungen [SCHA04; SCHA05].

Grundlage für die Entscheidung, welche Prozesse ausgelagert werden können, ist somit die Identifikation des Kerngeschäfts eines Unternehmens. Durch die Auseinandersetzung mit dem Thema Outsourcing bzw. Offshoring werden Unternehmen veranlasst, intensiv über Kernkompetenzen, Qualitäten und Stärken des eigenen Unternehmens zu diskutieren und sich auf ihre Ziele zu konzentrieren bzw. neue Ziele zu definieren. Sobald die Kernkompetenzen und Ziele eines Unternehmens festgelegt sind, werden die Motive für eine Auslagerung bestimmt [OECK05, S. 37f.].

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Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638458580
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49386
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Lehrstuhl für BWL und Wirtschaftsinformatik
Note
1,3
Schlagworte
Vergleich Offshoring Outsourcing Auswirkungen Unternehmenslogistik Hauptseminar Logistik

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Titel: Der Vergleich zwischen Offshoring und Outsourcing hinsichtlich der Auswirkungen auf die Unternehmenslogistik