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Zeichnen. Techniken, Methoden und Anwendung im Unterricht

Hausarbeit 2019 16 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung

3. Die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel

4. Zeichnen im Kunstunterricht
4.1 Historischer Exkurs
4.2 Die Verankerung im niedersächsischen Kerncurriculum der Grundschule

5. Zeichentechniken
5.1 Zeichenarten
5.1.1 Bleistiftzeichnung
5.1.2 Buntstiftzeichnung
5.1.3 Kohlezeichnung/Pastellmalerei
5.2 Zeichenmethoden
5.2.1 Schummern
5.2.2 Schraffieren
5.2.3 Experimentelles Zeichnen
5.2.4 Intuitives Zeichnen
5.2.5 „Einlinienfiguren“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn die Frage danach gestellt wird, was Zeichnung sei, so scheint eine befriedigende Antwort angesichts der schier unendlichen Möglichkeiten, die sich in diesem Medium eröffnen, ausgeschlossen. Dennoch kann man sicher sein, dass jeder eine spontane Meinung dazu hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit die Zeichnung mit dem Gebrauch der Linie gleichsetzen wird, besonders auch, um sie von den Eigenarten anderer Medien zu unterscheiden.

Schülerinnen und Schüler1 zeigen von klein an ein großes Interesse am künstlerischen Schaffen und besonders die Handzeichnung steht hierbei im Vordergrund. Im Laufe der Zeit, zeitlich einzuordnen etwa im Übergang zur Pubertät, verlieren viele SuS die Freude am Zeichnen. Dies liegt daran, dass der Anspruch an die eigenen Zeichnungen sich verändert und die SuS eine Unzufriedenheit entwickeln, wenn die angefertigte Arbeit von der Realität abweicht.

2. Begriffsbestimmung

Der Begriff „Zeichnen“ steht in direkter Verbindung mit dem dabei entstehenden Produkt – der Zeichnung. Eine Zeichnung ist ein Bild, das ein Motiv mithilfe von Linien, Strichen und Punkten darstellt. Dies unterscheidet Zeichnungen von der Malerei, welche ein Motiv durch den flächenhaften Einsatz von Farben und Tonwerten darstellt (vgl. Duden, 2019). Die Zeichnung stellt somit die grundlegendste und einfachste Praktik des künstlerischen Gestaltens dar. Der Begriff „Zeichnung“ wird durch den Fachausdruck „Grafik“ spezifiziert, der alle nichtmalerischen zweidimensionalen Darstellungen beschreibt.

Die Grafik unterteilt sich wiederum in zwei Teilgebiete: die Handzeichnung und die Druckgrafik. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Teilgebiet der Handzeichnung, daher wird der Bereich Druckgrafik nicht erläutert (vgl. Carstens/Herbst, 2010).

Unter einer Handzeichnung wird die grafische Gestaltung auf einer Fläche verstanden. Der Wortteil „Hand“ definiert hierbei den Charakter und die Entstehung der Zeichnung, da die Hand des Künstlers, in Verbindung mit einem Zeichenwerkzeug, für die Entstehung der grafischen Gestaltung verantwortlich ist. Somit ist die Zeichnung eigenhändig vom Künstler erschaffen worden (vgl. ebd).

Die Linie spielt beim Zeichnen eine zentrale Rolle. Sie markiert die Grenzen von Umrissen eines Gegenstandes und erzeugt charakteristische Kontraste, wie z. B. Schattierungen. Sie bildet das hervorstechende Merkmal einer Abbildung oder Darstellung. Die Linie umschreibt eine Fläche, wenn sie geschlossen wird und bildet als „Kontur“ eine Grenze zwischen dem Hintergrund und der Figur (vgl. Koschatzky, 1977: 262).

3. Die Zeichnung als künstlerisches Ausdrucksmittel

Das Zeichnen lässt sich als die grundlegendste und einfachste Praktik des Gestaltens ansehen. Bis heute ist das Zeichnen, unabhängig von Kultur und Zeit, eine basale künstlerische Tätigkeit, dessen Ziel auf bewusst getätigten Spuren beruht. Demnach soll eine Bildmitteilung oder ein Ausdruck angestrebt werden: Zeichnen heißt Zeichen setzen.

Die Möglichkeit sich zu äußern, unabhängig davon, ob es der Wille, die Befindlichkeit, das Geschehen oder lediglich die schlichte Existenz ist, hat seine Bedeutung bereits seit Anbeginn der kulturellen Entwicklung des Menschen. Demnach kann das Zeichnen als Bestandteil der immerwährenden Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst gesehen werden, welches sich im Laufe der Zeit zu einem Mittel der Darstellung der menschlichen Kultur entwickelt hat (vgl. Koschatzky, 1977).

Wie bei jeder anderen gestalterischen Praktik, ist die anthropologische Grundlage des Zeichnens die biologische Fähigkeit des optischen Sehens bzw. die Fähigkeit der Wahrnehmung bewusst gestalteter, geordneter Spuren und der Drang nach deren Ausdeutung, also der Sinnsuche hinter den Zeichen. Eng gefasst bedeutet dies, dass jeder Mensch, der über die Fähigkeit verfügt zu sehen, dazu in der Lage ist Kunst bewusst wahrzunehmen (vgl. Koschatzky, 1977: 16). Jede bewusst gestaltete Spur, von der einfachen Kreuzung zweier Linien bis zum detailgenauen Portrait, wird als solche wahrgenommen. Lediglich der intellektuelle Grad der Interpretation dieser Spur variiert und kann durch Bildung beeinflusst werden. Im eigentlichen Sinne ist unter der gestalterischen Tätigkeit des Zeichnens, die an einem realen oder geistigen Objekt orientierte Nachformung eines Gegenstandes, mithilfe von Linien und Strichen zu verstehen. Die Abgrenzung zwischen realen und geistigen Objekten beruht auf der Weiterentwicklung einer Idee der Renaissance, in der die Zeichnung in zwei Bereiche differenziert wurde. Zum einen gab es den Bereich des Zeichnens, der sich mit einer handwerklich erlernbaren und sich kulturell weiterentwickelnden Tätigkeit befasste. Zum anderen gab es den Bereich, der sich mit dem freien, aus dem Geist herausschöpfenden Zeichnen beschäftigte und aus der Einbildungskraft des Künstlers entsprang. Dieser Bereich zielt auf das eigentlich künstlerische ab, da die Bildfindung aus einer eigenen Idee entsprungen ist (vgl. Lehnerer, 2000: 83; Koschatzky, 1977).

Im Gegensatz zur Malerei beschränkt sich die Zeichnung als Medium auf prägnante, charakterisierende Merkmale eines Objektes wie dessen Umrisslinien oder auf wichtige Erscheinungen in dessen Binnenstruktur oder Oberfläche. Vom Zeichner sind also Reduktion und Abstraktion des Gegenstandes auf dessen äußere Grundformen bzw. Körper- und Umrisslinien zu leisten und diese im Kontrast zum umgebenden Raum darzustellen. Angesichts der Tatsache, dass diese Linien kognitiven Konstrukten gleichkommen, die in der realen, dreidimensionalen Natur so nicht existent sind (kein Körper hat eine ihn umfassende, begrenzende Umrisslinie), kann hierin, neben Komposition und der weiteren Ausführung, die eigentliche Herausforderung der künstlerischen Zeichnung gesehen werden. Im Unterschied zu anderen technischen Medien und Praktiken der bildenden Kunst besticht gerade die Handzeichnung durch ihre Spontaneität und ihre Unmittelbarkeit in der Ausführung. Die Zeichnung ist dabei auch ein Innehalten eines Gedankens oder eines Bildes, mit dem sich der Mensch gerade auseinandersetzt oder auseinandergesetzt hat. Das Vergangene kann somit durch die Zeichnung nachvollzogen werden.

„Zeichnen ist der kürzeste Weg von der Idee zu ihrer Mitteilung. (…) Durch Zeichnen gewinnt man auch neue Informationen, Zeichnen dient dem Sehen. (…) Denn hier entsteht der direkte Kontakt zwischen Denken, Sehen und Machen(…) Zeichnen als kürzester Weg von der Idee zu ihrer Sichtbarkeit und Zeichnen, um Sehen zu lernen, das sind zwei Wege, auf denen das Zeichnen zur direkten Auseinandersetzung mit den Wirklichkeiten führt.“ (Eid/ Langer/ Ruprecht, 2002: 38 ff.).

4. Zeichnen im Kunstunterricht

Nach den Erörterungen zu den spezifischen Merkmalen der Zeichnung als künstlerisches Medium und als Mittel der Kommunikation soll nun der Frage nachgegangen werden, welche Rolle die Zeichnung im Schulunterricht, vor allem natürlich im Kunstunterricht einnimmt. Zu klären wird sein, wie die Technik des Zeichnens und deren Bedeutung in den curricularen Vorgaben verankert sind.

4.1 Historischer Exkurs

Seit Anbeginn des institutionalisierten Zeichenunterrichts in den Volksschulen ab Mitte des 19. Jahrhunderts gehört die schulische Vermittlung zeichnerischer Fähigkeiten zum Themenkanon. Jedoch hat sich diese Thematik mit wandelnden Ab- und Ansichten hinsichtlich der Funktion und der Bedeutung des Zeichenunterrichts auseinandersetzen müssen.

Zunächst stand im Zeichenunterricht in den Schulen der unteren Schichten die reine Nützlichkeitserwägungen im Vordergrund. Nicht die ästhetische Auseinandersetzung zwischen dem Ich und der Welt, nicht das zweckfreie, erforschende Spiel mit den vielfältigen Gestaltungsformen der Kunst stand im Mittelpunkt, sondern die strikte Disziplinierung der Schüler auf die handwerkliche Tätigkeit in der späteren Arbeitswelt. Inhaltlicher Kern des Zeichenunterrichts war das Einüben und langwierige Wiederholen elementarer Grundformen geometrischer Körper und Muster. So war beispielsweise der produktive Umgang mit Farben völlig unüblich und wurde lediglich theoretisch abgehandelt. Die Eintönigkeit dieser Übungen entsprach den kleinteiligen, maschinellen Produktionsabläufen in den Fabriken und Manufakturen und „…diente dazu, mittels monotonen Drills die vom Produktionswesen verlangten Tugenden wie Fleiß, Disziplin und Ordnung für die industrielle Arbeit einzuüben.“ (Peez, 2005: 72; vgl. Eid/Langer/Ruprecht, 2002: 98f.).

Als Beispiel eines solchen, der Kunst entfremdeten Zeichenunterrichts, kann das sogenannte stigmografische Zeichnen nach der Methode des Hamburger Schulrats Adolf Stuhlmann dienen. Dabei wurden innerhalb eines Linienrasters in den Heften der Schüler auf Anweisung der Lehrer Linien gezogen bzw. Punkte miteinander verbunden, um somit ornamentale Gebilde und Schemen simpler Gegenstände zu erzeugen. Ziel dieses Zeichnens auf Diktat war die „Gewinnung klarer Vorstellungen“ (Stuhlmann, zit. nach Peez, 2005: 71) für die weitere Auseinandersetzung mit Natur, Wissenschaft und Kunst und war im Kern jedoch nur pedantische, stupide und lebensferne Dressur der Schüler ohne dabei tatsächliche Aspekte der bildenden Kunst auch nur zu berühren – Zeichnen war bloßes Mittel zum Zweck, keines des künstlerischen Ausdrucks.

[...]


1 im Weiteren mit SuS abgekürzt

Details

Seiten
16
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668991811
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493663
Institution / Hochschule
Studienseminar Buchholz für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen
Note
1,0
Schlagworte
zeichnen techniken methoden anwendung unterricht

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