Lade Inhalt...

Kommunikationsmodelle im Fokus. Das Organonmodell von Bühler und das Kommunikationsmodell von Jakobson

Seminararbeit 2005 9 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhalt

1 EINLEITUNG

2 BESCHREIBUNG DER KOMMUNIKATIONSMODELLE
2.1 DAS ORGANONMODELL VON BÜHLER
2.2 DAS KOMMUNIKATIONSMODELL VON JAKOBSON

3 SCHLUSSBETRACHTUNG

4 BIBLIOGRAPHIE

1 EINLEITUNG

In dieser Arbeit sollen die beiden Kommunikationsmodelle, das Organonmodell von Karl Bühler und das Kommunikationsmodell von Roman Jakobson, beschrieben und anschließend einer vergleichenden Betrachtung unterzogen werden.

Kommunikationsmodelle versuchen, die komplexe Wirklichkeit des Kommunika­tions­prozesses in ihren wesentlichen Faktoren zu erfassen und darzu­stellen. Sie sind damit nur vereinfachende Modelle der Wirklichkeit, nicht die Wirk­lichkeit selbst.

Karl Bühler entwarf im Rahmen seiner Sprachtheorie (1934) das Organonmodell, ein zentrales Sprach- bzw. Zeichenmodell, das sich mit den Funktionen von Sprache befasst. Er nannte es Organonmodell in Anlehnung an Platons Metapher der Spra­che als Werkzeug (griechisch: Organon).[1] Sprache ist demnach ein Hilfsmittel, mit dem eine Person einer anderen einen Sachverhalt mitteilt, um sie zu informieren oder um eine Verhaltensänderung zu bewirken.[2]

Laut Bühler hat Sprache drei konstitutive, diakritische Funktionen: die Ausdrucks­funktion, die Appellfunktion und die Darstellungsfunktion, die seiner Meinung nach „den Kosmos der reinen Sprache restlos konstituieren.“[3]

Roman Jakobson erweiterte in seinem Aufsatz Linguistik und Poetik (1960) Bühlers dreigliedriges Organonmodell (1933) zu einem Sprachmodell mit sechs Funktionen. Demzufolge spielen in jeder sprachlichen Kommunikation sechs Faktoren eine Rolle: der Sender, der Empfänger, der Kanal, die Botschaft, der Kontext und schließlich der Code, der von allen Kommunikationsteilnehmern beherrscht werden muss.[4]

2 Beschreibung der K ommunikationsmodelle

2.1 Das Organonmodell von Bühler

Das konkrete Sprechereignis bildet für Karl Bühler den Ausgangspunkt seiner Un­tersuchung der menschlichen Sprache.[5] Zu einer Kommunikationssituation gehören nach Bühler drei Hauptelemente: ein Sprecher (Sender), ein Hörer (Empfänger) und ein Gegenstand (Referent), auf die sich die Sprache bezieht. Bühler kommt zu der Feststellung, dass die Leistung des sprachlichen Zeichens dreifach ist.[6] Außerdem stellt er fest, dass sie abhän­gig ist von der Gesprächssituation, in der das Zei­chen geäußert wird, sowie dem sozia­len Rollenspiel, welches dieser Situation zugrunde liegt.

[Es gibt drei] semantische [...] Funktionen des (komplexen) Sprachzeichens. Es ist Symbol kraft seiner Zuordnung zu Gegenständen und Sachverhalten, Symptom (Anzeichen, Indicum) kraft seiner Abhängigkeit vom Sender, dessen Inner­lichkeit es ausdrückt, und Signal kraft seines Appells an den anderen Hörer, dessen äußeres oder inneres Verhalten es steuert wie andere ‚Verkehrszei­chen’.[7]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Organonmodell der Sprache von Karl Bühler (1934): 28.

Erklärung des Modells:

Der Kreis symbolisiert den materiellen Zeichenträger, z.B. beim verbalen Zeichen das Schallphänomen. Das Dreieck stellt die Zeichenfunktion dar, die das Schallphä­nomen hat. Die Seiten des Dreiecks sind den drei Hauptelementen zugewandt. Die Linien, die vom Mittelpunkt weggehen, stellen die semantischen Funktionen des Sprachzeichens dar.[8] Die referentielle Funktion ist nur gestrichelt markiert, also weni­ger konstitutiv und auch weniger direkt als die Beziehung zwischen Sender, Zeichen und Hörer.[9]

Die drei Funktionen des Organonmodells sollen im Folgenden näher erläutert werden:

1. Das Zeichen ist ein Symbol für Gegenstände und Sachverhalte. Es kennzeich­net die Beziehung zwischen dem Zeichen und einem Objekt. Sprachzeichen stellen die realen Gegenstände und Sachverhalte symbolisch dar. Bühler spricht von der Darstellungsfunktion.
2. Das Zeichen ist ein Symptom für den Sender (Sprecher). Es geht um die Bezie­hung zwischen dem Zeichen und dem Sender.

Das sprachliche Zeichen drückt als ein Symptom die menschliche Befindlich­keit des Senders mit ihren Emotionen und Werten aus. Die Sprache hat also auch Ausdrucksfunktion.

[...]


[1] Vgl. Lexikon der Sprachwissenschaft (1983): 365.

[2] Vgl. Brockhaus (1991): 261.

[3] Bühler (1927): 51, zit. n. Busse (1975): 207.

[4] Vgl. Pelz (2000): 28.

[5] Busse (1975): 213.

[6] Vgl. Bühler (1934): 28.

[7] Bühler (1934): 28.

[8] Vgl. Bühler (1976): 116.

[9] Vgl. Auer (1999): 25.

Details

Seiten
9
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638458221
ISBN (Buch)
9783638597920
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49346
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
1,2
Schlagworte
Kommunikationsmodelle Organonmodell Bühler Kommunikationsmodell Jakobson Einführung Sprachwissenschaft

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Kommunikationsmodelle im Fokus. Das Organonmodell von Bühler und  das Kommunikationsmodell von Jakobson