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Das finnische Bildungssystem - besser als das deutsche?

Hausarbeit 2004 22 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung mit Hinblick auf die Ergebnisse der PISA-Studie

2. Aufbau des Bildungssystems
2.1 Die finnische Vorschule
2.2 Die finnische Gesamtschule
2.3 Die gymnasiale Oberstufe
2.4 Die berufliche Erstausbildung
2.5 Der weiterführende Ausbildungsgang über Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen

3. LehrerInnenbildung im Vergleich (Finnland <> Deutschland)
3.1 Das Studium in Finnland und Deutschland
3.2 Die soziale Absicherung eines Lehrers in Finnland und Deutschland
3.3 Der soziale Status eines Lehrers in Finnland und Deutschland

4. Schlussbemerkungen

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung mit Hinblick auf die Ergebnisse der PISA-Studie

Trotz vielfältigster Diskussionen über die PISA-Studie und das damit vorausgesetzte Verständnis und Wissen über deren Inhalte, möchte ich im Folgenden kurz einige Standpunkte zu dieser Studie darlegen.

PISA steht für "Programme for International Student Assessment" und ist ein Programm, welches eine internationale Studie über die grundlegenden Lernkompetenzen von 15-jährigen erfasst. Diese Erfassung findet periodisch in einem Dreijahreszyklus statt. In jedem dieser Zyklen wird der Schwerpunkt auf einen Hauptbereich gelegt. Dieser war im Jahr 2000 die Lesekompetenz, im Jahr 2003 die mathematische Grundbildung und die naturwissenschaftliche Grundbildung wird den Schwerpunkt 2006 darstellen. Durchgeführt wird PISA von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und sowohl gemeinschaftlich von allen Mitgliedsstaaten getragen, als auch verantwortet.

Im Jahr 2000 nahmen ca.180.000 SchülerInnen aus 32 Staaten an der ersten PISA-Untersuchung weltweit teil. Als "Sieger" ging Finnland hervor, dessen Leistungen "signifikant über dem OECD-Mittelwert"[1] lagen, wohingegen sich die Leistungen deutscher Schüler bedeutend unter diesem Mittelwert befanden. Diese Ergebnisse führten natürlich zu heftigen Diskussionen im deutschen Bildungswesen. Eine der wichtigsten Fragen hierbei war: "Was machen die Länder anders, die bei der internationalen PISA-Studie bessere Ergebnisse erzielt haben als Deutschland?"[2]

Dazu gibt es verschieden Thesen. Eine dieser, die ich an dieser Stelle nur kurz anreißen möchte, ist die Idee der Integration von Bildungswegen, in denen das Lernen im Vordergrund steht, wie es an finnischen, schwedischen oder kanadischen Gesamtschulen der Fall ist. Man ist der Auffassung, dass Deutschland bessere Ergebnisse hätte erzielen können, wenn die Schüler nicht nach ihrem sozialen Stand auf die verschieden Schularten verteilt würden, sondern nach ihrem

Leistungsniveau. Überhaupt wird das dreigliedrige Schulsystem als einziger deutscher Bildungsweg als äußerst nachteilig betrachtet. Ebenfalls als ein Grund für die einerseits herausragenden Ergebnisse Finnlands und die andererseits schlechten Deutschlands werden die Unterschiede in der LehrerInnenausbildung benannt (vgl. http://www.crue.upm.es/eurec/).

Diese Aspekte möchte ich im Folgenden beleuchten, diskutieren, gegebenenfalls Vergleiche zwischen Finnland und Deutschland anstellen und aus meinen Ergebnissen mögliche Schlussfolgerungen ziehen. Dazu werde ich den Aufbau des finnischen Bildungssystems schildern, den des deutschen Systems aber nicht im Detail erläutern, da ich der Meinung bin, dass dies allgemein bekannt ist. Die LehrerInnebildung werde ich für beide Länder, zum besseren Verständnis, kurz darstellen.

2. Der Aufbau des finnischen Bildungssystems

Finnland ist ein Land, welches wenige Ressourcen für wirtschaftliche Zwecke, wie Handel und Industrie besitzt. Aus diesem Grund wird von jeher großer Wert auf die Bildung der Bevölkerung gelegt, denn es steht fest, dass Finnland nur durch Bildung zu wirtschaftlichen Erfolgen kommen kann. Schon im 19. Jahrhundert war gesellschaftliches Ansehen in Finnland mehr vom Bildungsstand als vom Besitz abhängig (vgl. H.Schmoll in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 22.02.02 http://www.finland.de/pisa-studie ). Da Finnland fast 600 Jahre zum schwedischen Reich gehörte, muss heute jeder Schüler Finnisch und Schwedisch lernen. Aus diesem Grund gibt es finnischsprachige (4000 an der Zahl) und schwedischsprachige (33) Schulen in Finnland[3], an denen aber in jedem Fall die jeweils andere Sprache unterrichtet wird. 1866 wurde die erste Grundschule in Finnland gegründet, 1867 das erste Gymnasium. Seit 1921 gibt es die allgemeine Schulpflicht, schulpflichtig sind Kinder und Jugendliche im Alter von 7-16 Jahren. Das Schulsystem Finnlands unterscheidet sich heute, allgemein gesagt, insofern

vom deutschen, dass es eine Gesamtschule für alle Schüler gibt. (Grafische Darstellung des finnischen Bildungssystems in Anlage 1) Die deutsche Übersetzung der „Gesamtschule“ kann aber nicht mit der deutschen Gesamtschule gleichgesetzt werden. Diese Schulart wurde in den 70er Jahren reformiert und von einem ebenfalls mehrgliedrigen Schulsystem nach schwedischem Vorbild und nach dem System der Polytechnischen Oberschulen (POS) der DDR neu gestaltet. Dieses System möchte ich jetzt genauer beschreiben.

2.1 Die finnische Vorschule

Kinder können im Alter von 6 Jahren den Vorschulunterricht besuchen. Dieser findet in Kindergärten oder in Vorschulklassen der Gesamtschulen statt. Obwohl der Unterricht freiwillig ist, wird er von ca.90% der finnischen Kinder besucht. (Statistiken über Vorschulunterricht siehe Anlage 2) Seine Ziele sind ein Spiel- und Lernumfeld für die Kinder zu schaffen, in dem sie sich mit anderen Kindern vielseitig entwickeln können. Außerdem bereitet der Vorschulunterricht auf den Schulunterricht vor und erleichtert somit den Eintritt in den Schulalltag.

Im Jahr 2000 wurden in Finnland für den Vorschulunterricht Grundlagen für einen Unterrichtsplan erarbeitet, in diese Planung sollen zukünftig auch Kinder und Eltern mit einbezogen werden. (Diese Vorschulreform verpflichtet auch alle Kommunen, für jedes Kind einen Vorschulplatz bereitzustellen.) Allgemeine Prinzipien des Unterrichts sind: die Individualität des Kindes fördern, Gruppenarbeit und aktives Lernen unterstützen. Innerhalb dieses Unterrichtsplanes gibt es keine Unterteilung in Fächer oder Unterrichtsstunden aber es werden verschiedene Themenbereiche vorgegeben, z.B. Sprachen und Interaktion, Mathematik, Umwelt und Natur etc.

Der Vorschulunterricht basiert auf den Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen des Kindes. Weitere wichtige Aspekte für die Vorschulerziehung sind auch, das Kind kann spielend lernen, seine Eigeninitiative wird bei allen Aktivitäten gefördert und es wird eine positive Lebenseinstellung vermittelt.

In dieser Unterrichtsform gibt es keine Bewertung, wie Schulnoten etc. aber jedes Kind wird intensiv beobachtet und man versucht zu erkennen, inwieweit ein Kind bereit für den Schuleintritt ist. (vgl. http://www.finland.de/pisa-studie )

Im Kindergarten und in der Vorschule sind LehrerInnen tätig, die ein dreijähriges Studium mit dem Bachelor in Education abgeschlossen haben.Dies zeigt, welche Bedeutung der Vorschulerziehung in Finnland beigemessen wird.

2.2 Die finnische Gesamtschule

Ab dem 7. Lebensjahr beginnt für jedes Kind die Schulpflicht. Sie endet mit dem 17. Lebensjahr oder mit Abschluss der 9. Klasse an der Gesamtschule. In Finnland bedeutet Schulpflicht aber nicht, dass der Schüler zwingend am Unterricht an der Schule teilnehmen muss. Es gibt auch Ausnahmeregelungen, die besagen, dass ein Schüler, falls er aus gesundheitlichen oder anderen Gründen keine Schule besuchen kann, den Unterrichtsstoff auf andere Weise vermittelt bekommen kann. t Die Heimatgemeinde des betroffenen Schülers ist dafür zuständig, solch eine Möglichkeit bereitzustellen.

In der Gesamtschule findet der sogenannte grundlegende Unterricht statt. Dies ist allgemeinbildender Unterricht für die jeweilige Altersklasse. Im Gesetz über den grundlegenden Unterricht (628/1998) sind folgende Ziele verankert: „...die Unterstützung der Schüler in ihrer Entwicklung zu humanistisch gesinnten und verantwortungsbewussten Mitgliedern der Gesellschaft sowie die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten für das Leben. [...] Der Unterricht soll zur Förderung der Bildung und Gleichberechtigung in der Gesellschaft sowie der Voraussetzungen der Schüler für die Bildungsteilnahme und Persönlichkeitsentwicklung beitragen.“[4] Die ersten sechs Jahre entsprechen der Primarstufe (ala-aste). In dieser Zeit unterrichtet meist nur ein Klassenlehrer, der fast alle Fächer abdeckt. Die letzten drei Jahre der Gesamtschulzeit (yläaste) wird der Unterricht von Fachlehren gestaltet. Die Gesamtschule wird ohne Prüfung abgeschlossen, gilt aber erst als erfolgreich beendet, wenn der Schüler sein Lernpensum erfüllt hat. Zu diesem gehören: Muttersprache und Literatur, zweite Landessprache, Fremdsprachen, Umweltlehre, Gemeinschaftskunde, Geschichte, Mathematik, Chemie, Sport, Handarbeit etc. Ein ebenfalls wichtiger Bestandteil des Unterrichts an der finnischen Gesamtschule ist die Schülerberatung und der Sonderunterricht, der bei Bedarf stattfindet. Für diese Schule gibt es keine Aufnahmebedingungen, keine Gebühren (auch Unterrichtsmaterial ist kostenfrei). Der Unterricht wird in Orten nahe dem Wohnsitz des Schülers erteilt, man kann ein freiwilliges Zusatzjahr anhängen, Schulabbruch oder Nichtversetztwerden gibt es nur in seltenen Fällen. Der Schüler schließt die Schule mit der mittleren Reife ab, danach folgen verschiedene Möglichkeiten der Ausbildung im Sekundarbereich II. (vgl. http://www.finland.de/pisa-studie )

[...]


[1] http://www.crue.upm.es/eurec/

[2] ebed.

[3] Vgl. http://www.theateramrand.de/finnboard/thread.php?threadid=1304&boardid=26

[4] Gesetz über den grundlegenden Unterricht 628/1998 in http://www.finand.de/pisa-studie

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638457897
ISBN (Buch)
9783640654512
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49307
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,4
Schlagworte
Bildungssystem

Autor

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