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Erarbeitung eines Konzepts für ein Freiflächeninformationssystem am Beispiel der NürnbergMesse

Studienarbeit 2013 77 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Anlagenbau

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Kurzfassung

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Aufgabenstellung und Abgrenzung
1.3 Zielsetzung und Relevanz für die eigene Profession
1.4 Persönliche Motivation

2. Messewesen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Funktionen einer Messe
2.3 Hauptakteure und ihre Bedarfe
2.4 Beurteilung und Bedeutung von Messen
2.5 Regionalwirtschaftliche und soziokulturelle Auswirkungen
2.6 Metropolregion und Messestandort Nürnberg
2.7 Messestandort Deutschland im internationalen Vergleich

3. NürnbergMesse GmbH
3.1 Historie
3.2 Zukunftsziele der NürnbergMesse GmbH

4. Methodische Vorgehensweise
4.1 Bestandsaufnahme und Grundlagenermittlung
4.2 Qualitative Methoden
4.2.1 Explorative Expertengespräche
4.2.2 Schriftliche offene Befragung

5. Management von Grün- und Freiflächen
5.1 Bedeutung und Funktion von Grün- und Freiflächen
5.2 Begriffsklärung und Aufgaben des Grünflächenmanagements
5.3 Ziele des Grünflächenmanagements
5.4 Begriffsdefinition Grünflächeninformationssystem
5.5 Aktuelle Softwarelösungen
5.5.1 ArcGIS 10.0
5.5.2 IP pit-Extension
5.5.3 ArchiCAD 16
5.5.4 Microsoft Excel

6. System und Softwareauswahl
6.1 Freiflächeninformationssystem der NürnbergMesse
6.2 Softwareauswahl
6.2.1 Anwendungsspezifische Anforderungen an das System
6.2.2 Entscheidungsfindung

7. Datenerhebung
7.1 Erfassung und Digitalisierung
7.2 Gliederung und Ebenenstruktur

8. Analyse und Evaluierung
8.1 Flächennutzung und Typisierung
8.2 Flächenkategorisierung

9. Konzept und Funktionsweise des Freiflächeninformationssystems
9.1 Konzept des Freiflächeninformationssystems
9.2 Funktionsweise der Freiflächeninformationstabelle
9.3 Funktionsweise des Freiflächeninformationsplanwerk

10. Zusammenfassung und Ausblick

Anhang
A Ergebnisse der explorative Expertengespräche
B Ergebnisse der offenen Befragung
C Planwerke
D Digitaler Speicher

Literaturverzeichnis

Abstract

The following thesis establishes the basis for a digital, dynamic and user-friendly open space information system using the example of the NürnbergMesse GmbH. Based on this system a sound cost estimation, cost control and cost steering can be done. The input method can be adapted to the needs of the user.

The office Adler & Olesch Landschaftsarchitekten BDLA, Stadtplaner SRL und Ingenieure has been in close contact with the NürnbergMesse GmbH for many years. It is a competent partner regarding the development, support and maintenance of the open spaces and outside facilities of the fairground. With the support of the office a direct contact to the fair was established and the issue of an open space information system has been taken up.

Firstly the trade fair as a whole along with its socio-economic and cultural importance on its location will be explained. In addition to that there will be an exemplary representation of the function and impact of the trade fair organisation funded with facts and figures on international and economic power of the company.

Current software solutions are presented after an introduction to the topic of open space management. With a specially defined requirement profile suitable software solutions are identified. Exploratory expert interviews and qualitative surveys support the decision making.

Subsequently the scientific task is discussed in terms of optimising the open space management in an economic, efficient and effective way. The answer to this is the concept of an open space information system. Its function and effect will be explained more detailed in the course of the work. Basic instructions and explanations about the concept of implementation, function and application will be presented afterwards.

Recommendations on the further proceedings are pronounced and potentials of the system are highlighted in a final outlook.

Kurzfassung

Im Rahmen dieser Arbeit wird, am Beispiel der NürnbergMesse GmbH (eigene Schreibweise), die Grundlage für ein digitales, dynamisches und benutzerfreundliches Freiflächeninformationssystem geschaffen. Das komplexe System ermöglicht, mit Hilfe dynamischer Auswahlfunktionen, eine fundierte Kostenermittlung, Kostenkontrolle und Kostensteuerung. Die Eingabemethodik kann an die Bedarfe der Benutzer angepasst werden.

Das Büro Adler & Olesch Landschaftsarchitekten BDLA, Stadtplaner SRL und Ingenieure steht schon seit vielen Jahren in engem Kontakt zur NürnbergMesse GmbH und ist seither kompetenter Ansprechpartner in Bezug auf die Entwicklung, Betreuung und Pflege der internen Freiflächen und Außenanlagen des Messeareals. Mit der Unterstützung dieses Büros wurden der Kontakt zur Messe hergestellt und die Thematik der Notwendigkeit eines Freiflächeninformationssystems aufgegriffen.

Im Laufe der Arbeit werden zunächst der Gesamtapparat „Messe” und dessen wirtschaftliche und soziokulturelle Bedeutung für den Messestandort Nürnberg erläutert. Darauf folgt eine kurze Darstellung des Konzerns mit Daten und Fakten zu Internationalität und Wirtschaftskraft.

Nach einer Einführung in die Thematik des Grün- und Freiflächenmanagements werden aktuelle Softwarelösungen vorgestellt. Anhand eines eigens definierten Anforderungsprofils werden geeignete Softwarelösungen ermittelt. Explorative Expertengespräche und qualitative Umfragen in Messeunternehmen unterstützen die Entscheidungsfindung.

Anschließend wird das Konzept hinsichtlich einer Optimierung des Freiflächenmanagements in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Effektivität vorgestellt. Die Antwort hierauf ist die Entwicklung eines Freiflächeninformationssystems, dessen Funktion und Wirkung im Laufe der Arbeit detaillierter erklärt werden. Grundsätzliche Erläuterungen zu Umsetzungskonzept, Funktionsweise und Anwendung werden im Anschluss gegeben.

Im Ausblick werden die Potentiale des Systems unterstrichen und abschließend Empfehlungen für weitere Entwicklungs- und Handlungsschritte ausgesprochen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionen 1. und 2. Ordnung von Messen und Ausstellungen

Abbildung 2: Die gegenseitige Abhängigkeit von Messe und Standort

Abbildung 3: Messeplätze weltweit

Abbildung 4: Lageplan NürnbergMesse GmbH

Abbildung 5: Flächenentwicklung NürnbergMesse von 1975 bis

Abbildung 6: Messeplatz Deutschland

Abbildung 7: Grünflächenmanagement im Gesamtrahmen des Facility Managements

Abbildung 8: Minimal- und Maximalprinzip

Abbildung 9: Bestandteile des FIS - 1.Ebene

Abbildung 10: Systemanforderungen

Abbildung 11: Bewertungsmatrix zur Softwareauswahl

Abbildung 12: Übersicht Ebenenstruktur, Ebenenkombinationen und Hotlinks

Abbildung 13: Teilbereiche nach Adler & Olesch

Abbildung 14: Neugliederung der Teilbereiche

Abbildung 15: Flächentypisierung

Abbildung 16: Flächenkategorisierung

Abbildung 17: Bewertungsmatrix zur Flächenkategorisierung am Beispiel der NürnbergMesse

Abbildung 18: Grundlage OK FREI

Abbildung 19: Ausschnitt FIT - Erweiterungen OK FREI

Abbildung 20: Ausschnitt FIT - Gliederung nach Kostengruppen

Abbildung 21: Ausschnitt FIT - Mustertabellenblatt

Abbildung 22: Ausschnitt FIT - Erstellen eines neuen Informationsblattes für einen Teilbereich

Abbildung 23: Ausschnitt FIT - Dateneintragung: Benennung und Flächengröße

Abbildung 24: Preisermittlung und Häufigkeitsfaktor

Abbildung 25: Methoden zur Preisermittlung

Abbildung 26: Ausschnitt FIT - Exemplarische Dateneintragung

Abbildung 27: Ausschnitt FIT - Pflegematrix

Abbildung 28: Ausschnitt FIT - Informationsfenster

Abbildung 29: Ausschnitt FIT - Tabelle: Übersicht Gesamtkosten

Abbildung 30: Ausschnitt FIT - Balkendiagramm: Übersicht Gesamtkosten

Abbildung 31: Bestandteile des FIS - 2. Ebene

Abbildung 32: Ausschnitt FIP - Ebenenkombinationen

Abbildung 33: Ausschnitt FIP - Layout Elementelisten

1. Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

Immer häufiger sind Kommunen und Wohnungsgesellschaften nicht mehr in der Lage ein effizientes und effektives Management ihrer Grünflächen durchzuführen. Generelle Ursachen hierfür sind häufig überholte Verwaltungsstrukturen, komplexere Aufgabenbereiche und zeitgleiche Ressourcenverknappung.

Die NürnbergMesse GmbH muss sich als Unternehmen ähnlichen Herausforderungen stellen:

- Budgetstagnation bzw. -kürzung bei Pflege, Unterhaltung und Entwicklung der Grün- und Freiflächen
- Zeitgleich stetige Flächenerweiterungen
- Steigender Nutzungs- und Funktionsdruck

Eine Optimierung im Bereich des Freiflächenmanagements ist eine zielführende Möglichkeit, den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Die Neupositionierung und detailliertere Betrachtung entsprechender Kostenstellen, sowie ein modernes Managementsystem, sind daher elementare Stellschrauben für ein ökonomisches und ganzheitliches Freiflächenmanagement.

Bei Gestaltungs- und Investitionsentscheidungen der NürnbergMesse spielen nicht nur die 160.000 m² überdachten Bruttoausstellungsflächen, sondern auch die 50.000 m² umfassenden Bruttoausstellungsflächen im Freigelände eine große Rolle. Das Management, die Organisation und Optimierung des Planungs- und Pflegeaufwands dieser Außenanlagen, als öffentlich zugängliche Repräsentations- und Funktionsflächen, bilden den Ausgangspunkt dieser Arbeit.

Die Analyse und systematische Erfassung, Digitalisierung sowie die grafische Darstellung der Daten bilden in dieser Arbeit die Grundlage für eine optimierte Ressourcenzuweisung. Diese Optimierungsansätze führen letztlich zu einer verbesserten Budgetverteilung und Wirtschaftlichkeit. Zugleich fördern die daraus resultierende Transparenz der Investitionen und der uneingeschränkte Zugriff auf ein derartiges Informationssystem, den Kommunikations- und Informationsfluss erheblich.

1.2 Aufgabenstellung und Abgrenzung

Eine der größten Herausforderungen für eine Messegesellschaft sind die unterschiedlichen Anforderungen und Bedarfe der beteiligten Akteure (vgl. Kap. 2.3). Der optimalen Budgetverteilung in Bezug auf Planungs-, Pflege- und Investitionskosten der Freiflächen des Messegeländes gehen zahlreiche strategische Entscheidungen voraus. Die unterschiedlichen Bedarfe und Interessen führen zu unterschiedlichen Ansichten im Hinblick auf die Budgetverteilung. Nicht zuletzt erschwert der dynamische Messebetrieb die Bewirtschaftung der Freiflächen. Die ausführenden GaLaBau- Betriebe und „grünen” Servicepartner sind an einen festen Zeitrahmen gebunden.

Um den Prozess der Bewirtschaftung und der Ressourcenverteilung zu erleichtern soll am Beispiel der NürnbergMesse und im Austausch mit dem Büro Adler & Olesch Landschaftsarchitekten BDLA, Stadtplaner SRL und Ingenieure die Notwendigkeit und Anwendbarkeit eines dynamischen Informationssystems für die Außenanlagen großer Unternehmen und Gesellschaften untersucht werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird demnach ein Konzept für ein Freiflächeninformationssystem (FIS) erarbeitet. Dieses System soll helfen, zukünftige Handlungsanweisungen präziser, verständlicher und rechtzeitig zu geben. So sollen über das Jahr hinweg ein reibungsloser Ablauf und ein ausgeglichener Mitteleinsatz gewährleistet werden. Nähere Erläuterungen zu Begriffsklärung und Konzeption finden sich im weiteren Verlauf der Arbeit (vgl. Kap. 6 und 9ff).

Die Aufgabe dieser Arbeit besteht darin, Planungs-, Entwicklungs-, Instandhaltungs- und Investitionsprozesse transparenter zu gestalten und ein Instrumentarium zu entwickeln, welches allen Beteiligten die Möglichkeit gibt alle relevanten Informationen über die Freiflächen schnell und übersichtlich abrufen zu können. Das Informationssystem soll ebenso quantitative wie auch qualitative Daten speichern und die Flächen in bestimmte Wertigkeitsstufen und Pflegeaufwandskategorien einteilen.

Die Auswahl einer geeigneten Software ist ebenfalls Teilaufgabe dieser Arbeit. Geografische Daten müssen erfasst, bearbeitet, organisiert, analysiert und repräsentativ wiedergegeben werden können. Trotz des komplexen Ansatzes darf die Benutzerfreundlichkeit und Verständlichkeit unter diesen Anforderung nicht leiden.

Die Schwierigkeit besteht wie erwähnt darin, die Pflege- und Betreuungsarbeiten auf den Freiflächen an den messespezifisch temporären und stetig wandelbaren Messezyklus anzupassen. Auch müssen die Arbeiten aus logistischer Sicht mit dem Messebetrieb harmonieren. Neben der Ästhetik sind hier auch funktionale Gesichtspunkte, sowie wirtschaftliche Aspekte relevant.

Die Arbeit befasst sich mit dem Messestandort Nürnberg, den lokalen Gegebenheiten des Nürnberger Messegeländes und dessen regionalwirtschaftlichen Auswirkungen auf die Gesellschaft. Im Mittelpunkt stehen die Außenanlagen der NürnbergMesse, deren Bedeutung und wirtschaftliche Optimierung. Zur Demonstration der Funktionsweise des Informationssystems wurden exemplarisch die beiden Teilbereichsflächen Messepark und Parkplatz West herangezogen (vgl. Kap. 8.1).

1.3 Zielsetzung und Relevanz für die eigene Profession

Zielsetzung dieser Arbeit ist die Entwicklung einer Grundlage für ein digitales, dynamisches und benutzerfreundliches FIS am Beispiel der NürnbergMesse. Hiermit wird die Basis für eine detaillierte, fundierte und transparente Kostenermittlung1, Kostenkontrolle2 und Kostensteuerung3 geschaffen und somit eine Optimierung der Budget- und Ressourcenplanung ermöglicht.

Unterstützend sollen, basierend auf dem Prinzip des Benchmarkings (vgl. Kap. 4.2.2), Erfahrungen anderer Messestätten im Bereich des Freiflächenmanagements identifiziert, verstanden und auf die eigene Situation angepasst und implementiert werden.

Abschließend gibt die Arbeit weitere Handlungsanweisungen und spricht zukunftsweisende Entwicklungsschritte an, um die Optimierungsansätze in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, Effizienz und Effektivität des Systems weiter voran zu treiben (vgl. Kap. 10).

Die Relevanz eines solchen dynamischen ganzheitlichen Informationssystems wird deutlich, wenn man die Situation der Kommunen und Wohnungsgesellschaften genauer betrachtet. Veraltete Verwaltungsstrukturen sind den steten Veränderungen und der Ressourcenverknappung nicht gewachsen. Große Unternehmen, wie z.B. die NürnbergMesse, stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Hinzu kommen hier der steigende Nutzungs- und Funktionsdruck der Freiflächen und die stete Flächenexpansion. Landschaftsarchitekten stehen als Fachleute in der Verantwortung, für solch eine „grüne” administrative Herausforderung zielführende, effiziente und benutzerfreundliche Lösungen zu finden.

1.4 Persönliche Motivation

Die Motivation und Begeisterung für eine solche Thematik liegt in der praktischen Anwendung und Umsetzung. Bis dato erlernte Studieninhalte können in die Arbeit einfließen und helfen bei der wissenschaftlichen Erörterung. Theoretisches Wissen findet praktische Anwendung und der interdisziplinäre Kontakt zu Auftraggebern, Verantwortlichen, Fachleuten, Landschaftsarchitekten und fachspezifischen Softwareherstellern bietet stets ein breites Anwendungsspektrum, um die eigene Kommunikationsfähigkeit zu verbessern. Die Verantwortung mehreren Parteien gegenüber fördert Eigeninitiative, Disziplin und Verhandlungsgeschick. Eine sowohl praktische, als auch wirtschaftliche Komponente helfen, die rationale Sichtweise auf zukünftige Arbeiten der eigenen Profession zu erfassen und sich auf den Berufseinstieg vorzubereiten.

2. Messewesen

2.1 Begriffsdefinition

Eine eindeutige Definition des Begriffs „Messe” ist schwierig. In einschlägiger Literatur gibt es eine außerordentlich große Begriffsvielfalt für das jahrhundertealte Medium. Die Gewerbeordnung definiert die Begriffe „Messe” und „Ausstellung” unter „Titel IV Messen, Ausstellungen, Märkte” wie folgt:

„- 64 Messe

(1) Eine Messe ist eine zeitlich begrenzte, im allgemeinen regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige ausstellt und überwiegend nach Muster an gewerbliche Wiederverkäufer, gewerbliche Verbraucher oder Großabnehmer vertreibt. (2) Der Veranstalter kann in beschränktem Umfang an einzelnen Tagen während bestimmter Öffnungszeiten Letztverbraucher zum Kauf zulassen.”

„- 65 Ausstellung

Eine Ausstellung ist eine zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern ein repräsentatives Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige oder Wirtschaftsgebiete ausstellt und vertreibt oder über dieses Angebot zum Zweck der Absatzförderung informiert.”

In der Praxis werden die Begriffe Messe und Ausstellung, auf Grund der „Ähnlichkeit des Veranstaltungscharakters” (Selinski & Sperling 1995, S.14), häufig synonym verwendet. Merkmale wie turnusmäßige Wiederholungen, Standortbindung, Verkaufsorientiertheit, Kontaktpflege und Informationsweitergabe findet man in beiden Charakteren wieder.

Theoretisch betrachtet sind Messen verkaufsorientierter und Ausstellungen informationsorientierter. Jedoch zeichnet sich immer häufiger das Gegenteil in der praktischen Umsetzung ab. So ist einerseits zu beobachten, dass für einige regionale Verbraucher verkaufsorientierte Ausstellungen häufig den einzigen Vertriebsweg darstellen. Andererseits rückt auf großen Messen der Informations- und Kommunikationscharakter immer deutlicher und häufiger in den Vordergrund. So eignet sich die Messe einen weiteren Charakterpunkt der Ausstellung an. (ebd.)

Rückblickend auf den Gesetzestext der Gewerbeordnung wird die Messe auch als ein Marketinginstrument für Fachbesucher (vgl. Kap. 2.3) beschrieben. Allerdings gibt die Messe diesen geschlossenen Veranstaltungscharakter auf, sobald sie dem allgemeinen Publikum Zutritt zum Messegeschehen erlaubt. Hier tritt erneut der ausstellungstypische Schaucharakter in den Vordergrund. (Selinski & Sperling 1995, S.15)

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass eine klare und eindeutige Definition nur schwer möglich ist. Das hohe Überschneidungspotential der Begriffsdefinitionen macht eine strikte Abgrenzung der Veranstaltungen schwer. Schlussendlich weisen Messen und Ausstellungen mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede auf. Allein durch die Benennung lassen sich also keine eindeutigen Rückschlüsse auf das Wesen der Veranstaltung ziehen.

(ebd.)

Infolgedessen werden im Rahmen dieser Arbeit die Begriffe Messe und Ausstellung synonym verwendet.

Bei der Begrifflichkeit „Kongress” verhält es sich ähnlich. Hier gibt es keine gesetzestextliche oder anderweitige verbindliche Definition. Wie der lateinische Ursprung des Wortes besagt, handelt es sich bei einem Kongress (lat. congressus) um eine Zusammenkunft, ein Zusammentreffen. Üblicherweise werden Begrifflichkeiten wie Kolloquium, Konferenz, Symposium, Tagung, Treffen, Versammlung synonym verwendet. (Selinski & Sperling 1995, S.16)

2.2 Funktionen einer Messe

Wie im vorangegangenen Kapitel bereits angesprochen, haben sich Zweck und Funktion des Mediums „Messe” im Laufe der Zeit gewandelt. „Messen funktionieren heute [...] in erster Linie als Kommunikationsmaschine” (Marquart 2000, S.12). Der Verkaufscharakter der Messe rückt mehr und mehr in den Hintergrund und wird von abstrahierten Werten, wie effektiver Informationsweitergabe, Dialog- und Kommunikationsbereitschafft sowie Imagepflege abgelöst (Marquart 2000, S.10).

Der ursprüngliche Grundgedanke einer Messeveranstaltung, nämlich die Abbildung der Marktwirtschaft, bleibt jedoch bestehen. Dies untermauern folgende Statements.

Michael Pöllmann (Zentralbereichsleiter Vertrieb, Messe München):

„Messen sind [...] etwas ganz fantastisches. Alle Mechanismen die ansonsten weltweit funktionieren, funktionieren plötzlich begrenzt auf einem kleinen Raum. Eigentlich der einzige Job auf dieser Welt bei dem Sie das tatsächlich leibhaftig erleben können, warum Märkte funktionieren.” (Messe München 2013)

Auszug aus dem Geschäftsbericht 2011 der NürnbergMesse:

„Die Hauptfunktion von Messen ist unvermindert aktuell, nämlich die Realwirtschaft abzubilden. Bei Messen geht es um reale Produkte, reale Kontakte und reale Geschäfte.” (NürnbergMesse GmbH 2012a)

Um diese Mechanismen abbilden zu können muss ein Messestandort genügend Raum für Messeveranstaltungen bieten. Ein Indiz für stetes Messewachstum ist die Tatsache, dass Besucher- und Ausstellerzahlen und somit auch Umsatzzahlen unmittelbar mit der Flächenexpansion korrelieren. Die wirtschaftliche Entwicklung einer Messegesellschaft erfolgt somit immer analog zur Flächenerweiterung.

2.3 Hauptakteure und ihre Bedarfe

Messen sind Ereignisse an denen Messe- und Kongressgesellschaften als Veranstalter, Unternehmen, Verbände und Institutionen als Aussteller und Fach- und Privatleute als Besucher auftreten (Selinski & Sperling 1995, S.25). Die direkt beteiligten Gruppen werden im Folgenden näher erläutert.

Die Hauptakteure

„Messe- und Kongreßgesellschaften [alt] sind Dienstleistungsunternehmen, die sowohl den Messeplatz (Standort) als auch die einzelnen Veranstaltungen (Messen, Kongresse, Kombinationen) vermarkten.” (ebd.)

Nicht immer sind demnach die Gesellschaften und Konzerne selbst Veranstalter von Messen. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Messeanlagen (Hallen, Gelände, Kongresszentren) außenstehenden Veranstaltern (Verbände, Organisationen, Unternehmen) zur Verfügung gestellt werden.

Wirtschaftlich betrachtet erbringt ein Messeveranstalter eine besondere Art von Dienstleistung. „Kompetente Fachleute [Marketingabteilung] stimmen ihr Messekonzept mit den Entscheidern des entsprechenden Wirtschaftszweiges ab und führen Anbieter und Nachfrager für eine bestimmte Zeit an einem Ort zusammen.” (Harbecke 1996, S.12). Generell handelt es sich bei Messeveranstaltungen in erster Linie um eigene Veranstaltungen der Messegesellschaften. Die Messegesellschaft ergreift Eigeninitiative und entscheidet selbst, welche Veranstaltungen neu in den Veranstaltungskalender aufgenommen, beibehalten, überarbeitet oder sogar entfernt werden. „In Deutschland sind [...] Messeplätze [...] überwiegend identisch mit den Messeveranstaltern [...]. [In] anderen Ländern sind die Vermarktung des Geländes und das Anbieten von Messen zwei eigene Geschäftsbereiche.” (ebd.)

Bei Kongressen oder Tagungen läuft dieser Prozess in umgekehrter Reihenfolge ab. Kongressveranstalter und Unternehmen wenden sich als Kunde an die Messe, um deren Räumlichkeiten für eigene Zwecke zu nutzen (Selinski & Sperling 1995, S.26).

Die Verbände sind Beratungs-, Austausch- und Informationsplattform für Aussteller und Besucher. Bei Entscheidungsfragen zum Portfolio bestehender Veranstaltungen oder der Weiterentwicklung von Messeveranstaltungen drehen sie stets an richtungsweisenden Stellschrauben. Unter den Mitgliedern finden sich unteranderem Veranstalter, Wirtschaftsorganisationen und Durchführungsgesellschaften. (Selinski & Sperling 1995, S.28)

Einer der bekanntesten und ältesten Verbände ist der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA). Die Gesellschaft zur freiwilligen Kontrolle von Messe- und Ausstellungszahlen (FKM) ist ein „Selbstverwaltungsorgan der deutschen Messewirtschaft” (Selinski & Sperling 1995, S.31), welches für Transparenz im deutschen Messewesen sorgt.

Laut FKM ist ein Aussteller „ein Unternehmen, eine Organisation oder Einzelperson, die vom Messeveranstalter auf einer Aussteller-Standfläche zugelassen ist und dort mit anwesendem Personal Produkte, Dienstleistungen und/oder Rechte präsentiert bzw. verbreitet” (FKM 2013).

Unter den Begriff Besucher fallen zunächst alle Interessenten und Teilnehmer, die nicht unter obige Definitionen fallen und auf einer Messeveranstaltung präsent sind. Außerdem gibt es zusätzlich eine Unterscheidung in Fachbesucher (gewerbliche Wiederverkäufer und Verbraucher, Großabnehmer, Unternehmer, Vertreter, Einkäufer, Fachspezialisten) und Privatbesucher. Die Gesamtbesucherzahlen spielen für Aussteller und Veranstalter eine wichtige Rolle, da „hohe Besucherzahlen [...] immer ein Indikator für die Attraktivität und Magnetwirkung einer Messe” (Selinski & Sperling 1995, S.46) sind. Um ermitteln zu können ob die „richtige” Zielgruppe mit der Messeveranstaltung erreicht wurde, werden von unabhängigen Marktforschungsinstituten Besucherstrukturanalysen nach festgelegten FKM-Erhebungskriterien durchgeführt. Die Ergebnisse werden in den FKM-Jahresberichten veröffentlicht.

Neben Veranstaltern, Verbänden, Ausstellern und Besuchern sind auch zahlreiche Servicepartner am Erfolg einer Messe beteiligt. Die Liste der unterstützenden Gewerke und Unternehmen ist lang. Servicepartner stellen in allen messespezifischen Bereichen kompetente Ansprechpartner dar.

Guter Service steht hier im Vordergrund und ist wertvolles Aushängeschild für eine Messegesellschaft. Die Dienstleistungen der Servicepartner gehen von Abfallentsorgung, Catering und Eventtechnik über Marketingleistungen und Messebau bis hin zur Zimmervermittlung.

Die Bedarfe der Beteiligten

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Interessensgruppen und Bedarfe ist es nicht immer einfach den Erwartungen und Ansprüchen jedes einzelnen Messeteilnehmers gerecht zu werden. Eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten ist hier die größte Herausforderung. Kompromisslösungen müssen schnell und intelligent getroffen werden, um das harmonische Zusammenspiel eines so komplexen Systems zu wahren. Auf die individuellen Bedarfe und Wünsche wird im Folgenden zusammenfassend eingegangen.

Der Großteil aller Beteiligten legt viel Wert auf eine gute Erreichbarkeit, Verkehrsanbindung, Barrierefreiheit, kurze Wege, leicht verständliche Verkehrsleit- und Informationssysteme, messenahe Parkplätze und eine qualitätvolle Infrastruktur (Garderobe, Sanitäranlage, Gastronomie). Die Aufenthaltsqualitäten stellen aber vor allem für Besucher ein Entscheidungskriterium dar. Großräumige Lager-, Logistik-, Lade- und Bewegungsflächen sind für Aussteller unabkömmlich; qualitativ hochwertige Ausstellerplätze selbstverständlich.

Erfolgreiche Messeveranstalter stehen für innovative Marketinggedanken, eine publikumswirksame, spektakuläre Außenwirkung und erfüllen eine repräsentativen Funktion. Der Messestandort muss optisch ansprechen, emotional berühren und als innovative Größe im Gedächtnis bleiben. Nicht nur die „inneren” Werte von Messen und Ausstellungen, auch die Außenwirkung einer Messegesellschaft spielt eine wichtige Rolle. Die Balance zwischen funktionalen, wirtschaftlichen und ästhetischen Aspekten muss stets gehalten werden.

2.4 Beurteilung und Bedeutung von Messen

Die Beurteilung und Einordnung von Messen erfolgt - je nach Blickwinkel - unterschiedlich. Peters ordnet die Messen in gesamtwirtschaftliche und einzelwirtschaftliche Instrumente. Hier wird zusätzlich eine funktionale und institutionelle Typisierung vorgenommen.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet erfüllt die Messe demnach eine „Mittler- oder Marktausgleichsfunktion für die jeweilige Branche.” (Peters 1992, S.9). Betrachtet man die Messe als Institution, so hat diese „Auswirkungen auf die gesamtwirtschaftliche Situation einer [...] Region” (ebd.)

Einzelwirtschaftlich und institutionell betrachtet stellt die Messe ein Dienstleistungsunternehmen dar. Funktional gesehen sind Messen in diesem Zusammenhang „ein Absatz- oder Beschaffungsinstrument [...] für Aussteller und Besucher, [sowie] gleichzeitig ein Dienstleistungsprodukt des Messeunternehmens.” (ebd.)

Der Einfluss, den eine Messe letztendlich auf eine Wirtschaftsregion hat, ist laut Peters von deren Strukturmerkmalen (Standort, Zeitpunkt, Zeitdauer, Häufigkeit) und Gestaltungsmerkmalen (Organisation, Service, Werbung) abhängig. Die daraus resultierenden wirtschaftlichen Auswirkungen werden unter der Begrifflichkeit der Funktionsmerkmale zusammengefasst.

Huynen unterscheidet in zwei Merkmalstypen und stellt diese in einem Modell dar. (vgl. Abb. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionen 1. und 2. Ordnung von Messen und Ausstellungen (Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Huynen 1973, S.174)

Am Modell aus Abbildung 1 wird deutlich welche Auswirkungen von Messen ausgehen. Volks- und betriebswirtschaftliche Auswirkungen werden hier in Funktionsmerkmale 1. Ordnung und sozioökonomische Auswirkungen in Funktionsmerkmale 2. Ordnung aufgeteilt.

Betriebswirtschaftlich betrachtet fördern Messen die Handelstätigkeit, die nationale, regionale und lokale Wirtschaft, schaffen Markttransparenz4 und gewähren Einblicke in die Marktentwicklung (AUMA 2011, S.13). Messen sind Marketinginstrumente und weisen das mit „Abstand breiteste Funktionsspektrum” dieser Wirtschaftsinstrumente auf (AUMA 2011, S.10).

Messen sind

- ein multifunktionales und kundennahes Kommunikationselement und dienen der Kundengewinnung und -pflege.
- Suchportale für Geschäftspartner und Personal.
- Katalysatoren, die den Bekanntheitsgrad des eigenen Unternehmens steigern.
- Analyseinstrument, um die eigene Wettbewerbssituation zu reflektieren.
- Testmärkte für Innovationen und somit Marktforschungsinstrumente.

(ebd.)

- Abbildungen von kompletten Wirtschaftszweigen.

(Harbecke 1996, S.15)

2.5 Regionalwirtschaftliche und soziokulturelle Auswirkungen

Die aus der Messedurchführung resultierenden Auswirkungen, werden als Sekundärwirkungen (AUMA 2011, S.12) bezeichnet und spiegeln sich vor allem in messbaren Faktoren, wie der Wirtschaftskraft regionalansässiger Unternehmen, wider. Hiervon profitieren insbesondere Hotellerie und Gastronomie, Industrien, Verkehrsunternehmen sowie Versicherungen, Banken und Unternehmen, welche auf messespezifische Dienstleistungen spezialisiert sind.

Die positive Wirkung dieser Synergieeffekte lässt sich beispielsweise an steigenden Zahlen der Fremdmeldungen ablesen (vgl. Tab. D.2.2). Messebesucher stärken sekundär Hotelerie, Gastronomie und als Touristen auch soziokulturell die Wirtschaftskraft des Messestandortes.

„Die regionalwirtschaftlichen Effekte umfassen bei stark international ausgerichteten Messeplätzen das Fünf- bis Siebenfache des dort erzielten Veranstalterumsatzes. Messen sichern damit in erheblichem Umfang Arbeitsplätze in der Region, gerade in mittelständischen Unternehmen.” (AUMA 2011, S. 12)

„Die unmittelbaren Ausgaben der Besucher und Aussteller führen außerdem zu erhöhter Produktion und Beschäftigung in vorgelagerten Wirtschaftszweigen.” (Kresse 2005, S.4)

Gesellschaftlich und sozioökonomisch betrachtet treiben Messen unteranderem die Implementierung des technischen Fortschritts voran, tragen zur Bildung und Informierung der Bürger bei und stärken das Image des Messestandortes nachhaltig. Auch kulturell und ideell leisten sie ihren Beitrag und sind Bestandteil der Freizeitgestaltung vieler Besucher. (Peters 1992, S.11)

2.6 Metropolregion und Messestandort Nürnberg

Im Vergleich zu anderen europäischen Industrieländern zeichnet sich Deutschland durch eine hoch leistungsorientierte und wettbewerbsfähige Wirtschaft aus. Elf Städte in Deutschland tragen aktuell den Namen Europäische Metropolregion. Auch Nürnberg zählt dazu und gehört somit zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland. Dank ihres Standortes trägt die mittelfränkische Stadt zusätzlich die EU-Klassifizierung „Gateway to Eastern Europe”5. (Amt für Wirtschaft Nürnberg 2012, S.3)

Die Wirtschaftsregion Nürnberg zeichnet sich, neben ihrer zentrale Lage in Europa, durch den internationalen Flughafen Nürnberg und ein gutes öffentliches Nahverkehrsnetz aus (IHK 2010, S.23). Neben weiteren harten Standortfaktoren6, wie der Infrastruktur und dem Technologiepotenzial, sind Messen- und Kongresszentren besonders für den Business-to- Business7 Bereich von großer Bedeutung und zählen zu den wichtigsten Marketinginstrumenten der Unternehmen (vgl. Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Die gegenseitige Abhängigkeit von Messe und Standort (Quelle: Peters 1992, S.20)

Dr. Ulrich Maly (Aufsichtsratsvorsitzender der NürnbergMesse GmbH und Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg) äußerte sich zum Einfluss der NürnbergMesse folgendermaßen:

„Der Erfolg des Messe- und Kongressplatzes Nürnberg strahlt hinaus in die ganze Region. Die Veranstaltungen sorgen in Stadt und Region für direkt und indirekt rund 200.000 Arbeitsplätze und einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro und stärken damit nachhaltig die Wirtschaftskraft.”

(NürnbergMesse GmbH 2013a)

Metropolregionen sind Ballungszentren, denen eine besondere Bedeutung im internationalen, polyzentrischen Netz der Großstadtregionen zukommt. Insbesondere zeichnen sich solche Agglomerationsräume durch eine starke Wirtschaftskraft und hochleistungsfähige Infrastruktur sowie Entscheidungs- und Kontrollfunktionen in Politik und Wirtschaft aus. Auch nehmen Bevölkerungspotential und Intensität der produktionsorientierten Dienstleistungsunternehmen eine wichtige Stellung in Metropolregionen ein. (Technische Universität Berlin 2003, S.1)

Demzufolge erfüllt die Region der Stadt Nürnberg wesentliche Funktionen einer Metropolregion und spielt mit ihren 3,5 Mio. Einwohnern eine wichtige Rolle „im polyzentrischen Beziehungsgeflecht zwischen den großen deutschen Stadtregionen und den europäischen Metropolregionen” (Stadt Nürnberg Wirtschaftsreferat 2004, S.4).

2.7 Messestandort Deutschland im internationalen Vergleich

Zwei Drittel der weltweit führenden Messen finden in Deutschland statt (vgl. Abb. 3). Der Messestandort Deutschland zeichnet sich im internationalen Vergleich vor allem durch seine außerordentliche Leistungsfähigkeit, seinen Innovationsgeist und die thematische Bandbreite aus. Er ist weltweit führend in der Durchführung von internationalen Messen. Jährlich finden in Deutschland rund 150 internationale Messen und Ausstellungen mit bis zu 160.000 Ausstellern und über 9 Mio. Besuchern statt. Für dieses hohe Veranstaltungsaufkommen stehen in 22 Messestätten rund 2,7 Mio. Quadratmeter Hallenfläche zur Verfügung. Drei der fünf weltweitgrößten Messegelände und vier der zehn umsatzstärksten Messegesellschaften haben ihren Sitz in Deutschland. (Frankfurter Societäts-Medien GmbH 2012)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Messeplätze weltweit 2013 (Quelle: AUMA 2013, S.37)

Dass Deutschland das führende Messeland ist, hat nach von Zitzewitz (Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Frankfurt GmbH und Senator im Europäischen Wirtschaftssenat) folgende Gründe:

„Zum einen liegt es an der Tradition der Messekultur, an der geografischen Lage und an der wirtschaftlichen Potenz des Landes. Ein anderer Grund ist die deutsche Geschichte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein bereits lang bewährtes Mittel eingesetzt, um einer darniederliegenden Wirtschaft wieder Leben einzuhauchen: Messen.”

(von Zitzewitz 2008/2009, S.190)

3. NürnbergMesse GmbH

3.1 Historie

Die NürnbergMesse GmbH wurde Anfang des Jahres 1973 als Nachfolgegesellschaft der Messehallen GmbH gegründet. Die beengenden Verhältnisse des innerstädtischen Standortes der „Alten Messe” am Berliner Platz, nahe des Nürnberger Stadtparks, führten zu einer Umsiedelung der Messehallen. Neuer Anlaufpunkt ist seither das Messegelände im südlich gelegenen Stadtteil Langwasser. Nachdem die Messeveranstaltungen verlegt wurden, konnten die Ausstellungsräume der Messehallen GmbH in das heutige Berufsbildungszentrum umgebaut werden.

Im Südosten Nürnbergs erstreckt sich das heutige Messeareal der NürnbergMesse GmbH zwischen der Karl-Schönleben-Straße im Süden, der westlich gelegenen Otto-Bärnreuther-Straße und Münchener Straße und der Großen Straße im Osten. Im Norden grenzt das unter denkmalschutzstehende Areal des Naherholungsgebietes Volksparks Dutzendteich an (vgl. Abb. 4), welches auch als Stadtbiotop ausgewiesen ist und geschützte Landschaftsbestandteile enthält (vgl. Bayerische Vermessungsverwaltung 2011).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Lageplan NürnbergMesse GmbH (Quelle: Eigene Darstellung)

Seit der Umsiedlung in den Stadtteil Langwasser ist kontinuierliches Wachstum der Garant für den Erfolg des mittelfränkischen Messeunternehmens. Mit der Flächenerweiterung stiegen Besucher- und Ausstellerzahlen und somit auch die Umsatzzahlen. Die wirtschaftliche Entwicklung erfolgt demzufolge stets analog zur Flächenerweiterung (vgl. Abb. 5).

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Abbildung 5: Flächenentwicklung NürnbergMesse von 1975 bis 2015 (Quelle: Eigene Darstellung, nach NürnbergMesse GmbH 2013b)

Im ersten vollen Veranstaltungsjahr 1974 eröffnete die NürnbergMesse mit einer Gesamtausstellungsfläche von rund 60.000 m² ihr Messegelände. Bis zum Jahr 2007 wuchs dieses auf 160.000 m² an und stellt somit annähernd dreimal so viel Ausstellungsfläche zur Verfügung wie zu Beginn. (Amt für Stadtforschung und Statistik für Nürnberg und Fürth 2012)

Die Umsatzentwicklung im Jahr 1974 betrug 2,5 Mio. Euro, fünf Jahre später bereits mehr als doppelt so viel und 1984 wurde bereits die 10 Mio. Euro Grenze überschritten. Dieses exponentielle Wachstum gipfelt im bisher umsatzstärksten Jahr 2012. Mit rund 220 Mio. Euro zählt die NürnbergMesse GmbH zu den Top Ten der Messegesellschaften in Deutschland (vgl. Abb. 6) und Europa. (NürnbergMesse GmbH 2013b)

[...]


1 Definition nach DIN 276-1: 2008-12, 2.4 Kostenermittlung: „Vorausberechnung der entstehenden Kosten bzw. Feststellung der tatsächlichen Kosten.” (DIN 2008, S.4)

2 Definition nach DIN 276-1: 2008-12, 2.5 Kostenkontrolle: „Vergleichen aktueller Kostenermittlungen mit Kostenvorgaben und früheren Kostenermittlungen.” (DIN 2008, S.4). Im Rahmen dieser Arbeit wird unter Kostenkontrolle auch die Kontrolle über die Pflegeintensitäten und die hierdurch auftretenden Kosten verstanden.

3 Definition nach DIN 276-1: 2008-12, 2.6 Kostensteuerung: „Eingreifen in die Planung zur Einhaltung von Kostenvorgaben” (DIN 2008, S.4). Im Rahmen dieser Arbeit wird, hinsichtlich der Kostensteuerung, nicht nur von Planungs-, sondern auch von Ausführungskosten (Pflegeleistungen) gesprochen.

4 Durch Markttransparenz bekommen Marktpartner die Möglichkeit Angebote zu vergleichen und Einblicke in konkurrierende Geschäftsmodalitäten (Zahlungs-/Lieferbedingungen) zu erhalten. Markttransparenz beschleunigt die Implementierung des technischen Fortschritts, belebt die Nachfrage und wirkt auf die Preisbildung ein. (Heil 1966)

5 Durch die Erweiterung der Europäischen Union steigt die Bedeutung der Wirtschaftsregion Nürnberg. Sie ist nicht nur Knoten- sondern auch Zugangspunkt nach Mittelosteuropa. (Amt für Wirtschaft Nürnberg 2012, S.6)

6 Standortfaktoren beschreiben im Allgemeinen die Attraktivität eines Ortes bzw. einer Region. In der Regel werden harte und weiche Standortfaktoren unterschieden. Harte Standortfaktoren nehmen direkt quantitativ Einfluss auf die Unternehmen. Wichtige harte Standortfaktoren sind unteranderem die Verkehrsinfrastruktur, die Lage zu Bezugs- und Absatzmärkten, lokale Steuern und Abgaben. Weiche Standortfaktoren sind schwer ablesbar und meist von subjektiven Einschätzungen geprägt. Zu ihnen zählen das Wirtschaftsklima und Image einer Stadt bzw. einer Region, deren Freizeitwert und Lebensqualität. (Henke 2012)

7 Der Begriff Business-to-Business (auch: B-to-B, B2B) definiert eine besondere Form des Handels- und Geschäftswesens. Unter Business-to-Business versteht man den Handel zwischen mindestens zweier Unternehmen. In diesem speziellen Fall sind alle Beziehungspartner Unternehmen. Privatpersonen oder öffentliche Handelspartner kommen nicht vor. So treten die beteiligten Unternehmen, in dieser Konstellation, gleichzeitig als Anbieter und Nachfrager auf. (Stuhlmann 2007, S.2)

Details

Seiten
77
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668993341
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492872
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
Schlagworte
erarbeitung konzepts freiflächeninformationssystem beispiel nürnbergmesse

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Titel: Erarbeitung eines Konzepts für ein Freiflächeninformationssystem am Beispiel der NürnbergMesse