Lade Inhalt...

Grenzen und Herausforderungen von Bezugsbetreuern im Bereich des Ambulant betreuten Wohnens bei der Unterstützung ihrer psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft

Bachelorarbeit 2019 48 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

Abstrakt

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung
1.3 Methodik und Aufbau

2 Theoretischer Teil
2.1 Definitionen
2.1.1 Ambulante sozialpsychiatrische Versorgung
2.1.2 Psychische Krankheit
2.1.3 Sozialpsychiatrie
2.1.4 Ambulant Betreutes Wohnen
2.1.5 Integration
2.2 Psychische Gesundheit und Krankheit
2.2.1 Psychische Gesundheit
2.2.2 Psychische Krankheiten
2.3 Sozialpsychiatrie
2.3.1 Entwicklung der Sozialpsychiatrie
2.3.2 Ambulante sozialpsychiatrische Versorgungslandschaft
2.3.3 Ambulant betreutes Wohnen
2.3.4 Sozialpsychiatrischer Verein XX
2.4 Aufgaben, Herausforderungen und Arbeitsweisen von Bezugsbetreuern
2.4.1 Aufgaben und Herausforderungen von Bezugsbetreuern
2.4.2 Arbeitsweisen von Bezugsbetreuern

3 Empirischer Teil
3.1 Ausgangssituation und Forschungszielfragen
3.2 Forschungsmethode Experteninterview
3.2.1 Vorbereitung der Experteninterviews
3.2.2 Aufbau des Interviewleitfadens
3.2.3 Durchführung der Experteninterviews
3.3 Auswertung und Ergebnisse
3.3.1 Vorstellung der Datenauswertungsmethode: die qualitative Inhaltsanalyse
3.3.2 Datenaufbereitung
3.3.3 Durchführung der qualitativen Inhaltsanalyse
3.3.4 Darstellung der Ergebnisse
3.4 Diskussion der Ergebnisse

4 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick
4.1 Zusammenfassung
4.2 Fazit und Ausblick

Quellenverzeichnis

Anhang
Anhang 1: Interview-Leitfaden

Abstrakt

Diese Bachelorarbeit untersuchte, wie die Bezugsbetreuer des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Menschen XX ihre psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft unterstützen und welche Grenzen und Herausforderungen dabei auftreten. Aus dieser Untersuchung sollen Lösungsansätze herausgearbeitet werden, um die Betreuungsarbeit zu erleichtern und zu verbessern. Dafür wurden fünf Bezugsbetreuer des Vereins mit Hilfe von Experteninterviews befragt und diese Interviews mit der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse bestätigen zu großen Teilen die Theorie: Schwierigkeiten entstehen für die Bezugsbetreuer einerseits durch Mangel an Mitwirkungsbereitschaft der Klienten sowie durch deren krankheitsbedingten Verhaltensweisen, wie Aggressivität, sozialer Rückzug, Gewalt oder Drogen- und Alkoholkonsum. Die wichtigsten neuen Erkenntnisse, die über die Theorie hinausgehen, zeigen weitere Probleme, wie erschwerte Kooperation mit Netzwerkpartnern und schwer umsetzbare Vorgaben des Kostenträgers. Außerdem wurde eine Lücke in der Versorgung der älteren psychisch kranken Menschen aufgedeckt, da es aktuell keine speziellen Einrichtungen für diese Menschen und ihre Problematiken, wie psychisches Leid und körperliche Beeinträchtigung, gibt. Folgende Handlungsansätze werden vorgeschlagen: Die Regelwerke des Bezirks Mittelfranken für das ABW sind zu verbessern und die Versorgung für ältere psychisch Kranke auszubauen. Besonders die Kooperation und der Austausch mit den Netzwerkpartnern sollten verbessert werden, im Besonderen mit dem Bezirk als Kostenträger des Vereins.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Hinführung zum Thema

Die Statistiken über die Häufigkeit von psychischen Erkrankungen sowie das Ausmaß ihrer Folgen für das Gesundheitssystem und dadurch auch für die Wirtschaft machen deutlich, dass die Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen in die Gesellschaft zu einem zunehmenden gesellschaftlichen und politischen Problem geworden ist. Nach Ergebnissen der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) des Robert-Koch-Instituts mit dem Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ sind jedes Jahr 27,8 % der deutschen Bevölkerung von psychischen Erkrankungen betroffen. Das entspricht 17,8 Millionen Personen. Angststörungen machen 21,3 % der psychischen Erkrankungen aus und zählen dadurch zu den häufigsten psychischen Störungen, affektive Störungen machen 12,4 % aus, Depressionen 8,1 % und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum 7,9 % (vgl. DEGS 2011). Psychische Störungen stehen mit 13 % an der Spitze der Liste der weltweit häufigsten Erkrankungen (vgl. Zylka-Menhorn 2011, S. 13).

Die niedrige Erwerbstätigkeitsquote der Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie ihre geringe Produktivität und ihre krankheitsbedingten und ärztlich attestierten Fehltage werden zu den Faktoren gezählt, die zu wirtschaftlichen Einbußen führen. Laut dem Bericht der Europäischen Kommission und Organisation für wirtschaftliche Arbeit und Entwicklung (OECD) betrugen im Jahr 2018 die Ausgaben für die Behandlung psychischer Erkrankungen in Deutschland 4,8 % vom gesamten Bruttoinlandsprodukt (vgl. Bundesärztekammer 2018). Aktuelle Berichterstattungen der Krankenkassen machen deutlich, dass die Krankschreibungen aufgrund psychischer Störungen seit 2007 kontinuierlich zugenommen haben. So sind die Zahl der Krankschreibungen im Rahmen der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) bis 2017 um knapp 15 % und die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage um 67,5 % gestiegen (vgl. AOK 2018, S. 15). Ähnliche Zahlen weisen auch die Gesundheitsberichterstattungen anderer Krankenkassen auf: Bei den Betriebskrankenkassen (BKK) waren psychische Störungen für rund 15 % aller Krankschreibungen ursächlich (vgl. BKK 2017, S .24). Laut DAK Gesundheitsreport betrug der Anteil der Krankschreibungen 16,7 % (vgl. DAK 2018, S. 23).

Psychisch Kranke leiden unter einem breiten Spektrum an komplizierten und umfangreichen Symptomatiken. Diese Symptomatiken reichen vom sozialen Rückzug über Wahnvorstellungen bis hin zu multiplen negativen Auswirkungen auf verschiedene Lebensbereiche, wie z. B. Wohnen, Erwerbstätigkeit, soziale Netzwerke und Bildung. Aufgrund dessen sind an der Versorgung der psychisch Kranken eine Vielzahl unterschiedlicher Berufsgruppen beteiligt. Diese arbeiten im ambulanten, teilstationären und stationären Bereich und begleiten die Betroffenen bei der Integration und Gesundung. Zu den Therapiebausteinen gehören Psychotherapie, Pharmakotherapie, biologische Verfahren und psychosoziale Interventionen. Schwerpunkt der Therapie ist von der aktuellen Symptomatik abhängig.

Medizinische und psychotherapeutische Versorgung liegen in den Händen der Ärzte und Psychotherapeuten und psychosoziale Interventionen werden von anderen Akteuren der Psychiatrie gewährleistet, die ambulante regionale Versorgung gewährleisten. Dazu existieren verschiedene unterstützende Programme, wie Ambulant betreutes Wohnen (ABW), Rehabilitationswerkstätten, Tagesstätten, die auf langsames Heranführen der Betroffenen an die Tätigkeiten sowie selbständige Bewältigung des Alltags abzielen (vgl. Oertel-Knöchel/Hänsel 2016, S. 55) und dadurch ihre sozialen und persönlichen Ressourcen stärken.

Die sozialpädagogische Betreuung hat eine bedeutende Rolle für das Erreichen des gesetzlichen Ziels der Integration in die Gesellschaft sowie die Teilhabe an der Gemeinschaft. Mit möglichst viel Unterstützung und zugleich Stärkung der Selbstmanagementfähigkeiten im Alltagsleben und im Umgang mit der Krankheit wird versucht sich dem gesetzlichen Ziel durch ambulante Unterstützungsformen zu nähern (vgl. Effinghausen 2014, S. 104).

Eines solcher unterstützenden Programme ist das Ambulant betreute Wohnen (ABW), das im Forschungsinteresse dieser Bachelorarbeit steht. Ambulant betreutes Wohnen wird zu den am weitest verbreiteten ambulanten Hilfeformen in Deutschland gezählt (vgl. Konrad/Rosemann 2016, S.15) und entstand in Folge der Reformierung der Sozialpsychiatrie in Deutschland Ende der 70er- und 80er-Jahre. Sozialpsychiatrie wird als eine Arbeitsrichtung der Psychiatrie verstanden, die problematische soziale Lebenslagen als Ursache der psychischen Erkrankungen sehen. Nach dem Artikel 19 der UN-Behindertenkonvention ist das Recht auf eigene Wohnung und die dafür notwendige Unterstützung durch ambulante gemeindenahe Dienste schriftlich verankert (vgl. Konrad/Rosemann 2016, S. 38 ff.).

Hinter dem Begriff „ABW“ „verbirgt sich eine nahezu unbegrenzte Vielfalt konkreter Unterstützungsleistungen, die von den Hilfen im Alltag und in der Wohnung, bis zu psychotherapeutisch geprägten Gesprächen reichen” (ebd., S.15). Konrad und Rosemann sehen darin ein Problem der Zuordnung, da keine Methodik des Ambulant betreuten Wohnens oder ein einheitliches Berufsbild existieren (vgl. ebd.).

Pankofer ist der Meinung, dass die Arbeitsweise der Bezugsbetreuer durch wissenschaftliche Auswertungen erforscht werden sollte, um feststellen zu können, warum ihr professionelles Handeln in bestimmten Situationen erfolgreich gewesen war, und um daraus eine Vergleichbarkeit und Entwicklung von Standards zu ermöglichen (vgl. Pankofer 2000, S. 7).

Die Autorin dieser Bachelorarbeit sieht die Herausforderungen und Probleme der Bezugsbetreuer im ABW zu wenig in der Forschung dargestellt. Für sie selbst besitzt das Thema eine hohe Relevanz, da sie in diesem Bereich ab dem 01. April 2019 ein Praktikum begonnen hat und danach in dem Bereich arbeiten möchte. Durch die Mitarbeiter des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Menschen XX erfuhr die Autorin bereits, dass die Betreuung der Klienten nicht immer reibungslos verläuft und den Betreuern viel Flexibilität in der Wahl des passenden Betreuungsstils und der passenden Herangehensweise an die Lösung der individuellen Problemlagen der Klienten abverlangt.

Fehlende Mitwirkungsbereitschaft der Klienten, deren Verschlossenheit der Gesellschaft gegenüber aufgrund der krankheitsbedingten Auswirkungen, wie Ängste und sozialer Zurückgezogenheit, aber auch unzureichende Zusammenarbeit der Bezugsbetreuer und der Netzwerkpartner können die Betreuung behindern und dadurch die Gesundung und Integration verzögern und verhindern. Das Erarbeiten und Einüben der Bewältigungsstrategien, die die Klienten zu mehr Autonomie und Kontrolle über ihr eigenes Leben führen, sowie Unterstützungsleistungen im Alltag, Gestaltung der Tagesstruktur und Freizeit gehören zu den Hauptaufgaben der Mitarbeiter.

Der Verein sieht sein oberstes Ziel in der Wiedereingliederung der Klienten in die Bereiche „Wohnen“, „Arbeiten“ und „Begegnungen“ und deren umfassende Teilhabe an diesen Bereichen.

1.2 Forschungsfrage und Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich angesichts der geschilderten Probleme mit folgender Forschungsfrage:

Wie können die Bezugsbetreuer des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Menschen XX ihre psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft unterstützen und welche Grenzen und Herausforderungen treten dabei auf?

Das Ziel der Bachelorarbeit ist es, das Wissen über die praktischen Probleme bei der Betreuung von Klienten im ABW zu vertiefen und mögliche Lösungsvorschläge für die Probleme abzuleiten.

1.3 Methodik und Aufbau

Bei der Ausarbeitung des Themas greift die Autorin auf eine systematische Literaturrecherche über den Katalog der Bibliothek der Universität XX mit Einbezug der Datenbanken für das Fachgebiet „Pädagogik und Soziale Arbeit” zurück. Die systematische Recherche wird durch die Schneeballrecherche erweitert.

Im empirischen Teil der Arbeit werden neue Erkenntnisse anhand von leitfadengestützten Interviews mit den Bezugsbetreuern des Vereins zur Wiedereingliederung psychisch Kranker Menschen XX erhoben. Diese Interviews werden mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.

Kapitel 2 umfasst die Theorie. Im Kapitel 2.1 werden die wichtigsten Begriffe der Untersuchung definiert, Kapitel 2.2 widmet sich der psychischen Gesundheit und Krankheit und schildert die 3 häufigsten psychischen Erkrankungen der Klienten von XX: Psychose, Persönlichkeitsstörung und Angststörung. Kapitel 2.3 erklärt anhand der historischen Entwicklung der Sozialpsychiatrie, warum die Ambulantisierung nötig war und wie sich dadurch die Aufgaben und Ziele der Sozialpsychiatrie veränderten, gefolgt von der Darstellung der sozialpsychiatrischen Versorgungslandschaft (Kap. 2.3.2), des Ambulant betreuten Wohnens (2.3.3) und der Vorstellung des sozialpsychiatrischen Verein wabe e.V. (Kap. 2.3.4). Daraufhin werden Aufgaben und Herausforderungen der Bezugsbetreuer im Umgang mit den Klienten sowie wirksame Konzepte und Handlungsansätze dafür vorgestellt (Kap. 2.4). Kapitel 3 bildet den empirischen Teil der Arbeit. In Kap. 3.2 wird das leitfadengestützte Interview vorgestellt, vorbereitet und durchgeführt und in Kap. 3.3 mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse werden in Kap. 3.4 diskutiert und schließlich ein Fazit gezogen sowie ein Ausblick (Kap. 4) gegeben.

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

2 Theoretischer Teil

Im Folgenden werden die wichtigsten Begriffe, die zum Verständnis des Themas wesentlich beitragen, definiert. In der Fachliteratur werden diese Begriffe nicht selten undeutlich voneinander getrennt, unterschiedliche Begriffe werden manchmal wie Synonyme verwendet, obwohl sie verschiedene Bedeutungen tragen.

2.1 Definitionen

2.1.1 Ambulante sozialpsychiatrische Versorgung

Der Unterschied zwischen ambulanter und stationärer ärztlicher Versorgung ist, dass die ambulante Behandlung durch überwiegend niedergelassene Allgemeinärzte geschieht. Beinhaltet eine akute Behandlung einen Aufenthalt im Krankenhaus unter Einbeziehung der Leistungen der Unterkunft und Verpflegung, dann wird von einer stationären Behandlung gesprochen (vgl. Fachlexikon der Sozialen Arbeit, S. 24). Die ambulanten Einrichtungen bieten den psychisch kranken Menschen bessere Möglichkeiten für ein Leben in Selbständigkeit (vgl. Konrad/Rosemann 2016, S. 15). Der Grundsatz der Versorgung lautet “ambulant vor stationär” und hebt die Reihenfolge der Behandlung hervor. Ambulante Versorgung als primäre Maßnahme hilft die stationären Aufenthalte zu vermeiden und somit wird stationäre Versorgung als ultima ratio gesehen. Ambulante psychiatrische Versorgung geschieht in der häuslichen Umgebung der psychisch erkrankten Menschen, die oft als Klienten bezeichnet werden. Mit dieser Bezeichnung soll betont werden, dass die betroffene Person keine Krankenrolle einnimmt, also nicht mehr akut krank ist. Mit dem Status “Klienten” sind beratende und unterstützende Maßnahmen verbunden, die zum Ziel Stabilisierung des Alltags, Krankheitsbewältigung, Koordination der Behandlung und Teilhabe an allen gesellschaftlichen Bereichen haben (vgl. Wolff 2015, S. 1.130).

2.1.2 Psychische Krankheit

Psychische Erkrankungen umfassen ein breites Spektrum an Symptomen und Problemen, die sich als “Normabweichungen des Erlebens, Befindens und Verhaltens” äußern und “häufig, intensiv und lang andauernd sind” (PsyGA, Abruf vom 21.03.2019). Sie können zu Einschränkungen und Veränderungen auf den Ebenen des Denkens, Erlebens und Verhaltens führen (vgl. Sauter 2015, S. 83) und dadurch das alltägliche Leben und die Teilhabe an gesellschaftlichen Bereichen behindern. Stemmer-Lück hat 4 Elemente herausgearbeitet, die zur Definition einer psychischen Erkrankung herangezogen werden können. Diese sind: Abweichung von der Norm als gestörtes Erleben und Verhalten, Leidensdruck des Betroffenen, Beeinträchtigung des Alltages und erschwerte Bewältigung der Lebensanforderungen durch Erkrankung, Gefährdung als Folge der gestörten Verhaltensweise des Betroffenen: Selbst- oder Fremdgefährdung (vgl. Stemmer-Lück 2009, S. 24 ff.).

2.1.3 Sozialpsychiatrie

Sozialpsychiatrie wird definiert als

Bereich der Psychiatrie, der psychisch kranke Menschen in und mit ihrem sozialen Umfeld zu verstehen und zu behandeln sucht. Sie studiert Wechselwirkungen zwischen sozialen, psychologischen und biologischen Faktoren und bezieht Familie, Wohn- oder Arbeitssituation gezielt in die Prävention und Behandlung mit ein (Fachlexikon der Sozialen Arbeit 2017, S.843).

Sie beschäftigt sich auch mit den kulturellen Ursachen und Folgen der Erkrankung (vgl. Lexikon der Medizin, Abruf vom 21.03.2019) und stellt umfassende soziale, rehabilitative und lebensbegleitende Maßnahmen bereit (vgl. Fachlexikon der Sozialen Arbeit 2017, S. 336).

2.1.4 Ambulant Betreutes Wohnen

Der Begriff “Ambulant Betreutes Wohnen” (ABW) fixiert sich sprachlich auf den Wohnbereich, was von der tatsächlichen Bedeutung des ABW ablenkt: Es verhilft zu mehr Teilhabe an gesellschaftlichen Lebensbereichen (vgl. Dörr 2005, S. 18). Zu den Unterstützungsleistungen gehören [psychotherapeutisch geprägte entlastende Gespräche][,] das Einüben der alltagspraktischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie zum Beispiel Einkaufen, Aufräumen und Selbstversorgung. Dazu gehören aber auch Ämtergänge, Aufnahme von sozialen Kontakten oder eigenständige Tagesstrukturierung (vgl. Konrad/Rosemann 2016, S.15). ABW ist ein „Oberbegriff für alle Arten von ambulanten Unterstützungsmöglichkeiten” (Konrad/Rosemann 2011, S. 24), zu denen betreutes Einzelwohnen und Wohnen in einer Wohngemeinschaft gehören, und grenzt sich von stationären Varianten der Betreuung ab, dem sogenannten „Wohnheim” (vgl. ebd.). Es ist ein Angebot der sozialen Eingliederung, das von den psychisch erkrankten Menschen freiwillig in Anspruch genommen werden kann und sie in den Bereichen “Wohnen”, “Freizeit”, “soziale Kontakte”, “Arbeit” und “Umgang mit der Krankheit” unterstützt und somit die Voraussetzungen für die Integration schafft.

2.1.5 Integration

„Integration” wird hier definiert als die Anpassung des Lebens von Menschen mit seelischer Behinderung bzw. psychischer Erkrankung an die gesellschaftlichen Normen (vgl. VdK, Abruf vom 01.04.2019). Dabei wird sich von anderen Bereichen, in denen dieser Begriff ebenfalls angewandt wird, wie z. B. bei der Bildung oder Migration, abgegrenzt. Das Ziel dieser Unterstützungsmaßnahmen ist die gleichberechtigte Teilnahme der Betroffenen an allen gesellschaftlichen Bereichen (vgl. VdK, Abruf vom 01.04.2019).

2.2 Psychische Gesundheit und Krankheit

Dieses Kapitel stellt psychische Gesundheit und psychische Krankheiten dar, um aufzuzeigen, wie sich die soziale, psychische und physische Komponente gegenseitig beeinflussen und dadurch psychische Krankheiten entstehen, aber auch geheilt werden können. Das Wissen darüber sowie über den Erhalt der psychischen Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung, um individuelle Hilfsangebote für die psychisch Kranken zu gestalten, sich auf diese besser einzulassen und sie gezielt zu unterstützen. Dieses Hintergrundwissen muss der Bezugsbetreuer also stets im Auge behalten. Vom Verständnis dieser Krankheiten können die möglichen Herausforderungen für die Betreuer abgeleitet werden.

2.2.1 Psychische Gesundheit

Psychische und körperliche Gesundheit eines Menschen sind wichtige Bestandteile der allgemeinen Gesundheit eines Menschen und seiner Grundbedürfnisse. Dabei kann fehlende psychische Gesundheit körperliche Beschwerden verursachen und körperliche Krankheit und ihre Auswirkungen können wiederum die Psyche belasten. Die Gesundheit des Körpers und des Geistes wirken sich auf das soziale Leben eines Menschen aus: auf seine Leistungsfähigkeit im Arbeitsbereich, auf sein Auftreten in der Gesellschaft, auf die Interaktion mit Mitmenschen.

Gesundheit im Allgemeinen wird von der Weltgesundheitsorganisation, einer Koordinationsbehörde der Vereinten Nationen für das internationale öffentliche Gesundheitswesen und federführend in globalen Gesundheitsfragen, als „Zustand vollständigen physischen, geistigen und sozialen Wohlbefindens” definiert (WHO, Abruf vom 23.03.2019).

Diese Definition macht deutlich, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Psyche und dem physischen Wohlbefinden gibt und dass beide Faktoren einen Einfluss auf das soziale Leben eines Menschen haben, darauf, wie stark er sich als ein Teil der Gesellschaft fühlt und wie stark er die Normen der Gesellschaft erfüllen kann. Hurrelmann (2006) hat diese Definition der WHO erweitert und bezeichnet Gesundheit als „Zustand des Wohlbefindens“, wenn ein Mensch sozial, körperlich und geistig im Einklang mit den inneren und äußeren Lebensbedingungen steht. In seiner Formulierung betont er außerdem die Relevanz des Gleichgewichts zwischen Risiko- und Schutzfaktoren für die Gesundheit. Wenn es einem Menschen gelingt dieses Gleichgewicht zu erreichen und zu halten, gewinnt sein Leben an Sinn und Freude, er kann seine Kompetenzen und sein Leistungspotenzial entfalten und ist bereit sich gesellschaftlich zu integrieren und zu engagieren (vgl. Hurrelmann 2006, S. 7).

Daraus lässt sich zusammenfassen, dass beide Definitionen der Gesundheit den Zusammenhang zwischen Körper, Geist und dem Sozialen Leben eines Menschen miteinschließen. Für die psychische Gesundheit bedeutet es, dass die körperlichen Störungen sowie die Probleme aus dem sozialen Umfeld sich auf den Zustand der Psyche auswirken können, wenn die Balance zwischen den inneren (innere Widerstandskräfte) und äußeren Schutzfaktoren (zum Beispiel Rückhalt durch Familie) scheitert. Wie oft es zu dieser Disbalance kommt, hängt von verschieden Faktoren ab: vom Alter, Geschlecht, von kulturellen Gegebenheiten und dem jeweiligen Gesundheitssystem (vgl. Effinghausen 2014, S. 51).

2.2.2 Psychische Krankheiten

Der Begriff „psychisch krank“ beinhaltet zwei weitere Begriffe, die sich auch einzeln definieren lassen: „psychisch“ und „krank“. Unter „psychisch“ werden die Dimensionen „Denken“, „Fühlen“ und „Wollen“ gemeint und „krank sein“ oder „Krankheit“ im Allgemeinen bedeutet eine Störung der Funktionen und Lebensvorgänge, deren Folge vom Betroffenen selbst (subjektiv) oder vom Untersucher (objektiv) als eine körperliche oder seelische Veränderung empfunden und festgestellt wird (vgl. Pschyrembel online, Abruf vom 19.04.2019).

Diese Veränderungen stellen Abweichungen vom normalen psychischen Zustand dar. Eine Abweichung von der Norm bedeutet nicht gleich psychisch krank zu sein. Zum Beispiel kann ein tiefgreifendes Ereignis in der Familie, wie der Tod eines nahen Verwandten, eine Trauer auslösen und bedeutet eine normale Gefühlsreaktion eines Menschen. Wenn aber die Trauer keinen wesentlichen Grund hat, lange andauert und zum Leiden des Menschen und zu negativen Folgen auf sein Leben wie zum Beispiel seine Alltagsfunktionen führt, kann diese Abweichung als eine mögliche psychische Erkrankung deuten. Daraus lässt sich ableiten, dass die Kriterien, wie andauernde subjektive oder objektive Veränderungen von dem normalen psychischen oder körperlichen Zustand, die zu einem Leidensdruck der Person und seiner Umgebung führen sowie die Alltagsfunktionen der Person beeinträchtigen, zu der Diagnose einer psychischen Krankheit herangezogen werden können (vgl. Oertel-Knöchel/Hänsel 2016, S. 29).

Psychische Erkrankungen haben unterschiedliche Ursachen. Vor der Psychiatrie-Reform wurde die Ursache überwiegend in biologischen Faktoren gesehen, wie genetische Prädisposition, körperliche Verletzungen und Nervenschädigung. Im Laufe der Reformierung der Sozialpsychiatrie rückte der Fokus auf die psychosozialen Faktoren, die für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich gemacht wurden. Als Auslöser der Erkrankungen wurden gesehen: Belastungen aus dem Alltag, Stress, Schicksalsschläge, wie Tod naher Verwandter, Traumata, Scheidung, unbewusste Konflikte aus der Kindheit und daraus entstandene Entwicklungsprobleme (vgl. Hammer/Plößl 2012, S. 14 f.).

Im Folgenden wird die Entstehung psychischer Erkrankungen am Vulnerabilitäts-Stress-Modell dargestellt, das beweist, dass biologische Faktoren, wie z. B. das Nerven- und Hormonsystem, psychologische Faktoren, wie z. B. Gefühle und Verhalten, und soziale Faktoren, wie z. B. Familie und Freunde, bei der Entstehung der psychischen Krankheiten mitwirken. Depression z. B. kann durch Serotoninmangel (biologischer Faktor), Trauer durch Verlust (psychischer Faktor) und Vereinsamung durch fehlende soziale Kontakte (sozialer Faktor) erfolgen (vgl. Oertel-Knöchel/Hänsel 2016, S. 34 ff.).

Jeder Mensch ist unterschiedlich belastbar und reagiert unterschiedlich auf Stressfaktoren aus der beruflichen, privaten und sozialen Umwelt: Der eine reagiert mit Depression und Ängsten, ein andere mit Kopfschmerzen. Die Stressfaktoren können langfristig sein, wie die Belastung durch eine chronische körperliche Erkrankung, oder sie können auch akut auftreten, z. B. durch den Verlust des Arbeitsplatzes. Diesen Faktoren können alle Menschen ausgesetzt sein. Nicht alle entwickeln als Reaktion auf Lebensbelastungen eine psychische Störung. Eine psychische Erkrankung entsteht aber dann, wenn beim Betroffenen eine erhöhte Verletzlichkeit, eine Vulnerabilität, vorliegt. Nach diesem Modell entsteht aus der Verletzlichkeit eine psychische Krankheit erst dann, wenn die Verletzlichkeit mit den Stressfaktoren zusammenwirkt und die kritische Grenze überschritten wird. Dies geschieht immer dann, wenn es keine ausreichende innere Kraft gibt bzw. keine Schutzfaktoren vorhanden sind (vgl. ebd.).

Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell wurde 1984 zu einem Vulnerabilitäts-Stress-Bewältigungs-Modell erweitert, in welchem den Bewältigungsstrategien ein besonderer Stellenwert eingeräumt wird. Die Fähigkeit Stress zu bewältigen und mit kritischen Lebensereignissen umgehen zu können ist sehr individuell und von den sozialen Kompetenzen der Person abhängig, auch vom Bildungsniveau und der Stabilität im familiären und beruflichen Umfeld. Aus diesem Erklärungsmodell wird deutlich, dass das Aneignen von Bewältigungsstrategien, wie Entspannungsübungen, Sport, Ablenkung sowie Stärkung der inneren Ressourcen, wie positive Einstellung und Hoffnung auf Genesung, für die Gesundung bzw. Stabilisierung der psychisch Kranken von besonderer Relevanz ist. Zu welchem Anteil die biologischen, psychologischen, sozialen Faktoren und die Stressfaktoren an der Entstehung einer psychischen Erkrankung beteiligt sind, ist von Krankheitsbild zu Krankheitsbild, aber auch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich (vgl. ebd.).

Folglich ist auch die Therapie der psychischen Erkrankungen sehr unterschiedlich und fällt individuell aus. Die wichtigsten Therapiebausteine sind: Pharmakologische Behandlung mit Antipsychotika, psychologische Behandlung als Psychotherapie und soziotherapeutisch Behandlung als ambulante Betreuung der psychiatrischen Patienten (vgl. ebd., S. 35).

Es gibt eine große Vielfalt an psychiatrischen Krankheitsbildern. Die psychischen Erkrankungen werden von der WHO nach dem international anerkannten Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems) klassifiziert. Der Klassifikation wurden die ätiologischen (Entstehung der Erkrankung), syndromatologischen (Erstellung von Syndromen) und die typischen Verlaufsmerkmale zugrunde gelegt. ICD-10 dient der Verschlüsselung der Diagnosen und wird in der ambulanten und stationären medizinischen Versorgung angewendet (vgl. Stemmer-Lück 2009, S. 26). Die psychischen Krankheiten sind im Kapitel V des ICD-10 unter dem Buchstaben F in 10 Kategorien eingeteilt: F0 – F9 (vgl. Berger 2009, S. 41 f.).

Im Rahmen dieser Arbeit wird nur auf die Krankheitsbilder „Psychose“, „Persönlichkeitsstörung“ und „Angststörung“ eingegangen, da die meisten Klienten des Vereins unter diesen Krankheitsbildern leiden. Die Darstellungen der Krankheitsbilder sollen dem Leser erste Informationen über diese Erkrankungen bereitstellen sowie sein Verständnis dafür entwickeln, mit welchen Problemen die Klienten und die Bezugsbetreuer von XX als Auswirkung der Krankheiten konfrontiert werden.

2.2.2.1 Psychosen

Unter „Psychose“ wird eine große Gruppe an Erkrankungen verstanden, die mit Störungen des Denkens, Fühlens und der Wahrnehmung einhergehen und einen gestörten Realitätsbezug darstellen (vgl. Sauter et al., S. 94).

Im Ambulant betreuten Wohnen des sozialpsychiatrischen Vereins XX werden aktuell 40 % aller Klienten mit der Diagnose „Psychose“ (Schizophrenie, affektive Psychosen) betreut. Es gibt unterschiedlichste Erscheinungsformen. Deshalb wird von Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis gesprochen (vgl. Hammer/Plößl 2012, S. 57).

Die Symptomatiken einer Psychose sind sehr umfangreich: Gedankenlautwerden, Kontrollwahn, Kommentierende Stimmen, die aus dem Körper kommen, anhaltende Halluzinationen, unrealistische Idee, wie übermenschliche Kräfte zu besitzen. Sie sind in der ICD-10 in 9 Gruppen aufgestellt (vgl. Lexikon der Neurowissenschaft, Abruf vom 10.04.2019).

Die Behandlung mit Antipsychotika zählt zum primären Therapiebaustein (vgl. ebd.). Antipsychotika dürfen nur von den Ärzten verordnet und angepasst werden, da sie einige folgenreiche Nebenwirkungen haben, und sie müssen stets im Auge behalten werden. Die Medikamente können Übergewicht, Diabetes Mellitus sowie Herzerkrankungen verursachen (vgl. Finzen 2004, S. 157). Durch ihr Wissen darüber können Bezugsbetreuer leichter die richtigen Unterstützungsmaßnahmen, wie Ernährungsberatung und Ermutigung zu mehr Bewegung, anwenden.

Die Auseinandersetzung mit den Frühwarnzeichen einer Krise, mit dem Verlauf, der Therapie und Entstehung der Erkrankung nennt sich „Psychoedukation“. Sie bietet den Betroffenen eine gute Basis für den Umgang mit ihrer Erkrankung an und gehört zu einer der wichtigen Aufgaben aller psychiatrischen Netzwerkpartner. Bezugsbetreuer z. B. helfen den Klienten diese Frühwarnzeichen zu erkennen und sie von den alltäglichen Stressfaktoren zu unterscheiden. Ausschlaggebend dabei ist die Dauer dieser Veränderungen. Sie müssen von Klienten selbst beobachtet und reflektiert werden. Wenn Bezugsbetreuer bei einem Klienten anhand von Frühwarnzeichen eine drohende Krise erkennen und daraufhin richtig handeln, können sie eine Krise verhindern, oder sie können eine bereits bestehende Krise abmildern (vgl. Hammer/Plößl 2012, S. 71 f.).

Von dem Schweizer Psychotherapeuten Luc Ciompi wurden Prinzipien für den allgemeinen Umgang mit Menschen mit Psychosen festgelegt. Diese Prinzipien werden in der Psychiatrie angewendet und lauten wie folgt: In der Kommunikation mit psychotischen Menschen ist es sinnvoll die Informationen über die Krankheit zu vereinheitlichen und klar darzustellen. Ziele sollen realistisch und bescheiden und klar formuliert sein. Die Erreichung der Ziele soll in kleinen Schritten erfolgen. Persönliche und konzeptuelle Kontinuität sind in der Betreuung sehr wichtig. Die Kommunikation mit dem Klienten soll ehrlich, authentisch und respektvoll sein. Die Anforderungen sollen stets an die Möglichkeiten des Klienten angepasst werden. Dabei sollen Über-, aber auch Unterforderungen vermieden werden (vgl. ebd., 72 f.).

Aus diesen Prinzipien wird deutlich, dass die Herausforderungen an die Bezugsbetreuer im Umgang mit Klienten mit der Diagnose „Psychose“ hoch sind. Es werden starke Menschenkenntnisse, Kommunikations-, Sozialkompetenzen abverlangt sowie Fachwissen über die Medikamente und die Krankheit, den Umgang mit den Krisensituationen und die Wahl richtiger Unterstützungsmaßnahmen in unterschiedlichen Problemlagen. Der Zusammenarbeit mit Angehörigen wird außerdem eine besondere Relevanz eingeräumt. Nur wenn das soziale Umfeld über die Krankheit und den Umgang mit ihr informiert ist, können die Angehörigen und Freunde die Betroffenen adäquat und hilfreich in den Krisensituationen unterstützen (vgl. ebd., S. 70).

2.2.2.2 Persönlichkeitsstörungen

Im Verein XX werden 20 % aller Klienten mit Persönlichkeitsstörungen betreut. Es handelt sich bei diesem Krankheitsbild um starre Verhaltensweisen, die sich immer wieder wiederholen, unabhängig davon, ob es der Situation entsprechend sinnvoll und angemessen ist. Die Person kann zu Streit tendieren, übertriebenen Ehrgeiz oder extremes Konkurrenzdenken aufweisen, die immer wieder zu Konflikten mit den Mitmenschen führen. Diese zwischenmenschlichen Konflikte wirken sich negativ auf sämtliche Lebensbereiche aus, wie etwa auf Arbeit und Beziehungen. Den Mitmenschen ist meist klar, was diese Person ändern muss, um das Problem zu bewältigen. Für die Betroffenen ist es nicht offensichtlich, weshalb sie immer wieder in ähnlichen Situationen scheitern. Die Ursachen der starren Verhaltensweisen liegen oft in der späten Kindheit oder Jugend. Die Verhaltensweise wurde erprobt und hat sich als sinnvoll bewährt. Es ist eine Art Überlebensstrategie in schwierigen Situationen. Seitdem wird diese Verhaltensweise als Lösung für alle schwierigen Situationen gesehen. Die Angemessenheit wird dabei nicht beachtet (vgl. Hammer/Plößl 2012, S. 126 f.). Zu den Persönlichkeitsstörungen werden gezählt: narzisstische, histrionische, dissoziale, zwanghafte, schizoide, paranoide Persönlichkeitsstörung (vgl. ebd., S. 59).

[...]

Details

Seiten
48
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668984431
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492210
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
2,0
Schlagworte
grenzen vereins anhand gemeinschaft wiedereingliederung klienten unterstützung wohnens ambulant bereich bezugsbetreuern herausforderungen menschen

Teilen

Zurück

Titel: Grenzen und Herausforderungen von Bezugsbetreuern im Bereich des Ambulant betreuten Wohnens bei der Unterstützung ihrer psychisch kranken Klienten bei der Wiedereingliederung in die Gemeinschaft