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Bedeutung der P 300 in der Psychologie

Seminararbeit 1998 4 Seiten

Psychologie - Biologische Psychologie

Leseprobe

Einleitung

Eine P 300 – Amplitude im EEG tritt auf wenn nach einem Stimulus eine aufmerksamkeits-abhängige kognitive Leistung erfolgt. Ein verdeutlichendes Experiment dazu ist das Oddball- Paradigma. Dabei werden mehrere Reize dargeboten, und es sollen nicht zugehörige oder anders nicht in das Gesamtbild gehörende Items behalten werden. Die positive auslenkung der P3 wird um so stärker, je seltener und außergewöhnlicher, verrauschter oder unsicherer ein Reiz wahrgenommen wird. Allerdings kann eine P3 auch später als 300 ms gedeutet werden.

Das heißt teils weit nach der Antwortreaktion.

Invasive EEG- Ableitungen an Epilepsipatienten zeigten, daß die Generierung der P 3 in der Nähe des Hippokampus erfolgt Grundlegende Prozesse die zu dieser Erscheinung führen sind aber noch nicht geklärt.

Theorien gehen davon aus, daß

a) der Abschluß einer kognitiven Operation erfolgte
b) eine Kontextualisierung nach beendigung einer Operation erfolgt oder
c) die P 3 den Abschluß eines Informationsverarbeitungsprozesses darstellt.

Die P 300 - allgemeine Betrachtungen

Verschiedene Forschungen zeigten einen Zusammenhang zwischen der P 300 Amplitude und der Speicherung von Erinnerungen. Ausgehend davon, daß das Kurzzeitgedächtnis ständig Informationen über die Umgebung erhält und verarbeitet ( dienen zur Bestätigung des Umfeldes, bzw zur Korrektur bei Veränderungen ). Sind diese Veränderungen stark vom erwarteten Zustand abweichend, tritt eine verstärkte P 300 auf. Das bedeutet besonders bei der Überarbeitung von Gedächtnisinhalten des Arbeitsgedächtnisses, d.h. bei einer Korrektur der vorhandenen Informationen über unsere Umwelt. Diese P 3 ist in ihrer Ausprägung direkt proportional zum Maß der Veränderung die festgestellt wurde. Eine Messung der P 3 während dieses Updating- Prozesses läßt Aussagen darüber zu, in wieweit ein eingetroffenes Ereignis erwartet wurde. Je unerwarteter das Ereignis, desto stärker die P 300.

In einem Test von Kuris, Fabiani und Donchin ( 84) wurden Wörter dargeboten. Dabei waren einige Wörter abweichend von der allgemein vorhandenen Norm ( Länge, Inhalt, Eigen-schaften ). Festgestellt wurde dabei, daß die P 3 bei seltenen Wörtern am stärksten war.

Außerdem konnten diese später auch am besten reproduziert werden. Die Untersuchenden folgerten daraus: eine starke P 300 Amlitude bedeutet auch bessere Behaltensleistung.

Sie unterschieden daraufhin zwei Behaltensstrategien:

a) Wiederholen der Wörter um sie zu behalten
b) Einbinden der Wörter in Kontext ( Geschichte, Bilder )

Obwohl beide eine stärkere P 3 bei ungewöhnlichen Worten zeigten, war die P 300 bei erstmaliger Wiederholung durch Typ a) stärker ausgeprägt. Eine spätere Wiederholung der Wörter zeigte diesen Effekt nicht mehr.

Diese Untersuchungen zeigten aber, daß im Prinzip alle Menschen auf ungewöhnliche Reize reagieren, unabhängig von ihrer Behaltensstrategie. Unterschiede in der Behaltensleistung erklärten die Untersuchenden dadurch, daß a- Typen ihre ganze Konzentration auf die Manifestierung der Wörter im KZG richten. Bei Typ b) ist der Merkprozeß überschattet durch den Versuch einen Kontext herzustellen ( geteilte Aufmerksamkeit ).

Später wurden vergleichbare Untersuchungen mit geänderter Versuchsanleitung durchgeführt.

Die Versuchsleiter gaben die Art des Lernens vor (Wiederholen / Kontextbildung) und verlangten später die Reproduktion. Die wurden die Ergebnisse aus dem o.g. Versuch

bestätigt. Allerdings stellte man fest, daß die Länge des Wortes mit entscheidend ist zur Repräsentation.

Paller, Kutas und Mayes führten 1985 weitere Tests über den Zusammenhang zwischen P 300 und der Behaltensleistung durch. Dabei fanden sie, daß die stärkste Behaltensleistung eigentlich bei einer P 650 Amplitude erfolgt, d.h. wenn die P 300 erst nach 650 ms am stärksten ist oder auftritt.

Zusammenfassend könnte man demzufolge sagen, daß die P 300 mehr als andere ereigniskorrelierte Potentiale kognitive Prozesse verdeutlichen und untersuchbar macht, die mit traditionellen Methoden bisher nicht sichtbar waren.

Unser Gedächtnis ist aber sehr komplex. Deshalb kann nur eine Komponente der EKP die oben untersuchten Phänomene nicht allein erklären, sondern nur eine Teilerklärung darstellen.

Aber ebenso wie eine einzige P 300 Amplitude ein komplexes Phänomen nicht erklären kann, kann ein einziges Phänomen nicht die Zusammensetzung der P 300 erklären. In den letzten Jahren wurde die P 3 in vielen Zusammenhängen untersucht. Dabei wurde z.B. der Zusammenhang zwischen der P 300 und kognitiven Operationen zu untersucht, d.h. versucht Reaktionszeit und kognitive Reaktion auf einen Stimulus zu verdeutlichen, ebenso wie

die Zusammenhänge von P 3 und Aufmerksamkeit, Updating KZG, Entscheidungsfindung, Orientierung und Aufgaben lösen.

Diese Untersuchungen bestätigten, daß die P3 durch viele Komponenten beeinflußt wird.

[...]

Details

Seiten
4
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638130028
Dateigröße
333 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4920
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Psychologie
Note
Schlagworte
Bedeutung Psychologie Seminar Methoden

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