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Der imperialistische Gegner macht Musik - Die Auseinandersetzung mit Rockmusik in der DDR und der Bundesrepublik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 76 Seiten

Politik - Politische Systeme - Historisches

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung im Westen
2.1. Die Entwicklung der westdeutschen Jugend nach dem zweiten Weltkrieg
2.1.1. Von der Jugendnot zum Jugendschutz: Jugendpolitik in der Ära Adenauer
2.1.2. Vom Kriegskind zum Konsumkind
2.1.3. Amerikanisierung als Generationserfahrung: Die subkulturellen Jugendlichen der fünfziger Jahre
2.2. Vom ‚rocken’ und ‚rollen’: Die rebellischen „Halbstarken“
2.2.1. Subkulturelle Stilelemente - Rock'n'Roll
2.2.2. Krawalle und Randale
2.3. Reaktionen auf „Halbstarke“ und Rock'n'Roll
2.3.1. Darstellung in den Medien
2.3.2. Stellungnahmen politischer Vertretern
2.3.3. Reaktionen der staatlichen Ordnungsbehörden
2.3.4. Deutung der Reaktionen
2.4. Von den „Halbstarken“ zu den Teenagern

3. Rock'n'Roll und „Halbstarke“ in der DDR bis zum Mauerbau
3.1. Konstitutive Phase der ideologischen Auseinandersetzung
3.1.1. Kulturpolitik dient der Umgestaltung der Gesellschaft
3.1.2. Sozialistische Tanz- und Unterhaltungsmusik
3.1.3. Jugendbild und Jugendpolitik der SED
3.1.4. Die Rolle der FDJ
3.1.5. Das Jugendkommuniqué von
3.2. „Halbstarke“ und „Eckensteher“
3.2.1. Jugendsubkultur und Symbole der Provokation
3.2.2. Vorkommnisse und Meldungen
3.2.3. Die Darstellung von Rock'n'Roll in den DDR-Medien
3.2.4. Westlich orientierte Jugendsubkultur und dreifache ideologische Ablehnung
3.3. Kurze Deutung der fünfziger Jahre

4. Beat, Rock und Teenager in der DDR nach dem Mauerbau – Die Phase der konflikhaften Durchsetzung
4.1. Vom Mauerbau zum Jugendkommuniqué
4.1.1. Die zweite Staatsgründung und Repressionskurs
4.1.2. Jugendpolitischer Reformwille vor dem Hintergrund des NÖSPL
4.1.3. „Der Jugend Vertrauen und Verantwortung“ -
Das Jugendkommuniqué von
4.2. Auf Kurs gegen die Gammler
4.2.1. „Tachchen, Tachchen“ - DT 64 und Beatlesmania
4.2.2. Vorlauf zum Kahlschlag
4.2.3. Das 11. Plenum des ZK der SED
4.2.4. Resignation und Wellen der weiteren Politisierung

5. Fazit

Literaturverzeichnis...

1. Einleitung

„‚Teenager’ ist ein Fremdwort, also für uns etwas Großartiges. Wir haben früher Lausbub, Rotzmädel, Lausejunge und Flegel gesagt, das war gewissermaßen ordinär; die Lausbuben waren eben damals nicht so etwas Berühmtes wie heute die Teenager.“

Walter von Molo[1]

„Wir waren eine Generation, mit der sehr viel Aufwand betrieben worden ist. Wir sind die erste Kindergeneration gewesen. Und aus uns wollte man den neuen Menschen schaffen. Und sowohl ... die Arschlöcher als auch die wirklichen Pädagogen haben sich auf uns gestürzt (...).“

Freya Klier[2]

Amerikanische Kultureinflüsse wurden in Deutschland seit der Weimarer Republik äußerst kontrovers diskutiert. In der Nachkriegszeit verbreiteten sich amerikanische Kulturimporte durch amerikanische Soldaten, durch die Öffnung des westdeutschen Marktes, über das Radio und Kino in zunehmenden Maße sowohl in der Bundesrepublik als auch in der SBZ und der späteren DDR. In beiden deutschen Staaten sah man besonders Jugendliche durch diese Einflüsse gefährdet, die als „dekadent“, „pervers“ und „abnorm“ diskriminiert wurden. So wurde zum Beispiel über Konzerte im Rahmen der Deutschlandtournee des Rock'n'Roll-Stars Bill Haley im Oktober 1958 in einer Weise berichtet, die kaum erkennen lässt, ob sich hier west- oder ostdeutsche Beobachter äußerten:

„... und Hunderte junge Menschen begannen zu zucken, zu toben, im wahnsinnigen, ewig gleichförmigen Rhythmus jenes teuflischen Rock'n'Roll, der nichts neben sich duldet als Stumpfsinn und Raserei (...).“

„Immer mehr aufgeregte Burschen drängten in die Gänge, Menschenströme flossen wie schreiende Lavaströme nach vorn. (...) Im Handumdrehen waren Bill Haley und seine Musiker von einer Menschenmauer umzingelt. Es war, als ob eine Meute von Raubtieren Ausschau hielt nach Opfern.“[3]

Im Rahmen dieser Arbeit werden die Reaktionen der DDR-Führung auf die Verbreitung populärer Musik amerikanischen Vorbilds und die tatsächlichen oder befürchteten Auswirkungen auf Jugendliche in den fünfziger und sechziger Jahren untersucht. Dabei sind die parallelen Entwicklungen in der Bundesrepublik vergleichend einzubeziehen, da diese über die Massenmedien jederzeit präsent waren und die Geschichte der populären Musik in der DDR – auch ohne teleologische Interpretation - als „eine Geschichte der Kapitulation vor der Übermacht westlicher Entwicklungen“[4] beschrieben werden muss.

Methodisch soll für diese Fragestellung der Ansatz Dietrich Mühlbergs genutzt werden, der für die deutsch-deutsche Geschichtsschreibung vorgeschlagen hat, nach vergleichbaren Herausforderungen oder „gemeinsamen Problemlagen“ zu fragen, die beide deutsche Gesellschaften zu bewältigen hätten.[5] Die „trotz aller Gegensätzlichkeit der Systeme (...), aufgrund weltweiter Trends in beiden Staaten auftraten und deren vergleichende Untersuchung sich lohnt.“[6] Es wird also eine Untersuchung einer auf solche „integrierenden Perspektiven oder Synthesekernen“[7] bezogenen Parallelgeschichte vorgenommen, die

„gewissermaßen eine historische Fortsetzung des Systemvergleichs darstellt. (...) Vorteil ist die systematische Beschäftigung mit der Entwicklung beider deutscher Staaten in inhaltlich abgegrenzten Kapiteln, wodurch die ostdeutsche Entwicklung ernst genommen und mit den jeweiligen westdeutschen Ereignissen kontrastiert wird.“[8]

Die gemeinsame Problemlage der tatsächlichen oder antizipierten Auswirkungen amerikanischer Kulturimporte auf deutsche Jugendliche wird in diesem Sinne als systemübergreifende Modernisierungsaufgabe der fünfziger und sechziger Jahre verstanden. Zugrunde liegen dieser Einschätzung folgende Arbeitshypothesen, die im Verlauf der Arbeit auf ihre Gültigkeit zu überprüfen sein werden, um dann zu vergleichen, welche Reaktionen und Antworten beide deutsche Staaten entwickelten.

Grundlegend wird als eine große Linie deutscher Kultur- und Gesellschaftsgeschichte im 20. Jahrhunderts der Aufstieg kommerzieller populärer Künste und Vergnügungen begriffen, verbunden mit der Annahme, dass diese unter dem Begriff „Massenkultur“ zusammengefassten Phänomene zur Lebensweise einer (sich entwickelnden) modernen Leistungsgesellschaft gehören.[9] In der Nachkriegszeit erlebte die Massenkultur ihren Durchbruch und trat in zunehmende Konkurrenz mit den Werten der bürgerlichen Hochkultur. Jugendliche in den Besatzungszonen und später in beiden deutschen Staaten griffen ihre Angebote auf und benutzten sie als Distinktionsmerkmal, um sich von der Gesellschaft der Erwachsenen abzugrenzen. Zweifelsfrei kam die „neue Offensive der Massenkultur aus den USA“[10]. Sie nahm mit dem Rock'n'Roll ihre verstörendste Form an und wurde in Ost und West als unwiderstehliche Verführung zu unmittelbarem sinnlichen Genuss, als Propaganda für eine hedonistische Lebens-auffassung und damit als Bedrohung der Kultur wahrgenommen.[11]

Der Vergleich der Reaktionen und Antworten auf eine als system übergreifend begriffene Modernisierungsaufgabe kann nicht bedeuten, die bis zur Gegensätzlichkeit verschiedenen Systembedingungen außer acht zu lassen. Der SED-Herrschaft standen viel weitreichendere Mittel der Einflussnahme zur Verfügung:

„In der DDR fiel politische und wirtschaftliche Macht in der Kombination von Partei, Gewerkschaft und Staat zusammen, und über alle Ressourcen wurde letztlich zentral entschieden. (...) Von der Art des politisch gestalteten Gesellschaftsaufbaus hing letztlich die Lebensweise ab.“[12]

Im Westen bestand hingegen die Möglichkeiten für einen Aushandlungsprozess zwischen pluralistischen Interessengruppen um Macht und Einfluss, außerdem übernahm der Markt eine zentrale Rolle bei der Bestimmung von Lebensweisen und Bedingungen der Bedürfnisbefriedigung ein. Doch auch hier wurden die Interessenlagen und Bedürfnisse der verschiedenen Bevölkerungsgruppen von den politischen Kräften, den Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden aufgenommen, die auch versuchten, ihnen durch Gesetzgebung und Regierungseinfluss Geltung zu verschaffen.

Trotz gegensätzlicher Herrschaftssysteme erscheint also der Vergleich gerechtfertigt durch übereinstimmende Entwicklungsrichtungen und eben eine gemeinsame Problemlage, stellen doch

„beide Staaten die Mittel für die 'kulturelle Grundausstattung' aller Bürger (vor allem Bildung und beruflicher Qualifikation) sowie die Mittel für die Pflege der Hoch- und Repräsentationskultur bereit. Gemeinsam war beiden Staaten auch, dass der Gesetzgeber (also der Staat) politisch und sittlich bedenkliche Bedürfnisse und Wunschvorstellungen reglementierte.“[13]

2. Die Entwicklung im Westen

2.1. Die Entwicklung der westdeutschen Jugend nach dem zweiten Weltkrieg

Ausgehend von der Annahme einer umfassenden „Amerikanisierung“ im Sinne einer Anverwandlung US-amerikanischer Einflüsse durch die westdeutsche Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft im 20. Jahrhundert, [14] wird in diesem Teil der Arbeit speziell auf die Entwicklung der westdeutsche Jugend und Jugendkultur als „entscheidende Multiplikatoren“ [15] der „Amerikanisierung“ und besondere Träger der „populärkulturellen Amerikanisierung“ [16] in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg eingegangen werden. Die Situation der westdeutschen Jugend habe sich nach dem Zweiten Weltkrieg, so eine in der neueren Jugendforschung weit verbreitet These, in „raschem Diskurswechsel“ in drei Stufen entwickelt: Von der „Jugendnot“ über den „Schutz der Jugend“ zur „Jugend als (dominanter) Teilkultur“, worin sich auch die gesellschaftlichen Veränderungen in den fünfziger Jahren ausdrücken. [17] Dieses Modell soll in im folgenden angewandt werden, um den Wandel der westdeutsche Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu beschreiben. Bei dieser Betrachtung wird die Auseinandersetzung mit Rockmusik als gewichtiges Phänomen präsent sein.

Wenn von der Jugend nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen wird, dann sind zunächst zwei Generationen voneinander zu unterscheiden, die um 1930 Geborenen und die um 1940 Geborenen. Die in den frühen dreißiger Jahren Geborenen bildeten die Grundlage, auf der Helmut Schelsky 1963 von einer „skeptischen Generation“ der bundesdeutschen Jugendlichen schrieb, und die er als „Jugend ohne Jugend“ charakterisierte und etikettierte. [18] Die Kindheit dieser Generation lag inmitten des Krieges, die früher Geborenen waren Mitglieder der Hitlerjugend gewesen, nicht wenige gehörten zu denjenigen jungen Männern, die am Ende des Krieges noch eingezogen worden waren. Die Jugend- und Adoleszenzphase in der kargen Nachkriegszeit war bestimmt durch Mangel und Verzicht.

Die zweite Generation umfasst die, die ihre Kindheit im zerstörten Land erlebten, deren Jugend aber bestimmt war vom „Wohlstand für alle“ und die in der Literatur charakterisiert wird als die „rebellische Generation“ [19] ; es war auch die erste Generation, die im frühen Jugendalter ein „Bündnis“ mit der Konsumgüterindustrie eingegangen ist und damit die Entwicklung aller folgenden Jugendgenerationen bestimmt hat. Viggo von Blücher prägte für die um 1940 Geborenen den Begriff der „Generation der Unbefangenen“ in seinem gleichnamigen Buch von 1966. [20] Das reicht als Beschreibung einer ganzen Generation nicht aus, daraus spricht aber der Grundtenor, der dieser Jugend eigen sein konnte: Belebt vom Wirtschaftswachstum war die Zeit auch erstmals für Jugendliche bestimmt durch Konsum und Hedonismus, durch persönliche Freiheit und das Einfordern derselben. [21] Für diese Generation trifft auch die Beschreibung von der „Amerikanisierung als Generationserfahrung“ zu. [22] Zunächst braucht jedoch weder zwischen den beiden Jugendgenerationen, noch zwischen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unterschieden zu werden, denn die gesamte Bevölkerung litt in den ersten Jahren nach 1945 bittere materielle und seelische Not: Unterernährung, Wohnungsnot, Umsiedlung, Flüchtlingselend, Mangel an Kleidung und Spielzeug und anfangs auch die Vaterlosigkeit in vielen Familien kennzeichneten die Situation in den vier Besatzungszonen. Die Jugendlichen der 30er-Generation waren nicht selten mitverantwortlich für die Versorgung der Familien.[23] Der Sozialwissenschaftler Klaus Wasmund erfasst diese Situation, wenn er schreibt: „Will man die geistige Stimmung in der Jugend der Nachkriegszeit auf den Nenner bringen, so lässt sie sich am ehesten mit dem Begriff der Orientierungslosigkeit umschreiben.“[24] Ganz ähnlich meint auch die Jugendsoziologin Ingeborg Weber-Kellermann, dass Kinder und Jugendliche es in den Nachkriegsjahren „besonders schwer hatten, ihre neu gewonnene Individualität zu artikulieren“[25] Bis zum Beginn der fünfziger Jahre galten stehende Begriffe wie „verlorene Generation“ und „bindungslose Jugend“ für die Beschreibung der Jugendlichen, die sowohl mangelnden moralisch-ideologischen und familiären Halt, als auch materielle Probleme umfassten. Dies wandelte sich als die ganze Gesellschaft von Elend und Mangel in nahezu allen Bereichen des Lebens wieder zur „Normalität“ zurückkehrte, so dass für die fünfziger Jahre der Begriff der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“[26] aufkam.

2.1.1. Von der Jugendnot zum Jugendschutz: Jugendpolitik in der Ära Adenauer

Damit endete auch die modellhafte Phase der „Jugendnot“ und je näher es an die fünfziger Jahre heranging, umso lauter wurden Forderungen nach „Jugendschutz“.[27] Im Jahr 1953 wurden schließlich eine Reihe von politischen Maßnahmen getroffen, die die Jugend direkt betrafen. Hier sind unter anderem die Verabschiedung eines Gesetzes gegen die Verbreitung jugendgefährdender Schriften, die Einrichtung einer entsprechenden Bundesprüfstelle, die Auflage eines neuen Jugendgerichtsgesetzes und die Novellierung des Jugendwohlfahrtsgesetzes zu nennen.[28] Welchen Hintergrund hatten diese Maßnahmen?

In der Forschung wird im Zusammenhang mit den fünfziger Jahren immer wieder das „repressive Klima“ der Adenauer-Ära hervorgehoben: Die Betonung des traditionellen Weltbildes und die Unterdrückung jedweden Infragestellens des politischen und kulturellen Status quo.[29] Nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes wählte ein Großteil der Erwachsenen als Anknüpfungspunkt für eine neue politisch-kulturelle Identität vorpolitisch-familiäre Werte, die nicht durch den Nationalsozialismus diskreditiert waren, hinzu gesellte sich bald ein ausgeprägter Anti-Kommunismus.[30] Das Vergangene wurde verdrängt, eine gesellschaftliche Aufarbeitung der nationalsozialistischen Zeit fand nicht statt. Im Zuge der allgemeinen Normalisierungsanstrengungen mussten die Jugendlichen erleben wie sie immer stärker in die „konservative Wertrestauration“[31] der Erwachsenen einbezogen wurden. Nicht Wandel und Modernität bestimmten das Bild, „sondern die alltägliche Verteidigung der Korrektheit.“[32]

Mit der Einrichtung des Familienministeriums wurde eine Familienpolitik institutionalisiert, die mit Vehemenz für die Abschottung der zivilisatorischen Vergnügen der Erwachsenenwelt gegenüber Kinder und Jugendlichen eintrat. Als führender Vertreter in der Kampagne gegen „Schmutz und Schund“[33] tat sich der erste CDU-Familienminister Franz Joseph Wuermeling (1953-1960) hervor. Seine Familienpolitik sah er als wichtige Ergänzung der militärischen Verteidigungspolitik. Sie sollte unabhängig von anderen Maßnahmen zur Verteidigung gegen den Kommunismus dienen:

„Millionen innerlich gesunder Familien mit rechtschaffen erzogenen Kindern sind als Sicherung gegen die drohende Gefahr der kinderreichen Völker des Ostens mindestens so wichtig wie alle militärischen Sicherungen.“[34]

Ehe und Familie waren in eine Ideologie eingebunden, deren Kern Sittlichkeit und Selbstzucht darstellte und die sich gegen jede erotisch „sexuelle Frühentwicklung“ bei Jugendlichen richtete. Eine hedonistische Lebensweise wurde als Vergeudung, Verantwortungslosigkeit oder gar Deviation gesehen.[35] Interessanterweise beschränkte Wuermeling diese Kampagne des Triebverzichts nicht auf den Bereich der Sexualität, sondern sah auch in der „Sucht zum Konsum“ ein bedrohliches Element der Freiheit.[36] Diese Politik darf in ihrer Wirkung auf die Jugendlichen nicht unterschätzt werden.

2.1.2. Vom Kriegskind zum Konsumkind

Zu Beginn der fünfziger Jahre waren von den unter 25-Jährigen noch rund eine halbe Million arbeitslos, aber bedingt durch den gesamtwirtschaftlichen Aufschwung durch die Wirkungen des Marshall-Plans standen im Jahre 1953 bereits 69 % der Schulabgänger und 86 % der gesamten Jugendlichen in festen Arbeitsverhältnissen – und innerhalb kürzester Zeit vollzog sich ein Wandel vom Mangel zu einem Überangebot an Lehrstellen.[37] Im Zuge des folgenden Booms und der Verschiebung gesellschaftlicher Grenzen, wovon besonders die unteren Schichten und die Jugendlichen profitierten, verbesserten sich die Arbeitsbedingungen erheblich: Die durchschnittliche Arbeitszeit wurde von bis zu acht Stunden an sechs Tagen auf neun Stunden an fünf Tagen pro Woche verkürzt[38] und zudem stieg die Bezahlung, so dass das Durchschnittseinkommen eines jungen Arbeiters Mitte der fünfziger Jahre 2,17 DM pro Stunde betrug; für persönliche Zwecke hatte ein Jugendlicher zwischen 14 und 25 Jahren durchschnittlich 61 Mark im Monat zur Verfügung.[39]

Durch mehr Kaufkraft und mehr Freizeit wurden Schüler, Studenten und junge Arbeiter zunehmend für die expandierende Konsumindustrie als potentielle Kunden interessant – „die Propagierung des Teenagers zur Steigerung des Absatzes von Jugendmode oder Schallplatten war ein Ausdruck dieses Interesses.“[40] Die Industrie gab sich als Partner der Jugendlichen, nicht mehr Eltern, Priester oder Lehrer waren die Leitbilder, sondern kommerzielle Massenmedien – ein Trend, der aus den USA nach Westdeutschland kam und einen bedeutenden Teil der „hedonistischen Amerikanisierung“[41] darstellte. Die Jugendlichen liefen damit, so der Journalist Rüdiger Bloemeke, „voll in die Falle des Kommerzes: Die Freiheiten, die sie wollten, waren allesamt käuflich. Ihr Taschengeld wurde zum Wirtschaftsfaktor.“[42] Und „während die Erwachsenengesellschaft noch in der Arbeitsaskese des Industriekapitalismus älterer Prägung befangen war, (...) probten Teile der Jüngeren bereits die neuartige Qualität des Dienstleistungs- und Freizeitkapitalismus“, fasst der Soziologe Jürgen Zinnecker in seinem Überblick über die deutschen Jugendkulturen zusammen.[43] Damit stieg die Jugend im Laufe der fünfziger Jahre zu einer eigenen, bisweilen die Erwachsenen dominierenden Teil- und vor allem Wohlstandskultur auf.[44]

Die Emanzipation der westdeutschen Jugend als Gesamtheit darf aber nicht emphatisch übertrieben gesehen werden, und einige Aussagen dazu müssen sehr skeptisch gelesen werden. So handelte es sich bei den rebellischen, das Bild der Fünfziger-Jahre-Jugend im Bewusstsein prägenden „Halbstarken“ lediglich um eine Minderheit der Jugendlichen. Es ist dennoch richtig, wenn Ingrid Volkmer in ihrem Aufsatz über die Kommerzialisierung der Jugendphase konstatiert, dass „in den fünfziger und frühen sechziger Jahren (...) ‚Jugend’ zum ersten Mal gesellschaftlich ‚auffällig’“ wurde.[45]

2.1.3. Amerikanisierung als Generationserfahrung: Die subkulturellen Jugendlichen der fünfziger Jahre

Die entscheidenden neuen Impulse, die Jugendkulturen in Deutschland erhalten haben, seien aus den USA gekommen und „ohne die USA hätte es überhaupt keine Entwicklung dieses wichtigen Elements der Jugend in der Bundesrepublik“ gegeben, meint Baacke. Die fünfziger Jahre „stellten in gewisser Weise den Höhepunkt der Amerikabewunderung dar“,[46] wenngleich, wie Doering-Manteuffel ergänzt, auch schon vor 1945 das „angeblich klassenlose Amerika“ besonders von Jugendlichen als Sinnbild für eine bessere Welt angesehen worden sei.[47] Die westdeutsche Jugend der 40er-Generation orientierte sich seit den fünfziger Jahren bewusst an internationalen, zumeist US-amerikanischen Lebensweisen und Trends, sodass „im zweiten Drittel der fünfziger Jahre... die Situation Jugendlicher in der Bundesrepublik viele Parallelen zu den USA“ aufwies.[48] Zwar war die „Amerikanisierung“ jugendlicher Lebensstile Mitte der Fünfziger noch kein „Massenphänomen“,[49] aber bereits rund ein Drittel von ihnen nannte die USA als „kulturelles und gesellschaftliches Vorbild“.[50] Es ist hier allerdings noch einmal zu bemerken, dass es sich zunächst stets um Minderheiten unter den Jugendlichen handelte, die auf verschiedene Weise mit den amerikanischen Angeboten experimentierten, es waren keineswegs die Ideale aller jungen Deutschen. Der wissenschaftliche Blick richtete sich diesbezüglich in den fünfziger Jahren, ebenso wie in der heutigen Rückschau, besonders auf die sich überwiegend aus Arbeitern und Lehrlingen rekrutierenden „Halbstarken“.

2.2. Vom ‚rocken’ und ‚rollen’: Die rebellischen „Halbstarken“

Der Begriff „Halbstarke“ als Bezeichnung heranwachsender Männer wurde bereits im 19. Jahrhundert in Hamburg verwendet und von dem Hamburger Pastor Clemens Schultz wieder aufgenommen, der 1912 einen Text über „Die Halbstarken“[51] verfasste, in dem er die so betitelten Großstadtjugendlichen unter Vermissen allen pädagogischen und psychologischen Verständnisses und Feingefühls als roh und verkommen darstellte und sich über ihr Verhalten echauffierte. In den fünfziger Jahren tauchte der Begriff in Berlin wieder auf, um in Anknüpfung an die jüngste Verwendung Schultz’ die dortigen Jugendbanden zu benennen; von Berlin aus verbreitete er sich rasch über das ganze Bundesgebiet und wurde zum sprechenden Synonym für die revoltierende Gruppe in der Jugend. Der Begriff blieb noch lange als Beschreibung für aufmüpfige Jugendliche im Sprachgebrauch.[52]

Unter „Halbstarken“ verstand der Soziologe Curt Bondy in den fünfziger Jahren „männliche Jugendliche, die in größeren oder kleineren Gruppen auftreten, sich möglichst auffällig kleiden und Interesse finden an einem lockeren, unverbindlichen und unproduktiven Zusammensein mit Alters- und Geschlechtsgenossen“, und die „durch eine Vermeidung aller ruckhaft-eckigen und steifen und einer Betonung elastischer Bewegungen des ganzen Körpers“ auffielen – damals Attribute, die als „zivile Lässigkeit“ eindeutig lokalisierbar mit den USA assoziiert wurden.[53] Es handelte sich bei den „Halbstarken“ zum weitaus größten Teil um junge Männer aus dem Arbeitermilieu, um Volksschüler, Lehrlinge und Arbeiter selbst.

Da es aufgrund der nach dem Krieg zusammengestürzten Gesellschaft und ihrer Werte für die Jugend speziell der unteren Schichten keine aktuellen deutschen Vorbilder gab, war hier die Aufnahmebereitschaft gegenüber dem Amerikanischen umso größer – hinzu kam der Drang nach Freiheit von den gängigen Konventionen der Nachkriegsgesellschaft.[54]

Und da es, wie festgestellt wurde, verschiedenartige US-Einflüsse auf die Jugend gab, wurden diese von den meist männlichen „Halbstarken“ auch vielfältig aufgenommen: Bei der Kleidung waren es Blue Jeans, bunte, großkarierte Hemd, farbige Halstücher, kurz geschnittene Lederjacken und dick besohlte schwarze Schuhe; die Haare waren zurückgekämmt oder pomadeglänzend als „Elvis-Tolle“ frisiert und Mädchen lackierten sich die Fingernägel.[55] Die Informalisierung des Verhaltens zeigte sich in der demonstrativen Nachlässigkeit der Bewegungen und Umgangsformen, im lauten Musikhören auf der Straße, in Milchbars und in Kneipen aus dem eigenen Radiogerät oder der Music-Box[56] sowie darin, dass sie mit knatternden Mopeds lärmend ziellos durch die Städte zogen.[57] Sehr augenscheinlich waren die amerikanischen Einflüsse auch auf dem Feld der Musik und des Films, wo aus den Stilelementen der „Halbstarken“ besonders der Rock'n'Roll, das expressive und exzessive Tanzen dazu und die entsprechenden US-Idole wie Bill Haley und Elvis Presley oder James Dean und Marlon Brando nicht wegzudenken sind.[58]

2.2.1. Subkulturelle Stilelemente - Rock'n'Roll

Der Rock'n'Roll erreichte die Bundesrepublik vor allem über die amerikanischen und britischen Soldatensender AFN, BFN bzw. Radio Luxemburg, während sich die bundesdeutschen Rundfunksender bis in die Mitte der sechziger Jahre scheuten, die neue Musik in ihre Programme aufzunehmen.[59] Eine zusätzliche Verbreitung erfuhr die Rockmusik über Kinofilme. Mit der Aufführung des Films „Saat der Gewalt“ („The Blackboard Jungle“) aus dem Jahre 1955 hielt der Rock'n'Roll Einzug in die bundesdeutschen Kinos. Es folgte eine Reihe von Musikfilmen. Hier seien lediglich die beiden Teile von „Außer Rand und Band“ („Rock Around the Clock und „Don’t Knock the Rock“) aus den Jahren 1956 bzw. 1957 und die Filme von Elvis Presley erwähnt. Schließlich dürfen die zahlreichen Musikboxen in Kneipen, Cafes und Eisdielen nicht vergessen werden. Im Jahr 1957 gab es ca. 12.000 solcher Jukeboxes in der Bundesrepublik,[60] mit deren Hilfe jugendliche Rock'n'Roll Anhänger ihren Musikgeschmack in der Öffentlichkeit demonstrieren konnten.

2.2.2. Krawalle und Randale

Prägnantes und bis heute stets zitiertes Stilmittel der „Halbstarken“ war der Krawall. Es fehlt in keiner Darstellung über diese „Halbstarken“ die Erwähnung der Rebellionen und ihres unflätigen Benehmens im öffentlichen Raum – von Verkehrsbehinderung durch Straßenblockaden und Beschädigung von Fahrzeugen über sprachliche und körperliche Belästigung von Passanten und provozierendem Verhalten gegenüber der Polizei bis hin zu gewalttätigen Ausschreitungen. Es ging den „Halbstarken“ dabei nicht um die Verwirklichung theoretisch entwickelter bzw. konkreter Ziele und Visionen, sondern lediglich um Aufmerksamkeit und Auflehnung gegen das erwachsene Etablissement und so waren die Aktionen meist „spontan und situationsbezogen“.[61] Unter Rückgriff auf ein Modell aus Curt Bondys Buch „Jugendliche stören die Ordnung“ aus dem Jahr 1957[62], beschreibt Schildt drei Krawall-Typen: Der „reine Krawall“ wurde ausgelöst durch Nichtigkeiten wie Rangeleien unter männlichen Jugendlichen, Verkehrskontrollen durch die Polizei oder ein Lokalverbot für einzelne „Halbstarke“; der „Veranstaltungskrawall“ schuf bereits von vornherein den Anlass der Randale – etwa öffentliche Großveranstaltungen, wie Rock'n'Roll-Konzerten oder Filmvorführungen, bei denen beispielsweise die Saaleinrichtung zerstört wurde; der „Folgekrawall“ entwickelte sich als Reaktion auf vorangegangene Auseinandersetzungen, wenn etwa in kleineren Städten die dortige Halbstarkengang von Krawallen in den Metropolen gehört hatte und es ihnen gleichtun wollte – in diesem Fall verbreiteten sich die Krawalle oft als „Kettenreaktionen von Ort zu Ort“.[63]

Und obwohl die „Halbstarken“ eine subkulturelle Minderheit darstellten und obwohl die Teilnehmer an den Krawallen einen verschwindend geringen Prozentsatz der Jugend ausmachten und die überwiegende Zahl der Jugendlichen weder an den Aufständen teilnahm, noch sie guthieß,[64] avancierten die „Halbstarken“ doch rasch zum Bürgerschreck Nummer eins.

2.3. Reaktionen auf „Halbstarke“ und Rock'n'Roll

2.3.1. Darstellung in den Medien

Die Presse griff den Begriff „Halbstarke“ auf und bald darauf fand eine breite öffentliche Debatte über die Aufstände und jugendliches Verhalten statt. Im Mittelspunkt der Darstellung in den Medien stand der jugendliche Konsum amerikanischer Populärkultur und die angeblich damit verbundenen Gefahren. 1956 berichteten Zeitungen erstmals über Krawalle bei Elvis Presley-Konzerten in den USA und bei Vorführungen des Bill Haley-Films „Außer Rand und Band“ in mehreren westdeutschen Ländern.

Kommentatoren erklärten, dass Rock'n'Roll junge Männer zu rebellischem Verhalten anstiftet und waren beunruhigt über die Aussicht, dass die Rockbewegung auf Deutschland übergreifen könnte.[65] Nachdem es auch in einigen west- und ostdeutschen Städten zu „Halbstarken“ - Krawallen gekommen war, führten Journalisten das „Fehlverhalten“ der rebellischen Jugendlichen auf amerikanische Filmen, z.B. dem Marlon - Brandon – Film „Der Wilde“, und amerikanische Musik zurück.[66] Rock'n'Roll galt nicht nur als „schlechte Musik“[67], sondern auch als gefährlich und krankmachend.

Die Zeit berichtete:

„Rock'n'Roll ist eine Epidemie, die man als Tanzwut bezeichnen kann [...] Der große Arzt Paracelsus empfahl gegen die zu seiner Zeit auftretenden Fälle von Massen-Tanzhysterie folgende Gegenmaßnahmen: ‚Isolierung der Tanzwütigen, wodurch die Sache ihre Suggestionskraft verliert.’ Weiter empfahl er die Anwendung von Prügeln und Güssen mit kalten Wasser.“[68]

Die Verhaltensweise der Jugendlichen hätten sich durch Rock'n'Roll, so „Der Spiegel“, tiefgreifend verändert: Junge Mädchen kreischten bei Konzerten, rissen sich die Kleider von Leib, junge Männer würden von Rock'n'Roll aggressiv und fanatisch, Symptome „kollektiver erotischer Eruptionen“ seien festzustellen.[69] Die Journalisten zeichneten das Bild ahnungsloser, unpolitischer und manipulierter Halbwüchsiger, die von den Managern der Kulturindustrie zu Starkult und Modegläubigkeit verführt würden.[70] Elvis Presley verfüge weder über Bildung noch über musikalische Fähigkeiten. Er verführe die (orientierungs- und führungslose) Jugend durch moralisch verwerfliche Methoden und stifte zu Gewalt an.[71]

Die Berichterstattung über Rock'n'Roll und jugendliche Gewalt erreichte bald beachtliche Ausmaße,[72] worin sich sich auch ein verbreitetes öffentliches Interesse am Thema „Jugend“ überhaupt wiederspiegelt. Im Zuge der „Halbstarken-Krawalle“ stieg die Anzahl der Zeitungsartikel, die sich mit den 14- bis 25-jährigen beschäftigten im Jahr 1956 sprunghaft an. Wie ein Auszählung der im Pressearchiv des Deutschen Bundestages seit 1951 angesammelten Zeitungsartikel ergab, kam es erst wieder Ende der 70er Jahre zu einer - dann aber zu einer weitaus größeren – öffentlichen Jugend-Debatte.[73]

[...]


[1] Walter von Molo, zit. nach: Rolf Italiaaner (Hg.), Teenagers, Hamburg 1958

[2] Freya Klier, zit. nach: Dorothee Wierling, Geboren im Jahr Eins. Der Jahrgang 1949 in der DDR. Versuch einer Kollektivbiographie, Berlin 2002

[3] Das erste Zitat stammt aus der Berichterstattung der Jungen Welt vom 6.11.1958 über das Konzert im Westberliner Sportpalast am 26.10.1958, zit. nach: Rebecca Menzel, Die Jeans in der DDR 1945 – 1989, Berlin 2002, S. 14; das zweite Zitat aus der Zeit vom 31.10.1958, die über das Konzert in der Hamburger Ernst-Merck-Halle vom 27.10.1958 berichtet, zit. nach: Thomas Grotum, Die Halbstarken. Zur Geschichte einer Jugendkultur der 50er Jahre, Frankfurt a. M./New York 1994, S. 206.

[4] Michael Rauhut, "Wir müssen etwas besseres bieten". Rockmusik und Politik in der DDR, in: DA,
4(1997), S. 572-587, hier: S. 574.

[5] Vgl. Dietrich Mühlberg, Von der Arbeitsgesellschaft in die Konsum-, Freizeit- und Erlebnisgesellschaft. Kulturgeschichtliche Überlegungen zum Bedürfniswandel in beiden deutschen Staaten, in: Christoph Kleßmann/Hans Misselwitz/Günter Wichert, Deutsche Vergangenheiten - eine gemeinsame Herausforderung. Der schwierige Umgang mit der doppelten Nachkriegsgeschichte, Berlin 1999, S. 176-205, hier: S. 177.

[6] Herrmann Wentker, Zwischen Abgrenzung und Verflechtung: Deutsch-deutsche Geschichte nach 1945, in: APuZ, 1-2(2005), S. 10-17, hier: S.15.

[7] Hans Günther Hockerts, Koordinaten deutscher Geschichte in der Epoche des Ost-West-Konflikts, München 2004, Vorwort, S. IX.

[8] Konrad Jarausch, "Die Teile als Ganzes erkennen". Zur Integration der beiden deutschen Nachkriegsgeschichten, in: Zeithistorische Forschungen, Online-Ausgabe 1 (2004), URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/16126041-Jarausch-1-2004 (Zugriff 12.06.2005), S. 4.

[9] Vgl. Kaspar Maase, Grenzenloses Vergnügen. Der Aufstieg der Massenkultur 1850-1970, Frankfurt a. M. 1997, S. 260 und Kaspar Maase, Körper, Konsum, Genuss - Jugendkultur und mentaler Wandel in den beiden deutschen Gesellschaften, in: APuZ, B 45(2003), S. 9-16, hier: S. 9, an dessen Überlegungen sich der methodische Aufbau dieser Arbeit orientiert.

[10] Maase, Massenkultur, S. 244.

[11] Vgl. Uta G. Poiger, Jazz, Rock, and rebels. Cold war politics and American culture in a divided Germany, Berkeley [u.a.] 2000, S. 70-75.

[12] Mühlberg, Arbeitsgesellschaft, S. 185.

[13] Ebd., S. 186.

[14] Vgl. Axel Schildt, Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden? Zur zeitgeschichtlichen Erforschung kulturellen Transfers und seiner gesellschaftlichen Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 50/2000, Bonn 2000, S. 3-10; Kaspar Maase, „Amerikanisierung der Gesellschaft“. Nationalisierende Deutung von Globalisierung, in: , K. H. Jarausch / H. Siegrist, (Hg.), Amerikanisierung und Sowjetisierung in Deutschland 1945-1970, Frankfurt / New York 1997, S. 219-241; A. Doering-Manteuffel, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999.

[15] Schildt, Sind die Westdeutschen amerikanisiert worden?, S. 9; Vgl. auch: Kaspar Maase, Amerikanisierung von unten. Demonstrative Vulgarität und kulturelle Hegemonie in der Bundesrepublik der 50er Jahre, in: A. Lüdtke / I. Marßolek / A. von Saldern (Hg.), Amerikanisierung: Traum und Alptraum im Deutschland des 20. Jahrhunderts, Stuttgart 1996, S. 291-313.

[16] Vgl. Kaspar Maase, Bravo Amerika. Erkundungen zur Jugendkultur in der Bundesrepublik in den fünfziger Jahren, Hamburg 1992, S. 21.

[17] Vgl. Axel Schild, Moderne Zeiten. Freizeit, Massenmedien und "Zeitgeist" in der Bundesrepublik der 50er Jahre, Hamburg 1995, S. 154; Maase, Bravo, S. 65.

[18] Helmut Schelsky, Die skeptische Generation. Eine Soziologie der deutschen Jugend, Düsseldorf/Köln 1963.

[19] Zu denken ist an die Halbstarkenkrawalle Mitte und Ende der 50er und an die 68er-Bewegung als zwei Aufstände zweier unterschiedlicher Gruppen einer Generation, vgl. u.a. Marina Fischer-Kowalski, Halbstarke 1958, Studenten 1968: Eine Generation, zwei Rebellionen, in: Ulf Preuss-Lausitz, (Hg.), Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder. Zur Sozialisationsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, Weinheim/ Basel 1983, S. 53-70.

[20] Viggo von Blücher, Die Generation der Unbefangenen: Zur Soziologie der jungen Menschen heute, Düsseldorf, Köln, 1966.

[21] Vgl. Jürgen Zinnecker, Jugendkultur 1940 – 1985, Opladen, 1987, S. 39 ff.; Schildt: Moderne Zeiten, S. 153 f.

[22] Kaspar Maase, Lässige Boys und schicke Girls. „Amerikanisierung“ und Biographien Jugendlicher in den 50er Jahren, in: Fischer-Rosenthal, Wolfram/ Alheit, Peter (Hg.), Biographien in Deutschland. Soziologische Rekonstruktionen gelebter Gesellschaftsgeschichte, Opladen, 1995, S. 137-152, hier: S. 139.

[23] Vgl. Thomas Grotum, Die Halbstarken. Zur Geschichte einer Jugendkultur der 50er Jahre, Frankfurt/Main / New York 1994, S. 47 ff.

[24] Klaus Wasmund, Leitbilder und Aktionsformen Jugendlicher nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland bis zu den 60er Jahren, in: D. Dowe (Hg.), Jugendprotest und Generationenkonflikt in Europa im 20. Jahrhundert. Deutschland, England, Frankreich und Italien im Vergleich, Bonn 1986, S. 211-231, hier: S. 217.

[25] Ingeborg Weber-Kellermann, Kindheit der fünfziger Jahre, in: D. Bänsch (Hg.), Die fünfziger Jahre. Beiträge aus Politik und Kultur, Tübingen 1985, S. 163-183, hier: S. 182.

[26] Die Aussage, die Bundesrepublik sei eine „nivellierte Mittelstandsgesellschaft“ stammt von dem Soziologen Helmut Schelsky. In die „Wandlungen der deutschen Familie in der Gegenwart“ von 1953 stellte er erstmals die These auf, dass im Vergleich zur Nachkriegszeit immer mehr Menschen im Rahmen der sozialen Schichtung nach Einkommen, Berufsprestige und Konsumverhalten den Mittelschichten zuzuordnen seien und sich selbst als zum "Mittelstand" gehörig betrachteten. Schelskys Begriff wurde in den fünfziger Jahren breit rezipiert; er gilt jedoch heute als überholt. Zur kritischen Auseinandersetzung mit Schelsky These vgl. Hans Braun, Helmut Schelskys Konzept der „nivellierten Mittelstandsgesellschaft“ und die Bundesrepublik der 50er Jahre, in: Afs 29/1989, S. 199-223.

[27] Vgl. Zinnecker, Jugendkultur, S. 40; Grotum, Die Halbstarken, S. 54 f.

[28] Vgl. ebd; Zinnecker, S. 27 und 40.

[29] Vgl. u.a. Grotum, Die Halbstarken, S. 64; Ulf Preuss-Lausitz, Kriegskinder, Konsumkinder, Krisenkinder. Zur Sozialisationsgeschichte seit dem Zweiten Weltkrieg, Weinheim/Basel 1983, S. 16 f.

[30] Vgl. u.a. Poiger, Rebels, S. 46; Grotum, Die Halbstarken, S. 63.

[31] Ebd. S. 64.

[32] Thomas Ziehe, Die alltägliche Verteidigung der Korrektheit, in: Schock und Schöpfung. Jugendästhetik im 20. Jahrhundert, hrsg. vom Deutschen Werkbund e.V. und vom Württembergischen Kunstverein Stuttgart, Darmstadt / Neuwied 1986, S. 254-258.

[33] Gemeint waren u.a. Groschenromane, Comic-Hefte und Westernfilme.

[34] Franz-Joseph Wuermeling, Das muss geschehen! Die Familie fordert vom Bundestag, in: Kirchen Zeitung (Köln) vom 6.12.1953, hier zitiert nach: Grotum, Die Halbstarken, S. 68.

[35] Vgl. Poiger, Jazz, Rock, and Rebels, S. 48 f.

[36] Vgl. ebd.

[37] Vgl. Schildt, Moderne Zeiten, S. 155-159; Grotum, Die Halbstarken, S. 51 f.

[38] Vgl. Maase, Bravo Amerika, S. 66, 75f. ; Schildt, Moderne Zeiten, S. 159, 161.

[39] Vgl. ebd., S. 161.

[40] Ebd.

[41] Maase, „Amerikanisierung der Gesellschaft“, S. 225.

[42] Rüdiger Bloemeke, Aufbruch – Suche nach dem neuen Rhythmus. Rock’n’Roll und Halbstarke, in: Peter Kemper (Hg.), Alles so schön bunt hier. Die Geschichte der Popkultur von den 50ern bis heute, Ditzingen 1999, S. 43-52, hier: S. 51; vgl. auch Maase: Bravo Amerika, S. 162; Zinnecker: Jugendkultur, S. 85.

[43] Zinnecker, Jugendkultur, S. 125; vgl. Schelsky, Die skeptische Generation, S. 81; 495.

[44] Vgl. Schildt, Moderne Zeiten, S. 154; Maase, Bravo Amerika, S. 65.

[45] Ingrid Volkmer, Teenager – Ausgangspunkt medialer und ästhetischer Kommerzialisierung der Jugendphase, in: D. Baacke / H. Lienker / R. Schmölders / I. Volkmer (Hg.), Jugend 1900-1970. Zwischen Selbstverfügung und Deutung, Opladen 1991, S. 142-154, hier: S. 142; vgl. Schildt, Moderne Zeiten, S. 166.

[46] Dieter Baacke, Jugend und Jugendkulturen. Darstellung und Deutung, Weinheim/München 1993², S. 49; 56.

[47] Doering-Manteuffel, Wie westlich, S. 14.

[48] Maase, Bravo Amerika, S. 96.

[49] Wasmund, Leitbilder und Aktionsformen, S. 224.

[50] Volkmer, Teenager, S. 144.

[51] Clemens Schultz, Die Halbstarken, Leipzig 1912.

[52] Vgl. Schildt, Moderne Zeiten, S. 175.

[53] Curt Bondy, zit. nach Schildt, Moderne Zeiten, S. 176; vgl. Maase, Lässige Boys und schicke Girls, S. 143 ff.

[54] Vgl. u.a. Doering-Manteuffel, Wie westlich, S. 40.

[55] Vgl. Grotum, Die Halbstarken, S. 193-196; vgl. auch die Abbildungen bei Maase, Bravo, S. 101, 122f., 133.

[56] Zwischen 1953 bis 1960 hat sich die Zahl der jugendlichen Radiobesitzer mehr als verdoppelt, vgl. Maase, Bravo, S. 78.

[57] Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass längst nicht jeder „Halbstarke“ motorisiert war und ebenso nicht jeder Besitzer eines Mopeds als „Halbstarker“ bezeichnet werden kann. Zur Bedeutung des Mopeds für die „Halbstarken“, vgl. Grotum, Die Halbstarken, S. 204 f.

[58] Zur Wirkung der Musik und der Filme auf die Jugendlichen, vgl. u.a. Maase, Bravo, S. 90-95; Grotum, Die Halbstarken, S. 198 ff.; Uta G. Poiger, Jazz, Rock, and Rebels, S. 276-282.

[59] Vgl. Hans J. Kleinsteuber, Hörfunk und Populärkultur in den USA der 50er Jahre, in: A. Schildt/ A. Sywottek (Hg.), Modernisierung im Wiederaufbau: Die westdeutsche Gesellschaft der 50er Jahre, Bonn 1998, S. 513-529, hier: S. 525-528.

[60] Vgl. Maase, Bravo, S. 78. Bis 1960 stieg die Zahl der Jukeboxes in der Bundesrepublik auf 50.000 an.

[61] Vgl. Grotum, Die Halbstarken, S. 198; 225, wo er darauf hinweist, dass die meisten Krawall-Teilnehmer kein Motiv dafür nennen konnten.

[62] Curt Bondy: Jugendliche stören die Ordnung, 1957.

[63] Vgl. Schildt, Moderne Zeiten, S. 175 f.: Es wurden von 1956 bis 1958 in Westdeutschland und West-Berlin etwa 100 Großkrawalle mit je über 100 Teilnehmern in 25 verschiedenen Städten gezählt. Eine detaillierte Aufarbeitung der Halbstarken-Krawalle mit einem Schwerpunkt auf den niedersächsischen Ausschreitungen findet sich bei Grotum: Die Halbstarken, Kap. 4.

[64] Wie viele solcher „Halbstarke“ es wirklich gegeben hat, kann nur schwer abgeschätzte werden. Ihre Anzahl dürfte sich bei der männlichen Jugend etwas im einstelligen Prozentbereich bewegt haben. Vgl. Grotum, Die Halbstarken, S. 197 f.

[65] Vgl. Der Über-Rhythmus, in: Der Spiegel 39/ 1956, hier nach: Wolfgang Rumpf, Pop & Kritik: Medien und Popkultur. Rock'n'Roll, Beat, Rock, Punk; Elvis Presley, Beatles/Stones, Queen/Sex Pistols in "Spiegel", "Stern" und "Sounds“, Münster 2004, S. 47 ff.

[66] Zur Berichterstattung über die Krawalle, vgl. Grotum, Die Halbstarken, Kap. 5.2.

[67] Vgl. Elvis, the Pelvis, in: Der Spiegel 50/1956, hier nach: Rumpf, Pop & Kritik, S. 50.

[68] Die Zeit, zitiert nach: Rumpf, Pop & Kritik, S. 45.

[69] Vgl. Elvis, the Pelvis, hier nach: Rumpf, Pop & Kritik, S. 49-53; Zitat nach: Ebd. S. 51.

[70] Vgl. ebd., S. 50f.

[71] Vgl. ebd.

[72] Zu unterscheiden ist an dieser Stelle zwischen der Berichterstattung in den regionalen Zeitungen, die den Schwerpunkt auf die Präsentation der örtlichen Krawalle vom Verlauf, über die Folgen, zu den öffentlichen Reaktionen bis zu den anschließenden Prozessen legten und den überregionalen Zeitungen und Magazinen, die sich überwiegend mit dem „Halbstarken“- Phänomen und seinen Ursachen beschäftigten. Vgl. Grotum, Die Halbstarken, Kap. 5.2.

[73] Vgl. Zinnecker, Jugendkultur, S. 40.

Details

Seiten
76
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638456548
ISBN (Buch)
9783638708548
Dateigröße
980 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49127
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr Institut
Note
1,7
Schlagworte
Gegner Musik Auseinandersetzung Rockmusik Bundesrepublik

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Titel: Der imperialistische Gegner macht Musik - Die Auseinandersetzung mit Rockmusik in der DDR und der Bundesrepublik