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Text - Hypertext. Was ist ein Text und wie ist er definiert?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 23 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hypertext- Was ist das?

2 Wieso ist Kohärenz so wichtig?
2.1 Kohärenz im linearen Text
2.2 Kohärenz im Hypertext
2.3 Vergleich der beiden Lexikoneinträge

3 Die Rolle des Autors und die Rolle des Lesers

4 Textverarbeitung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Hypertext- Was ist das?

Heutzutage ist ein Leben ohne Texte nicht mehr wegzudenken, sei es der Radiomoderator, eine SMS, eine kleine Notiz am Kühlschrank oder die Zeitung zum Frühstück, überall stoßen wir auf Texte. Wir leben in einem Informationszeitalter, in dem man es nur schafft einen Bruchteil der vorhandenen Informationen aufzunehmen und zu verarbeiten.

Allerdings sind einfache Texte, wie zum Beispiel der Bericht aus einer klassischen Zeitung, lineare Texte. Das bedeutet, dass der Leser die Informationen automatisch, von links nach rechts, von oben nach unten, vorgelegt bekommt.

Hypertexte sind nicht-lineare Texte, die mithilfe von Querverweisen (sog. Hyperlinks) auf weitere Informationen zu einem behandelten Thema führen und vom Leser direkt ausgewählt werden können. Der Unterschied für den Rezipienten liegt darin, dass er selber entscheiden muss, welcher Verzweigung (Verlinkung) er folgt, um speziellere oder anschaulichere Informationen zu erhalten. Natürlich orientiert sich dies auch an dem Wissensstand des Rezipienten.

Interessant für einen Autor sind vor allem auch die multimedialen Fähigkeiten, die der Hypertext im Internet mit sich bringt. Multimedial bedeutet, dass der Leser nicht ausschließlich mit Texten konfrontiert wird, sondern unter Umständen auch auf Ton-, Bild- und Videoobjekte stößt, die ihm beim Verständnis unterstützen sollen. So können beim Rezipienten ganz neue Anreize geschaffen werden, Informationen aufzunehmen.

Gerade wegen der Hyperlinks wird ein solcher Text in WWW-Browsern (WWW=World Wide Web) dargestellt und muss in einer Auszeichnungssprache geschrieben werden, die bekannteste ist HTML (Hypertext Markup Language), weil diese die besonderen Befehle zur "Vernetzung" der Informationen beinhaltet.

Der Begriff "Hypertext" wurde von Ted Nelson in den sechziger Jahren geprägt und ist eine zukunftsweisende Lese Form, die für uns schon Alltag ist1.

Wieso sollte ausgerechnet ein Hypertext nicht als ein Text bezeichnet werden?

In dem Seminar "Einführung in die Textlinguistik" haben wir uns zentral mit der Frage auseinandergesetzt, was unter Sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten unter einem Text verstanden wird. Was zeichnet einen Text aus?

Um diese Frage zu beantworten haben wir uns mit den sieben Textualitätskriterien beschäftigt, welche von Robert-Alain de Beaugrande und Wolfgang Ulrich Dressler 1981, aufgestellt worden sind. Diese Kriterien sind Grundlage vieler Diskussionen beim Textbegriff.

Beaugrande und Dressler definieren einen Text wie folgt:

"Ein Text ist eine kommunikative Okkurrenz, die sieben Kriterien der Textualität erfüllt. Wenn irgendeines dieser Kriterien als nicht erfüllt betrachtet wird, so gilt der Text als nicht kommunikativ. Daher werden nicht-kommunikative Texte als Nicht-Texte behandelt.“(vgl. De Beaugrande / Dressler, 1981, S. 3).

Was sind diese sieben Textualitätskriterien?

Die zwei Sprachwissenschaftler definieren die sieben Textualitätskriterien folgendermaßen:

Kohäsion: Der syntaktische Zusammenhang von Texten. Kohärenz: Inhaltlicher Zusammenhang im Text. Intentionalität: Texte werden mit einer bestimmten Absicht produziert. Akzeptabilität: Der Leser erwartet einen kohäsiven und kohärenten Text Informativität: Jeder Text ist informativ, er beinhaltet nicht vorhersagbare Anteile. Situationalität: Ein Text ist für eine bestimmte Situation geschrieben und für diese relevant. Intertextualität: Ein Text hat grundlegenden Bezug auf andere, vorher produzierte Texte (vgl. de Beaugrande/Dressler, 198, S. 8-13).

Heinz Vater kritisiert diese Sichtweise, denn diese Kriterien lassen seiner Meinung nach nicht strikt, Text von Nicht-Text trennen. Er behauptet, dass ein Text lediglich das Kriterium der Kohärenz beinhalten muss, also den inhaltlichen Zusammenhang im Text (vgl. Heinz Vater, 2001, S.52 ff).

Mit Hilfe von Heinz Vater, werde ich aufzeigen, wieso dieses Kriterium das wichtigste ist und wieso auf die anderen sechs Kriterien verzichtet werden kann. Außerdem werde ich verschiedene Arten von Kohärenz aufzeigen und anhand von einem linearen Text und einem Hypertext Vergleiche zwischen diesen beiden Textarten ziehen. Beide, von mir ausgewählte, Texte sind Lexikoneinträge. Der lineare Text ist ein Auszug aus dem "Lexikon für deutsche Sprachwissenschaften" und der Hypertext ist von www.Wikipedia.de. Beide Texte erklären den Begriff der Textlinguistik.

Wikipedia ist in unserer heutigen Zeit das größte und am schnellsten wachsende frei verfügbare Onlinelexikon. Es war Anfang des Jahres auf Platz sechs der meistbesuchten Internetseiten der Welt und beinhaltet nach jetzt etwas mehr als 12 Jahren über 30Millionen Artikel in über 280 verschiedenen Sprachen. Leider ist es nicht unbedingt ein zitier fähiges Lexikon, denn jeder darf sich als Autor versuchen und Begriffe oder schon vorhandene Texte erklären bzw. abändern.

Nachdem ich die Besonderheiten und Unterschiede dieser zwei Textarten verglichen habe, werde ich auf die Rolle des Autors und die Rolle des Lesers eingehen. Wichtig ist besonders die Position, in der sie sich, während des Kommunikationsprozesses, befinden.

Die kognitive Linguistik beschäftigt sich mit dem Gehirn und wie es Informationen verarbeitet und aufnimmt. An dieser Stelle möchte ich aufzeigen wie subjektiv Kohärenz ist.

Mein Fazit soll die aufgestellte Hypothese prüfen und gegebenenfalls eine Verbesserung der Textdefinition schaffen. Außerdem werde ich die Möglichkeit mit dem Hypertext zu lernen kritisch hinterfragen. Wird der Hypertext den linearen Text ablösen können?

2 Wieso ist Kohärenz so wichtig?

De Beaugrande und Dressler sind sehr streng, wenn es darum geht Text und nicht-Text voneinander abzugrenzen. Das ist sehr problematisch, besonders in Bezug auf künstlerisch gestaltete Texte, wie zum Beispiel Gedichte. So widerlegt H. Vater mit dem Gedicht "Das große Lalula" von Christian Morgenstern das Kriterium der Informativität. Denn strikt definieren De Beaugrande / Dressler Informativität als "Erwartetheit bzw. Unerwartetheit... der dargebotenen Textelemente". Vater definiert treffender: "Erwartetheit bzw. Unerwartetheit von Zeichen aus einem dem Rezipienten bekannten Zeicheninventar postulieren" (vgl. Heinz Vater, 2001, S.45f). Intentionalität und Akzeptabilität sind Vaters Auffassung nach fragwürdige Kriterien, denn sie sind generelle Eigenschaften von Kommunikation, auf welche Art und Weise auch immer. Außerdem ist es unlogisch, die Kriterien Kohärenz und Kohäsion, als Erklärung eines anderen Kriteriums zu benutzen. Des Weiteren kommt es in der modernen Lyrik vor, dass ein Text von einem Leser als Text akzeptiert wird, von einem anderem nicht (vgl. Heinz Vater, 2001, S.42-45). Das Kriterium der Situationalität ist ebenfalls schnell widerlegt. Zum Beispiel könnte ein Professor einen falschen Vorlesungssaal betreten, in dem nur Betriebswirte sitzen und er hält einen Vortrag über Theologie. Die Situation ist verfehlt, doch der Vortrag bleibt ein kommunikativer Text (Heinz Vater, 2001, S.47).

Intertextualität ist ein Kriterium, welches bei De Beaugrande und Dressler zweimal definiert wurde. Das Kriterium ist doppeldeutig und zwar bezieht sich Intertextualität einmal auf die Textsorte und einmal auf andere Texte. Für Vater ist nur der Bezug auf andere Texte nachvollziehbar. Bei einer Kritik zu einem Buch, liegt es beim Rezipienten, den Text (das Buch) zu kennen um die Kritik nachzuvollziehen. Die Textsorte hängt einzig und allein von der Intention des Autors ab.

In einem Gedicht sind dem Produzenten keine Grenzen gesetzt. So kann zum Beispiel auch auf syntaktische Beziehungen zwischen einzelnen Sätzen verzichtet werden. Das heißt, die Sätze müssen sich nicht zwingend aufeinander beziehen um einen verständlichen Text zu formulieren (Heinz Vater, 2001, S.53).

Kommen wir nun zur Kohärenz und warum dieses Kriterium unverzichtbar für einen vollwertigen Text ist. Die Kohärenz ist das dominierende Textualitätskriterium und ist zwingend notwendig, um einen Text, als einen Text mit Textstatus zu erkennen. Alle anderen Kriterien müssen nicht erfüllt sein, um einen kommunikativen Text zu erzeugen. Außerdem bestimmt das Thema eines Textes meist die Kohärenz-Beziehungen im Text selber.

Doch schon seit längerem wird diskutiert, ob Kohärenz nicht viel eher vom Produzenten des Textes geschaffen wird oder vom Rezipienten gebildet wird. Kindt/Wirrer (1976: 126) sind der Meinung, dass Kohärenz "an Leistungen und Urteilen von Rezipienten" festzumachen sind. Scherner (1984: 148) tritt dem entgegen und sagt, "dass Wörter schon etwas mitbringen, bevor sie zur kommunikativen Verwendung gelangen"(Heinz Vater, 2001, S.53f )

Ich werde versuchen zu klären, in wie fern der Autor, bei einem Hypertext, Einfluss auf Kohärenz hat und welche Rolle der Leser bei der Kohärenzbildung hat.

2.1 Kohärenz im linearen Text

Wie wir bereits wissen, ist die Kohärenz, der inhaltliche Zusammenhang, das bedeutendste Kriterium von allen sieben Textualitätskriterien. Jedoch gibt es hier Unterscheidungen von Kohärenz.

Angelika Storrer, eine Sprachwissenschaftlerin, die sich Gedanken zur Kohärenz in Hypertexten gemacht hat, unterscheidet zwischen Produktbezogener und Prozessbezogener Perspektive der Kohärenz. Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der produktbezogenen Perspektive und das folgende Kapitel wird sich mit der prozessbezogenen Perspektive auseinandersetzen.

Die Produktbezogene Perspektive meint die strukturelle Analyse von Texten. Damit ist das Endprodukt gemeint, der fertige (lineare) Text. Demnach ist diese Perspektive von Kohärenz eine Eigenschaft, mit deren Hilfe man Texte von Texten ohne Textstatus abgrenzen kann. Dies ist die klassische, strukturalistisch orientierte Sicht der Textlinguistik.2

Angelika Storrer erwähnt auch noch zwei weitere Modelle, mit weiteren unterschiedlichen Grundannahmen, die uns ebenfalls helfen werden einen Hypertext mit einem linearen Text zu vergleichen, da diese Modelle sich auf beide Textarten anwenden lassen.

Das erste Modell betont noch einmal, dass Kohärenz keine Eigenschaft ist, sondern sich immer erst während des Kommunikationsprozesses bildet.

Das andere Modell unterscheidet noch die Begriffe "lokale Kohärenz" und "globale Kohärenz". Lokale Kohärenz bezeichnet den Zusammenhang zwischen benachbarten Textsegmenten, wobei die globale Kohärenz den Gesamtzusammenhang bezeichnet.3

Schlägt man nun in dem genannten Lexikon den Begriff der "Textlinguistik" nach, findet man einen sehr vertrauten Lexikoneintrag. Als erstes wird erklärt, aus welchen Teilgebieten sich die Textlinguistik zusammensetzt. Daraufhin wird die Geschichte der Textlinguistik kurz erläutert und wie sie sich bis zum heutigen Zeitpunkt entwickelt hat. Zuletzt wird auf die Anwendungsgebiete der Textlinguistik eingegangen. Danach kommen noch Literaturangaben, die genau so viel Platz einnehmen, wie der Lexikoneintrag selber.

Beim ersten Lesen fällt es dem Rezipienten wahrscheinlich schwer, alle Informationen zu verarbeiten und aufzunehmen. Im Text sind immer wieder Wörter zu finden, die in Klammern stehen. Diese Wörter sind, ähnlich wie beim Hypertext, Verweise auf verwandte Themen oder auf vertiefende Literatur. Sollte der Leser allerdings Fragen zu einzelnen Begriffen haben, die im Text vorkommen, muss er in dem Lexikon die einzelnen Begriffe raussuchen und nachschlagen. Das ist sehr aufwendig und wird auch wahrscheinlich von den wenigsten Lesern so praktiziert.

Trotz allem erfüllt dieser Lexikoneintrag die Textualitätskriterien und kann als vollwertiger Text nach De Beaugrande und Dressler bezeichnet werden:

Die Kriterien der Kohärenz und Kohäsion sind erfüllt, denn der Text hängt sowohl syntaktisch, als auch inhaltlich zusammen und erfüllt so auch noch das Kriterium der Akzeptabilität. Denn der Rezipient erwartet einen zusammenhängenden Text.

Außerdem ist der Text mit der Absicht geschrieben worden, über den Begriff der Textlinguistik zu informieren und stellt durch die in Klammern stehenden Begriffe Bezug zu anderen Begriffserklärungen (Texten) her. Somit sind auch die Kriterien der Intentionalität, der Informtivität und der Intertextualität erfüllt. Des Weiteren ist das Kriterium der Situationalität auch erfüllt, denn der Text wurde für Rezipienten verfasst, die sich mit Sprachwissenschaften beschäftigen und ist deswegen in dem Lexikon der Sprachwissenschaft verzeichnet.

Auch die lokale und globale Kohärenz wird voll erfüllt. Die benachbarten Textsegmente beziehen sich inhaltlich aufeinander und man merkt, auf welche Art und Weise der Autor dem Leser diesen Begriff näher bringen möchte.

Auch die globale Kohärenz ist erfüllt, denn jeder Satz vermittelt wissen über den Begriff der Textlinguistik. Des Weiteren passt dieser Artikel auch in den Gesamtzusammenhang des Buches.

Zusammenfassend kann man sagen: Der Produzent vermittelt sein wissen linear von links nach rechts, von oben nach unten und muss sich keine Sorgen machen, dass der Rezipient etwas nicht gelesen oder überlesen hat. Dies ist ein vollwertiger Text unter Berücksichtigung aller Kriterien. Am Ende des Eintrags kann sich der Textproduzent sicher sein, dass der Rezipient alles gelesen hat. Ganz anders sieht das bei der Kohärenz von Hypertexten aus.

2.2 Kohärenz im Hypertext

In diesem Abschnitt wird es um die prozessbezogene Perspektive der Kohärenz und den Hypertext von Wikipedia gehen.

Die prozessbezogene Perspektive ist keine Eigenschaft, sondern der übergreifende Sinnzusamenhalt, der für den Kommunikationsprozess entscheidend ist. Die Beteiligten dieses Prozesses nehmen immer wieder die Rolle des Rezipienten oder die Rolle des Produzenten ein. Somit bildet sich die Kohärenz erst während dieses Prozesses und ist deshalb ein Zusammenhang, der von den beiden Kommunikationsbeteiligten gebildet wird. Dabei unterscheidet Frau Storrer, bei dieser Perspektive, noch den Aspekt der Kohärenzplanung und den Aspekt der Kohärenzbildung.

[...]


1 Text imDigitalen Medium: s.34

2 (Text im Digitalen Medium, Angelika Storrer, S. 40ff)

3 (Text im Digitalen Medium, Angelika Storrer, S. 41ff)

Details

Seiten
23
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668990661
ISBN (Buch)
9783668990678
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490474
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Kulturwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Textlinguistik Hypertext Sprachwissenschaften

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Titel: Text - Hypertext. Was ist ein Text und wie ist er definiert?