Lade Inhalt...

Die Bildsprache in der kunsttherapeutischen Arbeit. Analyse des progressiv therapeutischen Spiegelbildes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 9 Seiten

Kunst - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Dialogische Verfahren in der Kunsttherapie

3. Das progressiv therapeutische Spiegelbild
3.1 Vorgehensweise/Setting
3.2 Ziele
3.3 Anwendungsbereiche

4. Anhang
4.1 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Bildsprache ist ein wichtiges Element der kunsttherapeutischen Arbeit. Besonders interessiert mich hierbei die Kommunikation zwischen Patient und Therapeut über die bildliche Gestaltung. Durch mein Praxissemester in Namibia konnte ich die große Kraft der Kommunikation über die Bilder spüren, da die bildnerische Ebene aufgrund der Sprachbarriere oft das einzige Kommunikationsmittel zwischen mir und den Kindern war, die ich dort betreut habe.

Deshalb habe ich mich in dieser Arbeit den dialogischen Verfahren in der Kunsttherapie gewidmet, mit dem Schwerpunkt auf dem progressiv therapeutischen Spiegelbild in der klinischen Kunsttherapie.

2. Dialogische Verfahren in der Kunsttherapie

In einem gemeinsamen Bild oder einer Bilderserie von Therapeut und Patient kann der Therapeut einen Patienten ermutigen neues auszuprobieren und den Patienten aktivieren. Dabei gibt es verschiedene dialogische Vorgehensweisen. Es kann gemeinsam auf einem großen Blatt gleichzeitig oder nacheinander gestaltet werden. Patient und Therapeut können auch jeweils ein eigenes Bild gestalten und in einem weiteren gemeinsamen Bild die entstandenen Werke verbinden. ,,Das Sich-Ausbreiten über Flächen, das Platz-Beanspruchen und andere Interaktionsmuster des Klienten werden so für beide Partner erlebbar und für eine Bearbeitung in der Therapie zugänglich’’ (Schuster, 2014, S. 101). Bei diesen Methoden ist es für den Therapeuten von großer Bedeutung, den Patienten nicht zu überfordern sondern auf seine Vorgaben behutsam einzugehen und ihm nach und nach neue Reize zu liefern.

Eine andere Methode des dialogischen Malens wird von Grätz (1987) beschrieben. Das Kontaktzeichnen: ,,Der Patient muss auf einer Reihe von bildnerischen Vorgaben bildnerisch antworten. Die Reihenfolge der Zeichenbeiträge wird auf einem Blatt durch Nummern nachvollziehbar gemacht. Der Therapeut hat eine festgelegte Reihenfolge von bildnerischen Reizen, die den Klienten einmal provozieren und ein anderes Mal stützen (...). Das Verfahren ist eher von diagnostischer, aber auch von therapeutischer Bedeutung, weil der Klient in der Abfolge in aller Regel eine komprimierte bildhafte Darstellung seines Sozialverhaltens in Situationen von Kooperation und Provokation erkennen kann’’ (Schuster, 2014, S.101).

Ein häufig verwendetes Verfahren in der Kunsttherapie ist das Squiggle-Game (Schnörkelspiel) nach Winnicott: ,,Der Therapeut oder das Kind zeichnen einen Kritzel, der vom anderen zu einer sinnvollen Figur vervollständigt wird. Dies ist [beispielsweise] eine Methode für das Erstinterview, die es dem Kind leicht macht, ein einen vertrauensvollen Kontakt zum Untersucher zu treten, und die schnell psychisch relevantes Material zum Vorschein bringt’’ (Schuster, 2014, S.101)

Nach diesem kurzen Überblick über dialogische Verfahren in der Kunsttherapie möchte ich im Folgenden näher auf ein spezielles dialogisches Verfahren eingehen: Das progressiv therapeutische Spiegelbild nach Gaetano Benedetti und Maurizio Peciccia.

3. Das progressiv therapeutische Spiegelbild

Das progressiv therapeutische Spiegelbild ist eine von Gaetano Benedetti (italienischer Psychiater, Psychoanalytiker und Psychotherapeut) und Maurizio Peciccia (Arzt für Psychotherapie und Psychoanalyse, Kunsttherapeut) entwickelte Methode bei der Patient und Therapeut gemeinsam eine Bilderreihe gestalten. Das ,,Verfahren des progressiv therapeutischen Spiegelbildes umfasst eine Kombination von gestalttherapeutischer Technik und psychoanalytisch verstandener Beziehung’’ (Schmid, 2001, S.10). Es verbindet Bilder, Symbole und auch Sprache auf transparentem Papier.

3.1 Vorgehensweise / Setting

In der Methode des progressiv therapeutischen Spiegelbildes wird auf Transparentpapier gezeichnet. Patient und Therapeut zeichnen jeweils auf ein eigenes Blatt Transparentpapier. Anschließend werden die Blätter mit den entstandenen Bildern ausgetauscht und ein neues Transparentpapier wird über das Bild gelegt. Der Therapeut hat nun das Bild des Patienten unter seinem neuen Transparentpapier liegen und umgekehrt. Im Anschluss folgt der nächste Austausch und die nächste Zeichnung usw. Das Material der Farben ist dabei offen, es eignen sich jedoch schnell trocknende, feste Farben um einen flüssigen Ablauf zu gewährleisten und Pausen aufgrund der Trocknungszeit der Bilder zu vermeiden.

Es entstehen also zwei Bildreihen oder Bildgeschichten in denen jeweils jedes zweite Bild vom Patienten bzw. vom Therapeuten stammt. ,,Die jeweiligen Zeichnungen entstehen aus einer gegenseitigen Resonanz und beziehen sich dialogisch aufeinander. Gleichzeitig setzen sich die Bildgeschichten über freie Assoziationen im Moment des Zeichnens fort’’ (Meng, 2012, S. 86).

Der Therapeut kopiert die Bilder des Patienten auf dem Transparentpapier und verändert sie durch eigene Ideen und Lösungswege. Der Patient hat im nächsten Schritt, bei der nächsten Zeichnung die Möglichkeit die Veränderung anzunehmen oder auch wieder rückgängig zu machen, ohne dabei das Ursprungsbild zu verändern. Die Bilderserien die im Rahmen eines progressiv therapeutischen Spiegelbildes entstehen sind also auch gleichzeitig eine Dokumentation des Prozesses und können am Ende nebeneinander betrachtet werden. Dabei kann jede Bildreihe getrennt betrachtet werden aber auch eine Betrachtung der Bildreihen nebeneinander, in der die jeweils zeitgleich entstandenen Bilder gemeinsam betrachtet werden, kann sehr interessant sein.

Die Dauer und Wiederholung des Austauschs in der Bildreihe kann je nach Absprache variieren, jedoch sollte eine Überforderung des Patienten durch zu hohes Tempo ausgeschlossen werden.

Das Thema der Bildreihe kann ebenfalls variieren. Man kann beispielsweise mit einem spontanen Bild aus einfachen Strichen beginnen oder von Anfang an ein Thema des Patienten einbeziehen. Oft entwickelt sich jedoch innerhalb der Übung des progressiv therapeutischen Spiegelbildes ganz alleine ein Thema, das in unterschiedlichen Weisen auf den Bildern in Erscheinung tritt.

Das Gestalten und Zeichnen geschieht schweigend. Der anschließende verbale Austausch kann sich entweder inhaltlich auf die entstandenen Bilder und Themen beziehen oder den Prozess in den Fokus rücken.

Der verbale Austausch kann auch in Stichworten als Notizen festgehalten werden, am Anfang der nächsten Einheit vorgelesen werden und somit als strukturierendes Element genutzt werden.

3.2 Ziele

Durch das parallele Zeichnen von Therapeut und Patient entwickelt sich eine Vertrauensbasis. Die Beziehung wird gestärkt, da sich die beiden Zeichner mit jedem Bild aufeinander beziehen. Trotzdem ist dabei aber eine gewisse Distanz gegeben, da jeder in der Gestaltungsphase konzentriert auf sein eigenes Bild arbeitet und sich alleine mit seinen Gedanken und künstlerischen Impulsen beschäftigen kann. ,,Diese Situation ermöglicht es, Gegensätzliches wie Nähe und Distanz, Verschmelzung und Eigenständigkeit nebeneinander bestehen zu lassen’’ (Meng, 2012, S.87). ,,Die Nähe erscheint in den Zeichnungen durch ähnliche Elemente und Themen, die gleichzeitig von beiden aufgenommen werden. Die Distanz zeigt sich durch eigenständige Veränderungen und Erweiterungen der Bildelemente bis hin zu unerwarteten Themenwechseln und Unterbrechungen der Geschichte’’ (Meng, 2012, S.87).

Ein weiteres Ziel des progressiv therapeutischen Spiegelbildes kann sein, einen verschlossenen Patienten durch die lockere Kommunikation über die non-verbale Ebene auf eine verbale Therapie vorzubereiten und dafür zu sensibilisieren.

Schmid beschreibt in Forum für Kunsttherapie ein weiteres Ziel des progressiv therapeutischen Spiegelbildes: ,,Die Spiegelantworten des Therapeuten gestalten die archetypischen Bilder des Patienten in einer progressiven Positivierung um, so dass der Patient diese umgewandelten Urbilder allmählich unbewusst zu einem einheitlichen Selbstsymbol miteinander integrieren kann’’ (Schmid, 2001, S.10).

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668967441
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490102
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Nürtingen
Note
1,7
Schlagworte
Benedetti Spiegelbild Kunsttherapie Methode dialogische Verfahren

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Bildsprache in der kunsttherapeutischen Arbeit. Analyse des progressiv therapeutischen Spiegelbildes