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Auswirkungen der Digitalisierung auf die Tageszeitungen

Hausarbeit 2019 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Printmedien, Presse

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Zeitungskrise
2.1 Umsatzentwicklung
2.2 Auflagenentwicklung
2.3 Reichweite

3 Digitale Ursachen der Krise
3.1 Digitale Medien
3.2 E-Paper
3.3 Online-Journalismus/Blogs

4 Auswirkungen der Zeitungskrise
4.1 Finanzielle Probleme
4.2 Qualitätsverlust

5 Schlussbetrachtung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Zeitungsverlagswesen befindet sich seit vielen Jahren in der größten Umbruchphase der bisherigen Geschichte. Jährlich sinken die Auflagen der gedruckten Tageszeitungen und es herrscht eine große Ungewissheit darüber, wie sich dieser Rückgang weiterhin auf die Branche auswirken wird.

Massenmedien, die als Kommunikationsmittel zur Verbreitung von Inhalten dienen, unterliegen bekanntlich permanenten Veränderungen. Jedoch können Medien auch durch eine neuartige verbesserte Variante vom Markt verdrängt werden und aussterben. Die Zeitung selbst ist der Beweis dafür. Im 17. Jahrhundert entstand sie aus einer Verschmelzung der zentralen Funktionen damaliger Medien. Sie drängte diese durch einen Wandlungsprozess in den Hintergrund. Seit ihrer Entstehung steht die Zeitung im Zentrum des öffentlichen Interesses. Das neue Massenmedium löschte zu jener Zeit einen förmlichen Kulturschock aus.1 Es wurden Falschmeldungen und Missbrauch befürchtet. Seit ihrer Entstehung, vor rund 400 Jahren, musste sich die Tageszeitung immer wieder gegenüber Verboten, Zensur, Sperren, wirtschaftlichen sowie politischen Krisen behaupten. Die voranschreitende Digitalisierung und das veränderte Medienkonsumverhalten stellen in der heutigen Zeit die größten Gefahren für das Bestehen der Printmedien dar. Zudem ist der gesellschaftliche Wandel im Hinblick auf die Medien bei dieser Entwicklung nicht außer Acht zu lassen.

Die folgende Projektarbeit soll die Fragestellung beantworten, ob gedruckte Tageszeitungen als Massenmedium auf Dauer erhalten bleiben können. Um zu verdeutlichen, wie sich die Branche entwickelt hat, wird zunächst die Zeitungskrise mit der Entwicklung von Umsatz-, Auflage- sowie Reichweite dargestellt. Anschließend werden die digitalen Ursachen, die zur Notlage der Tageszeitungen geführt haben, erläutert. Im vierten Kapitel werden die Auswirkungen der Zeitungskrise aufgezeigt. Zudem wird erörtert, wie sich die ergriffenen Sparmaßnahmen auf die Zeitungsqualität ausgewirkt haben. Im letzten Kapitel werden die gesammelten Erkenntnisse zusammengefasst und bewertet. Abschließend folgen eine kritische Würdigung und ein Ausblick zu dem Thema dieser Arbeit.

2 Die Zeitungskrise

Im folgenden Kapitel wird der starke Rückgang von gedruckten Tageszeitungen durch verschiedene Faktoren erläutert. Besonders sinkende Verkaufszahlen, geringe Werbeeinnahmen und Verluste in den Auflagen sowie Reichweite führten dazu, dass die Umsätze der Zeitungsverlage zurückgingen. Durch diese Krise wird die wirtschaftliche Existenz der gedruckten Zeitung als gefährdet angesehen.

2.1 Umsatzentwicklung

Gemäß Artikel 5 Grundgesetz sind die Zeitungsverlage mit der politischen Bildung der Bevölkerung gesetzlich beauftragt.2 Es handelt sich allerdings in erster Linie um Wirtschaftsunternehmen, die nach Umsatz bzw. Gewinnmaximierung streben.

Die Verlage operieren auf einem dualen Produktmarkt, dem Rezipienten- und Werbemarkt.3 Der Gesamtumsatz setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, dem Verkauf der Zeitung und dem Erlös durch Werbeanzeigen. Die Zusammensetzung des Umsatzes hat sich jedoch im Laufe der Jahre geändert. Das alte Geschäftskonzept, nachdem ⅔ aus dem Anzeigen- und ⅓ aus dem Vertriebserlös entstammen, ist nicht mehr aktuell. In den letzten Jahren haben sich Vertriebs- und Anzeigenumsätze angenähert. Sie tragen inzwischen gleichermaßen zum Gesamtumsatz bei.4

Abbildung 1: Gesamtumsätze auf dem deutschen Zeitungsmarkt (in Mio. Euro)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an o. A., 2019d.

Wie die Abbildung 1 zeigt, ist der Umsatz des Zeitungsmarktes rückläufig. Pro Jahr werden immer weniger Zeitungen verkauft und auch die Einnahmen durch Werbeanzeigen sinken.5 Zwar gab es im Jahr 2010 eine Umsatzsteigerung, doch seitdem fällt der Umsatz weiter und auch für die folgenden Jahre wird ein Rückgang erwartet.6

2.2 Auflagenentwicklung

Im Jahr 2018 erschienen 327 deutsche Tageszeitungen mit einer Auflage von 14,7 Mio. Exemplaren. Damit belegt Deutschland den fünften Platz im internationalen und den ersten Platz im europäischen Zeitungsmarkt.7

Die Anzahl der deutschen Tageszeitungen sinkt jedoch seit Jahren und verdeutlicht die anhaltende Marktkonsolidierung und Medienkonzentration.8 Dieser Rückgang ist seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 1954 zu erkennen. Durch die Wiedervereinigung im Jahr 1991 wurde der Trend kurzzeitig umgekehrt. Die Zeitungskrise ist damit schwerlich allein auf die Digitalisierung zurückzuführen. Es ist jedoch bewiesen, dass die Digitalisierung einen großen Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser hervorgebracht hat.9

Abbildung 2: Verkauften Auflage der deutschen Tageszeitungen (in Mio.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an o. A., 2019b.

Die Abbildung 2 zeigt, dass die Auflagen-Verkäufe im angegebenen Zeitraum von 20 Mio. verkaufter Exemplare im Jahr 2008 auf 14,1 Mio. im Jahre 2018 gesunken sind. Der durchschnittliche Rückgang des Auflagen-Verkaufs beträgt damit durchschnittlich 590 Tausend Exemplare jährlich. Sollte sich dies weiterhin linear entwickeln, wird im Jahr 2041 voraussichtlich das letzte Exemplar einer Print-Zeitung verkauft.

Sollte sie als Nischenprodukt erhalten bleiben, wird sich der Rückgang abmildern und in konstante Verkaufszahlen übertreten. Experten, welche die Entwicklung zum Nischenprodukt stützen, prognostiziert den regionalen Tageszeitungen eine größere Überlebenschance, als den anderen Zeitung. Gründe dafür sind die Marktstellung als regionale Monopole und die exklusiven regionalen Zeitungsinhalte, die eine hohe Bindung der Leser erzeugen können.10

2.3 Reichweite

Die Anzahl der verkauften Exemplare lässt keine Aussage darüber treffen, wie viele Leser eine Zeitung in der Tat erreicht. Da eine Auflage keine personenbezogene Größe ist, liefert sie auch keine genaue Leserzahl.

Als Leser wird eine Person bezeichnet, die ein Zeitungsexemplar zumindest teilweise gelesen oder durchgeblättert hat.11 Studien haben ergeben, dass im Schnitt 2,6 Leser ein Exemplar einer Tageszeitung konsumieren.12 Da eine Zeitungsausgabe mehrfach genutzt werden kann, haben Zeitungsverlage mehr Leser als Käufer.

Die Reichweite wird durch die Multiplikation der Zeitungsauflage mit der Leserzahl ermittelt. Sie ist wichtig um die Anzeigenpreise zu kalkulieren. Je mehr potenziellen Werbekontakte erreicht werden, desto höhere Anzeigenpreise können von der Zeitung erzielt werden.

Es wird allerdings nicht unterschieden, ob Artikel gelesen oder nur überflogen wurde. Untersuchungen zum Leseverhalten von Abonnenten sind zu dem Schluss gekommen, dass 63 % der Leser alle oder fast alle Inhalte der Zeitung lesen und 25 % der Leser die Hälfte. Viele der Artikel werden meistens nur angelesen, die wenigsten werden zu Ende gelesen.13

Die aktuelle Reichweite der gedruckten Tageszeitungen liegt bei durchschnittlich 60 % der Deutschen ab 14 Jahren, das heißt 42 Mio. Bundesbürger lesen mindestens einmal wöchentlich Zeitung.14 Dies klingt zunächst durchaus positiv, allerdings ist die Reichweite, analog zur verkauften Auflage, seit Mitte der achtziger Jahre konstant regressiv. Im Jahr 1998 wurde die gedruckte Tageszeitung noch von 79,2 % der Deutschen gelesen.15

Auch der demografische Wandel der deutschen Bevölkerung beschleunigt diese Entwicklung. Da die Bevölkerungszahl zurückgeht, wird es auch in Zukunft immer weniger potenzielle Zeitungsleser geben. Mit jedem Generationswechsel gehen weit mehr Zeitungsleser verloren, als neue dazu kommen.

3 Digitale Ursachen der Krise

Durch die in Mitte der neunziger Jahre eingetretene digitale Revolution, wurde der Konkurrenzkampf unter den tagesaktuellen Medien weiter verschärft. Viele aktuellen Inhalte waren durch die Digitalisierung jederzeit, überall und sogar kostengünstiger auf den Internetseiten der großen Zeitungen sowie Zeitschriften verfügbar. Die digitalen Medien wurden seitdem als Gefahr für die gedruckten Tageszeitungen angesehen.

3.1 Digitale Medien

Die Entwicklung der Online-Nutzung (siehe Abbildung 3) zeigt, dass sich die Internetnutzung schnell verbreitet hat. Inzwischen nutzen fast 90 % deutscher Bürger ab 14 Jahren das Internet.16 Die Nutzungszuwächse fallen seit einigen Jahren allerdings zunehmend geringer aus, da nur noch Nutzungszuwächse bei der älteren Generation, den sogenannten „Silver Surfern“, zu erwarten ist.17

Abbildung 3: Entwicklung der Online-Nutzung (in Prozent)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an o. A., 2017.

Die Abbildung 4 bestätigt diese These. Das Internet ist insbesondere das Medium der jungen Generationen. In den Altersklassen von 14 bis 19 Jahren sowie 20 bis 29 Jahren nutzen über 90 % die Internetdienste. Mit zunehmendem Alter ist die Online-Nutzung rückläufig. In der Generation ab 60 Jahre sind die digitalen Online-Medien verhältnismäßig wenig im Gebrauch. Wird die Altersstruktur der Internetnutzer mit der Altersstruktur der Tageszeitungsnutzer verglichen, ist zuerkennen, dass die jüngeren Menschen zu den intensivsten Online-Nutzern gehören. Deren Affinität zur Tageszeitung ist gering und zudem rückläufig. Hingegen dazu nutzen die älteren Generationen die Online-Medien unterdurchschnittlich. In der Abbildung 4 ist ganz deutlich zuerkennen, dass Zeitungen bei ihnen nach wie vor die höchste Reichweite erzielen.

[...]


1 Vgl. Bürklin, o. J.

2 Vgl. Artikel 5, Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland.

3 Vgl. Bauer, 2005, S. 44.

4 Vgl. Arnold, 2009b, S. 242.

5 Vgl. Schütz, 2009.

6 Vgl. o. A., 2019d.

7 Vgl. Pasquay, 2018.

8 Vgl. o. A., 2019a.

9 Vgl. Baetz, 2014.

10 Vgl. o. A., 2015.

11 Vgl. Mallik, 2004.

12 Vgl. Arnold, 2009b, S. 255.

13 Vgl. Eberspächer, 2002, S. 58.

14 Vgl. o. A., o. J.

15 Vgl. Eberspächer, 2002, S. 51.

16 Vgl. o. A., 2017.

17 Vgl. Van Eimeren & Frees, 2009.

Details

Seiten
17
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668955608
ISBN (Buch)
9783668955615
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489524
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius; Köln
Note
2,0
Schlagworte
Zeitungen Digitalisierung Zukunft Auswirkungen Zeitungsverlag

Autor

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Titel: Auswirkungen der Digitalisierung auf die Tageszeitungen