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Verkehrsbedingungen im frühen Mittelalter

Seminararbeit 2004 13 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Die Straßen im Mittelalter
1.2 Die Reisegeschwindigkeit
1.3 Probleme bei den Reisen am Beispiel der Überquerung der Alpen

2. Die Königsstraßen
2.2 Hauptverkehrswege Otto I
2.3 Allgemein wichtige Straßen im Mittelalter

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Die Straßen im Mittelalter

Die Wege und Straßen, die im Mittelalter sowohl die Verbindung von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt als auch von Land zu Land bestanden, dienten nicht nur dem nachbarschaftlichen Verkehr, das heißt nicht nur zum Handel, sondern sie hatten auch eine bedeutende Rolle für Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion[1]. Auf ihnen reisten nicht nur die Händler, sondern sie wurden auch vom König und seinem Gefolge genutzt. Da es im Herrschaftsgebiet eines mittelalterlichen Königs, wie zum Beispiel Ottos I. keine Hauptstadt gab, reisten die Könige mit ihrem Gefolge von Stadt zu Stadt um dort ihre Herrschaft auszuüben und zu repräsentieren. Die Straßen im Mittelalter folgten meist dem Verlauf großer Flüsse des Rheins oder des Mains. So folgte zum Beispiel die Rheinstraße, ein bedeutender Verkehrsweg im Mittelalter, dem Verlauf des Rheins, entlang an den Städten Konstanz, Basel, Straßburg, Speyer, Worms, Mainz und Köln[2]. Diese Straßen waren in Regel nicht bepflastert und auch ihre Größe war nicht einheitlich geregelt. Straßen, die größere Bedeutung hatten, waren meist breiter als die weniger genutzten, denn die Königsstraßen wurden zum Beispiel vom König mitsamt seinem Gefolge genutzt, so dass diese breit genug sein musste. Beaufsichtigt wurden die Straßen vom zuständigen Grafen, der dafür zu sorgen hatte, dass Überfälle auf seinen Straßen nicht die Überhand nahmen. Auch konnte der Graf Zölle für die Benutzung „seiner“ Straße fordern, dies führte jedoch oft dazu, dass diese versuchten, sich an den Händlern und Reisenden zu bereichern, indem sie zumeist sehr hohe Abgaben forderten oder Waren der Händler einbehielten. Es gab also meist keine einheitliche Regelung über die Zollabgabe und somit bedeutete es für den Reisenden meist ein Risiko, Straßen zu benutzen, die bekannt waren für hohe Zölle oder für „habgierige“ Grafen. Deshalb nutzten viele Händler und Reisende Nebenstraßen der großen Straßen, um diesen Abgabe zu entgehen. Dort war die Gefahr eines Überfalls jedoch groß, denn diese Wege führten oft durch Wälder oder abgelegene Gebiete, in denen Räuber ein gutes Versteck hatten. Die großen Verkehrswege hingegen standen unter dem Schutz des Königs, was bedeutete, dass die Missachtung dieses Schutzes (zum Beispiel durch einen Überfall) die Todesstrafe bedeutete. Da es jedoch keine Bewachung der Straßen gab, gab es für den Reisenden nur zwei Möglichkeiten. Entweder er bewaffnete sich mit einem Schwert und konnte sich so im Falle eines Angriffes verteidigen, oder er reiste unbewaffnet, konnte sich dann zwar nicht verteidigen, signalisierte den Anderen jedoch, dass er in Frieden und ohne „böse“ Absicht reiste. Das Reisen für den König auf diesen Straßen war für ihn eher ungefährlich, da er meist mit einem sehr großen Gefolge ritt, das im Falle eines Angriffes diesen verteidigen konnte.

1.2 Die Reisegeschwindigkeit

Nicht nur die Straßenverhältnisse machten bestimmten die Dauer einer Reise. Auch die Reisegeschwindigkeit ist ein entscheidendes Kriterium dafür, wie lange zum Beispiel ein deutscher Kaiser oder König von einem Ort zum anderen brauchte. Martina Reinke unterscheidet in ihrem Aufsatz „Die Reisegeschwindigkeit des deutschen Könighofes im 11. und 12. Jahrhundert“ zwischen Marschtagen, Rasttagen und Reisetagen. Als Marschtage gelten die Tage, an denen der König den ganzen Tag mit seinem Gefolge unterwegs ist, um eine bestimmte Entfernung zurückzulegen. Die Rasttage bezeichnen die Tage, die der König an einem Ort verweilt, sei es zur Erholung oder zur Herrschaftsausübung. Die Reisetage hingegen sind eine Mischung von Marschtagen, um eine bestimmte Distanz zu schaffen, und Rasttagen, die jedoch in Quellen nicht weiter beschrieben werden[3]. Für die Berechnung der Reisegeschwindigkeit verwendet Reinke die Reisetage und untersucht unter anderem die Reisegeschwindigkeit der Könige bei besonderen Festen (Pfingsten, Weihnachten, Ostern etc.), die Geschwindigkeit aller Könige im Durchschnitt (dabei beginnt sie mit König Heinrich II. und endet mit Heinrich VI.[4]) und die Reisegeschwindigkeit einzelner Könige. Sie kommt sie zu den Schlüssen, dass, nach Auswertung von Quellen wie Urkunden, Briefe und erzählenden Berichten, bei 947 untersuchten Reisen eine durchschnittliche Reisegeschwindigkeit von etwa 15 Kilometer am Tag erreicht wurde. Jedoch gab es auch Reisen, die schneller waren, bei denen jedoch meist nur eine kürzere Distanz zurückgelegt wurde, und Reisen die langsamere Reisegeschwindigkeiten hatten, bei denen es sich meist um längere Reisen handelte. Bei den Untersuchungen einzelner Königsreisen fällt besonders die Reisegeschwindigkeit von Konrad III. auf[5]. Dieser reiste, bei 46 ausgewerteten Ergebnissen, im Durchschnitt etwa 24 Kilometer am Tag. Unter anderem legte er drei Tage lang eine Strecke von 66 Kilometer pro Tag zurück. Dieses Ergebnis versucht Reinke damit zu erklären, dass Konrad III. innerhalb des deutschen Reiches ohne großes Gefolge reiste im Gegensatz zu vielen anderen der untersuchten Könige. Auch untersucht Reinke die Reisegeschwindigkeit der Könige bei Reisen zu Feststagsfeiern[6]. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die Könige bei ihren Reisen zu Festtagsfeiern mehr schnelle Reisen zurücklegen als bei „normalen“ Reisen. Dies sei damit zu erklären, dass die Pünktlichkeit zu solchen Festtagen wichtiger war, da auch Fürsten und andere Große dorthin reisten um den König aufzusuchen, und damit dass der König an solchen Tagen meist verstärkt Regierungshandlungen vornahm.

[...]


[1] Hans K Schulze: Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier, Berlin 1991, S. 81/82

[2] Hans K. Schulze: Hegemoniales Kaisertum. Berlin 1991, S. 82/83

[3] M. Reinke: Die Reisegeschwindigkeit des deutschen Könighofes im 11. und 12 Jahrhundert, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 123, 1987, S. 231.

[4] M. Reinke: Reisegeschwindigkeit, S. 226

[5] M. Reinke: Reisegeschwindigkeit, S. 248

M. Reinke: Reisegeschwindigkeit, S. 248

[6] M. Reinke: Reisegeschwindigkeit, S. 241/443

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638454902
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48913
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Schlagworte
Verkehrsbedingungen Mittelalter Integriertes Proseminar

Autor

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