Lade Inhalt...

Die Auswirkungen von Tanz- und Bewegungserfahrungen bei Kindern

Wie wirken sich diese Erfahrungen auf kindliche Sozial- und Selbstkompetenzen aus?

Hausarbeit 2018 20 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Begriffseingrenzung
2.1 Selbstkompetenz
2.2 Sozialkompetenzen

3. Verknüpfung zwischen Bewegung im Tanz und dem Gebrauch der Sinne

4. Bewegung, Tanz und musisch-ästhetische Bildung in den Bildungsgrundsätzen NRW
4.1 Bildungsbereich: Bewegung
4.2 Bildungsbereich: Musisch-ästhetische Bildung

5. Ein Tanz- und Bewegungsprojekt zur Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen

6. Auswirkungen von Tanz- und Bewegungserfahrungen auf Selbst- und Sozialkompetenzen bei Kindern
6.1 Handlungsempfehlungen für die Kita

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dass Kinder einen hohen Bewegungsdrang haben und sich gerne zu Musik bewegen, erkennen Eltern nicht erst bei Festen und Konzerten, zu denen sie ihre Kinder mitnehmen. Schon die ganz Kleinen, kaum stehen sie auf ihren Beinchen, wippen im Windelpack zum Rhythmus von Musik und erfreuen sich daran. Lange bevor Kinder zu sprechen beginnen, kommunizieren sie über ihren Körper mit der Umwelt. Hierbei ist ein grundsätzliches Interesse des Kindes hinsichtlich eines ausgeprägten Bewegungsdrangs zu erkennen. Darüber hinaus besitzen Kleinkinder eine hohe angeborene Kreativität. Beide Fähigkeiten werden allerdings mit dem Heranwachsen und der damit einhergehenden Anpassung an gesellschaftliche Normen, spätestens mit der Einschulung, eingeschränkt. Eine optimale Möglichkeit, diese Fähigkeiten zu bewahren, sind regelmäßiger Sport, Bewegung im Alltag und vor allem auch das Tanzen. Bei jungen Kindern ist Bewegung in erster Linie in das eigene Spiel und die alltägliche Lebenswelt integriert. Zahlreiche Spiele, darunter Rollenspiele und das Spielen auf dem Bauteppich sind maßgeblich von Bewegung geleitet. Bei Kindern, die bereits zur Schule gehen, erhält Bewegung im Laufe der Jahre den Charakter sportlicher Aktivität. Dennoch ist es hinsichtlich des Lernerfolgs und des gesunden Lernklimas von großer Wichtigkeit, den Kindern verschiedene Möglichkeiten zur freien Bewegung verfügbar zu halten. Hierunter fallen beispielsweise körperliche Aktivitäten während des Unterrichts, spielerische Bewegungsaktivitäten in den Pausenzeiten und im Schulleben allgemein und zu möglichst vielen weiteren Anlässen. Diese Bewegungsaktivitäten lassen sich leider heutzutage nur noch selten umsetzen, da die Zeit für derartige Erfahrungen mit den schulisch kognitiven Anforderungen kollidieren. Zweifelsfrei bietet jedoch insbesondere der schulische Ganztagsbetrieb zahlreiche Möglichkeiten, dem Bildungsbereich Bewegung angemessenen Raum zu verschaffen. An der Umsetzung hapert es allerdings häufig. Obwohl wir in einer Welt leben, die nach und nach mehr Mobilität voraussetzt, wird in unserer Gesellschaft immer weiter zunehmender Bewegungsmangel festgestellt. Besonders erschreckend ist hierbei, dass erstaunlich viele Kinder von diesem betroffen und daher in ihrer Entwicklung eingeschränkt sind. Der Mangel an Bewegungserfahrungen hat gravierende Folgen, sowohl für die physische als auch für die psychische Gesundheit der Kinder.

Die Zahl an übergewichtigen und sogar an Adipositas erkrankten Kindern und Jugendlichen ist erschreckend: In Deutschland sind 8,7 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren übergewichtig, 6,3 % sogar adipös

(vgl. https://www.bzga-kinderuebergewicht.de/vertiefende-informationen/fakten-und-folgen/uebergewicht-in-zahlen/). Kindertageseinrichtungen und Schulen sollten sich dieser Problematik annehmen und gezielt Präventionsmaßnahmen planen. Bewegungs- und Tanzerfahrungen sind für Kinder nicht nur hinsichtlich der Gewichtsreduktion von zentraler Bedeutung, sondern auch im Hinblick auf zahlreiche Kompetenzen. Die vorliegende Hausarbeit soll daher Klarheit schaffen, inwiefern Selbst- und Sozialkompetenzen bei Bewegungs- und Tanzanlässen gefördert und erweitert werden können. Basierend auf den zahlreichen Selbst- und Sozialkompetenzen, die bei Kindern beobachtbar sind, wird die Arbeit zunächst eine Auswahl innerhalb dieser Kompetenzen treffen und diese anschließend spezifizieren. Diese Spezifizierung wird den Rahmen der Arbeit bilden. Darauf folgt die Vorstellung eines selbst ausgearbeiteten Bewegungs- und Tanzprojektes, welches zur Beobachtung und Dokumentation der relevanten Selbst- und Sozialkompetenzen dient. Im nächsten Schritt wird sich die Arbeit mit den Bildungsgrundsätzen NRW 2016 auseinandersetzen, die den theoretischen Rahmen der Arbeit bilden. Hierbei wird gezielt Bezug zum Aspekt „Bewegung“ sowie dem Bildungsbereich der „musikalisch-ästhetischen Bildung“ genommen. In einem weiteren Abschnitt wird die Hauptthematik dieser Arbeit analysiert, nämlich die Auswirkungen von Tanz- und Bewegungserfahrungen auf die Selbst- und Sozialkompetenzen bei Kindern, dies mit dem nun erweiterten Verständnis aus dieser Arbeit. Den Schluss der Arbeit bildet ein Fazit, in dem noch einmal die prägnantesten Erkenntnisse zusammengetragen werden. Hierbei wird auch die Ausgangsfrage beantwortet und es wird ein Ausblick gestellt. Die Hausarbeit stellt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, da dies den formalen Umfang sprengen würde. Es wird in erster Linie Primär- und Sekundärliteratur genutzt und für die Bearbeitung verwendungsfähige Internetquellen eingesetzt.

2. Begriffseingrenzung

Selbstkompetenzen und Sozialkompetenzen sind für ein gelungenes Miteinander in der Gesellschaft unabdingbar. Sowohl Selbst- als auch Sozialkompetenzen äußern sich durch eine Menge verschiedener Facetten. Da ein Bezug zu allen Aspekten der Selbst- und Sozialkompetenzen den Umfang dieser Arbeit übertreffen würde, wird im Folgenden zunächst eine Beschreibung der Kompetenzen und anschließend die Eingrenzung auf einige dieser Aspekte erfolgen.

2.1 Selbstkompetenz

Selbstkompetenz beinhaltet alle Aspekte, die sich auf innere Stärke des Menschen beziehen. Wenn man über eine hohe Selbstkompetenz verfügt, hat man großes Vertrauen in sich selbst und blickt zuversichtlich in die Zukunft. Zudem verfügt man über einen starken inneren Kompass, der auch in schwierigen Zeiten den Weg weist. Weiter noch lässt man sich nicht leicht aus der Bahn werfen und überwindet Hindernisse durch Kreativität, Flexibilität oder einfach durch Ausdauer. Selbstkompetenz meint folglich also die Fähigkeit, mit negativen Gefühlen so umzugehen, dass Wissen und Erfahrungen dennoch genutzt werden können. Dies bildet die Voraussetzung dafür, eine Überzeugung zu entwickeln, einer Herausforderung gewachsen zu sein (vgl. http://www.empathie-lernen.de/selbstkompetenz).

Zusammenfassend lässt sich Selbstkompetenz also wie folgt definieren:

Selbstkompetenz bedeutet die Gewissheit zu haben, wer man ist, zu erkennen, wo man hinmöchte und die Fähigkeit zu besitzen, proaktiv auf das Erreichen seiner Ziele hinzuarbeiten. (ebd.)

Folgende Aspekte sind Teil der Selbstkompetenz:

- Selbstvertrauen
- Eigeninitiative
- Entschlusskraft
- Resilienz (Widerstandsfähigkeit)
- Flexibilität
- Reflexionsfähigkeit
- Kritikfähigkeit
- Selbstdisziplin
- Motivation
- Entschlossenheit

Menschen mit hoher Führungskompetenz sind in der Lage, ein Team erfolgreich zu führen. So sind Menschen mit einer hohen Selbstkompetenz fähig, sich selbst erfolgreich zu führen. Eine hohe Selbstkompetenz beinhaltet also immer auch ein gutes Selbstmanagement (vgl. http://www.empathie-lernen.de/selbstkompetenz).

Hinsichtlich dieser Arbeit wird im Bereich Selbstkompetenzen ein besonderes Augenmerk auf die Kompetenzen „Selbstvertrauen“, „Selbsteinschätzung“ und „Konzentrationsfähigkeit“ gelegt und diese im Folgenden näher erklärt: Unter dem Begriff Selbstvertrauen versteht die Psychologie die emotionale Bewertung und die Empfindung, die man von sich selbst hat. Diese werden im Hinblick auf die Lösung einer anstehenden Herausforderung, einer Aufgabe oder eines Konfliktes ermessen. So werden die subjektiven Fähigkeiten mit den Ansprüchen verglichen, die erforderlich sind, um die bestehenden Herausforderungen zu meistern

(vgl. https://entwicklung-der-persoenlichkeit.de/definition-von-selbstvertrauen).

Selbsteinschätzung bezeichnet die affektive Beurteilung der verschiedenen Auffassungen über die eigene Person

(vgl. https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/selbsteinschaetzung/13890).

Konzentrationsfähigkeit wird als Fähigkeit zur Zusammenfassung der geistigen Kräfte definiert, also zur Bereitstellung der frei verfügbaren Energie, um diese für eine bevorstehende Leistung achtsam und durchhaltend einzusetzen

(vgl. https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/konzentrationsfaehigkeit-37340).

2.2 Sozialkompetenzen

Sozial kompetente Menschen kommen mit verschiedenen Persönlichkeiten zurecht und verstehen soziale Dynamik so gut, dass sie fähig sind, sich selbst in jeder zwischenmenschlichen Konstellation zu positionieren und ihren Platz zu finden und einzunehmen. Zudem haben sie keine Schwierigkeiten damit, in allen erdenklichen Situationen mit ihren Mitmenschen zu interagieren, einen Zugang zu ihnen zu finden und dafür zu sorgen, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft in sie eingegliedert werden und zufrieden damit sind. Soziale Kompetenz ist grundsätzlich sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag eine wichtige Schlüsselkompetenz (vgl. https://definition-online.de/soziale-kompetenz/).

Sozialkompetenz lässt sich also grundlegend als Fähigkeit eines Menschen definieren, sich in ein soziales Netz einzugliedern. (ebd.)

Folgende Aspekte sind Teil der Sozialkompetenz:

- Durchhaltevermögen
- Kommunikationsfähigkeit
- Konfliktfähigkeit
- Kritikfähigkeit
- Leistungsbereitschaft
- Selbstständigkeit
- Teamfähigkeit
- Verantwortungsbewusstsein
- Zuverlässigkeit

Im Hinblick auf diese Arbeit wird sich im Bereich Sozialkompetenzen auf folgende Kompetenzen gestützt: Soziale Sensibilität, Toleranz/Rücksichtnahme und Frustrationstoleranz. Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung erläuterte die relevanten Sozialkompetenzen folgendermaßen:

Soziale Sensibilität heißt, die Gefühle anderer wahrnehmen zu können und sich in die Lage anderer hereinversetzen zu können. Hierunter zählt auch das Erkennen der Bedürfnisse des Gegenübers, die damit einhergehende Berücksichtigung im eigenen Verhalten sowie das Erkennen von Wünschen anderer

(vgl. https://www.nifbe.de/images/nifbe/Infoservice/Downloads/Themenhefte/Sozial-emotionale_Kompetenzen_online.pdf).

Unter Toleranz/Rücksichtnahme ist die Fähigkeit gemeint, die Leistungen anderer zu akzeptieren und anzuerkennen, gleichzeitig aber auch die Andersartigkeit anderer zu respektieren. Zudem fällt unter diese Kompetenz noch die Toleranz in Bezug auf die Bedürfnisse anderer sowie die Fähigkeit, sich im Spiel auf diese einzulassen. Auch die Rücksichtnahme gegenüber anderen ist charakteristisch für diese Kompetenz

(vgl. https://www.nifbe.de/images/nifbe/Infoservice/Downloads/Themenhefte/Sozial-emotionale_Kompetenzen_online.pdf).

Frustrationstoleranz definiert die Fähigkeit, die eigenen Bedürfnisse zugunsten anderer Werte zurückzustellen und sich in eine Gruppe einordnen zu können. Außerdem fällt darunter die Kompetenz, sich mit Misserfolgen zu arrangieren sowie angemessen mit Konflikten umzugehen und diese konstruktiv zu bewältigen (vgl. ebd.).

3. Verknüpfung zwischen Bewegung im Tanz und dem Gebrauch der Sinne

Grundsätzlich ist Bewegung und Tanz eng verknüpft mit dem Gebrauch der Sinne, denn jede kindliche Erfahrung ist bedingt durch mindestens eines seiner Sinnesorgane. Die Sinne sind zentral für die kindliche Entwicklung und bilden den Grundbaustein für die Ausbildung diverser Selbst- und Sozialkompetenzen. Jegliche Art von Auseinandersetzung mit der Umwelt ist also nur durch den Gebrauch der Sinne möglich. Außerdem werden über Sinneswahrnehmungen Identität, Selbstvertrauen, Weltwissen und soziale Kompetenzen erfahren. Kinder erleben ihre Sinne als Grundlage für Aktivität und Teilhabe, die ihnen helfen, den Alltag selbstwirksam zu gestalten, sich ihre materiale und personale Umwelt anzueignen, sich in ihr zu orientieren und soziale Bindungen zu erleben und zu gestalten. Kinder können so ihre Aufmerksamkeit gezielt ausrichten und sich vor Reizüberflutungen schützen (vgl. MFFKJK, MFSW 2016, S.70/71). Die fünf Sinne sind außerdem wichtig für die Thematik Bewegung und Tanz, da sie dafür sorgen, Bilder und Klänge aus Alltag, Musik, Kunst und Medien sowie Eindrücke aus der Natur bewusst wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen

(vgl. http://www.kindergaerten-bw.de/,Lde/Startseite/Fruehe+Bildung/Sinne).

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668971332
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489108
Institution / Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Schlagworte
auswirkungen tanz- bewegungserfahrungen kindern erfahrungen sozial- selbstkompetenzen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Auswirkungen von Tanz- und Bewegungserfahrungen bei Kindern