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Der Opernstreit. Entstehung und Auswirkungen

Hausarbeit 2018 12 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Entstehung der Oper
2.1 Die Oper in Italien
2.2 Die Oper in Frankreich
2.2.1 Tragédie en musique

3.0 Der Opernstreit

4.0 Auswirkungen des Opernstreits auf das musikalische Denken/dt. Oper

5.0 Fazit

6.0 Literaturverzeichnis

1.0 Einleitung

Fast keine musikalische Gattung musste in der Musikgeschichte so viele Kontroversen, Diskussionen und öffentliche Streitschriften über sich ergehen lassen wie die Oper. Angefangen als Spektakel, welchem wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, bis hin zu öffentlichen Kontroversen, die im Laufe der Zeit mehrfache Opernreformen zur Folge hatten, stets darum bemüht die vollkommenste Oper zu definieren. Besonders der erste öffentlich ausgetragene Opernstreit Anfang des 17. Jahrhunderts trug zu den vielen Wandlungen der Oper in den nächsten Jahrhunderten bei.

Zu Beginn dieser Arbeit wird die Entstehung der italienischen Oper und die Entstehung der französischen Oper kurz und präzise in ihren wichtigsten Punkten erläutert, wobei Jean-Baptise Lully eine tragende Rolle bei der Entwicklung der französischen Oper spielt. Hauptaugenmerk liegt auf der Historie der Entwicklung der Opern in Frankreich und Italien bis ins 17. Jahrhundert. Im Anschluss daran wird der Opernstreit zwischen Francois Raguenet, der während seiner Italienreise die musikalische Schönheit und Ausdruckskraft der italienischen Oper kennenlernen durfte, und Jean Laurent Lecerf de la Viéville, der für die französische Oper plädiert, dargelegt. Des Weiteren werden weitere Äußerungen von Pierre d’Ortigue de Vaumorière hinzugezogen, da dieser schon vor Beginn des Opernstreits um einen Vergleich der beiden Opern bemüht war.

Abschließend soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit dieser Opernstreit Auswirkungen auf das musikalische Denken hatte und ob eine Reaktion darauf auch in Deutschland zu erkennen war.

2.0 Entstehung der Oper

Bereits in der Antike wurde die Musik mit dem Schauspiel verknüpft. Dies entwickelte sich über die verschiedenen Epochen fort bis ins 16. Jahrhundert, in dem die Oper ihren Namen fand, so wie man sie heute kennt.

2.1 Die Oper in Italien

Im 17. Jahrhundert wurde die Oper zu einer Institution, die sich dem Kommerz ausrichtete. Damit einhergehend wurde erstmalig „Eintritt“ verlangt, um eine Aufführung besuchen zu dürfen.[1] Der Grundgedanke, der kommerziellen bzw. öffentlichen Oper lag darin, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, um die Ausgaben decken zu können und dennoch eine imposante Aufführung, die auf hohe Nachfrage stets wiederholt wurde, zu präsentieren. Demgegenüber stand die bereits bestehende Hofoper, die speziell auf den festlichen Anlass „inhaltlich zugeschnitten“ war und somit ein „einmaliges Ereignis“ darstellte.[2] Auch der Aufwand war im Gegensatz zur „öffentlichen“ Oper weit größer und mit höheren Kosten verbunden, welche damit einhergehend auch den „Reichtum“ und die „Großzügigkeit“ des Gastgebers widerspiegelten.[3]

Im Laufe des 17. Jahrhundert bekam die Oper eine zweite und dritte Spielzeit im Jahr, während sie anfänglich nur in der Karnevalszeit aufgeführt wurde.[4] Darüber hinaus wurde immer häufiger Maskierungen, Täuschungen und Überraschungen eingebaut, welche wahrscheinlich ihren Ursprung durch das Karnevalsvergnügen fanden. Weiterhin wurden das Rezitativ und die Arie zu einer Norm der italienischen Oper und es entwickelte sich ein „ausgewogenes Verhältnis von Drama, Poesie, Tanz und Musik“.[5] Der kommerzielle Erfolg der Oper sei wohl auch darin begründet, dass vermehrt Tanzrhythmen „im Sinne einer Unterhaltungsfunktion“ eingesetzt wurden, so Michael Walter.[6] Diese wiederum boten Raum für „Tempowechsel, Abschnitten mit unterschiedlichen und kontrastierenden Melodien [sowie] unterschiedlichen Rhythmen“[7].

2.2 Die Oper in Frankreich

Erst in den 70er Jahren des 17. Jahrhunderts, in denen Ludwig XIV regierte, entstand die Oper in Frankreich. Sie wies starke Anknüpfungspunkte an das französische Ballett auf, welches in diesem Jahrhundert große Anerkennung fand. Dennoch kann man die Entstehung der französischen Oper im wesentlichen Jean-Baptiste Lully zuschreiben. Lully war Italiener und kam im Jugendalter nach Frankreich. Dort kam er mit der Zeit immer stärker mit der höfischen Musik in Berührung und schrieb für König Ludwig XIV sechs Balletts-Entrées.[8] Letztendlich wurde Lully zum französischen Staatsbürger und ließ seine italienischen Wurzeln hinter sich. Außerdem hegte er guten Kontakt zum französischen Theater, denn die Oper war für ihn nicht von Bedeutung. Im 17.Jahrhundert hatte das Sprechtheater seine größten Erfolge. Lully fand in dem Komödiendichter Molière jemanden, der ebenfalls das Ziel einer engen Verflechtung von Schauspiel und Musik verfolgte. Daraufhin entstand die Comédie-ballett, die Komödie und Ballett vereinte.[9]

Der Dichter Pierre Perrin erhielt das Privileg des Königs, die französische Oper zu begründen. Auf Grund von finanziellen Schwierigkeiten kaufte Lully Perrin dieses Privileg ab. Ludwig XIV beschloss davon ausgehend, dass kein geringer als Lully die Entscheidungsgewalt darüber habe, welche Oper in Paris aufgeführt werden durfte und welche nicht.[10] Dies hatte zur Folge, dass Jean-Baptise Lully die Gewalt hatte die Richtung der Entwicklung der französischen Oper zu beeinflussen bzw. vorzugeben. Die letzten 14 Jahre seines Lebens schrieb Lully jedes Jahr eine Oper, die zu einer neuen Gattung, die „tragédie en musique“ zusammengefasst wurde.[11] Später wurde diese Gattung auch als „tragédie lyrique“ bekannt.[12]

Diese neue theatralische Gattung hatte im Vergleich zur Oper in Italien mit anfänglichen Schwierigkeiten zu kämpfen, da sich die Franzosen am Ballett, dem Sprechtheater sowie der klassischen Tragödie erfreuten. Die Kritiker der neuen Oper stellten den Zweck der Oper in Frage und bangten um das Fortbestehen ihrer klassischen Tragödie.[13] Daher musste die Oper ihre Anerkennung.in der französischen Theaterwelt erst noch für sich gewinnen.[14]

2.2.1 Tragédie en musique

Die Tragédie en musique ist ein Zusammenspiel musikalischer Formen. Sie zeichnet sich durch „solistische Air[s] und Ensembles, Chor und Instrumentalmusik, Ballett […] [und] gesungene Deklamation der Dialoge und der Monologe“ aus.[15] Das Wunderbare stand in der französischen Oper im Vordergrund sowie transzendente Figuren und Inhalte. Auch der Einheit des Ortes und der Einheit der Zeit wurde keinerlei Beachtung geschenkt. Das Récitatif stand im Fokus, während sich das Air auf Monologszenen beschränkte.

Obwohl die Tragédie en musique in ihrem Ursprung Wurzeln zur italienischen Oper aufweist, enthält sie ein anderes Weltbild. Während die italienische Oper „das Leben als ein gleichsam planloses Durcheinander scheinbar unvorhergesehener Ereignisse darstell[t] und eine labyrinthische Handlung konstruier[t]“, zeichnet sich die Tragédie en musique durch „eine wohlgeordnete, nahezu symmetrische Fabel, in deren Zentrum, d. h. in der Mitte des mittleren Aktes, der Krampf mit dem Drachen steh[t]“.[16]

3.0 Der Opernstreit

Durch den Opernstreit kurz nach 1700, angestiftet durch den Dilettanten Francois Raguenet, erlang die Oper Bekanntheit wie noch nie zuvor. Raguenet entwickelte auf seiner Italienreise eine Leidenschaft für die italienische Oper, woraufhin er 1702 einen Vergleich zwischen der französischen Oper und der italienischen Oper veröffentlichte.

[...]


[1] Vgl. Leopold, Silke: Die Oper im 17. Jahrhundert. München. Laaber-Verlag 2004. S.129.

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Ebd.

[4] Vgl. Ebd. S.131.

[5] Seidel, Wilhelm: Der Streit um die italienische und französische Oper um 1700. In.: Europäische Musikgeschichte. Hrsg: Ehrmann-Herfort, Sabine; Finscher, Ludwig; Schubert, Giselher, 2Bde. Kassel. Bärenreiter-Verlag 2002, Bd.1. S.323.

[6] Vgl. Walter, Michael: Oper. Geschichte einer Institution. Stuttgart. J.B. Metzler Verlag 2016. S. 66.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Ebd. 179f.

[9] Vgl. Ebd. 181.

[10] Vgl. Ebd. 182.

[11] Vgl. Leopold, Silke: Die Oper im 17. Jahrhundert. S.182.

[12] Vgl. Seidel, Wilhelm: Der Streit um die italienische und französische Oper um 1700. S.332.

[13] Vgl. Ebd. S.319f.

[14] Vgl. Leopold, Silke: Die Oper im 17. Jahrhundert. S.174.

[15] Vgl. Ebd. S.182.

[16] Ebd. S. 186.

Details

Seiten
12
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668947771
ISBN (Buch)
9783668947788
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489104
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
10
Schlagworte
opernstreit entstehung auswirkungen
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Titel: Der Opernstreit. Entstehung und Auswirkungen