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Die Legalisierung von Cannabis im Görlitzer Park

Eine Analyse des öffentlichen Diskurses

Seminararbeit 2019 23 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Methodik
2.1 Definition Diskurs
2.2 Diskurs Begriff unter Foucault
2.3 Grounded Theory

3. Auswertung

4. Diskussion

1. Einleitung

In dem Seminar Qualitative Sozialforschung mit MaxQda, welches unter der Leitung von Frederick de Moll stattfand, haben wir uns explizit mit dem Text und Datenanalyseprogramm MaxQda beschäftigt. Das Programm wird im Allgemeinen zur Unterstützung von wissenschaftlichen Projekten und Studien angewendet, bei denen Interviews, Texte und Medien wie Bild-, Audio- und Videodateien inhaltlich analysiert werden. Ziel ist es, genauere Einblicke in das Datenmaterial zu gewinnen, ohne die inhaltliche Interpretation durch die Forschenden vorwegzunehmen. (vgl. Wikipedia)

Im Anschluss an eine sehr informationsreichen Darstellung des Programmes MaxQda und der Methode einen öffentlichen Diskurs zu analysieren, durften wir uns ein beliebiges Thema aussuchen, über welches wir den öffentlichen Diskurs, anhand von Zeitungsartikeln und mit Unterstützung des Programmes MaxQda bestimmen sollten.

Ich habe mich für meinen Forschungsbericht für die Analyse des öffentlichen Diskurses über die Legalisierung des Cannabiskonsums im Görlitzer Park in Berlin entschieden. Hierfür habe ich den Zeitraum von Mitte 2017 bis heute unter die Lupe genommen. Mich hat das Thema persönlich sehr angesprochen, da ich mich in erster Linie für die allgemeine Debatte bezüglich einer Legalisierung von Cannabis in Deutschland interessiere und weil Berlin wohl das einzige Bundesland in Deutschland ist, welches sich mit diesem Thema realitätsnah auseinandersetzt. Dementsprechend finde ich es interessant, wie sich der öffentliche Diskurs zu dieser Thematik gestaltet. Hierfür habe ich mich an lokalen, sowie überregionalen und landesweiten Medien bedient, um diesen herauszufiltern.

Ganz allgemein betrachtet zählt der Görlitzer Park zu einem der größten Naturerholungsgebiete in Berlin, er befindet sich im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Auf dem 14 Hektar großen Gelände befinden sich sowohl Sport-, Spiel- und Bolzplätze, zwei Aussichtsberge und ein kleiner See. (vgl. Wikipedia)

Der “Görli” wie er auch im Volksmunde genannt wird, macht aber seit den 2000er Jahren immer wieder negative Schlagzeilen, aufgrund von illegalem Drogenhandel und dem Konsum von illegalen Drogen. Er sei einer der größten Drogenumschlagplätze in Berlin, in der Vergangenheit wäre es, immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen, mit einigen Verletzten und sogar Toten gekommen.

Trotz vermehrter Präsenz seitens der Polizei und extra eingestellten Sozialarbeitern, im und rund um den Görlitzer Park, bleiben die Probleme weiterhin bestehen. Im November 2014 wurde sogar eine eigens gegründete Taskforce ins Leben gerufen, um die Probleme zu bekämpfen, allerdings nur mit mäßigem Erfolg.

Das Thema ist allgegenwärtig, im Internet findet man reichlich Material zu der Debatte und es erhitzt die Gemüter rund um den Park. Durch die verschiedenen Artikel, die ich untersuchen werde, erhoffe ich mir ein genaueres Bild machen zu können.

2. Methodik

2.1 Definition eines Diskurses

Nach Jäger verstehe Franz Januschek unter Diskurs sowohl das komplexe System zusammengehörender Äußerungen und Texte (institutionell, sozial, thematisch, ökonomisch) wie auch einzelner Äußerungen und Texte, die Bestandteile dieses Komplexes seien oder sich auf ihn beziehen lassen bzw. beziehen lassen würden. Für Januschek vermittele der Diskurs die Sprache mit dem Sprechen. Die Entw icklung des Diskurses geschehe durch die Tätigkeit des Sprechens oder Schreibens. (Januschek 1986, zitiert nach Jäger 2012: 21) Dieser Ansatz stehe dem Foucaultschen deshalb nahe, weil er Sprechen als Praxis verstehe, die Wirklichkeit konstituiert. Januschek entwickele sein Konzept von Diskursanalysen im Rahmen einer „Linguistik der Anspielung“ (Januschek 1991, zitiert nach Jäger 2012: 21).

Für ihn sei das Verständnis des Diskurses zentral, dass sich seiner Bedeutung nach, erst auf der Ebene von Anspielungen erschließen würde. Anspielungen seien dabei nicht als individuelle Assoziationen aufzufassen. Er untersuchte systematisch Anspielungen, indem er die Verstehensmöglichkeit ermittelte, welche eine sprachliche Ausdrucksform im Unterschied zu allen anderen Ausdrucksformen im Diskurs mit sich bringe. (vgl. Jäger 2012: 21)

Ein Diskurs könnte sich allerdings auf mehreren Ebenen eröffnen. So bilden beispielsweise der Fachdiskurs und der öffentliche Diskurs zwei Ebenen, die nach dem Level ihrer Öffentlichkeit unterschieden werden könnten. Im Fachdiskurs würde das Wissen von Expertenpersonal zur einem bestimmten Thema und dessen Diskussion in der Fachwelt aufbereitet werden. Allerdings seien die zu dem Thema untersuchten Fachtexte nur in spezifischen Medien aufzufinden, welches die breite Öffentlichkeit an der Diskursteilnahme ausschließen würde. (vgl. Rutjes 2017: 30) (Keller 2011, S.229 zitiert nach Rutjes 2017, S.30)

Der Adressat hierbei sei eine massenmediale Öffentlichkeit, nach Plake et al. (2001:18 ff. zitiert nach Rutjes: 31), die an dieser Stelle als ein Vorgang von allgemeinem Interesse, basierend auf einer Massenkommunikation verstanden wird, die einseitig ist und sich an alle richtet, sowie dem Publikum freie Zugänglichkeit ermöglicht. Habermas (1990: 98) beschreibt diese Zugänglichkeit als „prinzipielle Unabgeschlossenheit des Publikums“. Die faktische Zugänglichkeit sei dabei nicht entscheidend, somit sei Öffentlichkeit schon von der Eigenart des Mediums hergegeben. Die Massenmedien seien somit die Spielstätte für einen öffentlichen Diskurs, er wird als sozialer Ort beschrieben, indem Sprecherpositionen mit Argumenten um die Deutungshoheit konkurrieren würden. (vgl. Madeker 2008: 56, zitiert nach Rutjes 2017: 31)

Die in den Massenmedien publizierten Texte seien „Beiträge zur gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktion“ (Keller 2009: 51)

2.2 Diskurs Begriff unter Foucault

Für Foucault sei ein linguistisch- erzähltheoretischer >Diskurs<- Begriff, von Emile Benviste abstammend von Bedeutung gewesen. Benviste unterscheide bei Äußerungen systematisch zwischen dem sprachlichen Netz der Sprecher-Instanz (bezogen auf die ego-hic-nunc-origo) und den nicht durch die Sprecher Instanz markierten Elementen (z.B 3.-Person-Bericht).

Den ersten Aussagemodus bezeichne er als „discours“, den zweiten als „histoire“(Geschichte) oder „récit“ (Bericht). Im Gegensatz zu einer hermeneutischen Fragestellung gehe es ihm beim „Diskurs“ nicht nur um die Subjekteffekte, sondern um die notwendigen sprachlichen Strukturen der Äußerungsinstanz. Algirdas Greimas postuliere noch systematischer, dass die Strukturen des „discours“ von den semionarrativen (Tiefen-)Strukturen regiert würden und nicht umgekehrt, wie manchmal angenommen. Man könnte meinen, dass Foucault hier sogar nach Jäger, einen Schritt weitergehe, indem er die komplette Menge aller Äußerungen als „Diskurs“ bezeichnet, wobei die Sprecherinstanz nicht nur linguistisch, sondern ebenfalls auch in ihren Subjektivitätsstrukturen und –effekten von transindividuellen Regelungen und Gesetzmäßigkeiten bestimmt würden.

(vgl. Jäger: 23)

Link/Link-Heer würden den Foucaultschen Diskurbegriff folgendermaßen definieren: Michel Foucaults „Diskurs“- Begriff verstehe sich operativ und betont besonders die folgenden Aspekte:

(a) „>Diskurs< ist stets lediglich die sprachliche Seite einer >diskursiven Praxis<. Unter >diskursiver Praxis< wird dabei das gesamte Ensemble einer speziellen Wissensproduktion verstanden: bestehend aus Institutionen, Verfahren der Wissenssammlung und –verarbeitung, autoritativen Sprechern bzw. Autoren. Reglungen der Versprachlichung, Verschriftlichung, Medialisierung. Beispiele wären der >medizinische< oder der >juristische Kurs<.“ (Jäger 2012: 23- 24)
(b) „Im Anklang an die quasi-linguistischen Dikursbegriffe (...) sowie an die angelsächsische Sprechakttheorie analysiert Foucault Sprechakttheorie analysiert Foucault die Korrelationen zwischen >Wörtern< und >Dingen<, bzw. zwischen >Diskursen< (als spezifischen Aussageformationen) und ihren >Gegenständen<. Er betont dabei den radikalen Bruch mit allen optik -analogen Modellen von Erkenntnis (Widerspiegelungs-Modelle): Die (historisch-sozialen) Gegenstände seien nicht etwa prädiskursiv bereits vorhanden und würden dann lediglich durch einen Diskurs mehr oder weniger verzerrt oder exakt wahrgenommen, vielmehr müsse die diskursive Praxis im strikten Sinne als materielles Produktionsinstrument aufgefasst werden, mit dem auf geregelte Weise historisch-soziale Gegenstände (z.B >Wahnsinn< oder >Sex<) allererst produziert würden. Dieser Ansatz ist von manchen Polemikern vorschnell als >idealistisch< etikettiert worden, als ob Foucault behaupten würde: >Die Welt sie war nicht, ehe der Diskurs sie schuf<. Nun kennt Foucault aber nicht bloß >diskursive<, sondern auch (z.B Ökonomie) >nicht-diskursive Praktiken<.“ (Jäger 2012: 23- 24)
(c) „Abweichend von Begriffen wie >Text<, >Textkorpus< (oder >Werk>) betont >Diskurs< bei Foucault demnach zum einen der Gesichtspunkt der engen Ankopplung an Praktiken. Zum andern betont er aber auch die Priorität der Diskurse als Streuungen von Aussagen gegenüber der relativen Geschlossenheit von Texten.“ (Jäger 2012: 23- 24)
(d) Schließlich existieren Diskurse historisch-empirisch ausschließlich als spezielle >diskursive Formationen<. Dabei werden sowohl die häufig lang andauernde relative Stabilität solcher Formationen wie die bruch- und sprunghafte Ereignisfolge eines Zerfalls und einer Neuformation untersucht.“ (ebd. S.90) (Jäger 2012: 23- 24)

2.3 Grounded Theory

1. Entstehungsgeschichte

Im Jahre 1967 erschien das Buch „The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research“ von Barney G. Glaser und Anselm L. Strauss, zwei Soziologen, die wie kaum andere Forscher die Forschungwelt geprägt hätten. Das Buch sei eines der wegweisendsten und am häufig zitiertesten Schriften in der qualitativen Sozialforschung und die Grounded Theory-Methodologie sei heute einer der populärsten Forschungsstile, die nicht nur in der Soziologie, sondern auch in der Psychologie und in vielen anderen sozial-, aber auch gesundheits-, technik-, informations- und wirtschaftswissenschaftlichen Anwendungs- und Forschungsfelder von Bedeutung sei. (vgl. Mey & Mruck 2010: 614)

Mit dem programmatischen Titel „The Discovery of Grounded Theory“ hätten sich Glaser und Strauss gleichermaßen gegen die Dominanz von Universaltheorien (grand theories) und die mit ihnen einhergehende Entfremdung zwischen Theorie und empirischer Sozialforschung wie gegen das hypothetico-deduktive Modell und die in ihrer Perspektive aus ihm folgende Aufteilung der Forschungswelt in einige wenige „theoretische Kapitalisten“ und ein Heer „proletarischer Theorietester“ gewendet. Aber auch die deskriptive, illustrierende und explorative Bescheidenheit qualitativer Sozialforschung zu ihrer Zeit und deren ungenügende methodologische und theoretische Elaboration schien ihnen kritikwürdig gewesen zu sein. (Mey & Mruck 2010: 614)

Die Grounded Theory Method könne nach Rutjes als empirisch begündete, gegenstandsbezogene Theoriebildung beschrieben werden. Sie wurde von Anselm Strauss und Barney Glaser entworfen und stellt einen Forschungsansatz der interpretativen Sozialforschung dar. Ihr Ziel sei die „theoretisch gehaltvolle Rekonstruktion von Handlungsprozessen“ (Keller 2007: S.86)

Im Zusammenhang mit der Grounded Theory Method hätten Glaser und Strauss verschiedene Vorgehensweise entwickelt, die auf die Diskursforschung übertragen und in gewandelter Form in die Wissenssoziologischen Diskursanalysen eingefügt werden. So habe die Methodologie der Grounded Theory Method ebenso wie bei der Wissenssoziologischen Diskursanalyse das Ziel, die „Dimensionen einer Wissensordnung zu erschließen“ (Diaz- Bone 2005: 199). Die Vorgehensweise sei dabei eine offene Analyse verschiedener Materialen in mehreren Kodierungsabläufen, die ebenso von der Wissenssoziologischen Diskursanalyse angepasst wurde.

(vgl. Rutjes: 33 -34)

3. Datenkorpus

Um den öffentlichen Diskurs über die Legalisierung von Cannabis im Görlitzer Park zu erforschen habe ich mich insgesamt acht Online Artikeln bedient, um diese mit Hilfe der Software MaxQda, nach deren Inhalt zu untersuchen. Hierfür habe ich mit Codes gearbeitet, welche ich vorher in Kategorien eingeteilt habe.

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Details

Seiten
23
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668964044
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v486552
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Soziologie
Note
1,9
Schlagworte
legalisierung cannabis görlitzer park eine analyse diskurses

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Titel: Die Legalisierung von Cannabis im Görlitzer Park