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Die Amerikanisierung der Weimarer Republik

Hausarbeit 2004 20 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Amerikabild

3 Wirtschaftliche Einflüsse
3.1 Fordismus und Taylor
3.2 Die Bedeutung der Rationalisierung für die Kultur

4 Die kulturelle Amerikanisierung
4.1 Die Neue Sachlichkeit
4.2 Die mediale Massenkultur
4.3 Technizismus und Alltag in der Musik
4.4 Kritik und Auswirkungen des Amerikanismus

5 Schlussbemerkungen

Anhang: Erklärungen zu den Bildern

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ganz gleich, ob es Gerhard Schröders Wahlkampf, die Jeans, Madonna, MacDonalds, MTV oder Coca Cola ist, der „American way of life“ schafft Idole, lädt zum Nachahmen ein und prägt unser tägliches Lebens. Nach einer Spiegel-Umfrage vom September 1994 kommen alle zehn Lieblingsfilme der 14- bis 29jährigen aus Hollywood. Und auch wenn wir heute einen weit kritischeren Blick in Richtung neue Welt werfen als noch vor einigen Jahren, ohne die „Importwaren Amerika“ würde unserm Alltag eine große Portion Farbe fehlen.

Ein bedeutender Zeitabschnitt der Amerikanisierung in Deutschland stellt die Weimarer Republik dar. Die Begriffe „Amerikanisierung“ wie auch „Amerikanismus“, Ausdrücke die besonders in den 1920ern und 1930ern Jahren gebräuchlich waren, enthielten viel Ambivalenz und zahlreiche Kernstereotypen. Doch was ist Amerikanisierung? Dieser Begriff bezeichnet nach einer Definition von Frank Schumacher den kulturellen Transfer von Amerikanismen, wie z.B. Produkten, Normen, Verhaltensweisen und Symbolen, die ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten haben oder als amerikanisch empfunden werden.[1]

In dieser Arbeit soll nun dargestellt werden, inwieweit diese Amerikanismen das Leben in der Weimarer Republik bestimmt haben und welche kulturellen Bereiche inwieweit vom Amerikanismus beeinflusst waren. Dabei soll die Frage behandelt werden, inwieweit der Amerikanismus auch eine für das Volk der Weimarer Republik prägende Kulturströmung war. Ausgehend von dem Amerikabild dieser Zeit, geht es zunächst um wirtschaftliche Hintergründe und ihre kulturellen Implikationen. Darauf folgend werden dann Einflüsse des Amerikanismus auf Literatur, Film und Musikdargestellt, wobei auch Kritik und Auswirkungen des Amerikanismus behandelt werden. Schlussbemerkungen mit einem kurzen Resümee schließen die Arbeit ab.

2. Das Amerikabild

In Deutschland herrschte nach dem verlorenen Weltkrieg ein ausgeprägtes Krisenbewusstsein, welches die gesamte Zwischenkriegszeit prägte. Der wirtschaftliche und politische Bedeutungsverlust und der Schrecken über das bisher unvorstellbare Maß an Gewalt des ersten „totalen Kriegs“ führten zu ernsthaften Selbstzweifeln bei der deutschen Bevölkerung. Die Folge war, dass die Grundlage der europäischen Kultur sowie die vorherrschenden Ideale und Denkmuster des 19. Jahrhunderts in Frage gestellt wurden.[2] Neue Vorbilder mussten gefunden werden. In dieser Zeit rückte Amerika immer mehr in den Blickpunkt deutschen Denkens, der Weg für die Amerikanisierung war bereitet. Maßgeblich für die Amerikanisierung war vor allem die Bewunderung der Überlegenheit, mit der die USA aus dem Ersten Weltkrieg als die Weltmacht Nr. 1 hervorgegangen war.[3]

Amerika stand für den Fortschritt der gemeinsamen, unbelasteten Zukunft der Industriegesellschaft. Diese Amerikanisierung bot die Möglichkeit, dass die traumatische Kriegserfahrung hinter sich gelassen werden konnte.[4] Mit einer Neubewertung der Lebenswelt sollte aller Traditionsballast der Vergangenheit angehören. Der geistig-kulturelle Traditionsbruch wurde nicht als Verlust interpretiert, sondern war ein Zugewinn auf dem Wege des deutschen Wesens zum „Platz an der Sonne“.[5] Der Amerikanismus versprach einen voraussetzungslosen Neuanfang,[6] mit dem sich wieder auf die Gegenwart bezogen werden konnte, wobei das Hier und Jetzt im Mittelpunkt standen. In diesem Sinne bezeichnete Rudolf Kayser Amerikanismus als „eine Methode des Konkreten und der Energie und völlig eingestellt auf geistige und materielle Realität“.[7] Amerika formte sich zu dem Symbol der Modernität schlechthin aus. Innovationen aus der „neuen Welt“ wurden größtenteils begeistert auf- und angenommen.[8]

Grundlegend für den Amerikanismus waren wirtschaftliche und kulturelle Einflüsse, die auf Amerika-Mythen beruhten, mit denen ein radikaler kultureller Bruch mit den vor dem ersten Weltkrieg prägenden bildungsbürgerlichen Traditionen vollzogen werden konnte.

3 Wirtschaftliche Einflüsse

3.1 Fordismus und Taylorismus

Frederick Winslow Taylor war der geistige Vater der Arbeitszerlegung. Das Grundprinzip bestand darin, Kraftaufwand und Arbeitsleistung in ein optimales Verhältnis zu bringen. Dies diente einerseits ökonomischen Prinzipien, andererseits zur Entlastung der Menschen von unnötigem Kraftaufwand. Taylor versuchte ein System zu entwickeln, das den rationalen Einsatz der Arbeitskraft sicherte, den Willen zu Mehrarbeit weckte, der sowohl für den Betrieb wie für die Arbeiter von Vorteil sein sollte und dies ohne größere Anstrengung, sondern nur dadurch, dass die Arbeiter ständig in Bewegung gehalten wurden, indem man ihnen jede Bewegung diktierte. Dies wurde als „Pensum System“ bezeichnet. Um die Mitarbeiter bei Laune zu halten, wurde ihnen bei Erreichen des Pensums ein höherer Lohn versprochen, der aber in der Realität um einiges niedriger ausfiel als es der Mehrleistung entsprochen hätte. Außerdem wurde der Lohn auch wieder gesenkt, wenn man die gewünschte Arbeitsintensität nicht erreicht hatte.[9] Trotz zahlreicher Kritiken, wie der Entfremdung der Arbeit und der Ausbeutung der Arbeitskräfte, blieben Taylors Ideen in der Weimarer Republik jedoch attraktiv und durchdrangen neben der Industrie zahlreiche Bereichte des täglichen Lebens. Von Hausarbeit über Verwaltung, dem Wohnungsbau und der Wohnungspolitik bis hin zur Jugend- und Sozialfürsorge sollte alles rational geplant und organisiert werden.[10]

Doch das, was Taylor nicht schaffte, machte Henry Ford möglich: die Entschärfung der gesellschaftlichen Gegensätze. Mit der Einführung der Fließbandarbeit und dem „Auto für jedermann“ würde der Automobilkönig in der Weimarer Republik zu einer prominenten und bewunderten Persönlichkeit. Denn Ford ermöglichte es, dass das Luxusmodel Automobil für die breite Kaufschicht erschwinglich wurde und das legendäre Model T (1909 – 1927) zum Synonym für standardisierte Industrieproduktion und moderner Technik im Alltag.[11] Die Begeisterung für die Produktionsmöglichkeiten und die Produkte von Henry Ford beschränkte sich nicht nur auf „reaktionäre Modernisierer“, sondern erstreckte sich auf alle politischen und weltanschaulichen Lager. Die deutsche Übersetzung der Autobiographie Henry Fords von 1923 wurde ein außerordentlicher Publikumserfolg. 1924 gab bereits die 22. Auflage im Handel. Insgesamt wurden rund 200.000 Bände in Deutschland verkauft.[12]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Die Bedeutung der Rationalisierung für die Kultur

Die im Fordismus und Taylorismus zum Ausdruck kommende konsequente Industrialisierung wurde als Strukturprinzip eines neuen „modernen“ Amerika verstanden. Diese neuen soziokulturellen Bezüge wurden nun als kultureller Kollektivismus und gesellschaftliches Vorbild mythisiert. Der über diesen wirtschaftlichen Aufschwung erreichte Wohlstand für alle wurde im Zusammenhang mit den für jeden Einzelnen bestehenden unbegrenzten Möglichkeiten gesehen. Die evidente Verbesserung der Lebenssituation jedes Individuums beruhte auf dem verbesserten Einsatz von Wissenschaft und Technik, die nicht mehr mit Blick auf Herrschaft und Ausbeutung problematisiert wurden, sondern Standards des optimalen Funktionierens und der optimalen Effizienz waren.[13] Dies bedeutete, dass durch wissenschaftlichen Zugriff auf alle Lebensbereiche und die rationale Durchdringung allen menschlichen Tuns zusammen mit der Industrialisierung das menschliche Leben wesentlich verbessert werden konnte. In den USA, so war die vorherrschende Meinung in der Weimarer Republik, war das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl entstanden, wobei Glück und Bedürfnisbefriedigung gleichgesetzt werden.[14] Industrie, Konsum und Wohlstand waren der Ausdruck der Lebenslust als Befriedigung der Bedürfnisse, die durch Vermeidung von Unlust als Leiden und Mangel zustande gekommen war.[15]

[...]


[1] Schumacher Frank: Europäischer Amerikadiskurs zwischen kultureller und ökonomischer Amerikanisierungsangst – Ein Kommentar. In: Erfurter Beiträge zur Nordamerikanischen Geschichte No.3 (2001), S. 14

[2] Vgl. Klautke, Egbert: Unbegrenzte Möglichkeiten. "Amerikanisierung" in Deutsch- land und (1900-1933). Stuttgart 2003. S. 185

[3] Vgl. Gay, Peter: Die Republik der Außenseiter. Geist und Kultur in der Weimarer Zeit 1918-1933, Frankfurt/Main 1987, S. 50

[4] Vgl. Peukert , Detlev J.K.: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt/Main 19871987, S. 180.

[5] Vgl. ebd., S. 179.

[6] Vgl. ebd., S. 180-81.

[7] Zitiert nach Peukert 1987, S. 180.

[8] vgl. Schütz, Erhard: Romane der Weimarer Republik, München 1986, S. 72.

[9] Vgl. Taylor F.W.: Die Grundsätze wissenschaftlicher Betriebsführung, München 1977, S. 8.

[10] Vgl. Klautke 2003, S. 188

[11] Vgl. Maier Chris: Zwischen Taylorismus und Technokratie. in: Michael Stürmer (Hrsg): Die Weimarer Republik, 1980, S. 188

[12] Vgl. Klautke 2003, S. 191-192.

[13] Vgl. Becker, Frank: Amerikanismus in Weimar. Sportsymbole und politische Kultur 1918- 1933, Wiesbaden 1993, S. 107.

[14] Vgl. ebendaselbst.

[15] Vgl. ebendaselbst.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638451352
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48417
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
2,0
Schlagworte
Amerikanisierung Weimarer Republik Bertolt Brecht Populärkultur

Autor

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