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Verborgene Welten - Zur Bedeutung der Oral History für die Volkskunde

Magisterarbeit 2001 83 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Oral History und biographische Methode: Ursprung, Entwicklung und Bestandsaufnahme

3. Die Anwendung der Oral History im volkskundlichen Feld: Beispielhaft dargestellt und kritisch betrachtet anhand eines Projektes zur Arbeit in der Dürener Papierindustrie
3.1. Hintergrund
3.2. Durchführung
3.3. Auswertung
3.4. Museale Verwendung

4. Zusammenfassende Schlußbemerkung

1. Einleitung

Oral History liegt im Trend der Zeit. Nachrichtensendungen informieren nicht mehr nur indirekt vom Ort des Geschehens, sondern lassen Augenzeugen vor der Kamera von ihren Erlebnissen berichten. «Zeitzeugenbörsen» vermitteln ihre Informanten an Universitäten, Schulen und Museen,1 und selbst der deutsche Außenminister Joschka Fischer wird unfreiwillig zum Zeitzeugen für eine ganze Nation, wenn er sich vor dem Bundestag zu seiner linksradikalen Vergangenheit äußern muß.

Wie bedeutsam die «oral histories» von Zeitzeugen, ihre Auswertung und das damit verbundene Erkenntnispotential für die Volkskunde sind, wird Inhalt dieser Arbeit sein. Dabei soll der Schwerpunkt nicht auf an anderer Stelle schon ausführlich diskutierten Einzelaspekten der Oral History liegen, sondern vielmehr auf einer kritischen Bestandsaufnahme der mit einer exemplarischen Oral History-Untersuchung verbundenen Probleme und Möglichkeiten. Eine am Papiermuseum Düren durchgeführte Oral History-Erhebung und die entsprechende Präsentation in der aktuellen Dauerausstellung des Museums bilden die Basis dieser Arbeit. So wird sichergestellt, daß nicht nur das theoretische Potential der Oral History, sondern vor allem auch die praktische Umsetzung im Feld kritisch beleuchtet wird. Angesprochen werden dabei auch ethische, rechtliche und technische Aspekte der Oral History, die in der wissenschaftlichen Diskussion bisher kaum Niederschlag gefunden haben.

Nach einer anschließenden Erläuterung der Literaturlage wird im folgenden Kapitel einführend der fachgeschichtliche Hintergrund der Oral History und der biographischen Methode skizziert. Anschließend dient das am Papiermuseum Düren (nachfolgend PMD genannt) durchgeführte Oral History-Projekt als exemplarische Bewertungsgrundlage für die Bedeutung der Oral History im abschließenden Kapitel dieser Arbeit.

Zur Literaturlage: Während für den anglo-amerikanischen Raum schon ab 1973 mit der Oral History Review ein interdisziplinäres Publikationsorgan der Oral History existierte, bildeten im deutschsprachigen Raum vor der endgültigen Etablierung der Oral History in den späten 1970er Jahren (siehe Kapitel 2.) Fachzeitschriften verschiedenster Disziplinen das Sprachrohr der noch im Entstehen begriffenen Forschung. So erschienen entsprechende Artikel vor allem in der K ö lner Zeitschrift f ü r Soziologie und Sozialpsychologie, in Literatur & Erfahrung, dem Journal f ü r Geschichte, der Zeitschrift f ü r Volkskunde, sowie etwas interdisziplinärer in Fabula - Zeitschrift f ü r Erz ä hlforschung oder der englischsprachigen Ethnologia Europaea. Mit dem fachübergreifenden Durchbruch der Oral History entstanden dann auch themenzentrierte Publikationsorgane. Seit 1983 berichtete die Zeitschrift Geschichtswerkst ä tten von Projekten der gleichnamigen Bewegung. Mit BIOS - Zeitschrift f ü r Biographieforschung und Oral History existiert seit 1988 dann schließlich ein auch international anerkanntes Fachorgan, dessen interdisziplinäre Ausrichtung sich schon in dessen Herausgeberschaft wiederspiegelt. BIOS erscheint am Institut f ü r Geschichte und Biographie in Lüdenscheid, das darüber hinaus den Sitz der 1996 begründeten International Oral History Association (IOHA) bildet. Mittlerweile hat die Literatur zu Oral History und Biographieforschung eine hohe thematische Vielfalt und ein kaum mehr zu überblickendes quantitatives Ausmaß angenommen.2 Forschungspraktische Einführungs-werke in die Oral History sind jedoch selten, was angesichts der in den folgenden Kapiteln noch zu zeigenden Vielschichtigkeit der Oral History und den damit verbundenen Problemen nicht überrascht. Eine positive Ausnahme stellt die dreibändige Einf ü hrung in die Oral History von Franz-Josef Brüggemeier und Dorothee Wierling dar, die explizit auf die Praxis der Oral History abzielt.3 Während Albrecht Lehmanns 1986 erschienenes Werk Gefangenschaft und Heimkehr,4 das das Leben und Leiden deutscher Kriegsgefangener in der Sowjetunion und deren Probleme nach der Rückkehr in die «Heimat» thematisiert und als Prototyp der auf Oral History basierenden volkskundlichen Studie gilt, die theoretischen Hintergründe seiner Untersuchung noch weitestgehend außen vor läßt, reflektieren die volkskundlichen Forschungsvorhaben der folgenden Jahre diese schon mehr.5 Besonders ab den frühen 1990er Jahren ist eine stark ansteigende Anzahl diesbezüglicher Titel zu verzeichnen. Die 1981 in Freiburg stattfindende DGV-Tagung Lebenslauf und Lebenszusammen- hang6 ist wie der 1989 in Göttingen veranstaltete 27. Deutsche Volkskundekongreß mit dem Thema Erinnern und Vergessen7 ein deutlicher Indikator dieser neuen, kritischen Auseinandersetzung mit erzählten Lebensgeschichten oder Teilen daraus. Die beschriebene Literaturvielfalt belegen vor allem Bibliographien. Diese liegen mittlerweile selbst für thematische oder theoretische Einzelaspekte der Oral History und der biographischen Forschung vor. Von Monika Hinner stammt beispielsweise eine Bibliographie zur Bedeutung der Oral History in der Frauenforschung zum Nationalsozialismus.8 Winfried Marotzki gibt in mittlerweile dritter Auflage die Magdeburger Bibliographie zur Biographieforschung heraus, die trotz eines deutlichen Schwerpunkts auf der Erziehungswissenschaft auch durchaus Aspekte der qualitativen Sozialforschung im Allgemeinen berücksichtigt.9 Der in der ersten BIOS -Ausgabe erschienene Literaturüberblick von Charlotte Heinritz ist zwar schon etwas älter, verdeutlicht aber mit mehr als 800 thematisch sehr vielfältigen Einträgen gut die schon Ende der 1980er Jahre vorhandene Bandbreite der Oral History.10 Die volkskundliche Literatur zur Oral History stellt zwar quantitativ gesehen nur einen verschwindend geringen Anteil am gesamten Literaturaufkommen dar, ist aber spätestens seit den 1990er Jahren meist durch ein hohes Maß an theoretischer Diskussion gekennzeichnet, die ihren Niederschlag auch in einer Erörterung relevanter Schlüsselbegriffe der Oral History und Biographieforschung in der E nzyklop ä die des M ä rchens (EDM) gefunden hat. Eine «übergreifende, zusammenhängende Methodenlehre» existiert jedoch bis heute nicht.11

2. Oral History und biographische Methode: Ursprung, Entwicklung und Bestandsaufnahme

Aus den Vereinigten Staaten kommend, fand die Oral History Ende der 1970er Jahre in den Kultur- und Sozialwissenschaften Deutschlands, Schwedens und anderer europäischer Länder ideale Rahmenbedingungen vor.12 Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Studentenbewegung war mit den «Geschichtswerkstätten» in Deutschland eine Gegenströmung zu der vom Historismus geprägten «Geschichte von Macht und Mächten» mit ihrer vor allem auf Akten basierenden Quellenbasis entstanden, die subjektive Erinnerungszeugnisse dort als Quelle einführte, wo ein Defizit an herkömmlichen Quellen herrschte, oder diese einer Ergänzung bzw. eines anderen Blickwinkels bedurften.13 Dieses neue «demokratische Geschichtsbild» fand vor allem in der Lokal- und Regionalgeschichte Resonanz, «wo nun überprüft wurde, wie denn die großen historischen Prozesse in der vertrauten Welt des Lokalen erlebt und verarbeitet wurden».14

Ein ähnlicher Paradigmenwechsel fand auch in der Volkskunde statt, die sich nun zunehmend der Untersuchung der Alltagskultur unterer und mittlerer Sozialschichten zuwandte,15 und damit «den Abschied vom Volksleben» - so der programmatische Titel eines 1970 erschienenen Sammelbandes - vollzog.16 Im Gegensatz zu den Geschichtswissenschaften bildete Alltagskultur für die Volkskunde aber kein völlig neues Forschungsfeld, sondern «die Rückgewinnung einer verschütteten Tradition unter neuen theoretischen Perspektiven», da das alltägliche Dasein der Menschen schon seit Wilhelm Heinrich Riehl einen existentiellen Bestandteil volkskundlicher Forschung darstellte.17 Die damit bezeichneten Verhaltensweisen und geistigen und materiellen Objektivationen des Volkes wurden jedoch speziell im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert lediglich als Relikte einer im Untergang befindlichen bäuerlichen Kultur verstanden, die es durch Sammeln und Ausstellen zu dokumentieren galt.18 Dahinter stand das romantische Bild der bäuerlichen Familie als Bewahrer des Unverfälschten und Echten, das bis auf Herder und die Brüder Grimm zurückreicht und sich in der Volkskunde mit der Annahme der Kontinuität eines dauerhaften Volksgeistes manifestierte.

Die Abkehr vom Kontinuitätsgedanken bis in die germanische Zeit zurück fand endgültig erst ab Mitte der 1950er Jahre durch den maßgeblichen Einfluß der M ü nchner Schule von Hans Moser und Karl-S. Kramer statt, die durch streng quellenkritisches Vorgehen die «Ursprünglichkeits- und Ewigkeitsvorstellungen der traditionellen Volkskunde» widerlegte.19 Die erwähnte Wiedergewinnung der Alltagskultur als Perspektive und die im selben Zeitraum stattfindende Annäherung der Volkskunde an die Sozialwissenschaften hatte eine «empirische Wende» zur Folge, die sich noch in den 1970er Jahren in der Namensänderung vieler volkskundlicher Seminare niederschlug. Als Beispiel sei hier nur das T ü binger Institut f ü r Volks- und Altertumskunde genannt, das fortan unter dem Namen Ludwig-Uhland-Institut f ü r empirische Kulturwissenschaft geführt wurde. Nun fand auch die «Perspektive der Betroffenen», also eine emische Sichtweise mit der Grundannahme intersubjektiver Konstruktion von Wirklichkeit Eingang in volkskundliche Untersuchungen. Auf methodischer Ebene bedingte dieser Perspektivenwechsel vom «Untersuchungsobjekt» zum «Untersuchungssubjekt» eine kritische Neubewertung volkskundlicher Quellen und der damit verbundenen Vorgehensweisen, die beide erweiterungsbedürftig erschienen:

« Die soziale und historische Konstitution der Alltagswelt beinhaltet, da ß auch das Subjekt selbst historisch geworden, also Produkt seiner eigenen Geschichte ist. Damit stellt sich die Frage nach individueller Erfahrung und deren Rahmenbedingungen, nach Lebensl ä ufen und Lebensentw ü rfen sowie ihren jeweiligen Repr ä sentanzen im Alltag » .20

Die geeignete Quelle für individuell-subjektive Erfahrungen im Lebenslauf war vor dem Hintergrund der mittlerweile fortschreitenden Etablierung der Oral History in den Geschichtswissenschaften und der Soziologie mit der mündlich erzählten Lebensgeschichte (oder Teilen daraus) schnell gefunden. Doch wie war ein solches biographisches Dokument zu erheben, auszuwerten und zu interpretieren? Zwar hatten sich Volkskundler in der Haus-, Kleidungs-, Nahrungs-, Geräte-, Volkskunst- und Erzählforschung (um nur einige Beispiele zu nennen) von jeher mit materiellen und geistigen Objektivationen beschäftigt, die in ihrem sozialen Kontext einen inherenten biographischen Inhalt transportieren, doch wurde dieser Inhalt lange Zeit zugunsten einer Darstellung des Artefakts «an sich» vernachlässigt. Im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert beschränkte sich die Sachkulturforschung auf das Sammeln und Bewahren großer Mengen von Objekten und auf das evolutionistisch geprägte Aufzeigen von Entwicklungs- und Vergleichsreihen von den «urtümlichen Formen bis hin zur Gegenwart».21 Zur potentiell biographischen Quelle wurden Sachkulturgüter erst durch die Untersuchung ihrer Verwendung im sozialen Kontext, die in den 1930er Jahren mit der historisch-soziologisch orientierten Schwietering-Schule Einzug in die volkskundliche Sachkulturforschung hielt und mit der sogenannten «Kontextforschung» ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte.22 In ihrem sozialen Kontext wurden Dinge und Menschen untrennbar miteinander verbunden, der Gegenstand zum biographischen Indiz. Nun konnte die Erforschung materieller Kultur viel mehr leisten, als «nur» die Sachkultur vergangener Zeiten zu sammeln und zu bewahren oder Phasen des Wandels und Innovationszentren und Reliktgebiete aufzuzeigen.23 Mit diesem Perspektivenwechsel «von den kulturellen Objektivationen zu den Menschen, die diese schaffen, sich aneignen, gebrauchen und tradieren», hat die Volkskunde einen entscheidenden Schritt «in Richtung eines realitätsbezogenen Zugangs zum Alltag» vollzogen.24

Ähnliche Tendenzen lassen sich für die volkskundliche Erzählforschung aufzeigen. Mit der Beschreibung der «Viehmännin» als Gewährsperson für etwa 30 Märchen der Grimm-Sammlung hatte schon in zarten Ansätzen eine Erwähnung von biographischen Aspekten in der Märchenforschung stattgefunden. Diese wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert von Märchensammlern aufgegriffen, die nun Namen, Alter und Beruf der Erzähler festhielten und ihrem Publikum über die Editionen zugänglich machten.25 Zu einer tieferen Berücksichtigung der individuellen Biographie der Erzähler kam es jedoch nicht, da in ihnen lediglich «passive Traditionsempfänger» gesehen wurden, aus denen aufgrund ihres besonders guten Gedächtnisses mit ungebrochener Kontinuität die «wahre Vergangenheit» sprach.26

Erst mit Mark K. Azadovskijs einflußreicher Untersuchung Eine sibirische M ä rchenerz ä hlerin27 hielt «die Bedeutung des individuellen Erzählers für die Tradierung der Erzählungen» Einzug in die europäische Erzählforschung.28 Diese Entwicklung fand in der deutschsprachigen Märchenforschung in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts unter dem Schlagwort «Märchenbiologie» ihren ersten Niederschlag. Im Laufe dieses Reifungsprozesses wandte sich auch in der Märchenforschung das Untersuchungsinteresse «vom Text zum Kontext», und die inhaltlichen Motive und ihre Anordnungen traten zugunsten einer Untersuchung der Entstehungs-, Modifikations- und Tradierungsprozesse des Märchens zurück. Die logische Konsequenz dieses Paradigmenwechsels in der Märchenforschung war die Untersuchung der Träger des Märchens, also der Erzähler und ihrer Verhältnisse zu den Erzählungen und zum Erzählen selbst.29

Mit der Kontextforschung hatte sich die Märchenforschung endgültig zur Erzählforschung emanzipiert. Doch obwohl die sozialen Funktionen des Erzählvorgangs - und damit gleichzeitig die Erzähler - immer mehr in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses rückten, behinderten die «klassischen Gattungen» der Erzählforschung eine Auseinandersetzung mit «alltäglichen Erzählungen» des Volkes und somit einer wichtigen Quelle individueller Biographie. Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein gab es in der volkskundlichen Erzählforschung wenig Raum für Erzählformen jenseits von Märchen, Sage, Schwank, Legende, Mythos, Fabel etc. Dies lag auch darin begründet, daß viele Erzählforscher mit der zunehmenden Verbreitung der Massenmedien eine gleichzeitige Marginalisierung oder gar den Untergang des «volkstümlichen Erzählens» verbanden. Im Zuge dieser «fünf-vor-zwölf-Stimmung» wurde verstärkt gesammelt und dokumentiert, wodurch die progressive Entwicklung der Erzählforschung entscheidend gehemmt wurde.30

Erst unter dem maßgeblichen Einfluß Hermann Bausingers kam es zu einer langsamen Umorientierung, in deren Rahmen auch alternative Erzählformen in den Fokus volkskundlicher Erzählforschung zu rücken begannen. Bausinger hatte schon mit seiner Dissertation das «alltägliche Erzählen» thematisiert,31 und machte dieses Thema dann in den 1950er Jahren in Zeitschriftenartikeln weiter publik. 1958 erschien in der Zeitschrift Fabula ein wegweisender Beitrag mit dem Titel Strukturen des allt ä glichen Erz ä hlens,32 der allerdings noch insofern traditions-orientiert war, als daß vor allem nach einer Affinität zwischen alltäglichen Erzählungen und den «klassischen Gattungen» der Erzählforschung gefragt wurde:

« Die heutige Wirklichkeit, die Welt des Tats ä chlichen, bietet keine M ä rchen an. Aber wie Teile des M ä rchens der Wirklichkeit entstammen, so sind solche Teile auch jetzt noch immer wieder in der Wirklichkeit anzutreffen. Dabei ist nicht so sehr an einzelne Sondermotive zu denken, etwa an im Winter bl ü hende B ä ume oder an „ gebratene Enten “ , die vor einigen Jahren bei einem Gewitter, vom Blitz versengt, abgest ü rzt sein sollen. Das erinnert zwar an M ä rchenmotive, aber es ist hier nicht Motiv, es setzt keine Geschichte in Gang, sondern bleibt ein absurder Einzelfall. Eher ist zu denken an kleine Motivreihen, an Begebenheiten, die einen ü berraschend gl ü cklichen Verlauf nehmen » .33

Rudolf Schenda stellt resümierend zu dieser Entwicklung der Erzählforschung fest, durch die herkömmlichen Gattungstheorien sei «die Realität des alltäglich Erzählten in bedauerlicher Weise verfälscht» worden.34 Dennoch kann Bausingers Beschäftigung mit dem «alltäglichen Erzählen» als eine Initialzündung verstanden werden, die spätere Autoren grundlegend beeinflußt hat und nicht zuletzt dazu führte, daß die entsprechend dem Gewährsmannsprinzip bisher auf breiter Basis praktizierte Auswahl von «Erzählerpersönlichkeiten», die aus heutiger Sicht eher «untypische», da fast ausschließlich talentierte Erzähler darstellten, der Auswahl eher «durchschnittlicher» Informanten wich.35 Stellvertretend für viele andere Vertreter dieser neuen Richtung sei hier Siegfried Neumann genannt, der sich vor allem mit Arbeitserinnerungen beschäftigte und gerade in dem von vielen Autoren befürchteten Untergang der klassischen Volkserzählung eine Chance für eine Horizonterweiterung der Erzählforschung sah:

« Erst mit dem allm ä hlichen Absterben der „ klassischen “ Gattungen der Volkserz ä hlung sind die anderen, weniger k ü nstlerischen Formen, die bisher ein von der Forschung kaum beachtetes Dasein gef ü hrt haben, st ä rker in den Blickpunkt wissenschaftlichen Interesses ger ü ckt. Dazu geh ö ren vor allem die unz ä hligen, ins Gespr ä ch eingestreuten Erlebnisberichte, die zu einem erheblichen Teil von Eindr ü cken des Arbeitslebens gespeist wurden und werden. Daf ü r bedarf es keines Beweises. Jeder hat schon selbst wiederholt die Gelegenheit gehabt, solchem spontanen Austausch von Arbeitserinnerungen beizuwohnen. Aber inwieweit ist es dabei selbst dem Erz ä hlforscher bewu ß t geworden, einem folkloristischen Ph ä nomen zu begegnen, das vielleicht Aufzeichnungen lohnen k ö nnte? » .36

Seit Bausingers Schritt zum «alltäglichen Erzählen» haben sich viele Autoren verstärkt mit Erinnerungsberichten auseinandergesetzt, und eine Vielzahl biographische Aspekte enthaltender mündlicher Erzählformen haben Eingang in die Untersuchungen von Erzählforschern gefunden.37 Von einer systematischen volkskundlichen Biographieforschung kann aber erst seit den späten 1970er Jahren gesprochen werden. Auf der Grundlage des «alltäglichen Erzählens» beginnen in dieser Zeit vor allem Rudolf Schenda,38 Rolf Wilhelm Brednich39 und Albrecht Lehmann40 eine systematische und kritische Auseinandersetzung mit lebensgeschicht-lichen Erzählungen, die auch Fragen der Tradierung, Erhebung und Auswertung beinhaltet.41 Das Ergebnis dieser Entwicklung hat als «autobiographische Methode»42 bzw. «biographisches Interview»43 seinen festen Platz in der volkskundlichen Feldforschung gefunden.

Die biographische Methode der Volkskunde der ausgehenden 1970er Jahre hatte ihren Ursprung also vor allem in der volkskundlichen Erzählforschung. Dietmar Sedlaczek faßt die skizzierte Entwicklung treffend zusammen, wenn er schreibt: «Die Entwicklung verlief vom Text zum Kontext, von der Erzählerpersönlichkeit zum Alltäglichen Erzähler und vom Erzählerrepertoire zum lebensgeschichtlichen Erzählen».44

Hingegen kann die volkskundliche Verwendung der Oral History zur genannten Zeit eher auf eine Adaption aus den Geschichtswissenschaften zurückgeführt werden, die die Oral History wiederum aus den Vereinigten Staaten mit dem Ziel übernahmen, die Perspektive der Disziplin zu erweitern und damit nicht zuletzt politisch-gesellschaftlichen Strömungen der Zeit Rechnung zu tragen.45 Im folgenden Zitat aus dem Jahre 1984 wird die politische Komponente der Oral History besonders deutlich:

« Angestrebt wird eine neue Begegnung mit der Geschichte, eine Wiederentdeckung des Allt ä glichen, die Behandlung vernachl ä ssigter Bereiche und Personen. Gegen Zumutungen von oben wird die Sicht von unten gesetzt, von Interesse sind Lebenswelten und subjektive Erfahrungen anstelle allumfassender Systeme und vermeintlicher Objektivit ä t, verbunden mit der Erwartung, die Geschichtsschreibung zu ö ffnen und zu demokratisieren » .46

Wie stellen sich aber Oral History und biographische Methode heute dar, und wo liegen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in ihrer volkskundlichen Verwendung? Um es gleich vorwegzunehmen: Die Unterscheidung gestaltet sich zunehmend schwierig, und die Gemeinsamkeiten überwiegen inzwischen. Während Rolf Wilhelm Brednich in seinem Beitrag zu volkskundlichen Quellen und Methoden in dem von ihm 1994 in zweiter Auflage herausgegebenen Grundriss der Volkskunde die Unterschiede zwischen dem biographischen Interview und der Oral History noch vor allem darin sieht, daß «bei Oral History-Erhebungen bestimmte Ausschnitte oder Ereignisse der jüngeren Zeitgeschichte im Mittelpunkt der Dokumentation» stehen,47 während das biographische Interview als eine Sonderform des narrativen Interviews vollständige Lebensgeschichten erhebe,48 konstatiert er der Oral History in einem im Jahr 2000 in der Enzyklop ä die des M ä rchens erschienenen Beitrag ebenfalls eine zunehmende Tendenz zur Lebensgeschichte.49 Wenn aber die Oral History inzwischen mit der biographischen Methode den «Untersuchungsgegenstand Lebensgeschichte» teilt, dann scheint entsprechend dem wissenschaftlichen Paradigma, daß sich eine Methode am Untersuchungsgegenstand und dem Erkenntnisziel zu orientieren habe, eine Neubewertung der Vorgehensweise der Oral History angebracht, die mittlerweile auch vorgenommen worden ist. Zwar hat in der Volkskunde nie eine breite Diskussion darüber eingesetzt, wie das Instrumentarium der Oral History entsprechend dem beschriebenen Wandel modifiziert werden könnte, dennoch wurden aber die Ansätze der biographischen Methode auch seitens der Oral History adaptiert.

Eine Unterscheidung zwischen biographischer Methode und Oral History ist heute nur noch dort sinnvoll, wo thematische und zeitliche Ausschnitte der Biographie im Mittelpunkt stehen, ohne daß die Lebensgeschichte als Ganzes Eingang in die Untersuchung finden soll. Im Rahmen einer volkskundlichen Oral History-Untersuchung hat der Forscher also durchaus die Möglichkeit, zwischen einem themenzentrierten und einem totalbiographischen Ansatz (beispielsweise dem narrativen Interview) zu wählen, während hingegen die biographische Methode auch Einzelaspekte immer vor dem Hintergrund der geschlossenen Lebensgeschichte beleuchtet.50 Zu dieser Entwicklung hat möglicherweise - neben den beschriebenen Unterschieden in Ursprung und Entwicklung der biographischen Methode und der Oral History - auch die etwas unglückliche Terminologie beigetragen. Während das in der Volkskunde synonym für die biographische Methode verwendete biographische Interview schon durch die Bezeichnung eine Beschäftigung mit Biographien (und nicht Ausschnitten daraus), sowie das Erhebungsverfahren (Interview) suggeriert, läßt der Begriff der Oral History zwar auch noch eine Deutung der Quellenbasis (mündlich, historisch) zu, grenzt diese aber weder weiter ein, noch gibt er einen Hinweis auf das Erhebungsverfahren oder andere wichtige Wesensmerkmale wie beispielsweise die Erinnerungsbezogenheit der erhobenen Daten. Dennoch hat sich der Begriff «Oral History» - wohl auch in Ermangelung eines treffenden Alternativbegriffs - in der deutschsprachigen Forschung etabliert.51

Ich werde in dieser Arbeit den Terminus «mündliche Erinnerungszeugnisse» einführen und verwenden, da dieser über die Form der Daten hinaus deutlich macht, daß «oral histories» nicht einen Spiegel historischer Realität, sondern eine individuell ausgeformte Interpretation darstellen. Entsprechend der in diesem Kapitel vorgenommenen Verortungen wird fortan unter Oral History selbst ein methodisches Vorgehen verstanden, daß mittels offener Formen des Interviews, also mündlich, erlebte Geschichte erhebt und diese als Produkt individuell-subjektiver Darstellung akzeptiert und auswertet. Welche zusätzlichen Faktoren bei der Auswertung von «oral histories» noch bedeutsam sind, wird in den Kapiteln 3.2. und 3.3. noch näher erläutert werden.

Festzuhalten bleibt also, daß sowohl die biographische Methode als auch die Oral History ihre Daten mittels offener Interviewformen erheben, die dem Interviewpartner die Möglichkeit geben, «zusammenhängende Abläufe wiederzugeben», und damit auch den Kontext des Erzählten einbeziehen.52 Während zur Vorbereitung und Durchführung des Interviews selbst über die Fächergrenzen hinaus noch ein zumindest pragmatischer Konsens besteht,53 stellt sich die Auswertung und Interpretation des gewonnenen Materials schon weniger einheitlich dar und spiegelt die differierenden Forschungsparadigmen der jeweiligen Disziplinen wieder. Die Oral History ist also weniger eine Methode als ein «Forschungsbereich oder ein wissenschaftlicher Ansatz mit einer Methodenvielfalt».54 Ihren spezifischen Charakter gewinnen Oral History-Untersuchungen nicht alleine durch die Interviewform, sondern vor allem durch die Auswertung und Interpretation der gewonnenen Daten. Dabei sind eher quantitativ vorgehende Wissenschaften wie die Soziologie vor allem an der Ermittlung eines «Durchschnittswertes» interessiert,55 während für die in den meisten Fällen qualitativ arbeitende Volkskunde auch der Einzelfall durchaus Erkenntnispotential besitzt. Bezogen auf die Oral History und die biographische Methode hat dies die Konsequenz, daß in ersteren Wissenschaften bei der Auswertung der Interviews eher nach Strukturen gesucht wird, durch die eine individuell-subjektive Einzeläußerung den Status einer objektiv-zählbaren Einheit gewinnt. Die Soziologie hat dafür das Schlagwort des «Abschieds vom Subjekt» geprägt.56 Die Volkskunde hingegen sieht gerade in der Subjektivität eine Chance für sonst kaum mögliche Einblicke in die Art und Weise, wie Menschen sich in einem komplizierten und durch das «Jetzt» beeinflußten, dynamischen Prozeß ständig ihre individuell «wahre» Vergangenheit erschaffen und sich damit immer wieder eine neue Antwort auf die Frage «Wer bin ich?» geben:57

« Eine Autobiographie ist die Niederschrift eines gelebten Lebens, Kunde von einer einmaligen Existenz, Rechenschaft, Sinnsuche und Sinndeklamation, tastendes Fragen nach Zusammenh ä ngen von Welt und Ü berwelt [ … ]. Als ein ex definitionem subjektives Selbstzeugnis stellt eine Autobiographie an „ Richtigkeit “ andere Anspr ü che als eine um Sachlichkeit jedenfalls bem ü hte analytische Untersuchung. Objektive Irrt ü mer k ö nnen f ü r den Zur ü ckdenkenden die unbezweifelte Qualit ä t des Richtigen haben. Entstanden aus Episierung, aus erz ä hlerischer Ü berformung von Erlebtem, in das auch medial Rezipiertes einflie ß en kann, wird der Rohstoff des Erinnerten im Vorgang des Halbvergessens eingeschmolzen und von der Mneme umgegossen in die Form einer „ neuen “ , f ü r die jeweilige Biographie wom ö glich richtigeren „ Wahrheit “ . Hier, wo der direkte Quellenwert f ü r die Zeitgeschichte endet, erschlie ß t sich dem Kulturwissenschaftler erst ein tieferliegender. Um den abheben zu k ö nnen, war es aber

[...]


1 Stidinger, Tanja: Geburtsstunde des Haarsprays miterlebt. Zeitzeugenbörse sammelt Lebensgeschichten. Berliner Zeitung vom 09.01.1996.

2 Vgl. auch Schröder, Hans-Joachim: Die gestohlenen Jahre. Erzählgeschichten und Geschichtserzählung im Interview: Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht ehemaliger Mannschaftssoldaten. Habilitation (=Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur; 37). Tübingen 1992, S. 11.

3 Brüggemeier, Franz-Josef / Dorothee Wierling: Einführung in die Oral History. Kurseinheiten 1-3. Hagen 1986.

4 Lehmann, Albrecht: Gefangenschaft und Heimkehr. Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. München 1986.

5 So beispielsweise Schuhladen, Hans / Georg R. Schroubek: Nahe am Wasser. Eine Frau aus dem Schönhengstgau erzählt aus ihrem Leben. Eine Dokumentation zur volkskundlichen Biographieforschung (=Münchener Beiträge zur Volkskunde; 9). München 1989.

6 Brednich, Rolf Wilhelm / Hannjost Lixfeld / Dietz-Rüdiger Moser et al. (Hg.): Lebenslauf und Lebenszusammenhang. Autobiographische Materialien in der volkskundlichen Forschung. Vorträge der Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde in Freiburg i. Br. vom 16.-18. März 1981. Freiburg 1982.

7 Bönisch-Brednich, Brigitte / Rolf Wilhelm Brednich / Helge Gerndt (Hg.): Erinnern und Vergessen. Vorträge des 27. Deutschen Volkskundekongresses Göttingen 1989 (=Schriftenreihe der Volkskundlichen Kommission für Niedersachsen e.V.; 6). Göttingen 1991.

8 Hinner, Monika: Oral History als Instrument der Frauenforschung zum Nationalsozialismus. Eine kommentierte Auswahlbibliographie 1990-1996 (=ExtraInfo; 20). Berlin 1996.

9 Marotzki, Winfried (Hg.): Magdeburger Bibliographie zur Biographieforschung.
3. Auflage. Magdeburg 1998.

10 Heinritz, Charlotte: BIOLIT. Literaturüberblick aus der Biographieforschung und der Oral History 1978 - 1988. In: BIOS 1/1 (1988), S. 121-167 und BIOS 1/2 (1988), S. 103-138.

11 Geppert, Alexander: Forschungstechnik oder historische Disziplin? Methodische Probleme der Oral History. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 5 (1994), S. 319-323, hier S. 303.

12 Brednich, Rolf Wilhelm: Oral History. In: Enzyklop ä die des M ä rchens 10 (2000), S. 312-321, hier S. 314.

13 Plato, Alexander von: Erfahrungsgeschichte - von der Etablierung der Oral History. In: Gerd Jüttemann / Hans Thomae (Hg): Biographische Methoden in den Humanwissenschaften. Weinheim 1998, S. 60-74, hier S. 60ff. Vgl. auch Klingenstein, Grete (Hg.): Biographie und Geschichtswissenschaft. Aufsätze zur Theorie und Praxis biographischer Arbeit. Wien 1970.

14 Schmoll, Friedemann: Einleitung. In: Wolfgang Sannwald (Hg.): Erlebte Dinge, erinnerte Geschichte. Soziale Geschichtsprojekte, Oral History und Alltagsgeschichte in der Diskussion. Dokumentation einer Tagung des Landkreises Tübingen und des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Sozialordnung Baden-Württemberg. Gomaringen 1995, S. 2-4, hier S. 3.

15 Jeggle, Utz: Alltag. In: Hermann Bausinger/ Utz Jeggle / Gottfried Korff et al. (Hg.): Grundzüge der Volkskunde (=Grundzüge; 34). Darmstadt 1978, S. 81-126, hier S.90ff. «Alltag» stellt neben «Kultur» das wohl bedeutendste und zugleich komplexeste Konzept der Volkskunde dar. Eine Diskussion des Alltagskonzeptes der Volkskunde würde an dieser Stelle zu weit führen. Wie problematisch schon der Begriff «Alltag» ist, zeigt Norbert Elias in einem vielzitierten Aufsatz: Elias, Norbert: Zum Begriff des Alltags. In: K ö lner Zeitschrift f ü r Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 20, S. 20-29. Elias verdeutlicht die Schwierigkeit, dem Alltag definitorisch gerecht zu werden, indem er acht unterschiedliche, aber gleichermaßen plausible Definitionen von Alltag nebeneinanderstellt. Vgl. hierzu auch Lipp, Carola: Alltagskulturforschung im Grenzbereich von Volkskunde, Soziologie und Geschichte. Aufstieg und Niedergang eines interdisziplinären Forschungskonzepts. In: Zeitschrift f ü r Volkskunde 89 (1993), S. 1-33.

16 Geiger, Klaus / Utz Jeggle / Gottfried Korff (Hg.): Abschied vom Volksleben. Tübingen 1970. Auf einer für die Fachgeschichte der Volkskunde bedeutsamen Tagung wird 1970 in Falkenberg vor allem von jüngeren Fachvertretern des akademischen Mittelbaus die Abkehr von einem ideologischen Verständnis von «Volk», die damit verbundene Aufarbeitung der Fachgeschichte und die Hinwendung zu gegenwärtigen sozialen Vorgängen und aktuellen politischen Problemen gefordert. Vgl. Brückner, Wolfgang (Hg.): Falkensteiner Protokolle. Frankfurt/Main 1971.

17 Lipp, Carola: Alltagskulturforschung in der empirischen Kulturwissenschaft und Volkskunde. In: Berliner Geschichtswerkstatt (Hg.): Alltagskultur, Subjektivität und Geschichte. Zur Theorie und Praxis von Alltagsgeschichte. Münster 1994, S. 78-93, hier S. 78.

18 Ebd.

19 Jeggle, Utz: Volkskunde im 20. Jahrhundert. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 2. Auflage. Berlin 1988, S. 51-72, hier S. 66.

20 Lipp, Carola: Alltagskulturforschung in der empirischen Kulturwissenschaft und Volkskunde. In: Berliner Geschichtswerkstatt (Hg.): Alltagskultur, Subjektivität und Geschichte. Zur Theorie und Praxis von Alltagsgeschichte. Münster 1994, S. 78-93, hier S. 86.

21 Weber-Kellermann, Ingeborg / Andreas C. Bimmer: Einführung in die Volkskunde / Europäische Ethnologie. Eine Wissenschaftsgeschichte. Zweite Auflage (=Realien zur Literatur; 79). Stuttgart 1985, S. 63.

22 Mohrmann, Ruth-E.:Wohnen und Wirtschaften. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 2. Auflage. Berlin 1994, S. 123-143, hier S. 129; — Sedlaczek, Dietmar : Von der Erzählerpersönlichkeit zum Alltäglichen Erzähler. Stationen der volkskundlichen Erzählforschung. In: Fabula 38/1-2 (1997), S. 82-100, hier S. 90.

23 Wiegelmann, Günther / Matthias Zender / Gerhard Heilfurth: Volkskunde. Eine Einführung (=Grundlagen der Germanistik; 12). Berlin 1977, S.100ff.

24 Lehmann, Klaus: "Organisieren". Über Erzählen aus der Kriegs- und Nachkriegszeit. In: Der Deutschunterricht 39/6 (1987), S. 51-63. Hier S. 52.

25 Dégh, Linda: Biologie des Erzählguts. In: Enz yklop ä die des M ä rchens 2 (1979), S. 386-406, hier S. 391.

26 Dégh, Linda: Erzählen, Erzähler. In: Enzy klop ä die des M ä rchens 4 (1984), S. 315-342, hier S. 320f.

27 Azadovskij, Mark K.: Eine sibirische Märchenerzählerin (=Folklore Fellows Communications; 68). Helsinki 1926.

28 Sedlaczek, Dietmar: Von der Erzählerpersönlichkeit zum Alltäglichen Erzähler. Stationen der volkskundlichen Erzählforschung. In: Fabula 38/1-2 (1997), S 82-100, hier S. 83.

29 Lüthi, Max: Märchen. Siebente Auflage (=Sammlung Metzler; 16). Stuttgart 1979, S. 83.

30 Tolksdorf, Ulrich: Eine Ostpreussische Volkserzählerin. Geschichten - Geschichte -Lebensgeschichte (=Schriftenreihe der Kommission für ostdeutsche Volkskunde in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde e.V.; 23). Marburg 1980, S. 15.

31 Bausinger, Hermann: Lebendiges Erzählen. Studien über das Leben volkstümlichen Erzählgutes auf Grund von Untersuchungen im nordöstlichen Württemberg. Dissertation. Tübingen 1952. Vgl. auch Neumann, Siegfried: Arbeitserinnerungen als Erzählinhalt. In: Gerhard Heilfurth / Ingeborg Weber-Kellermann (Hg.): Arbeit und Volksleben. Deutscher Volkskundekongreß 1965 in Marburg (=Veröffentlichungen des Instituts für mitteleuropäische Volksforschung an der Philipps-Universität MarburgLahn; 4). Göttingen 1967, S. 274-284, hier S. 274.

32 Bausinger, Hermann: Strukturen des alltäglichen Erzählens. In: Fabula 1 (1958), S. 239-254.

33 Ebd., S. 242. Zur Affinität zwischen dem «klassischen Kanon» der Erzählforschung und Bausingers Konzept des «alltäglichen Erzählens» vgl. auch Schröder, Hans Joachim: Die gestohlenen Jahre. Erzählgeschichten und Geschichtserzählung im Interview: Der Zweite Weltkrieg aus der Sicht ehemaliger Mannschaftssoldaten. Habilitation (=Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur; 37). Tübingen 1992, S. 132. Vgl. auch Michel, Gabriele: Biographisches Erzählen - zwischen individuellem Erlebnis und kollektiver Geschichtentradition. Untersuchung typischer Erzählfiguren, ihrer sprachlichen Form und ihrer interaktiven und identitätskonstituierenden Funktion in Geschichten und Lebensgeschichten. Dissertation (=Reihe germanistische Linguistik; 62). Tübingen 1985, S. 76.

34 Schenda, Rudolf: Folkloristik und Sozialgeschichte. In: Rolf Kloepfer / Gisela Janetzke-Dillner (Hg.): Erzählung und Erzählforschung im 20. Jahrhundert. Tagungsbeiträge eines Symposiuns der Alexander-von-Humboldt-Stiftung Bonn-Bad Godesberg, veranstaltet vom 9. - 14. September 1980 in Ludwigsburg. Stuttgart 1981, S. 441-448, hier S. 441.

35 Löffler, Klara: Zurechtgerückt. Der Zweite Weltkrieg als biographischer Stoff. Dissertation. Berlin 1999, S. 82; — Lehmann, Albrecht: Erzählstruktur und Lebenslauf: autobiographische Untersuchungen. Habilitation. Frankfurt/Main, New York 1983, S. 33. Gleichzeitig hatte das Gewährsmannsprinzip in der Märchenforschung auch eine Trennung in überlieferungswürdige und nicht-überlieferungswürdige Gewährspersonen zur Folge. Vgl. hierzu auch Brednich, Rolf Wilhelm: Zur Anwendung der biographischen Methode in der volkskundlichen Feldforschung. In: Jahrbuch f ü r ostdeutsche Volkskunde 22 (1979), S. 279-329, hier S. 279.; — Lehmann, Albrecht: Rechtfertigungsgeschichten. Über eine Funktion des Erzählens eigener Erlebnisse im Alltag. In: Fabula 21 (1980), S. 56-69, hier S. 56.

36 Neumann, Siegfried : Arbeitserinnerungen als Erzählinhalt. In: Gerhard Heilfurth / Ingeborg Weber-Kellermann (Hg.): Arbeit und Volksleben. Deutscher Volkskundekongreß 1965 in Marburg (=Veröffentlichungen des Instituts für mitteleuropäische Volksforschung an der Philipps-Universität Marburg-Lahn; 4). Göttingen 1967, S. 274-284, hier S. 274; — Röhrich, Lutz: Erzählforschung. In: Rolf Wilhelm Brednich (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 2. Auflage. Berlin 1994, S. 422.

37 Sedlaczek, Dietmar: Von der Erzählerpersönlichkeit zum Alltäglichen Erzähler. Stationen der volkskundlichen Erzählforschung. In: Fabula 38/1-2 (1997), S. 82-100, hier S. 89.

38 Schenda, Rudolf: Autobiographen erzählen Geschichten. In: Zeitschrift f ü r Volkskunde 77 (1981), S. 67-87; — Ders.: Folkloristik und Sozialgeschichte. In: Rolf Kloepfer / Gisela Janetzke-Dillner (Hg.): Erzählung und Erzählforschung im 20. Jahrhundert. Tagungsbeiträge eines Symposiuns der Alexander-von-Humboldt-Stiftung Bonn-Bad Godesberg, veranstaltet vom 9. - 14. September 1980 in Ludwigsburg. Stuttgart 1981, S. 441-448.

39 Brednich, Rolf Wilhelm: Projekt Saskatchewan. Neue Aufgaben und Methoden volkskundlicher Empirie. In: Zeitschrift f ü r Volkskunde 73 (1977), S. 24-41; — Ders.: Zur Anwendung der biographischen Methode in der volkskundlichen Feldforschung. In: Jahrbuch f ü r ostdeutsche Volkskunde 22 (1979), S. 278-329.

40 Lehmann, Albrecht: Erzählstruktur und Lebenslauf : autobiographische Untersuchungen. Habilitation. Frankfurt/Main, New York 1983; — Ders.: Autobiographische Erhebungen in den sozialen Unterschichten. Gedanken zu einer Methode der empirischen Forschung. In: Zeitschrift f ü r Volkskunde 73 (1977), S. 161-180; — Ders.: Erzählen eigener Erlebnisse im Alltag. Tatbestände, Situationen, Funktionen. In: Zeitschrift f ü r Volkskunde 74 (1978), S. 198-215.

41 Schenda, Rudolf: Tendenzen der aktuellen volkskundlichen Erzählforschung im deutschsprachigen Raum. In: Isac Chiva / Utz Jeggle (Hg.): Deutsche Volkskunde -Französische Ethnologie. Zwei Standortbestimmungen. Frankfurt/Main 1987, S. 271-291, hier S. 280f.

42 Rennenberg, Angela von: Die autobiographische Methode. Geschichte, Methoden und Probleme. Unveröffentlichte Magisterarbeit. Bonn 1987.

43 Brednich, Rolf Wilhelm: Quellen und Methoden. In: Ders. (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. 2. Auflage. Berlin 1994, S. 73-95, hier S. 86f.

44 Sedlaczek, Dietmar: Von der Erzählerpersönlichkeit zum Alltäglichen Erzähler. Stationen der volkskundlichen Erzählforschung. In: Fabula 38/1-2 (1997), S. 82-100, hier S. 83.

45 Müller, Günter: Sammlungen autobiographischer Materialien in Österreich. In: Thomas Winkelbauer (Hg.): Vom Lebenslauf zur Biographie. Geschichte, Quellen und Probleme der historischen Biographik und Autobiographik. Referate der Tagung «Vom Lebenslauf zur Biographie» am 26. Oktober 1997 in Horn (=Schriftenreihe des Waldviertler Heimatbundes; 40). Waidhofen/Thaya 2000, S. 169-204, hier S.176; — Plato, Alexander von: Erfahrungsgeschichte - von der Etablierung der Oral History. In: Gerd Jüttemann / Hans Thomae (Hg.): Biographische Methoden in den Humanwissenschaften. Weinheim 1998, S. 60-74, hier S. 61, 65.

46 Brüggemeier, Franz-Josef / Dorothee Wierling: Einführung in die Oral History. Kurseinheit 1: Alltag und Erinnerung. Hagen 1986, S. 3.

47 Brednich, Rolf Wilhelm: Quellen und Methoden. In: Ders. (Hg.): Grundriss der Volkskunde. Einführung in die Forschungsfelder der Europäischen Ethnologie. Zweite Auflage. Berlin 1994, S. 73-95, hier S. 88.

48 Ebd., S. 86f.

49 Brednich, Rolf Wilhelm: Oral History. In: Ezyklop ä die des M ä rchens 10 (2000), S. 312-321, hier S. 319.

50 Vgl. beispielsweise auch den variierenden Gebrauch des Begriffes «Oral History» in dem Sammelband: Kastner, Dieter (Hg.): Mündliche Geschichte im Rheinland (=Archivhefte der Archivberatungsstelle des Landschaftsverbands Rheinland; 22). Köln 1991.

51 Schwender, Clemens: Früher haben wir die Anleitungen nebenbei gemacht...: Ansätze zu einer Oral History der technischen Dokumentation (=Technical Writing; 2). Frankfurt/Main, New York 1993, S. 10.

52 Brüggemeier, Franz-Josef: Aneignung vergangener Wirklichkeit - Der Beitrag der Oral History. In: Wolfgang Voges (Hg.): Methoden der Biographie- und Lebensraumforschung (=Biographie und Gesellschaft; 1). Opladen 1987, S. 145-169, hier S. 149.

53 Ebd., S. 153.

54 Heidrich, Hermann: Einleitung. Versuch über die Vermenschlichung der Dinge. In: Ders. (Hg.): Biographieforschung. Gesammelte Aufsätze der Tagung des Fränkischen Freilandmuseums am 12. und 13. Oktober 1990 (=Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseum; 14). Bad Windsheim 1991, S. 7-16, hier S. 10.

55 Bude, Heinz: Rekonstruktion von Lebenskonstruktionen - eine Antwort auf die Frage, was die Biographieforschung bringt. In: Martin Kohli / Günther Robert (Hg.): Biographie und soziale Wirklichkeit. Stuttgart 1984. S. 7-28, hier S. 22f.

56 Vgl. Alheit, Peter: Biographizität als Struktur. In: Ders. / Bettina Dausien / Andreas Hanses et al.: Biographische Konstruktionen. Beiträge zur Biographieforschung (=Werkstattberichte des Forschungsschwerpunkts Arbeit und Bildung der Universität Bremen; 19). Bremen 1992, S. 10-36, hier S. 14.

57 Keller, Barbara: Rekonstruktion von Vergangenheit. Vom Umgang der "Kriegsgeneration" mit Lebenserinnerungen. Dissertation. Opladen 1996, S. 50; — Bories-Sawala, Helga: Erinnerung - Göttin, Liebesdienerin, Kronzeugin? Zum Stand der Oral History in Europa. In: Francia 24/3 (1997), S. 117-132, hier S.122.

Details

Seiten
83
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638451116
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48384
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Volkskundliches Seminar
Note
Sehr gut (1,0)
Schlagworte
Verborgene Welten Bedeutung Oral History Volkskunde

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Titel: Verborgene Welten - Zur Bedeutung der Oral History für die Volkskunde