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Revitalisierung eines Zechenstandorts

von Sebastian Scheiwe (Autor) Sebastian Axmann (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 33 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

1. Einleitung

2. Zielsetzung und Aufbau der Seminararbeit

3. Die Geschichte des Bergwerks Ewald in Herten

4. Lage und verkehrliche Anbindung des Plangebietes

5. Struktur des Projektes – Die drei künftigen Bausteine auf Ewald
5.1. Stadtbildprägende, historische Gebäude
5.2. Große, zusammenhängende Industrie- und Gewerbeflächen
5.3 Landschaftspark Emscherbruch

6. Themenschwerpunkte des Projektes
6.1. Das Wasserstoff-Kompetenzzenrum-H2 Herten
6.2. Last Mile Logistik
6.3. Qualifizierung und Bildung
6.4. Kulturevents
6.5. Mountainbiking

7. Nutzungskonzept „Projekt-Ewald“

8. Das Modell der „Landschichten“ von Cino Zucchi, Halfmann und Köster
8.1. Landschicht traffic
8.2. Landschicht green & housing
8.3. Landschicht history
8.4. Landschicht water
8.5. Landschicht Büro & Service
8.6. Landschicht valley
8.7. Landschicht industry

9. Realisierung der Planung
9.1. Die äußere Erschließung des Ewald-Geländes
9.2. Denkmalgeschützte Gebäudegruppen

10. Finanzierung und Organisation des Projektes

11. Ein Zeiger eröffnet neue Horizonte – Der Landschaftspark Emscherbrch

12. Schlussbetrachtung und Ausblick

13. Quellenverzeichnis

14. Verzeichnis der Abbildungen

Anhang

1. Einleitung

Im südlichen Teil des Ruhrgebiets sind der Rückzug der Montanindustrie und die daraus resultierende Umstrukturierung dieser Standorte größtenteils abgeschlossen. Etwas anders stellt sich die Lage in der (problematischen) Emscher Zone dar, so dass auch die Stadt Herten mit rund 67.000 Einwohnern diesen Prozess in der Zukunft bewältigen muss.

Mit der Stilllegung des Bergwerks Ewald mit den Schachtanlagen 1/2/7 im Süden der Stadt Herten zum 30. April 2000 endet eine fast 130jährige Bergbautradition und die Stadt verliert ihren größten Arbeitgeber. Der Rückzug des Bergbaus, der viele Jahrzehnte die Entwicklung Hertens entscheidend prägte, steht die Stadt nunmehr vor der Herausforderung, neue wirtschaftliche Entwicklungsimpulse zu schaffen.

Die Schließung einer der produktivsten Zechen des Ruhrgebiets mit ehemals rund 5.000 Bergleuten vor den Toren des südlichen Stadtgebietes soll aber auch ein Neubeginn und eine Zukunftschance für die Stadt und das gesamte Ruhrgebiet bedeuten: Ziel ist es, einen Standtort zu schaffen, der die Ansiedlung von dienstleistungsorientierten, gewerblichen sowie industriellen Unternehmen ermöglicht und auf diese Weise mindestens 1.000 Arbeitsplätze am Standort entstehen lässt. Um die städtebaulichen Rahmenbedingungen für die künftige Nutzung zu präzisieren, wurde vom 19. bis 25. Januar 2002 eine „Internationale Entwurfswerkstatt Projekt - Ewald“ in der ehemaligen Schwarzkaue der Zeche durchgeführt. Insgesamt legten an dieser offen gehaltener Veranstaltung, die sich zahlreicher interessierter Besucher erfreute, vier internationale Planungsteams ihre Gestaltungsideen vor. Das Ergebnis dieser einwöchigen Entwurfswerkstatt und somit die Grundlage für die weiteren Planungen im Rahmen dieses Projektes war die Konzeption „Landschichten“ des Teams 4 – bestehend aus Cino Zucchi (Mailand) mit Martin Halfmann (Köln) und Peter Köster (Hamburg). Somit bildet dieser von einer Empfehlungskommission überarbeitete Masterplan die Grundlage für den Entwurf des Bebauungsplans Nr. 170 Projekt – Ewald. Die Aufstellung des Bebauungsplanes hat der Rat der Stadt Herten am 30. Januar 2002 beschlossen und zugleich die planungsrechtlichen Voraussetzungen für die Weiterentwicklung des Standortes geschaffen. Rund drei Jahre zuvor wurde die Projektgemeinschaft Ewald – bestehend aus der Stadt Herten und der Montan-Grundstücksgesellschaft mbH (MGG) Essen – ins Leben gerufen. Eine weitere Besonderheit im diesem Planungsprozess ist auch das eigens eingerichtete Projektbüro Ewald, das direkt vor Ort die Durchführung der Aufbereitungs- und Sanierungsarbeiten und die Koordination der einzelnen Planungsbausteine wahrnimmt.

Diese kurze Einführung in diese Seminararbeit lässt bereits die unterschiedlichen Schwerpunkte und Besonderheiten bei der Planung zur Reaktivierung einer großen Zechenbrache im Süden der Stadt Herten erkennen, und gibt einige Hinweise darauf, womit wir uns in den einzelnen Kapiteln dieser Arbeit auseinandersetzen und das Projekt – Ewald etwas näher bringen möchten.

2. Zielsetzung und Aufbau der Seminararbeit

Nicht zuletzt aufgrund ihrer oftmals zentralen Lage und der bereits bestehenden Erschließung weisen die brachgefallenden Industrieflächen hohe Standortpotenziale für eine zukünftige Nutzung dieser Flächen auf.

Das Ziel dieser Seminararbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung „Planungsinstrumente und Planungspraxis“ unter der Leitung von Prof. Dr. Butzin und Prof. Dr. Noll ist es, die Nachfolgenutzung des Zechenstandortes Ewald – ehemals eine der produktivsten Zechen Europas - in Herten näher zu bringen.

Unser Erkenntnisinteresse im Rahmen dieser Seminararbeit lässt sich dabei in insgesamt fünf Abschnitte einteilen, was aber nicht gleichbedeutend mit dem Aufbau ist:

- Was wird auf dem Gelände der ehemalige Zeche Ewald überhaupt geplant?
- In welchem Projektstadium befindet sich die Realisierung zum aktuellen Zeitpunkt?
- Wie ist das Projekt organisiert und strukturiert – wer sind dabei die beteiligten Akteure?
- Wie sind diese bei der Planung vorgegangen?

Da sich das „Projekt – Ewald“ im Übergang – soviel muss an dieser Stelle vorweggenommen werden – von der Planungs- zur Realisierungsphase befindet, liegen zum aktuellen Zeitpunkt noch keine einschlägigen Quellen zur dieser Thematik vor. Eine wesentliche Stütze dieser Seminararbeit sind zum einen zahlreiche Presseinformationen der Herterner Tageszeitungen sowie der örtlichen Pressestelle und zum anderen Informationen, die von den Projektleitern und weiteren Mitarbeiten des Projektbüros Ewald - an dieser Stelle herzlichen Dank - entweder in schriftlicher oder mündlicher Auskunft erteilt wurden. Sehr hilfreich für diese „Operation am offenen Herzen“ sind die Begründungen zum erstellten Bebauungsplan Nr. 170 Teil A „Projekt – Ewald“ sowie die Broschüre der Internationalen Entwurfswerkstatt.

In einer Diplomarbeit an der Fakultät für Raumplanung der Universität Dortmund hat sich 1999 Claudia Gold mit der Revitalisierung des Bergwerks Ewald in Herten auseinandergesetzt. Zwar war zu diesem Zeitpunkt die Nachfolgenutzung des Geländes noch nicht geklärt, doch liefert diese Arbeit neben der allgemeinen Thematik zur Brachflächen auch Nutzungsszenarien für die künftige Entwicklung dieses Standortes. Ferner wird von Ihr sowohl eine Makrostandanalyse für die Stadt Herten als auch eine Mikrostandanalyse Ewald durchgeführt. Leider können von uns aus Zeit- und Kapazitätsgründen diese entwickelten Szenarien und andere durchaus interessante Aspekte nur schemenhaft oder gar nicht aufgegriffen werden. Ebenfalls unberücksichtigt bleiben in dieser Arbeit die Konzepte der drei anderen Planungsteams, die an der Entwurfswerkstatt teilgenommen haben. Diese sind in einer Broschüre, die alle Ergebnisse der 2002 durchgeführten Veranstaltung anhand von Plänen und Modellen dargestellt zu finden.

3. Die Geschichte des Bergwerks Ewald in Herten

Setzt man sich mit der Folgenutzung einer Zechenbrache auseinander und stellt das Konzept für eine solche Nutzung vor, sollte aus unserer Sicht auch ein Schritt zurückgegangen werden und somit die wechselvolle Geschichte einer großen Zeche des Ruhrgebiets in ihren wesentlichen Zügen dargestellt werden.

Die Geschichte der rund 130jährigen Bergbautradition in Herten begann am 15.März 1871: „Nachdem die Essener Bohrgesellschaft unter der Leitung von Wilhelm Hagedorn an verschiedenen Stellen im Süden des Dorfes Herten und in der Gemeinde Resse in etwa 120 Lachter (=etwa 240 m) Tiefe Steinkohlevorkommen festgestellt hatte, erwarb dieser in den Jahren 1870/71 die fünf Grubenfelder Professor, Augusta, Emilie, Gottfried und Jobst mit dem Ziel, ein Steinkohlebergwerk in der Hertener Mark zu errichten (Geschichtskreis Ewald, Festschrift zur 125-Jahr-Feier am 29 . Juni 1997). Die Anfänge des Bergwerksunternehmens im Hertener Süden gehen auf den 14. November 1871 zurück: Von den Essener Gewerken Ewald Hilger (Namensgeber) , Wilhelm Hagedorn, Hugo Honigmann, Wilhelm Schürenberg und Karl Heyden wurde die Gewerkschaft Ewald zu Herten gegründet. Nach der Rodung des Baumbestandes wurde im März 1872 ein hölzernes Blockgerüst mit zwei Häspeln aufgestellt und im selben Monat mit den ersten Abteufarbeiten begonnen (Schacht 1 Hilger) – bei 297 m traf man auf das erste Steinkohlegebirge. Das erste abbauwürdige Flöz wurde jedoch erst vier Jahre später in 464 m Teufe erreicht. Dieser erste Schacht bildete zehn Jahre lang die Grundlage für den Betrieb der Zeche bevor 1892 die Förderung auch in einem zweiten Schacht (Schacht Hagedorn) aufgenommen wurde. Auch wenn im ersten Jahr rund 24.000 Tonnen Kohle von 210 Bergleuten an Tageslicht gebracht wurden, waren die Anfänge auf Ewald von schwierigen Lagerungsverhältnissen sowie Rückschlägen durch Wassereinbrüche gekennzeichnet. Im Jahr 1895 wurde in Gelsenkirchen - Resse die Doppelschachtanlage Ewald 3 / 4 fertig gestellt, die zwei Jahre später eine selbständige Anlage wird. Zwischen 1907 und 1911 beginnen die Teufarbeiten in den Schächten 5 bzw. 6. 1935 kommt es zur Verschmelzung der bisherigen Gewerkschaften Ewald und König Ludwig und Gründung der Bergbau-AG Ewald-König Ludwig. Auch während des 2. Weltkrieges wurde auf Ewald Kohle gefördert: die 1941 begonnenen Abteufarbeiten für Schacht 7 von der 700 m Sohle wurden erst 1949 über Tage fortgesetzt. Der bestehende Name der Gesellschaft wurde im November 1959 in Ewald-Kohle AG geändert. Wie die meisten Zechen im Ruhrgebiet ging 1969 auch die Ewald-Kohle AG in die neugegründete Ruhrkohle AG (RAG) ein und bekam in den folgenden Jahren das Kohlefeld der Zeche Bismarck in Gelsenkirchen zugesprochen, das dort aus Rentabilitätskosten nicht mehr gehalten werden konnte. Bis auf ein schweres Grubenunglück 1974, bei dem sieben Bergleute tödlich verunglückten, verliefen die 70er Jahre für die Zeche relativ ruhig. Nennenswert ist die Inbetriebnahme zweier 45 m hoher Kohlebunker 1973 sowie der Zusammenschluss der Bergwerke Ewald und Recklinghausen zum Verbundbergwerk Ewald/Recklinghausen. Der Kippbeginn für die riesige Halde Hoppenbruch – eine der größten in Europa – deren Krone heute eine Windkraftanlage ziert, war das Jahr 1978. Bis zur ihrer Fertigstellung 1991 wurden insgesamt rund 32 Millionen Tonnen Bergematerial abgeladen. Durch den Verbund mit der Zeche Schlägel & Eisen 1989 und 1997 mit der Zeche Hugo in Gelsenkirchen konnte aber das Ende der Förderung auf Ewald nicht vermieden werden: Am 28. April 2000 wurde das letzte Kohlegefäß aus Schacht 7 gezogen und zum 30. April 2000 wird das Bergwerk Ewald/Hugo stillgelegt. Damit endet eine rund 130jährige Bergbautradition in Herten und rund 5.300 Arbeitsplätze fallen mit der Stilllegung weg.

Abb. 1: Gesamtbelegschaft im Bergwerk Ewald/Hugo vor der Stilllegung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle Gold, C. 1999, S. 80.

Abb. 2: Am 28. April 2000 ging in Herten eine fast 130jährige Bergbautradition zu Ende

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Expose Projektgemeinschaft Ewald 1/2/7, 2002

4. Lage und verkehrliche Anbindung des Plangebietes

Das Plangebiet Ewald 1/2/7 befindet sich im Wirtschaftsraum „Nördliches Ruhegebiet“ an den Grenzen der Stadt Herten, zu Recklinghausen und Gelsenkirchen. Begrenzt wird das ehemalige Zechengelände im Norden durch die BAB 2, im Osten durch die Bergehalde Hoheward, südlich durch den Radweg Emscherpark und die Halde Hoppebruch, im Westen durch die Ewaldstraße (L644). Die verkehrliche Anbindung ist somit als außerordentlich gut zu bewerten, im direkten Umfeld befinden sich nördlich die BAB 2 Antwerpen-Berlin (1,2km entfernt), östlich die BAB 43 Münster Wuppertal in 3km Entfernung, sowie im Süden die BAB 42 Duisburg-Dortmund (2,5km) (Begründung zum Bebauungsplan Nr. 170 , S. 4). Zudem befindet sich der Rhein-Herne-Kanal in nur zwei Kilometern Entfernung, mit Düsseldorf (60km) und Dortmund (35km) sind zwei Flughäfen in weniger als einer Stunde Fahrzeit zu erreichen. Weiter kennzeichnet sich das Plangebiet durch eine zentrale Lage in NRW, das mit seine 18,5 Millionen Einwohnern einen günstigen Absatzmarkt für Unternehmen darstellt (Präsentation Projektgemeinschaft Ewald, 2003, Folie 3). Insgesamt bietet der ehemalige Zechenstandort Ewald 1/2/7 über 50ha Fläche für neue Ansiedlungen (Begründung zum Bebauungsplan Nr. 170 , S. 1).

Abb. 3: Lage und Verkehrsanbindung der Projektfläche Ewald 1/2/7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Expose Projektgemeinschaft Ewald 1/2/7, 2002.

5. Struktur des Projektes – Die drei künftigen Bausteine auf Ewald

Zweifelsohne besitzt der ehemalige Zechenstandort „Ewald 1/2/7“ eine Vielzahl an ausgeprägten Qualitäten: Die bereits zuvor beschriebene, sehr leichte Zugänglichkeit sowie die günstige Lage im geographischen Kontext, spielen dabei genauso eine tragende Rolle, wie das beachtliche Erbe der Zeche mit ihren räumlichen Möglichkeiten. Damit die Umstrukturierung der ehemaligen Zeche Ewald planvoll verläuft, wurde auf eine klare Struktur bei der Entwicklung wert gelegt. Als Leitfaden hierfür wurden drei zentrale Bausteine vorgegeben, die die künftige Planung bestimmen sollten:

[...]

Details

Seiten
33
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638450423
ISBN (Buch)
9783638677257
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48296
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1,7
Schlagworte
Revitalisierung Zechenstandorts Planungsinstrumente Projektpraxis

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