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Cash-Management und Liquiditätsrisikosteuerung

Seminararbeit 2001 27 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Cash Management und Liquiditätsrisikosteuerung

I. Begriffsbestimmungen
1. Cash Management
2. Liquidität und Liquiditätsrisiko

II. Notwendigkeit, Aufgaben und Ziele des Cash Managements
1. Qualitative Bedeutung liquider Mittel
2. Quantitative Bedeutung liquider Mittel
a Herkunft der liquiden Mittel
b Liquiditätsplanung
3. Aufgaben und Ziele des Cash Managements

III. Besonderheiten des Cash Managements in Konzernen
1. Das Konzept des Cash Pooling
2. Kritische Würdigung

IV. Liquiditätsrisiken
1. Liquiditätswirksame Erfolgsrisiken
2. Fristigkeitsrisiken
a Refinanzierungsrisiko
b Terminrisiko
c Abrufrisiko
3. Liquiditätsrisikosteuerung

V. Schlussbemerkungen

Quellenverzeichnis

I. Begriffsbestimmungen

Zu Beginn dieser Arbeit soll eine kurze Einleitung mit Begriffsbestimmungen stehen. Dabei sollen die Begriffe Cash Management und Liquidität respektive Liquiditätsrisiko, die auch Titel der Arbeit sind, näher erläutert werden.

1. Cash Management

Zunächst wird auf den Begriff des Cash Managements eingegangen. Zur besseren Verdeutlichung und Differenzierung soll folgende Abbildung dienlich sein.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Begriff des Cash Managements erhält aber je nach Auffassung des Autors einen subjektiven Beigeschmack. Zum Teil können die verschiedenen Definitionen in der Literatur auch erheblich auseinanderlaufen. Laut dieser Abbildung bildet das Cash Management zusammen mit dem Credit Management und dem Inventory Management die Hauptbestandteile des Working Capital Managements.

Allgemein können mit dem Begriff des Cash Managements sämtliche Aktivitäten beschrieben werden, die auf die Anlage überschüssiger liquider Mittel ausgerichtet sind. Überschüssige liquide Mittel sind diejenigen Mittel, die über den gehaltenen Bestand an liquiden Mitteln hinausgehen, um die täglichen Zahlungsmittelforderungen zu befriedigen und den Sicherheitsbestand übersteigen.

Als Nächstes wird auf die nähere Erläuterung der Begriffe Liquidität und Liquiditätsrisiko tiefer eingegangen.

2. Liquidität und Liquiditätsrisiko

Allgemein wird unter Liquidität die Fähigkeit eines Unternehmens verstanden, allen fällig gewordenen Zahlungsverpflichtungen jederzeit termingerecht nachkommen zu können.[2] Die Liquidität stellt eine fundamentale Existenzbedingung für jede Unternehmung dar, die zu jedem Zeitpunkt auch kurzfristig gesichert sein muss.[3] Wenn die Sicherung der Liquidität nicht gewährleistet sein sollte, wäre Illiquidität die Konsequenz daraus. Dies wiederum hätte den Konkurs des Unternehmens zur Folge. Die gerade vorgestellte Auffassung des Liquiditätsbegriffs kann man auch als subjektbezogenen Liquiditätsbegriff bezeichnen. Demgegenüber gibt es in der Literatur auch den objektbezogenen Liquiditätsbegriff, der auf die Eigenschaft von Vermögensgütern abstellt, den gesetzlich anerkannten Zahlungsmitteln mehr oder weniger nahe zu stehen. Dafür hat sich der Ausdruck Liquidierbarkeit durchgesetzt. Dabei wurde auch eine Klassifizierung von Vermögenswerten vorgenommen. Aktiva, die unmittelbar zur Auszahlung bereitstehen, werden demnach als Primärliquidität bezeichnet. Als Sekundärliquidität werden diejenigen Aktiva bezeichnet, die zwar verlustfrei veräußert werden können, aber aufgrund von Transaktions- oder Zinskosten damit Kosten verbunden sind. Bei der

sogenannten Tertiärliquidität besteht die Gefahr, bei der Liquidation einen Verlust zu erleiden. Im Folgenden wird beim Gebrauch des Begriffs der Liquidität allerdings auf den subjektbezogenen Liquiditätsbegriff abgestellt.[4]

Das Liquiditätsrisiko bezeichnet demzufolge, legt man den subjektbezogenen Liquiditätsbegriff zugrunde, die Gefährdung der Zahlungsfähigkeit der Unternehmung. Der Begriff des Risikos lässt sich allgemein definieren als die Gefahr einer Fehlentscheidung mit der Folge eines Schadens. Charakteristisch für das Vorliegen eines Risikos ist ein Mangel an Informationen über zukünftige Ereignisse bzw. verschiedene Handlungsalternativen, welche ein Wirtschaftssubjekt hat. Ein Liquiditätsrisiko besteht also in der Möglichkeit, dass negative Abweichungen bei den Einzahlungserwartungen und/oder positive Abweichungen von den Auszahlungserwartungen auftreten, wobei der Saldo dieser beiden Größen in mindestens einem Zeitpunkt der Planungsperiode negativ ist.[5]

II. Notwendigkeit, Aufgaben und Ziele des Cash Managements

Im nun folgenden Kapitel wird zunächst auf die Notwendigkeit des Cash Managements eingegangen, wobei die qualitative und die quantitative Bedeutung, und hier mit Priorität auf der Herkunft der liquiden Mittel und der Liquiditätsplanung, sowie die Aufgaben und Ziele des Cash Managements die Schwerpunkte bilden.

1. Qualitative Bedeutung liquider Mittel

Bei der Erörterung der qualitativen Bedeutung liquider Mittel soll im Besonderen das Problem der optimalen Liquidität Berücksichtigung finden.

Die Liquidität verursacht sowohl Kapitalkosten als auch Opportunitätskosten. Die Opportunitätskosten stellen einen Nutzenentgang dar, der durch den Verzicht auf eine Alternativanlage entsteht. Kapitalkosten entstehen dadurch, dass Zinsen aufgrund nicht zurückgeführter Schulden anfallen bzw. Dividenden ausgeschüttet werden.[6]

Das zuvor erläuterte Kostenproblem besteht aus zwei Dimensionen. Zum einen stellt sich die Frage nach der richtigen Höhe der situativen Liquidität. Zum anderen besteht die Aufgabe darin, die Liquidität optimal zu strukturieren. Das Problem der ersten Dimension wird durch die Gesamtrendite liquider Mittel im Vergleich zu den Kapitalkosten respektive den Opportunitätskosten bestimmt. Das Problem der zweiten Dimension besteht in der Entscheidungssituation zwischen den Optionen der Finanzanlagen und den Erträgen der reinen Kassenhaltung.[7]

Geht man nun davon aus, dass Liquidität Geld kostet, liegt der einzige Unterschied der beiden Dimensionen im unterschiedlichen Zeithorizont. Liquidität wird grundsätzlich gehalten, um die Zahlungsfähigkeit mittel- bzw. kurzfristig sicherzustellen. Aufgrund der Schwierigkeit, zukünftige Cash Flows präzise vorherzusehen, entsteht letztendlich diese Problematik. In der Praxis wird dieses Präzisierungsproblem mehrstufig gelöst. Die mittelfristige Finanzplanung stellt den Anfall und den Bedarf der Liquidität erster Ordnung fest, das heißt, es wird die Höhe der Liquidität festgestellt. Anschließend wird der ermittelte Bedarf aufgrund der taggenau vorhandenen Daten auf die Primär- und die Sekundärliquidität verteilt. Dabei sind unter der Primärliquidität die Kasse und das Sichtguthaben zu verstehen, unter dem Begriff Sekundärliquidität geldnahe Vermögenswerte. Die Genauigkeit der Vorhersage nimmt bei kurzfristigem Zeithorizont sehr stark zu. Eine genaue Liquiditätsdisposition kann daher nur mit einem Zeithorizont von maximal einer Woche im Voraus erstellt werden.[8]

Es stellt sich nun die Frage, inwiefern man die Höhe der situativen Liquidität berechnen kann. Selbst wenn man ihr nur die Aufgabe der Reservehaltung zuweist, so ist es doch aufgrund der schwer prognostizierbaren Einzahlungen schwierig, die Reservehöhe zu bestimmen.[9] Daher müssen Höhe und Umfang der Liquiditätsreserven an bestimmten Kriterien, wie z.B. der Prognostizierbarkeit der zukünftigen Cash Flows, der Beziehung des Unternehmens zu den Banken, dem unternehmensindividuellen Zugang zum Kapitalmarkt, dem finanziellen Risiko, dem investitionsseitigen Unternehmensrisiko, den unternehmensinternen Möglichkeiten zur Mittelfreisetzung oder etwa dem unternehmensindividuellen Risikoverhalten, ausgerichtet werden.[10]

Fällt aber die Annahme, dass die liquiden Mittel einzig zur Deckung des unmittelbaren Zahlungsbedarfs dienen, weg, so müssen weitere Kriterien als Einflussfaktoren auf die Höhe der Liquidität aufgezählt werden. Hierbei sind die Renditen der anderen Geschäftsbereiche, die Rendite des Cash Managements, die Unabhängigkeit und Flexibilität des Unternehmens und die Sicherung und Entwicklung des Unternehmens in konjunkturell schwachen Zeiten zu nennen.[11]

Die Struktur der situativen Liquidität relativiert die zuvor beschriebene Kostenproblematik durch die effektiv notwendige Höhe an Primärliquidität und den Ertrag der geldnahen Vermögenswerte, die im Fonds der Geldmittel als Alternativanlage zur Verfügung stehen. Die Notwendigkeit, einen Sicherheitsbestand zu halten, resultiert aus der Problematik, zukünftige Cash Flows vorhersehbar zu machen. Kann ein Unternehmen die Auszahlungen, zumindest bedingt, noch steuern, so sind die Einzahlungen lediglich bis zu einem gewissen Teil zu prognostizieren. Indem ein minimaler Sicherheitsbestand an Liquidität festgelegt wird, will man das Risiko umgehen, kurzfristigen Zahlungsverbindlichkeiten nicht nachkommen zu können. Somit besteht das Ziel in der optimalen Strukturierung des Gesamtliquiditätsvolumens.[12]

2. Quantitative Bedeutung liquider Mittel

Im nun folgenden Kapitel wird die quantitative Bedeutung liquider Mittel mit dem Fokus auf der Herkunft der liquiden Mittel und der Liquiditätsplanung untersucht.

a Herkunft der liquiden Mittel

An dieser Stelle soll die Herkunft der liquiden Bestände eines Unternehmens untersucht werden. Eine erste Möglichkeit liegt in der Konjunktur. Hier kann das Verhältnis von Cash Flow zu realen Investitionsalternativen zu hohen liquiden Beständen führen. Dieses vorübergehende Szenario ist durch Cash-generierende und Cash-verzehrende Phasen gekennzeichnet.

Mittelüberschüsse können auch dadurch entstehen, dass das Finanzmanagement eines Unternehmens die Mittelaufnahmen auf dem Kapitalmarkt nicht genau in dem Zeitpunkt des Ressourcenbedarfs tätigt, sondern in einer auf dem Kapitalmarkt günstigeren Situation. Das Management versucht durch geschicktes Timing, möglichst billig Kapital, eventuell auch ohne bestimmten Ressourcenbedarf, aufzunehmen.[13]

Fehlende Investitions- und/oder Innovationsalternativen können auch dazu führen, dass ein sogenannter „Cash Mountain“ aufgehäuft wird. In der Praxis sind rentable Investitionsmöglichkeiten limitiert. Um teuere Fehlinvestitionen zu vermeiden, werden in dem Fall, dass die erwarteten Renditen nicht den Mindestanforderungen entsprechen, die Überschüsse in Form liquider Mittel gehalten. Für den Fall fehlender Anlagealternativen sollte man aber nicht dem Management pauschal mangelnde Leistungsfähigkeit vorwerfen. Es können an dieser Stelle auch Investitionsbehinderungen in Form von Gesetzen, Regelungen o.Ä. vorliegen, die zu mangelhaften Renditen führen würden.

Des Weiteren hängt die Höhe der gehaltenen Liquidität auch von der Branche, in der das Unternehmen tätig ist, ab. Nimmt man beispielsweise den Anlagenbau, dann gelangt man zu der Erkenntnis, dass aufgrund der hohen Kundenanzahlungen die Liquidität dort höher ist als in anderen Branchen.[14]

b Liquiditätsplanung

Nachdem die Herkunft der liquiden Mittel erläutert wurde, soll nun auf die Liquiditätsplanung eingegangen werden. Zunächst soll anhand der folgenden Planungshilfe verdeutlicht werden, wie ein Liquiditätsplan zu erstellen ist.[15]

Flüssige Mittel zur rechten Zeit einsetzen zu können, ist entscheidendes Kriterium für die Lebensfähigkeit einer Unternehmung.[16] Eine Liquiditätsplanung ist daher einerseits wichtig als Steuerungs- und Kontrollinstrument, andererseits ist sie aber auch bedeutsam für die Kreditverhandlungen mit Banken. Das Erstellen eines Liquiditätsplans ist nicht nur für das erste Jahr nach einer Unternehmensgründung erforderlich, sondern sollte vom Unternehmen fortwährend erfolgen. Einen Liquiditätsplan kann nach dem oben dargestellten Muster erstellt werden.

[...]


[1] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 5ff.

[2] Vgl. Schierenbeck, Henner (1999), S. 60f.

[3] Vgl. Kralicek, Peter (1995), S. 507ff.

[4] Vgl. Brüggestrat, Reiner (1990), S. 85ff.

[5] Vgl. Brüggestrat, Reiner (1990), S 99ff.

[6] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[7] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[8] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[9] Vgl. Wolff, Jörg (1993), S. 270ff.

[10] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[11] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[12] Vgl. Schierenbeck, Henner (1987), S. 291ff.

[13] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[14] Vgl. Boettger, Ulrich (1995), S. 42ff.

[15] Vgl. Helfrich, Erich (2001)

[16] Vgl. Fleischer, Klaus (1999), S. 24-26

Details

Seiten
27
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638129428
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4817
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Lehrstuhl für Finanz- und Bankmanagement
Note
2,0
Schlagworte
Cash-Management Liquiditätsrisikosteuerung Cash Management Liquidität Risiko Steuerung Risikosteuerung

Autor

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