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Herbsttage- Wildefalls

Diplomarbeit 2005 78 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze Beschreibung des Films

3. Oscar und Constance Wilde im Diesseits
3.1. Geburt eines Genies
3.2. Erste Werke
3.3. Constance und Oscar Wilde: Erste Begegnung
3.4. Die Verlobung
3.5. Die Hochzeit

4. Ehe und Entfremdung
4.1. Entfremdung/ Robert Ross
4.2. Lord Alfred Douglas
4.2.1. Eine Dreiecksbeziehung
4.2.2. Beziehungskrise zwischen Oscar und Lord Alfred Douglas
4.3. Anfang eines Skandals

5. Constance Wilde: Eine kurze Affäre
5.1. Arthur L. Humphrey
5.2. Intrigen
5.3. Die Klage
5.4. Der Prozess/ Reading
5.5. Das Ende einer Ehe

6. In Freiheit
6.1. Flucht aus England/ Die Rückkehr zu Bosie
6.2. Constances Tod
6.3. Rückkehr nach Paris/ Oscar Wildes letzte Tage

7. Jacob Epstein
7.1. Kurze Biographie

8. Die Friedhöfe im Film „Herbsttage – Wildefalls“
8.1. Bedeutung des Friedhofs
8.2. Allgemeine Friedhofsarchitektur
8.3. Friedhofstypen der Zukunft

9. Der Friedhof Père- Lachaise in Paris
9.1. Einführung
9.2. Geschichte der Pariser Friedhöfe
9.2.1. Die Verlegung der Friedhöfe
9.2.2. Der Friedhof der Moderne im 18. und 19. Jahrhundert

10. Der Cimitière du Père- Lachaise
10.1. Die Eröffnung
10.2. Anarchie der Stile
10.3. Denkmäler und Erinnerungen
10.4. Eine Bestattung in Paris im 19. Jahrhundert
10.5. Cimitière du Père Lachaise: Friedhof der Gegenwart und Zukunft

11. Il Campo Santo di Staglieno in Genua
11.1. Einführung
11.1.1. Entwicklung der Friedhöfe in Italien
11.1.2. Der architektonische Friedhof

12. Die Entstehung des Cimitero di Staglieno in Genua
12.1. Ein neuer Friedhof für Genua
12.2. Verwunschene Orte in Staglieno
12.3. Menschen, die kamen und gingen

13. Jenseits und Diesseits im Marmor erstarrt
13.1. Händeabdruck der Epochen
13.1.1. Der Stilpluralismus auf dem Cimitero di Staglieno
13.1.2. Der Stoff der Skulpturen

14. Atmosphäre auf dem Friedhof der Gegenwart

15. Literaturverzeichnis
15.1. Literatur
15.2. Quellen aus dem Internet
15.3. Abbildungsverzeichnis Internet

1. Einleitung

In dieser Diplomarbeit möchte ich auf den Hintergrund des Diplomfilms

„Herbsttage- Wildefalls“ eingehen, meine Beweggründe zur Thematik des Films aufzeigen sowie die Geschichte der weiteren Protagonisten des Filmprojektes, nämlich der Friedhöfe, erläutern.

Zunächst beginne ich mit einer kurzen Beschreibung des Films. Dann werde ich auf die Geschichte von Oscar Wilde und seiner Frau Constance sowie Wildes Freund Lord Alfred Douglas im Diesseits eingehen, welche das Grundgerüst von „Herbsttage- Wildefalls“ bildet. Anschließend folgt eine kurze Biographie zum Bildhauer und Architekten Jacob Epstein, danach wird die Geschichte der Friedhöfe Cimetière du Père Lachaise in Paris sowie des Cimitero di Staglieno in Genua erläutert und im speziellen auf die Architektur der Friedhöfe eingegangen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Es war sehr tragisch, ihren Namen in einem

Grabstein gemeißelt zu sehen- ihren Vornamen,

mein Name tauchte natürlich nicht auf. Ich war

zutiefst bewegt- auch von dem Gefühl der

Sinnlosigkeit aller Reue“ Oscar Wilde, 1899[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Constance Wilde um 1892[2]

Oscar Wilde , 24.Dezember 1881[3]

2. Kurze Beschreibung des Fims

Der Film „Herbsttage- Wildefalls“ fängt die Impressionen der beiden Friedhöfe Cimitière du Père Lachaise in Paris (Frankreich) und Cimitero di Staglieno in

Genua (Italien) audiovisuell ein. Die Empfindung von Schuld und Reue, Constance Wildes Aufopferung und Verletzungen im irdischen Leben, die mit dem Tod aufhören zu existieren und somit „sinnlos“ werden, bildet das zentrale Thema des Films. Der nicht gelöste Konflikt zwischen Oscar Wilde und seiner Frau Constance im Dasein wird im Jenseits wieder aufgenommen. Anhand eines fiktiven Dialogs kommunizieren die beiden Grabstätten miteinander. Das Dilemma zwischen ihnen existiert über das Diesseits hinaus und die „Sinnlosigkeit aller Reue“ verblasst mit jedem Augenblick des Films. Die Friedhöfe bilden den Ort der Auseinandersetzung mit der Schuld und der Selbsterkenntnis, die Grenzen der Vergänglichkeit werden überwunden und verschmelzen mit der Gegenwart dieser beiden so unterschiedlichen Ruhestätten.

3. Oscar und Constance Wilde im

Diesseits

3.1. Geburt eines Genies

Am 16. Oktober 1854 wird Oscar O`Flaherty Wills Wilde als zweiter Sohn des Augen- und Ohrenarztes William Wilde und Jane Francesca Elgee in Dublin geboren.

Er zählt zu den „vier Dublinern“[4], die es zur literarischen Weltgeltung gebracht haben. Oscars Elternhaus, Merrion Sqare 1, Dublin[5]

Die drei anderen sind William Butler Yeats,

James Joyce und Samuel Beckett.

Seine Mutter entstammte einer Juristenfamilie und war eine außergewöhnliche Frau. Ähnlich wie ihr Sohn, nahm sie es nicht so genau mit ihrem Geburtsdatum und entschied sich kurzum für 1826 als Geburtsjahr, was einen guten Kenner der Familienchronik zum schmunzeln bringen könnte, da ihr Vater Elgee bereits 1824 verstorben ist. Nachforschungen ergaben, dass Oscar Wildes Mutter 1821 das Licht der Welt erblickte. In ihrem Fall handelt es sich aber nicht um eine Versuch sich jünger zu machen, vielmehr weist es daraufhin, dass Jane Francesca Elgee die Neigung hatte, die Wirklichkeit nach ihren Vorstellungen zurecht zu biegen.

Sie liebte publikumswirksame Selbstinszenierungen und war eine exzentrische Persönlichkeit. Sie stand gern im Mittelpunkt und hatte ein Faible für ausgefallene Kleidung. Anna Comtesse de Brémont beschreibt Jane Francesca Elgee, 1911 in London:

„Was machten da schon das altmodische, purpurrote Brokatkleid, der hochaufragende samtene Kopfputz, die langen goldenen Ohringe oder das gelbe, über der Brust gekreuzte und mit unzähligen Broschen besetzte Spitzentuch, die riesigen Türkis- und Goldarmbänder, die Ringe, die sie an jedem Finger trug. Ihr verblasster Glanz war eindrucksvoller als die modischste Aufmachung, denn sie trug diese alte Pracht mit einer Anmut und Würde, die ihrem Aufzug das Groteske nahmen.“[6]

Oscar Wildes Mutter war eine sehr gebildete Frau, sie beherrschte viele Sprachen und fertigte Übersetzungen aus dem Italienischen ins Deutsche an.

Von 1864- 1871 besucht Oscar die Portora Royal School in Enniskillen und geht anschließend für drei Jahre ans Trinity College in Dublin. 1874 gewinnt er die „Berkeley Gold Medal for Greek“ und erhält ein Stipendium für das Magdalen College in Oxford/ England.

Der Besuch der Universität in Oxford beeinflusste Oscar Wilde dahingehend, dass seine Liebe zur Kunst und zum Schönen, sein Schaffen, in die Richtung des Ästhetizismus lenkte.

3.2. Erste Werke

Seine erste Italienreise (Norditalien: Genua, Mailand, Turin, Florenz, Verona, Padua, Venedig, Ravenna sowie Rom) unternimmt der junge Literat im Jahr 1875 und veröffentlicht zum ersten Mal seine Gedichte in diversen Zeitschriften.

Mit seinem Gedicht „Ravenna“ gewinnt Oscar Wilde 1878 den Newdigate- Preis und schließt sein Studium mit einem sehr guten Examen ab. Ein Jahr vor Studienabschluss fragte ihn Hunter Blair, ein schottischer Kommilitone Wildes, der während des Studiums versuchte Wilde zum Katholizismus zu bekehren, nach seinen weiteren beruflichen Ambitionen. Daraufhin soll ihm Oscar geantwortet haben:

„Aus mir wird einmal ein Dichter, ein Schriftsteller, ein Dramatiker. Auf irgendeine Weise werde ich berühmt und wenn nicht berühmt dann zumindest berüchtigt.“[7]

Auch seine erste bedeutende Liebesaffäre mit Florence Balcombe, Tochter eines pensionierten Offiziers in Dublin, fiel in diesen Zeitabschnitt. Die Affäre hielt zwei Jahre an und endete durch Florences Vermählung mit Bram Stoker, Autor des Romans „Dracula“. Oscar Wildes Beziehungen zum anderen Geschlecht waren aber eher peripherer Natur.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Erster Band seiner ge- Oscar Wilde als Student, 1876[8] Einbanddeckel des preis-

sammelten Gedichte, 1881[9] gekrönten Gedichts[10]

„Vera, or the Nihilists“, Wildes erstes Bühnenstück, erscheint erstmalig 1880.

Im darauf folgenden Jahr erscheint sein erstes Band mit gesammelten Gedichten „Poems“, die er angeblich auf eigene Kosten hatte drucken lassen.

Dieses Werk stieß auf eine gemischte und oftmals feindliche Aufnahme, nichtsdestotrotz erreichte das Buch knapp fünf Auflagen.

3.3. Constance und Oscar Wilde: Erstes Begegnung

Im Mai 1881 begegnet er zum ersten Mal Constance Mary Lloyd bei einem Besuch mit seiner Mutter, einer Angehörigen der Atkinson- Sippe.

Sie ist drei Jahre jünger als Oscar Wilde und wurde am 2. Januar 1858 geboren. Ihr Vater Horace Lloyd ist Anwalt und starb bereits 1874. Sie lebte nicht bei ihrer wiederverheirateten Mutter Adelaide Barbara Atkinson aus Dublin, da sie schon als Kind ein gespanntes Verhältnis zu ihr hatte, sondern wohnte ab ihrem einundzwanzigsten Lebensjahr bei ihrem Großvater, John Horatio Lloyd in London. Constances Neigungen verteilten sich auf Musik, Malerei, Stickkunst, sie las Dante im Original, verfügte über einen mathematischen Verstand und redete gern, trotz ihrer Schüchternheit. Oscar Wilde war sichtlich interessiert an ihr, trotz Aussagen von Constance Lloyds Bruder, der Oscar bei einem Gespräch mit seiner Schwester beobachtete und der Ansicht war, dass Oscar Wilde völlig teilnahmslos blieb,

„…als Constance ihm das Elend ihres Aufwachsens zu schildern versuchte. Leute die die Tragödien ihrer Kindheit hervorkramten, langweilten ihn.“[11]

Die Beiden treffen sich hin und wieder, entweder im Hause Lancaster Gate, 100 in London, dem Zuhause ihres Großvaters, bei dem Constance nach dem Tod ihres Vaters wohnte oder bei Oscars Mutter Lady Wilde. Constance beschreibt ihrem Bruder Otho Lloyd, der Oscar Wilde flüchtig von der Universität Oxford her kannte, einen Besuch von Wilde bei ihr zuhause:

„ O.W. kam gestern gegen 17.30 Uhr (ich habe vor Angst schon gezittert!) und blieb eine halbe Stunde; er bat mich, bald wieder bei seiner Mutter vorbeizuschauen- eine Bitte, die ich, was sich wohl von selbst versteht, für mich behalte. Ich mag ihn nun mal, denn wenn er mit mir allein ist, benimmt er sich kein bisschen affektiert und spricht ganz normal, nur dass er sich besser ausdrücken kann als die meisten.“[12]

Lady Wilde, Oscars Mutter, hegte stets große Sympathien für die junge Constance und förderte die Beziehung ihres Sohnes zu ihr nach Kräften. Während seines USA Aufenthaltes schrieb sie ihm:

„Ich war nahe daran, ihm zu sagen, dass mir Constance als Schwiegertochter durchaus lieb wäre, habe es mir dann aber doch verkniffen. Sie hat ihm jedenfalls unsere Adresse gegeben. Ich glaube der Besuch ist ein ermunterndes Zeichen.“[13]

Ende 1881/ Anfang 1882 begibt sich Wilde auf eine ausgedehnte Vortragsreise durch die USA und Kanada und traf dort mehr oder minder auf eine ihm eher feindlich gesinnte Presse. Die „Tribune“ schreibt über seine Reise:

„Wo immer er auftrat, stets fand das Publikum eine neue Art, sein Vergnügen zu erhöhen. Studenten in den Universitätsstädten erkannten in ihm ein geeignetes Objekt für ihren Spott. Quacksalber bedienten sich seine geliebten Sonnenblume, um ihre Heilmittel anzupreisen…“[14]

Die Gründe für Angriffe dieser Art bestanden darin, dass die Haltung der amerikanischen Frauen, die ihrerseits für den jungen Dichter schwärmten, ihn umfeierten, die amerikanischen Männer wütend machte. Seinetwegen wurden extravagante Partys veranstaltet und dies führte wiederum dazu, dass Oscar Wildes Ansehen bei den Damen anstieg, bei den Herren allerdings die Stimmung um ihn herum verschlechterte. Trotz allem war Oscars Amerika Reise ein voller Erfolg, auch wenn er nicht als berühmter Mann zurückkehrte, so hatte er dort für Gesprächsstoff sorgen können und war somit in aller Munde.

Zur gleichen Zeit besuchte Constance Lloyd eine Kunstschule und entwickelte eine Vorliebe für Ästhetik und Mode.

Im darauf folgenden Jahr begibt sich Oscar Wilde nach Paris, wo er einen längeren Aufenthalt verbringt. In der Metropole an der Seine möchte er die Kunst- und Kulturszene erobern.

„Ich bin im Herzen Franzose, der Geburt nach aber Ire und von den Engländern dazu verurteilt, die Sprache Shakespeares zu sprechen“[15]

Dort lernt er unter anderem Edmont de Goncourt, Paul Bourget, Victor Hugo, Guiseppe de Nittis, Sarah Bernhardt, Emile Zola, Paul Verlaine, Alphonse Daudet sowie Robert Harborough Sherard kennen.

Letzterer erwies sich als dauerhafter Freund und von einer ganz besonderen Qualität, er wurde Oscar Wildes erster Biograph. In diesem Jahr erscheint die Vertragskomödie „The Duchess of Padua“ und die Erstaufführung von „Vera, or the Nihilists“ findet im Union Square Theater in New York statt.

Im Mai 1883 kehrt Oscar Wilde zurück nach England. Seine Beziehung zu Constance intensiviert sich, sehr zum Wohlgefallen seiner Mutter. Er bekommt einen Auftrag durch England und Irland zu reisen und Vorträge zu halten. Das Honorar ist dürftig, doch auf alle Fälle hatte Wilde wieder Einnahmen statt nur Ausgaben.

In einem Brief an Waldo Story, vom 22. Januar 1884, schreibt Oscar über Constance:

„Sie heißt Constance und ist noch ganz jung, sehr ernst und mystisch, mit wundervollen Augen und dunkelbraunen Locken: mit einem Wort vollkommen, außer dass sie Jimmy ( McNeill Whistler) nicht für den einzigen Maler hält, der je gelebt hat…sie weiß indes, dass ich der größte Dichter bin, in der Literatur kennt sie sich aus…Wir sind natürlich hoffnungslos verliebt.“[16]

3.4. Die Verlobung

Mitten auf seiner Vortragstournee, in der letzten Novemberwoche des Jahres 1883, machte er Constance Lloyd einen Heiratsantrag. Nachdem die Verlobung der Beiden bekannt wurde, schrieb Constance ihrem Bruder Otho Lloyd.

26. November 1883 1 Ely Place, Dublin

„Mein liebster Otho,

mach Dich auf eine große Überraschung gefasst! Ich bin mit Oscar Wilde verlobt und vollständig und närrisch glücklich. Ich weiß, Du wirst Dich freuen, weil Du ihn gern hast, und jetzt bitte ich Dich, einmal für mich zu tun, was bisher meine Aufgabe Dir gegenüber war, und die Sache ins reine zu bringen. Großpapa wird bestimmt nett sein, er hat Oscar immer so gern gesehen. Die einzige, vor der ich mich fürchte, ist Tante Emily. Oscar wird an Großpapa und an Mama schreiben, wenn er heute in Shrewsbury ankommt, und wahrscheinlich zugleich auch an Dich, und nächsten Sonntag wird er vorsprechen (er kommt eigens in die Stadt), Du musst also zu Hause und nett zu ihm sein. Ich werde wahrscheinlich auch da sein, gebe Dir aber darüber in den nächsten Tagen noch Bescheid.

Ich möchte gern da sein, denn ich würde ihn sonst erst zu Weihnachten wiedersehen ... Jetzt, da er weg ist, bin ich so schrecklich nervös wegen der Familie; sie sind alle so nüchtern und praktisch. Hier sind alle ganz entzückt, besonders Mama Mary, die mich für einen Glückspilz hält.

Wie wär's, wenn Du mir bald schriebest, alter Junge, und mir gratuliertest. Ich brenne darauf, zu wissen, wie Du es aufnimmst. Widerstand könnte ich nicht ertragen, hoffe daher, dass man es erst gar nicht versucht.

Stets Deine Dich liebende Schwester
Constance M. Lloyd“[17]

Nach der Verlobung schreibt Constance Oscar einen Brief, aus dem hervorgeht, dass er ihr seine zahlreichen vorangegangenen Affären gebeichtet haben muss:

=„Ich glaube, ich werde nie Grund zur Eifersucht haben. Auf wen sollte ich heute auch eifersüchtig sein? Was die Gegenwart betrifft, so vertraue ich Dir; die Vergangenheit will ich gern begraben sein lassen, sie hat mit mir nichts zu tun. Was die Zukunft betrifft, so werden sich Vertrauen und Treue von selbst einstellen, denn wenn Du erst einmal mein Mann bist, dann halte ich Dich fest mit den Fesseln der Liebe.“[18]

Diese Sätze lösten später, als er sie betrog, bei ihm große Gewissensbisse aus.

3.5. Die Hochzeit

Auf die Verlobung folgte knapp sechs Monate später, am 29. Mai 1884 die Hochzeit. Die Trauungszeremonie fand in der St. James Church, Paddington in London statt.

Für die Trauung hatte der Literat eigens die Ringe sowie das Hochzeitskleid entworfen. Ihre Hochzeit hinterließ einen sehr inszenierten Eindruck.

Die Presse berichtete über das eigens entworfene Brautkleid von Oscar Wilde:

„es bestand aus: schwerer cremefarbener Atlasseide mit einem leisen Stich ins Primelgelbe; das Oberteil, mit quadratisch geschnittenem und etwas tiefen Dekolleté, schloss mit einem hohen Medicikragen ab; die weiten Ärmel waren gepufft; den eher schlichten Rock hielt ein herrlich gearbeiteter Silbergürtel, ein Geschenk von Mr. Oscar Wilde; der safranfarbene Schleier aus indischem Flor war mit Perlen besetzt und à la Maria Stuart geschlungen; ein mächtiger Myrtenkranz, aus dem ein paar weiße Blüten hervorschimmerten, krönte das helle gekräuselte Haar; auch

das Gewand war mit Myrtenlaub geschmückt; das große Bukett prangte in Grün und Weiß.“[19]

Auch wurden die Brautjungfern ähnlich herausgeputzt. Die Feierlichkeiten in der Kirche waren von einer hochästhetischen Manier.

Laut Canterbury Times fiel der Kuss des Bräutigams hingegen zur überschwänglichen Umarmung seitens Lady Wilde „gelassen und kühl“ aus.

Constance Wilde bekam von ihrem Großvater 5000 Pfund als Vorerbe, damit sich das junge Paar ein Haus mieten und einrichten kann.

Kurz danach brachen die Beiden in die Flitterwochen nach Paris auf, wo sie im Hotel Wagram, Rue de Rivoli, unterkamen. Während ihres Aufenthaltes, lernte Robert Harborough Sherard Oscar Wildes Frau kennen und erzählt über diese Begegnung:

„Die Wildes wohnten in sehr hübschen Räumen in einem der obersten Stockwerke des Hotels, sie waren ein schönes Paar. Die reizende junge Frau wirkte überaus glücklich. Die Sonne schien strahlend, wie man das nur in Paris erlebt, auf die Tuilerien draußen, auch das Zimmer, in dem ich Constance kennen lernte, war heiter, voll Blumen, Jugend und Lachen. Als ich mit Oscar ging, sagte er mir die Ehe sei wirklich herrlich. Wir gingen damals über den St.- Honoré- Markt, er hielt bei einem Blumenstand an, beraubte ihn seiner reizendsten Blumen und sandte sie, mit einem Gruß voll Liebe auf seiner Karte, an seine junge Frau, die er eben erst verlassen hatte.“[20]

Oscar Wilde hatte eine Frau geheiratet mit der ihn so manch gemeinsames Interesse verband, allerdings trennten sich die beiden Welten voneinander in Bezug auf Naturell und Lebensanschauung. Constance wurde streng viktorianisch erzogen, sie war sehr gebildet und war für die ästhetischen Ideen ihres Mannes aufgeschlossen. Vom Temperament her war sie eine eher ernste Persönlichkeit und recht zurückhaltend, ganz im Gegensatz zu Oscar. Ihr Sinn für Humor hielt sich in Grenzen.

Nach ihren Flitterwochen in Paris verbrachten Constance und Oscar noch ein paar Tage in Dieppe. Am 24. Juni 1884 kehrten die Beiden zurück nach London, wo sie zunächst in Oscars Junggesellenwohnung leben mussten, bis ihr neues Zuhause in der Tite Street 16, fertig wurde. Kurz nach seiner Rückkehr nach London begrüßte ihn ein Freund mit der Frage:

„Hallo Wilde. Ich höre sie haben geheiratet?“

„Ja“, gab der Angesprochene trübsinnig zurück;“ und das auch noch weit unter Wert.“[21]

Constance Wilde bekam von ihrem Großvater ein paar hundert Pfund im Jahr und somit konnten die Beiden das Haus nach ihrem bzw. nach Oscars Geschmack ausstatten. Der bekannte Londoner Architekt E.W. Godwin, der bereits am Londoner

Gerichtsgebäude mitgearbeitet hatte, war für die Innenarchitektur und Einrichtung ihres neuen Hauses verantwortlich.

Auch wenn die Vermutung nahe liegt, Oscar Wilde hätte lediglich Constance geehelicht da sie eine gute Partie abgibt und sie ihn mehr oder minder finanziell entlasten würde, so basiert ihre Heirat doch auf einer Neigungsehe.

Zieht man die Briefe Wildes in Betracht, besteht kaum Zweifel, dass er tatsächlich in sie verliebt war.

Poststempel 16. Dezember 1884
The Balmoral, Edinburgh

„Liebste und Geliebte,

hier bin ich nun, und Du bist bei den Antipoden. O fluchwürdiges Leben, das unseren Lippen verwehrt, sich zu küssen, wenn auch unsere Seelen vereint sind.

Was kann ich Dir in einem Briefe sagen? Ach! nichts von alldem, was ich Dir sagen möchte. Die Botschaften der Götter werden nicht durch Feder und Tinte übermittelt, auch könnte selbst Deine leibliche Anwesenheit hier Dich nicht wirklicher machen: denn ich fühle Deine Finger in meinem Haar und Deine Wange an die meine geschmiegt. Die Luft ist erfüllt von der Musik Deiner Stimme, meine Seele und mein Leib gehören mir nicht mehr, sie sind in himmlischer Ekstase Dir verschrieben. Ohne Dich fühle ich mich unvollständig.

Stets und immer Dein Oscar

Hier bleibe ich bis Sonntag.“[22]

Zumal Oscar Wilde sie in einem weiteren seiner zahlreichen Briefe beschreibt:

„ernsten, zierlichen Artemis mit veilchenblauen Augen und reich gelocktem braunem Haar“[23]

Allerdings kühlte seine Leidenschaft gegenüber seiner Frau Constance sehr bald ab.

4. Ehe und Entfremdung

4.1. Entfremdung/ Robert Ross

Da fast der gesamte Briefaustausch zwischen Constance und Oscar entweder verschollen ist oder vernichtet wurde, gestaltet es sich recht schwierig, den Zeitpunkt der wachsenden Entfremdung zwischen den Beiden festzustellen. Die Vermutung liegt aber nahe, dass mit der Geburt seines zweiten Sohnes Vyvyan und der Begegnung mit seinem ersten Liebhaber und später auch engem Freund Robert Ross im Jahre 1886, seine Zuneigung und Verlagerung zum gleichen Geschlecht stattfand.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anfang 1885 bezogen die Wildes ihr neues Heim. Noch im selben Jahr erfolgte die Geburt ihres ersten Sohnes Cyril Wilde. An die Rolle des Ehemannes und Familienvaters konnte sich Oscar nur schwer gewöhnen, die dazugehörigen Verpflichtungen schienen ihm lästig zu sein. Mit seiner Tätigkeit als Literaturkritiker für die „Pall Mall Gazette“ sowie als Theaterkritiker für die „Dramatic Review“ versuchte er die Haushaltskasse aufzubessern, doch reichte es durch den Einzug sowie aufgrund der Geburt von Cyrill kaum um ein bequemes Leben, nach seinen Vorstellungen, führen zu können. 1886 wurde Oscar Wildes zweiter Sohn Vyvyan geboren. Im selben Jahr lernt er Robert Baldwin Ross, damals siebzehn Jahre jung, kennen. Wilde lässt sich von ihm verführen und sammelt seine ersten homosexuellen Erfahrungen, denen er zuvor schon unbefangen gegenüberstand. Er fand schon immer Gefallen an ephebischen Körpern und, dass er einen innigen Umgang mit Männern pflegte, war offenkundig.

„Männer heiraten, weil sie müde sind, Frauen, weil

sie neugierig sind; beide werden enttäuscht?“[24]

Sowohl Oscar als auch Constance Wilde wurden in ihrer Ehe enttäuscht. Zum einen, weil sich Oscar vielleicht selbst getäuscht hatte und zum anderen, weil sie sich getäuscht von ihm fühlen musste.

Ursache für die Entfremdung mag die physische Abneigung seitens Oscar Wildes gegenüber Constance gewesen sein, die einhergeht mit der Veränderung ihres Körpers durch die Geburt seiner beiden Söhne Cyril und Vyvyan Wilde. Ihre, unvorteilhafte Veränderung ihres äußeren Erscheinungsbildes stieß ihn ab.

Constance Wilde mit ihrem ersten Sohn Cyril.

Fotografie aus dem Atelier Cameron, 1891[25]

„Aus dem „schönen Mädchen, zart und schlank wie eine Lilie“, die er einst geheiratet hatte, war nach zwei Schwangerschaften, aus seiner Sicht, eine Frau geworden, deren „blütengleiche Anmut“ dahin war, „füllig, unförmig, hässlich“, die sich „unsagbar elend, mit verzerrtem, fleckigem Gesicht und schrecklich entstelltem Körper“ durchs Haus schleppte.“[26]

In ihrem Wortlaut sind sie mit Vorsicht zu betrachten, allerdings beschreiben sie einen großen Teil von Oscar Wildes Beweggründen, warum er sich wenige Jahre nach der Hochzeit, von ihr entfremdete. Auch offenbaren diese Worte, was ihn so sehr zu Constance hingezogen hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Oscar Wilde im Gespräch mit Jean Palmer, Oscar Wilde[27]

dahinter Constance mit einer Lilie in der Hand[28]

Wildes Liebhaber Robert Ross, die Liaison hielt mit Unterbrechungen bis Herbst 1888 an, fühlte sich für die beiden Söhne Cyril und Vyvyan verantwortlich, da er ihren Vater zu homosexuellen Handlungen verführt hatte. Die Freundschaft der beiden Männer hielt bis an Oscars Lebensende an.

Zunächst ahnte Constance nichts von Oscars Neigungen zum selben Geschlecht.

Ihre Mütterlichkeit nahm ihm seinen Traum von ästhetischer Weiblichkeit und entwickelte sich zu einer Abneigung gegen das Eheleben.

Ihm widerstrebte das häusliche Leben mit seinen dazugehörigen täglichen lästigen Pflichten, es langweilte Wilde zu Tode. Es zog ihn immer öfters fort von zuhause und Oscar suchte nach aufregenderer Gesellschaft junger Männer.

Die Ehe war für ihn eine Institution bürgerlicher Art, die mit sich bringende Lebensform, konnte und wollte er als Individualist und sexueller Außenseiter nicht auf sich nehmen.

„Natürlich ist das Eheleben nur eine Gewohnheit, eine schlechte Gewohnheit. Aber schließlich bedauert man sogar den Verlust seiner schlechtesten Gewohnheiten.“[29]

Was ihn von der Aussage seiner Romanfigur Lord Henry unterschied ist, dass Oscar Wilde an seiner „Gewohnheit“ aus konventionellen Gründen festhielt auch wenn er den dazu gehörigen Verpflichtungen schon bald nicht mehr nachkam. Ganz im Gegensatz zur Entfremdung der Rolle des Ehemanns, war er immer für seine Söhne da, in diesem Bezug kam es in keinem Augenblick zu einer Entfremdung. Seinen ältesten Sohn Cyril liebte er abgöttisch und er hatte eine gewisse Vorliebe für ihn, allerdings hinderte es Wilde nicht daran für Vyvyan ein ebenso liebender und treu sorgender Vater zu sein.

„Ein einziges Haar seines Goldköpfchens hätte mir teurer und wertvoller sein sollen als ich will nicht sagen, Du (Lord Alfred Douglas) vom Scheitel bis zur Sohle, aber doch als aller Chrysolith der ganzen Welt.“[30]

Sein jüngerer Sohn Vyvyan erinnert sich, dass er ein unermüdlicher Märchenerzähler, ein wundervoller Spielgefährte und wenn es in den Ferien ans Meer ging, ein geschickter Sandburgenbauer war.

„Auf allen Vieren kroch er über den Kinderzimmerboden, einmal als Löwe, dann als Wolf oder Pferd und kümmerte sich gar nicht um seine Erscheinung, auf die er sonst so viel Wert legte. Spielte er mit uns, so war er stets ganz bei der Sache. Einmal brachte er uns einen kleinen Spielzeug- Milchwagen mit, der von einem Pferdchen mit echtem Haar gezogen wurde. Das Geschirr ließ sich öffnen und abnehmen und die Milchkannen, die im Wagen standen, konnten herausgenommen und geöffnet werden. Nachdem mein Vater dies entdeckt hatte, lief er sofort die Stiegen hinunter und holte einen Krug Milch, dessen Inhalt er in die Kannen füllte. Dann rasten wir mit dem Gefährt alle um den Küchenzimmertisch herum, und die Milch ergoss sich im Umkreis, bis das Kindermädchen kam und dem Spiel ein Ende setzte.“[31]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„3. März 1891 Hôtel de

l'Athénée, 15 Rue Scribe, Paris

Mein liebster Cyril,

ich schreibe Dir, damit Du weißt, dass es mir viel besser geht. Ich fahre jeden Tag in einem schönen Wald spazieren, der Bois de Boulogne heißt, und abends esse ich mit meinem Freund und sitze danach im Freien an kleinen Tischchen und sehe die Wagen vorbeifahren. Heute Abend werde ich einen großen Dichter besuchen, der mir ein wunderschönes Buch über einen Raben geschenkt hat. Wenn ich nach Hause komme, bringe ich Dir und Vyvyan Schokolade mit. Ich hoffe, Du gibst schön auf unsere liebe Mama acht. Grüße und küsse sie von mir, Grüße und Küsse auch an Vyvyan und an Dich

selber.

Dein Dich liebender Papa Oscar Wilde"

Oberes Foto: Cyril im Alter von sechs Jahren[32]

Unteres Foto: Vyvyan im Alter von fünf Jahren[33]

Trotz der enormen Ausgaben, die das Familienleben so

mit sich brachte, machte Oscar Wilde kaum Abstriche an

seinem aufwendigen Lebensstil. Stattdessen bemühte er

sich weitere Einnahmequellen zu erschließen.

Er wandte sich dem journalistischen Metier zu. Wie

bereits erwähnt schrieb er Literatur- und Theaterkritiken

für diverse Zeitschriften und wurde 1887 auch

Herausgeber der „The Woman´s World“, seine Frau

Constance steuerte hierzu Artikel zum Thema

Kinderkleidung und Muffe bei und Lady Wilde unterhielt

die Leser mit „Irischen Bauernmärchen“. Zunächst gefiel ihm die Aufgabe, er schätzte auch die regelmäßigen Einnahmen doch die geregelten Arbeitszeiten waren ihm zuwider.

Im Juni 1889, also nach genau zwei Jahren, gab Wilde seine Stellung als Herausgeber von „The Woman´s World“ auf. Die Zeitschrift gab es danach nur noch ein Jahr. In den zwei Jahren steckte Oscar allerdings nicht seine gesamte Energie und Hingabe in dieses Magazin. Gelegentlich schrieb er Gedichte und vier Kurzgeschichten:

- Lord Arthur Saviles Verbrechen
- Das Gespenst von Canterville
- Lady d´Alroy (später neu benannt: Die Sphinx ohne Rätsel)
- Modell und Millionär

Die Erzählungen waren damals sehr beliebt und sind es auch heute noch. Sowohl Lord Arthur Saviles Verbrechen als auch Das Gespenst von Canterville wurden verfilmt. Gleichzeitig verfasste er Märchen wie z.B. „Die Nachtigall und die Rose“. Nach 1886 schrieb Oscar Wilde bis zum Ende seines Lebens nur noch wenige Gedichte.

Die Urfassung von „Das Bildnis des Dorian Gray“, eines der meist gelesenen und meistrezitierten Romane in der englischen Literatur, schrieb er 1890.

„Der Titelheld, der sich seine Jugend und Schönheit bis zum Tode bewahrt, während sich in seinem verborgen gehaltenem Porträt die Spuren des Alterns und des moralischen Niedergangs eingraben, ist inzwischen zu einer archetypischen Figur geworden.“[34]

„Das Bildnis des Dorian Gray“ wird als der erste große homoerotische Roman der englischen Literatur bezeichnet. Ganz unzufällig, hat Oscar Wilde im Titel das Portät in den Mittelpunkt gerückt und nicht den Portätierten selbst. Vieles von seiner Person steckt in seinem Romanhelden Dorian Gray. Seine öffentliche Rolle setzt der Schriftsteller mit der Figur des Lord Henry gleich. Doch identifiziert sich Oscar zugleich auch mit dem bieder und brav wirkenden Basil.

4.2. Lord Alfred Douglas

4.2.1. Eine Dreiecksbeziehung

In den Monaten Juni oder Juli 1891 begegnet Oscar Wilde erstmalig Lord Alfred Douglas, der damals Ende zwanzig war. Er sollte zur bedeutsamsten Gestalt in Wildes Leben werden.

Lord Alfred Bruce Douglas besuchte zu jener Zeit das Magdalen College in Oxford, in dem auch einst Oscar studiert hatte. Er war der jüngere, selbstherrliche, eigenwillige und temperamentvolle sowie verwöhnte Sohn des Marquess of Queensberry.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lord Alfred Bruce Douglas „Bosie“ im Alter von 24 Jahren[35]

Laut Oscar Wilde handelte es sich bei der Verbindung zu „Bosie“ um eine lockere Bekanntschaft, die bis zum Frühjahr 1892 anhielt. Lord Alfred Douglas hingegen behauptete, dass Wilde die Initiative ergriffen hatte und ihn über sechs Monate belagerte. Die Wendung in der Beziehung zwischen den Beiden kam dadurch zustande, dass Oscar Lord Alfred Douglas bei einer Erpressungsgeschichte seine Hilfe anbot. Es gelang ihm auch Bosie zu helfen, da er einen befreundeten Anwalt einschaltete. Aufgrund dieses Druckes entstand aus der zunächst lockeren Bekanntschaft eine innige Affäre, die damals ihre Blütezeit erlebte.

Seine Beziehung und Liebe zu dem jungen Lord Alfred Bruce Douglas vertraute er in einem Brief seinem Freund Robert Ross an, der keinerlei Besitzansprüche an Oscar mehr hegte.

„Mein liebster Bobbie, Mai- Juni 1892

Bosie hat darauf bestanden, dass wir hier eine Sandwich- Pause einlegten. Er ist eine Narzisse – so weiß und golden. Ich werde Dich entweder Mittwoch oder Donnerstag aufsuchen. Schicke mir eine Zeile. Bosie ist so müde: er liegt wie eine Hyazinthe auf dem Sofa, und ich bete ihn an.

Du lieber Junge. Stets Dein Oscar“[36]

Die Mutter von Lord Alfred Douglas wusste vom neuen Freund ihres Sohnes, denn er hatte es ihr erzählt. Sie lud die Wildes zu sich nach Bracknell ein um sie wegen ihres Sohnes um Rat zu fragen. Bei dem Besuch, erwähnte sie auch Bosies Eitelkeit und extravaganten Gewohnheiten, die Oscar aufgrund seiner Verliebtheit, schlichtweg überhörte. Was vor allem auch daran liegen mag, dass er selbst eitel und verschwenderisch war. Darum konnte er diesen Nachteilen nicht mehr als ein Lächeln abgewinnen.

Ihre Mahnungen blieben ihm trotz allem sehr präsent. Er gab Bosies Mutter in „The Importance of being Earnest“ den Namen „Lady Bracknell“.

Wilde reiste gemeinsam mit Lord Alfred Douglas und seiner Familie nach Bad Homburg, sowie in den Monaten August und September mit seiner eigenen Familie nach Felbrigg, wo sie ein Bauernhaus gemietet hatten. Dort schrieb er fernab der Metropole London. In dieser Zeit entstand „A Woman of No Importance“.

Bosie war in der Zwischenzeit Herausgeber einer kleinen und kurzlebigen Zeitschrift „The Spirit Lamp“, er schickte seinem Freund Oscar Gedichte und die Beiden trafen sich so oft wie möglich.

In diesen Jahren scheint Constance Wilde kaum was von der Beziehung ihres Mannes zu Lord Alfred Bruce Douglas geahnt zu haben, denn der Liebhaber von Oscar ging bei ihnen in der Tite Street 16, London, ein und aus. Dabei handelte es sich nicht nur um Höflichkeitsbesuche.

[...]


[1] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000, S. 270

[2] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000

[3] http://www.todayinliterature.com/event_date=12/24/1881

[4] „Vier Dubliner“, Richard Ellmann, Frankfut/ M. 1996. Dt. Übersetzung Wolfgang Held

[5] “Oscar Wilde- Leben und Werk”, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000

[6] „Oscar Wilde and his mother“, Anna Comtesse de Brémont, London 1911

[7] Zitat in „The life of Oscar Wilde“,Hesketh Pearson, London 1946, S. 43-44, beruft sich auf David Hunter Blairs Erinnerungen in seinem Buch „In Victorian Days, and other Papers“, London 1939

[8] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000

[9] „Oscar Wilde“, Peter Funke, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1969, Auflage 42.-44. Tausend, 1983, S. 51

[10] „Oscar Wilde- Eine Bibliographie von Vyvyan Holland“, Vyvyan Holland, dt. Ausgabe Kindler Verlag München 1965, S. 27

[11] „Brief an A.J.A. Symons“, Otho Holland, 27.Mai 1937 aus “Oscar Wilde”, Richard Ellmann, Piper Verlag München Zürich, 1991, S. 327

[12] „Letters“, Brief von Constance Lloyd an Otho Lloyd, 7. Juni 1881 aus “Oscar Wilde”, Richard Ellmann, Piper Verlag München Zürich, 1991, S. 328

[13] „Brief an Wilde“, Lady Wilde, Dezember 1882 aus „Oscar Wilde“, Richard Ellmann, Piper Verlag München Zürich, 1991, S. 328

[14] „Oscar Wilde- Eine Bibliographie von Vyvyan Holland“, Vyvyan Holland, dt. Ausgabe Kindler Verlag München 1965, S. 35

[15] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000, S. 63

[16] „Oscar Wilde Briefe I“, Rupert Hart Davis dt. Hedda Soellner, Rowohlt Verlag GmbH, 1966, S. 184

[17] „Oscar Wilde Briefe I“, Rupert Hart Davis dt. Hedda Soellner, Rowohlt Verlag GmbH, 1966, S. 182

[18] „Brief an Wilde“, Constance Lloyd, 1883 aus „Oscar Wilde“, Richard Ellmann, Piper Verlag München

Zürich, 1991, S. 342

[19] „New York Times“, 22. Juni 1884 aus „Oscar Wilde”, Richard Ellmann, Piper Verlag München

Zürich, 1991, S. 346

[20] Oscar Wilde- eine Bibliographie von Vyvyan Holland“, Vyvyan Holland, Kindler Verlag München,

1965, S. 52

[21] „Moss from a Rolling Stone“, E.A. Brayley Hodgett, 1924, S.130

[22] „Oscar Wilde Briefe I“, Rupert Hart Davis dt. Hedda Soellner, Rowohlt Verlag GmbH, 1966, S. 194

[23] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag 2000, S. 71

[24] „Complete Works of Oscar Wilde“, Oscar Wilde, London/ Glasgow 1966, S. 48 aus “Das Bildnis des

Dorian Gray”, Oscar Wilde, Insel Verlag, 2002

[25] „Oscar Wilde“, Peter Funke, Rowohlt Verlag GmbH, 1969, S. 86

[26] „Oscar Wilde. With a preface by Bernard Shaw“, Frank Harris, London 1938, S. 338

aus “Oscar Wilde- Leben und Werk”, Norbert Kohl, Insel Verlag, 2000, S. 72

[27] http://www.besuche-oscar-wilde.de

[28] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag, 2000

[29] „Complete Works of Oscar Wilde“, Oscar Wilde, London/ Glasgow 1966, S. 158

aus “Das Bildnis des Dorian Gray”, Oscar Wilde, Insel Verlag, 2002

[30] „De Profundis“, Oscar Wilde, 1897, aus „Oscar Wilde Briefe I“, Rupert Hart Davis dt. Hedda

Soellner, Rowohlt Verlag GmbH1966, S. 475

[31] „Erbe eines Urteils. Oscar Wildes Sohn erzählt“, Vyvyan Holland, Wien München Zürich 1955, S. 61

[32] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag, 2000

[33] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag, 2000

[34] „Oscar Wilde- Leben und Werk“, Norbert Kohl, Insel Verlag, 2000, S. 123

[35] „Oscar Wilde“, Peter Funke, Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1969, S.94

[36] „Oscar Wilde Briefe I“, Rupert Hart Davis dt. Hedda Soellner, Rowohlt Verlag GmbH, 1966, S. 332

Details

Seiten
78
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638448352
Dateigröße
5.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48024
Institution / Hochschule
Staatliche Hochschule für Gestaltung Karlsruhe – Fachbereich MK/ Film
Note
1
Schlagworte
Herbsttage- Wildefalls

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Titel: Herbsttage- Wildefalls