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Gated Communities in Südafrika und Südost-Asien

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 26 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Gated communities - Eine Form geschlossener Wohnkomplexe

3. Gated communities In Südafrika
3.1. Der politische Hintergrund
3.2. Die Entstehung von gated communities
3.3. Die Beispiele Forestdale und Santa Cruz in Johannesburg

4. Gated communities in Südost-Asien
4.1. Die Planungsregion JABOTABEK und ihre Probleme
4.2. Die Entstehung von Satellitenstädten um JABOTABEK
4.3. Die Entstehung von gated communities in den Satellitenstädten
4.4. Die Beispiele Lippo Karawaci und Bumi Serpong Damai

5. Gründe für gated communities in Südafrika und Südost-Asien

6. Gated community vs. öffentliche Kommune

7. Auswirkungen von gated communities auf die Gesellschaft

8. Fazit

9. Literatur

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik geschlossener Wohnkomplexe, sogenannter "gated communities". Es handelt sich hierbei um ein relativ junges Forschungsgebiet, da die Entwicklung solcher Wohnformen erst seit etwa zwei Jahrzehnten zu beobachten ist. Die Untersuchungen beschränkten sich bisher vorwiegend auf die US-amerikanische Situation, wo geschlossene Wohnkomplexe seit den 90er Jahren in den Blickwinkel der Medien gerückt sind und das Interesse der Sozialwissenschaftler geweckt haben. Außerhalb der USA sind derartige Wohnformen bisher kaum erforscht. Doch erste Untersuchungen lassen auf einen Boom dieses Phänomens in vielen Teilen der Welt schließen, insbesondere auch in den rasch wachsenden Ballungsräumen vieler Entwicklungsländer[1]. So titelte "Die Zeit" am 18.05.2000: "In den Megastädten der Südhalbkugel flüchten die Reichen in luxuriöse Wohnburgen". Mit den möglichen Ursachen und Konsequenzen einer solchen Entwicklung will sich diese Arbeit auseinandersetzen, wobei der Schwerpunkt auf Südafrika und Südostasien liegen soll.

Zunächst wird allgemein auf die Erscheinungsform der privatwirtschaftlich organisierten gated community eingegangen. Nachdem man eine Vorstellung davon erhalten hat, wie diese Wohnform aussieht, soll die Problematik zunächst anhand von Beispielen in Südafrika konkretisiert werden. Hierbei wird vor allem auf den Großraum Johannesburg eingegangen. In einem nächsten Punkt soll die Situation in Südostasien am Beispiel des Großraums Jakarta in Indonesien vorgestellt werden. Die Gründe für die Entstehung und die Beliebtheit der geschlossenen Wohnformen werden in einem nächsten Abschnitt noch einmal gesondert dargestellt, da hier interessante Unterschiede zwischen den Beispielregionen festzustellen sind. In einem weiteren Kapitel werden die Organisationsformen der gated communities behandelt. Da diese privatwirtschaftlicher Natur sind, muss hier das Verhältnis der geschlossenen Wohnform zur öffentlichen Kommune bzw. dem Staat untersucht werden. Schließlich erfolgt abschließend eine Diskussion darüber, welche Folgen die Herausbildung solcher Wohnformen für die Stadtentwicklung und vor allem für die Gesellschaft hat.

2. Gated communities - Eine Form geschlossener Wohnkomplexe

Man unterscheidet auf der Basis der baulichen Struktur zwei Arten geschlossener Wohnkomplexe. Zum einen sind das geschlossene Apartmentanlagen, sogenannte Kondominien und zum anderen geschlossene Siedlungen: die gated communities. Letztere bestehen vorwiegend aus Einzel- und Reihenhäusern, zum Teil findet man auch Mehrfamilienhäuser[2].

Betrachtet man den Begriff gated community einmal genauer, so kann man aus ihm bereits Vieles ablesen. Der Aspekt "gated" beschreibt laut BLAKELY und SNYDER die physisch nachvollziehbare Abgrenzung in Form von Zäunen, Mauern und bewachten Kontrollpunkten. "Community" beschreibt die Einbindung interagierender Individuen in ein soziales Netzwerk. In diesem Zusammenhang ist darunter nach BLAKELY und SNYDER die Kontrolle der Nachbarschaft durch Verhaltenscodes und Organisationsstrukturen zu verstehen[3].

Hier geht es also um eine Wohnform, die nach außen hin durch Mauern und Zäune abgegrenzt ist. In diese Siedlungen führt meistens nur ein Weg, der durch ein großes Tor versperrt ist, welches von Sicherheitspersonal bewacht wird. Geschlossene Siedlungen umfassen bis zu mehreren tausend Wohneinheiten und bieten teilweise alle Angebote einer Kleinstadt. Dazu gehören beispielsweise Freizeiteinrichtungen, der Einzelhandel, medizinische Versorgung, Schulen und Entsorgung[4]. Sportanlagen befinden sich in gated communities im allgemeinen im Gemeinschaftsbesitz der Einwohner. Das ist vor allem auf den nur begrenzt zur Verfügung stehenden Raum zurückzuführen. Die Anwohner nehmen das aber im Hinblick auf die Vorteile dieser geschlossenen Wohnform gerne in Kauf. Auf diese Vorteile, die gleichzeitig die Gründe für den Boom der gated communities darstellen, soll jedoch erst an späterer Stelle eingegangen werden (siehe Kapitel 5).

Aufgrund der geringen Anzahl der Studien, die bisher auf diesem Gebiet angefertigt wurden, gibt es bisher nur sehr wenige Informationen über die Quantifizierung des Phänomens der gated communities. Dazu gehören unter anderem die Mindestgröße und auch der Höchstumfang solcher Anlagen. Eine weitere schwer zu messende Größe ist der Nutzungsgrad[5]. Darunter versteht man die Frage, ob ein Haus als Erst- oder Zweitwohnsitz oder sogar nur als Feriendomizil genutzt wird. Daher beläuft sich auch die Angabe der Einwohnerzahl in den geschlossenen Siedlungen meist nur auf eine Schätzung. Wie aus diesen Ausführen schon deutlich wird, richten sich diese Wohnformen vor allem an Menschen, die der gehobenen Einkommensklasse angehören.

Es gibt drei Definitionskriterien, die eine gated community ausmachen. Erstens ist das die Kombination von Gemeinschaftseigentum und gemeinschaftlich genutzten Dienstleistungen mit dem individuellen Eigentum bzw. dem Nutzungsrecht einer Wohneinheit. Zweitens unterliegt eine solche geschlossene Siedlung der Selbstverwaltung, worauf später noch genauer eingegangen werden soll (siehe Kapitel 6). Drittens herrschen Zugangsbeschränkungen vor, für deren Einhaltung das Sicherheitspersonal und die Zugangsüberwachungssysteme sorgen[6].

3. Gated communities in Südafrika

3.1. Der politische Hintergrund

Die Rassen- und Klassenfrage ist in Südafrika schon seit langem aktuell. Bereits in der Kolonialzeit reproduzierten sich diese Gegensätze im sogenannten Master-Servant-Verhältnis[7]. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Politik der Apartheid. Zusammengefasst kann man sagen, dass diese Politik die großräumige Segregation ethnisch differenzierter Bevölkerungsgruppen verfolgte. Die weiße Bevölkerung wurde dabei gegenüber Gruppen anderer Hautfarbe in jeder Hinsicht überproportional bevorzugt. Im Ergebnis entwickelte sich eine wohnräumliche Trennung[8]. Dadurch, dass die staatliche Gesetzgebung das unkontrollierte Aufhalten Schwarzer in "weiß" deklarierten Wohngebieten verhinderte und streng kontrollierte, kann man hier schon gewissermaßen von einer gated community, allerdings ohne die charakteristischen physischen Abgrenzungen, sprechen[9].

1991 fielen die wichtigsten Säulen der Apartheidgesetzgebung und 1994 folgten die ersten freien Wahlen. Man kann daher von einer Demokratisierung und Liberalisierung der gesellschaftlichen Entwicklungen seit dem Anfang der 90er Jahre sprechen. Trotzdem eine zunehmende Afrikanisierung der Städte zu beobachten ist, ist die Durchmischung der Bevölkerung sehr problematisch. Ein Grund dafür ist die jahrelange Politik der Apartheid, die die Bevölkerungsgruppen stark entzweit hat und viele Menschen in ihrem Denken und Handeln noch immer prägt. Außerdem sind die jeweiligen kulturellen Eigenheiten oft sehr stark ausgeprägt und kaum miteinander in Einklang zu bringen[10].

Durch die Entwicklungen in den 90er Jahren sind in den südafrikanischen Städten, vor allem in Johannesburg und Kapstadt, viele urbane Probleme aufgetreten, die dem Staat in dieser Form bislang unbekannt waren. So sind nun auch die ehemals weißen Wohngebiete massiv von Kriminalität betroffen, da sich die Polizei infolge der Demokratisierung nun auf alle Bereiche der Stadt konzentrieren muss und nicht vorrangig die "weißen" Wohngebiete kontrolliert. Vor allem die Zahlen der Morde und Eigentumsdelikte sind enorm angestiegen.

Abb.1: Entwicklung von Verbrechen in Südafrika

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Jürgens, U. und Gnad, M. (2000), S.199

Johannesburg trägt den traurigen Beinamen der "Mordhauptstadt der Welt"[11]. Auch hat der Handel mit Drogen eine starke Ausdehnung erfahren. So spricht man beispielsweise von Kapstadt als internationalem Drogenumschlagplatz. In engem Zusammenhang damit steht auch die Ausbreitung des Rotlicht-Milieus seit Anfang der 90er Jahre[12]. Die Gesamtheit dieser Probleme zieht bauliche Veränderungen in Form von Sicherungsmaßnahmen nach sich. Diese Baumaßnahmen in Form von Zäunen und Mauern und die Ausstattung mit Videokameras und Sicherheitspersonal sind bereits als Vorstufe zur Entwicklung von gated communities zu interpretieren.

[...]


[1] Vgl. Glasze, G. (2001): Geschlossene Wohnkomplexe (gated communities): „Enklaven des Wohlbefindens“ in der wirtschaftsliberalen Stadt.

[2] Vgl. Glasze, G. (2001): Geschlossene Wohnkomplexe (gated communities): „Enklaven des Wohlbefindens“ in der wirtschaftsliberalen Stadt.

[3] Vgl. Jürgens, U. und Gnad, M. (2000): Gated Communities in Südafrika – Untersuchungen im Großraum Johannesburg.

[4] Vgl. Glasze, G. (2001): Geschlossene Wohnkomplexe (gated communities): „Enklaven des Wohlbefindens“ in der wirtschaftsliberalen Stadt.

[5] Vgl. Jürgens, U. und Gnad, M. (2000): Gated Communities in Südafrika – Untersuchungen im Großraum Johannesburg.

[6] Vgl. Glasze, G. (2001): Geschlossene Wohnkomplexe (gated communities): „Enklaven des Wohlbefindens“ in der wirtschaftsliberalen Stadt.

[7] Vgl. Jürgens, U. (1998): Kapstadt – Entwicklungspotentiale und –hemmnisse im neuen Südafrika.

[8] Vgl. Jürgens, U. (1999): Alte und neue Disparitäten in Südafrika.

[9] Vgl. Jürgens, U. und Gnad, M. (2000): Gated Communities in Südafrika – Untersuchungen im Großraum Johannesburg.

[10] Vgl. Rößner, T. (1997): Das neue Südafrika

[11] Vgl. Bähr, J. (1997): Südafrika – Abbau ethnischer und regionaler Disparitäten seit dem Ende der Apartheid?

[12] Vgl. Jürgens, U. (1998): Kapstadt – Entwicklungspotentiale und –hemmnisse im neuen Südafrika.

Details

Seiten
26
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638129329
Dateigröße
7.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4801
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Gated communities Südafrika Südostasien

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