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Englisch lernen im Kindermuseum

Examensarbeit 2005 103 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Thema und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Vorgehensweise

2. Kindermuseen als außerschulische Lernorte
2.1 Was ist ein Kindermuseum?
2.2 Organisationsformen
2.3 Raumausstattung
2.4 Aufgaben und Ziele
2.5 Themen
2.6 Prinzipien
2.6.1 Prinzip der Selbsttätigkeit
2.6.2 Prinzip der Interaktion
2.6.3 Prinzip der Partizipation
2.6.4 Prinzip der Lebensweltlichkeit
2.7 Praxis der Museumspädagogik
2.7.1 Ausstellungs- und Präsentationsdidaktik
2.7.2 Didaktik der Museumspädagogik
2.8 Kooperation zwischen Schule und Kindermuseum
2.8.1 Materialien zur Vor- und Nachbereitung
2.8.2 Angebote für Lehrer
2.8.3 Zusammenarbeit bei Projektwochen
2.8.4 Kooperation im Bereich der Ganztagsangebote

3. Gesamtkonzept - Englisch lernen im Kindermuseum
3.1 Zielgruppe
3.1.1 Definition
3.1.2 Kontext der Sprachverwendung
3.1.3 Bedürfnisse
3.2 Ziele
3.3 Pädagogisch-didaktisches Konzept
3.3.1 Grundlagen
3.3.2 Prinzipien
3.3.3 Vermittlungsformen
3.4 Umsetzung
3.4.1 Überblick
3.4.2 Themen
3.4.3 Museumspädagogische Programme
3.4.4 Kommunikation im Museum
3.4.5 Ausstellungsbereiche
3.4.5.1 Überblick
3.4.5.2 Schwerpunkt Landeskunde, Kultur, Soziales
3.4.5.3 Schwerpunkt Sprachkompetenzen
3.4.5.4 Schwerpunkt kommunikative Sprachaktivitäten

4. Ein Besuch im Kindermuseum – drei Fallbeispiele
4.1 Beispiel 1: Wortschatzarbeit im Kindermuseum
4.1.1 Rahmenbedingungen
4.1.2 Beschreibung des Lernumfeldes
4.1.3 Umsetzung
4.2 Beispiel 2: Interkulturelles Lernen im Kindermuseum
4.2.1 Rahmenbedingungen
4.2.2 Umsetzung
4.2.3 Beschreibung des Lernumfeldes
4.3 Beispiel 3: Projektwoche mit dem Museumskoffer
4.3.1 Rahmenbedingungen
4.3.2 Beschreibung des Lernumfeldes
4.3.3 Inhaltliche Darstellung des Falls
4.3.4 Umsetzung

5. Englisch lernen im Kindermuseen – eine Vision?
5.1 Ein Veto für Kindermuseen
5.2 Kritische Einwände
5.3 Eine Zukunft für ein Kindermuseum?

6. Bibliografie

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 „Gründungskapital“ des Joint Venture Kindermuseum und Sprache

Abb. 2 Abruf eines Beispielsatzes per Knopfdruck

Abb. 3 Anweisungen und Wegbeschreibungen (Beispiele)

Abb. 4 Beispiel für eine Arbeitsanweisung

Abb. 5 Raumkonzept des Kindermuseums

Abb. 6 Häuserreihe

Abb. 7 Innenansicht eines Raumes

Abb. 8 Überblick über die „Produkte“ des Word Supermarkt

Abb. 9 Darstellungsweisen von Wörtern und Wortverbindungen

Abb. 10 Der Barcode ermöglicht das Abrufen weiterer „Produktinformationen“

Abb. 11 Übersicht der Arbeitsaufträge für die Verkäufer

Abb. 12 Beispiele für zwei Activity Cards für Verkäufer

Abb. 13 Übersicht der Arbeitsaufträge für die Kunden

Abb. 14 Einkaufsliste und Beispiel für ein Advertising poem

Abb. 15 Textbausteine für ein Telefongespräch

Abb. 16 Beispiele aus der Kartei für Personenbeschreibungen

Abb. 17 Formular der Internet-Seite Lost and Found.co.uk

1. Einleitung

1.1 Thema und Ziel der Arbeit

Kindermuseen gewinnen als außerschulische Bildungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung und haben ihren festen Platz in der deutschen Bildungslandschaft gefunden. Sie werden als Räume wahrgenommen, in denen Kinder die Welt selbständig erschließen können. Das Schlagwort „Hands on!“ gilt als die zentrale Maxime der Museumspädagogik und ist gleichzeitig die Aufforderung an junge Museumsbesucher, Ausstellungsobjekte anzufassen, sie zu „be-greifen“ und Wissen interaktiv, in eigener Regie zu erfahren. Dem Handeln wird dabei eine zentrale Rolle einräumt – ganz gemäß des vielzitierten chinesischen Sprichwortes „Ich höre und ich ver-gesse, ich sehe und ich erinnere mich, ich mache und ich ver-stehe.“ Die Palette der Ausstellungsinhalte reicht von naturwissen-schaftlichen, über geschichtliche, technische, kulturelle und um-weltrelevante Themen. Das Phänomen Sprache wird allerdings nur am Rande als „Ausstellungsgegenstand“ thematisiert. Ein Kinder-museum, das sich dem Sprachenlernen widmet (so wie sich beispielsweise das Mathematikum in Gießen der Mathematik), gibt es bisher noch nicht in Deutschland – und das, obwohl dadurch räumliche, materielle und finanzielle Begrenzungen des schulischen Fremdsprachenunterrichts überwunden werden könnten. Ein solcher Lernort bietet nicht nur eine anspruchsvoll ausgestattete Lernumgebung mit reichhaltigem Anschauungspotential, sondern er-möglicht zugleich die Begegnung mit Muttersprachlern in Kommunikationssituationen, in denen Lernen mit allen Sinnen zu einem – im wahrsten Sinne des Wortes - „unvergesslichen“ und „merkwürdigen“ Ereignis wird.

Wie würde ein Kindermuseum aussehen, das auf das Lernen von Sprachen ausgerichtet ist und den Schulunterricht sinnvoll ergänzt und bereichert? Diese Frage ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit mit dem Thema "Englisch lernen im Kindermuseum". Am Beispiel der englischen Sprache wird dazu ein pädagogisch-didaktisches Konzept für ein Kindermuseum entworfen, in dem es um das Lernen der englischen Sprache im Kindermuseum geht.

Das Ziel der Arbeit besteht darin, durch eine Zusammenarbeit von Schulen mit einem Kindermuseum für Sprachen, eine Ergänzungs-möglichkeit zum herkömmlichen Englischunterricht aufzuzeigen, die es vermag, die Begrenzungen schulischen Lernens zu über-winden und gleichzeitig einen Beitrag zur Motivationssteigerung der Lernenden zu leisten.

1.2 Aufbau der Arbeit

Um das Konzept von Kindermuseen auf das Phänomen „Sprache lernen“ übertragen zu können, ist es zunächst notwendig, die Institution Kindermuseum als außerschulischen Lernort darzu-stellen (Kapitel 2). Aus theoretischer Sicht werden in diesem Zusammenhang die Organisationsformen, Aufgaben, Ziele, Themen und pädagogischen Konzepte von Kindermuseen vorgestellt. Weiter-hin erfolgt eine Darstellung der museumspädagogischen Praxis so-wie Beispiele von Kooperationsformen zwischen Kindermuseen und Schulen.

Basierend auf den vorangegangenen Erkenntnissen wird in Kapitel 3 ein pädagogisch-didaktisches Konzept für ein Kindermuseum für junge Sprachlerner in der Altergruppe von sechs bis zwölf Jahren entworfen, indem das Konzept von Kindermuseum mit seinen Ideen, Prinzipien und Methoden auf das Lernen der englischen Sprache übertragen werden. Als Grundlage dieses Konzeptes werden dazu zunächst Ziele sowie Zielgruppe definiert. Im Anschluss daran wird die Gesamtidee bezogen auf die Didaktik der Museumspädagogik sowie die Ausstellungs- und Präsentationsdidaktik vorgestellt, in-dem ein Bild gezeichnet wird von den Themen, den museums-pädagogischen Aktionen sowie der Räume, in den diese Handlungen stattfinden.

Während in Kapitel 3 das Konzept als Gesamtkonstrukt vorgestellt wird, erfolgt im nachfolgenden Kapitel 4 die detaillierte Darstellung ausgewählter Museumsbereiche mit ihren einzelnen Lernstationen und museumspädagogischen Aktionen anhand von drei fiktiven Besuchssituationen. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Sprachanfängern, die im Word Supermarket englischen Wörtern begegnet (Fallbeispiel 1), um eine Lerngruppe nach dem vierten Lernjahr, die eine Reise in einen englischsprachigen Sprachraum unternimmt (Fallbeispiel 2) sowie um eine gemischte Schüler-gruppe, die im Rahmen einer Projektwoche einen Detektivfall löst (Fallbeispiel 3).

Abschließend wird in Kapitel 5 die Vision „Englisch lernen im Kindermuseum“ kritisch reflektiert. Dazu werden mögliche Ge-fahren aufgezeigt und den Vorteilen gegenüber gestellt. Die Arbeit endet mit einem Ausblick auf die mögliche Zukunft eines Kinder-museums zum Sprachenlernen.

1.3 Vorgehensweise

Die Darstellung der Institution Kindermuseum in Kapitel 2 stützt sich auf Literatur zum Thema Kindermuseum sowie meine eigenen Beobachtungen, die ich im Rahmen von Besuchen von Kindermuseen in Deutschland, Australien, Neuseeland, USA und Mexiko gemacht habe. Das eigene Erleben von Kindermuseen dient als schöpferische Grundlage von Kapitel 3 und 4, in denen es um die Konzeption eines Kindermuseums zum Lernen der englischen Sprache geht. Aus der Praxis wurde lediglich die „Idee Kindermuseum“ mit ihren Prin-zipien und Vermittlungsformen übernommen. Die Ausgestaltung der Ausstellungsbereiche sowie der museumspädagogischen Aktionen sind meine eigenen Gedankenkonstrukte. Der Gemeinsame euro-päische Referenzrahmen für Sprachen wird als Arbeitgrundlage herangezogen. Der Ausblick auf eine mögliche Zukunft von Kinder-museen zum Sprachenlernen (Kapitel 5) ist meine Eigenleistung.

2. Kindermuseen als außerschulische Lernorte

Zur Konzeption einer interaktiven Ausstellung mit dem Schwerpunkt „Englisch lernen“ ist es zunächst notwendig, die charakteristischen Merkmale von Kindermuseen zu untersuchen. Nach einer Begriffs-bestimmung folgt eine Beschreibung der Institution Kindermuseum mit ihren Organisationsformen, Aufgaben, Zielen, Themen, Prin-zipien sowie pädagogischen Konzepten. Im Anschluss daran wird die Arbeitsweise von Kindermuseen in der museumspädagogischen Praxis sowie Formen der Zusammenarbeit zwischen Kindermuseen und Schulen vorgestellt.

2.1 Was ist ein Kindermuseum?

Die Association of Youth Museums (AYM), definiert das Kinder-museum als

[…] an institution committed to serving the needs and interests of children providing exhibits and programs that stimulate curiosity and motivate learning. Children’s museums are organized and permanent non-profit institutions, essentially educational in purpose, with professional staff, which utilize objects, care for them and are open to the public on some regular schedule (hand to hand, 1992).

Laut Definition sind Kindermuseen öffentlich zugängliche, nicht-gewinnorientierte Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit einem Bildungsauftrag oder, in den Worten von Wolfgang Dichans, „die institutionalisierte Form der Sendung mit der Maus“ (1997, zitiert bei König 2002: 92). Es handelt sich dabei um lebendige Spiel- und Erlebnislandschaften mit außerschulischen kulturellen Bildungsangeboten, die sich durch offene Lernformen auszeichnen und dem Handeln eine zentrale Rolle einräumen.

Kindermuseen sind nicht zu verwechseln mit Museen, die die Themen Kind oder Kindheit thematisieren, so wie beispielsweise Spielzeugmuseen. Kindermuseen handeln also nicht von Kindern, sondern sie sind für Kinder und orientieren sich an deren Inte-ressen, Bedürfnissen und Entwicklungsstand (vgl. König 2002: 94).

Aufgrund der Tatsache, dass Kindermuseen oftmals nicht über eigene Sammlungen verfügen, stellt sich die berechtigte und in Fachkreisen heftig diskutierte Frage, ob Kindermuseen Museen sind. Während in traditionellen Museen das Sammeln, Erforschen und Vermitteln im Vordergrund steht, messen Kindermuseen nicht dem Sammeln und der Sammlung, sondern vielmehr dem Besucher größere Bedeutung bei. Traditionelle Museen tun sich schwer damit, Kindermuseen als Museen anzuerkennen, dennoch zeichnet sich tendenziell eine veränderte Haltung in der Museumslandschaft ab (vgl. Ebd.: 94-95).

2.2 Organisationsformen

Die Kindermuseumslandschaft stellt sich sehr vielfältig dar. Man unterscheidet verschiedene Organisationsformen:

- Eigenständige Kindermuseen sind autonome Institutionen, die nicht an ein traditionelles Museum angegliedert sind und über eine eigene Verwaltung sowie eigene Räumlichkeiten verfügen, wie beispielsweise die Kinder-Akademie Fulda oder das Kinder-museum Atlantis in Duisburg (vgl. Schreiber 1998: 113).
- Einige traditionelle Museen integrieren Museumsecken für Kinder in ihrem Haus und stellen kindgerechte Angebote zur Verfügung. Durch die Angliederung an ein traditionelles Museum ist das Kindermuseum thematisch, verwaltungstechnisch und teilweise finanziell mit dem traditionellen Museum verbunden. In der Regel richten sich die Inhalte des Kindermuseums nach dem Ausstellungsgegenstand des traditionellen Museums (vgl. Ebd.: 112). So ist die Kinderecke im Museum für Post und Kommunikation in Frankfurt thematisch an den Ausstellungs-gegenstand „Post und Kommunikation“ angelehnt.
- Mobile Kindermuseen, wie beispielsweise das Mobile Kinder-museum Braunschweig, haben keine eigenen Ausstellungs-flächen, sondern sind in Museumsmobilen untergebracht, die Schulen und soziale Einrichtungen besuchen. Auf diese Weise können Zielgruppen erreicht werden, die sonst selten oder nie ins Museum gehen (vgl. Ebd.: 112). Einige eigenständige Kinder-museen verfügen zusätzlich über mobile Ausstellungen, wie zum Beispiel das Museum im Koffer in Nürnberg, das ursprünglich als mobiles Kindermuseum unterwegs war und seit 2001 zusätzlich über feste Ausstellungsräume verfügt.

2.3 Raumausstattung

Die Raumausstattung von Kindermuseen ist abhängig von den verfügbaren Finanzen, der Art und Qualität der pädagogischen Methoden, der Größe des Einzugsbereichs sowie der Organisations-form (eigenständiges, angegliedertes oder mobiles Kindermuseum).

Die Größe von eigenständigen Kindermuseen beläuft sich im Durchschnitt auf 1500 bis 2000 m2, während es auch eine Reihe sehr großer Institutionen gibt, die über mehrere Stockwerke erstrecken, wie beispielsweise das 10.000 m2 große Papalote Museuo del niño in Mexiko Stadt oder das Children’s Museum of Indianapolis mit ca. 40.000 m2, das weltweit das größte Kindermuseum ist (vgl. Popp 1998: 124-125 und Schreiber 1998: 26-28).

Zu den allgemeinen Raumanforderungen eines Kindermuseums gehören neben den Ausstellungsräumen Kreativbereiche, in denen Kinder selbst künstlerisch oder handwerklich tätig werden können, ein Empfangs-, Garderoben- und Sanitärbereich, ein Verwaltungs-bereich sowie ein Werkstattbereich (z.B. für die Reparatur von Objekten) (vgl. König 1998: 14). Eine Vielzahl von Kindermuseen integrieren außerdem eine Cafeteria, ein Museumsshop, Kino oder Theater.

2.4 Aufgaben und Ziele

Das Ziel besteht darin, Kindern einen Zugang zu Kultur, Technik und Wissenschaft zu eröffnen. „Ein Besuch im Kinder- und Jugend-museum soll zur „Entdeckung der Welt“, d.h. zur Entdeckung von bislang Fremdem und Unbekanntem animieren“ (König 2002: 93). Es geht also darum, Kindern die Zusammenhänge der Welt ver-ständlich zu machen.

2.5 Themen

Während sich traditionelle Museen auf einen Themenschwerpunkt festlegen (z.B. Geschichte, Kunst oder Völkerkunde), bieten Kinder-museen eine bunte Mischung aus verschiedenen Themengebieten aus den Bereichen der Naturwissenschaft, Technik, Umwelt, Kultur und Geschichte an.[1] Die Ausstellungsinhalte beziehen sich auf Le-bensbereiche, „die Kinder angehen, die sie interessieren, fas-zinieren, begeistern und unterhalten, aber auch irritieren und er-schrecken“ (Schreiber 1998: 34). Die folgende Übersicht zeigt Bei-spiele von Ausstellungstiteln, von denen einige Wechselaus-stellungen sind oder waren (vgl. Dokumentationsstelle des Bundes-verbandes der deutschen Kinder- und Jugendmuseen sowie eigene Beobachtungen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.6 Prinzipien

2.6.1 Prinzip der Selbsttätigkeit

Das Prinzip der Selbsttätigkeit begründet sich in den natürlichen Aneignungsformen von Kindern. Es liegt in der Natur von Kindern, die Welt zu erforschen, Dinge selbst durch Experimentieren und Forschen herauszufinden. In einer offenen Lernlandschaft können sich Kinder selbsttätig bewegen und selbst bestimmen, was, wie lange und in welcher Reihenfolge gemacht wird (vgl. Schreiber 1998: 40).

2.6.2 Prinzip der Interaktion

Um dem kindlichen Entdeckungs- und Bewegungsdrang gerecht zu werden, ist es unabdingbar, dass Ausstellungsgegenstände angefasst werden können. Kindermuseen laden zum Anfassen und Mitmachen ein. Anstelle des Verbots „Bitte nicht berühren!“ tritt das Gebot „Hands on!“ - die Aufforderung an junge Museumsbesucher, Aus-stellungsobjekte anzufassen, sie zu betasten, daran zu riechen, sie zu erleben. Auf diese Weise werden mehrere Sinne gleichzeitig angesprochen (vgl. Kolb 1987: 38).

„Nicht nur Betrachten, Hören und Lesen sind die Zugangsmöglichkeiten zu den Inhalten und Objekten, sondern auch Tasten, Riechen, Schmecken und Erfahren mit dem ganzen Körper [...]“ (Schreiber 1998: 40).

Jedoch sollte an dieser Stelle bemerkt werden, dass „Anfassen weder eine Qualität an sich darstellt, noch dazu beiträgt, Kindern die sie umgebende Welt verständlicher zu machen“ (König 2002: 98-99). Diese Erkenntnis hat dazu geführt, den Ansatz des „Hands on!“ zu reflektieren.

Als Folge dieser Diskussion bewegt sich die Museumspädagogik zum neuen Jahrtausend in die neue Generation des „Minds on!“, das Kinder auffordert, Dinge nicht nur anzufassen, sondern gleichzeitig zu hinterfragen und eigenständig Antworten auf relevante Frage-stellungen zu finden. „Be-greifen“ impliziert somit eine doppel-deutige Aussage: „anfassen“ einerseits und „verstehen“ anderer-seits (vgl. Ebd.: 99).

2.6.3 Prinzip der Partizipation

Der Besucher eines Kindermuseums nimmt eine handelnde Rolle ein und wird zum aktiven Mitmachen aufgefordert. Kinder werden an der Gestaltung des Museums sowie seiner Ausstellungsinhalte be-teiligt und dazu eingeladen, eigene Ideen und Fantasien kreativ einzubringen. Die Übernahme einer Funktion im Museum (z.B. Museumsführer), die Herstellung von Exponaten in Workshops oder die Einbeziehung in die Planung des Museums sind Ausdruck für die Beteiligung der Besucher am Kindermuseum (vgl. Schreiber 1998: 40).

2.6.4 Prinzip der Lebensweltlichkeit

Als zielgruppenorientiertes Museum orientieren sich die Aus-stellungsthemen von Kindermuseen nach der Lebenswelt ihrer Be-sucher. Wie in Kapitel 2.5 aufgezeigt wurde, präsentieren Kinder-museen solche Themen und Objekte, die Kinder interessieren und einen Bezug zu ihren Lebensbereichen haben (vgl. Ebd.: 34).

2.7 Praxis der Museumspädagogik

Die Praxis der Museumspädagogik bietet eine Reihe von Vermittlungs- und Präsentationsformen, die Partizipation und Inter-aktion ermöglichen. Man unterscheidet die Ausstellungs- und Prä-sentationsdidaktik, die primär die ästhetischen, architektonischen Aspekte berücksichtigt (z.B. Inszenierungen und Installationen) und zum anderen die Didaktik der Museumspädagogik, die sich auf die personelle Vermittlung (z.B. Führungen, Kurse, Workshops) bezieht (vgl. Weschenfelder & Zacharias 1992: 15-16).

2.7.1 Ausstellungs- und Präsentationsdidaktik

Der Besucher findet eine inszenierte Lernumgebung vor, die die Wirklichkeit nachbildet. Die Beispiele aus der Praxis der Kinder-museen sind schier grenzenlos: Ob im „Begehbaren Herz“ der Blutkreislauf erforscht wird (Kinder-Akademie Fulda), im freien Fall die Schwerkraft am eigenen Leib erfahren erlebt wird (Questacon, Canberra, Australien), im „Erdbebencafé“ die Gewalt eines Erdbebens simuliert wird (Te Papa Museum, Wellington, Neu-seeland) oder die Funktion des Wassers in der Wasserlandschaft „Water Ways“ mit Pumpen, Rädern und Dämmen vermittelt wird (Chicago Children’s Museum, USA), alle Exponate bilden die Wirk-lichkeit für den jungen Museumsbesucher plakativ nach und machen Lernen zu einem unvergesslichen Erlebnis.

2.7.2 Didaktik der Museumspädagogik

Die Didaktik der Museumspädagogik betrifft die personelle Ver-mittlung. In das Repertoire fallen Workshops und Kurse, Gespräche, Führungen, Theater sowie Demonstrationen am Objekt. Nahezu jedes Kindermuseen bietet Programme an, in denen Museums-pädagogen dem Besucher Inhalte näher bringen.

Ein besonders gelungenes Beispiel ist das Atelier des ZOOM Kinder-museums in Wien – „KünstlerInnen begegnen Kids, Kids begegnen KünstlerInnen“, so das Motto. Gemeinsam nähern sich Kinder und KünstlerInnen spielerisch einer künstlerischen Idee, die in einer kreativen Atmosphäre umgesetzt wird.

Im aktuellem Workshop „Schwimmsachen“ bauen Kinder unter Leitung einer Künstlerin aus verschiedenen Materialien Schwimm-skulpturen wie beispielsweise eine Plätschermaschine oder einen Wundertaucher und probieren anschließend aus, ob die Erfindung funktioniert (vgl. ZOOM Kindermuseum 2005).

Ein ähnliches Konzept hat die Kunstschule der Kinder-Akademie Fulda, deren Kurse von Künstlern fachkundig geleitet werden. Einzigartig hier ist die Verknüpfung der Werkstatt und Ausstellungs-räume. Oftmals entstehen Objekte, die als Exponat einen Platz in den Ausstellungsräumen finden.

Einige Kindermuseen verfügen über sogenannte Explainer, d.h. Museumspädagogen, die sich in den Ausstellungsräumen aufhalten, um inhaltliche Fragen der Besucher zu beantworten. Besonders an-sprechend ist das Konzept des Kindermuseums Papalote in Mexiko Stadt, das für diese Zwecke kleine Stationen mit Sitzgelegenheiten eingerichtet hat, wo sich das Museumspersonal ungestört den Fragen der Besucher annehmen kann.

Beispiele aus der Praxis der Museumspädagogik (eigene Fotos):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.8 Kooperation zwischen Schule und Kindermuseum

Schule und Kindermuseum sind wirtschaftlich und organisatorisch unabhängig voneinander arbeitende Einrichtungen, die gemeinsame Bildungs- und Erziehungsziele verfolgen. Kindermuseen als außer-schulische Lernorte stellen spezifische Bildungsangebote zur Ver-fügung, die von Schulen als Ergänzung des Schulunterrichts genutzt werden. Unterricht findet somit im öffentlichen Raum statt, was eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindermuseum not-wendig macht. Beide Einrichtungen stehen sich dabei als Partner gegenüber, die sich gegenseitig bereichern und ergänzen. In der museumspädagogischen Praxis haben sich zahlreiche Formen der Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindermuseum bewährt, die im Folgenden anhand von Best-practice-Beispielen vorgestellt werden.

2.8.1 Materialien zur Vor- und Nachbereitung

Ein Besuch im Kindermuseum als ergänzendes Angebot zum Schul-unterricht kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Museums-besuch in eine Unterrichtseinheit integriert wird. Entscheidend sind dabei nicht nur die Aktivitäten während des Museumsbesuchs. Von zentraler Bedeutung ist neben der Klärung organisatorischer Fragen vor allem die inhaltliche Vor- und Nachbereitung des Museums-besuchs, der didaktisch aufbereitet werden muss. Viele Kinder-museen bieten Lernmaterialen zur Vor- und Nachbereitung eines Besuchs an. Das Childrens’s Museum of Indianapolis stellt beispiels-weise Lehrern auf der Webseite passend zu den Ausstellungs-themen Unterrichtsvorschläge und -materialien zum Herunterladen zur Verfügung. Weiterhin gibt es hier eine Reihe von Online-Angeboten, die vor- oder nachbereitend eingesetzt werden können (vgl. Childrens’s Museum of Indianapolis 2005).

2.8.2 Angebote für Lehrer

Um Lehrkräfte auf einen Museumsbesuch vorzubereiten, bieten Kindermuseum oftmals Vorbereitungsveranstaltungen für Lehrer an. Dies ermöglicht nicht nur eine sinnvolle Integration eines Museums-besuchs in eine Unterrichtseinheit, sondern bietet Lehrkräften außerdem die Möglichkeit, den Besuch im Kindermuseum eigen-ständig zu leiten. Das Kindermuseum Atlantis in Duisburg bietet beispielsweise eine Reihe von Informationsveranstaltungen und Weiterbildungen für Lehrer zu bestimmten pädagogischen Themen und Sachthemen an. In den regelmäßig stattfindenden Sichtungs-veranstaltungen bereiten Museumspädagogen Lehrkräfte in einer Führung auf einen Museumsbesuch vor (vgl. Atlantis Kindermuseum 2005).

2.8.3 Zusammenarbeit bei Projektwochen

Eine Zusammenarbeit zwischen Schule und Kindermuseum bietet sich vor allem im Rahmen von Projektwochen an. Kindermuseen verfügen über spezifische Bildungsangebote, die Schulen während der Projektwochen entweder in den Räumen des Kindermuseums oder im eigenen Klassenzimmer bzw. Schulgelände nutzen können.

Kindermuseen mit mobilen Ausstellungen verleihen Museumskisten an Schulen und verwandeln das Klassenzimmer in ein Museum. Das Museum im Koffer des Kindermuseums Nürnberg verfügt über ein vielfältiges Angebot an mobilen Themeneinheiten, die für die Dauer einer Projektwoche ausgeliehen werden können und Exponate, Verbrauchsmaterialien, Werkzeuge, Anleitungen sowie Kopier-vorlagen enthalten. Die Betreuung erfolgt durch qualifizierte Mit-arbeiter des Museums (vgl. Museum im Koffer 2005).

Ein weiteres Beispiel für eine Zusammenarbeit im Rahmen von Projektwochen bietet das Kindermuseum Labyrinth in Berlin an, das in Zusammenarbeit mit Schulen Konzepte für Projektwochen er-arbeitet, die in den Räumen des Kindermuseums stattfinden (vgl. Labyrinth Kindermuseum Berlin 2005).

2.8.4 Kooperation im Bereich der Ganztagsangebote

Mit dem zunehmenden Ausbau von Ganztagsangeboten eröffnen sich neue Kooperationsformen zwischen Schule und Kindermuseum, das Bildungsangebote im Nachmittagsbereich bereitstellt. Das MACHmit! Museum für Kinder bietet beispielsweise Nachmittags-programme für Schulen und Kindertagesstätten an. Die aktuelle Ausstellung „Auf der Suche nach dem Paradies“ ist eine Aus-stellung, die in Zusammenarbeit mit Schulen und Kindertages-stätten entstanden ist und das Ergebnis dieser kreativen Zu-sammenarbeit präsentiert (vgl. MACHmit! Museum für Kinder 2005).

3. Gesamtkonzept - Englisch lernen im Kindermuseum

Bevor in Kapitel 4 anhand von drei fiktiven Besuchssituationen aus-gewählte Angebote des Kindermuseums detailliert beschrieben werden, erfolgt zunächst die Darstellung des Gesamtkonzeptes aus pädagogisch-didaktischer Sicht. Als Arbeitsgrundlage wird der Ge-meinsame europäische Referenzrahmen für Sprachen des Europa-rates herangezogen (im Folgenden genannt Referenzrahmen). Aus der im Referenzrahmen dargestellten Bandbreite der Parameter, die den Sprachgebrauch und die sprachliche Handlungsfähigkeit Lernender beschreiben, werden diejenigen ausgewählt, die für das Sprachlernangebot Kindermuseum relevant sind.

Zunächst wird in Kapitel 3.1 festgelegt, an welche Zielgruppe sich das Kindermuseum wendet und in welchen Lebensbereichen die Zielgruppe die englische Sprache verwendet, bevor in Kapitel 3.2 die Definition der Ziele erfolgt. Im Anschluss daran wird in Kapitel 3.3 das pädagogisch-didaktische Konzept des Gemeinschaftsunter-nehmens „Kindermuseum und Sprache“ vorgestellt. Dazu werden die in Kapitel 2 vorgestellten Prinzipien und Vermittlungsformen von Kindermuseen auf das Lernen der englischen Sprache über-tragen und in ein gemeinsames Konzept überführt. Kapitel 3.4 voll-zieht den Schritt in die Praxis und beschreibt, wie dieses Gemein-schaftsunternehmen aussehen könnte. Dazu werden die Themen, museumspädagogischen Aktionen, Kommunikationsformen sowie Ausstellungsbereiche in Form eines Überblicks vorgestellt. Die Dar-stellung der Ausstellungsbereiche erfolgt in einheitlicher Weise: Definition des Lernziels, Festlegen der benötigten Raumbedarfs (inm2), Anführen der museumspädagogischen Aktionen, notwendige Betreuung durch Mitarbeiter des Kindermuseums, Form der Berück-sichtigung des aktuellen Themas, Beschreibung der materiellen Um-gebung sowie der Handlungsmöglichkeiten, die sich für den Be-sucher ergeben.

Die Beschreibung der Ausstellungsbereiche sowie der museums-pädagogischen Programme ist als Überblick zu verstehen und ver-mittelt einen Gesamteindruck der Idee „Sprache lernen im Kinder-museum“. Auf eine ausführliche Darstellung jedes einzelnen Aus-stellungsbereichs bzw. Programms muss an dieser Stelle verzichtet werden. Dies hat zur Folge, dass einige Aspekte als Idee nur an-gerissen werden und an keiner weiteren Stelle ausgeführt werden. In Kapitel 4 werden einzelne Teilbereiche des Kindermuseums exemplarisch aufgegriffen und vertieft. Dabei handelt es sich um solche Aspekte, die neue Formen der Vermittlung aufgreifen und aufgrund räumlicher, materieller und zeitlicher Begrenzungen des Schulunterrichts nicht oder nur schwer verwirklicht werden können, z.B. Rauminszenierungen. Es werden die Aspekte ausgeblendet, die ihren festen Platz im Fremdsprachenunterricht haben (z.B. Sprach-lernspiele, Storytelling), die aber trotzdem ihren Raum im Kinder-museum haben müssen.

Die Konzeption des Kindermuseums lässt wirtschaftliche Aspekte außer Acht und stellt mit Hinblick auf die Personal- und Raum-ausstattung ein Idealbild dar. Dennoch liegen dem Konzept realis-tische Annahmen zu Grunde. So orientiert sich das Raumkonzept des Kindermuseums an der Größe von etablierten Kindermuseen, die eine durchschnittliche Größe von 1.500 bis 2.000 m2 aufweisen. Es sieht vor, dass fünf Gruppen gleichzeitig betreut werden können. Die durchschnittliche Raumgröße orientiert sich an der Einheit „Schulklasse“ und beträgt ca. 60 m2. Weiterhin wird davon ausgegangen, dass eine Schulklasse in einem Schulhalbjahr ein bis zwei Mal ein Kindermuseum besucht.

3.1 Zielgruppe

3.1.1 Definition

Das Kindermuseum wendet sich an Kinder von sechs bis zwölf Jahren, was den Jahrgangsstufen 1 bis 6 entspricht. Aufgrund der Probleme, die sich für den Fremdsprachenunterricht beim Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe ergeben, nämlich ein „schneller Verlust der Motivation und Versagen bei den not-wendigen Anforderungen, bei grammatischen Übungen und schrift-lichen Leistungstests der Sekundarstufe“ (Schmid-Schönbein: 155), werden bewusst die Jahrgangsstufen 5 und 6 einbezogen mit der Absicht, dem Motivationsverlust entgegenzuwirken.

Wir haben es somit mit einer heterogenen Zielgruppe zu tun, die unterschiedliche Spracherfahrungen mitbringt: Kinder im Anfänger-bereich ohne oder mit sehr geringen Spracherfahrungen sowie Kinder mit fortgeschrittenen Spracherfahrungen, die maximal sechs Jahre Englischunterricht hatten.[2] Zu berücksichtigen sind ebenso Kinder, die Englisch als Muttersprache sprechen.

Obwohl Kindermuseen in erster Linie Kinder ansprechen, werden Erwachsene grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Da Eltern ihre Kinder häufig ins Kindermuseum begleiten, werden Eltern als Be-suchsgruppe einbezogen.

3.1.2 Kontext der Sprachverwendung

Da der Kontext der Sprachverwendung maßgeblich für die Zielbe-stimmung ist, folgt eine Darstellung der Lebensbereiche, in denen die Zielgruppe die englische Sprache verwendet bzw. künftig verwenden wird.

Die Verwendung der englischen Sprache beschränkt sich in der Regel auf den schulischen Bereich. Die Sprachhandlungen erfolgen im Rahmen von organisiertem Unterricht und beinhalten vor-wiegend mündliche Interaktionen mit Klassenkameraden sowie den Lehrenden. Neben einer spielerischen Sprachverwendung, bei der Sprachspiele (Brett-, Rätsel-, Karten-, Frage- und Buchstabenspiele) eingesetzt werden, nimmt die ästhetische Sprachverwendung einen großen Raum ein. Letztere beinhaltet einen Umgang mit fiktionalen Texten wie Geschichten oder Reimen (Hören, Erzählen, Lesen und Schreiben), das Singen von Liedern sowie die Rezeption und Pro-duktion von literarischen Texten (vgl. Gemeinsamer europäischer Referenzrahmen für Sprachen 2001: 61-62).

Mittelfristig ist die Zielgruppe auf eine Verwendung der englischen Sprache im öffentlichen Bereich vorzubereiten. Dies umfasst öffent-liche Räume wie Straßen, Geschäfte, öffentliche Verkehrsmittel oder virtuelle Räume, in denen sprachliche Handlungen stattfinden. Dabei kann es beispielsweise darum gehen, in einem Geschäft etwas einzukaufen, eine Information in einem Touristenbüro einzu-holen, eine Fahrkarte in einem Bus zu kaufen oder eine Unterkunft im Internet zu reservieren (vgl. Ebd.: 52-54).

Die Kommunikation in englischer Sprache im öffentlichen Bereich geht in der Regel einher mit dem Verlassen des deutschen Sprach- und Kulturraums sowie dem gleichzeitigen Betreten eines fremd-sprachlichen Raums, also des englischsprachigen Auslands oder eines anderssprachigen Landes.[3] Eng damit verbunden ist das Reisen in fremde Sprach- und Kulturräume, sei es real oder virtuell (E-Mail, Brief, Telefon, SMS). Kritiker mögen einwenden, dass dieser Kontext für Kinder im Grundschulalter nicht relevant ist, da sich diese in Begleitung von Erwachsenen bewegen und damit die fremd-sprachliche Kommunikation nicht notwendig ist. Betont werden sollte jedoch, dass es sich um dabei um einen Bereich handelt, der für die Zukunft relevant ist und für Heranwachsende des dritten Millenniums nicht hinweg zu denken ist.

Langfristig ist eine Verwendung im privaten Bereich und beruflichen Bereich zu erwarten. Diese Bereiche werden im Rahmen der vor-liegenden Arbeit jedoch nicht berücksichtigt.

3.1.3 Bedürfnisse

Die Lernenden haben ein Bedürfnis nach „unmittelbar-sinnlich an-regenden Erfahrungen im tätigen Umgang mit Dingen und Menschen“, also nach handlungsorientierten, ganzheitlichen Ver-mittlungsformen, die die Lernenden „mit allen Sinnen, Emotionen und Gefühlen“ einbeziehen (Finkbeiner 1998: 27).

3.2 Ziele

Der Zielsetzung des Kindermuseums liegen die Empfehlungen des Europarates zugrunde, der für junge Sprachenlerner bis 11 Jahre die Bewusstmachung kultureller und sprachlicher Vielfalt als not-wendige Maßnahme auf dem Weg zu einem multikulturellen und mehrsprachigen Europa ansieht. „Ensure that, from the very start of schooling, or as early as possible, every pupil is made aware of Europe’s linguistic and cultural awareness“ (Council of Europe 1998: 35). Für Schüler der Sekundarstufe wird die erfolgreiche Kommunikation in Alltagssituationen, das Aufbauen sozialer und persönlicher Beziehungen sowie das Respektieren fremder Kulturen als maßgeblich angesehen.

Continue to raise the standard of communication which pupils are expected to achieve so that they can use the language studied to communicate effectively with other speakers of that lanuage in everday transactions, build social and personal relations and learn to understand and respect other people’s cultures and practices (Council of Europe 1998: 35).

Die Empfehlungen des Europarates sind als übergeordnetes Leitziel des Kindermuseums zu verstehen, das die Überschrift „inter-kulturelles Lernen“ trägt. Es geht also um die Ausbildung der interkulturellen Kompetenz oder, um es in den Worten von Bach auszudrücken, darum,

sich adäquat und flexibel gegenüber den Erwartungen der Kommunikationspartner aus anderen Kulturen zu verhalten, sich der kulturellen Differenzen und Interferenzen zwischen eigener und fremder Kultur und Lebensform bewusst zu werden und in der Vermittlung zwischen den Kulturen mit sich und seiner kulturellen Herkunft identisch zu bleiben (Bach 1998: 195).

Aus diesem Ziel, also der Ausbildung interkultureller Kompetenz, leiten sich drei Teilziele ab, die sich auf die für die Zielgruppe relevanten Lebensbereiche beziehen (öffentlicher und schulischer Bereich (vgl. Kapitel 3.1.2):

1. Vermittlung deklarativen Wissens (landeskundliches und sozio-kulturelles Wissen, interkulturelles Bewusstsein). Im Bereich der Landeskunde geht es in erster Linie um geographisches und demographisches Wissen, während das soziokulturelle Wissen Kenntnisse über das tägliche Leben (Essen und Trinken, Tisch-manieren, Feiertage, Freizeitbeschäftigungen), soziale Kon-ventionen sowie Lebensbedingungen umfasst. Durch dieses Wissen erwächst interkulturelles Bewusstsein, das darin be-steht, den fremden Kulturkreis von dem eigenen abzugrenzen (vgl. Referenzrahmen 2001: 103-105).
2. Entwicklung linguistischer Kompetenzen (lexikalische, grammatische, semantische und phonologische Kompetenz) und soziolinguistischer Kompetenzen (sprachliche Kennzeichnung sozialer Beziehungen, Höflichkeitskonventionen). Ohne ein Repertoire an sprachlichen Mitteln (Satzformeln, idiomatische Wendungen, feststehende Muster, Einzelwörter) sowie deren Verbindung zu sprachlich korrekten Strukturen kann Kommunikation nicht gelingen. Eine wirksame Verständigung mit fremden Kulturen setzt die Kenntnis sowie die Verwendung von Ausdrücken und Satzmustern voraus, um beispielsweise Auskünfte einzuholen, Wünsche auszudrücken oder Infor-mationen zur eigenen Person machen zu können. Dass dabei soziolinguistische Kompetenzen eine bedeutende Rolle spielen, liegt auf der Hand (vgl. Ebd.: 109-120).
3. Entwicklung kommunikativer Sprachaktivitäten (Rezeption, Produktion, Interaktion). Bei der Kommunikation mit fremden Kulturen nehmen die Lernenden an mündlichen und schrift-lichen Interaktionen teil, was die Rezeption (Hören und Lesen) sowie die Produktion von Informationen (Sprechen und Schreiben) beinhaltet (vgl. Ebd.: 25-26).

Die Teilziele sind als komplementär zu betrachten, d.h. sie be-ziehen sich aufeinander und ergänzen sich gegenseitig.

3.3 Pädagogisch-didaktisches Konzept

Wie wird das Ziel in einem Kindermuseum erreicht? Um diese Frage zu beantworten, wird ein pädagogisch-didaktisches Konzept ent-worfen, indem die beiden Systeme „Kindermuseum“ und „Sprache“ aufeinander bezogen werden.

[...]


[1] Science Center als eigenständige Institutionen widmen sich ausschließlich natur-wissenschaftlichen und technischen Inhalten.

[2] Die Regelungen über den Beginn der Fremdsprache sind in den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland uneinheitlich. Das Fach Englisch wird in der Regel ab Klasse 1 oder 3 unterrichtet. Da in einigen Bundesländern sowie in einigen Modellschulen Hessens das Fach Englisch bereits ab Klasse 1 angeboten wird, sind als Maximalanforderung sechs Jahre Englischunterricht zu Grunde zu legen.

[3] In der Funktion als Verkehrssprache ist Englisch somit nicht nur Kommunikationsmittel zwischen Zweit- und Muttersprachlern, sondern ebenso zwischen Sprechern verschiedener Muttersprachen.

Details

Seiten
103
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638448208
ISBN (Buch)
9783638708005
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v48004
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für England- und Amerikastudien
Note
sehr gut
Schlagworte
Englisch Kindermuseum

Autor

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Titel: Englisch lernen im Kindermuseum