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Die Staatstheorie des Thomas Hobbes - Wirklich eine absolutistische Staatsvorstellung

Seminararbeit 2002 14 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Kriterien einer absolutistischen Staatstheorie

3. Leben und Werk von Thomas Hobbes

4. Darstellung der Staatstheorie von Hobbes auf Grundlage des "Leviathan"
4.1. Menschenbild und Naturzustand
4.2. Entstehung des Staates

5. Analyse der Theorie auf absolutistische Merkmale
5.1 . Die Macht des Souveräns
5.2. Die Freiheitsrechte der Bürger

6. Analyse der Staatstheorie von Hobbes anhand der von ihm verwendeten Methode

7. Fazit

1. Einleitung

Die politische Philosophie erfuhr im 17. Jahrhundert einen radikalen Wandel mit revolutionärem Charakter, einen so genannten Paradigmenwechsel. Die traditionelle, kollektivistische politische Philosophie der Antike und des Mittelalters, geprägt vom sittlichkeitsorientierten politischen Aristotelismus einerseits und dem stoisch-christlichen Naturrecht andererseits[1], wurde schlagartig abgelöst von einer strikt individualistischen Philosophie.[2]

Als Begründer der modernen politischen Philosophie gilt der englische Philosoph Thomas Hobbes (1588-1679). In einer Zeit großer politischer und gesellschaftlicher Veränderungen befasste er sich in politikwissenschaftlicher Hinsicht[3] vor allem mit den Bereichen politische Stabilität sowie Legitimität des Politischen und des Rechts. Dabei ging Hobbes auch in der Methodik neue Wege. Er betrieb Politikwissenschaft als Erster mit Hilfe von mathematischen und mechanistischen Methoden.[4]

Seine staatstheoretischen Vorstellungen gelten im Allgemeinen als absolutistisch.[5] Ist diese Einschätzung berechtigt oder gibt es Hinweise auf Elemente in seiner Theorie, die dagegen sprechen? Mit dieser Frage beschäftigt sich die vorliegende Arbeit.

Dazu werden zunächst Kriterien für eine absolutistische Staatstheorie festgelegt, anhand derer später die Analyse vorgenommen werden soll. Anschließend wird auf das Leben und das Werk von Thomas Hobbes und dessen historischen Kontext eingegangen, weil dort wichtige Ansätze zu finden sind, die für die Entwicklung seiner staatstheoretischen Vorstellungen von Bedeutung sind. Diese Vorstellungen einer Staatstheorie werden dann auf der Grundlage des Leviathan dargestellt. Aufgrund der Tatsache, dass dies sein bedeutendstes politiktheoretisches Werk ist, bleiben andere Werke, auch im Hinblick auf die Begrenztheit des Umfanges dieser Arbeit, weitgehend unberücksichtigt. Im darauf folgenden Abschnitt werden seine Aussagen analysiert und dahingehend überprüft, ob diese Vorstellung als absolutistisch bezeichnet werden kann oder nicht. Zum Schluss wird noch auf die Probleme eingegangen, die die von Hobbes verwendete Methode bei der Beurteilung der Leitfrage aufwirft, bevor dann ein Fazit gezogen wird.

2. Kriterien einer absolutistischen Staatstheorie

Zu Beginn der Untersuchung ist es notwendig, Kriterien für eine absolutistische Staatstheorie aufzustellen, anhand derer man überprüfen kann, inwieweit die Staatsvorstellung von Hobbes eine absolutistische ist.[6]

Absolutistische Staatstheorien zeichnen sich vor allem durch zwei zentrale Merkmale aus. Das Erste ist die absolute Macht des Souveräns. Kennzeichnend dafür ist ein Herrscher, dessen Wille Gesetz ist. Seinen eigenen Gesetzen ist der Träger der Staatsgewalt aber nicht unterworfen. Er sorgt dabei für die Sicherheit nach innen und nach außen. Seinen Machtanspruch leitet er aus dem Gottesgnadentum ab und eine Gewaltenteilung gibt es nicht.

Das zweite zentrale Merkmal sind die nicht vorhandenen Freiheitsrechte des Bürgers. Gedanken- und Redefreiheit sind unbekannt, es wird der absolute Gesetzesgehorsam des Individuums gefordert und es gibt kein Widerstandsrecht.

Die Analyse der Staatstheorie von Hobbes soll sich später an diesen zwei Punkten ausrichten. Doch zunächst soll ein Überblick über das Leben und das Werk von Thomas Hobbes gegeben werden, um Erkenntnisse über seine Persönlichkeit und den ihn prägenden historischen Hintergrund, zu erlangen, die wichtig für das Verständnis seiner Staatstheorie sind.

3. Leben und Werk von Thomas Hobbes

Thomas Hobbes wurde am 5. April 1588 in der Nähe von Malmesbury/Wiltshire als Sohn eines Geistlichen und einer Bauerntochter geboren. Schon früh lernte er Latein und Griechisch und ab 1603 studierte er im Magdalen College in Oxford Logik und Physik. Mit der aristotelischen bzw. traditionellen scholastischen Lehrweise dieser Wissenschaften konnte der junge Hobbes zwar wenig anfangen[7][8], sein Studium schloss er aber 1607 mit dem Grad eines Baccalaureus artium ab, der zur Abhaltung von Vorlesungen berechtigt.

Davon machte er jedoch nur kurz Gebrauch, denn schon 1608 stellte ihn der Baron Cavendish von Hardwick als Tutor und Hofmeister seines Sohnes ein. Die Verbindung mit dieser einflussreichen Familie brachte ihm die Bekanntschaft von Francis Bacon ein, der Hobbes in seiner ablehnenden Haltung gegenüber der aristotelischen Schulphilosophie bestärkte. Als Tutor des Sohnes eines schottischen Adligen reiste Hobbes 1629 nach Genf. Dabei lernte er die Elementa von Euklid kennen. Für sein späteres philosophisches Werk ist dies sehr bedeutsam, war für ihn die Euklidsche Geometrie doch "das Muster aller wahren Wissenschaft".[9] 1631 kehrte er in den Dienst der Familie Cavendish zurück. Auf einer Reise nach Frankreich und Italien, die er ab 1634 mit dem Sohn seines ehemaligen Schülers unternahm, lernte er bedeutende Gelehrte seiner Zeit wie Descartes, Galilei, Mersenne und Gassendi kennen. Vor allem Galilei beeindruckte Hobbes.

Er sah sich selbst als "Galilei der Staatsphilosophie", der alle bisher gültigen Paradigmen der politischen Philosophie in Frage stellte und, analog zu Galilei in den Naturwissenschaften, mit Hilfe von naturgesetzlichen und mathematischen Methoden neue Antworten geben wollte.[10]

Unterdessen verschärfte sich in Großbritannien der Konflikt zwischen Karl I. und dem Parlament. Aufgrund seiner Parteinahme für die Krone floh Hobbes 1640 aus Angst vor Verfolgung durch das Parlament nach Paris. Dort veröffentlichte er zwei Jahre später De Cive als Teil der Elementa Philosophiae, während in seiner Heimat mittlerweile der Bürgerkrieg tobte.

Die Erfahrung des Krieges, auf dem Kontinent wütete der 30-jährige Krieg, war für Hobbes von zentraler Bedeutung für die Entwicklung seiner Staatstheorie, denn sein Erkenntnisinteresse richtete sich auf die Entwicklung der politischen Philosophie als eine kausale Friedenswissenschaft[11].

Inspiriert durch die Hinrichtung Karls I. 1649 begann er mit der Ausarbeitung seines wohl bekanntesten Werkes Der Leviathan, das im Jahre 1651 in englischer Sprache erschien. Die Reaktionen darauf waren heftig. So sah zum Beispiel die französische Kirche ein atheistisches Plädoyer in dem Werk.[12] Dies veranlasste Hobbes wieder nach Großbritannien zurückzukehren und sich dem dort regierenden Staatsrat zu unterwerfen. Nach der Veröffentlichung der beiden anderen Teile der Elementa Philosophiae (De Corpore und De Homine) legte er im Jahre 1668 eine zweite, lateinische Fassung des Leviathan vor, in der die kirchenkritischen Passagen abgemildert wurden. Diese Fassung gilt als die Endgültige und liegt auch dieser Arbeit zugrunde, wenn das Werk im nächsten Abschnitt dargestellt wird.

Thomas Hobbes starb am 4. Dezember 1679 auf den Gütern der Cavendishs in Hardwick.

4. Darstellung der Staatstheorie von Hobbes auf Grundlage des "Leviathanstrong>

Das Werk "Der Leviathan" besteht aus vier Büchern, wobei vor allem die beiden ersten Bücher "Vom Menschen" und "Vom Staat" für Hobbes´ Staatstheorie relevant sind, so dass auf die Darstellung der beiden anderen Bücher verzichtet werden kann.

Hobbes geht es in seinem Werk um die Konstruktion des "richtigen, recht begründeten und recht beherrschten" Staates, des großen Leviathan also.[13] Doch wie sehen seine Vorstellungen dazu aus?

Aufgrund der Tatsache, dass die Geometrie in seinen philosophischen Überlegungen eine zentrale Rolle spielt, geht Hobbes davon aus, dass sich alle Naturerscheinungen aus der Bewegung von Körpern ergeben. Auch der Mensch ist für ihn solch ein Körper, dessen Handlungen sich mechanisch als Bewegungen ergeben, die mit Hilfe von Sinneseindrücken durch Bewegungen anderer Körper hervorgerufen werden.[14] Überträgt man diese Vorstellung nun auf die Staatstheorie, so ergibt sich für Hobbes aus der Betrachtung des Menschen die richtige Konstitution des Staates.[15]

Der Ausgangspunkt für seine Überlegungen zur Staatstheorie bildet also der Mensch.

Aufgrund dieser Prämisse soll im Folgenden zunächst auf sein Menschenbild im Leviathan eingegangen werden.

[...]


[1] Vgl. Kersting, Wolfgang: Einleitung: Die Begründung der politischen Philosophie der Neuzeit im Leviathan. In: ders. (Hrsg.): Thomas Hobbes. Leviathan oder Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates. Berlin 1996. S. 9ff

[2] Vgl. ebd. S. 14ff

[3] Hobbes besitzt auch für andere wissenschaftliche Disziplinen, u.a Rechtswissenschaft oder Theologie große Relevanz.

[4] Vgl. Druwe, Ulrich. Politische Theorie. 2. Auflage. Neuried 1995. S. 128

[5] Vgl. ebd. S. 135f

[6] Vgl. Schwan, A.: Politische Theorien des Rationalismus und der Aufklärung. In: Lieber, Hans-Joachim (Hrsg.): Politische Theorien von der Antike bis zur Gegenwart. Bonn 1991. S. 178ff; Hüning, Dieter: Freiheit und Herrschaft in der Rechtsphilosophie des Thomas Hobbes. Berlin 1998. S. 251ff

[7] Die biographischen Angaben beziehen sich, soweit nicht anders gekennzeichnet, auf folgende Quelle: Hobbes, Thomas: Leviathan. Erster und zweiter Teil. Nachwort. Stuttgart 1970. S. 307ff

[8] Vgl. Malcolm, Noel: A summary biography of Hobbes. In: Sorell, Tom: The Cambridge Companion to Hobbes. Cambridge 1996. S.16

[9] Vgl. Hobbes. Nachwort. S. 310

[10] Vgl. Kersting 1996. Einleitung. S. 17

[11] Vgl. Kersting, Wolfgang: Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags. Darmstadt 1994. S.61

[12] Vgl. Druwe. S.127

[13] Vgl. Hobbes. Nachwort. S. 310

[14] Vgl. ebd. S. 311

[15] Vgl. ebd.

Details

Seiten
14
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638447386
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47894
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Politikwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Staatstheorie Thomas Hobbes Wirklich Staatsvorstellung Grundseminar Politische Theorie

Autor

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