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Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus. Analyse im Hinblick auf das Motiv des Spiels sowie deterministische und existentialistische Züge

Hausarbeit 2004 11 Seiten

Germanistik - Komparatistik, Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlungsentfaltung

3. Das Spiel im Spiel

4. Das Spiel ist aus im Hinblick auf existentialistische und deterministische Züge

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der französischer Philosoph, Schriftsteller und politische Journalist Jean-Paul Sartre (1905-1980) avancierte mit seinen philosophischen Schriften, Essays, Dramen und Romanen zum führenden Vertreter des Existentialismus.[1]

Im Zentrum dieser Arbeit steht das erste Drehbuch Sartres mit dem aussagekräftigen Titel Das Spiel ist aus von 1943, das erstmalig 1947 beinahe kongruent mit Sartres Textvorlage von dem französischen Regisseur Jean Delannoy verfilmt wurde.[2]

Schon zu Beginn der Tonfilmära erkannte Sartre den Film als Instrument bewusstseinsverändernder Publikumsbeeinflussung und zugleich als autonome Kunstform, die sich, ständig neue Maßstäbe setzend, entgegen der Theaternormen aufgrund ihrer Eigengesetzlichkeit gegen jede Reduzierung sperrte. Sartres Hinwendung zum Drehbuchschreiben markierte den Wandel seiner subjektiven Sichtweise, in der das Theater nicht mehr länger seine Position als primäres Medium verteidigen konnte. Für ihn verfügte der Kinofilm als ‚vision guidée’ konträr zum Theater über weitaus größeres Potential zur Beeinflussung eines Massenpublikums. Das Spiel ist aus, das als ‚scénario littéraire’ bezeichnet werden kann, ist jedoch von einem Drehbuch im eigentlich technischen Sinne weit entfernt, es stellt vielmehr einen „zwischen mehreren Ausdrucksformen“ oszillierenden „Multi-Media-Text“[3] dar. In ihm vereinen sich Filmdrehbuch, Theaterstück, philosophisches Traktat und zeitgeschichtliches Dokument. Die Makrostruktur von Das Spiel ist aus, die Spuren der aristotelischen Dramagesetzlichkeit aufweist, zeigt jedoch, dass sich Sartre nicht imstande sah, sich vollständig vom Theater zu lösen.

Wie in einem Großteil der philosophischen Texte Sartres, werden auch in Das Spiel ist aus die Aspekte der menschlichen Freiheit, die Möglichkeit der Wahl und die damit verbundene freie Entscheidung thematisiert. Durch das Todesurteil als Definition der Extremsituation präsentiert Sartre hier eine andere Perspektive des Todes, indem er zwei nebeneinander existente Seins-Ebenen illustriert und Diesseits und Jenseits in einen Kontext setzt.

Nachdem ich zu Beginn die Handlungsentfaltung in Verbindung mit der Struktur von Sartres Drehbuch thematisieren werde, werde ich im Anschluss daran näher auf das Motiv des Spiels eingehen. Unter Punkt vier werde ich dann herausarbeiten, inwiefern Das Spiel ist aus deterministische und existentialistische Züge aufweist.

2. Handlungsentfaltung

Jean-Paul Sartres philosophisch inspiriertes Drehbuch Das Spiel ist aus ist nach den Gesetzen des aristotelischen Dramas konzipiert und weist Normen des klassischen Dramas auf. Aufgrund der dramatischen Struktur des Werkes wundert es nicht, dass Das Spiel ist aus häufig als Stück oder als Lesedrama tituliert wird.[4]

Die Exposition der, sich über einen Zeitraum von zwei Tagen erstreckenden Handlung, umfasst die Vorstellung der beiden differenten Welten der Protagonisten Ève Charlier und Pierre Dumaine. Der Leser wird Zeuge, wie Ève, eine wohlhabende, der Bourgeoisie entstammende Frau, von ihrem Ehemann André vergiftet wird, da sich dieser neben der Èves Mitgift zusätzlich die Mitgift ihrer Schwester Lucette sichern will. Der, das Proletariat verkörpernde Revolutionär Pierre, der als Anführer der Liga gegen die faschistische Miliz kämpft, wird zur gleichen Zeit von dem, mit der Miliz kollaborierenden Lucien Derjeu auf offener Straße erschossen. Ève und Pierre verlassen zeitgleich ihre leblosen Körper, ohne sich jedoch ihres Todes direkt bewusst zu sein. Der von einer Stimme geleitete Weg der beiden durch die Straßen der Stadt endet in einer Menschenschlange vor einem unscheinbaren Laden in der Languénésie-Gasse. Von Ungewissheit geplagt warten Ève und Pierre gleichzeitig, jedoch unabhängig voneinander vor dem Laden, in dem ihnen wenig später eine gewisse Madame Barbezat ihr Schicksal offenbart. Im Reich der Toten lernen sich Ève und Pierre kennen und verlieben sich nach kurzer Zeit ineinander. Ihre zunehmende Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Reich der Lebenden verdeutlichen Pierres Worte: „Ich gäbe meine Seele dafür hin, einen Augenblick lang wieder zu leben und mit ihnen zu tanzen.“[5]

Der, das steigernde Element im aristotelischen Sinne symbolisierenden Wunsch zu Leben leitet zur Peripetie über. Aufgrund eines bürokratischen Fehlers dürfen Ève und Pierre - laut Hauptbuch seit Geburt an für einander bestimmt - zurück ins Reich der Lebenden, um ihre Liebe zu verwirklichen. Innerhalb von 24 Stunden muss es ihnen gelingen, sich einander uneingeschränkt zu vertrauen und ihre bedingungslose Liebe in der Welt der Lebenden zu behaupten.

[...]


[1] Vgl.: o.V.: „Determinismus“, in: Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie, Microsoft 1993-1998, S. 1.

[2] Vgl. hierzu und im Folgenden: Albersmeier, F.-J.: Theater und Literatur in Frankreich. Medienwechsel und Intermedialität, Darmstadt 1992, S. 234-242.

[3] Ebenda, S. 235.

[4] Vgl.: Albersmeier (1992), S. 238.

[5] Sartre, J.-P.: Das Spiel ist aus, Hamburg 2003, S. 67.

Details

Seiten
11
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638446044
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v47723
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,0
Schlagworte
Jean-Paul Sartre Spiel Analyse Hinblick Motiv Spiels Züge Theater Film

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Titel: Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus. Analyse im Hinblick auf das Motiv des Spiels sowie deterministische und existentialistische Züge