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Feministische Sprachkritik. Geschlechtsunterscheidungen und Geschlechtsdiskriminierungen innerhalb der deutschen Sprache

Eine Betrachtung aufgrund historischer und aktueller Aspekte

Hausarbeit 2018 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Was ist feministische Sprachkritik?

3. Sexistischer Sprachgebrauch
3.1 Sexistischer Sprachgebrauch in Vergangenheit und Gegenwart
3.2 Geschlechtergerechter Sprachgebrauch

4. Das generische Maskulinum

5. Kritik

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Tatsache, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleichberechtigt sein sollten, steht bereits im dritten Artikel des deutschen Grundgesetzes, doch die Realität sieht auch heute noch anders aus. In der Politik, im Berufsleben oder in den Medien wird zum Teil nach wie vor auf ungerechte Art und Weise zwischen den Geschlechtern unterschieden. Dass Frauen, trotz gleicher Arbeit, ein geringeres Gehalt beziehen als Männer, ist nur eines von vielen Beispielen. Auch in vielen Bereichen der Sprache findet keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau statt, weshalb dies ein relevantes Thema für die Sprachwissenschaft ist, welche sich diesem in Form von feministischer Sprachkritik widmet. Feministische Sprachkritik untersucht Unterscheidungen und/oder Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts innerhalb der Sprache. In der folgenden Hausarbeit soll diese Problematik im deutschen Sprachgebrauch unter Betrachtung historischer und aktueller Aspekte analysiert werden. Feministische Sprachkritik wird oft mit der Frage nach ihrem Nutzen und ihrer Notwendigkeit verbunden, was als Anlass zur genauen Begutachtung der unterschiedlichen Kritikermeinungen dient und die zentrale Forschungsfrage dieser Arbeit darstellt. Darüber hinaus setzt sich die Hausarbeit mit den verschiedenen Facetten sexistischen Sprachgebrauchs, sowie der Rolle des generischen Maskulinums auseinander. Als Grundlagenliteratur dient Hildegard Gornys Text Feministische Sprachkritik, welcher in Kontroverse Begriffe. Geschichte des öffentlichen Sprachgebrauchs in der Bundesrepublik Deutschland von Gerhard Stötzel und Martin Wengeler im Jahr 1995 erschien.

2. Was ist feministische Sprachkritik?

Noch im Jahre 1973 wurde das Wort „Feminismus“ im Duden als Verweiblichung von Männern definiert. Erst durch die Frauenbewegungen der 70er und 80er Jahre etablierte sich der Begriff als frauenpolitisches Kampfwort im öffentlichen Sprachgebrauch (vgl. Böke 1995, S. 482). So entstand die feministische Sprachkritik auch nicht innerhalb der Linguistik, sondern hat ihren Ursprung ebenfalls in den Frauenbewegungen der 70er und 80er Jahre. Sie wurde erst von Sprachwissenschaftlerinnen in die Linguistik eingeführt und entstand, als Linguistinnen begannen, ihre feministischen Ideen auf ihre eigene Wissenschaft zu beziehen (vgl. Trömel-Plötz 1982, S. 33). In Deutschland gelten die Sprachwissenschaftlerinnen Senta Trömel-Plötz und Luise F. Pusch als Vorreiterinnen (vgl. Gorny 1995, S. 518). Ab Mitte der 80er Jahre griff auch die Politik diese neue Form der Sprachkritik auf, was zu einer Diskussion um die Umgestaltung von Gesetzestexten führte (vgl. Schoenthal 2000, S. 2064). Grundsätzlich steht feministische Sprachkritik für eine Kritik am Sprachbestand (vgl. Stickel 1988, S. 331) und geht von einer ständigen Wechselwirkung im Verhältnis von Sprache und Gesellschaft aus (vgl. Hellinger 1990, S. 67). Primär konzentriert sich die Forschung auf den Wortschatz der Personenbezeichnungen (vgl. Schoenthal 2000, S. 2065), durch welche Frauen oft unsichtbar gemacht werden und sich ausschließlich mitgemeint fühlen sollen, anstatt gesondert erwähnt zu werden. Daraus resultiert das klare Interesse der feministischen Sprachwissenschaft an der Änderung des Sprachverhaltens und der gesellschaftlichen Verhältnisse, was bei Kritikern den Vorwurf weckt, dass es sich nicht um objektives wissenschaftliches Arbeiten handle (vgl. Gorny 1995, S. 518). Dem entgegen steht die Aussage der Linguistin Marlis Hellinger, welche beteuert, dass es keine absolute Objektivität geben könne (vgl. Hellinger 1990, S. 47). Insgesamt lässt sich feministische Sprachkritik als ein modernes Beispiel für aktiven Sprachwandel bezeichnen (vgl. Schoenthal 2000, S. 2064).

3. Sexistischer Sprachgebrauch

Von einem sexistischen Gebrauch der Sprache ist die Rede, wenn beispielsweise Frauen und deren Leistungen ignoriert werden, aber auch wenn Frauen in Abhängigkeit von oder in Unterordnung zu Männern dargestellt werden, sowie einer stereotypischen Präsentation der Rolle der Frau oder durch Demütigung aufgrund herablassender Ausdrücke (vgl. Hellinger/Kremer/Schräpel 1989, S. 1). Als Untersuchungsgegenstand des sexistischen Sprachgebrauchs dient die Frage, wie über Frauen und Männer gesprochen wird, bzw. auf welche Art und Weise sprachlich auf sie Bezug genommen wird (vgl. Gorny 1995, S. 519). Als Grund für die Diskriminierung der Frau innerhalb der Sprache wird die langjährige Rolle des Mannes als Entscheidungsträger gesehen. So wird vermutet, dass Männer sowohl auf die ökonomische, politische und soziale Ausrichtung der Gesellschaft starken Einfluss nahmen und dadurch auch auf die Entwicklung der Sprache und des allgemeinen Sprachgebrauchs (vgl. Postl 1991, S. 89). Ein weiterer Grund ist die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert, in welchem unsere Sprache ihren Ursprung hat. Frauen waren damals, wie auch in den Folgejahren, nur beschränkt geschäftsfähig und hatten beispielsweise kein Wahlrecht, weshalb es auch keinen Grund gab das Wort „Wählerin“ in den allgemeinen Sprachgebrauch zu integrieren. Somit wird deutlich, dass Sprache und Sprachgebrauch die jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnisse wiederspiegeln (vgl. Gorny 1995, S. 520). Eine Änderung des Sprachgebrauchs und somit eine Anpassung an unsere heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse ist bereits schrittweise in Gange. So werden Frauen nun beispielsweise nicht mehr nur als rechtlich abstrakt handelnde Subjekte dargestellt, sondern werden angemessen gesondert erwähnt. Die Veränderung der Rechtssprache wird als eindeutiger weiterer Schritt zur Gleichstellung von Mann und Frau betrachtet (vgl. Grabrucker 1990, S. 295ff.).

3.1 Sexistischer Sprachgebrauch in Vergangenheit und Gegenwart

Sexistischer Sprachgebrauch bezeichnet, wie bereits erwähnt, die durch Sprache bedingte Diskriminierung von Frauen. Dass diese Problematik sowohl in der Vergangenheit, als auch in der heutigen Zeit immer wieder für Aufsehen sorgt, lässt sich an einigen Beispielen veranschaulichen. Einen klassischen Fall für sexistischen Sprachgebrauch bietet die Anrede „Fräulein“, welche in der Vergangenheit dazu diente den Familienstand einer Frau kenntlich zu machen. Diese Anrede wurde und wird von Feministinnen strikt abgelehnt, da die Offenlegung des Familienstands durch die Anrede als diskriminierend empfunden wird (vgl. Körper 1988, S. 9). Ihren sexistischen Ursprung hat die Anrede „Fräulein“ darin, dass die Differenzierung zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen zum einen dazu diente, die Verfügbarkeit einer Frau für Männer ersichtlich zu machen und zum anderen, um den Unterschied des gesellschaftlichen Stellenwerts zwischen verheirateten und unverheirateten Frauen zu verdeutlichen (vgl. Gorny 1995, S. 543). Das Wort „Fräulein“ fand im Laufe der Zeit wesentlich seltener Verwendung im öffentlichen Sprachgebrauch, gänzlich verschwunden ist es jedoch nicht. Beispielsweise in der Gastronomie werden Frauen noch oft mit der Anrede angesprochen, allerdings auch aus dem Grund, dass ein feminines Gegenstück zum Wort „Ober“ in der deutschen Sprache nicht vorhanden ist (vgl. Gorny 1995, S. 543). Auch in jüngster Vergangenheit fanden Diskussionen um den sexistischen Gebrauch der Sprache ihren Weg in die Medien und dies nicht nur durch die internationale #metoo-Debatte, sondern auch aufgrund von Einzelpersonen. So klagte beispielsweise die saarländische Rentnerin Marlies Krämer vor Kurzem gegen ihre Bank, da diese sie in Formularen nicht explizit als Frau ansprach, sondern das sogenannte generische Maskulinum verwendet, welches im späteren Verlauf dieser Arbeit näher beleuchtet wird. Marlies Krämer setzte sich bereits in den 90er Jahren durch eine Unterschriftenaktion dafür ein, dass der Wendung „Unterschrift des Inhabers“ auf dem deutschen Personalausweis das weibliche Gegenstück hinzugefügt wird, ehe es 1996 vom Bundesrat beschlossen wurde (vgl. van Lijnden 2018). Ihr Fall wurde im März 2018 am Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt, wo die Rentnerin allerdings erfolglos blieb. Das Gericht entschied, dass für die Klägerin keine Benachteiligung entstehe, wenn in Formularen generisch maskuline Personenbezeichnungen verwendet würden (vgl. Nestler 2018). Trotz dieses Urteils hat sich die Situation für Frauen im öffentlichen Sprachgebrauch im Laufe der Zeit bereits gebessert (siehe Seite 4), dies ist auch dadurch bedingt, dass sexistischen Sprachmustern vermehrt mit Alternativen entgegengetreten wird, welche im Folgenden geschildert werden.

3.2 Geschlechtergerechter Sprachgebrauch

Auch hier gilt grundlegend, dass sich ein geschlechtergerechter Sprachgebrauch nur weiterentwickeln kann, wenn männliche und weibliche Personenbezeichnungen konsequent verwendet werden (vgl. Gorny 1995, S. 533). Als möglicher Lösungsansatz gilt das sogenannte Splitting, welches in vier Variationen in der Sprache auftreten kann: Klammern (Leser(innen)), Schrägstrich (Leser/innen), Paarformel (Leserinnen und Leser) und Binnen-I (LeserInnen) (vgl. Gorny 1995, S. 534). In geschlossenen Texten werden die Paarformel und das Binnen-I bevorzugt verwendet, während die Klammern und der Schrägstrich eher in Stellenanzeigen Verwendung finden. Insbesondere das Binnen-I wurde im Laufe der Jahre immer beliebter. Sein Ursprung ist ungeklärt, jedoch erlangte es in Deutschland primär durch die links-alternative Tageszeitung (TAZ) Bekanntheit (vgl. Gorny 1995, S. 353). Trotz seiner Beliebtheit ist das Binnen-I die wohl meist kritisierte Form geschlechtergerechter Sprachalternativen. So dient die Frage nach der Aussprache eines Wortes mit Binnen-I als Anlass für Kritik, aber auch die Annahme, dass ein Großbuchstabe im Inneren eines Wortes gegen gültige Rechtschreibregeln verstoße, ausgenommen bei Eigennamen, wird von Kritikern stets als Argument angeführt (vgl. Gorny 1995, S. 353). Zusätzlich wird das Binnen-I aus sprachästhetischen Gründen kritisiert, welche im weiteren Verlauf dieser Arbeit näher erörtert werden. Als Erklärung für das Ausmaß der Kritik, wird die Forderung nach einem nichtsexistischen Sprachgebrauch unter anderem als Bedrohung des Patriacharts interpretiert (vgl. Häberlin/Schmid/Wyss 1992). Nahezu alle Formen sexistischer Sprachmuster können durch geschlechtergerechte Alternativen ersetzt werden, was an folgenden Beispielen veranschaulicht werden soll: Eine früher übliche Anrede, beispielsweise in Briefen, lautete „Herrn Ernst Meyer und Frau“. Die geschlechtergerechte Alternative hierzu lautet „Herrn und Frau Meyer“ oder „Frau Eva Meyer und Herrn Ernst Meyer“. Dies wird als symmetrischer Gebrauch bezeichnet. Alternativer Sprachgebrauch kann auch durch die Bildung eines Femininums auf „-frau“ erfolgen, beispielsweise „Kauffrau“. Manche Substantive im Deutschen können nicht durch Splitting, außer durch die Paarformel, geschlechtergerecht gemacht werden, wie beispielsweise „Arzt“, da die feminine Form mit einem Umlaut gebildet wird. Insbesondere bei solchen Fällen wird im Plural weiterhin das generische Maskulinum verwendet, da aufgrund der Endung bei „Ärzte“ beispielsweise kein Binnen-I genutzt werden kann, jedoch muss auch im Plural mit der Paarformel gearbeitet werden, also „Ärztinnen und Ärzte“. Es gibt auch Berufsbezeichnungen, welche zwar seit längerer Zeit über eine eigenständige feminine Form verfügen, diese allerdings über eine sexistische und diffamierende Konnotation verfügen, wie beispielsweise „Friseuse“, weshalb die geeignetere feminine Form „Friseurin“ lautet. Auch manche Redewendungen sollten im Sinne des geschlechtergerechten Sprachgebrauchs geändert werden, so sollte eher von „DurchschnittsbürgerInnen“ als von dem „Mann von der Straße“ gesprochen werden (vgl. Hellinger/Kremer/Schräpel 1989, S. 4ff.). Bei manchen Begriffen gibt es allerdings keine direkten Alternativen, weshalb die geschlechtergerechten Formen abgeändert werden müssen. Ein Beispiel hierfür ist das Wort „Biedermann“. Die naheliegende feminine Form „Biederfrau“ existiert nicht, weshalb die Alternative hier „die biedere Frau“ lautet. Es gibt auch Fälle, bei denen die Frage nach einer geschlechtergerechten Alternative von einem femininen Begriff ausgeht, wie beispielsweise „Krankenschwester“. Die maskuline Alternative hierfür bildet das Wort „Krankenpfleger“ und nicht etwa „Krankenbruder“ (Schoenthal 1989, S. 302). Eine Kontroverse liefert der Begriff „Mannschaft“, welcher zwar eine Gruppe von Personen bezeichnet, allerdings nicht als Personenbezeichnung betrachtet werden kann. Hierbei handelt es sich um einen festen geschlechtsneutralen Begriff, welcher sowohl Männer, als auch Frauen gleichermaßen unter sich vereint, weshalb auch kein Anlass besteht den Begriff „Frauschaft“ in den allgemeinen Sprachgebrauch integrieren zu wollen.

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Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668940475
ISBN (Buch)
9783668940482
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v477214
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
Feminismus Sprachkritik Feministische Sprachkritik Linguistik Gendergerechte Sprache Gender Studies

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Titel: Feministische Sprachkritik. Geschlechtsunterscheidungen und Geschlechtsdiskriminierungen innerhalb der deutschen Sprache