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Soziale Vergleiche auf Instagram und das Selbstwertgefühl der Nutzer. Wie die sozialen Medien unsere Selbstwahrnehmung beeinflussen

Fachbuch 2019 70 Seiten

Psychologie - Medienpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Zusammenfassung V

Abstract

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil: Hintergrund und Forschungsstand
2.1 Forschungsfeld Sozialpsychologie
2.2 Das Selbst
2.3 Das soziale Netzwerk Instagram
2.4 Herleitung der Forschungsfrage und Hypothesen

3 Methodik
3.1 Erhebungsmethode
3.2 Beschreibung des Fragebogens
3.3 Beschreibung der Stichprobe
3.4 Auswertungsmethode

4 Ergebnisse
4.1 Hypothesenprüfung und empirische Befunde
4.2 Weitere Erkenntnisse

5 Diskussion
5.1 Kritik

6 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang
Anhang A: Fragebogen
Anhang B: Ergebnistabellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Öffentliche Instagram Profilansicht am Beispiel von Stern

Abbildung 2: Facebook-Post zur Gewinnung von Probanden

Abbildung 3: Item „Sind Sie bei Instagram angemeldet und wenn ja, wie häufig nutzen Sie es?”

Abbildung 4: Ausschluss aus Umfrage bei nicht erfüllter Teilnahmevoraussetzung

Abbildung 5: Exemplarische Items der Subdimensionen des expliziten Selbstwertes

Abbildung 6: Prozentuale Verteilung des Berufsstandes

Abbildung 7: Zusammenhang zwischen Tendenz zu sozialen Vergleichen auf Instagram und dem expliziten Selbstwert

Zusammenfassung

Jüngste Forschungsergebnisse zeigen auf, dass sich die Nutzung sozialer Netzwerke negativ auf das Wohlempfinden auswirken und zunehmende Verunsicherung über die eigene Person auslösen kann. Davon ausgehend wurde in dieser Studie der Zusammenhang zwischen sozialen Vergleichsprozessen innerhalb von Instagram und dem Selbstwert des Nutzers untersucht. Dazu wurde ein quantitativer Fragebogen entwickelt, an dem insgesamt 134 Probanden im Alter zwischen 16 und 64 Jahren teilgenommen haben. Der Datenanalyse nachfolgend, konnte ein signifikant negativer Zusammenhang zwischen der Tendenz zu sozialen Vergleichen auf Instagram und dem expliziten Selbstwert des Nutzers nachgewiesen werden. Geschlechtsspezifische Unterschiede konnten hierbei als nicht signifikant eingestuft werden. Während Teile der Ergebnisse den bestehenden Forschungsstand festigen, trafen andere unerwartet ein und werfen somit weitere Fragen auf. Somit stellt diese Studie eine Grundlage dar, von der ausgehend Anregungen für neue Forschungen gewonnen werden können. Anhand der Betrachtung der hohen Nutzerzahlen sozialer Netzwerke, wird deutlich, welch hohen Stellenwert es hat, weitere Untersuchungen durchzuführen. Da der Selbstwert einen entscheidenden Faktor für den Erfolg in unterschiedlichsten Lebensbereichen darstellt, ist es höchst bedeutsam zu prüfen, inwiefern dieser durch bewusstes und unbewusstes Vergleichen mit anderen Menschen in sozialen Netzwerken beeinflusst wird.

Abstract

Recent research findings show that usage of social networks can negatively affect wellbeing and trigger insecurity. Based on that assumption, in this study the relationship between social comparison processes while using Instagram and users’ self-esteem was investigated. For that purpose, a quantitative questionnaire was developed and 134 participants between the age of 16 and 64 were assessed. Subsequent data analysis provided evidence for a significant negative relationship between users’ tendency to self-compare via Instagram and measures of users’ state self-esteem. There were no relevant gender effects found. The results partly consolidate the current state of research, while also delivering unexpected outcomes that in turn raise new questions. This study therefore presents a basis that can incite future research. Considering the growing number of social network users, the importance of continued research becomes apparent. As self-esteem is a decisive factor for success in various life domains, it is critical to determine how it is affected by conscious and unconscious social comparisons via social networks.

1 Einleitung

Menschen sind von Natur aus keine Einzelgänger. Die alleinige Tatsache, dass ein Neugeborenes über Jahre hinweg auf externe Hilfe angewiesen ist, unterstreicht diese Aussage. Wie Vester (2009) festhält, ist der Mensch ein durchweg soziales Wesen, das nach der Erfüllung seines grundpsychologischen Bedürfnisses der Zugehörigkeit strebt. Mit dem Ziel diesem Wunsch nachzugehen, unterhalten Individuen unzählige und unterschiedliche Beziehungen zu ihren Mitmenschen. Die aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt trägt das Gefühl mit sich, das eigene Wesen innerhalb der Gesellschaft einordnen zu können. Als maßgebliche Orientierungspunkte, auf die sich Menschen in diesem Prozess des Austausches stützen, sind Verhaltensweisen, Einstellungen und Werte zu nennen (Zimbardo & Gerrig, 2004). Die gesellschaftliche Eingliederung bedarf eines Erwerbs von relevantem Selbstwissen. Diesbezüglich finden sowohl bewusst als auch unbewusst soziale Vergleichsprozesse statt (Festinger, 1954). Besonders im Zuge der Digitalisierung haben sich die Möglichkeiten zum sozialen Vergleich stark vervielfältigt. Soziale Netzwerke wie etwa Facebook oder Instagram bieten eine Plattform zur digitalen Präsentation des Selbst (Vogel, Rose, Roberts und Eckles, 2014). Dass hiervon tatsächlich Gebrauch gemacht wird, spiegelt sich in den zunehmenden Nutzerzahlen wieder. 2017 haben alleine in Deutschland bereits 45 Millionen Menschen eines der beiden Netzwerke (oder beide) genutzt (Horizont, 2018). Nicht nur hat sich der für den Vergleich benötigte eigene Input in digitale Welten verlagert, auch die Menge und Vielfalt an aufzunehmenden Informationen hat sich vergrößert.

Gorden Allport (1954), der als Mitbegründer der humanistischen Psychologie gilt, postuliert mittels seiner Studien, dass u.a. menschliches Denken, Verhalten und Emotionen sowohl Mitmenschen betreffen als auch deren Einfluss unterliegen. Davon ausgehend stellt sich die Frage, welche Auswirkungen soziale Vergleichsprozesse innerhalb sozialer Netzwerke auf den Nutzer haben können.

Die Relevanz dieser Untersuchung begründet sich durch die thematische Aktualität sowie die enorme Reichweite digitaler Plattformen und somit der hohen Zahl an Betroffenen dieser möglichen Auswirkungen.

Diese Forschungsarbeit verfolgt das Ziel zu untersuchen, inwiefern die hier dargelegte Thematik mit dem Selbstwert des Menschen zusammenhängt. Da insbesondere Instagram innerhalb der letzten Jahre einen enormen Zuwachs an Nutzern verzeichnet (Horizont, 2018), richtet sich der Fokus der Arbeit auf diese Plattform.

Es wurde folgende Fragestellung entwickelt:

Besteht ein Zusammenhang zwischen sozialen Vergleichsprozessen auf Instagram und dem Selbstwert des Nutzers?

Die nachfolgenden Kapitel bilden zunächst eine theoretische Verständnisgrundlage und erfüllen somit den Zweck, die im methodischen Teil vorgestellten Forschungsergebnisse in einen größeren Kontext einbinden zu können.

In Kapitel 2.1 wird das behandelte Thema zunächst dem zugehörigen Forschungsfeld zugeordnet. Die untergeordneten Kapitel beschreiben das menschliche Wesen und zeigen in diesem Zusammenhang auf, inwiefern das digitale Zeitalter soziale Veränderungen mit sich bringt. Die Funktionsweise des Selbst eines Menschen wird anhand Kapitel 2.2 und dessen Unterkapitel erläutert. Dabei wird deutlich, wie sich das Bild und infolgedessen die Bewertung zur eigenen Person zusammensetzt. Bevor in Kapitel 2.4 die Herleitung der Forschungsfrage sowie aufgestellte Hypothesen präsentiert werden, erfolgt in Kapitel 2.3 die Vorstellung des sozialen Netzwerkes Instagram. Gleichzeitig soll verdeutlicht werden, inwiefern diese Plattform das Auftreten von sozialen Vergleichsprozessen begünstigt. Dem theoretischen Teil dieser Forschungsarbeit nachfolgend wird im dritten Kapitel die Methodik der durchgeführten empirischen Untersuchung beschrieben. Die im vierten Kapitel dargestellten erhobenen Daten werden in Kapitel fünf ausführlich diskutiert. Abschließend eröffnet das sechste Kapitel einen Ausblick, der zur weiteren Untersuchung des Themas anregen soll. Der in dieser Studie angewandte Fragebogen kann dem Anhang entnommen werden.

2 Theoretischer Teil: Hintergrund und Forschungsstand

2.1 Forschungsfeld Sozialpsychologie

Zur Erforschung sowie Erklärung des menschlichen Verhaltens und Erlebens bestehen in der Psychologie unterschiedliche Ansätze. Neben der Fokussierung auf genetische oder biochemische Faktoren oder auf ablaufende Gehirnprozesse, setzen Sozialpsychologen den Schwerpunkt ihrer Untersuchungen auf das soziale Umfeld des Menschen. Wie aus sozialpsychologischen Forschungsergebnissen hervorgeht, kann die Beschaffenheit der sozialen Situation einer Person, über ihr Verhalten hinaus, auch Emotionen und etablierte Persönlichkeitszüge, Werte oder Ansichten steuern. Dementsprechend wird angenommen, dass der Einfluss anderer Menschen die Hauptdeterminante für das eigene Verhalten und Erleben ist (Zimbardo & Gerrig, 2004).

Die wohl bekannteste und am häufigsten verwendete Definition der Sozialpsychologie formulierte Gordon Allport (1954): „Social psychology is the scientific attempt to understand and explain how the thoughts, feelings, and behavior of individuals are influenced by the actual, imagined, and implied presence of others“ (P.5).

Den Einfluss der „imaginären Anwesenheit“ anderer, beschreibt Allport als eine verhaltensbezogene Einwirkung durch nahestehende Bezugspersonen wie z.B. der Eltern oder dem Lebenspartner, ohne das diese tatsächlich anwesend sind. Den Umstand, dass das Verhalten zu großen Teilen durch soziale Rollen, die der Mensch situationsabhängig einnimmt, sowie durch kulturbedingte Normen beeinflusst wird, bezeichnet er dagegen als „implizite Anwesenheit“ (Jonas, 2014).

Es ist festzuhalten, dass sich die Sozialpsychologie, als Teilbereich der Psychologie, mit der Wechselwirkung zwischen Individuum und sozialer Umwelt befasst. Ihr Ziel ist es, ein differenziertes sowie fundiertes Verständnis vom Erleben und Verhalten des Menschen zu schaffen (Lück, 2016).

2.1.1 Das menschliche Wesen

Jeder Mensch ist einzigartig. Die evolutive Weitergabe des menschlichen Erbguts, geht mit einer großen Vielfalt verschiedener Individualitäten einher. Als Einzelwesen zeichnen sich Menschen durch ihre persönlichen Eigenschaften sowie einmaligen Charakterzügen aus. Während sich eine Person bspw. durch sportliches Talent und hohes Selbstbewusstsein auszeichnet, kann eine andere durch außer­ordentliche Hilfsbereitschaft und großes Verantwortungsbewusstsein hervorstechen.

Eines jedoch haben alle Menschen gemeinsam, das grundpsychologische Bedürfnis nach Zugehörigkeit (Vester, 2009). Das hängt damit zusammen, dass sich zwischen Mutter und Kind bereits eine kognitiv-emotionale Beziehung entwickelt, während sich dieses noch im Mutterleib befindet (Strauß & Bade, 2002). Sobald das Neugeborene die Welt erblickt, ist es bereits vollständig in ein bestehendes soziales System eingegliedert, nämlich seine Familie. Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, ist demnach eine natürliche Gegebenheit (Vester, 2009). Fortan wird die Umwelt durch andere Menschen gestaltet, zu denen unterschiedliche Beziehungen unterhalten werden.

Wie Gordon Allport (1954) feststellt, beziehen sich Denken und Verhalten sowie Motivationen und Emotionen auf Menschen im eigenen Umfeld und werden durch diese beeinflusst. Die Menge der Bereiche, die diesem Einfluss unterliegen verdeutlicht, dass u.a. das Wohlempfinden eines Individuums signifikant von äußeren Faktoren abhängig ist (Schoenaker, 2006). Die Tatsache, dass man sich diesen Einflüssen kaum entziehen kann, also die (imaginäre) Anwesenheit und somit Einwirkung anderer Menschen auf einen selbst unvermeidbar ist, mag beängstigend wirken. Gleichzeitig ist sie aber verantwortlich dafür, wie weitreichend sich die menschliche Spezies weiterentwickelt hat (Kessler & Fritsche, 2018) .

Kessler und Fritsche (2018) zufolge waren „nicht nur herausragende Leistungen wie der Mondflug (…) das Produkt vielschichtiger Arbeitsteilung und fußten auf dem Wissen unübersehbarer Generationen, auch unsere alltägliche Versorgung mit Lebensmitteln, Bildung oder Unterhaltung - aber auch soziale Ausgrenzung, Unterdrückung und Krieg - wären ohne komplexe soziale Kooperation kaum möglich“ (S.2).

Weil die menschliche Spezies so komplex ist, erfordert die gesellschaftliche Orientierung und Eingliederung von Individuen vielfältige Denkprozesse. Zwischenmenschliche Interaktionen bergen sowohl die Einschätzung zur eigenen Person als auch zur Reaktion, die aus dem ausgeübten Verhalten resultiert (Traut-Mattausch, Petersen, Wesche, & Frey, 2011). Den Stellenwert einer Beziehung, macht der Mensch von seinem Interaktionspartner abhängig. Dabei kann in enge und vergleichsweise unverbindliche, bzw. vorübergehende Beziehungen unterschieden werden (Kessler & Fritsche, 2018). Für den Menschen ist es bspw. von höherer Relevanz, wie die Eltern, Freunde oder der Lebenspartner auf das eigene Verhalten reagieren, als die Reaktion eines Arbeitskollegen oder Kassierers im Supermarkt. Die Grundlage zu einer tiefen Verbindung beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Genetik oder die Zuneigung zu einer Person. Gleichermaßen kann z.B. das kollektive Nachgehen bestimmter Vorstellungen oder Ideologien ein starkes Gefühl der Zugehörigkeit auslösen (Kessler & Fritsche, 2018). Diesbezüglich stellen Jugendliche, die sich Sekten oder gar terroristischen Organisationen anschließen, ein Beispiel dar. Oftmals sind solche Entscheidungen davon geprägt, dass die Betroffenen sich von nahestehenden Personen nicht akzeptiert und im Umkehrschluss nicht zu ihnen verbunden fühlen. Ist der Mensch in eine Gruppe eingegliedert, in der er Akzeptanz erfährt, wirkt sich dies positiv auf das Selbstwertgefühl aus. Die Kohäsion bestärkt den Glauben an die eigenen Fähigkeiten und den Willen diese zum Wohle der Gemeinschaft einzusetzen (Traut-Mattausch et al., 2011).

Es ist somit klar zu erkennen, dass das menschliche Wohlempfinden und der Wert, den sich Personen selbst zuschreiben, dem Einfluss äußerer Faktoren unterliegen (Schoenaker, 2006).

2.1.2 Digitale Sozialität

Als Nachfolger der Telegrafie, Telefonie, dem Radio und der Television, stellt das Internet revolutionärste technische Entwicklung hinsichtlich zwischenmenschlicher Kommunikation dar. Unabhängig von Raum und Zeit ermöglicht es die unmittelbare Interaktion mit anderen Menschen (Bargh & McKenna, 2004). Wie Krotz, Despotović und Kruse (2014) erläutern, bieten „mediatisierte Welten (…) ihren Bewohnern und Bewohnerinnen eine Reihe von Interaktionsmöglichkeiten, deren besondere technische Gegebenheiten soziale Situationen und soziale Beziehungen entscheidend prägen“ (S.53). Es ist nicht zu bestreiten, dass die Benutzung des Internets eine zunehmende Relevanz im Alltag von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen erfährt. Weil der Mensch von Natur aus nach Zugehörigkeit und sozialem Austausch strebt (s. Kapitel 2.1.1), überrascht es nicht, dass er sich den Möglichkeiten des digitalen Fortschrittes bedient. Sozialität meint jene grundpsychologischen Bedürfnisse. Die digitale Sozialität umfasst demnach den Umfang der Möglichkeiten zur Bedürfnisbefriedigung in digitalen Welten.

Der sog. „Uses-and-Gratifications-Ansatz“ beschäftigt sich im Kern mit der Frage, wie und warum Menschen, ausgehend von ihren Bedürfnissen, spezifische Medienangebote wahrnehmen. Die grundlegende Annahme, die diesem Ansatz unterliegt, ist, dass der Rezipient zum Zweck seines eigenen Nutzens handelt (Aelkar, 2016). Als potentiellen Mehrwert sind mit dem Informationsaustausch, dem Pflegen von Beziehungen und der Selbstunterhaltung nur einige genannt (Ebersbach, Glaser & Heigl, 2016) . Bereits 1971 beschreibt der kanadische Psychologe Berlyne grundlegende menschliche Reize, die bei Erregung einen hedonistischen Wert erlangen, d.h. ein Lustempfinden beim Rezipienten auslösen (Berlyne, 1971). Neben Elementarreizen (bspw. visuelle und auditive Aufbereitung) und Schlüsselreizen für Triebhandlungen, führt er sog. „kollative“ Variablen auf. Es handelt sich hierbei um vergleichende Variablen, da empfangene Reize mit bestehenden Gedächtnisinhalten verglichen werden. Im Kern zählen dazu Neuartigkeit, Ungewissheit und Komplexität. Während Berlyne (1971) „Neuartigkeit” als Differenz zwischen Gedächtnisinhalten und erlebten Stimuli beschreibt, bezeichnet er die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Ereignis erwartet wird, als Variable für die Ungewissheit. Die Komplexität von Medienangeboten hängt davon ab, inwieweit eigenständige Elemente in einen größeren Rahmen eingebunden sind. Berlyne (1971) zufolge erlangen Medien durch die Erregung dieser Reize, die gewünschte Aufmerksamkeit und Neugier des Rezipienten.

Die Annahme, dass grundlegende menschliche Bedürfnisse beständig sind, geht mit der Tatsache einher, dass die Medienbranche stetig versucht ihre Angebote an diese anzupassen. So konkurrieren unzählige Wettbewerber um das Interesse des Rezipienten. Allem voran sind soziale Netzwerke und Nachrichtendienste zu nennen. So benutzen im November 2018 bereits 2,6 Milliarden Menschen Instagram, Facebook, WhatsApp oder den Messenger. Zwei Milliarden dieser Menschen gebrauchen einen dieser Dienste täglich (Rising Media Ltd. A, 2018).

Mittels seiner Forschungen kam der Sozialpsychologe Leon Festinger (1954) zu der Erkenntnis, dass Menschen Vergleiche zu ähnlichen Menschen heranziehen, um Erkenntnisse über die eigene Person zu gewinnen. Es hilft ihnen, sich als Individuum in ein soziales System einzuordnen und befriedigt das grundlegende Bedürfnis nach Selbstwissen (Kessler & Fritsche, 2018). Gerade Jugendliche befinden sich im Prozess der Selbstfindung (Vivienne, 2016). Dies könnte ein Grund dafür sein, wieso sich eine deutlich zunehmende Aktivität junger Menschen in sozialen Netzwerken fortlaufend abzeichnet. Seit der Markteinführung im Jahr 2010, haben sich bis Januar 2018 weltweit ca. 61 Millionen Jungen und Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren auf Instagram angemeldet (We Are Social, 2018). Zusätzlich zu den „realen" sozialen Situationen, die sich bspw. in der Schule abspielen, ermöglichen die digital aufbereiteten Identitäten eine nicht zu unterschätzende Chance, sich mit anderen zu vergleichen (Vivienne, 2016). Der Vergleich mit Mitmenschen kann sich sowohl positiv als auch negativ auf die eigene Person auswirken. Studien, welche die Folgen des sozialen Vergleichs in sozialen Netzwerken behandeln, weisen allerdings verstärkt negative Effekte auf. So geht bspw. aus Untersuchungen von Haferkamp und Krämer (2011) hervor, dass das Betrachten von subjektiv attraktiv empfundenen Profilfotos, zur erhöhten Unzufriedenheit mit der eigenen Erscheinung führt. Das bedeutet natürlich nicht, dass soziale Netzwerke den Ursprung menschlichen Vergleichens darstellen. Leon Festinger stellt seine Theorie des sozialen Vergleichs bereits 1954 vor, fast 40 Jahre bevor das Internet mit der Entstehung des World Wide Web die Welt revolutionierte. Menschen sind von Natur aus darauf ausgerichtet, sich durch den Vergleich mit anderen zu differenzieren und so Erkenntnisse über ihr Selbst zu erlangen (Festinger, 1954). Die digitalen Spielwiesen erweitern die Möglichkeiten dies zu tun allerdings enorm.

2.2 Das Selbst

Zur Erklärung des Selbstkonzeptes, auch Selbstschema genannt, ist es notwendig zunächst die Bedeutung des „Selbst“ zu erläutern. Was ist also das Selbst eines Menschen?

In der Psychologie wird die Bezeichnung „das Selbst“ häufig verwendet. Der Begriff beschreibt die Idee, dass sich Menschen als individuelle und selbstbestimmt handelnde Wesen wahrnehmen und schließt damit ein, zu untersuchen auf welche Art und Weise sie das tun (Staemmler, 2015). „Obgleich das Selbst mit seinen Wahrnehmungen, Gedanken, Gefühlen und Motivationen den Alltag meist unmerklich als Subjekt („I“) steuert, handelt es sich beim Selbst ebenfalls um ein Objekt unserer Wahrnehmung („me“)“ (Kessler & Fritsche, 2018, S.72). Die Unterteilung des Selbst in Ich und Mich wurde bereits 1890 von dem Philosophen und Psychologen William James (1890) vorgenommen. Während sich das Ich durch einen internen, wahrnehmenden und wissenden Beobachter der eigenen Person kennzeichnet, ist Williams zufolge das Mich, das wahrgenommene Ich und dementsprechend das Selbstbild, also das Selbstkonzept eines Menschen (Staemmler, 2015).

2.2.1 Selbstkonzept

Der Mensch verfährt in der Wahrnehmung seiner Selbst genauso wie in der Wahrnehmung seiner Mitmenschen. Er bildet ein Konzept seines Selbst. Die Quellen, aus denen ein Individuum seine Erkenntnisse zur eigenen Person erlangt, werden in einer weiteren Unterteilung James (1890) aufgezeigt. Zur Konzeption des Selbst dient demnach das materielle Ich, welches das körperliche (physische) Selbst umfasst. Des Weiteren das soziale Ich, welches das Bewusstsein darüber bildet, wie man von anderen wahrgenommen wird sowie das spirituelle Ich. Letzteres beschreibt das Selbst als Wächter der persönlichen Gefühle und Gedanken (Zimbardo & Gerrig, 2004). Die Gesamtheit aller drei Ich’s sind demzufolge als Träger von Informationen zum Selbst zu verstehen. Sie stellen die Grundlage zum Selbstschema eines Menschen.

„Wer bin ich?“, „Was kann ich?“, „Was zeichnet mich aus?“ - Mit diesen vermeintlich simplen und doch komplexen Fragen, beschäftigen sich Menschen von Zeit zu Zeit. Die Beantwortung dieser Fragen hilft Individuen ihr Selbstkonzept zu wahren. Dieses umfasst alle Merkmale, die sich Personen hinsichtlich ihrer Eigenschaften und Fähigkeiten zuschreiben. Im Zuge unterschiedlicher Lebenserfahrungen formt sich ihre Auffassung darüber, ob sie bspw. körperlich attraktiv, charismatisch, intelligent oder ehrgeizig sind. Die Gesamtheit dieser Wahrnehmungen, die sowohl beschreibender als auch bewertender Gestalt sind, kreieren dann das Selbstkonzept zur eigenen Person (Traut-Mattausch et al., 2011).

Wie Mummendey (1995) festhält, sind „Selbstkonzepte als Einstellungen aufzufassen, und zwar als Einstellungen mit der Besonderheit, dass das Einstellungsobjekt die eigene Person ist“ (S. 55). Diese Auffassung des Selbstkonzeptes könnte die Annahme stützen, dass es sich hierbei um ein relativ stabiles und persistentes Konzept handelt. Dennoch betonen Sozialpsychologen, dass das Selbstkonzept eines Menschen je nach Situation unterschiedlich ausfallen kann (Kessler & Fritsche, 2018).

Norbert Schwarz (1987) gelang mittels eines einfachen Experiments zu gleicher Erkenntnis. Er teilte die Testpersonen in zwei Gruppen auf und bat sie jeweils zur Einschätzung der eigenen Durchsetzungsfähigkeit. Während jeder Proband aus Gruppe 1 sechs Beispiele nennen sollte, die eigene durchsetzungsstarke Verhaltensweisen aufzeigen, wurde jeder Teilnehmer aus Gruppe 2 nach zwölf Beispielen gefragt. Den Personen aus der ersten Gruppe fiel es relativ leicht sechs Beispiele ins Gedächtnis zu rufen. Dahingegen hatten die Probanden aus der zweiten Gruppe Schwierigkeiten, ausreichend Beispiele für die eigene Durchsetzungsfähigkeit zu nennen. Anschließend schätzten die Probanden aus Gruppe 2 ihre Durchsetzungsfähigkeit deutlich niedriger ein.

Das Experiment von Schwarz (1987) verdeutlicht, dass die Einschätzungen zu persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, also das Selbstkonzept, in Abhängigkeit von situativen Faktoren variieren kann. Trotz dessen muss dies nicht ausschließen, dass das Selbstkonzept einigermaßen stabil und persistent ist. Denn der „Mensch stellt verschiedene soziale und situative Identitäten dar, und er ist doch stets mit sich selbst identisch. Er präsentiert verschiedene Arten des Selbst und verfügt zugleich über ein relativ stabiles Selbstkonzept“ (Mummendey, 1995, S.57). Man stelle sich z.B. einen Graphen vor, der konstant in eine Richtung verläuft, gleichzeitig allerdings auch Ausschläge nach oben und unten aufweist. Im übertragenen Sinne verhält es sich auch so mit dem Selbstkonzept eines Menschen. Die Antworten, die sich Menschen auf die Fragen „Wer bin ich?“, „Was kann ich?“ und „Was zeichnet mich aus?“ geben, zielen „relativ“ in die gleiche Richtung. Das Selbstbild kann situationsbedingt trotzdem von der höchst individuellen Selbstwahrnehmung abweichen. Bspw. könnte sich ein Basketballspieler während seiner Jugend als außerordentlich sportlich talentiert wahrnehmen. Wenn er nun mit 25 Jahren erstmals in ein professionelles Team übernommen werden würde, dann bestände die Möglichkeit, dass er sich aufgrund seines neuen Umfelds, den vergleichsweise deutlich geübteren Mitspielern, selbst nicht mehr als außerordentlich sportlich talentiert wahrnähme.

Das Selbstkonzept „lässt sich daher allgemein als das Wissen einer Person über sich selbst definieren, das sowohl durch akkumulierte vergangene als auch aktuelle, situative Erfahrungen bestimmt wird“ (Kessler & Fritsche, 2018, S. 73).

2.2.2 Selbstwert

Wie aus Kapitel 2.2.1 hervorgeht, ist das Selbstkonzept als Einstellung zu sich selbst zu verstehen. Genauso wie Einstellungen zu Sachverhalten von kognitiver und evaluativer Art sind, sind es auch diejenigen, die in das Selbstkonzept einfließen. Die Ausprägung des Selbstwertgefühls ist ausdrucksvoll, denn sie gibt Ausschluss darüber, wie die eigene Person wahrgenommen und infolgedessen bewertet wird (Zimbardo & Gerrig, 2004). Das Selbstwertgefühl kann nun als „eine generalisierte wertende Einstellung gegenüber dem Selbst, die sowohl Stimmung als auch Verhaltensweisen beeinflusst und starken Einfluss auf eine Reihe von persönlichen und sozialen Verhaltensweisen ausübt“ (Zimbardo & Gerrig, 2004, S. 634) verstanden werden. Der Selbstwert (bzw. das Selbstwertgefühl) eines Menschen setzt sich somit aus den Bewertungen der selbsteingeschätzten Eigenschaften, Fähigkeiten und Ansichten zusammen. So resultiert bspw. aus der Einschätzung „Ich bin vertrauenswürdig“ die Bewertung „Es ist gut, dass ich vertrauenswürdig bin“. Dabei haben die Informationen, die diesbezüglich einfließen, einen individuell unterschiedlichen Stellenwert. So könnte sich eine Person etwa als mathematisch unbegabt wahrnehmen und gleichzeitig diesem Bereich eine geringe Relevanz hinsichtlich des Selbstwertes zuschreiben. In Abhängigkeit der subjektiven Priorisierung der Information, ergibt sich die Bedeutsamkeit für das Selbstwertgefühl (Mummendey, 1995). Hier wird, in Anbetracht der Tatsache, dass sich der Selbstwert aus der Bewertung der Informationen ergibt, die in das Selbstkonzept einfließen, der Zusammenhang deutlich. Der Selbstwert bildet sich in Abhängigkeit des Selbstkonzeptes.

Forschungsergebnisse zeigen, dass sich bei Menschen, die ein weniger stark ausgeprägtes Selbstkonzept haben, auch ein geringerer Selbstwert verzeichnen lässt (Kuonath, Frey & Schmidt-Huber, 2016) . Auch Zimbardo und Gerrig (2004) halten fest: „Ein geringes Selbstwertgefühl zeichnet sich teilweise dadurch aus, dass weniger Sicherheit über das Selbst besteht“ (S.634). Sowohl die Fülle als auch die Ausrichtungen der Wahrnehmungen zum Selbst, beeinflussen demnach die Beständigkeit und Ausprägung des Selbstwertgefühls einer Person.

2.2.2.1 Impliziter und expliziter Selbstwert

Es wird zwischen dem impliziten und expliziten Selbstwert (englisch: „Trait-" und „State self-esteem") unterschieden. Während das implizite Selbstwertgefühl mit steigender Lebenserfahrung zunehmend stabiler wird, variiert das explizite Selbstwertgefühl stets situationsabhängig (Rosenberg, Schooler, Schoenbach & Rosenberg, 1995). Der implizite Selbstwert versteht sich als Eigenbewertung, dessen Prozess sowohl automatisch als auch unbewusst verläuft. Aus ihm können hauptsächlich Schlüsse zu spontanem Verhalten gezogen werden. Dahingegen lässt sich kontrolliertes Verhalten mittels der Analyse des expliziten Selbstwertes deutlich besser deuten (Petersen, Stahlberg & Frey, 2006). Wie Petersen et al. (2006) ausführen sind „in diesem situativ variierenden Selbstwertgefühl (…) lediglich diejenigen subjektiven Bewertungen repräsentiert, die durch situative Umstände oder durch Motive aktiviert werden“ (S.40).

Nimmt man z.B. einen Mitarbeiter, der von seinen beruflichen Fähigkeiten generell überzeugt ist, jedoch unmittelbar vor einem wichtigen Vortrag, eine negative Rückmeldung bezüglich seiner Leistung von seinem Vorgesetzten erhält. Als Folge dessen könnte der Mitarbeiter während seines Vortrags merklich verunsichert sein.

Um zu verstehen, inwiefern soziale Situationen auf das explizite Selbstwertgefühl wirken, bedarf es einer Erklärung, aus welchen unterschiedlichen Segmenten sich dieses zusammensetzt. Mit dem Ziel den situationsabhängigen Selbstwert zu erfassen, entwickelten Heatherton und Polivy (1991) drei Subdimensionen, aus denen sich der explizite Selbstwert zusammensetzt. Sie unterscheiden dabei zwischen dem leistungsbezogenen („Performance self-esteem“), dem das Aussehen, bzw. die äußere Erscheinung betreffenden („Appearance self-esteem“) und dem sozialen („Social self-esteem“) Selbstwert. Das obige Beispiel wäre demnach Performance self-esteem zuzuordnen. Appearance self-esteem umfasst die Zufriedenheit mit dem äußeren Erscheinungsbild. Dagegen kennzeichnet Social self-esteem das Ausmaß, in dem sich eine Person innerhalb sozialer Situationen bzw. Interaktionen seiner Selbst sicher fühlt (Heatherton & Polivy, 1991).

Hinsichtlich der Wechselwirkung zwischen dem impliziten und expliziten Selbstwert wird davon ausgegangen, dass Teilbereiche des expliziten Selbstwertes vor allem dann auf den impliziten wirken, wenn sie eine Subdimension betreffen, auf den sich der individuelle Selbstwert stützt. Das bedeutet, dass die Wirkung des expliziten auf den impliziten Selbstwert, dem Einfluss der subjektiv empfundenen Relevanz unterliegt. So ist manchen Menschen die Leistung wichtiger als das Aussehen oder andersrum. Auch die Häufigkeit sowie die Zuweisung eines Stellenwertes von auftretenden Situationen, die einen Teilbereich des expliziten Selbstwertes betreffen, spielen eine entscheidende Rolle (Schütz, 2003). Dies kann anhand eines weiteren Beispiels verdeutlicht werden:

Eine Schülerin ist insgesamt zufrieden mit ihrem Aussehen. Weil die meisten Leute aus ihrem sozialen Umfeld Instagram nutzen, beschließt sie sich ebenfalls anzumelden. Innerhalb von zwei Wochen postet das Mädchen drei Fotos, die ihre äußere Erscheinung zeigen. Sie stellt fest, dass sie im Vergleich zu anderen Personen deutlich weniger „Likes" erhält. Infolgedessen könnte sie anfangen darüber nachzudenken, ob sie weniger gut aussieht als die anderen. Würde die Schülerin es bei diesen drei Posts belassen, wäre es wahrscheinlich, dass sich ihre Erfahrung mit der Plattform, die in diesem Fall die Subdimension Appearance self-esteem betrifft, nicht ausschlaggebend auf den impliziten Selbstwert auswirkt. Bei gegenteiliger Reaktion, also dem gesteigerten Nutzerverhalten durch intensivere Selbstdarstellung, und gleichbleibender Resonanz, wäre die Wahrscheinlichkeit für eine Auswirkung größer (vgl. Aspekt der Häufigkeit). Angenommen die Resonanz zu ihrem Aussehen zeichne sich insbesondere in schriftlichen Kommentaren zu ihren Fotos ab und sie würde öffentlich als unattraktiv deklariert werden. Dann könnte sie der situativen Reaktion ihres sozialen Umfeldes einen höheren Stellenwert zuschreiben, wodurch ebenfalls wahrscheinlicher wäre, dass sich ihre Erfahrungen auf den impliziten Selbstwert auswirken (vgl. Aspekt des persönlichen Stellenwertes).

Der Selbstwert des Menschen stellt ein vielfältig erforschtes Konstrukt der Sozialpsychologie dar. Das hängt u.a. damit zusammen, dass das Konstrukt bereits 1990 als Prädiktor für akademische Leistungen aufgefasst wurde (Marsh, 1990). Baumeister, Campbell, Krueger und Vohs (2003) stellen in nachfolgenden Studien zusätzlich fest, dass ein langfristiger Zusammenhang zwischen dem Selbstwertgefühl und dem Wohlempfinden einer Person besteht. Auch ließ sich der Selbstwert als Faktor festlegen, der sowohl die Zufriedenheit in Liebesbeziehungen als auch die Tendenz kriminelle Handlungen auszuüben beeinflusst (Orth & Robbins, 2014).

Die nachfolgenden Kapitel dienen dem Zweck zu erklären, aus welchen Quellen Informationen zum Selbst gewonnen und infolgedessen Bewertungen zur eigenen Person abgeleitet werden.

2.2.3 Quellen des Selbstkonzeptes und des Selbstwertes

Wie bereits in Kapitel 2.2.1 Selbstkonzept beschrieben wurde, stellen das materielle, soziale und spirituelle Ich, die Träger selbstbezogener Informationen dar (Zimbardo & Gerrig, 2004). Die Quellen des Selbstwertgefühls lassen sich demzufolge den verschiedenen Ich’s zuordnen.

Es ist hilfreich zunächst die von Duval und Wicklund (1972) entwickelte Theorie der Selbstaufmerksamkeit zu erläutern. Diese besagt, dass die Aufmerksamkeit eines Menschen generell eher nach innen oder nach außen gerichtet ist. Während also eine Person mit dem Ziel der Selbsterkenntnis, ihre Konzentration verstärkt auf das Selbst richten kann, kann eine andere Person dabei vorwiegend externe Quellen fokussieren, wie z.B. die Zustimmung anderer. Letzteres wird auch als „subjektive Selbstaufmerksamkeit“ verstanden. Der Mensch gilt hierbei als Subjekt, dessen Selbstkonzept vorwiegend durch äußere Einflüsse geprägt ist. Dahingegen meint „objektive Selbstaufmerksamkeit“, dass die Person sich selbst als Objekt in den Fokus rückt (Traut-Mattausch et al., 2011). Studien belegen außerdem den Zusammenhang zwischen einem hohen Selbstwertniveau und der intensiveren Orientierung an internen Quellen (Petersen et al., 2006). Die Selbst- und Fremdwahrnehmung, die soziale Rückmeldung sowie der soziale Vergleich werden mehrheitlich als grundlegende Quellen des Selbstkonzeptes und somit auch des Selbstwertes angesehen (Petersen et al., 2006).

Angesichts der Forschungsfrage dieser Arbeit, ist der Fokus der nachfolgenden Darstellungen insbesondere auf den sozialen Vergleich, als Quelle des Selbstkonzeptes und Selbstwertes gerichtet.

2.2.3.1 Selbstwahrnehmung

Beabsichtigt ein Individuum Eigenschaften und Fähigkeiten eines Mitmenschen einzuschätzen, verhilft die genaue Beobachtung dazu, relevante Schlussfolgerungen zu ziehen (Bem, 1972). Die Selbstwahrnehmungstheorie des Sozialpsychologen Daryl Bem (1972) sagt aus, dass diese Methode ebenso bei der eigenen Person wirksam ist. „Personen nehmen ihre eigenen Verhaltensweisen, Gefühle, Gedanken und körperlichen Zustände wahr und ziehen aus dieser Selbstbeobachtung Rückschlüsse auf eigene Fähigkeiten und Eigenschaften“ (Traut-Mattausch et al., 2011, S. 21). Demnach agieren hierbei das materielle Ich, welches das physische Ich umfasst sowie das spirituelle Ich, das eigene Gefühlszustände und Gedanken überwacht.

Des Weiteren beschreibt die Selbstwahrnehmungstheorie, dass Menschen nicht in der Lage sind, alle internen Zustände zu deuten oder zu benennen. Das hängt damit zusammen, dass diese auch unbewusst auftreten. Bei einer erkenntnisreichen Selbstbeobachtung muss ein Individuum versuchen, sich selbst deshalb als Außenstehender zu betrachten. Hinsichtlich der Selbstwahrnehmung gilt es demnach, das eigene Verhalten zu analysieren und daraus interne Informationen abzuleiten. Der Prozess ist daher mit jenem zu vergleichen, der dazu dient, Einschätzungen zu anderen zu treffen (Bem, 1972). So kann bspw. aus der Beobachtung, dass man sich innerhalb einer neuen Gruppe sehr still verhält, der Rückschluss gezogen werden, eine schüchterne Person zu sein. Allerdings werden auch stets identifizierbare Umstände zur Schlussfolgerung mit in Betracht gezogen (Kessler & Fritsche, 2018). In diesem Sinne könnten situative Faktoren, z.B., dass die Mitglieder der Gruppe einem selbst sehr unähnlich schienen, das stille Auftreten der eigenen Person rechtfertigen.

Es darf nicht außer Acht gelassen werden, dass Informationen abhängig davon, wie sie sich auf den Selbstwert auswirken könnten, unterschiedlich verarbeitet werden (Traut-Mattausch et al., 2011). Diesbezüglich folgt in Kapitel 2.2.4 Selbstwertdienliche Prozesse eine detaillierte Erklärung.

Wie in Kapitel 2.1.1 Das menschliche Wesen festgehalten wurde, handelt es sich beim Menschen von Natur aus um ein soziales Wesen, welches stets nach dem grundpsychologischen Bedürfnis nach Zugehörigkeit strebt (Vester, 2009). Deshalb ist es für den Selbstwert auch relevant, inwieweit sich ein Mensch selbst als der Gesellschaft oder Gruppen zugehörig wahrnimmt. Denissen, Schmitt, Penke und Van Aken (2008) zufolge sinkt der wahrgenommene Selbstwert, wenn ein Individuum sozialen Ausschluss erfährt. Dahingegen steigt er durch das Gefühl von Akzeptanz und Zugehörigkeit. Demzufolge ist der soziale Anschluss nicht als die Konsequenz, sondern als Grundlage eines positiv ausgeprägten Selbstwertes zu sehen.

2.2.3.2 Fremdwahrnehmung und Soziale Rückmeldung

Menschen nehmen auf ihre Eigenschaften und Fähigkeiten bezogene Wahrnehmungen, insbesondere vonseiten ihnen wichtiger Personen, mit in das Selbstkonzept auf. Zu dieser Annahme kamen Anhänger des symbolischen Interaktionismus bereits im frühen 20. Jahrhundert (Traut-Mattausch et al., 2011). Der Soziologe Charles Cooley (1902) manifestierte diese Aussage mittels seines entwickelten Bildes des „looking-glas self“ (u.a. bekannt als „looking-glas effect“). Diese Bezeichnung wird im deutschsprachigen Raum häufig als „Spiegelbildeffekt“ bezeichnet. Cooley (1902) zufolge ist das Selbstkonzept mit verschiedenen Spiegelbildern der eigenen Person zu vergleichen. Jedes dieser Spiegelbilder zeigt die Fremdwahrnehmung (die Wahrnehmung anderer zum Selbst) zur eigenen Person aus Sicht eines bedeutsamen Mitmenschen (Petersen et al., 2006). Man stelle sich vor, drei Spiegel repräsentieren die Wahrnehmung jeweils aus Sicht der Mutter, der Partnerin und der Ex-Freundin. Es wird schnell deutlich, wie unterschiedlich die Fremdwahrnehmung hierbei ausfallen kann. Weil Beziehungen zu nahestehenden Personen einen größeren Einfluss auf Emotionen und Gedanken haben und deswegen von höherem Stellenwert sind, fließen die Informationen, die sich aus der eingeschätzten Fremdwahrnehmung ergeben, mit in das Konzept des Selbst ein. Sie wirken somit auch auf den Selbstwert (Traut-Mattausch et al., 2011).

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Titel: Soziale Vergleiche auf Instagram und das Selbstwertgefühl der Nutzer. Wie die sozialen Medien unsere Selbstwahrnehmung beeinflussen