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Das Littleton Massaker - Das Ergebnis medialer Gewalt?

Hausarbeit 2002 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Einleitung

Ich möchte mich in dieser Hausarbeit, mit der Gewalt in Filmen und deren eventuellen Einfluss auf Kinder und Jugendliche wie Dylan Klebold und Eric Harris auseinandersetzen und versuchen zu erklären ob Filme diese beiden Jungen zu dieser Tat getrieben haben könnten. Ich habe mein Thema deshalb auf die Filme und die Gewalt die in ihnen statt findet spezialisiert, da in den letzen zwanzig Jahren kaum ein Medium so oft genutzt wurde wie der Fernseher und „die meisten Nachahmungsmorde auf der Grundlage von Filmen basieren“1

Das Geschehen

„Am Morgen des 20.04.1999 stehen zwei Jungs, Eric Harris (18) und Dylan Klebold (17), bei ihrem schwarzen BMW auf dem Parkplatz vor der Columbine High School in Littleton. Es ist 11:17 Uhr. Wenige Minuten zuvor haben diese beiden Schüler zwei Seesäcke in die Cafeteria gebracht, in denen sich selbstgebaute Rohrbomben befinden. Immer noch vor der Schule stehend, ziehen sich Eric Harris und Dylan Klebold ihre schwarzen Trenchcoats an, nehmen ihre Waffen und bestücken diese sowie sich selbst mit Munition.

Sie warten darauf, dass das passiert was sie auf ihrer Homepage und in fünf selbstgedrehten Videos ankündigen. Sie warten darauf, dass die Bomben in der Cafeteria explodieren und die Schüler aus der Schule treiben, damit Eric und Dylan sie mit einem Kugelhagel empfangen können. Doch weder die Bomben in der Cafeteria, noch die Bomben in einigen Meilen Entfernung- die als Ablenkungsmanöver gelten sollten- oder die Bombe die den schwarzen BMW zur tödlichen Falle für Polizei und Einsatzkräfte werden lassen sollte, explodierten. Da keine der Bomben, die die Beiden lange zuvor in den Garagen ihrer Eltern gebaut hatten, ihren Zweck erfüllt, müssen Dylan Klebold und Eric Harris ihren Plan ändern.

Sie warten kurz und gehen dann in ihren langen schwarzen Trenchcoats und mit Munition und Waffen bestückt auf die Columbine High School zu. Währenddessen beginnen sie wahllos umherzuschießen und töten dabei zwei Schüler.

Kurze Zeit später betreten die beiden Außenseiter die Schule. Sie sind mit zwei abgesägten Schrotflinten, einer halbautomatischen Pistole und einem Neun- Millimeter Gewehr bewaffnet und haben keine Hemmungen einfach abzudrücken.

Eric und Dylan beginnen erneut wahllos um sich zu schießen und betreten die Schulbibliothek. Durch ein Fenster der Bibliothek sieht die Lehrerin Patti Nielson auf welche Art und Weise die beiden Jungs auf dem Flur agieren und ruft die Polizei. Bei der Ankunft der Killer lässt sie jedoch augenblicklich den Hörer fallen und so können die diensthabenden Polizisten mithören und sogar aufzeichnen, wie Eric Harris und Dylan Klebold den achtzehnjährigen, schwarzen Mitschüler Isaiah Shoels als „Nigger“ bezeichnen, ihn mit einem Kopfschuss hinrichten und danach lachen und sagen: „So sieht also das Gehirn eines Niggers aus“. Die beiden Killer machen sich offensichtlich einen Spaß aus dem Töten ihrer Mitschüler.

Matt Kechter, ein sechzehnjähriger Sportler, soll das nächste Opfer sein. Eric und Dylan hassen ihn, gerade weil er einer der erfolgreichsten Sportler der Columbine High School ist und verspotten ihn noch kurz bevor sie ihn ebenfalls erschießen. Nun folgt die siebzehnjährige Carey DePooter. Die Polizei kann Eric Harris und Dylan Klebold lachen hören, während die anderen Schüler schreien. Wenige Augenblicke danach gibt einer der beiden Jungs dem anderen ein Zeichen und deutet ihm somit still zu sein. Der achtzehnjährige Eric Harris geht daraufhin zu einem Tisch unter dem sich Cassie Bernall versteckt und ruft: „Peekaboo!“ was in der deutschen Sprache einem „Buh!“ gleichkommt.

Nun ist es still, niemand sagt mehr etwas und ein paar Sekunden später ist nur noch die Waffe zu hören, die Eric abdrückt, nachdem er sie Cassie Bernall ins Gesicht gepresst hat. Der Rückstoß bricht ihm die Nase, doch nicht einmal dies kann ihn von seinem schrecklichen Vorhaben abbringen.

Das nächste Opfer sitzt hilflos auf dem Fußboden. Brea Pasquale war es nicht gelungen sich unter einem Tisch zu verstecken. Eric fragt sie nun, ob sie heute sterben will. Brea verneint die Frage und wird nur verschont weil Dylan nach Eric ruft. Gegen 11:40 Uhr verlassen die beiden Jungs die Bücherei und gehen die Treppe hinunter, die direkt zur Cafeteria führt.

Auf den Überwachungskameras der Schule, wird die Polizei später erkennen, dass Eric und Dylan in der Cafeteria aus verschiedenen Bechern trinken, die geflohene Schüler kurz zuvor zurückgelassen haben. Zwischendurch schießen sie aus den Fenstern der Cafeteria auf angerückte Sicherheitskräfte und gehen wenige Minuten später zurück in die Bibliothek.

Erik und Dylan erreichen die Bibliothek gegen 12:00 Uhr und erkennen durch die Ankunft von Sondereinsatzkommandos, die sich darauf vorbereiten die Columbine High School zu stürmen, dass ihr „großer Tag“ sich dem Ende nähert. Dylan Klebold stellt daraufhin einen Molotow- Cocktail auf einen Tisch und zündet ihn an. Als dieser anfängt zu brennen, beendet Eric Harris sein Leben indem er sich, wie zahlreichen Schülern zuvor, in den Kopf schießt. Dylan Klebold folgt ihm wenige Sekunden später. Die Sprinkleranlage löscht den Molotow- Cocktail und auch die letzte Bombe der beiden Killer zündet nicht.

Um 12:05 Uhr sind die beiden Attentäter tot und unter ihren schwarzen Trenchcoats lauert noch genug Munition um weitere Menschen zu töten.“2

Die Schuldigen?

Was klingt wie das Drehbuch aus der Feder eines berühmten Hollywooddrehbuchautors, das mit der richtigen Besetzung mit Sicherheit Millionen von Zuschauern in die Kinos gelockt hätte, war am 20.04.1999 blutiger Ernst. Die Bilanz dieses Amoklaufs sind insgesamt 15 Tote3 und 23 Verwundete4.

Nur kurze Zeit später suchte man nach den Schuldigen dieser Hinrichtungen. Wie konnte etwas derartiges in der Kleinstadt Littleton und auch noch in einer der besten Schulen Amerikas, der Columbine High School, geschehen? Man brauchte Erklärungen, Schuldige und man wollte diese Tat gesühnt sehen, also wurden „Anschuldigungen gegen Musiker wie zum Beispiel Marilyn Manson, Musik überhaupt, Computerspiele wie das 3D Spiel „DOOM“, das Internet, die Goth-Szene, die Eltern der beiden Jungen und verschiedene Filme laut.“5

Die Lieblingsfilme

Nach dem zwanzigsten April wurden zwei bestimmte Filme verurteilt, die zum einen als sehr gewaltverherrlichend gelten und zum anderen die Lieblingsfilme von Eric Harris und Dylan Klebold waren.

Der erste dieser Filme heißt „Basketball Diaries“ und in ihm existiert eine Szene, die mehr als nur Aufsehen erregt hat. „In dieser Szene stürmt Leonardo di Caprio alias Jim Carroll in der Rolle des Protagonisten in einem schwarzen langen Trenchcoat ins Schulgebäude und erschießt Schüler, die ihn vorher auf psychische und physische Art und Weise gequält haben. Diese Szene spielten Eric und Dylan sogar in einem ihrer fünf selbstgedrehten Videos nach und setzten sie am Tag ihres Amoklaufes in die Realität um.“6

Der andere von mir angesprochene Film heißt „Natural Born Killers“. In diesem Film verlieben sich zwei Menschen und beginnen durch ganz Amerika zu reisen und eine Spur von Blut und Tod zu hinterlassen, da sie sich von der Gesellschaft missverstanden fühlen und Spaß daran haben zu morden. „Dieser Film gilt als Satire auf die amerikanische Gesellschaft, die Gewalt glorifiziert. Er ist eine Satire auf die Medien, die jeden Tag Gewalt verkaufen“.7 Ich muss jedoch zugeben, dass ich in diesem Film keinen satirischen, sondern lediglich einen gewaltglorifizierenden Charakter erkennen konnte. Doch gaben die beiden, oder vielleicht auch andere Filme wirklich den Anstoß zu derartigen Taten oder galten sie eventuell lediglich als Inspiration, nachdem der Beschluss zu Töten bereits gefasst war und hätten die 158 Morde durch eine Kontrolle der Medien verhindert werden können?

[...]


1 Kunczik, M.: S.4

2 http://www.6thfloor.de/sciencenet/littleton.html

3 http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,50387,00.html

4 http://www.6thfloor.de/sciencenet/littleton.html

5 http://www.6thfloor.de/sciencenet/littleton.html

6 http://www.6thfloor.de/sciencenet/littleton.html

7 http://www.6thfloor.de/sciencenet/littleton.html

8 http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,50387,00.html

Details

Seiten
20
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638129084
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4759
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Kommunikationswissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Littleton Gewalt in Medien mediale Gewalt

Autor

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